Appollo/Brüno – Lucky Luke Hommage 7

Dakota 1880

Story: Appollo

Zeichnungen: Brüno

Originaltitel: Lucky Luke – Dakota 1880

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1031-6

Cover Lucky Luke Hommage 7
(c) Lucky Comics 2026

Lucky Luke ist der wohl bekannteste europäische Comic-Westernheld. Seit mittlerweile fast 80 Jahren ist der Mann, der schneller schießt als sein Schatten im Namen der Entrechteten unterwegs. Mal buchtet er die entflohenen Daltons wieder ein, mal muss er sich mit Familienkonflikten, diplomatischen Verwicklungen oder sonstigen Katastrophen auseinandersetzen. Sein letztes reguläres Abenteuer handelte von der Abwendung einer Bierkrise. Wie bei vielen anderen Serien auch, hat sich mittlerweile ein ganzes Universum um ihn herum gebildet. Zwar wurde ein ihm gewidmetes Magazin wieder eingestellt, es existier(t)en aber Subreihen, die seiner Jugend oder dem tierischen Sidekick Rantanplan gewidmet waren. Dazu kommen die Hommage-Bände, in denen andere Künstler gebeten werden, ihre Variante zu erstellen.

Eine Reise durch den Westen

Der jetzt erschienene Band DAKOTA 1880 gehört in diese Kategorie. Appollo bezieht sich auf ein Buch des Schriftstellers Baldwin Chenier. Dieses lange vergriffene Artefakt lässt zusammen mit älteren Dime-Novels vermuten, dass die Figur des Lucky Luke tatsächlich existiert haben könnte. Der Autor beschreibt mit einigen Freiheiten, wie sich die im Buch beschriebene Reise abgespielt haben könnte. Er erzählt in kurzen Kapiteln, wie sich der spätere Autor und unser Held, der als Shotgun auf einer Postkutsche unterwegs war, kennen gelernt haben.

Natürlich gehört dazu auch, die Geschichte seines Namens zu erzählen. Das namensgebende Glück ist gleichzeitig eine Prophezeiung als auch das Ergebnis des Trainings. Natürlich muss auch der Beiname erklärt werden: Der Bezug zu den damals üblichen Schießwettbewerben ist historisch auf jeden Fall möglich. Für Fans ist es ein Bonus, dass in den meisten Kapiteln auch Bezüge auf die Erlebnisse des Cowboys eingeflochten werden.

Die Geschichte spielt einerseits sehr clever mit den Erwartungen der Leser*innen, die die Figur nach mittlerweile rund 100 Bänden natürlich sehr genau kennen, und den Verknüpfungen mit der „echten“ Geschichte des Westens. Und auch der subtile Witz, der Zeitbezüge und Stereotypen einbezieht, kommt nicht zu kurz!

Ein „erwachsener“ Stil!

Brüno zeichnet den Helden als auf das Wesentliche reduzierte Figur. Die so oft missratene Mundpartie wird, wenn nicht unbedingt erforderlich, einfach weggelassen. Der in die Länge gezogene Kopf wirkt dadurch charismatisch, aber auch etwas eigenbrötlerisch. Der Held erscheint dadurch gleichzeitig unnahbar als auch engagiert. Oft verwendet der Zeichner eine eingeschränkte Auswahl an Farben. Obwohl alle Details vorhanden sind, ist die Wirkung plakativ.

Der Story entsprechend werden liebgewonnene Nebencharaktere nicht benötigt. Dazu gehört einerseits das „mitdenkende“ Pferd Jolly Jumper, das nicht zur Wirklichkeitstheorie passt. Dementsprechend kann auch Rantanplan keine Verwendung finden. Menschliche Mitspieler tauchen aber auf und erinnern auch – wenngleich ebenfalls reduziert – an ihre bekannten Auftritte. Diese Spannung aus eigenem Stil und Referenzen an das Bekannte ist sehr reizvoll und macht Spaß!

Logo 80 Jahre Lucky Luke
(c) Lucky Comics 2026

Nicht nur für Fans!

Die Bände, in denen bekannte Künstler*innen etablierte Figuren interpretieren, sind nicht immer geeignet für ein größeres Publikum. Teilweise setzen sie ein vertieftes Wissen über die Serie und ihre Abläufe voraus und präsentieren viele „Insiderwitze“, die ohne den Hintergrund kaum verständlich sind.

Appollo und Brüno gelingt mit Dakota 1880 aber das Kunststück, einerseits die Fans mitzunehmen und eine eigenständige „Origin-Story“ zu erzählen, andererseits aber auch eine vollkommen eigenständige Erzählung aus dem Western-Genre abzuliefern. Der Band, der wie bei Egmonts Lucky Luke und Asterix-Reihen üblich, sowohl als Softcover für den Kiosk als auch als Hardcover für den Buchhandel erscheint, ist somit auch ohne Vorwissen ein Vergnügen für alle und insofern ein gelungener Auftakt für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Stay tuned!

Dazu passen klassische Country- oder Western-Songs eurer Wahl und ein einfacher Bourbon.

© der Abbildungen Lucky Comics 2026 | Egmont EHAPA Media GmbH, Berlin 2026

Garcia, Rouge/Rouge – Rio 3

Wilder Karneval

Story: Louise Garcia & Corentin Rouge
Zeichnungen: 
Corentin Rouge
Originaltitel: 
Rio: Carnaval Sauvage

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe |25,00 € | ISBN: 978-3-949987-23-6

Cover Rio 3

Immer mal wieder erreichen uns Nachrichtenmeldungen aus dem mittleren und südlichen Amerika über Unruhen und kriegsähnliche Zustände aus den Elendsgebieten der Megastädte. Dementsprechend ist auch der Begriff Favela bekannt und steht mittlerweile als Synonym für einen Slum, der von Drogenbanden kontrolliert wird. Über die Aufnahmen von Straßenschlachten und brennenden Gegenden hinaus ist aber wenig bekannt.

Ein mehrschichtiger Machtkampf

Rio ist eine lange Geschichte mit vier aufeinander aufbauenden Teilen. Sie beschreibt die Entwicklung einiger Bewohner*innen der Favelas von Rio. In dem Slum selbst gibt es drei Möglichkeiten, sich ein einigermaßen erfolgreiches Leben aufzubauen: Die unterste Stufe (der Erfolgreichen) sind Prostituierte, darüber stehen die verschiedenen Hierarchiestufen der Drogenorganisation vom Läufer bis hin zum obersten Chef. Daneben gibt es den Karneval bzw. die Sambaschulen.

Rio 3 page 3

Während Rubeus in Wilder Karneval von seinen Adoptiveltern angefleht wird, das Land zu verlassen und mit in die Staaten zu kommen, möchte dieser den Tod seiner Schwester rächen. Dazu muss er sich allerdings wieder tief in das Ghetto begeben und läuft Gefahr, Opfer alter Rechnungen zu werden. Gleichzeitig versuchen sowohl Ratte als auch die Hexe Capitu, die aktuellen Machtstrukturen zu stürzen.

Louise Garcia beschreibt sehr eindringlich die Zustände in den Elendsgebieten, die Macht und die alltägliche Gewalt, aber auch die offiziellen Strukturen, die diese Zustände brauchen, um sich selbst rechtfertigen zu können. Und so gehen Korruption, Gewalt, Religionen und Kommerz (Samba) Hand in Hand…

Rio 3 page 4

Intensiv

Die Zeichnungen von Corentin Rouge sind nichts für zartbesaitete Leser*innen. Er verdrängt die Armut und ihre Folgen nicht und zeigt die Folgen des Drogenkonsums und der Mangelernährung in Großaufnahme! Zudem sind seine Figuren teilweise so abgestumpft und enthemmt, dass die Gesichter zu Fratzen werden. Gleichzeitig sind aber auch die Hintergründe detailliert ausgearbeitet und bieten dem Auge viele Gelegenheiten, Neues zu entdecken oder zu verweilen.

Wer mehr über die Serie wissen möchte, sollte sich das sehr lange Interview in den ZACK-Ausgaben   317 und 318 zu Gemüte führen! Wer die Serie bisher noch nicht kennt, aber ein Interesse an Geschichten über das Drogenmillieu hat, sollte hier auf jeden Fall reinschauen. Vielleicht etwas weniger geglättet als im Stream, aber nicht weniger spannend.

Rio 3 page 5

Sehens- und lesenswert

Das gar nicht mehr so kleine Portfolio der ZACK-Edition ist immer wieder spannend. Während es einerseits einige Albenausgaben von ZACK-Klassikern wie Michel Vaillant oder Tanguy & Laverdure bereithält, liefert es andererseits klassische frankobelgische Serien aus. Daneben gibt es aber immer wieder Perlen im Randbereich zum Graphic Novel Genre, die den deutschen Markt abseits von Nischenthemen bereichern. Rio gehört definitiv dazu!

Wie so oft, gibt es auch bei dieser Serie nur beim Verlag jeweils eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und beigelegtem Druck. Empfehlenswert!

Cover Rio 3 VZA

Dazu passen Abraskadabra und ein Bohemia.

© der Abbildungen Editions Glenat 2018 by Louise Garcia & Corentin Rouge | 2025 Blattgold Gmbh

ZACK 321 (2026)

ZACK 321

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 321

Spanien, eine Taperia, draußen sind es 20 Grad, und doch steht auf dem Cover der Aufdruck MÄRZ… Egal, auch dieses Heft ist eine gelungene Mischung und sollte keinesfalls bis zum nächsten Urlaub liegen bleiben.

Der Neustart

Zwei sympathische Künstler porträtieren sich selbst und ihre Reise in den Süden: Heute frischer Fisch ist von und mit Charel Cambré und Marc Legendre, den beiden, die auch schon Adaptionen von Spirou & Fantasio oder Amoras vorgelegt haben. Ihre Satire spielt mit Vorurteilen gegen Nationalitäten, sexuelle Orientierung, Berufe, Lifestyles und alles andere. Fettnäpfchen können gar nicht genug geschützt sein, die beiden finden sie und springen voll hinein. Dabei nehmen sie sich selbst nicht aus und das machte es dann zu einem Vergnügen. Auch Brückenbauer ist allerdings nichts für Überkorrekte!

ZACK 321 page 5

Zudem gibt Henri Vaillant seinen Einstieg in das Magazin: Die Kurzgeschichte Die Fliege mit den goldenen Augen ist nur in einer speziellen französischen Sonderausgabe des Bandes über den Gründer der Familiendynastie erschienen. Umso erfreulicher ist es, dass sie hier abgedruckt werden durfte. Sie vereint einen aktuellen Teil in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Weise und einen zweifarbig gehaltenen Rückblick nach einem Szenario von Dennis Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne.

ZACK 321 page 18

Die Fortsetzungen

Die Nahtoderfahrung erklärt zwar, wie der wertvolle Diamant gestohlen werden konnte, er ist aber immer noch verschwunden.  Jeff Mistral und die geheimnisvolle Lucie müssen sich aber zunächst mal aus ihrer Gefangenschaft befreien (wobei es etwas verwirrend ist, dass die beiden ersten Seiten in vertauschter Reihenfolge abgedruckt sind). Danach geht es Schlag auf Schlag weiter Ein spannender neuer „alter“ Krimi von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié, der Lust auf mehr macht. Allein das Lettering könnte etwas weniger brüllend sein.

Detail ZACK 321 page 28

Der wohl spannendste Cliffhanger der letzten Zeit (zumindest für Leser*innen, die keine Möglichkeit haben, den Originalveröffentlichungen im Ausland zu folgen) war der Tod von Michel Vaillant im letzten Heft. Wie gut, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat. Doch halt, keine Entwarnung, denn das bedeutet, dass der oder die Killer noch frei herumlaufen. Und tatsächlich kommt es in Erlösung zu einem Attentat mit einer sehr persönlichen Wendung für Steve Warson. Spannung, Krimi-Elemente, Drama und ansprechende zeichnerische Umsetzungen, ebenfalls von Daniel Lapière getextet und umgesetzt von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 321 page 41

Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß) ist auf der Suche nach seiner entführten Verlobten und macht Bekanntschaft mit einem Trupp älterer Männer. Diese geben sich zwar als gottesfürchtige Reisende aus, dieser Schein trügt allerdings wie so oft.  Die Neuauflage dieser Serie von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko wirkt vertraut, nimmt sie doch viele klassische Elemente auf, überführt diese aber in einen modernen Zeichenstil und fügt auch ein paar härtere Szenen hinzu, die man bei der Shiloh Ranch oder High Chaparral eher nicht gesehen hätte. Für mich eine der Entdeckungen des noch frischen Jahres!

ZACK 321 page 51

Der schon wieder als Jahressieger in der Gunst der Leser*innenschaft stehende Rick Master steht in Konkurrenz zu seiner Freundin Nadine, die ebenfalls eine Titelseitenstory schreiben möchte.Tatsächlich gelingt ihr ein Scoop! Währenddessen trifft Rick auf vier als Beatles maskierte Idioten als Dead Sugar die Bühne betritt… Eine humorvolle, von Anspielungen auf Kultur und Politik nur so strotzende neue Folge von Simon Van Liemt, die garantiert wieder vorne landen wird. Zusammen mit Zidrou wurde der doch etwas altbackene Journalist runderneuert und besetzt nun das humorige Krimifeld fast ohne Konkurrenz.

ZACK 321 page 67

Der Abschied

Verabschieden dürfen wir uns von der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud mit Aleksis Strogonov. Tamo lieferte eine Geschichte über Widerstandsbewegungen, die ihnen jede Berechtigung, ja auch jede Ernsthaftigkeit abspricht. Ich verstehe nicht, was Émile Bravo dazu gebracht hat, diesen Auftrag anzunehmen. Hier herrscht die reine Freude am Zerstören vor.

Detail ZACK 321 page 83

Und sonst?

Erinnert sich noch jemand an den Skandal um die Spirou-Adaption von Dany? In diesem Heft kommt der Künstler selbst zu Wort, da der erste Teil eines längeren Interviews von ActuaBD mit ihm abgedruckt wird. Lesenswert! Dazu ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die nun von Capia gezeichnete Fortsetzung von Das Paris der Wunder, Michael Klein mit dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und Frank Neubauer mit News, Rezis und spitzen Worten.

Die kürzeren Comicbeiträge von Parker & Badger, Der Ritter und StarFixion dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Dazu passen Dakka Skanks mit „You can’t cancel this“ und ein Boots Night Bier von Ahoi.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Legendre/Cambré – Die Chroniken von Amoras 3

Der Fall Krimson – Teil 3

Story: Marc Legendre (nach Willy Vandersteen)
Zeichnungen: 
Charel Cambré
Originaltitel: 
De Kronieken van Amoras – De Zaak Krimson 3

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 56 Seiten | Farbe |18,00 € | ISBN: 978-3-949987-76-2

Cover Chroniken von Amoras 3

Es ist ein Jammer! Eine der wohl besten aktuellen europäischen Comic-Serien kommt in Deutschland einfach nicht ins Rollen und wird daher aller Voraussicht nach mit diesem Band zunächst eingestellt. Ein Faktor dabei ist sicherlich, dass auch das Original, auf dem diese modernisierte Version beruht, bei uns mehr als einmal den Sprung auf das Treppchen nicht geschafft hat. Ob nun Ulla und Peter oder Suske und Wiske, diese familientaugliche Serie lief nur im Randprogramm. Erfolgreich war allein das Spin-Off mit Wastl zu Bastei-Zeiten.

Wie konnte es passieren?

Obwohl diese Interpretation eine vollkommen eigenständige ist, die zwar Figuren und ein gewisses Grundsetting übernimmt, aber keine Kenntnisse voraussetzt, besteht scheinbar ein gegenläufiges Vorurteil. Nun ja, die Welt steuert unverkennbar auf einen Abgrund zu: die Klimakatastrophe hat sich verschärft, reiche Eliten bringen ihre Schäfchen ins (wortwörtlich) Trockene, und zwei junge Erwachsene (Suske und Wiske) müssen sich in dieser Welt durchschlagen. Sie bewegen sich in einem Netzwerk von Freund*innen und Verwandten, von denen einer, Professor Barabas, eine Zeitmaschine besitzt.

Chroniken von Amoras 3 page 5

Es gibt einen „Ober-Schurken“ vom Typ größenwahnsinniger Wissenschaftler, Krimson, der tatsächlich aber von seinem Butler im Auftrag einer geheimen Organisation gelenkt wird. Krimson ist zwar ein Hypochonder, kennt aber keine Grenzen, wenn es darum geht, anderen ein Leid zuzufügen. Der Dreiteiler Der Fall Krimson versucht auszuloten, warum es dazu kam und welchen Einfluss möglicherweise „die Guten“ dabei hatten, also sozusagen eine „Origin-Story“.

Dieser letzte Teil schließt nahtlos an die bisherigen an. Krimson befindet sich wie auch der zwielichte Lambik in Piscine-Les-Bains. Dort ist in einem unterirdischen Bahnhof unter einer Kirche ein Zug mit Nazi-Gold entdeckt worden und beide treffen dort aufeinander. Und auch der Professor, der versucht, Lambiks Erinnerungen zu folgen, versetzt sich selbst in die Vergangenheit. Parallel dazu versuchen Suske und Wiske einen Koffer, der Krimson gehört, wiederzubekommen. Rasante Action und psychologische Fragen haten sich die Waage.

Chroniken von Amoras 3 page 6

Detailliert und filmisch

Die Zeichnungen von Charel Cambré sind gewohnt dynamisch. Mit einem filmisch geschulten Auge platziert er Szenenfolgen, die von der Totale in extreme Nahaufnahmen gehen und dabei die Emotionen der Handelnden vor den Leser*innen ausbreiten. Die Zeichnungen sind vom Grundsatz her realistisch, nehmen sich aber die Freiheit der Übertreibung, die teilweise karikierende Züge annimmt. Dabei sind auch durchaus gewalttätige Aktionen zu sehen. Nicht, dass hier wie etwa in Witchblade das Blut nur so spritzen würde, es ist aber auch keine Erdbeerteeveranstaltung.

Genau diese Darstellung von Gewalt ist auch ein häufiges Argument der Liebhaber*innen des Originals gegen diese Neuinterpretation. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass es die alte Reihe ja weiterhin gibt (und sogar auch noch einen Ableger für Kinder). Wie viele Klassiker hat sie aber damit zu kämpfen, dass die verkaufte Auflage sinkt. Die Amoras-Reihen (mittlerweile drei aufeinanderfolgende, Die Chroniken von Amoras ist die Zweite) haben sich dagegen einen neuen, eigenständigen und wachsenden Stamm erobern und verteidigen können.

Detail Chroniken von Amoras 3 page 10

Top-Tipp!

Eine Empfehlung wie „muss man haben“ ist immer wenig zielführend, da sie zu stark verallgemeinert. Deshalb hier etwas genauer die Auflistung der Kategorien. Wenn ihr mindestens eine davon mit „Ja, mag ich“ beantworten könnt, solltet ihr einen ersten und zweiten Blick riskieren: Science-Fiction, moderne Abenteuer, starke Frauenrolle, Geopolitik, Kapitalismus-Kritik, durchgehende Story über mehrere Bände, moderner europäischer Stil, Action. Die Reihe besteht aus einzelnen Bänden oder Gruppen, die alle im gleichen Universum spielen, aber keine chronologische Kontinuität aufweisen. Wer des Niederländischen mächtig ist, kann insgesamt 14 Bände genießen.

Der Fall Krimson ist in gewisser Weise die Vorgeschichte zu der Reihe Amoras, die aktuell im ZACK läuft. Dort sind 5 von 6 Alben bereits abgedruckt worden. Es ist aber keinesfalls notwendig, diese Bände gelesen zu haben. Wer mag, kann sich beim Verlag die limitierte Vorzugsausgabe bestellen. Sie enthält nicht nur ein signiertes ExLibris, sondern besitzt auch ein extra für die deutsche Ausgabe angefertigtes Cover.

Cover Chroniken von Amoras 3 VZA

Dazu passen Green Day mit „American Idiot“, und ein Texels Stormbok.

© der Abbildungen 2018 Standaard Uitgeverij / 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Frei – Die Ballade der Carol Welsh 1

Gesamtausgabe der Teile 1 und 2

Story:  Martin Frei
Zeichnungen: 
Martin Frei
Originaltitel: 
OA

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover |124 Seiten | Farbe | 32,00 € | ISBN: 978-3-949987-99-1

Cover Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1

Was  lange währt, wird endlich gut… Wenn es einen Titel gibt, auf den dieser Spruch passt, dann ist es wohl dieser. Es gab Verhandlungen und Absprachen, die Magazinveröffentlichung im ZACK lief wie geplant, eine Gesamtausgabe wurde angekündigt und plötzlich legte ein Erbe Einspruch ein. Die Folge war das Einstampfen der noch nicht ausgelieferten Auflage. Aber: Weder Martin Frei noch Georg F. W. Tempel ließen sich davon abhalten, am Ball zu bleiben. Nun wurden also alle Bezüge entfernt, einige Seiten neu gezeichnet und ein neuer Anlauf gemacht. Das Ergebnis ist gerade erschienen! Dieser Titel ist übrigens noch eine weitere Besonderheit: Während das ZACK normalerweise Titel für die deutsche Veröffentlichung lizenziert, ist es hier andersherum: Und so steht die Ballade der Carol Welsh auch in niederländischer Sprache in den Regalen unserer Nachbar*innen.

Rassismus im „Wilden Westen“

Das kleine Städtchen Snow Flake hatte in der Vergangenheit Probleme mit kriminellen Machenschaften. Ein Armeeoffizier war als Sheriff abkommandiert worden, hatte das Problem gelöst, das Herz der Lehrerin gebrochen, und war wieder abgezogen. Diese, die Heldin Carol Welsh, hat ihren eigenen Kopf, kann mit Waffen umgehen und „erdreistet“ sich, ihren Schützlingen in der Schule die Lehren von Charles Darwin nahezubringen. Da sie zudem menschlich mit einem wohnsitzlosen und alkoholabhängigen Indianer umgeht, wird sie von einigen konservativen Honoratioren angefeindet.

