ZACK Sonderheft 4 (2026)

13 Stories aus dem Graton-Universum

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante A

Obwohl wir in Deutschland relativ gut versorgt sind was Michel Vaillant angeht, gibt es doch noch ein paar „blind spots“. Einer davon ist die Reihe Palmares Inedit. Ein Band war bei Seven Island erschienen, zwei sind mittlerweile in der ZACK-Spezial-Reihe (als Band 15 und 19) aufgelegt worden und die Geschichten über die Familie Labourdet sind ab dem Herbst geplant. Im zweimal pro Jahr erscheinenden ZACK-Sonderheft wird jetzt eine weitere Lücke angegangen.

Die großen Legenden des Motorsports

Denn daneben gibt es auch noch seit 1995 die Michel Vaillant Dossiers. Nur ein einziger Band dieser mittlerweile 18 Teile umfassenden Serie hat es bisher nach Deutschland geschafft: Das Buch über Louis Chevrolet erschien in einer limitierten Sonderauflage. Die Dossiers widmen sich „Legenden“: rennfahrende Schauspieler wie James Dean oder Steve McQueen, Formel 1 Piloten wie Senna oder Fangio, Konstrukteure wie eben jener Chevrolet oder Enzo Ferrari und mittlerweile auch Rennstrecken wie Paul Ricard oder Zandvoort.

Allen Ausgaben gemeinsam ist ein großer Anteil an Artikeln über die jeweiligen Themengebiete die geballte Fachkompetenz in lesbarer Art und Weise darbieten. MV ist bei unseren Nachbar*innen eben nicht nur ein Comic, sondern auch eine Marke, die aus dem Renngeschehen nicht wegzudenken ist. Außerdem erlaubt die dortige Comic-Tradition auch die Kombination aus Unterhaltung und Sachkenntnis. Natürlich dürfen auch zum Inhalt passende Comics nicht fehlen. Diese sind teilweise aus den regulären Alben entnommen, oft aber auch speziell entwickelt worden.

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante B

Dreizehn der besten Geschichten sind in diesem Sonderheft versammelt. Die ersten reichen stilistisch einige Jahrzehnte zurück. Die frühen Comics wurden vom Studio Graton realisiert, die neueren von der aktuellen Garde, die wir auch aus der zweiten Staffel kennen. Gerade die Vielfalt der Themen und der jeweiligen zeichnerischen Umsetzungen macht den Reiz dieses Heftes aus.

Eine fragmentarische Geschichte des Motorrennsports in Bildern

Echte Fans haben in Deutschland keine andere Möglichkeit, als sich die Dossiers auf Französisch oder Niederländisch zuzulegen. Jetzt gibt es aber wenigstens die Möglichkeit, die besten Comics aus den Bänden genießen zu können. Falls sich das Heft gut genug verkauft, verspricht die Redaktion bereits einen Folgeband. Aber auch für die Leser*innen, die einfach nur mal in das Michel Vaillant Universum hineinschnuppern und den Erfolg dieser Serie nachvollziehen wollen, bietet das Heft einen guten Einstieg. Es geht eben nicht nur um eine Kunstfigur die losgelöst von der realen Welt im Kreis fährt, viele reale Menschen waren Teil dieser Geschichte(n) und haben es genossen.

Für das Heft wurden zwei verschiedene Covervarianten gedruckt. Im Bahnhofszeitschriftenhandel kann man sich die gewünschte Ausgabe aussuchen, bei der Bestellung muss man seinen Favoriten angeben. Zusätzlich enthält das Heft noch eine Einführung in die Serien des MV-Kosmos und einen Überblick über die bisherigen Dossiers vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen „Nothing like You“ von Cock Sparrer und natürlich ein Champagner.

© der Abbildungen Dupuis 1995 – 2025, Graton Éditeur 2026, by Jean Graton / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Vehlmann/Gazzotti – Allein 16

Die Gefangene von Antesalem

Story: Fabien Vehlmann
Zeichnungen: 
Bruno Gazzotti

Originaltitel:
Seuls – La prisonnière d`Antesalem

Piredda Verlag

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 17,00 € 
ISBN: 
978-3-949968-08-2

Cover Allein 16

Wer hätte das gedacht, als im ZACK 83 die erste Folge von Allein vorabgedruckt wurde. Ziemlich genau 20 Jahre sind seit dem vergangen, mittlerweile ist der 16. Band der Reihe erschienen! Damals war Mirko Piredda noch am ZACK beteiligt. Nach seinem Ausscheiden und der Gründung eines eigenen Verlages blieb er der Serie treu. Die Serie ist in Zyklen eingeteilt; ihre jeweilige Zuordnung lässt sich an den Farben der Nummerierung erkennen. Aktuell befinden wir uns im vierten, hellblauen Zyklus.

Ein Krieg ist im Gange

Anstelle von Rückblicken auf die Hintergründe der Serie verweise ich auf die Rezensionen der Vorläufer. Im letzten Band hatten die Kinder nach der geglückten Flucht vor den monströsen und mörderischen „Beschützern“ Hinweise auf die Vergangenheit der Zwischenwelt und ihrer Bewohner*innen finden können. Während sie noch immer von Saul und seinen Truppen gejagt werden, haben sie sich auf die Suche nach Isebel gemacht.

Die Gefangene von Antesalem ist eben jene gesuchte Isebel. Bis Dodji sie allerdings findet wird die Gemeinschaft vor schwere Prüfungen gestellt. Noch immer macht Saul Jagd auf die Kinder, weitet seine Aktionen aber auch auf andere Bewohner*innen aus. Und auch die Unterwelt scheint aktiv zu sein. Aus all dem lässt sich nur der Schluss ziehen, dass mittlerweile der Krieg in der Zwischenwelt ausgebrochen ist.

Allein 16 page 3

Fabien Vehlmann bietet in dieser an Krisen nicht armen Zeit keinen Eskapismus in eine heile Welt. Dass die handelnden Personen in dieser Geschichte alle gestorben sind, ist dabei noch der harmloseste Fakt, denn Brutalität, Herrschsucht und Größenwahn wirken besonders schrecklich, wenn die Protagonist*innen Kinder sind. Eine sehr spannende, sich immer mehr auffächernde Serie, die mit jedem neuen Band noch einen „drauflegt“!

Kinder, Monster, Maschinen

Die obige Konstellation weckt Assoziationen zu Horrorfilmen. Ganz so schlimm ist es tatsächlich nicht, denn die Serie wird immer noch (und von Anfang an) im Spirou-Magazin vorabgedruckt. Die offizielle Empfehlung ist ab 10 Jahren. Diese Einschätzung beruht mit Sicherheit auch auf den Bildern von Bruno Gazzotti, der es schafft das Grauen visuell darzustellen, gleichzeitig aber auch immer die Möglichkeit der Überwindung des Ganzen.

Allein 16 page 4

Teilweise nimmt ein slapstickhafter Humor die Schärfe, teilweise der unerschütterliche Glaube an den Sieg des Guten wie ihn nur Kinder haben können. Und tatsächlich können die Bilder, die nicht so viel zeigen, in unterschiedliche Richtungen fortgeschrieben werden; jede*r ist somit Regisseur*in für das Nicht-Gezeigte. Diese Fähigkeit besitzen nicht mehr viele Zeichner*innen.

Spannung pur

Es gibt Serien, die gut gezeichnet und geskriptet sind, bei denen es aber auch nicht wirklich eine Rolle spielt, wann der nächste Band erscheint. Und dann gibt es Serien wie Allein, wo die lange Wartezeit zumindest mich oftmals verleitet, doch schon mal bei unseren westlichen Nachbar*innen einen Blick auf die dortigen Ausgaben zu werfen, weil ich es nicht abwarten kann.

Detail Allein 16 page 7

Eine kluge, sauber komponierte und sich immer in weitere Höhen schraubende Geschichte mit dazu passenden Bildern, die keine Krisen ausspart, philosophische Fragen aufwirft, den Gegensatz zwischen Gut und Böse thematisiert, durch die Kinder eine andere Perspektive einnimmt und dann auch noch spannend ist, was will man mehr. Wer ein bisschen mehr über den Hintergrund erfahren möchte, sollte einen Blick in das Making Off werfen. Außerdem sollte man, wenn die Zeichnungen gefallen überlegen, sich die ganze (auf 22 Bände konzipierte) Serie zuzulegen.

Dazu passen The Molotovs mit “More, More, More” und ein Virgin Mojito.

© der Abbildungen 2025 Rue de Sèvres, Paris  / 2026 Piredda Verlag

Vernes/Forton – ZACK Spezial 18: Bob Morane 5

Das höllische Tal

Story: Henri Vernes

Zeichnungen: Gérald Forton

Originaltitel: La vallée infernale

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 14,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 18

1967 markierte das Ende des Runs von Gérald Forton für Bob Morane, 26 Jahre später griff er abermals zum Zeichenstift. Erneut präsentiert Georg F. W. Tempel eine Besonderheit dieser langlebigen Reihe als ZACK-Spezial-Album. Obwohl die Limitierung mit 777 Exemplaren höher ist als gewöhnlich, lohnt sich eine schnelle Bestellung da fast alle Alben mittlerweile verlagsvergriffen sind.

Ein sehr abgeschiedenes Tal

Die Serie Bob Morane richtete sich ursprünglich an jugendliche Leser. Der dieser Comic-Umsetzung zugrundeliegende Band erschien erstmals 1953 in der Reihe Marabout Junior, in Deutschland wohl am ehesten dem Schneider-Buch aus den 70-er Jahren vergleichbar. Es ging um Thrill, Exotik und Spannung in einer Weise, die Jugendliche zwar fesseln, sie aber auch nicht überfordern sollte. Die Welt war damals noch deutlich unbekannter und geheimnisvoller als heutzutage, political correctness noch komplett unbekannt.

Der erste schockierende Moment ist der erzwungene Absturz von Morane und seinem Begleiter Bill Ballantine auf einem Flug über Neuguinea. Ihre Passagiere entpuppen sich als Gangster, die sakrale Edelsteine entwenden wollen. Da das Flugzeug zerstört worden ist, müssen sie sich nun nicht nur um die Verhinderung des Raubzugs kümmern, sondern auch für eine Rückkehr in die Zivilisation sorgen. Schnell treten auch Alfourous auf, die zwei der Gangster gefangen nehmen. Die Darstellung der Krieger und ihres Stammes ist zwar nicht unbedingt rassistisch, aber auch nicht frei von Stereotypen.

ZACK Spezial 18 page 3

Im weiteren Verlauf treffen unsere Helden auf weitere Weiße, die in dem Tal gestrandet sind, haben mit sich bekämpfenden Bewohner*innen zu tun, treffen auf „edle Wilde“ wie auf solche, die noch Menschenopfer praktizieren, und versuchen, den Plan der Gangster zu verhindern. Die Geschichte ist spannend, Vernes vergisst nicht, zwischendurch immer wieder eine Portion Humor einzustreuen, und natürlich geht sie gut aus.

Ein Produkt der 90-er

ZACK Spezial 18 page 4

Forton ist sichtlich bemüht, den Anforderungen der Zeit zu begegnen. Sowohl die Zeichnungen selbst als auch die Kolorierung sind deutlich moderner als während seines ersten Runs und auch bei der Darstellung der nativen Bewohner*innen ist sein Versuch anzuerkennen, auf Stereotypen weitgehend zu verzichten. Beim Paipai gelingt das nur bedingt.

