Broceliande – Der Wald des Kleinen Volkes

Band 1: Die Quelle von Barenton

Story: Olivier Peru
Zeichnungen: 
Bertrand Benoit

Originaltitel: Brocéliande 01: Forêt du Petit Peuple

Splitter Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 14,80 € |

ISBN: 978-3-96219-157-3

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Nach den Elfen und den Orks verfolgt auch diese neue Splitter-Serie das Prinzip der durchgehenden bzw. sich ergänzenden Geschichten von unterschiedlichen Teams. Alle drei Monate erscheint ein neues Abenteuer über eine geschichtsträchtige, mythenbeladene und zauberhafte Gegend in dem Wald von Broceliande, also einem Gebiet, das Teile der Normandie und die Bretagne umfasst.

Im ersten Band erzählt Olivier Peru seine Interpretation der Geschichte der ersten und folgenschweren Begegnung zwischen Merlin und Viviane. Obwohl schon tausendmal gehört, beinhaltet diese Geschichte neue Elemente: Die Korrigans – übellaunige Kobolde – zwingen einen Geschichtenerzähler ein neues Abenteuer zu erfinden, in dem sie eine tragende und heldenhafte Rolle spielen. Orignace, so der Name des Schreibers, scheint nun teilweise zu berichten, teilweise scheinen seine Vorgaben aber auch die Handlung zu treiben.

In einer Nebenhandlung versuchen drei Brüder einen weißen Hirsch zu erlegen, der größer und feiner als alles bisher gesehene sein soll. Auf jeden Fall zeigt Merlin nicht nur Viviane seinen geheimen unsichtbaren Palast, auch die drei Schurken können das sagenhafte Land betreten und möglicherweise dort sogar Unheil anrichten.

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Neben all der zauberhaften Grundstimmung kommt somit auch die schnelle und gewalttätige Seite einer Abenteuergeschichte nicht zu kurz. In der Serienbeschreibung heißt es, dass einerseits dem Sehnsuchtsort Wald ein mythischer Anstrich gegeben werde, andererseits Humor und Action aber ihren Anteil hätten. Das klingt zwar etwas überhöht, ist aber als Beschreibung nicht verkehrt und wird sicherlich den entsprechenden Käuferkreis definieren.

Die Seiten von Bertrand Benoit quellen förmlich über ob all der Details und der liebevollen kleinen Geschichten innerhalb der Panele. Die Gesichter sind ausdrucksvoll wie selten gesehen und geben die Stimmung ihres Trägers lebhaft wieder.

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Benoit beherrscht allerdings nicht nur menschliche Figuren sondern auch Wölfe, Hirsche und Drachen und alle diesen großen Tiere dürfen neben kleinen Waldbewohnern ihren Auftritt genießen. Die Farben und der Stil der Kolorierung entsprechen der aktuellen französischen, hauptsächlich durch die Editon Soleil geprägten, Fantasy-Vorgabe, gehören qualitativ aber eher zum oberen Drittel.

Dieser erste Band macht definitiv Lust auf mehr und die Bretagne und die mit ihr verwobene Artussage waren schon immer einer der Lieblingsfluchtorte für Deutsche. Dem Erfolg steht also nichts entgegen. Der relativ geringe Preis und die wie immer vorzügliche Ausstattung aus Hardcover, Überformat und gutem Papier mit satten Farben sind dabei sicherlich nicht hinderlich.

Backcoverdetail Broceliande 1

Wer auf unterhaltsame Weise mehr über diese Gegend erfahren möchte und Krimis mag sei im Übrigen auf die „Bretonischen Geheimnisse“ von 
Banalec  verwiesen, das in dieser Gegend spielt. Mehr Information gibt es dann nur noch im Reiseführer.

Dazu passen ein Glas französischer Cidre und Mike Oldfields Tubular Bells.

© der Abbildungen 2018 Splitter Verlag

Marvel 1602 Deluxe

Story: Neil Gaiman
Zeichnungen: 
Andy Kubert
Originaltitel: 
Marvel 1602 1-8

Panini Comics

Hardcover | 236 Seiten | Farbe | 39,00 € |

ISBN: 978-3-7416-0802-5

Broschur (reguläre Ausgabe) | 248 Seiten |Farbe | 19,99 € | ISBN 978-3-86607-930-4

cover Marvel 1602 Deluxe

Einige Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung ist kürzlich bei Panini Comics die Deluxe-Ausgabe der alternativen Geschichte der Marvel-Helden erschienen. Neben Überformat und Hardcovereinband bietet die Ausgabe neues Bonusmaterial und ein doppelseitiges, zum Schutzumschlag gefaltetes Poster.

Neil Gaiman, bekannt als Autor der Sandman-Reihe und von American Gods, hatte sich in der Nachfolge der Anschläge vom 11. September geweigert, einen Marvel-Comic in der aktuellen Zeit mit Hochhäusern, Flugzeugen und Bomben zu schreiben und den Ausweg des beginnenden 17. Jahrhunderts gewählt, weil es noch Magie genug enthält, Amerika aber schon entdeckt ist.

Die bekannten Konflikte werden 400 Jahre in der Zeit zurückversetzt erzählt: Magneto gegen Carlos Javier, Dr. (Otto von) Doom gegen die Vier von der Fantastik; Roihaz als Captain America, Donal als Thor, Sir Nicholas Fury als Geheimdienstchef und Doctor Stephen Strange als Leibarzt der Königin sind weitere Akteure im Konflikt zwischen der ältlichen und schon bald ermordeten Elizabeth I, Königin von England und dem Herausforderer James VI, König von Schottland und Elizabeths Nachfolger als James I. Auch die spanische Inquisition und der Vatikan dürfen in diesem Setting nicht fehlen, kommen aber erwartungsgemäß nicht gut weg. Bei der Auswahl der Charaktere hat Gaiman sich von dem Figurenpersonal der 60-er Jahre leiten lassen, konnte aber trotzdem nicht alle unterbringen.

Marvel 1602 - Detail

Den genauso wesentlichen Part der Zeichnungen hat Andy Kubert, wie auch sein Vater Joe kein Unbekannter im Bereich der Superhelden-Comics, übernommen. Er hat seine Arbeit in einer für die USA unüblichen Art abgeliefert die es erlaubt, den sonst typischen Schritt des Inkens zu überspringen. Die Linien sind dadurch sauberer und integrieren sich besser in das Ergebnis. Durch das gute Papier und das etwas größere Format kommen diese Zeichnungen besonders gut zum Ausdruck.

Erwähnt werden sollte auch, dass Todd Klein 2004 einen seiner bisher 17 (!) Eisner-Awards für das beste Lettering eben für diese Serie bekommen hat.

Marvel 1602 - Detail

Worum geht es? Die Königin Elizabeth I weiß um die Gefahr für ihr Leben und ihr Reich sowie um ihre Feinde und Fury versucht, sie zu schützen. Gleichzeitig beauftragt er Matthew Murdoch, einen blinden irischen Sänger, mit der Aufgabe, den Schatz der Templer in Empfang zu nehmen und sicher nach England zu geleiten. Die spanische Inquisition möchte Elizabeth durch James ersetzen und Doom möchte, nun ja, die Welt beherrschen. Gleichzeitig versucht Javier, Mutanten um sich zu scharen und zu beschützen während Magneto „seine“ Mutanten für seine Zwecke einzusetzen sucht.

Alle Subplots hier aufzuführen würde den Rahmen bei weitem sprengen und das Lesevergnügen schmälern. Immerhin handelt es sich um eine achtteilige Miniserie, die in der Folge auch noch drei Fortsetzungen erfahren hat.

Warum ist die Deluxe-Ausgabe gerade jetzt erschienen, mehr als 10 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung? Vielleicht dachte man sich bei Panini, dass die Welt gerade so in Unordnung ist, dass eine Alternativweltgeschichte, die auch noch nicht ganz schlimm ausgeht, gerne genommen würde…

Bonusseite Marvel 1602 Deluxe

Auf jeden Fall macht sich die Ausgabe gut in jeder Sammlung von amerikanischen Comics und die Skizzenseiten bieten ein willkommenes Plus zur regulären Veröffentlichung. Die Idee mit dem Poster ist auch ganz nett, die notwendigen Knicke beeinträchtigen das Vergnügen aber doch etwas.