In der Umgebung des Städtchens machen sogenannte Wolfskrieger die Gegend unsicher. Sie sind nicht bereit, in ihrem Reservat zu bleiben, sondern sind auf dem Kriegspfad gegen die Weißen. Als die Frau des Bürgermeisters während einer Kutschfahrt erschossen wird, ist vielen in der Stadt sofort klar, wer dafür verantwortlich ist. Zudem wird die Lehrerin als Ketzerin und Kollaborateurin beschuldigt.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 5

Martin Frei hat um das kleine Western-Städtchen und seine Bewohner*innen ein kleines Universum geschaffen, das für einige Geschichten die Basis bilden kann. Die Archetypen sind klar: der konservative Pfarrer (der trotzdem in der Lage ist, zu denken!), die bornierten mächtigen Männer, die fragenstellende und aufgeklärte Lehrerin, die sich nicht unterordnen will, der verliebte junge Mann, die Indianer mit allen positiven und negativen Facetten.

Realistisch und humorvoll

Auch die Zeichnungen von Martin Frei brauchen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Zwar ist hier jetzt keine neuer Giraud plötzlich auf dem Markt aufgetaucht, aber darum geht es ja auch gar nicht. Die Figuren sind gut herausgearbeitet und vor allem die Mundpartien gelingen realistisch. Das ist nicht unbedingt immer gegeben! Während Personen und nähere Umgebung detailliert ausgefertigt sind, wird in der weiten Kinoeinstellung etwas weniger genau gearbeitet.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 6

Die Unterscheidung der Traumsequenzen von der Realität gelingt gut und das Skelett in Uniform sieht sehr ansprechend aus. Daneben gelingt auch die Unterscheidung der „offiziellen Welt“ von der Subkultur (den Animierdamen sowie der alleinlebenden Indianer). Manche Lehrer*innen mögen sich zudem manchmal heimlich wünschen, Schulkinder so zu behandeln, wie Carol Welsh es darf…

Eine erfrischend neue Western-Serie

Dieser „neue“ Sammelband enthält eine Story, die im Streaming-Bereich als „Pilotfolge“ bezeichnet werden würde. Der Erfolg im Jahrespoll (und auch die Lizenzvergabe) haben bereits zu einer Fortsetzung geführt, die ebenfalls im ZACK vorabgedruckt worden ist. Für Western-Fans unbedingt zu empfehlen, die Klassifizierung „Made in Germany“ ist in diesem Falle nicht negativ zu werten. Sowohl Text als auch Zeichnungen genügen auch internationalen Erwartungen! Während in diesem Gerne immer noch männliche Helden den Standard setzen, unternimmt Martin Frei erfreulicherweise einen Perspektivenwechsel.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 7

Die Gesamtausgabe kommt mit einem ausführlichen einführenden Beitrag (vom Verfasser dieser Zeilen), bibliographischen Angaben zur Veröffentlichung und einer mehrseitigen Pin-Up-Galerie. Natürlich gab es auch wieder eine mittlerweile bereits vergriffene Vorzugsausgabe mit Variantcover und zwei limitierten und signierten Drucken.

Dazu passen Bruce Springsteen mit einem Song über Rassismus in Amerika, „Streets of Minneapolis“, und ein mexikanisches Caguanita.

© der Abbildungen 2026 Blattgold Gmbh / Martin Frei

ZACK 320 (Februar 2026)

ZACK 320

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 320

Und noch ein weiteres Heft mit gleich vier klassischen ZACK-Serien. Wenn das kein Grund für nostalgische Gefühle ist … Aber halt: Da war doch was: die Abenteuer waren – besonders in der Wiechmann-Zeit – teilweise extrem gekürzt. Die Veröffentlichungsreihenfolge war manchmal sehr eigenwillig, es gab ein Maschinenlettering, … Zum Glück sind alle diese Punkte mittlerweile Geschichte und nicht mehr zeitgemäß. Daher gibt es runderneuerte und komplette Geschichten mit einem angenehm lesbaren Lettering in guter Übersetzung!

Die Fortsetzungen

Den Anfang macht der Coverboy des Monats Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß). Er hat gerade den Job bei Wells Fargo gekündigt, begleitet aber trotzdem noch ein letztes Mal eine Kutsche. Diese hätte eigentlich von seiner Frau gelenkt werden sollen, musste aber verletzungsbedingt absagen. Seine Reise soll ihn nun zu ihr führen. Ihr Ersatz schildert zunächst einmal seinen tragischen, aber prägenden Werdegang. Endlich gestartet, entdecken sie, dass eine der Stationen überfallen wurde, nur ein Überlebender kann von dem Massaker berichten. Hier erfährt Ringo auch, dass seine Verlobte auf dieser Poststelle war und entführt worden ist. Devil’s Gate ist ein klassischer Western mit viel Action von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko der hoffen lässt, dass der Re-Start nicht nur von kurzer Dauer bleibt.

ZACK 320 page 5

Auch Jeff Mistral geht in die zweite Runde. Der Detektiv trifft sich mit einer „Lucie“ in einer Bar. Dort erklärt sie ihm, dass ihr Partner den Diamanten gestohlen hat, nun aber in ernsten Schwierigkeiten stecke. Aufgrund einer Nahtoderfahrung habe er spezielle Fähigkeiten. Und kurz darauf tauchen die besagten Schwierigkeiten auch schon leibhaftig auf. Ein Krimi, der in den 60-ern spielt und in der Tradition von Jeff Jordan oder Harry & Platte steht. Eine gut konstruierte Geschichte von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié.

Detail ZACK 320 page 19

Wer gerne Autos im Comic sieht, darf sich beim Weiterblättern auch weiter freuen. Gleich danach startet nämlich die Qualifikation für das Rennen in Indianapolis, an dem Michel Vaillant, Steve Warson und Elsa teilnehmen werden. Steve wird dabei als Lockvogel des FBI auftreten und teilweise gedoubelt werden. So hofft man, den Killern ein Schnippchen schlagen zu können. Wird diese Rechnung aufgehen? Erlösung ist ein weiterer Baustein in der eine lange Geschichte erzählenden zweiten Staffel, die aktuell von Daniel Lapière getextet wird. Für die Zeichnungen sorgen Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 320 page 33

Danach geht es weiter mit der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud aus der Aleksis Strogonov Reihe. In Tamo gibt es sich bekämpfende Separatisten, Kleinwüchsige, Journalisten, Dörfler*innen und Liebeskummer. Alles wird von Émile Bravo zu Papier gebracht.

Detail ZACK 320 page 47

Rick Master ohne seinen Ferrari? Das ist sogar einen Metawitz wert … Ist in Paris ein neuer Bandenkrieg ausgebrochen? Oder spielt Dead Sugar einfach nur ihr eigenes Spiel? Rick wird jedenfalls von einem seiner Erzfeinde um Hilfe angefleht da er sonst von der toughen Lady erschossen werden würde. Simon Van Liemt hat eine weitere Story geschrieben die Nadine zu einem eigenständigen Auftritt verhilft, gleichzeitig aber dem Titelhelden weitere Entwicklungen ermöglicht. Zidrou setzt das sehr dynamisch um und verknüpft Retro-Charme mit Action.

ZACK 320 page 61

Die Abschiede

Jerusalem hat es auf Amoras in die Villa von Krimson geschafft, muss sich aber nun mit Achiel, dem Butler, auseinandersetzen. Sie bietet ihm eine Zusammenarbeit an. In der Zwischenzeit hat es auch Wiske geschafft, das Anwesen zu erreichen. Sie ist verzweifelt und wütend und das ist eine explosive Mischung. Fern des Ganzen versucht Suske einen Plan zu entwickeln, alle wieder zurückzuholen. Das wird aber erst im letzten Kapitel der Saga ausprobiert werden können. Für mich bleibt Amoras von Marc Legendre und Charel Cambré eine der ganz großen aktuellen Comic-Serien die viel mehr Erfolg verdient hätte.

ZACK 320 page 75

Während Tanguy sich in China seines Lebens nicht sicher sein kann, versucht Laverdure auf der anderen Seite, Provokationen der chinesischen Kampfjets zu überleben. Verrat ist wieder nur der Auftakt und bis zum Weiterlesen müssen wir mit einem heftigen Cliffhanger leben. Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl sind mit ihrer Story dicht am Puls der Zeit, Sebastien Philippe zeigt die Ritter der Lüfte in allen Situationen.

ZACK 320 page 88

Und sonst?

Dazu kommen passende Geschichten von dem Ritter. Auch Parker & Badger haben mit heftigen Unbillen zu kämpfen und Margotik erörtert mit Tizombi die Frage, ob sie den Friedhof verlassen und zu ihrer Familie zurückkehren sollte.

Michael Klein erinnert an das ZACK vor 50 Jahren, Frank Neubauer informiert und lästert, Bernd Hinrichs stellt den gnadenlos guten Taschen-Band mit Barks-Stories vor und der Verfasser dieser Zeilen gibt ein wenig Hintergrundwissen zum ersten Band der Carol Welsh-Gesamtausgabe zum Besten.

Dazu passen Barns Courtney mit „Glitter & Gold“ und ein Blanc de Noire.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Charlier/Puig – Brice Bolt Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 1

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Artur Aldoma Puig
Originaltitel: 
Kean-Michel Charlier  présente: Brice Bolt 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert 1

Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!

Zu innovativ für Spirou

Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.

Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.

Brice Bolt page 19

Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…

Zeichnungen mit vielen Farben

Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.

Brice Bolt page 20

Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!

Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier

Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!

Brice Bolt Dossier

Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!

Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.

© der Abbildungen fordisbooksandpictures 2025 | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 8

Das Tal der Klapperschlangen

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Échec à la main noire & La Vallée des Crotales

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-50-2

Cover Bob Morane Classic 8

Während die meisten Bob Morane-Geschichten zunächst in einem Magazin für Frauen mit jeweils ein oder zwei Seiten vorabgedruckt wurden, gab es einige wenige, die in einer belgischen Tageszeitung mit einem täglichen Streifen erschienen. Naturgemäß erforderte dieses Medium einen anderen Flow, musste es doch jeden Tag neu die potenziellen Leser*innen dazu animieren, auch am folgenden Tag Het Laatste nieuws zu kaufen. Dieser Band vereint jeweils ein Beispiel!

Ein Krimi und ein Western

Die erste Geschichte, Schach der schwarzen Hand, ist aus mehreren Gesichtspunkten heraus außergewöhnlich. Das Sujet klingt vertraut: Bill und Bob geraten auf der Straße in eine Schlägerei, retten eine (junge und hübsche) Frau und erfahren, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Selbstverständlich wollen die beiden Helden ihr helfen, geraten dabei in Schwierigkeiten und bekommen es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Hier geht es um die Mafia, ein großes Erbe und eine Quest. Wie immer meistert Vernes die Geschichte und hält die Leser*innen bei der Stange.

Während üblicherweise eine ganze Seite zur Verfügung steht, einen Strang zu entwickeln, bleiben bei Tagesstreifen aber nur 2 bis maximal 4 Bilder, um anzuknüpfen, weiterzuführen, und einen Cliffhanger zu präsentieren. Zudem waren die Originale verschollen. Und so wurden aus den schwarz-weißen Zeichnungen von Gérald Forton ihnen nachempfundene farbige von Jacques Géron.

Bob Morane Classic 8 page 3

Im Tal der Klapperschlangen haben unsere Bekannten eine Panne inmitten einer amerikanischen Wüstenlandschaft. Sie geraten in einen Streit zwischen weißen Farmern und der indianischen Besitzerin einer Ranch und beziehen Stellung, obwohl beide Seiten das eigentlich gar nicht wollen. Hübsche Geschichte, die traditionellen Pfaden folgt, sie aber nett kombiniert.

Eine besondere Form der Gesamtausgabe

Bei älteren Comics stellt sich generell die Frage nach der Qualität der Vorlagen. Der Taschen-Verlag hat für seine Libraries eine sehr aufwendige Reproduktionstechnik gewählt und die Modesty Blaise-Ausgabe enthält teilweise Scans von Zeitungsveröffentlichungen. Für die Geschichte mit der schwarzen Hand ging der damalige Verleger Claude Lefrancq 1992 einen zeitgemäßen Weg: Er bat einen bekannten Zeichner, neue Panel im Stile des alten anzufertigen. Jede*r möge selbst urteilen, ob das „gut“ ist. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gut genug, ermöglicht es doch auch anderen Fans von Bob Morane, die Geschichte lesen zu können. Zudem fällt die Geschichte als Strip sowieso aus dem Rahmen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Gesichter etwas anders aussehen.

Bob Morane Classic 8 page 4

Das Tal der Klapperschlangen ist dagegen eine sehr typische Veröffentlichung. Forton besaß bereits genügend Routine mit den Hauptfiguren, um sich auf Details und Landschaften konzentrieren zu können.

Bergfest

Fünfzehn Bände sind in der Bob Morane Classic Edition geplant, gut die Hälfte ist jetzt erschienen. Während die Bände von Vance und Coria in Deutschland schon häufiger eine Heimat gefunden hatten, waren die von Attanasio und Forton fast komplett unveröffentlicht. Fans des unverwüstlichen Helden, der mittlerweile in seinem siebten Jahrzehnt steht, finden hier eine sorgfältige Veröffentlichung mit bibliographischen Angaben im Hardcover.

Bob Morane Classic 8 page 5

Zusätzlich gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für fünf Bände.

Dazu passen The Kinks etwa mit „You really got me“ und ein 19 Crimes – The Uprising.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Jahresrückblick 2025 – Die besten Comics

Und wieder: Die besten Titel des Jahres und ein wenig mehr

Was für ein Jahr: Kriege laufen weiter und Bewohner*innen, die Natur und die weltweite Stimmung leiden darunter. Es scheint fast so, als ob wir uns im vorletzten Teil einer Serie befinden würde, in der alles auf den abschließenden Kampf „Gut“ gegen „Böse“ hinausläuft. Leider auch mit dem üblichen Twist, dass bisher für „Gut“ gehaltene Spieler plötzlich die Seite wechseln. Nun ja, aufgeben gilt nicht.

Drei Jahre ist es jetzt her, dass ChatGPT auf den Markt kam. Die Ausmaße der disruptiven Wirkung auf das gesamte Publishing sind noch nicht abzusehen, aber viele Kreative und Verlage mussten bereits feststellen, dass Ignoranz in diesem Falle nicht weiterhilft. Auch hier bleibt es spannend.