Ansonsten werden die Zeichnungen alle Fans des realistischen frankobelgischen Magazin-Comics alter Schule überzeugen können. Sowohl Figuren als auch Dschungel und Vulkan/Berg-Szenen wirken durchdacht und korrekt, die Dynamik lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Allein das konsequent durchgezogene dreistreifige Layout mag etwas irritieren, ist aber aufgrund wechselnder Höhen nicht schematisch.

Detail ZACK Spezial 18 page 7

Eine Empfehlung

Für die Sammler*innen der ZACK-Spezial-Reihe gibt es wahrscheinlich nur höchst selten einen Grund, einen Band auszulassen. Das höllische Tal wird aber zu Recht auch Gelegenheitskäufer*innen anziehen – spannend, keinesfalls veraltet oder altertümlich, aber nostalgisch und nicht zuletzt zeichnerisch ansprechend beweisen Vernes und Forton, dass Idee und Teamwork auch nach so langer Pause noch funktioniert haben.

Wer will kann wieder einen ebenfalls limitierten Druck zu diesem Album bestellen und wer den kompletten Run von Forton lesen möchte kann selbstverständlich noch bei der Gesamtausgabe Bob Morane Classic einsteigen.

Druck ZACK Spezial 18

Dazu passen The Interrupters zum Beispiel mit „You’re gonne find a way out“ und ein SP Lager!

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc./Forton – Ed. Hibou| 2026 Blattgold GmbH

ZACK 323 (Mai 2026)

ZACK 323

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Kaum werden die Nächte kürzer, sitzt schon ein Buckliger mitten in der Nacht auf einem Gargoyle … Die Mai-Ausgabe des ZACK bringt wieder frischen und sehr abwechslungsreichen Lesestoff.

Cover ZACK 323

Die Neustarts

Wow, ein Heft für alle, die schon immer auf eine gute Gelegenheit zum Start gewartet haben, gibt es doch zwei komplette Neustarts und eine erste Kurzgeschichte von einer neuen Heldin.

Beginnen wir mit dem Coverboy, dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater ist der Titel der neuen Episode von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner. Karl VIII. sitzt auf dem französischen Thron, die Herrschaft wird allerdings durch die Aktivitäten von Louis d´Orléans bedroht. Es scheint zwei Dokumente zu geben die beweisen, dass Louis nicht der Sohn von Charles ist. In diesem Fall hätte er keinen Anspruch auf den Thron. Während Pierre und Quasimodo, der Bucklige, auf Seiten von Louis stehen, schickt die Schwester des Königs ihre grausamen Handlanger aus. Spannende und gut gezeichnete History-Serie.

ZACK 323 page 5

Ebenfalls neu ist das erste „lange“ Abenteuer der beiden Detektive Harry & Platte von Denis Lapière und Alain Sikorski. Band 41 heißt Feuer und Schwert und bringt die beiden wie auch schon in den Kurzgeschichten dichter an die Jetztzeit; sie müssen herausfinden, wer einen Virus in die IT einer Kapitalanlagegesellschaft bringen konnte. Klassische frankobelgische Zeichenkunst in modernem Layout und spannend obendrein!

ZACK 323 page 55

Bob Morane kennt jede*r ZACK-Leser*in, aber Caro Morane? Wie bereits vor einigen Ausgaben eingeführt, ist Vernes, der literarische Schöpfer von Bob, der Vormund von Caro. Die Geschichten beruhen angeblich auf den Erzählungen eines Zeitreisenden. Caro, mittlerweile eine junge Frau, macht sich in Kuba auf die Suche nach ihrer Herkunft und trifft dort auf Fidel … Spannendes, ursprünglich schwarz-weißes Experiment von Phil Cottarel! Der Hinweis auf Band 2 ist im Übrigen ein Druckfehler.

Picture ZACK 323 page 43

Die Fortsetzungen

Der Roadtrip Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre geht bereits in die dritte Runde von Brückenbauer. Noch immer sitzen die beiden in dem kleinen spanischen Dörfchen fest. Ihre neue Unterkunft erweist sich als frühere Strandbar und so prallen Erwartungen der Bevölkerung und Ambitionen der „Helden“ nicht wirklich zielgerichtet aufeinander. Die beiden spielen weiterhin lustvoll mit Vorurteilen und teilen kräftig aus.

ZACK 323 page 27

Und auch das grafisch anspruchsvolle Libertalia geht weiter. Der Tod der jungen Frau wird zwar gerächt, es handelt sich aber um einen Fall von Selbstjustiz. Das Experiment ist gefährdeter denn je. Zudem ist natürlich auch fast die gesamte Welt hinter den Freibeutern her. Ein freiheitliches Experiment darf keinesfalls gelingen und zu einem gesellschaftlichen Gegenentwurf aufsteigen. Die Wege zur Hölle beschreiben Rudi Miel & Fabienne Pigière sehr eindringlich – Anarchie ist alles andere als einfach. Paolo Grello setzt die Geschichte in Bilder um.

Detail ZACK 323 page 69

Der Abschied

Vorerst verabschiedet sich das Western-Genre wieder aus dem ZACK, denn Ray Ringos Rückkehr endet zunächst. Rays Zukünftige, Lean, konnte zwar befreit werden, musste von Ray aber in einer Höhle zurückgelassen werden. Sie ist jedoch nicht gewillt, dort zu bleiben und macht sich auf den Weg, nur um von ihren ehemaligen Peinigern aufgelesen zu werden. Das Finale von Devil’s Gate ist blutig und hat einen Cliffhanger, der es in sich hat. Glücklicherweise ist der Vertrag für den Abdruck des zweiten Bandes von Éric Corbeyran und Roman Surzhenko bereits unterschrieben.

