Mittlerweile liegt mit dem dritten Band die gesamte Serie bei Salleck Publications auf Deutsch vor. Dabei hat Rider on the Storm durchaus eine interessante Entwicklung durchgemacht. In Band 1 stand eine junge Ermittlerin im Fokus: Ihre Kollegen waren keinesfalls bereit, einer Frau irgendwelche Zugeständnisse zu machen und die heute etwas verklärten 70-er ließen grüßen. Band 2 war dann eine Mischung aus Krimi und Drama. Immer schon lief die Vorliebe des Helden für Motorräder mit, für Band 3 darf sie in den Vordergrund treten.
Die Legende MV Augusta
Wer kann sich noch an „Ago“ erinnern? Kaum ein Motoradsportler hat sich so in die Herzen der westlichen Welt gefahren wie dieser Italiener, der Ende der 60-er bis Mitte der 70-er die Pisten auf einer MV Augusta dominierte. Gaspard, der Held dieser Serie, hat mittlerweile erfahren, dass sein echter Vater gar nicht gestorben ist, sondern in Italien lebt. Er macht sich also auf in den Süden nach Rom und versucht dort, einerseits seinen Vater aufzuspüren.
Da er aber auch leben muss und seine große Liebe sowieso den Rennmaschinen gilt, versucht er gleichzeitig, eine Einstellung bei MV Augusta als Rennfahrer zu bekommen. Viele Seiten dieses Bandes handeln davon, wie die Maschine reagiert, wie Fahrer und Motorrad zu einer Einheit werden können, aber auch müssen und was dabei behindert.
Daneben geht auch der Krimiplot weiter. Die Organisation Storm entpuppt sich als größer und internationaler als gedacht und es ist keineswegs ausgemacht, dass der hinter Gittern sitzende Raoul de Groot seinen Einfluss verlieren wird. Spannende Verknüpfung dieser beiden Stränge durch das Szenario von Géro!
Gezeichnete Bewegung
Baudovin Deville obliegt es, die Geschwindigkeit der MV Augusta und ihren Sound auf das Papier zu bringen. Einerseits verwendet er dafür klassische Elemente wie Bewegungslinien und Soundwords. Jede*r Liebhaber*in von Motorsportcomics wird hiervon ebenfalls begeistert sein. Er nimmt sich dabei aber selber nicht allzu ernst, wenn er etwa den erschrockenen Igel benutzt, um die Situation darzustellen. Mir gefällt das!
Personen werden bevorzugterweise nur bis zum halben Oberkörper gezeigt. Deville kann aber auch Bewegungen und ganze Körper darstellen, es passt ihm scheinbar einfach nicht so. Realistische Zeichnungen mit gut recherchiertem Ambiente, das die Luft der 70-er atmet.
Spannende Serie
Die in drei Bänden abgeschlossene, in sich sehr abwechslungsreiche Serie bedient verschiedene Geschmäcker. Zunächst einmal ist es ein gut gemachter Krimi. In allen Bänden bekommen Motorradfans ihre Spezialseiten, im dritten sogar auch viel Renngeschehen. Und auch die 70-er Jahre sind gut dargestellt und abgehandelt: Mode, gesellschaftliche Konflikte aber auch Lebensentwürfe!
Der Hardcoverband enthält nicht nur einen kurzen gezeichneten Rückblick auf die ersten beiden Teile, sondern auch Infomaterial zu MV Augusta und den Rennen. Der Einband ist sehr ansehnlich gestaltet und preislich ist der Band ebenfalls völlig in Ordnung. Im Regal steht er wahrscheinlich näher an Michel Vaillant als an Parker oder Caroline Baldwin.
Dazu passen The Knack (etwa My Sharona) und ein Dosenbier.
Harry und Platte waren schon etwas in die Jahre gekommen.
Ihren ersten Auftritt hatten sie 1938 und sie waren eine von vielen Comics, die
vom Slapstick lebten und bei denen der Humor deutlich über einem stringenten
Storyaufbau stand. Mitte der 50-er Jahre erlebte die Serie allerdings einen
rasanten Wechsel: Mit den Szenarios von Rosy
für die Zeichnungen von Will, der
Figur des Schock und spannenden Episoden erreichte die Serie ihren Höhepunkt.
Auch unter Tillieux und Desberg zeichnete Will fleißig weiter und erst mit seinem Rückzug begann der Niedergang.
Mit der ebenfalls bei Salleck
erschienenen dreibändigen Origin-Story des behelmten Verbrechers Schock Die Geister von
Knightgrave wurde der erste Versuch eines Relaunchs gestartet. Er war anscheinend
erfolgreich genug um jetzt mit dem aktuellen Album von Blutch und Robber einen
weiteren Mosaikstein hinzuzufügen!
Die Story
Es beginnt mit einem Einbruch; die beiden Täter können
entkommen und die herbeigerufene Polizei findet den gefesselten Besitzer der
Villa sowie einen Raum mit einer Vielzahl von gestohlenen Bildern und
Kunstgegenständen vor. Die Leser*innen können unschwer entdecken, dass Harry
und Platte hinter diesem Coup stecken.
Bei einer Lesung ihres neuen Buches über eben diesen Kunsthehler (das es auf französisch wirklich gibt!) erhält Harry ein Buch mit der Frage, wo Kiki sei, und versucht noch den Überbringer zu stellen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass die Comtesse, häufige Begleiterin der beiden Helden, verschwunden ist, und viele Anzeichen deuten auf eine Entführung. Dazu kommt, dass sich die Tochter des Einbruchsopfers nicht damit abfinden will, dass ihr Vater im Knast sitzt. Sie versucht mit allen Mitteln, ihn zu befreien und schnell wird deutlich, dass es eine Verbindung geben könnte.
Robber gelingt es,
eine sehr ausbalancierte Geschichte zwischen Situationskomik und sogar Klamauk
auf der einen und einer raffinierten Kriminalgeschichte auf der anderen Seite abzuliefern,
die dazu noch ein phantastisches Element enthält. Sie passt sich daher sehr gut
an die Essenz der Originalserie an, modernisiert aber trotzdem.
Die Zeichnungen
Blutch ist ein hochdekorierter Künstler und einer der aktuellen Stars der französischen Szene. Seine bisherigen Arbeiten waren allerdings alles andere als leichter Mainstream und auch mit dieser Adaption bewegt er sich nicht in seichtem Fahrwasser. Seine Figuren sind auf den ersten Blick nicht gemäß der klaren Linie oder der Marcinelle-Schule, zu überzeichnet und zu „dunkel“ kommen sie daher. Während Harry seinem Vorgänger äußerlich noch sehr ähnlich sieht, ist Platte ohne ihn kaum einzuordnen. Dabei sind alle markanten Merkmale vorhanden und nur leicht verschoben. Das allein ist schon Grund genug für Fans, diesen Band zu kaufen und für alle, die dem momentanen Trend der “Hommage-Bände“ frönen, sowieso!
Für die betulichen 60-er Jahre wären die Zeichnungen zu krass, in den später aufkommenden Zeitschriften mit Comics für Erwachsene aber sicherlich hochwillkommen gewesen. Heute sind sie nicht mehr schockierend, die Bildsprache hat sich gewandelt und für die nachgewachsenen Leser*innen, die die Originale nicht aus ihrer Jugend kennen, ist der Stil sicherlich viel akzeptabler als das Original und so verwundert es auch nicht, dass das Album im französischen Spirou vorabgedruckt worden war.
Die Wertung
Für mich eine sehr gelungene Modernisierung einer schon
früher sehr guten Serie. Die alten Hasen werden viele kleine Hinweise und
Zitate auf das Original finden, den Neueinsteiger*innen wird eine schnelle,
leicht überdrehte Krimigeschichte mit Mystery-Elemente geboten!
Das übergroße Format im Hardcover, das feste, die Farben sehr gut zur Geltung bringende Papier und der dafür sehr angemessene Preis verhindern definitiv einen Fehlkauf und wer will, kann sogar zu einer limitierten Vorzugsausgabe greifen, die zusätzlich ein signiertes ExLibris und Zeichnungen enthält.
Cover der limitierten Vorzugsausgabe
Wer jetzt noch weiterlesen möchte: Nicht nur die oben
bereits erwähnte Serie um den Hintergrund des Schock erscheint bei Salleck Publications, auch die Originalserie
erscheint hier in chronologischer Abfolge als Gesamtausgabe!
Dazu passen die grandiosen Berurier Noir aus Frankreich und ein Triple Secret des Moines.
Harry und Platte
(oder auch Gin & Fizz zu Kauka– und Semic-Zeiten bzw. Tif et Tondue
im Original) war eine der bekanntesten Serien aus Spirou. Sie war schon in der ersten Ausgabe 1938 mit von der Partie
und lief fast 60 Jahre bis sie – wie wir heute wissen – vorläufig eingestellt
wurde. Das aktuelle Heft 4241 bringt dir Rückkehr der beiden Helden aus der
Feder der Gebrüder Blutch.
Bereits seit 2014 ist Schock zurück. Ursprünglich von Maurice Rosy in die Serie eingeführt, entwickelte sich der Bösewicht mit dem Ritterhelm schnell zu einem wesentlichen Bestandteil der Serie und führte als brutaler Gegenspieler die beiden Titelhelden oft genug an den Rand der Verzweiflung. Obwohl sich Herr Schock und seine Organisation Die Weiße Hand im Endeffekt nie als Sieger fühlen durften, haben sie doch in der ganzen Zeit nie wirklich verloren und so war die Identität des maskierten Verbrechers bisher nicht gelüftet worden.
Die dreiteilige Reihe Die
Geister von Knightgrave sollte genau mit diesem Pfund wuchern können,
beschreibt sie doch die Entwicklung eines jungen Mannes – Eden – , der unter
seinem Vater leidet, hin zu einem bösartigen Verbrecher. Besonderen Charme
zieht die Geschichte daraus, dass Éric
Maltaite, der Zeichner der neuen Abenteuer des Herrn Schock, der Sohn von Will Maltaite ist, der fast 40 Jahre
lang die Hauptserie gezeichnet hatte.
Die Geschichte
Der dritte Teil beginnt mit einer wilden Verfolgungsjagd in Istanbul Mitte der fünfziger Jahre. Der Text aus dem Off stammt von dem maskierten Schock und endet mit den Worten „Ich habe Frieden gefunden“.
Diese Sequenz ist auch schon typisch für einen Teil des
Comics: Viel Action, lautes Gedonner der Kanonen oder Bomben, schnelle Schnitte.
Die Umsetzung als Kinofilm ist hier bereits vorweggenommen und es wird ein pyrotechnisches
Spektakel erster Güte geboten. Andererseits ist die Geschichte aber auch sehr
ruhig erzählt, wenn sich die Inspektoren Allumette und Fixchusset nach einer
Beerdigung unterhalten. Insgesamt aber bestimmen die temporeichen Elemente die
Geschichte. Stéphan Colman bringt
aber auch viel Zeitgeschichte in seinem Szenario unter. Episoden spielen zu
Beginn des Hitlerregimes im Berlin der Olympischen Spiele oder auf dem
Obersalzberg bzw. zeigen die Hamburger Bombennacht, die zu dem Feuersturm
führte, der weite Teile der Stadt vollkommen zerstörte.
Die Geschichte springt dabei munter zwischen den verschiedenen Zeiten und vermischt das Ganze noch mit einer Entführung. Colman und Maltaite lassen sich aber viel Zeit für die einzelnen Handlungsbestandteile. Immerhin ist auch dieser dritte Teil wie die ersten beiden 86 Comicseiten lang.
Die Leser*innen erfahren im Übrigen nicht nur, wer der Schock
ist, sondern z. B. auch, dass sein Vater seine Soldatenspielfiguren verbrannt
hat, der Kleine und auch sein Vater von seiner Mutter sehr geliebt worden sind
und dass sich der Verbrecher trotz aller seiner Fehler um eine alte Nachbarin
kümmert. Niemand – und das ist das gute an der Geschichte – wird eindimensional
dargestellt und nichts ist so einfach, wie es scheint.
Dadurch hält sich die Story natürlich das Potential für weitere Geschichten offen. Viel wichtiger ist aber, dass es dadurch mehr Spaß macht, den Entwicklungen zu folgen und die Scheidepunkte zu reflektieren. Wäre eine andere Möglichkeit gegeben gewesen? Und fast immer lautet die Antwort „ja“.
Das letzte Panel, soviel sei verraten, bildet einen
perfekten Übergang zum ersten Auftreten des Verbrechers in der Originalserie.
