Sclavi/Cavazzano – Peter O’Pencil GA 1

1979 – 1980

Story: Tiziano Sclavi

Zeichnungen: Giorgio Cavazzano

Originaltitel: Silas Finn Volume 1

Splitter Verlag – Toonfish

Hardcover Überformat |120 Seiten | Farbe | 29,95 € | ISBN: 978-3-69258-014-2

Cover Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1

Das Koralle-ZACK war DAS Magazin, das den Comic frankobelgischer Provenienz in Deutschland salonfähig machte. Viele Serien hatten zwar vorher schon den Weg nach Deutschland gefunden, den Durchbruch aber nicht geschafft. Wegen der häufigen Erscheinungsweise (und den unseligen Kürzungen) ging aber der reiche Fundus an Geschichten irgendwann zur Neige. Eine der darauffolgenden Strategien bestand darin, auch Comics von italienischen und spanischen Künstlern zu übernehmen.

Ein Reporter im Wilden Westen

Das Vorwort zählt die verschiedenen Versionen auf, wie es wirklich zu der Idee für diesen Comic gekommen ist. Das Ergebnis war auf jeden Fall, dass nach dem Erfolg der Gentleman GmbH der Redakteur Gigi Spina, selbst gebürtiger Italiener, den Vertrag über diese neue Western-Comic-Reihe schloss. Sclavi und Cavazzano hatten schon miteinander gearbeitet und waren in der Lage, in einem dem frankobelgischen sehr ähnlichen Stil zu arbeiten. Die neue Serie sollte humoristisch sein und die Lücken zwischen den Geschichten von Lucky Luke füllen.

Star der Comics war ein Reporter namens Silas Finn, die Geschichten wurden im deutschen ZACK erstveröffentlicht und erschienen teilweise auch in den Schwestermagazinen in anderen Ländern. Tatsächlich hatte aber die Redaktion beschlossen, den Namen zu ändern; Peter O’Pencil war geboren. Im ersten, langen Abenteuer geht es um eine Schatzsuche als Gewinnspiel, organisiert von der Boston Tribune um die Auflage zu steigern. Der Held und sein Sidekick, ein etwas trotteliger und unwilliger Fotograf, begleiten eine Gruppe von Teilnehmern, die den sagenhaften Preis von 5000 $ gewinnen wollen und dafür fünf Aufgaben überstehen müssen.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 9

Dem folgen drei deutlich kürzere Episoden, die sich weiteren Western-Legenden widmen. So wird unter anderem die wahre Natur von Buffalo Bill enthüllt. Die Stories sind sehr humorig und stellen gewisse Prinzipien in Frage oder sogar auf den Kopf. Dazu kommen einige Running Gags aus der Redaktion, aber auch bezüglich der Freiwilligkeit des Fotografen bei diesem Abenteuer. Einiges davon würde man heute vielleicht anders schreiben.

Detailreiche Zeichnungen

Cavazzano wurde in Italien teilweise mit Uderzo verglichen, definitiv war er von ihm beeinflusst. Die Panel sind sehr detailreich und akkurat ausgeführt, die Lust am Zeichnen komischer Dinge ist bei dem Zeichner, der bei Disney angefangen hatte, deutlich zu merken. Daher sind auch die Emotionen deutlich überzeichnet. Seite 34 ist ein gutes Beispiel für den filmischen Einfluss auf die Bildfolge.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 10

Das Layout ist durchaus abwechslungsreich: Die Streifen werden munter ignoriert, Personen treten aus dem Rahmen und Textkästen wie auch Sprechblasen führen ein Eigenleben. Trotz dieser Dynamik konnte der Comic nie den gleichen Erfolg wie Umpah-Pah oder Lucky Luke verzeichnen.

Eine Reise zurück in die Vergangenheit

In Deutschland sind die Geschichten nie als Album erschienen; wer also keine Sammlung der alten Hefte besitzt, hatte kaum eine Gelegenheit, sie zu bewundern. In Italien selbst war die erste Geschichte tatsächlich vor dieser Gesamtausgabe nie erschienen. Insofern bietet die Peter O’Pencil Gesamtausgabe die Möglichkeit einer Zeitreise. Der abschließende zweite Band ist für das Frühjahr ´27 angekündigt.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 11

Mir persönlich hat es gut gefallen, den Comic in Etappen zu lesen, also der ursprünglichen Zeitschriftenveröffentlichung zu folgen und die Suche in fünf Teile zu splitten. Dadurch werden die Running Gags besser als am Stück konsumiert. Die Einführung gibt einen guten Überblick und der Abdruck der damaligen ZACK-Cover erhöht die nostalgische Freude!

Dazu passen aus den 79-er Charts Toto mit „Hold the Line“ und eine Sarsaparilla!

© der Abbildungen 2026 Tiziano Sclavi / Giorgio Cavazzano | Splitter Verlag GmbH & Co. , Bielefeld 2026

Lapière/Dutreuil – Michel Vaillant Legenden 4

Das Rennen des Jahrhunderts

Story:  Denis Lapière
Zeichnungen: 
Vincent Dutreuil
Originaltitel: 
Michel Vaillant Légende Tome 4 – La course du siècle

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € | ISBN: 978-3-949987-15-1

Cover Michel Vaillant Legenden 4

Michel Vaillant ist untrennbar mit dem Namen seines Schöpfers, Jean Graton, verbunden. Jahrzehntelang verantwortete er die Geschichten der nunmehr so genannten „Ersten Staffel“ bevor er das Zepter an ein neues Team übergab. Trotzdem sind seine Geschichten immer noch auf der Wunschliste von vielen, was nicht zuletzt durch das Interesse an seinen Bänden über die Tour de France und über andere Sportarten dokumentiert wird. Die Reihe Michel Vaillant Legenden interpretiert klassische Abenteuer aus seiner Feder neu und fügt eine andere Sichtweise hinzu.

Der Höllenzirkus – neu betrachtet

Der jetzt auf Deutsch vorliegende vierte Band der Reihe, Das Rennen des Jahrhunderts, basiert auf dem Band Der Höllenzirkus und lässt sich sogar bei einigen Panel direkt davon inspirieren. Das Vorwort fordert denn auch dazu auf, diese zu finden! Die Geschichte beginnt im Juni 1966; bei den 24 Stunden von Le Mans belegt Ford die ersten drei Plätze. Im daran anschließenden 24 Stunden-Rennen von Daytona im Februar 1967 liegen drei Ferrari auf den ersten Plätzen. Dementsprechend fordert Henri Vaillant sein Team, vor allem aber seinen Sohn Jean-Pierre dazu auf, dass bei der 67-er Ausgabe von Le Mans drei Vaillante dieses Kunststück wiederholen müssen.

Natürlich gibt es Vereinbarungen über Kooperationen, die eingehalten werden müssen, und andere Widrigkeiten. Trotzdem schaffen es die Mechaniker, konkurrenzfähige Autos zu bauen. Es scheint aber wie verhext zu sein; immer wieder passieren seltsame Unfälle. Sollte es einen Saboteur in den eigenen Reihen geben oder sind es doch nur Zufälle und kleine Fahrfehler?

Michel Vaillant Legenden 4 page 3

Quasi als Zugabe gibt es noch eine Kurzgeschichte, die im Jahr 1970 spielt. Wieder geht es um die 24 Stunden von Le Mans und in jenem Jahr fuhr ein Wagen außer Konkurrenz mit, da Filmaufnahmen für das Rennspektakel mit Steve McQueen gedreht wurden. Leider hat sich allerdings Steve Warson den Magen verdorben und scheint den planmäßigen Wechsel mit seinem Partner Michel Vaillant nicht durchführen zu können – Deine Sache, Steve …

Im Retrostil

Wie auch schon in den anderen Bänden hat sich Vincent Dutreuil bemüht, den klassischen Strich zu treffen, dem Ganzen aber auch eigene Akzente zu verleihen. Die Leser*innen dürfen Ansichten aus dem Inneren der rasenden Rennmaschinen bewundern, sehen aber auch eine fast vierseitige Folge, die fast ohne Text auskommt und den Gedankenprozess des Firmenbosses glaubhaft darstellt.

Michel Vaillant Legenden 4 page 4

Natürlich fehlen auch die vielen Szenen aus den Werkstätten und den Boxen nicht, die einen großen Teil des Reizes der Serie ausmachen. Nirgendwo sonst können Normalsterbliche so dicht am Geschehen sein wie in diesen Bildern. Gleiches gilt für die Unfälle, die zwar glimpflich ablaufen, oft genug aber auch anders ausgegangen sind. Und nicht zuletzt ist es die Teilnahme der „echten“ Fahrer, die diese Serie heraushebt.

Dicht am Geschehen

Während sich die zweite Staffel durch lange Handlungsbögen auszeichnet und Renngeschehen und Soapanteile gut durchmischt darbietet, konzentrieren sich die Legenden auf das Renngeschehen. Natürlich gibt es begleitende Elemente, der Fokus ist aber doch ein anderer. Das Ziel ist Motorsport der 60-er und 70-er Jahre in Reinkultur!

Michel Vaillant Legenden 4 page 8

Der Band hat wieder einen kleinen Anhang, der einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Comics erlaubt und auch ein paar Vorzeichnungen präsentiert. Der Tradition folgend gibt es auch erneut eine limitierte Vorzugsausgebe mit Variantcover und nummeriertem Druck.

Dazu passen Bowling for Soup mit „Where’s The Love?“ und ein Gewinner-Champagner.

© der Abbildungen 2025 DUPUIS, by Lapière, Dutreuil | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 7

1982 – 1984

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 19, 20, 21

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | ISBN: 978-3-89908-831-1

Cover Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Western-Serien aus dem frankobelgischen Raum entstand ursprünglich als Lückenfüller. Als Lucky Luke Spirou verließ, musste kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Mittlerweile sind sowohl der ursprüngliche Zeichner (Salverius) als auch der jahrzehntelange Texter Cauvin verstorben, die Blauen Boys allerdings reiten weiter. Die Gesamtausgabe bei Salleck enthielt zunächst in den ersten sechs Bänden Neuübersetzungen der in Deutschland bei Bastei erschienenen Teile, auch um sie endlich den mittlerweile akzeptierten Qualitätsanforderungen anzupassen. Aufgrund des Wunsches vieler Leser*innen geht es jetzt mit den bei Carlsen verlegten und vergriffenen Bänden weiter.

Die Tücken des Krieges

Anfangs war die Ausrichtung der Serie noch ein wenig unentschieden, die Fokussierung auf die Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südstaaten, einem der bisher blutigsten Kriege der Geschichte, hat sich aber schon lange etabliert. Und so bestimmen auch jetzt Themen des Kriegsgeschehens die drei Alben. Dazu kommen viele Abbildungen und zwei Einseiter als deutsche Erstveröffentlichung. Die Geheimwaffe beschreibt den Einsatz eines U-Boot-Vorläufers, der David, und seine verheerende Wirkung auf die Schiffe der Nordstaaten, die den Nachschub ihrer Gegner durch eine Seeblockade einschränken wollen.