ZACK 323 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft stammen von dem Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi. Dazu stellt der Verfasser dieser Zeilen Simba Lee von Charlier und Herbert vor und Bernd Hinrichs den lesenswerten Band Siehst du es? über Siegfried Lenz. Abgerundet wird das Heft mit News, Meinung und Rezensionen sowie dem Rückblick auf das ZACK vor fünfzig Jahren.

Dazu passen The Pioneers mit „You keep telling me“ und ein Aperol Spritz.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Duval/Funcken – ZACK Spezial 17: Leutnant Burton

Serenade in Colt-Dur

Story: Yves Duval

Zeichnungen: Liliane & Fred Fucken

Originaltitel: Lieutenant Burton

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 17

Das ZACK war besonders zu seinen Koralle-Zeiten bekannt für die Westernserien: Leutnant Blueberry, Comanche, Hondo (=Ray Ringo), Lucky Luke, Häuptling Feuerauge und noch mehr! Außer zu den unsäglichen Wiechmann-Zeiten hätte auch Leutnant Burton in das Magazin gepasst. Vermutlich hätte man die Kurzgeschichten aber ummontiert und in die ZACK-Parade gepackt. Wie dem auch sei, nun haben sie den Weg nach Deutschland geschafft.

Tapfer, edelmütig und redlich

Zwischen 1962 und 1967 erschienen insgesamt 13 Kurzgeschichten im Journal Tintin resp. Kuifje über den Soldaten des 7. Kavallerieregiments der US-Armee. Die Geschichten spielen in etwa zwischen 1867 und 1875 und stammen von Yves Duval, der sie allerdings teilweise unter seinem Pseudonym Michel Deverchin veröffentlicht hat. Der Offizier steht für Gerechtigkeit, Ehre und Aussöhnung, und bildet daher ein Ideal ab, das im Zuge der Vietnam-Proteste und der 68-er immer mehr in Frage gestellt werden wird.

In vier- bis fünfseitigen Geschichten, die erste ist sogar noch im Querformat, wird der Offizier zusammen mit seinem Sidekick Sgt. Kinsley in verschiedene, oft archetypische Situationen verwickelt. Er muss mit einem Offizier einer anderen Einheit darüber streiten, wer tapferer ist, muss Frieden stiften und aufgebrachte Parteien auf beiden Seiten beruhigen und schließlich auch mit Zivilisten umgehen.

ZACK Spezial 17 page 7

Die Stories passen in den Rahmen der belgischen Comic-Magazine der damaligen Zeit. Im Grunde handelt es sich um Pfadfinder-Motive und auch die Armee wird nicht wirklich als eine Truppe dargestellt, die für mörderische Massaker verantwortlich war, gleichzeitig aber auch immer in der Gefahr stand, selbst einem Angriff zu unterliegen. Trotzdem sind sie so geschickt aufgebaut, dass sie auch heute noch lesbar sind.

Realismus pur

Das Ehepaar Liliane und Fred Fucken stellt im Bereich der frankobelgischen Comiczeichner*innen der 50er und 60er Jahre eine Ausnahme dar, arbeitete doch hier ein Ehepaar zusammen an den Seiten und benannte das auch als gemeinsame Tätigkeit. Die beiden hatten den typischen Weg hinter sich und mit Illustrationen und Aufgaben innerhalb einer Serie von Kurzgeschichten angefangen. Als ihr Talent bemerkt wurde, erhielten sie mehr und mehr Gelegenheit zu eigenen Arbeiten.

ZACK Spezial 17 page 8

Die realistischen Zeichnungen basieren auf akribischer Recherche, besonders bezüglich der Technik und der Militärkunde. Und so haben die beiden schließlich nicht nur das Wissen in Comics angewendet, sondern auch eine umfangreiche, 18-bändige Sammlung über heereskundliche Forschungen herausgebracht, die auch heute noch als Referenzwerk gilt.

Ein klassischer Western

Die Reihe ZACK Spezial sammelt Perlen der heute fast vergessenen Hochzeit des frankobelgischen Comics und präsentiert diese – oft genug als deutsche Erstveröffentlichung – in ansprechender Aufmachung und zu einem fairen Preis. Das Nachteil, den man dafür gerne in Kauf nimmt, ist, dass die limitierten Bände (in diesem Fall 555 + 55 Exemplare) nicht über den Buchhandel, sondern im Wesentlichen nur über den Verlag bezogen werden können. Dafür kann dort allerdings auch gleich ein passender Druck mitbestellt werden.

Druck ZACK Spezial 17

Die ersten 12 Bände dieser Reihe sind bereits vergriffen, es lohnt sich also bei Interesse nicht zu lange zu warten. Neben den Fans der Klassiker können bei der Serenade in Colt-Dur auch Western-Fans unbedenklich zugreifen: spannende und abwechslungsreiche Kurzgeschichten im erwarteten Themenumfeld, meistens mit einem kleinen „Extra“.

Dazu passen Billy Bob Thornton zum Beispiel mit „That Mountain“ und ein classic Bourbon!

© der Abbildungen Funcken/Duval – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH

Pevel/Willem, Capia – Das Paris der Wunder 3

Das Elixier des Vergessens 1

Story: Pierre Pevel
Zeichnungen: 
Etienne Willem, Capia
Originaltitel: 
Le Paris des Merveilles – L´elixir d´oubli 1/2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe |20,00 €

ISBN: 978-3-949987-79-3

Cover Das Paris der Wunder 3

Universen im Bereich der Fantasy und Science-Fiction-Comics haben eine lange Tradition. Ohne an die Klassiker wie etwa Conan erinnern zu wollen, sind aktuell einige Serien vor allem bei Splitter der Renner. Herausragend dabei sind sicherlich einerseits die Welten von Arran, aber auch der Kosmos um Lanfeust und Troy. Gerade letzterer wäre nicht denkbar ohne die Beiträge von Christophe bzw. Scotch Arleston. Eben jener ist mittlerweile auch Herausgeber in seinem Verlag Drakoo. Und dort erscheinen die Werke um das Paris der Wunder, eine Comic-Adaption der Romane von Piere Pevel.

Eine die Jahrhunderte überdauernde Fehde

Wie die Leser*innen von in diesem Universum spielenden Bänden bereits wissen, gibt es zwei Welten, zwischen denen eine Möglichkeit des Übergangs besteht: Die uns bekannte Welt, im Wesentlichen Frankreich mit ihrem Zentrum Paris zu Zeiten der Belle Époque und die magische Welt von Ambremer. In Ambremer war über Jahrhunderte ein Krieg zwischen Drachen und der herrschenden Kaste ausgetragen worden. Viele Drachen hatten sich im Zuge der Niederlage in unsere Welt geflüchtet. Hier sind sie gezwungen, auf ihre wahre Gestalt zu verzichten, können aber ansonsten relativ sicher überleben.

Das Paris der Wunder 3 page 3

Die Vorgeschichte war in den ersten beiden Bänden erzählt worden, die den ersten Roman von Pevel zur Grundlage hatten. Der jetzt erschienene dritte Band ist der erste Teil des zweiten. Im Vordergrund stehen der Magier Louis Denizart Hippolyte Griffont und die verführerische Fee Isabel de Saint-Gil, deren Kennenlernen und Kooperation geschildert wird.

Einerseits geht es um die Organisation der Magier in sich bekämpfenden Zirkeln, andererseits steht eine Kriminalgeschichte im Vordergrund. Bewohner von Ambremer werden auf der Erde mit magischen Kugeln aus schwarzem Selen getötet. Wie der Titel es bereits andeutet, geht es auch um das Elixier des Vergessens, einen magischen Trank, der den Übergang von einer Königin zur nächsten ermöglicht. Die Story springt dabei munter zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her.

Das Paris der Wunder 3 page 4

Eine neue Zeichnerin

Etienne Willem hatte die ersten beiden Alben sowie die ersten 11 Seiten des aktuellen Bandes gezeichnet als er 2024 verstarb. Zusammen mit den Erb*innen des Künstlers und dem Autor hatte der Verlag beschlossen, die Serie fortzusetzen und konnte dafür die aus Frankreich stammende Zeichnerin Capia verpflichten. Ohne den Stil von Willem zu kopieren, setzt sie in ihrem Artwork ein paar eigene Akzente, folgt aber den Vorgaben der Serie.

Für die Leser*innen bedeutet das, dass alle liebgewordenen Elemente immer noch vorhanden sind: die „unser“ historisches Paris bevölkernden Oger, Gnome und geflügelten Wesen, der Spaß am Umsetzen der Fabulierkünste des Autors und die spannenden Mantel-und-Degen Fechtszenen. Und natürlich ist auch das Katzenwesen weiter am Start!

Das Paris der Wunder 3 page 5

Spaß, Magie und Action in Serie

Viele Fantasy-Abenteuer sind bedeutungsschwer; der Kampf des Guten gegen das Böse steht im Vordergrund und schwerwiegende Entscheidungen sind zu treffen. Die typische Quest verlangt von den Held*innen oft eine Selbstaufgabe und macht das Ganze zwar spannend, folgt aber oft einem bekannten Muster. Das Paris der Wunder ist viel leichtgängiger. Fast jedes Panel erlaubt ein gewisses Schmunzeln ob der witzigen Wesen, die der gewohnten Umgebung neue Akzente verleihen.

Dieser Spaß liegt natürlich vor allem an der Story von Pierre Pevel, braucht aber eine adäquate Umsetzung. Capia schafft es, diesen Vibe fortzusetzen! Die Bände bauen aufeinander auf, es empfiehlt sich also, alle Bände dieser Reihe zu lesen, die im selben Universum spielenden Flintenweiber sind dagegen zum Verständnis nicht notwendig. Wie immer gibt es auch eine limitierte Vorzugsausgabe über den Verlag mit Variantcover und signiertem Druck.

Cover Das Paris der Wunder 3 VZA

Dazu passen Suzi Quatro und Alice Cooper mit „Kick out the Jams“ und ein Finne Weizen.

© der Abbildungen 2025 Drakoo par Pevel, Willem & Capia / 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 322 (April 2026)

ZACK 322

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 322

Nach der Wärme kommt die Kälte zurück – so ist das Aprilwetter nun Mal. Umso besser, dass auch das ZACK 322 vollgepackt ist mit Comics und Informationen und dem Regen und Hagel somit den Schrecken nimmt.

Der Neustart

Das Coverbild zeigt einen der blutverschmierten Piraten aus der Serie Libertalia, die mit Die Wege zur Hölle in ihre letzte Runde startet. Ein Schiff kehrt zurück nach Libertalia, dem Rückzugsort an der Küste von Madagaskar, an dem alles anders sein sollte: gleichberechtigt, ohne Rassismus, und ohne äußere Zwänge. Wie so oft bei vergleichbaren Experimenten gibt es aber immer wieder einige wenige, die nicht mitspielen wollen und die Idee gefährden. Das ist hier auch nicht anders, einige Männer meinen, Frauen nicht nur benutzen, sondern auch töten zu können und sollen nun belangt werden. Kann die Idee überleben? Graphisch heraufordernde, aber überzeugende Serie mit Bildern von Paolo Grello nach Texten von Rudi Miel & Fabienne Pigière.

ZACK 322 page 5

Auch Neu ist Cor Morelli. Ein Mann fühlt sich verfolgt und kann sich nicht wirklich erklären, warum. Dabei ist es nur Der Nächste! Kein schlechter Anfang für Aloys Ooster.

