Eine blutige Suche
Story: Brian Azzarello
Zeichnungen: Eduardo Risso
Originaltitel: Blood Brother’s Mother.
Hardcover | 224 Seiten | Farbe | 34,80 € | ISBN: 978-3-96582-244-3

Nicht nur in Europa erscheinen ständig neue Western, auch im amerikanischen „Home Ground“ kommen neue Epen auf den Markt. Selten allerdings stehen brutale Gewalt und drei Kinder in einer so engen Verbindung. Zwar fließt das Blut hier reichlich, trotzdem geht es menschliche Bedürfnisse wie Vertrauen und Geborgenheit.
Die Suche nach der Mutter
Im Mittelpunkt stehen drei Kinder im Alter zwischen 7 und 12 Jahren. Laut Klappentext sind sie noch so klein, dass sie kaum einen Revolver halten können und diese Beschreibung gibt bereits einen Einblick in diesen Comic. Die drei leben mit ihrer Mutter zusammen mit ihrem jetzigen Ehemann, einem Priester. Ihr früherer Geliebter wird aus dem Gefängnis entlassen, spürt die Frau auf, tötet den Priester und verschwindet mit der Mutter der Kleinen. Diese möchten keineswegs getrennt werden und vermissen ihre Mutter. So machen sie sich auf, diese zu suchen.
Ihr Weg ist gepflastert mit Dingen für Erwachsene und sie müssen auf die harte Tour begreifen, dass das eine andere Welt ist. Sie werden betrogen, ausgeraubt, beinahe ermordet, der Älteste entdeckt das andere Geschlecht und immer wieder müssen sie feststellen, dass ihre Erwartungen, Rollenbilder und Verhaltensweisen nicht mit dieser neuen Umgebung übereinstimmen. Zu allem Überfluss vermissen sie ihre Mutter.

Diese ist unterdessen in ihre alte Rolle als Geliebte und Gefährtin eines Gangsters zurückgekehrt, der sich nun ein Einkommen als Kopfgeldjäger verschaffen möchte. Dabei treffen er und seine Kumpane auf andere ihres Schlages und ein Schlachten beginnt. Und dann ist da noch Mad Owl, eine alleinlebende Indianerin, die sich der Kinder annimmt. Brian Azzarello hat einen Western entworfen, der in der Tradition der Italo Western steht und bei den Leser*innen fast auf jeder Seite die Erwartung hinterlässt, dass beim Umblättern erneut eine Menge Blut zu sehen sein könnte. Seine Handschrift, die etwa 100 Bullets oder Batman:Broken City geprägt hat, ist auch hier unschwer zu erkennen.
Aquarelle mit Gewalt
Auch Edurado Rizzo kommt aus der amerikanischen Superheld*innen-Welt und hat unter anderem bei Broken City bereits mit Azzarello zusammengearbeitet. Sein Stil entspricht allerdings nicht den Erwartungen an die typischen Hochglanzzeichnungen aus diesem Genre. Hier sehen die Panel aus wie mit Wasserfarben getuscht und die im Anhang abgedruckten Entwürfe und unkolorierten Zeichnungen zeigen die Entwicklungsstadien bis dahin. Natürlich dominieren die die Landschaft prägenden Erdfarben, die auch die kalten, bläulichen Szenen sprenkeln.

Es gelingt ihm einerseits, die rohe Gewalt ungeschminkt dazustellen, gleichzeitig aber auch die Gefühlswelten, die in Richtung Angst, Verzweiflung, ja, emotionalen Horror gehen zu verbildlichen. Der Comic ist schon inhaltlich nichts für Kinder, auch die Zeichnungen können verstörend wirken. Der Band sollte daher keineswegs auf den unteren Reihen eines Regals aufbewahrt werden.
Hard Stuff!
Blood Brother‘s Mother ist nichts für zarte Gemüter: Die Gewalt kommt unangekündigt, ständig und steigert sich immer mehr. Die Zeichnungen sind sehr kunstvoll, wirken durch ihre Art fast schon wie ein Weichzeichner, und zeigen doch das Blut spritzen; die Verletzungen erden teilweise in Nahaufnahme gezeigt und die teilweise Gefühllosigkeit der Protagonist*innen ist erschreckend.
Gerade dadurch bildet dieser Band aber auch einen Gegensatz zu den Western Romance Titeln; das Leben ist nicht immer ein Familienfilm. Wer das mag, ist hier absolut richtig aufgehoben und findet einen „hard boiled Western“ der besseren Art. Wer das nicht mag, sollte lieber die Finger davon lassen. Nicht zu Unrecht hat dieser Titel einen der begehrten Eisner Awards gewonnen!

Die (Gesamt-)Ausgabe enthält zusätzlich eine herausgenommene Szene (ist also quasi der director’s cut), eine Covergalerie mit den verschiedenen Variants und Zeichnungen sowie Entwürfe, bietet also eine ganze Menge an zusätzlichen Extras!
Dazu passen Dropkick Murphy‘s mit „Dropped on my head“ und ein warmes Tankstellen Dosenbier.
© der Abbildungen Brian Azzarello & Eduardo Risso, DSTLR Media Inc. | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg