ICOM COMIC! Jahrbuch 2026

Schwerpunkt: Comics über Rechtsextremismus

Herausgeber: Burkhard Ihme
Interessenverband Comic E.V.
Softcover | 268 Seiten | Farbe | 15,25 €
ISBN: 978-3-88834-956-0

Cover ICOM COMIC! Jahrbuch 2026

Mit der Präzision eines Uhrwerks erscheint Jahr für Jahr das ICOM COMIC! Jahrbuch; die 26. Ausgabe im Jahr 2026. Wie meistens gibt es neben Berichten aus den Independent Werkstätten, Länderberichten, Interviews und natürlich den Preisträger*innen der diesjährigen ICOM Independent Comic Preise sowie der XPPen Preise auch wieder ein Schwerpunktthema. Angesichts des überall zu beobachtenden Rechtsrucks und dem Versuch, Geschichte neu zu schreiben, ist es kein Wunder, dass es in diesem Jahr um Comics über Rechtsextremismus geht.

Der Schoß ist fruchtbar noch

Auf fast 140 Seiten werden Comics zum Thema Faschismus/ Rechtsradikalismus/ Drittes Reich/ Neonazis vorgestellt. Dabei steht keineswegs nur der Bereich Independent im Vordergrund; hier geht es wirklich um einen zwar subjektiven, aber doch ziemlich umfassenden Überblick, der unabhängig ist vom Status der beteiligten Künstler*innen und Verlage. Thematisch sinnvoll gruppiert stellen verschiedene Autor*innen Comics mit bibliographischen Angaben, Inhaltsangabe, Einordnung und Abbildungen dar. Während ich solche Zusammenstellungen aus den Niederlanden durchaus kenne, ist mir ein derartig umfassendes Dossier aus Deutschland nicht bekannt.

Bevor sich jetzt die falsche Seite beschwert: Es geht dabei nicht um geschichtsklitternde Werke oder solche, die die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht leugnen. Der Alltag im Dritten Reich, der Widerstand und Erlebnisse aus den besetzten Gebieten sind dagegen sehr wohl dabei. Es ist gut zu sehen, wie viele Comics es zu diesem Thema gibt, welche Vielfalt an Themen, Standpunkten und Stilrichtungen zu finden ist und wieviel Ernsthaftigkeit dabei zu Tage tritt. Die Demokratie ist noch nicht am Ende. Mit dabei ist zum Beispiel auch „Andi“, ein Comic vom Verfassungsschutz.

Die Preisträger*innen

Ein weiterer Schwerpunkt sind wie in jedem Jahr die von einer Jury Auserwählten. Alle nominierten Titel werden vorgestellt und bekommen dadurch ihre verdiente Bühne. Wie immer kommen dazu die Interviews mit den Gewinner*innen des letzten Jahres. Da das Jahrbuch immer passend zur Preisverleihung erscheint, kann es die aktuellen Besten zwar verkünden, Reaktionen aber nicht einschließen. Dies erfolgen dann jeweils im nächsten Jahr. Gleichzeitig ist dadurch ein erneuter Push für die Sichtbarkeit gewährleistet.

Bester Independent Comic in der Kategorie Selbstveröffentlichung wurde Herrmann von Ray Henderson. Der Autor veröffentlicht nicht nur im Selfpublishing, sondern auch beim ungarischen Verlag 5 Panels. Die Internationalität ist auch hier nicht mehr aufzuhalten! Der beste Independent Comic als Verlagsveröffentlichung ist in diesem Jahr Der Zahn von Ayse Klinge aus dem Kibitz Verlag. Comics für Kinder sind also nicht nur in Erlangen preiswürdig! Der Sonderpreis geht an Titus Ackermann und würdigt sowohl seine Arbeit für mogamobo, ein Umsonst (!) Comicmagazin mit einer Auflage von mittlerweile mehr als 2.000.000 verteilten Exemplaren als auch seine Miniserie Was vom Leben übrig bleibt!

Der XPPen-Preis für herausragende Digitale Comics geht an zwei Teams: Tinkerville Blues von Michael Mikolajczak und Andreas Möller, mehrere Noir-Kurzcomics, die im gleichen Universum spielen wie Die Spinne. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Fantasy-Titel Onaya – Rise of a Druidess von Luphialia und Mario Affenzeller. Auch hier gibt es Inhaltsangaben und Bildmaterial und somit genügend „Werbung“ um den Einen oder die Andere zum Kaufen zu überreden.

Ein Blick auf die Szene

Dazu kommen mehrere Interviews, die sowohl die Bereiche Comic als auch Cartoon/Karikatur beleuchten. Der Band enthält auch viele Cartoons, die in den üblichen Zusammenstellungen eher nicht enthalten sind und stellt somit eine wichtige Bereicherung dar. Die lesenswerten Länderberichte aus USA und den Niederlanden erlauben einen Einblick in die Szene. Hier geht es weniger um einzelne Titel, sondern mehr um Befindlichkeiten und Strategien. Den Schluss bildet wie üblich der Bericht über Kurz- und Trickfilme. Diese sind zwar offizieller Bestandteil und auch Teil des Covers, stellen aber nur einen kleinen, nichtsdestotrotz interessanten Anteil.

Muss das sein? – JA!

Es gibt viele Publikationen, Magazine und Wiederveröffentlichungen bei denen sich die Frage stellt, ob die Welt wirklich darauf gewartet hat. Und auch Erstveröffentlichungen hätten manchmal lieber nie das Licht der Welt gesehen. Das ICOM COMIC! Jahrbuch ist dagegen ein Highlight des deutschen Comicjahres. Nirgendwo sonst gibt es in dieser geballten Form Einblicke in und aus der Szene und Empfehlungen. Der Preis ist zudem unschlagbar günstig, die 268 Seiten kosten weniger als der aktuelle Lucky Luke Hardcover! Zudem ist es erfrischend zu lesen, dass eine Szene Stellung bezieht!

Dazu passen ein Erdinger Dunkel und im Hintergrund läuft das Mod-Radio UK!

© der Abbildungen Verleger, Zeichner und Fotografen c/o Interessenverband Comic e.V. ICOM 2026

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