ZACK 322 page 80

Die Fortsetzungen

Charel Cambré und Marc Legendre lassen sich selbst in Heute frischer Fisch auftreten. Auf ihrer Reise in den Süden, um neuen Stoff für ihre Comics zu finden, sind sie in einem kleinen Dorf gestrandet und aufgrund eines Erdrutsches von der übrigen Welt abgeschnitten. Das hindert sie allerdings nicht daran, weiterhin in jedes Fettnäpfchen zu treten und sich Feinde zu machen. Nicht immer PC, aber sehr spaßig!

ZACK 322 page 21

Ray Ringo, ZACK-Held von früher, ist mit einem Re-Boot zurück und überzeugt mit einem sehr klassischen Western, der natürlich an die heutigen Anforderungen angepasst ist. Nachdem Ringo seine Verlobte befreien konnte, erfährt er mehr über ihre Vergangenheit und auch über die der Mormonen, die er bereits kennengelernt hat. Beide Seiten sorgen dafür, dass ihre Ausgangsposition an Stärke gewinnt. Devil’s Gate von Éric Corbeyran geschrieben bleibt spannend, allerdings wesentlich unterstützt durch die sehr dynamischen Zeichnungen von Roman Surzhenko!

ZACK 322 page 33

Die Abschiede

Gleich drei Geschichten finden in dieser Ausgabe ihr Ende! Den Anfang macht Jeff Mistral mit Nahtoderfahrung. Der Franzose Olivier Andrieu war seines Jobs im Computerbereich überdrüssig geworden und hat eine Figur entwickelt, die an die klassischen frankobelgischen Detektive der 60-er erinnert. Humor, spannende Wendungen und gute Zeichnungen von Alain Julié machen die Serie zum Vergnügen, nicht nur für Fans alter Autos! Einzig das Lettering könnte etwas weniger aufdringlich ausfallen. Der zweite Teil ist schon fertig!

ZACK 322 page 47

Ebenfalls fertig hat Michel Vaillant. Erlösung trifft es allerdings nicht ganz. Zwar scheint der Substrang mit der Atomwaffendivision zunächst abgeschlossen zu sein, der Kampf gegen den Krebs ist es aber noch nicht. Und natürlich geht es auch um Rennen, stehen doch die 500 Meilen an: Steve kann nicht fahren, Michel wollte eigentlich nicht und Elsa steht vor einer großen Bewährungsprobe. Tolle Rennszenen von Marc Borugne & Eilam nach einer Story von Daniel Lapiere.

ZACK 322 page 65

Und schließlich ist auch der ZACK-Held der letzten Jahre, Rick Master, schon wieder als Abschied zu vermelden. Dead Sugar ist sicherlich eine seiner größten Herausforderungen, setzt sie doch darauf, Kriminelle nicht einer ungewissen Behandlung durch die Justiz zu übergeben, sondern zu erschießen. Als Nadine bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt wird, stellt sie Rick vor eine Wahl. Nach etwas müdem Anfang hat die Story doch noch die Kehrtwendung geschafft und ist eine Fragen aufwerfende, spannende Geschichte geworden, die gleichzeitig die Figur der Nadine vom Sidekick zu mehr Eigenständigkeit verholfen hat. Gute Leistung von Simon Van Liemt mit ansprechenden Zeichnungen von Zidrou.

ZACK 322 page 85

Und sonst?

Dazu der zweite Teil des Interviews mit Dany, der sich in seinen Aussagen etwas verrennt, ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die neue Reihe Elang Jawa in der ZACK-Edition, der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und News und Meinungen von Frank Neubauer.

Dazu passen Joe Jackson mit „I’m the Man“ und ein Frühlingsbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Seron – Die Minimenschen Gesamtausgabe 4

1976 – 1978

Story: Hao (=Mittéï), Stephen Desberg
Zeichnungen: 
Pierre Seron
Originaltitel: 
Les Petits Hommes – L´integrale 4: 1976 – 1978

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 232 Seiten | Farbe | 45,00 € | ISBN: 978-3-949987-81-6

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4

Die nun wohl endgültige Gesamtausgabe der Geschichten mit den Minimenschen geht in die vierte Runde (von Zehn). Wer die Einzelausgaben besitzt und die Inhalte wiederfinden möchte, muss ein wenig hin- und herspringen, erfolgt die Ausgabe doch nun strikt chronologisch. Neben Kurzgeschichten, die Anfang der 90-er in den Minis Classics erschienen waren, enthält das Integral die Alben 7, 9 und 10.

Daheim und unterwegs

Das Vorwort weist bereits darauf hin: Im Universum der durch Kontakt mit einem Meteoriten verkleinerten Minimenschen gibt es storytechnisch Unterschiede zwischen den Kurzgeschichten, die oftmals im Umfeld der von den Minis bewohnten Höhle spielen und den längeren Geschichten, die die gesamte Welt viel stärker einbeziehen und oftmals größere Reisen beinhalten. Während erstere oftmals traditionell sind und eher das ruhige Leben mit kleinen Besonderheiten beschreiben, sind die Alben mit fantastischen Elementen versehen und gehören eher dem Science-Fiction-Genre an.

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 16

Die Liebesgrüße aus Nippon beginnen relativ harmlos: ein U-Boot lässt irgendwelche Stoffe vor der Küste Rochafleurs ab. Kurze Zeit später aber beginnen Ranken zu einer enormen Größe zu wachsen und scheinen dabei eine Intelligenz zu besitzen, die sie zu einem Atom-Zentrum führt. Seron bezieht hier klar Stellung gegen die unkontrollierte Risiken in Kauf nehmende Wissenschaftspolitik.

Der Zweiteiler Das Dreieck des Teufels und Das Volk der Tiefsee lässt die Minis das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks lüften. Hier steht ein seit Generationen schwelender Konflikt zwischen zwei Völkern im Hintergrund und wieder kommt Serons humanistische Orientierung deutlich zum Vorschein!