Dazu passen Attila the Stockbroker & Barnstormer und gewürzter Wein.

© der Abbildungen 2018 MARVEL, Panini Verlag

Asterix der Gallier – Klassiker des Monats Oktober 2018

Asterix der Gallier – Jubiläumsausgabe 2018
Story: 
René Goscinny
Zeichnungen: 
Albert Uderzo
Originaltitel: 
Astérix le Gaulois

Egmont EHAPA Media
A4 | 56 Seiten | Farbe | Softcover 7,50 €  | Hardcover 15,00 €
ISBN: 
N/A | 978-3-7704-4043-6

Cover Jubilaeumsausgabe Asterix der Gallier
(c) ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Was ist eigentlich ein Klassiker? Definitiv wohl ein Titel, der seit 50 Jahren auf dem deutschen Markt erhältlich ist und dessen immer noch erscheinende neue Folgen mit einer Millionenauflage über den Ladentisch gehen!

Asterix der Gallier ist das erste Abenteuer von 1959, ursprünglich in Pilote erschienen und von René Goscinny und Albert Uderzo in Eigenregie entwickelt um den immer wieder verlangten Klonen von erfolgreichen amerikanischen oder europäischen Serien etwas Eigenes entgegenzusetzen. Die beiden Franzosen haben sich dabei ein Setting ausgesucht, dass allen potentiellen Leser*innen in Frankreich aus der Schule bekannt, im Comic bisher aber noch nicht breitgetreten worden war: Die Geschichte der Gallier.

Asterix als Serie war nie als Comic für Kinder konzipiert, sondern bot und bietet mit all seinen Anspielungen auf die aktuelle politische Entwicklung Spaß auch für Erwachsene. Zudem liehen im Laufe der Zeit immer wieder bekannte Personen aus Politik, Film und Showbusiness Nebenfiguren ihr Gesicht. Der Name des Helden ist dabei das Ergebnis der Zusammenfassung von zwei Kriterien: er sollte mit A beginnen (jede*r Bibliothekar*in wird wissen, warum) und an den gallischen Helden Vercingetorix erinnern. Ein Asterikus ist die Bezeichnung für ein kleines Sternchen und da der Held nicht dem Model der Superhelden entsprechen sollte, sondern klein zu sein hatte, war der Name gefunden. Besonderen Spaß hatten die Beiden im Folgenden daran, alle Namen der Gallier auf –ix enden zu lassen. In späteren Abenteuern wurde dieses Spielchen auch auf andere Völker angewendet.

Die vorliegende Jubiläumsausgabe enthält den klassischen ersten Band in neuen Farben und mit dem noch von Uderzo 2006 gezeichneten neuen Titelbild sowie 8 zusätzliche Seiten mit Bildmaterial und einem Text von Volker Hamann zur Entstehungsgeschichte.

Cover Asterix 1 1971
Cover der Ausgabe von 1971 © ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Obwohl schon viele zum Stammpersonal der Gallier gehörende Aktive vertreten sind, sehen sie teilweise noch etwas anders aus. Erst im Laufe der Zeit haben sie sich zu den ikonographischen Figuren entwickelt die heute nahezu jeder Westeuropäer kennt. Insbesondere Idefix fehlt hier aber noch, da er erst im 5.Asterix-Band Tour de France seinen ersten Auftritt hatte.

1966 wurde diese erste Asterix-Geschichte erstmals auf Deutsch in Kaukas LUPO modern veröffentlicht, allerdings in einer sehr eigenwilligen Übersetzung und unter dem Titel Siggi der Unverwüstliche. Rolf Kauka wurden die Lizenzen nach der Veröffentlichung von insgesamt 4 Titeln entzogen und Adolf Kabatek konnte den Stuttgarter EHAPA-Verlag überzeugen, nicht nur die freigewordene Lizenz für das Magazin MV-Comics zu übernehmen, sondern auch dem Beispiel der Tim-Bücher des Carlsen-Verlages zu folgen und ein Asterix-Buch herauszugeben. Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte ohne gleichen. 1968 erschienen die ersten beiden Bände sowohl in einer Softcover-Kiosk-Ausgabe als auch als gebundenes Hardcover für den Buchhandelsvertrieb und daran hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich gibt und gab es zusätzliche Veröffentlichungen in Sammelbänden, Mundartausgaben, Wimmelbücher und und und.