Die Umsetzung
Dieser Abschlussband erscheint wie schon seine Vorgänger in etwas größerem Format als Hardcover und auf festem, leicht glänzendem Papier. Die ebenfalls erhältliche, auf 250 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe ist wegen der zusätzlichen Skizzen und Illustrationen sogar noch etwas dicker und beinhaltet ein signiertes Ex Libris sowie ein anderes Covermotiv. Der Preis von 25€ (bzw. 59 für die VZA) ist somit angemessen. Erschienen ist das Ganze beim rührigen Eckart Schott Verlag der nicht nur unter dem Namen Salleck Publications ein ums andere Mal Perlen der frankobelgischen Comickunst nach Deutschland bringt, sondern auch seit mehreren Jahrzehnten Zeichner*innen zu Comic Börsen, Messen und ähnlichen Veranstaltungen einlädt!
Variantcover der limitierten Ausgabe
Naturgemäß ist es bei einer von Anfang an auf drei Teile
angelegten Story nicht einfach, erst später einzusteigen und so würde ich für
den vollen Genuss tatsächlich die Anschaffung aller Bände empfehlen! Wenn, ja
wenn? Es lohnt sich für diejenigen, die Fans der ursprünglichen Geschichten um Harry und Platte sind und wissen wollen,
warum der Herr Schock wurde was er ist. Die Story selbst ist eine lange aber
spannende Geschichte über den Reiz des Verbrechens im Vergleich mit dem schnöden
Leben des Gesetzestreuen – aber keine Angst für die Moraltreuen: Verbrechen
lohnt sich im Endeffekt dann doch nicht, denn der Ritterhelmträger siegt ja
nicht wirklich (siehe oben). Es ist ein sowohl gut konstruierter als auch gut
gezeichneter Beitrag des aktuellen frankobelgischen Schaffens (abseits von
Fantasy jeglicher Spielart) und die Ausgabe ist herstellerisch schön gemacht.
Dazu passen viele Sachen und dann doch wieder nichts
richtig. In Anbetracht des Schlusses empfehle ich dazu ein englisches Ale und
ein wenig Britpop von Pulp.
Go West ist eine zehnteilige Serie von Kurzgeschichten mit einer Länge von 7
bis 20 Seiten die in dem belgischen Tintin-Magazin
zwischen 1971 und 1978 veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen
damaligen Serien war sie von Anfang an auf einen alle Teile überspannenden Plot
ausgerichtet und erzählt die Geschichte des arbeitslos werdenden Buchhalters
Barnaby Bumper und seiner Gefährten auf ihrem Treck von der amerikanischen
Ostküste ins den „Wilden Westen“.
Das Szenario stammt von Michel Régnier, der unter seinem Künstlernamen Greg veröffentlichte. Als Chefredakteur von Tintin überführte er das Magazin aus der klassischen Struktur mit ein bis zwei Seiten pro Abenteuer pro Woche zu einem neuen Format in dem die Geschichten in sieben bis acht Wochen veröffentlicht wurden. Die Teile sollten dabei eine Art „Kapitelstruktur“ aufweisen um einerseits einen wirklichen Lesegenuss zu ermöglichen, andererseits natürlich zum Kauf des nächsten Heftes anregen (Mehr dazu hier). Zu den längeren Alben kamen dann eben auch Kurzgeschichten wie Go West, die aufeinander aufbauten, aber nicht Woche um Woche erscheinen mussten. Greg hat neben dieser Westernserie auch andere Szenarios in diesem Genre verfasst, unter anderem für Chick Bill, den Lucky-Luke-Ableger Jolly Jumper und natürlich für Comanche, gezeichnet von Hermann.
Derib (das ist Claude de Ribaupierre) hatte seine Karriere als Zeichner im Atelier von Peyo begonnen. 1969 begann er an seinem großen Thema, dem Leben der Indianer zu arbeiten und veröffentlichte die ersten Folgen der Geschichten um den kleinen Yakari bevor dann die Arbeit an Go West startete. Sein Hauptwerk Buddy Longway, die Geschichte eines weißen Trappers, sollte kurz darauf starten.
Die noch ganz im Funny-Stil gezeichnete Serie enthält bereits alle späteren Thematiken: Nicht alle Weißen kommen als Eroberer und wollen sich das Land untertan machen. Sie haben zum Teil kaum eine andere Wahl, wenn sie für den Unterhalt ihrer Familie sorgen wollen. Viele von ihnen wollen aber keinesfalls ihren Lebensentwurf anderen überstülpen sondern in Frieden mit anderen Menschen und der Natur leben. Ein weiteres Sujet ist der Konflikt zwischen der Gewalt des Stärkeren und den Errungenschaften der Zivilisation, hier in dem Kapitel „Die Strasse der Sonne“ als Konflikt zwischen Lynchjustiz und Gerichtsbarkeit dargestellt.
Über allem schwebt aber die Kritik am Rassismus: So besteht die Reisegruppe, die sich im Laufe der Geschichten immer mehr erweitert auch aus einem Farbigen und einem Sioux. Beide spielen tragende Rollen und müssen doch ihre oft von anderen unterstellte Minderwertigkeit erdulden. Derib und Greg vermeiden den Zeigefinger und bringen ihre Kritik trotzdem deutlich rüber. Auch die Indianer werden keinesfalls wie in anderen Western als blutrünstige Wilde dargestellt. Sie sind zu Frieden fähig und willig. Nur in einer Randnotiz weisen die Autoren darauf hin, dass der ausgehandelte Frieden von Medicine Lodge nicht an ihnen, sondern an weißen Soldaten wie General Custer gescheitert ist.
Der Zeichenstil Deribs entwickelt sich von Geschichte zu Geschichte weiter und verfeinert sich. Anfangs sind es noch sehr großflächige Dekors, die die Handlung begleiten, doch sie werden immer detailreicher und kleiner, so dass am Ende die Figuren immer noch einem Funny entsprechen, die Hintergründe aber schon fast realistisch wirken. Damit vollzieht Derib die Entwicklung, die er in Buddy Longway noch konsequenter verfolgt hat, hier zum Teil nach. Darin liegt auch ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Charmes dieser Ausgabe, dass auf so engem Raum so viel Entwicklung sichtbar wird. Zudem ist die Kombination aus Detailreichtum und figürlicher Überzeichnung auch nicht so häufig anzutreffen.
Es gibt noch eine weitere Ausgabe dieses
Titels, erschienen 1978 im Carlsen Verlag.
Sie enthält aber im Gegensatz zu der bei Salleck
Publications als Hardcover erschienenen Gesamtausgabe nur die ersten neun
Geschichten. Die zehnte, abschließende Folge wurde hier das erste Mal auf
Deutsch veröffentlicht. Die Ausgabe umfasst des Weiteren ein paar redaktionelle
Seiten mit einem Text über die Geschichten, ihre Rezeption und die weiteren
Werke der beiden Künstler. In dem Artikel finden sich auch Abbildungen der Tintin-Cover mit Bezug zu Go West. Das verwendete Papier ist
relativ dünn, aber blickdicht und lässt die Zeichnungen durch die etwas
glänzende Struktur gut zur Geltung kommen.
Die Gesamtausgabe von 2014 ist noch lieferbar und daher problemlos zu bekommen.
Go West ist aus mehreren Gründen zu gut, um in Vergessenheit zu geraten. Zum einen ist es ein früher Vertreter des neuen Weges, Comic-Abenteuer in wöchentlichen Magazinen erzählen zu wollen. War es ursprünglich genug, eine Seite mit einem Gag zu versehen und die Held*innen zu präsentieren, verlangte das Publikum immer mehr einen übergreifenden Plot hinter den Seiten und wollte zwar kurze aber abgeschlossene Inhalte konsumieren. Hier zeigt sich die Konkurrenz des Fernsehens mit seinen Serien. Andererseits ist Go West die Grundlage für die weiteren Serien von Derib über das Leben der Indianer und einer der Startpunkte für ein differenzierteres Bild als die üblichen Western es traditionell vermittelten. Zwar gab es auch im TV-Bereich schon Ansätze, etwa High Chaparral, der Mainstream sah aber entweder den bösen Indianer oder idealisierte nicht minder problematisch den „guten und edlen Wilden“.
Insbesondere wegen der Wüstenszenen wäre dazu
eine selbstgemachte Zitronenlimonade perfekt! Musikalische Untermalung kann nur
Country und Western sein – Wie wäre es mit The
Common Linnets aus unserem westlichen Nachbarland?