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

Viele Leser*innen dieser Seite gehören der Generation der Boomer an. Während sich damit einerseits die Rente schon als Lebenswahrheit darstellt oder zumindest innerhalb der nächsten fünf Jahre darstellen wird, sterben immer mehr „alte Bekannte“ aus Kunst und Politik, die unsere Jugend geprägt haben. Wie gut, dass es wenigstens immer wieder Neu-Veröffentlichungen von Klassikern gibt…

Ein wenig Eigenlob muss sein: Mehr als 110.000 direkte Zugriffe auf einzelne Artikel stellen ein Wachstum von 10% gegenüber dem letzten Jahr dar. VIELEN DANK! Wie immer freue ich mich über Feedback und Kritik. Ich werde allerdings nicht aufhören, zu gendern. Das Ergebnis meiner Tätigkeiten war auch in diesem Jahr wieder in diversen Ausgaben des ZACK, im ZACK-Sonderheft und in der Sprechblase zu lesen. Übersetzungen fanden sich in den (sehr empfehlenswerten) Integralen von Sammy & Jack und der Zentauren (nur redaktioneller Teil) sowie bei der deutschen Ausgabe von Nicky Saxx.

Die besten Comics

Nun aber zu meiner ganz persönlichen Auswahl der Top-Titel des Jahres. Viele andere Titel sind trotzdem empfehlenswert. Es lohnt sich also immer noch, in die einzelnen Besprechungen zu schauen.

Der beste Comic des Jahres ist eine ganz alte Kamelle (wie war das mit den prägenden Einflüssen der Jugend?): Der erste Band von Sgt. Kirk von Héctor Oesterheld und Hugo Pratt. Der Western in schwarz-weiß vereinbart Kritik an den herrschenden Verhältnissen und dem Status Quo, Humor, Absurditäten, Spannung und eine herausragende Behandlung des doch wieder häufig vertretenen Genres. Zudem sind die reduzierten Zeichnungen von Pratt oftmals genial, nie aber schlecht.

Cover Sgt. Kirk 1

Platz 2 geht ebenfalls an einen Klassiker, allerdings einen junggebliebenen! Der 41. Asterix, Asterix in Lusitanien, vereint halbwegs zeitlos verpackte Anspielungen auf Politik und Zeitgeschehen, überspitze, aber sympathievolle Darstellungen der den Portugies*innen zugeschriebenen Eigenschaften und viel Humor. Während Didier Conrad mittlerweile so gefestigt ist, dass er eigene Akzente im Stil von Uderzo setzen kann, beweist Fabcaro in seinem zweiten Streich, dass die Wahl zu Recht auf ihn gefallen ist.

Und noch eine alte Kamelle: Auf Platz 3 kann sich ein alter Koralle-ZACK-Held platzieren: Häuptling Feuerauge kämpft mit allem und meistens verliert er. Die beiden ersten Jahre inklusive der Sonntagsseiten in einem Album. Leider hat sich der Band nicht so gut verkauft, dass eine Fortsetzung zu erwarten ist.

Platz 4 ist wieder eine Neuerscheinung, und zwar eine der wenigen, die mich komplett überzeugt haben: Habeamus Bastard ist eine Mischung aus Thriller, Noir und – trotz allem – Humor, ja, sogar Slapstick. Schwartzmann und Vallée zeigen, dass man auch in Zeiten des Streaming-Serien-Überflusses noch intelligente und neue Inhalte ohne bewegte Bilder erzeugen kann.

Platz 5 geht an einen Comic, der in Deutschland noch gar nicht erschienen ist, möglicherweise auch nie erscheinen wird. Die Amoras-Saga ist mittlerweile bei ihrer dritten Serie angekommen: De Helden van Amoras konzentrieren sich wieder mehr auf Suske und Wiske und ihr Verhältnis zueinander. Das Cover sorgte für Herzanfälle und Verzweiflung, zeigte es die Beiden doch bei einem innigen Kuss. Natürlich ist alles ganz anders, aber das wäre ein Spoiler.

Die besten Graphic Novels

Bitte verzeiht mir die etwas willkürliche Trennung zwischen Comics, Graphic Novels und Gesamtausgaben. Ich habe die für mich passendste Zuordnung getroffen, bin mir aber bewusst, dass man das auch ganz anders machen könnte.

Platz 1 geht in diesem Jahr an einen deutschen Titel: Rude Girl von Birgit Weyhe. Ja, ich weiß, dass er eigentlich in 2024 gehört, er ist aber nun Mal erst in 2025 bei mir aufgeschlagen und ich möchte ihn keineswegs unterschlagen. Es geht um eine Migrantin aus der Karibik, die ihre Jugend in den USA verbringt. Äußere Zwänge, traditionelle Erwartungen und rassistische Alltäglichkeiten bestimmen ihr Leben, bis sie sich zu einem Leben als Rude Girl entscheidet. Die Skinhead- und Punk-Subkultur gibt ihr Halt und lässt ihr Raum für ihre eigene Entwicklung. Auf einer Metaebene geht es darum, ob und wie eine Weiße das Leben einer Migrantin beschreiben kann und darf.

Cover Weyhe - Rude Girl

Platz 2 geht an einen Spätwestern. Wiedersehen mit Comanche von Romain Renard ist einerseits eine Weiterführung der von Greg und Hermann entwickelten innovativen Westernserie Comanche über einen ehemaligen Revolverhelden der geläutert auf einer Farm hilft. Dabei verliebte er sich in die Farmbesitzerin und tötet schließlich einen extrem grausamen Gangster. Da dieser bereits entwaffnet war, musste der Held fliehen. Nun wird er Jahrzehnte später aufgespürt und soll einer Autorin Auskunft über das vergangene Zeitalter geben. Selten habe ich eine gleichzeitig so schonungslose Abrechnung mit den alten Träumen wie sorgsame Annäherung an komplexe Persönlichkeiten gelesen. Die in Grautönen gehaltene Geschichte passt in die literarische Tradition der gesellschaftlichen Dekonstruktion der Mittelklasse, spielt allerdings in etwas früherer Zeit als üblich.

Platz 3 ist eine Mischung aus Horror und Antikriegsballade und spielt während des Ersten Weltkrieges. Die Ballade vom Soldaten Odawaa erzählt von den Schrecken des Krieges und der psychologischen Kriegsführung. Sie zeigt einen in einer kanadischen Einheit kämpfenden Indianer, der sich fast unbemerkt in Stellungen bringen kann, die es ihm erlauben zu töten. Christian Rossi zeigt in düsteren Bildern den Schrecken auf beiden Seiten der Frontlinie, Cédric Apikian hat sich von tatsächlichen Begebenheiten zu dieser Story inspirieren lassen.

Die besten Gesamtausgaben

Auch bei den Gesamtausgaben stehen eher ältere Serien im Vordergrund. Die beste GA des Jahres ist aber eine aktuelle Geschichte, die in den letzten drei Jahren im ZACK vorabgedruckt worden war: Das Mädchen von der Weltausstellung verknüpft historische Fakten mit einer Soap-Geschichte. Ursprünglich auf fünf Bände angelegt, konnten nur drei erscheinen bevor der Zeichner verstarb. Sie nehmen jeweils eine der Weltausstellungen in Paris zum Anlass, das Leben von Sophie Kleinnagel zu schildern. Sie lebt in einem Wohnwagen von der Wahrsagerei und gerät jeweils in eine Kriminalgeschichte. Zudem ändern sich die Beziehungen ihrer Mitmenschen zu ihr, entwickelt sie sie doch vom kleinen Kind zu einer jungen Frau, die Begehrlichkeiten weckt.

Cover Mädchen von der Weltausstellung Gesamtausgabe

Platz 2 und 3 kommen aus dem gleichen Verlag. Der Taschen-Verlag hat sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten für XXL-formatige Wiederveröffentlichungen von Klassikern der Comic-Geschichte entwickelt. Zunächst wäre da Band 1 der EC Comics Library mit dem ersten Band der Weird Science Ausgaben von 1950 -1952. Science-Fiction Stories mit grandiosem Artwork und einem typischen Twist in der Geschichte, der sie zu zeitlosen Perlen macht. Ein Coffee-table-book der Extraklasse. Man sollte dem Besuch allerdings nicht erlauben, sich darin zu vertiefen, denn dann ist es aus mit der Verabredung.

Das gleiche Format und Prinzip der sorgfältigen Reproduktion der klassischen Veröffentlichung wurde auch bei der Disney Comics Library angewendet. Der erste Band von Carl Barks’s Donald Duck präsentiert Schätze aus Four Color Comics zwischen 1942 und 1950. Natürlich kennen wir diese Geschichten, haben sie möglicherweise sogar schon mehrfach zu Hause, aber meistens in der deutschen Übersetzung und nicht im Original. Dieses bietet aber einen deutlich anderen Lesegenuss als die auf deutsche Bildungsbürger ausgerichtete Qualitätsarbeit von Erika Fuchs und ihren Adepten. Beide Bände sind übrigens auf den Quadratzentimeter umgerechnet echte Schnäppchen, haben aber ihren Preis. Trotzdem sind sie ihn wert!

Die besten Sekundärwerke

In jedem Jahr vertreten, dieses Jahr mal wieder auf Platz 1: Die Reddition hat – wohl zum letzten Mal – zwei Ausgaben in einem Jahr geschafft: Während es in der ersten Jahreshälfte um Autos im Comic ging, widmete sich die Winterausgabe dem 2024 verstorbenen André Juillard. Dem Team um Volker Hamann gelingt es immer wieder, extrem detailreich zu informieren, ohne dabei in eine akademische Langatmigkeit zu verfallen. Die Artikel werden durch Illustrationen, Fotos und Listen sinnvoll ergänzt und sind ein Must-Have für alle, die sich tiefer mit ihrer Leidenschaft beschäftigen wollen. Für Abonnent*innen gibt es jeweils eine limitierte Beilage.

Zu Platz 2 gibt es leider keine Rezension, ich habe es nicht geschafft, diese Masse an Informationen, Statements und Wertungen in eine halbwegs überschaubare Besprechung zu packen. Trotzdem ist Black Comics von Alexander Braun erneut ein Meisterwerk! Der Autor bezieht klare Positionen, begründet sie aber sehr nachvollziehbar und füllt fast nebenbei die Seiten mit einer Masse von Informationen, die ihres Gleichen sucht. Egal ob Blackfacing, „Indianer-Debatte“, Superhelden, Gay & Porn oder graphic novel, alle Bereiche finden ihre Erwähnung. Wie immer sollte jede Veröffentlichung von Alexander Braun ihren Weg ins Regal finden. Wenn möglich, sollte man den Lesegenuss mit einem Besuch in den begleitenden Ausstellungen im schauraum in Dortmund kombinieren. Aktuell läuft dort eine Lucky Luke Ausstellung (natürlich ebenfalls mit einem Katalog).

Platz 3 geht an Deutschlands größtes Magazin für klassische Comics, die Sprechblase. Gerhard Förster hat mit der 250. Ausgabe noch einmal alles gegeben. Mittlerweile ist der Staffelstab an ein neues Team überreicht worden. Wie immer ist viel zu viel auf den Seiten untergebracht worden und für manche Abbildung wäre eine Lupe hilfreich. Aber genau diese Liebe zu den Details machte den Reiz der Förster-Ausgaben aus.

Die besten Magazine

Gibt es eine Überraschung in dieser Kategorie? Nein, nicht wirklich.

Platz 1 geht wie im Vorjahr an das ZACK. Das Magazin hat mittlerweile sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert (mit einer kleinen Unterbrechung) und ist in der aktuellen Form bei der Ausgabe 318 angekommen. Die Mischung aus traditionellen, runderneuerten Serien wie Michel Vaillant oder Rick Master und neuem Material wie etwa Rani oder Amoras ist auf dem deutschen Markt einzigartig. Die von euch meistgeklickte Nummer war die 310 aus dem April, Platz 5 der Jahrescharts! Das ZACK-Sonderheft hat sich mittlerweile ebenfalls etabliert und erscheint zweimal jährlich.

Totgesagte leben länger: Das ZEBRA hat zwar sein Erscheinen eingestellt, hat aber ein Ferien-Sonderheft herausgebracht. Diese Idee, an alte Traditionen anzuknüpfen und eine Rahmenhandlung um viele Absurditäten zu knüpfen gefällt! Die Zebras beweisen Jahr um Jahr, dass Independent auch ohne Sex und Superkräfte in Deutschland funktionieren kann. Platz 2 ist damit redlich verdient.

Für Platz 3 hat sich ein deutsches Eigengewächs qualifizieren können das ebenfalls in diesem Jahr Geburtstag gefeiert hat: Das mosaik hat nun 600 Ausgaben auf dem Buckel, die Zeitschrift gibt es seit 70 Jahren und die Helden, die drei Abrafaxe, werden 50. Empfohlen von der Stiftung Lesen bieten die Hefte nicht nur kindgerechte Stories mit viel historischem Hintergrund, sie haben auch immer einen redaktionellen Teil mit erläuternden Artikeln, Spielen, Experimenten und Kochrezepten. Der Inhalt kann aber auch von Erwachsenen mit einem etwas anderen Verständnis gelesen werden. Zu Recht eines der erfolgreichsten Comicprojekte hierzulande!

Und dann ist da noch …

Der Tradition dieser Rückblicke folgend fehlt noch eine besondere Erwähnung. Diese geht in diesem Jahr nicht an den neuen Trend der Erotik-Comics, obwohl es durchaus bemerkenswert ist, was man heutzutage öffentlich verkaufen kann. Noch vor wenigen Jahren wären Indizierungen und Prozesse gefolgt.

Ich möchte vielmehr auf einen Klassiker hinweisen, der nun wieder erhältlich ist: Section R  von Raymond Reding. Damals im Koralle-ZACK waren einige Geschichten abgedruckt worden, allerdings nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Die Albenveröffentlichung macht das jetzt besser. Die Stories handeln von einer Agentur mit zwei Partner*innen, die Missstände im Sport wie etwa Doping oder Wettbewerbsbetrügereien aufdecken. Der Geist der 60-er bestimmt die Zeichnungen und das Tempo, die Inhalte sind leider immer noch aktuell.

Cover Section R 1

Eure Lieblinge

Zum Schluss wie üblich die Charts der Zugriffe:

Ganz oben steht Hägar. Der Beitrag aus dem Jahr 2022 hat auch in 2025 die meisten Leser*innen angezogen.