Zur Story: Asterix, Obelix und die anderen Gallier wohnen zu Zeiten von Julius Cäsar in einem kleinen Dorf, das als einziges in Gallien nicht von den Römern besetzt worden ist. Es ist zwar von vier römischen Lagern umzingelt, die dort stationierten Legionäre haben allerdings kein leichtes Leben denn Miraculix, der Druide des Dorfes, besitzt das Rezept für einen unbesiegbar machenden Zaubertrank den die Dorfbewohner regelmäßig zu sich nehmen. Begegnungen zwischen Galliern und Römern nehmen daher immer einen sehr einseitigen und für die Römer äußerst schmerzhaften Verlauf. Um hinter das Geheimnis der übermenschlichen Kräfte der Gallier zu kommen wird ein Legionär als Gallier verkleidet und auf Spionagemission geschickt. Ihm gelingt es, den Trank zu probieren und beweist seine Stärke im Kampf gegen seine Legionärskollegen eindrücklich.

Detail Asterix 1 Jubilaeumsausgabe page 49
© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Da der Trank seine Wirkung allerdings nur zeitlich begrenzt entfaltet und der Spion das Rezept nicht mitgebracht hat, lässt Gaius Bonus den Druiden entführen um mithilfe des Trankes Cäsar werden zu können. Miraculix und der ihm zu Hilfe kommende Asterix machen sich als Gefangene über die Römer lustig und beweisen ein immer wiederkehrendes Grundmuster der Serie: Übermacht alleine genügt nicht, wenn Witz, Zusammenhalt, Schläue und ein wenig Zaubertrank auf Seiten der Gallier stehen…

Lohnt sich der Kauf dieser Sonderausgabe? Wer den Band schon sein Eigen nennt wird alleine wegen des neuen Covers möglicherweise nicht bereit sein, Geld auszugeben. Wer allerdings auch nur ein wenig Interesse an den Hintergründen zur Entstehungsgeschichte hat und gerne auch begleitendes Bildmaterial anschaut, wird an den acht zusätzlichen Seiten seine Freude haben! Wer Asterix der Gallier dagegen noch nicht gelesen haben sollte, kann jetzt unbedenklich zuschlagen!

Im Übrigen verlost COMIX-online fünf Exemplare der Softcover-Ausgabe! Wer teilnehmen möchte, erfährt im facebook-Auftritt von COMIX-online alles Notwendige. Vielen Dank an EGMONT EHAPA Media für die Bereitstellung der Gewinne!

Dazu passt natürlich lauwarme Cervesia und Musik aus vergangenen Zeiten. Die Aufzeichnungen von Troubadix sind im Laufe der Zeiten leider/glücklicherweise verloren gegangen aber Saltatio Mortis tut es auch.

Detail Asterix 1 Jubilaeumsausgabe page 48
© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

© der Abbildungen ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

R.I.P. Carlos Ezquerra, Norm Breyfogle & René Pétillon

In den letzten Tagen sind drei auch im deutschen Sprachraum bekannte Comiczeichner verstorben.

Bereits am 24. September verstarb der amerikanische Zeichner Norm Breyfogle nach langer Krankheit. Er war zusammen mit Alan Grant für einige der besten Batman-Geschichten der 90-er Jahre verantwortlich und kreierte neben dem Bauchredner Arnold Wesker unter anderem auch Anarky.

Am 30. September verstarb René Pétillon. Der Franzose ist in seiner Heimat deutlich bekannter als bei uns; Der schwarze Baron und vor allem Jack Palmer sind aber auch hier erhältlich.

Der am 1. Oktober verstorbene Spanier Carlos Ezquerra ist vor allem durch seine Beteiligung an der Entstehung von Judge Dredd sowie seine zahllosen Beiträge zu dieser Serie bekannt. Auch Just a Pilgrim und Strontium Dog könnten dem einen oder anderen in Erinnerung geblieben sein.

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