DE: aktuelle, zweibändige Gesamtausgabe bei Salleck Publications sowie einzelne Bände bei Splitter Verlag (alt), Salleck Publications, ZACK (Mosaik)
Last updated: Juni 2023
Chinaman ist eine klassische Westernserie von
dem Szenaristen Serge Le Tendre und
dem Zeichner OlivierTaDuc. Beide kommen aus Frankreich und
haben sich für diese Reihe von der Fernsehserie „Kung Fu“ inspirieren lassen. Ihr Held, John Chinaman, ist zwar
ebenfalls als Chinese in den USA mit der fremden Kultur konfrontiert und setzt
asiatische Kampftechniken ein, er ist allerdings – zumindest anfangs – noch
sehr beeinflusst von den chinesischen Triaden und damit nicht so eindeutig
„gut“ wie Caine. Insgesamt sind zwischen 1997 und 2007 im französischen
Original neun Teile erschienen.
UPDATE: Die deutsche Veröffentlichungsgeschichte war lange Zeit lückenhaft: Neben zwei Bänden im „alten“ Splitter-Verlag und zwei weiteren bei Salleck Publications sind drei Abenteuer in den Anfangsjahren des „neuen“ ZACK in Fortsetzungen erschienen. Mittlerweile ist eine zweibändige Gesamtausgabe bei Salleck Publications erschienen. diese enthält nicht nur alle Bände, zum Teil also in Deutscher Erstveröffentlichung, sondern auch weitere Zeichnungen, eine Broschüre und ein Interview!
In den Niederlanden hat die Serie dagegen mehr Anklang gefunden: Alle Bände sind bei Dupuis teilweise sogar mehrfach erschienen und sind noch lieferbar.
Der größte Erfolg von Le Tendre ist sicherlich die Reihe Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, einer der ersten großen
Fantasy-Reihen des modernen Autorencomics und gezeichnet von Régis Loisel. Mittlerweile ist auch eine
zweite Staffel erschienen. Der Autor hatte seine Comic-Karriere eigentlich als
Zeichner beginnen wollen. Pierre Christin
konnte ihn allerdings nach dem Abschluss eines Zeichenseminars überzeugen, doch
lieber seine Stärken als Szenarist auszuleben. Weitere von ihm verfasste
Szenarien mit verschiedenen Zeichnern sind ebenfalls auf Deutsch erhältlich: Tai Dor, oder Jackie Kottwitz seinen als Beispiele genannt. Auch hier gilt, dass
auf Niederländisch erheblich mehr Werke vorliegen!
Die Serie Chinaman verfolgt einen reizvollen Ansatz inmitten all der Westernserien. Sie ist keinesfalls dem Genre „Neowestern“ zuzuschreiben, thematisiert aber neben den traditionellen Themen des Einzelkämpfers, der unwirtlichen Natur und der schweren Aufbauarbeit in teils gesetzlosen Umgebungen auch den alltäglichen Rassismus der Schmelztiegelnation und beleuchtet das Leben der eingewanderten Chinesen. Sie ist daher auch mehr als 20 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes definitiv lesenswert!
Inhalt:
John Chinaman ist der neue Name der Chen Long Anh in der neuen Welt verpasst worden ist. Der Western spielt in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts als viele Chinesen aus unterschiedlichsten Gründen ihre alte Heimat verlassen haben um in Amerika ihr Glück zu finden. Für die meisten bedeutete das schwere Arbeit bei geringem Lohn, fehlende gesellschaftliche Akzeptanz und Gehorsam gegenüber den Regeln der Triaden. Obwohl Chen als ausgebildeter Kämpfer der Triaden nach Amerika kommt, verweigert er bereits im ersten Band den Gehorsam und muss sich gegen seinen Förderer durchsetzen.
Er muss daher fliehen und beginnt seine Reisen
durch den amerikanischen Kontinent, die ihn zunächst nach Oregon führen. Neben
den Härten der Wildnis und des Rassismus wird er aber immer noch von seinen
alten Mitstreitern verfolgt.
Auch der dritte Band zeigt John im Konflikt
mit seiner Umwelt. Er versucht, ein Mädchen zu beschützen, und wird
fälschlicherweise der Entführung derselben beschuldigt. Alltäglicher Rassismus
und Ablehnung aller nicht Einheimischen sind ein klassisches Westernthema.