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 17

Ein grandioser Klassiker

Über Pierre Seron gab es schon immer Diskussionen (die den Künstler zu seinen Lebzeiten übrigens schwer belastet haben). Die einen behaupten, dass er nichts anderes sei als ein, zudem noch schlechter, Epigone des „großen“ André Franquin, die anderen sehen in seinen Zeichnungen einen zwar ähnlichen, aber selbständigen Ansatz. Aufgrund der Verknüpfung von Humor und Humanismus sei das ein nirgendwo sonst zu findender Ansatz.

Wie dem auch sei, für mich sind die Geschichten manchmal etwas zu schematisch, erlauben aber auch beim x-ten Mal neue Entdeckungen. Die Mischung aus leichter Karikatur und dem typischen Marcinelle-Stil ist großartig und lässt zumindest mich immer wieder schmunzeln. Man darf allerdings keine heutigen Maßstäbe anlegen, denn auch Seron ist ein Kind seiner Zeit.

Detail Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 18

Eine ansprechende Gesamtausgabe

Wie man es von einer Gesamtausgabe erwarten kann, enthält auch dieses Integral zusätzliche Informationen, Illustrationen, Titelbilder der Magazin-Vorveröffentlichungen und bibliographische Angaben. Das Hardcover ist wertig, das Papier passt zu den Farben und die Kurzgeschichten bringen Auftritte mit weiteren Held*innen der damaligen Zeit wie etwa den Schlümpfen oder Gaston. Man kann also eigentlich nichts falsch machen!

Zusätzlich gibt es direkt beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und ebenfalls limitiertem Druck. Definitiv sollte das eine Überlegung wert sein!

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4 VZA

Dazu passen Rocksteady von den Pioneers und ein bunter Fruchtsaftmix.

© der Abbildungen Dupuis 2012, by Seron, Hao, Desberg | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Nugros/Kusbiantoro – Elang Jawa 1

Der Bandit von Pasar Setan

Story: Fajar Nugros
Zeichnungen: 
Apri Kusbiantoro
Originaltitel: 
Elang Jawa – Bandit Pasar Setan

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe |20,00 € | ISBN: 978-3-949987-80-9

Cover Elang Jawa 1

Über einen steten Zulauf von Western braucht man sich aktuell keine Sorgen zu machen und auch die Eastern aus chinesischer oder japanischer Vergangenheit haben in Deutschland einen relativ guten Stand. „Der Osten“ ist aber viel größer und so ist es schon deswegen zu begrüßen, dass die neue Serie Elang Jawa, übersetzt Java-Adler, diesem Mix auch den indonesischen Raum hinzufügt.

Ein Wettkampf und seine Vorgeschichte

Die Geschichte, die laut dem Vorwort des Szenaristen zwar nicht wahr, im indonesischen Raum aber verbreitet ist, erzählt die Entstehungsgeschichte der Grenzen zwischen Ost- und West-Mataram und spielt im Jahr 1755. Damals war die Insel für Händler und andere Wohlhabende kein schönes Pflaster. Hunderte von Banditen überfielen Transporte und Städte und hatten sich sogar eine eigene Infrastruktur mit Dörfern und Handelsplätzen geschaffen.

Es wurde daraufhin ein Mobiles Einsatz Kommando namens Paksi Katon unter der Führung von Patih Notonegora geschaffen, um diesem Albtraum ein Ende zu bereiten. Der wenig feinfühlige und brutale Soldat schaffte es tatsächlich, die Struktur von Pasar Setan zu zerstören. Dabei wurde der Bandit Wulung festgenommen.

Elang Jawa 1 page 3

Die niederländische Kolonialmacht hatte beschlossen, das bisherige Königreich aufzuteilen. Jedes der neuen Reiche sollte zum Sonnenaufgang einen Krieger entsenden, der Treffpunkt der beiden würde die neue Grenze markieren. Politik war schon damals manchmal ein schmutziges Spiel und so wurde Wulung dazu auserkoren, sein Land zu vertreten. Kurze Zeit vorher hatte er ein vom Anführer der Paksi Katon getötetes Exemplar des magischen Elang Jawa, des Java Adlers gefunden und ihn wiederbelebt…

Dynamischer Realismus

Während Nugros die Geschichte spannend erzählt, hat Kusbiantoro die ungleich schwierigere Aufgabe, Realismus und Magie miteinander zu vereinbaren. Es geht nicht nur um die dynamisch wiedergegebenen Kampfszenen, die wirklich gut gelungen sind, sondern auch darum, Magie so in die Geschichte zu integrieren, dass sie trotzdem noch einigermaßen glaubwürdig bleibt. Allerdings sind wir es natürlich von Märchen und Sagen aus vielen Kulture gewöhnt, dass Übernatürliches eine Rolle spielt. Und so ist auch der Elefantenmensch zu sehen.

Elang Jawa 1 page 6

Der Held kommt dabei etwas tollpatschig daher und hat somit – trotz seiner räuberischen Profession – von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Zudem ist auch die Natur in ihren vielen Facetten ein Hingucker. Der Urwald kann gleichzeitig überwältigend schön und tödlich sein und genau dieser Gegensatz findet sich in den Bildern wieder.

Etwas Neues wagen!

Für unsere niederländischen Nachbar*innen hat Indonesien aufgrund ihrer eigenen kolonialen Vergangenheit einen viel höheren Stellenwert als bei uns. Kultur, Küche und Landschaft dieser Regionen sind keine Besonderheiten und auch der Austausch von Künstler*innen ist viel selbstverständlicher. Für uns Deutsche ist das Thema zwar keine Terra Incognita mehr, Bestandteil es Alltäglichen ist es aber auch nicht.