Black Face thematisiert die Frage, ob es dem Norden wirklich um „die Befreiung der Sklaven“ ging. Immerhin dürfen sie sich im Norden zwar der Armee anschließen, allerdings nur um für weniger Sold Drecksarbeiten auszuführen. In Fünf Schwere Jungs steht das ständige Problem im Vordergrund, Nachschub an jungen Rekruten als Kanonenfutter zu finden. Das 22. Infanterieregiment wird zwar immer wieder aufgefüllt, außer Kommandant Stark und unseren beiden Helden überlebt aber kaum jemand. Die Schwierigkeiten der Rekrutierung stehen im Vordergrund dieses leicht zynischen Bandes.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 132

Die Blauen Boys sind so erfolgreich, weil Cauvin es immer wieder schafft, Aspekte herauszugreifen und in den Fokus zu stellen, die die Absurdität des Krieges darstellen. Der nur saufende General, der aufgrund der fehlenden Sonne auf dem Schlachtfeld ganz bleich ist, der Trick, Verbrecher hinter die Linien zu schaffen, und der unverhohlene Rassismus zeigen auf, wo die Dinge wirklich im Argen liegen.

Knollennasen und Schachtfelder

Willi Lambil, nach Salverius der Zeichner der Serie, verbindet Knollennasen und Überzeichnungen in den Gesichtern mit der Darstellung des Krieges. Nach den Attacken liegen die Leichen auf den Feldern, ihre Positionen zeigen unmissverständlich den Schmerz und das Leid. Diese Szenen dienen der Untermalung der Ernsthaftigkeit und unterstützen das gemeinsame Anliegen, den Irrsinn des Krieges und die Möglichkeit, darin trotzdem zu überleben, zu zeigen. Während der Vorgesetzte, Sgt, Chesterfield, unermüdlich versucht, das alles zu ignorieren, versucht sein Untergebener, Corporal Blutch, unentwegt zu desertieren, wenigstens aber für das Überleben zu sorgen.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 133

Dieser Gegensatz trägt mit seinem manchmal feinen, oft brachialen Humor die Geschichten und fasziniert seit rund 70 Ausgaben. Quasi als Gegensatz zur menschlichen Tragödie wirken die immer wieder eingestreuten Naturbeobachtungen. In einem beliebigem Panel tauchen unvermittelt sehr realistisch dargestellte „unschuldige“ Tiere auf. Genial!

Nicht aufhören, bitte!

Die ersten sechs Nummern der Gesamtausgabe waren für die deutschen Leser*innen fast wie eine Erstveröffentlichung, hatte die damalige Übersetzung doch eher Klamauk im Sinn als Werktreue. Glücklicherweise wird die Reihe aber fortgesetzt und ermöglicht es all denen, die die Serie nicht bereits in den 90-ern gut fanden, ihr angemessen zu folgen! Natürlich lassen sich die meisten Teile noch antiquarische finden, die Gesamtausgabe mit dem redaktionellen Teil, den Fotos und Aquarellen und nicht zuletzt der guten Aufmachung im Hardcover bieten aber doch deutlich mehr!

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 10

Dieser Band erklärt auch die Verwirrung bei der Zählung: Carlsen startete damals mit einer neuen Nummer 1 und ignorierte die Tatsache, dass das Original bereits die stolze „19“ trug. Eine klare Empfehlung für alle Western-Fans, die Liebhaber der Ecole Marcinelle und des bissigen Stils von Raoul Cauvin! Ein Hinweis: Auch die aktuellen Bände erscheinen bei Salleck!

Dazu passen Bruce Springsteen mit allem von „Nebraska“ und ein guter Kaffee!

© der Abbildungen DUPUIS 1982, 1983, 1984, by Cauvin & Lambil / 2026 Eckart Schott Verlag

Charlier/Herbert – Simba Lee Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 2

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Herbert (Geldhof)
Originaltitel: 
Jean-Michel Charlier  présente: Simba Lee 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert - Simba Lee

Während viele der Werke von Jean-Michel Charlier Welterfolge sind und in vielen Sprachen und Editionen in den Regalen stehen (Blueberry, Der rote Korsar, Tanguy & Laverdure, Marc Dacier, …), gibt es doch eine ganze Reihe von Serien, die nicht diese Bekanntheit erlangt haben, trotzdem aber keineswegs reizlos sind. Die Reihe Jean-Michel Charlier präsentiert hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Schätze erneut zu heben und ansprechend zu präsentieren. Das bedeutet zugleich, dass alle Ausgaben ein Dossier haben, das auf die Hintergründe eingeht, zusätzliche Illustrationen präsentiert und Kontext gibt. Auf Deutsch erscheint die Sammlung in der ZACK-Edition.

Im tiefsten Dschungel

Simba Lee ist ein weißer Akteur, der in einer gewissen Tradition steht: Jungle Jim, Tiger Joe und natürlich auch die „Ur-Väter“ Tarzan von E. R. Burroughs und die Figuren von H. R. Haggard standen Pate für den Abenteurer. Er hat gute Kontakte zu den indigenen Stämmen, gleichzeitig aber auch großen Respekt vor den noch unerforschten Gegenden im Herzen Afrikas. Die ursprünglichen Bewohner*innen werden mit europäischen, (post-)kolonialen Augen gesehen. Daher sind einige von ihnen „vor kurzer Zeit noch Kannibalen gewesen“ und Fremden gegenüber misstrauisch und abergläubisch.

Trotzdem werden sie in Safari nach Dialo benötigt. Drei verschiedene Personengruppen möchten Lee, der den verliehenen Vornamen „Simba“ angenommen hat, zu einer Expedition verleiten. Dabei geht es um Fußabdrücke, die an ein urzeitliches Monstrum denken lassen, den Gewinn einer Safari und die Unterstützung einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater ist. Die Expedition gerät mehrfach in lebensbedrohliche Situationen, erreicht aber schließlich ihr Ziel. Dort klären sich tatsächlich einige offene Fragen, die von der spannenden und verzweigten Geschichte aufgeworfen worden waren.

Simba Lee GA page 19

Auch die zweite Geschichte, Das Karapata-Reservat, bringt eine ähnliche Figurenkonstellation. Wieder ist es eine junge Frau, die von den patriarchalisch argumentierenden Männern ausgeschlossen werden soll, sich aber in das Abenteuer hineindrängt (und auch tatsächlich eine aktive, mitentscheidende Rolle einnimmt)! Hier geht es um Korruption, skrupellose Großwildjäger und den Verlust angestammter Privilegien. Beide Stories sind nicht frei von Vorurteilen und nicht mehr angemessenen Darstellungen, gehen aber thematisch in die richtige Richtung hin zu Gleichberechtigung und Verantwortung.

Ein visuell überzeugendes Afrika

Der Zeichner, mit dem Charlier hier zusammengearbeitet hat, kennt Zentralafrika aus eigener Anschauung, hat er doch mehrere Jahre dort gelebt und gearbeitet. Ohne jetzt die Geschichte der Belgier*innen im Kongo detailliert aufzuarbeiten, darf doch vermutet werden, dass es für Herbert (Geldhof) schwierig gewesen sein muss, sich komplett von den rassistischen und kolonialen Gegebenheiten frei zu machen. Seine Bilder von Afrika und seinen Bewohner*innen sind zwar nicht komplett frei davon, beweisen aber eine genaue Beobachtungsgabe, Detailtreue und Respekt!

Simba Lee GA page 20

Zeitgenössische Kritiker bemängelten teilweise, dass seine Figuren etwas hölzern wirken würden. Tatsächlich wirken die Personen in ganz seltenen Fällen wie „eingeklebt“. Die sehr große Mehrheit der Zeichnungen ist aber zwar zeitgebunden und wirkt daher etwas nostalgisch, gleichzeitig aber vollkommen in Ordnung! Herausstechend sind jedoch definitiv die Panel, die die Natur zum Helden machen!

Empfehlenswerte Dossiers!

Gerade bei etwas älteren Serien vermisst man als heutige*r Leser*in teilweise den Kontext. Ausdrücke und Situationen sind nicht mehr selbstverständlich, Spannungsbögen teilweise nur schwer nachvollziehbar. Das beste Beispiel dafür ist eine Autopanne aus der Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab, denn die daraus resultierende Gefahr ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Die Dossiers geben eine gut lesbare Einführung in die Hintergründe des belgischen Kolonialismus, die begleitenden Comics in anderen Magazinen und die Marktsituation.

Detail Simba Lee GA page 23

Und auch die beruflichen Veränderungen von Charlier spielen eine Rolle, taucht doch sein Name nur auf einer einzigen Seite während der lange laufenden Vorveröffentlichungen auf. Eine mögliche Erklärung dafür findet sich in dem Text. Dazu kommt eine Vielzahl an Abbildungen, Originalseiten und Fotos. Alle Seiten wurden einheitlich neu koloriert und damit an heutige Standards angepasst. Eine klare Empfehlung für die Fans des klassischen frankobelgischen Abenteuer-Comics, der hier zudem auch noch Frauen aufweist, die sich der typischen Opferrolle entziehen.

Dazu passen „Tonight“ von Social Distortion und ein Kaluha.

© der Abbildungen Fordisbooksandpictures, 2025 | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Stassi – República

Für die Freiheit

Story und Zeichnungen: Claudio Stassi
Originaltitel: 
República

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 160 Seiten | Farbe |32,00 € | ISBN: 978-3-949987-84-7

Cover Stassi - Republica

Auch wenn viele die Erinnerung bereits verdrängt haben und geschichtslos in die Zukunft blicken: Faschistische Regime in Europa hat es auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch gegeben. Das Recht des Stärkeren hat immer zur Folge, dass es Menschen gibt, die nicht zu den Stärkeren gehören und dementsprechend die geballte Gewalt erdulden müssen. República erzählt eine solche Geschichte aus den Anfängen von Francos Spanien.

Liebe in Zeiten der Gewalt

Claudio Stassi erzählt in seiner Graphic Novel gleich mehrere Geschichten, die zwar miteinander verwoben sind, aber alle ihre eigene Berechtigung und Folgen haben. Sie alle haben aber etwas mit Macht und Missbrauch derselben zu tun. Am einfachsten ist vielleicht diejenige der Rebellen: Nach einem blutigen Bürgerkrieg hatte General Franco ein auf die Kirche gestütztes, faschistisches Regime errichtet und unter seinen vorherigen Gegner*innen blutig aufgeräumt. Die Verschleppten, Gefolterten und Ermordeten zählen mehrere hunderttausend Menschen. Auch in República geht es um den verzweifelten Kampf der verbliebenen Kämpfer*innen für die Freiheit.