Auch der Konflikt zwischen irischen und chinesischen Arbeitern beim Bau der großen Eisenbahnlinien ist ein altbekanntes Motiv unzähliger Erzählungen in Film oder Comic. Und wieder gerät John zwischen die Fronten. Im Gegensatz zu „typischen“ Erzählungen wird aber in Chinaman vorrangig der chinesische Blickpunkt gezeigt.
Immer wieder wird John Chinaman daran gehindert, sein Glück und Ruhe zu finden. Einerseits jagen ihn Desperados und Mitglieder der Triaden, die auf seine Spur gekommen sind, andererseits kann er es auch nicht lassen, üble Dinge geschehen zu lassen, und legt sich beispielsweise mit einem Zuhälter an.
Immer wieder wird in der Serie das Thema der Ablehnung alles Andersartigen variiert und so verwundert es auch nicht, dass eine ganze Stadtbevölkerung sich gegen die zuziehenden Chinesen wehren will. Wie immer gibt es hier aber nicht nur schwarz und weiß, so dass die Konfliktlinien quer durch alle Schichten laufen. – Vieles davon basiert auf den eigenen Migrationserfahrungen von OlivierTaDuc und ist daher auch nachvollziehbar geschildert.
Dem folgen noch eine „Road-Movie“ Geschichte in zwei Bänden um den letzten Mitwisser über das Versteck einer Beute. Beide Bände haben eine spezielle Note durch das Mitwirken von John, könnten so ähnlich aber auch in anderen Settings funktionieren.
2021 ist nach 14 Jahren Pause eine Art „Reprise“ erschienen: Der Tiger erwacht! Der frustrierte und gestörte John Chinaman wird gezwungen, sich seiner Geschichte zu stellen und Entscheidungen zu treffen. Sehr gelungene Rückkehr zur ursprünglichen Serie, die Themen und Stimmung aufnimmt und in die Zukunft führt.
Grafik:
Der 1962 geborene Olivier TaDuc ist Franzose mit einem vietnamesischen Hintergrund, der auf für die Zeichnungen etwa bei XIII Mystery, Takuan oder Stille Rebellionen verantwortlich ist. Seine Zeichnungen sind detailreich und zeigen von einem gewissenhaften Quellenstudium. Seine Ansichten der alten Chinatowns sind genauso kunstfertig und genau wie die Darstellung eines Segelschiffes, der Landschaft oder der Einflüsse chinesischer Kampftechniken auf die Körperhaltung des Helden. Im Laufe der Bände werden die Zeichnungen etwas grobflächiger und detailärmer und wirken dadurch etwas weniger realistisch.
Der Aufbau der Seiten folgt generell dem klassischen vierzeiligen Muster; die Höhen der Zeilen sind aber nicht statisch und variieren häufig. Auch sind einzelne Panele über mehrere Zeilen gestreckt und nehmen häufig die gesamte Breite der Seite ein. Es ist also genügend Abwechslung vorhanden. TaDuc beherrscht dabei sowohl die ruhige Sequenz als auch die vom Film übernommenen schnellen Schnitte mit ständigem Perspektivenwechsel, wenn die Action es erfordert.
Auf jeden Fall vereint die Serie erfolgreich die typischen Bestandteile eines Western mit einem ungewöhnlichen Helden und Kampfszenen und meditative Elemente, die sonst nur in Eastern zu sehen sind.
Der November wird eindeutig durch das Thema „Western“ geprägt: Der neue Lucky Luke-Band ist erschienen, ein Interview mit Achdé und Jul ist online gegangen und die Coverserie des aktuellen ZACK gehört ebenfalls zu diesem Genre. Was liegt da näher als auch im Klassiker des Monats darauf zurückzukommen zumal Yakari auch im Gewinnspiel letzten Monat als Lieblingscomic genannt worden war!
Yakari ist nicht nur eine Comicreihe sondern bereits seit vielen Jahren auch ein multimediales Universum, das aus mehreren Fernsehserien, Musicals und Puppenspielen, Merchandise-Figuren, Spielen und monatlichen Zeitschriften besteht. Hier soll der Fokus auf den Comics liegen.