Cover Hägar Gesamtausgabe 1973

Platz 2 geht an den Rückblick auf 2024. Die Jahreszusammenfassung gibt eine gewichtete, persönliche Empfehlung.

2025 war wieder ein Asterix-Jahr. Die begleitende Berichterstattung erhielt über das ganze Jahr die drittmeisten Zugriffe.

Auf Platz 4 folgt der erste Erotiktitel: Thrax von Trif verknüpft eine Geschichte aus dem alten Rom noch expliziter mit sexuellen Handlungen als üblich, hat aber trotzdem noch eine sehr komplexe Handlung. Auf Platz 5 dann das beste ZACK: die Nummer 310. Fast alle Ausgaben sind hoch platziert, werden aber nicht einzeln aufgeführt.

Auf den Plätzen 6 bis 10 folgen Der fünfte Band des Sammy und Jack Integrals, Band 3 der neuen Minimenschen Gesamtausgabe, der zweite Band der Djinn Sammelbände, Sgt. Kirk und Band 12 der zweiten Staffel von Michel Vaillant.

Wie immer also eine bunte Mischung. Für das kommende Jahr wünscht comix-online allen Leserinnen und Lesern einen guten Start, viel Erfolg und Gesundheit. Hoffentlich bleibt uns die Hoffnung auf eine friedliche, gerechte und erhaltenswerte Zukunft erhalten!

© der Abbildungen bei den jeweiligen Zeichner*innen und Verlagen

ZACK 319 (Januar 2026)

ZACK 319

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 319

Das neue Jahr hat zwar noch nicht angefangen, die ersten Vorboten sind aber schon da; So ist die Januar-Ausgabe das ZACK-Magazin bereits bei den Abonnent*innen eingetroffen und in den Läden erhältlich. Zum Jahresanfang gibt es gleich drei Serienstarts, zwei davon sogar erstmals im ZACK – Nun ja, Ray Ringo ist eigentlich ein alter Koralle-Bekannter, erlebt aber gerade einen Relaunch. In diesem Heft befindet sich auch das Papier-Formular zur Wahl der ZACK-Serie des Jahres. Wer will kann aber natürlich auch online abstimmen.

Die Neustarts

Coverboy und Opener ist das bereits achte neue Abenteuer von Rick Master. Dieser ist daher der Erste in einer Reihe von gleich vier „klassischen“ ZACK-Serien in diesem Heft. Die Folge beginnt blutig, da Simon Van Liemt gleich zwei Männer auf den ersten Seiten sterben lässt. Zudem würde Nadine gerne der hübschen Reporterin Anne-Aymone, die ihren“ Rick anbaggert, die Augen auskratzen. So weit kommt es aber dann doch nicht. Auf jeden Fall wird Rick in ihrer Sendung herausgefordert. Zidrou schafft es auch in Dead Sugar, das vergangene Paris sehr lebendig auf die Seiten zu bannen.

ZACK 319 page 5

Aus der Versenkung zurückgekehrt ist Ray Ringo. In Devil’s Gate kündigt er allerdings seinen Job bei Wells Fargo, da er auf Grund von Einsparmaßnahmen die Sicherheit der Fahrten nicht mehr gewährleistet sieht. Er willigt jedoch ein, eine Fahrt eines alten Freundes zu begleiten. Éric Corbeyran hat einen Western im alten Stil geschrieben: Postkutschen, Verfolgungsjagden und Schießereien sowie ein Held mit Ehrenkodex, der auf dem Sattel und im Restaurant eine gleich gute Figur macht. Roman Surzhenko beweist nach der Jugend von Durango erneut, dass er das Metier beherrscht. Die Serie startet mit einer Einführung von dem Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 45

Der dritte Neuzugang stammt von Olivier Andrieu. Olivier war einer der führenden SEO-Spezialisten Frankreichs, entschied sich aber für eine Zukunft als Comic-Szenarist. Zusammen mit Alain Julié setzt er Jeff Mistral in Szene, einen Detektiv, der auch von Maurice Tillieux hätte stammen können. Das bedeutet, dass wir ein 60-er Jahre Setting sehen, in dem Autos eine gewisse Rolle spielen, Technik ansonsten aber eher untergeordnet ist. Die Geschichte beginnt etwas unvermittelt mit einer Nahtoderfahrung. Der Jahre später stattfindende Kriminalfall ist ein Diamantenraub, der faktisch unmöglich scheint. Auch hier gibt es eine Einführung vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 55

Die Fortsetzungen

Tanguy & Laverdure stehen aktuell auf unterschiedlichen Seiten eines bewaffneten Konfliktes: Während der Blondschopf die „freie Welt“ in Form einer asiatischen Insel gegen chinesische Provokationen zu verteidigen sucht, dient Tanguy gezwungenermaßen als Ausbilder eben jener Kräfte. Ist das ein Verrat? Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl schildern gewohnt souverän den Konflikt, sparen dabei auch nicht an persönlichen Momenten, die Hintergründe erklären. Sebastien Philippe setzt sowohl Emotionen als auch Flugszenen sauber um. Für Fliegercomic-Fans ein Muss!

ZACK 319 page 19

Auf Amoras nähert sich alles dem Höhepunkt: Jerusalem lässt Wiske allein um endlich ihre Aufgabe ungestört erledigen zu können. Lambik und Blaskop kapern zunächst eine Tram und treffen dann auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die die Insel verlassen wollen, bevor der Vulkan ausbricht, und Achiel sinnt über den Sinn. Marc Legendre und Charel Cambré ziehen alle Register, die geeignet sind, eine Katastrophenstimmung zu erzeugen.

Detail ZACK 319 page 31

Der Kampf der amerikanischen Nazi-Truppe gegen den Vaillante-Konzern und Senator Steve Warson steuert auf ein Finale Furioso hin. Tatsächlich will Steve sich selbst als Zielscheibe anbieten um dem FBI zum Erfolg zu verhelfen. Währenddessen kämpft Francoise ihren ganz persönlichen Kampf gegen den Krebs und Elsa ihren beruflichen auf der Strecke als Ersatz für Michel Vaillant. Wie immer eine perfekte Mischung aus Soap, Krimi und Renngeschehen von Daniel Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 319 page 69

Schließlich gibt es weitere Seiten aus der Serie Aleksis Strogonov. Der dritte Band Tamo spielt im Millieu der Partisanen. Jean Regnaud übertreibt es aber mit zynischem Slapstick und so passt nichts wirklich zueinander: Alle sind korrupt, dumm oder feige und bekämpfen lieber sich selbst als die Feinde, allerdings nicht so witzig, wie etwa im Leben des Brian. Da können meiner Meinung nach auch die guten Zeichnungen von Émile Bravo nichts mehr retten.

Detail ZACK 319 page 85

Und sonst?

Auch im neuen Jahr bleibt vieles beim Alten. Wir dürfen uns daher wieder über den Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi freuen. Auch News, Rezensionen und ein Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren sind wie immer vertreten. Die inhaltlichen Beiträge, beide von Christian Endres, behandeln das Criminal-Universum und das erste Buch von Flix.

Die Winterferien locken bisher tagsüber eher nach draußen, ist doch herrliches klares Wetter, sollten aber abends genügend Zeit bieten, sich in diese Ausgabe vertiefen zu können. Die weiteren Ankündigungen für 2026 verheißen weitere spannende Neuheiten und damit Spaß, Spannung und Abenteuer.

Dazu passen Booze & Glory mit „Mad World“ und ein DBB Winterbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

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