Parallel wird die Geschichte eines Filmdokumentes erzählt. Am 14. April 1931 war die spanische Republik ausgerufen worden. Die Proklamation war damals gefilmt worden, die Filmrolle überdauerte die Diktatur in einem Versteck und wurde erst 2008 wieder gefunden. Stassi erzählt eine bewegende, aber erfundene Zwischenepisode dieser Rolle, einem Fanal für die Freiheit!

Stassi - Republica page 5

Und schließlich gibt es eine Episode über eine tragische Liebe, quasi eine Romeo-und-Julia-Version. Die Tochter eines Rebellen und der Sohn des Stadtkommandanten haben eine heimliche Beziehung. Während sich die Tochter Illusionen über die Kraft der Liebe macht, findet sich der Sohn mit den Spielregeln der Macht ab. Wie weit die Verachtung reicht, wird schließlich ihre Erfahrung sein. Und auch die Liebe zwischen Kindern wird durch Gewalt von Seiten des Staates beendet.

Realismus in blau-grau

Der Grundton fast aller Seiten in diesem Band ist ein graues Blau, düster, unheimlich und drohend wie eine aufkommende Gewitterfront. Stassi zeichnet in diesen Hintergrund hinein und erlaubt sehr präzise Formen und Ausdrücke mit einer fast aquarellhaften Farbgebung. Dadurch wird der Kontrast zwischen den weichen Farbübergängen und den harten Konturen deutlich verschärft. Gewalt und Hass, Angst und Verzweiflung sind nicht nur in den Gesichtszügen deutlich zu erkennen.

Stassi - Republica page 8

República ist dabei keineswegs eine aus der Distanz gezeichnete Reportage, sie ist vielmehr ein flammendes Manifest für Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit! Kaum ein Panel lässt daran einen Zweifel. Trotzdem überzeichnet Stassi nicht: die Bösen sind keine sichtbaren Ausgeburten der Hölle, es sind einfach kleingeistige und machtbesessene Individuen, die ihr Ego über alles andere stellen.

Nie wieder ist jetzt!

Bei uns in Deutschland hat die Elterngeneration der jetzigen Generation ZACK den Faschismus und seine Folgen noch aus eigener Anschauung erlebt. Was wir heute sehen, ist eine Ignoranz gegenüber, ja sogar die Leugnung der Geschichte. Geschichte wiederholt sich, das zweite Mal als Farce. Leider sind die Folgen des Ganzen nicht weniger spürbar. Insofern ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind. Sie müssen erkämpft und bewahrt werden!

Stassi - Republica page 9

Auch die Erinnerung an das, was war, ist dabei ein wichtiger Baustein. Insofern sei es diesem Band gleich doppelt gegönnt, die Verkaufserwartungen deutlich zu übertreffen. Der einzige historische Fehler: „1984“ erschien erst 1948. Wer will kann auch zur Vorzugsausgabe mit alternativem Cover und zwei limitierten Drucken greifen.

Dazu passen The Busters mit „Wehrt Euch!“ und ein Ahoi 69.

© der Abbildungen Claudio Stassi, 2024 | 2026 Blattgold GmbH

ZACK 325 (Juli 2026)

ZACK 325

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 325

Die letzten Tage haben dazu verleitet, Bewegungen einzustellen und mehr zu lesen als gewöhnlich. Für die kommenden Tage ist es zwar nicht mehr ganz so heiß, die Ablenkungen durch die Fußball-WM dürften dafür bei vielen aber kleiner geworden sein, denn zumindest die Deutschen und ihre Nachbar*innen aus den Niederlanden, also der Großteil der Zielgruppe dieser Seiten, dürfen ja nicht mehr mitspielen.  Das erste der beiden Sommer-Hefte ist übrigens eine Besonderheit, enthält es doch keinen Neustart.

Die Fortsetzungen

Das Titelbild entstammt der im letzten Heft gestarteten neuen Serie Brigade Verhoeven. Der Vierteiler von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître ist ein Thriller, der fast schon zu dem Noir-Segment gehört. Band 1 – Rosie – begann mit einem Bombenanschlag mitten in Paris. Es stellt sich heraus, dass der Verursacher scheinbar noch mehrere dieser Sprengkörper besitzt und auch damit droht, sie einzusetzen. Was hat die Mutter des vermutlichen Täters mit der Sache zu tun? Dynamische Zeichnungen von Yannick Corboz mit anfangs teilweise verwirrenden Kolorierungen.

ZACK 325 page 5

Der Bucklige von Montfoucon ist neben einem Historiendrama auch ein Stück über Rache und den Zwist zwischen Geschwistern. Der bereits dritte Teil von Unser Vater zeigt einen Kampf aus der Jugend der Brüder mit lebenslangen Folgen. Als sie sich lange Jahre später wieder gegenüberstehen wird sich zeigen müssen, ob Blutsverwandtschaft oder Feindschaft den Ausgang der Begegnung bestimmen werden. Hübsche Bilder von Eric Stalner machen das Mantel-und-Degen-Stück von Philippe Pelaez zu einem visuellen Genuss. Es empfiehlt sich aber, die Story am Stück (erneut) zu lesen.

Detail ZACK 325 page 23

Ein weiterer Kriminalfall, dieses Mal aus der Sparte „cosy & english“ ist mit Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe betitelt. Inspektor Arbuckle, ein fülliger Pfeifenraucher, versucht seit Jahren Sir Walter Rutherford als Kriminellen zu überführen. Jetzt scheint er endlich einen Zeugen gefunden zu haben und versteckt ihn bei sich zu Hause. Mitten in der Nacht meldet die Katze allerdings einen unerwarteten Besucher, oder doch nicht? Der schwarze Fleck ist eine sehr nostalgische Story von Étienne Willem mit viel Humor, ausgeprägten Riechwerkzeugen und wunderbaren Stereotypen.

Detail ZACK 325 page 53

Das heiße Wetter der letzten Tage hat auch dazu geführt, dass man überall an die steigende Waldbrandgefahr erinnert worden ist. Harry & Platte werden während eines Auftrages in der Nähe von Nizza von gleich mehreren Feuern überrascht. Dramatische Szenen ergeben sich, als sie und ein ganzer Trupp von Feuerwehreinheiten zwischen der Feuerfront und einer abgerutschten Straße eingeschlossen scheinen. Denis Lapière und Alain Sikorski entwerfen eine spannende Story in der sich die Protagonisten nicht nur der menschlichen Gewalt erwehren müssen, sondern auch Naturgewalten gegenübertreten: Feuer und Schwert sozusagen!

ZACK 325 page 69

Die Abschiede

Nichts geht mehr in Libertalia; das Konzept einer Gesellschaft von Freien ist gescheitert an der Machtgier und dem Egoismus Einzelner. Wie so oft enden revolutionäre Projekte mindestens genauso blutig, wie sie begonnen haben, und passenderweise heißt dieser Teil denn auch Die Wege zur Hölle. Rudi Miel & Fabienne Pigière haben eine etwas andere Piratenstory gebaut und sehr anspruchsvoll verflochten; Paolo Grello hat das in Bilder gepackt, die für ein frankobelgisches Magazin eher ungewöhnlich sind. Die stricheligen, an Gemälde erinnernden Bilder habe aber einen großen Reiz, vor allem am Stück (und damit im Zweifel erneut) genossen.

ZACK 325 page 39

Nach dem Ende des zweiten Teils verlassen uns nun zunächst auch Charel Cambré und Marc Legendre wieder. In Heute frischer Fisch wird endlich das abgetrennte Dorf wieder mit seinem Land vereint, Vorräte können erneut beschafft werden. Auch eine Feier wird veranstaltet die die beiden Helden zunächst vor ein großes Problem stellt, ihnen aber letztendlich einen Erkenntnisgewinn verschafft. Roadmovie, Kunstkritik, anarchistischer Humor und die Hinterfragung vieler Vorurteile machen Spaß, brauchen aber auch manchmal eine Pause. Insofern ist das Timing perfekt!

ZACK 325 page 85

Und sonst?

Der Ritter und Parker & Badger sorgen für die Abwechslung zwischen den Serien. Das Gleiche wird auch von den News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und die Rezensionen geleistet. Dazu kommt eine längere Einführung in die Brigade Verhoeven vom Verfasser dieser Zeilen und der erste Teil eines Interviews mit dem Mann hinter Natascha und anderen Serien: Francois Walthéry. Genügend Stoff also für einige Abende!

Dazu passen Dropkick Murphys mit „Body of an American“ und ein O’Hara‘s.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 324 (Juni 2026)

ZACK 324

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 324

Wie schnell doch die Zeit vergeht … Hiermit ist bereits die Hälfte der diesjährigen ZACK-Nummern erschienen! Zwei komplett neue Serien starten mit dieser Ausgabe, dazu noch ein Auftritt von Isnogud; für lange Sommerabende allemal genug Lesestoff.

Die Neustarts

Coverboy ist ein Detektiv, nämlich Inspektor Arbuckle. Dieser ist der Held eines Frühwerkes von Étienne Willem namens Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe. Teil 1, Der schwarze Fleck, enthält keine Fantasy-Elemente, wie wir es aus seinen späteren Geschichten kennen, besitzt aber bereits den gleichen Strich und auch einen sehr ähnlichen Humor. Die Geschichte führt zurück in das England, in dem Adel noch etwas ganz Besonderes war, in dem Verbrechen und dessen Aufklärung noch Handarbeit waren und eine Tasse Tee respektive ein Whisky selbst wichtige Probleme noch in der Priorität nach hinten schieben konnten. Die zweiseitige Einführung im Heft stammt im Übrigen vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 324 page 5

Ebenfalls neu ist der Thriller Brigade Verhoeven von Pascal Bertho nach einem Roman von Pierre Lemaître. Mitten in einem Ausgehviertel explodiert eine Bombe. Gleichzeitig stellt Kommandant Camille Verhoeven einen neuen Mitarbeiter für sein Team zur Verbrechensbekämpfung ein. Dieses besteht aus schrägen Vögeln und scheinbar inkompatiblen Personen, ist aber sehr erfolgreich. Die modernen, aufgrund der Kolorierung etwas abstrahiert wirkenden Zeichnungen stammen von Yannick Corboz. Teil eins der dreiteiligen Serie trägt den Titel Rosie.

ZACK 324 page 73

Die Fortsetzungen

Harry & Platte sind auf der Suche nach dem Urheber eines Computervirus in der Gegend von Nizza. Ein Freund will ihnen bei einem privaten Rundflug die Gegend und die Wohnorte der möglichen ´Verdächtigen zeigen, als sie ein außer Kontrolle geratenes Feuer entdecken. Während die beiden Detektive später die einzelnen Personen abklappern, wird deutlich, dass es mehrere Feuer gibt die sowohl Eigentum als auch Helfer*innen bedrohen. Feuer und Schwert ist klassische Comickunst von Denis Lapière und Alain Sikorski.

ZACK 324 page 21

Weiter geht es mit dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater hat den mit ziemlich unfeinen Mitteln geführten Kampf zweier Parteien um den französischen Thron zum Inhalt. Nicht immer sind die Fronten klar und die Rolle der Frauen ist zeitgemäß leider noch ein zusätzliches Thema, erden sie doch bestenfalls ignoriert. Ein verzwicktes Historiendrama von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner mit ansprechenden Zeichnungen und frischem Layout.

ZACK 324 page 37

Zurück in die Gegenwart geht es in Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre. Die beiden Comickünstler auf der Suche nach dem Stoff für einen neuen Titel sind immer noch in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen spanischen Dorf gestrandet. Ihre spezielle Art, mit Problemen umzugehen, führt zu vielen unschönen Situationen und die mangelhafte Beherrschung der Sprache tut ein Übriges. Nicht immer PC, aber sehr humorvoll, dieses moderne Roadmovie.

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Zum Schluss geht es noch einmal um die anspruchsvollen, aber leider auch leicht scheiternden Ansprüche an und für eine gerechte Gesellschaft: in Libertalia führen Die Wege zur Hölle. Die Gründe dafür sind vielfältig: Macht, Gier, toxische Lust aber auch falsche Ideale, vielleicht sogar auch ein zu optimistisches Menschenbild. Jedenfalls müssen die Initiatoren der anarchistischen Gemeinschaft feststellen, dass alles zusammenbricht. Anspruchsvolle und herausfordernde, zugleich aber auch lohnende Story von Rudi Miel & Fabienne Pigière mit eindringlichen Bildern von Paolo Grello.

Detail ZACK 324 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft zeigen drei Seiten aus einem aktuellen, bei Dani Books erscheinenden Isnogud-Bandes. In ihnen stellt sich der Möchtegern-Kalif aktuellen Fragestellungen. Außerdem gibt es den Keller, die Rezensionen und die News von Frank Neubauer, den Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren von Michael Klein und eine Vorstellung von Claudio Stassis República vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen The Easybeats mit „Friday on my mind“ und ein Weißburgunder eurer Wahl.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Graton, Duval/Graton – ZACK Spezial 19: Michel Vaillant präsentiert :

Der Unbekannte der Tour de France

Story: Jean Graton, Yves Duval

Zeichnungen: Jean Graton

Originaltitel: Palmares Inedit 6 – L´innconnu du Tour de France

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe | 18,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 19

Wie schon in der Besprechung zum ZACK Sonderheft 4 angemerkt: Michel Vaillant ist momentan wirklich präsent! Während sich die Gesamtausgabe der ersten Staffel dem Ende nähert, ist die zweite in voller Fahrt. Dazu kommen die Legenden, der Spinn-Off zu Henri Vaillant, dem Gründer des Unternehmens Vaillante, der Reboot von Julie Wood und erstmals Auszüge der Dossiers. Es fehlten dagegen noch die meisten Bände der Reihe Palmares Inedit. Während die Familie Labourdet ab dem Herbst ihre eigene Reihe bekommt, liegen die Sport-Stories nun erstmals komplett auf Deutsch vor.

Das berühmteste Radrennen der Welt im Fokus

Auch wer sich nicht unbedingt für den Radsport interessiert, hat auf jeden Fall schon einmal von der Tour de France gehört. Das TV-Programm wartet mit Sondersendungen und Livebildern auf und viele sonst nicht so sportbegeisterte Deutsche können den Unterschied zwischen einem Gelben und einem Gepunkteten Trikot erklären. Eine Zeitlang drehte sich die Diskussion hauptsächlich darum, wer des Dopings (noch nicht) überführt worden war; mittlerweile gilt die Sportart aber wieder als sauber.

Die Anfänge der Tour als Werbemaßnahme einer Sportzeitschrift, die Entwicklung von einem Rennen über wenige Etappen hin zu einem fast einen Monat andauernden Spektakel und die Helden der ersten Jahre sind aber weitgehend unbekannt. Jean Graton war nicht nur ein begeisterter Anhänger des Motorsports, zu Beginn seiner Karriere hat er sich auch dem Radsport sehr hingezogen gefühlt.

ZACK Spezial 19 page 4

Diese Leidenschaft merkt man den, teilweise zusammen mit Yves Duval geschriebenen Episoden an: der Sportsgeist, der unbedingte Wille, durchzuhalten und zu gewinnen, die Aufgaben im Team und sogar die Taktik während eines so langen Rennens sind Themen der Kurzgeschichten, die in spannende und auch noch heute lesbare Episoden verpackt worden sind. Natürlich haben sie alle einen kleinen nostalgischen Touch, aber sie handeln ja auch von den Anfängen!

Unverwechselbarer Graton-Stil

Die Leidenschaft für den Sport wird nicht nur in den Stories deutlich, auch die Zeichnungen sind akkurat und lassen die Anspannungen und Gefühle der jeweiligen Akteure fast greifbar erscheinen. Die meisten Geschichten würden heute wohl als „Bio-Pic“ bezeichnet werden, sie sind aber alles andere als distanziert. Die Leser*innen werden direkt in das Geschehen geworfen und sind quasi live mit dabei, wenn der Berganstieg ansteht oder der Reifen geflickt werden muss.

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Vom Stil her entsprechen die Zeichnungen dem frühen Graton, sind sie doch zwischen 1954 und 1964 erstmals im Tintin-Magazin erschienen. Fans des klassischen Michel Vaillants werden einige Gesichtszüge und Panel-Layouts wiedererkennen. Die Akribie und die Detailbesessenheit waren schon damals vorhanden und machen die Geschichten zu einem Genuss für alle Fans der Sportcomics.

Nicht nur für Komplettist*innen

Weiteres Lob hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Sportcomics sind sicherlich nicht jedermanns Sache, Radsport im Allgemeinen ist nicht unbedingt ein Quotenhit. Hier aber geht es um eines der größten Events der Sportwelt, die Tour de France, und ihre Anfänge. Die Qualität von Duval und Graton steht außer Frage und es handelt sich auch keineswegs um einen Aufguss von Bekanntem, da der Band bisher nicht auf Deutsch erschienen war.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Band 19 der ZACK-Spezial-Reihe in Kürze als „vergriffen“ gelistet werden wird. Wer mag, kann sich beim Verlag auch noch einen dazu passenden, ebenfalls limitierten Druck bestellen. Dieser hat allerdings ein Auto-Motiv.

limitierter Druck zu ZACK Spezial 19

Dazu passen Queen mit „Bicycle Race“ und ein isotonisches Getränk eurer Wahl!

© der Abbildungen Dupuis 2003 by Jean Graton, Yves Duval, M. Deverchin | 2026 Blattgold GmbH

ZACK Sonderheft 4 (2026)

13 Stories aus dem Graton-Universum

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante A

Obwohl wir in Deutschland relativ gut versorgt sind was Michel Vaillant angeht, gibt es doch noch ein paar „blind spots“. Einer davon ist die Reihe Palmares Inedit. Ein Band war bei Seven Island erschienen, zwei sind mittlerweile in der ZACK-Spezial-Reihe (als Band 15 und 19) aufgelegt worden und die Geschichten über die Familie Labourdet sind ab dem Herbst geplant. Im zweimal pro Jahr erscheinenden ZACK-Sonderheft wird jetzt eine weitere Lücke angegangen.

Die großen Legenden des Motorsports

Denn daneben gibt es auch noch seit 1995 die Michel Vaillant Dossiers. Nur ein einziger Band dieser mittlerweile 18 Teile umfassenden Serie hat es bisher nach Deutschland geschafft: Das Buch über Louis Chevrolet erschien in einer limitierten Sonderauflage. Die Dossiers widmen sich „Legenden“: rennfahrende Schauspieler wie James Dean oder Steve McQueen, Formel 1 Piloten wie Senna oder Fangio, Konstrukteure wie eben jener Chevrolet oder Enzo Ferrari und mittlerweile auch Rennstrecken wie Paul Ricard oder Zandvoort.

Allen Ausgaben gemeinsam ist ein großer Anteil an Artikeln über die jeweiligen Themengebiete die geballte Fachkompetenz in lesbarer Art und Weise darbieten. MV ist bei unseren Nachbar*innen eben nicht nur ein Comic, sondern auch eine Marke, die aus dem Renngeschehen nicht wegzudenken ist. Außerdem erlaubt die dortige Comic-Tradition auch die Kombination aus Unterhaltung und Sachkenntnis. Natürlich dürfen auch zum Inhalt passende Comics nicht fehlen. Diese sind teilweise aus den regulären Alben entnommen, oft aber auch speziell entwickelt worden.

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante B

Dreizehn der besten Geschichten sind in diesem Sonderheft versammelt. Die ersten reichen stilistisch einige Jahrzehnte zurück. Die frühen Comics wurden vom Studio Graton realisiert, die neueren von der aktuellen Garde, die wir auch aus der zweiten Staffel kennen. Gerade die Vielfalt der Themen und der jeweiligen zeichnerischen Umsetzungen macht den Reiz dieses Heftes aus.

Eine fragmentarische Geschichte des Motorrennsports in Bildern

Echte Fans haben in Deutschland keine andere Möglichkeit, als sich die Dossiers auf Französisch oder Niederländisch zuzulegen. Jetzt gibt es aber wenigstens die Möglichkeit, die besten Comics aus den Bänden genießen zu können. Falls sich das Heft gut genug verkauft, verspricht die Redaktion bereits einen Folgeband. Aber auch für die Leser*innen, die einfach nur mal in das Michel Vaillant Universum hineinschnuppern und den Erfolg dieser Serie nachvollziehen wollen, bietet das Heft einen guten Einstieg. Es geht eben nicht nur um eine Kunstfigur die losgelöst von der realen Welt im Kreis fährt, viele reale Menschen waren Teil dieser Geschichte(n) und haben es genossen.

Für das Heft wurden zwei verschiedene Covervarianten gedruckt. Im Bahnhofszeitschriftenhandel kann man sich die gewünschte Ausgabe aussuchen, bei der Bestellung muss man seinen Favoriten angeben. Zusätzlich enthält das Heft noch eine Einführung in die Serien des MV-Kosmos und einen Überblick über die bisherigen Dossiers vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen „Nothing like You“ von Cock Sparrer und natürlich ein Champagner.

© der Abbildungen Dupuis 1995 – 2025, Graton Éditeur 2026, by Jean Graton / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

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