Cover Elang Jawa 1 VZA

Insofern ist es begrüßenswert, mit dieser neuen Reihe ein paar klitzekleine Einblicke bekommen zu können, vor allem, wenn sie so spannend und gut gemacht daherkommen! Für Liebhaber*innen gibt es beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit umlaufendem Variantcover und beigefügtem Druck! Es bleibt zu hoffen, dass die Serie genügend Käufer*innen finden wird und weitere Bände somit finanzierbar bleiben.

Dazu passen Ali Baba Ska! und ein Bittermen’s Friend.

© der Abbildungen NC Comics | 2026 Blattgold Gmbh

Appollo/Brüno – Lucky Luke Hommage 7

Dakota 1880

Story: Appollo

Zeichnungen: Brüno

Originaltitel: Lucky Luke – Dakota 1880

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1031-6

Cover Lucky Luke Hommage 7
(c) Lucky Comics 2026

Lucky Luke ist der wohl bekannteste europäische Comic-Westernheld. Seit mittlerweile fast 80 Jahren ist der Mann, der schneller schießt als sein Schatten im Namen der Entrechteten unterwegs. Mal buchtet er die entflohenen Daltons wieder ein, mal muss er sich mit Familienkonflikten, diplomatischen Verwicklungen oder sonstigen Katastrophen auseinandersetzen. Sein letztes reguläres Abenteuer handelte von der Abwendung einer Bierkrise. Wie bei vielen anderen Serien auch, hat sich mittlerweile ein ganzes Universum um ihn herum gebildet. Zwar wurde ein ihm gewidmetes Magazin wieder eingestellt, es existier(t)en aber Subreihen, die seiner Jugend oder dem tierischen Sidekick Rantanplan gewidmet waren. Dazu kommen die Hommage-Bände, in denen andere Künstler gebeten werden, ihre Variante zu erstellen.

Eine Reise durch den Westen

Der jetzt erschienene Band DAKOTA 1880 gehört in diese Kategorie. Appollo bezieht sich auf ein Buch des Schriftstellers Baldwin Chenier. Dieses lange vergriffene Artefakt lässt zusammen mit älteren Dime-Novels vermuten, dass die Figur des Lucky Luke tatsächlich existiert haben könnte. Der Autor beschreibt mit einigen Freiheiten, wie sich die im Buch beschriebene Reise abgespielt haben könnte. Er erzählt in kurzen Kapiteln, wie sich der spätere Autor und unser Held, der als Shotgun auf einer Postkutsche unterwegs war, kennen gelernt haben.

Natürlich gehört dazu auch, die Geschichte seines Namens zu erzählen. Das namensgebende Glück ist gleichzeitig eine Prophezeiung als auch das Ergebnis des Trainings. Natürlich muss auch der Beiname erklärt werden: Der Bezug zu den damals üblichen Schießwettbewerben ist historisch auf jeden Fall möglich. Für Fans ist es ein Bonus, dass in den meisten Kapiteln auch Bezüge auf die Erlebnisse des Cowboys eingeflochten werden.

Die Geschichte spielt einerseits sehr clever mit den Erwartungen der Leser*innen, die die Figur nach mittlerweile rund 100 Bänden natürlich sehr genau kennen, und den Verknüpfungen mit der „echten“ Geschichte des Westens. Und auch der subtile Witz, der Zeitbezüge und Stereotypen einbezieht, kommt nicht zu kurz!

Ein „erwachsener“ Stil!

Brüno zeichnet den Helden als auf das Wesentliche reduzierte Figur. Die so oft missratene Mundpartie wird, wenn nicht unbedingt erforderlich, einfach weggelassen. Der in die Länge gezogene Kopf wirkt dadurch charismatisch, aber auch etwas eigenbrötlerisch. Der Held erscheint dadurch gleichzeitig unnahbar als auch engagiert. Oft verwendet der Zeichner eine eingeschränkte Auswahl an Farben. Obwohl alle Details vorhanden sind, ist die Wirkung plakativ.

Der Story entsprechend werden liebgewonnene Nebencharaktere nicht benötigt. Dazu gehört einerseits das „mitdenkende“ Pferd Jolly Jumper, das nicht zur Wirklichkeitstheorie passt. Dementsprechend kann auch Rantanplan keine Verwendung finden. Menschliche Mitspieler tauchen aber auf und erinnern auch – wenngleich ebenfalls reduziert – an ihre bekannten Auftritte. Diese Spannung aus eigenem Stil und Referenzen an das Bekannte ist sehr reizvoll und macht Spaß!

Logo 80 Jahre Lucky Luke
(c) Lucky Comics 2026

Nicht nur für Fans!

Die Bände, in denen bekannte Künstler*innen etablierte Figuren interpretieren, sind nicht immer geeignet für ein größeres Publikum. Teilweise setzen sie ein vertieftes Wissen über die Serie und ihre Abläufe voraus und präsentieren viele „Insiderwitze“, die ohne den Hintergrund kaum verständlich sind.

Appollo und Brüno gelingt mit Dakota 1880 aber das Kunststück, einerseits die Fans mitzunehmen und eine eigenständige „Origin-Story“ zu erzählen, andererseits aber auch eine vollkommen eigenständige Erzählung aus dem Western-Genre abzuliefern. Der Band, der wie bei Egmonts Lucky Luke und Asterix-Reihen üblich, sowohl als Softcover für den Kiosk als auch als Hardcover für den Buchhandel erscheint, ist somit auch ohne Vorwissen ein Vergnügen für alle und insofern ein gelungener Auftakt für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Stay tuned!

Dazu passen klassische Country- oder Western-Songs eurer Wahl und ein einfacher Bourbon.

© der Abbildungen Lucky Comics 2026 | Egmont EHAPA Media GmbH, Berlin 2026

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