Serenade in Colt-Dur
Story: Yves Duval
Zeichnungen: Liliane & Fred Fucken
Originaltitel: Lieutenant Burton
Blattgold Verlag – ZACK Edition
Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Das ZACK war besonders zu seinen Koralle-Zeiten bekannt für die Westernserien: Leutnant Blueberry, Comanche, Hondo (=Ray Ringo), Lucky Luke, Häuptling Feuerauge und noch mehr! Außer zu den unsäglichen Wiechmann-Zeiten hätte auch Leutnant Burton in das Magazin gepasst. Vermutlich hätte man die Kurzgeschichten aber ummontiert und in die ZACK-Parade gepackt. Wie dem auch sei, nun haben sie den Weg nach Deutschland geschafft.
Tapfer, edelmütig und redlich
Zwischen 1962 und 1967 erschienen insgesamt 13 Kurzgeschichten im Journal Tintin resp. Kuifje über den Soldaten des 7. Kavallerieregiments der US-Armee. Die Geschichten spielen in etwa zwischen 1867 und 1875 und stammen von Yves Duval, der sie allerdings teilweise unter seinem Pseudonym Michel Deverchin veröffentlicht hat. Der Offizier steht für Gerechtigkeit, Ehre und Aussöhnung, und bildet daher ein Ideal ab, das im Zuge der Vietnam-Proteste und der 68-er immer mehr in Frage gestellt werden wird.
In vier- bis fünfseitigen Geschichten, die erste ist sogar noch im Querformat, wird der Offizier zusammen mit seinem Sidekick Sgt. Kinsley in verschiedene, oft archetypische Situationen verwickelt. Er muss mit einem Offizier einer anderen Einheit darüber streiten, wer tapferer ist, muss Frieden stiften und aufgebrachte Parteien auf beiden Seiten beruhigen und schließlich auch mit Zivilisten umgehen.

Die Stories passen in den Rahmen der belgischen Comic-Magazine der damaligen Zeit. Im Grunde handelt es sich um Pfadfinder-Motive und auch die Armee wird nicht wirklich als eine Truppe dargestellt, die für mörderische Massaker verantwortlich war, gleichzeitig aber auch immer in der Gefahr stand, selbst einem Angriff zu unterliegen. Trotzdem sind sie so geschickt aufgebaut, dass sie auch heute noch lesbar sind.
Realismus pur
Das Ehepaar Liliane und Fred Fucken stellt im Bereich der frankobelgischen Comiczeichner*innen der 50er und 60er Jahre eine Ausnahme dar, arbeitete doch hier ein Ehepaar zusammen an den Seiten und benannte das auch als gemeinsame Tätigkeit. Die beiden hatten den typischen Weg hinter sich und mit Illustrationen und Aufgaben innerhalb einer Serie von Kurzgeschichten angefangen. Als ihr Talent bemerkt wurde, erhielten sie mehr und mehr Gelegenheit zu eigenen Arbeiten.

Die realistischen Zeichnungen basieren auf akribischer Recherche, besonders bezüglich der Technik und der Militärkunde. Und so haben die beiden schließlich nicht nur das Wissen in Comics angewendet, sondern auch eine umfangreiche, 18-bändige Sammlung über heereskundliche Forschungen herausgebracht, die auch heute noch als Referenzwerk gilt.
Ein klassischer Western
Die Reihe ZACK Spezial sammelt Perlen der heute fast vergessenen Hochzeit des frankobelgischen Comics und präsentiert diese – oft genug als deutsche Erstveröffentlichung – in ansprechender Aufmachung und zu einem fairen Preis. Das Nachteil, den man dafür gerne in Kauf nimmt, ist, dass die limitierten Bände (in diesem Fall 555 + 55 Exemplare) nicht über den Buchhandel, sondern im Wesentlichen nur über den Verlag bezogen werden können. Dafür kann dort allerdings auch gleich ein passender Druck mitbestellt werden.

Die ersten 12 Bände dieser Reihe sind bereits vergriffen, es lohnt sich also bei Interesse nicht zu lange zu warten. Neben den Fans der Klassiker können bei der Serenade in Colt-Dur auch Western-Fans unbedenklich zugreifen: spannende und abwechslungsreiche Kurzgeschichten im erwarteten Themenumfeld, meistens mit einem kleinen „Extra“.
Dazu passen Billy Bob Thornton zum Beispiel mit „That Mountain“ und ein classic Bourbon!
© der Abbildungen Funcken/Duval – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH