Der weiße Elefant & Der Geisterpirat
Story: Claes Reimerthi, Donne Avenell
Zeichnungen: Heiner Bade
Originaltitel: Den vita Elefanten (Fantomen 14/2008); Spökpiraten (Fantomen 16/2002)
Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 22 € | ISBN: 978-3-912447-01-9

Und noch eine Serie über einen der ältesten noch publizierten Superhelden der Welt. Der wandelnde Geist dürfte vielen aus der Generation ZACK noch aus frühen Jahren bekannt sein, war die Bastei-Serie doch überall zu finden. Danach wurde es zumindest bei uns sehr ruhig über den maskierten Helden, der seit Generationen über Bangalla wacht. Vor einigen Jahren explodierte dann die aufgestaute Nachfrage und hält bis heute an. Mehr zur Serie und den Veröffentlichungen im Werk von Christian Blees, Comics erscheinen unter anderem bei Zauberstern, Kult, und in der ZACK-Edition.
Wilderei und ein Fluch
Die neue Reihe widmet sich ausschließlich Geschichten mit Lee Falk‘s Phantom, die von Heiner Bade gezeichnet worden sind. Der in Hamburg geborene und 2025 verstorbene Zeichner lebte allein von seiner Comickunst, ist in Deutschland aber trotzdem weitgehend unbekannt. Um der damaligen Verpflichtung zum Dienst mit der Waffe zu entgehen, hatte sich Bade entschlossen, nach Schweden auszuwandern. Dort in Sicherheit setzte er seine in Hamburg begonnene Leidenschaft fort, Zeichnungen und Comics zu entwerfen und fand tatsächlich eine Anstellung als Zeichner für das in Schweden sehr erfolgreiche Fantomen-Magazin. Seine Werke wurden in vielen Ländern nachgedruckt, haben aber meistens den Weg in sein Heimatland bisher verpasst. Um wenigstens die besten seiner Arbeiten auch hier zu präsentieren, hat Michael Beck seine vielfältigen Tätigkeiten im Bereich der Neunten Kunst um einen Comic-Verlag ergänzt.

In Der weiße Elefant wird die Geschichte eines Wilderers erzählt. Nicht von ungefähr erinnert bereits der Titel an die Geschichte von Moby Dick: Er ist von dem Tier besessen und möchte es zur Strecke bringen. Bei einer Begegnung hatte das Tier die gesamte Expedition aufgerieben, allein der Antiheld war verletzt übriggeblieben und anschließend zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nun macht er sich, mittlerweile mit einem Holzbein versehen, nach seiner Entlassung wieder auf die Jagd. Verständlicherweise möchte das Phantom allerdings eingreifen.
Der Geisterpirat ist eine Geschichte über moderne und klassische Piraten. An der Küste vor Bangalla sind viele ehemaligen Piratenschätze mit ihren Schiffen gesunken oder wurden dort von Piraten versteckt. Immer wieder tauchen moderne Schatzsucher auf, die die Schätze mit allen Mitteln an sich bringen wollen. Beim aktuellen Versuch müssen wieder Unschuldige leiden und so erreicht ein Hilferuf den wandelnden Geist. Die erste Aktion missglückt und es scheint so, als ob ein mit einem Geisterschiff reisender Geisterpirat den Maskierten retten würde.

Action und Natur
Die Zeichnungen von Heiner Bade vereinen die typischen und erwartbaren Actionszenen mit wunderschönen Naturszenarien. Die Landschaft ist eigentlich nur Beiwerk, macht das Ansehen der Bilder aber zu einem Genuss! Und auch der majestätische Dickhäuter ist eine Augenweide. In der zweiten Geschichte, die ursprünglich in schwarz-weiß erschienen und erst später koloriert erneut abgedruckt worden war, zeigt Bade, dass er auch „Grusel“ kann. Das Geisterschiff, der Pirat und selbst die Höhle würden jeder Dungeon-Story gut zu Gesicht stehen.
Natürlich ist die Anzahl der Themen rund um den maskierten Helden, der seit Jahrzehnten immer wieder in Erscheinung treten darf, limitiert. Umso mehr kommt es auf den Zeichner an, der diesen Geschichten seinen eigenen Akzent geben kann und über eine reine Routineumsetzung hinausgehende Bilder schafft. Genau das konnte Heiner Bade und deswegen ist es auch richtig, seine besten Arbeiten größtenteils erstmals hier in Deutschland zu präsentieren!

Einen ersten und zweiten Blick wert!
Komplettsammler*innen werden hier bedenkenlos zuschlagen können – die Qualität der Stories und Zeichnungen liegt weit über dem Durchschnitt! Aber auch Gelegenheitsleser*innen sollten nicht nur einen Blick riskieren: Die Geschichte des Übergangs vom Vater zum Sohn, die hinter der „Unsterblichkeit“ steht, ist schnell verstanden und mehr Vorwissen braucht es nicht. Der Held kämpft für die Menschlichkeit, für die Schwachen, die Natur und Gerechtigkeit, ist also einer der typischen „Guten“. Er besitzt allerdings keine Superkräfte, kann sich somit nur auf sein Geschick und auf seine Einbindung in die lokale Community verlassen.
Der Band enthält zusätzlich eine Einführung in das Leben des Zeichners von Bernd Frenz sowie in die beiden abgedruckten Geschichten und als Gimmick in der ersten Auflage auch noch ein doppelseitiges Poster der Totenkopfhöhle. Die auf 77 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe kommt mit anderem Cover und einem ebenfalls limitierten Druck!
Dazu passen Cock Sparrer mit „Watch your back“ und ein Carlsberg Elefant.
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