Das erste Abenteuer „Yakari und großer Adler“ über das Leben des jungen Sioux Yakari von Job (das ist André Jobin) und Derib (Claude de Ribaupierre) erschien bereits 1979. Yakari ist ein kleiner Junge, der die Fähigkeit besitzt, mit Tieren zu sprechen. Seine Freunde sind dementsprechend nicht nur menschlicher Natur und die Namen der einzelnen Geschichten „Yakari und …“ beschreiben oft ein jeweiliges Tier als Hauptakteur. Bester Freund des Kleinen ist sein Pony Kleiner Donner, das ähnlich wie Jolly Jumper eine eigene Persönlichkeit besitzt und oft genug als Co-Akteur auftritt. Auch der Totem Yakaris, Großer Adler, handelt eigenständig und beschützt oder leitet Yakari in vielen Abenteuern. Derib und Job schaffen es durch die Verwendung des weisen Vogels, Moral und Direktive kindgerecht ohne Zeigefinger in die Geschichten zu integrieren.
Neben Yakari und den Tieren gibt es aber auch menschliche Mitstreiter, vor allem die kleine Regenbogen und der junge Kleiner Dachs sind als Gleichaltrige wichtige Handlungstreiber.
Derib hat im Laufe seiner Karriere mehrere Western kreiert: Von Go West (ebenfalls bei Salleck Publications) über Buddy Longway (Egmont Ehapa) und Red Road standen immer wieder Verständnis und Liebe zu der Natur und allen Geschöpfen sowie der Wunsch der Verständigung im Vordergrund. Je nach Zielgruppe wird dieser Wunsch mehr oder weniger erfüllt oder mit Pessimismus beantwortet.
Bei Yakari stehen ganz klar kleine Kinder im Fokus. Zwar sind die Geschichten auch für Erwachsene lesbar und enthalten teilweise eine zweite Schicht an Anspielungen, generell sind die Konflikte am Ende des jeweiligen Bandes aber gelöst und alle Beteiligten haben an Erfahrung gewonnen. Teilweise ergeben sich sogar Freundschaften für die Zukunft.
Auch hier ist das Gender-Rollenbild nicht frei von Klischees: Natürlich ist Kleiner Dachs der Prototyp eines kleinen Jungen: von nichts eine Ahnung aber voll mit ersten Eindrücken. Regenbogen ist als Mädchen viel klüger, überlegter und einfallsreicher und entspricht ein wenig einer Mischung aus Vorstellungen über den guten Indianer und Astrid Lindgrens starken Mädchen. Yakari dagegen ist cool, ein echtes Vorbild mit Schwächen, die ihn sympathisch machen, durch seinen Totem aber auch wieder ausgeglichen werden.
Die anderen Indianer*innen, Erwachsene und Kinder, übernehmen die jeweils benötigten Rollen (Krieger, Medizinmann, Häuptling, Kräuterfrau, …) und bilden somit den Rahmen der gewohnten und liebevollen Umgebung in der die Kinder sorgenlos Abenteuer erleben können.
Die jeweiligen Bände fokussieren auf nur ein Tier, das Probleme macht oder welche hat oder aber auf Naturereignisse wie Stürme oder Feuer und bieten dadurch die Möglichkeit, das Thema in Ruhe und mit Tiefe anzugehen. Die Zeichnungen im Semifunny-Stil von Derib sind liebevoll, groß genug für kleinere Leser*innen aber detailreich genug, um auch ältere anzusprechen. Die Seitenaufteilung bleibt dabei klassisch. Job unterstützt diesen Stil vollkommen und lässt der Handlung genügend Zeit um Natur und handelnde Tiere zu voller Geltung kommen zu lassen.
Alle 39 bisher erschienenen Bände sind bei Salleck Publications als Hardcover für jeweils 12 € erhältlich. Einige davon waren früher bereits bei Carlsen Comics als Softcover erschienen und sollten bei einschlägigen Gelegenheiten noch preiswert erhältlich sein. Dazu gibt es ein Magazin am Kiosk mit dem üblichen Plastik als Dreingabe sowie zwei Fernsehserien. Die erste von 1983 umfasst 52 5-minütige Episoden, die zweite (2005 – 2013) 130 13-minütige Folgen. Zumindest die letzteren sind regelmäßig auf KiKa zu sehen.
Das bisher neueste Yakari-Album
Dazu passt Musik entweder aus den Trickfilmen oder dem Yakari-Musical und eine Fruchtschorle.