Heiliger Lucky!
Story: Jul
Zeichnungen: Achdé
Originaltitel: Saint Lucky Luke!
Softcover/Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 8,99 € / 15,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1210-5

Der einzige Western-Held, der schneller schießt als sein Schatten, wird 80 Jahre jung! Bereits im Herbst 1946, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als vieles in Europa noch in Trümmern lag, schickte Morris seinen Cowboy erstmals über die Seiten. Die Proportionen und das Aussehen sollten sich noch ein wenig ändern, die Idee aber, echte Begebenheiten aus der Geschichte des Wilden Westens, und echte Personen mit einer witzigen Story zu verknüpfen, die blieb. Eine Zeitlang wurden die Geschichten später von Goscinny verfasst, danach übernahmen andere Autoren diese Rolle.
Der Held wurde multimedial und erlebte seine Abenteuer in einem eigenen Magazin, auf der Kinoleinwand, als TV-Serie oder Computerspiel und steht in dem einen oder anderen Regal als Klemmbausteinszenario oder als Plastikfigur. Viele Nebenfiguren wie Jolly Jumper oder die Daltons sind selbst zu Berühmtheiten geworden, Nebenserien mit Rantanplan oder Lucky Kid haben zu Diversifizierung beigetragen.
Das Jubiläumsalbum ist die sechste reguläre Geschichte von Jul und Achdé und greift ein Thema auf, dass man bei Diskussionen tunlichst vermeiden sollte: die Religion! Heiliger Lucky darauf zu reduzieren, würde aber viel zu kurz greifen!
Schwurbler, Religionsgründer und Leichtgläubige
Das Album beginnt ungewohnt, reiten Lucky Luke und Jolly Jumper doch schon in der Eröffnungsszene in den Abend hinein. Doch jemand hält sie auf und teilt ihnen eine schwerwiegende Erkenntnis mit die bis vor Kurzem noch als komplett unglaubwürdig und dahergeholt bezeichnet worden wäre. Leider ist das heutzutage nicht mehr so! Im weiteren Verlauf beschließt der Held, in dem Städtchen Faith den Luxus von Bett, Stall und Badewanne zu genießen und rettet einen Priester davor, ausgeraubt zu werden.

Prompt scheint sich ein neues Geschäftsmodell aufzutun und eine neue Religion, der „Lukismus“ ward geboren! Anhimmeln allein genügt nicht, es muss auch jemand angehimmelt werden wollen. Leider ist die freie Prärie gesperrt; ein Trüppchen Soldaten setzt einen Befehl um, der die Bewegungsfreiheit einschränkt. Im Nachbarstädtchen, dem einzigen zugänglichen Ort neben Faith, herrschen allerdings ähnliche Zustände und Voraussetzungen wie in letzterem…
Jul spinnt eine herrliche, vollkommen abstruse und doch so realitätsnahe Satire, die zumindest mir manchmal das Lachen erlaubte, es aber manchmal auch im Halse stecken ließ. So viel Dummheit (Muh!) ist zwar lustig, leider aber eben auch nicht mehr undenkbar. Nebenbei spart Jul aber auch nicht mit Selbstkritik und hinterfragt sich selbst als Bestandteil der Kulturindustrie.
166 Streifen Vergnügen
Achdé hat seine Figuren im Griff, längst hat eine Detailfülle die Bilder zu kleinen Kunstwerken gemacht. Wer sich davon überzeugen möchte, sollte zum Beispiel Seite 17 aufschlagen. Gleichzeitig ist sein Cowboy aber unverkennbar der, den wir alle seit Jahrzehnten lieben! Aber auch die Neben- und Randfiguren sind super herausgearbeitet, besitzen genau die Klischees, die die Serie erfolgreich gemacht haben, und sind doch individuell.

Seine Routine hilft dem Künstler, auch mit den Hintergründen zu spielen. Erneut ein Beispiel: die absurde Szene auf Seite 29 hat den regulären blauen Hintergrund, der die Nacht darstellt. Der verzweifelte Kampf mit den Vorschriften bekommt einen nicht vorhandenen Background, die absurde Argumentation einen roten. Einfach, aber wirksam!
Ein wahres Jubiläumsgeschenk!
Oftmals erhalten die Jubilare die Geschenke, in diesem Fall ist das anders! Wir Leser*innen werden beschenkt und erhalten schon den dritten Comic in diesem Jubiläumsjahr (Dakota 1880 hatte in die Jugendjahre geblickt, Die Grimm-Brothers hatten deutsche Märchen im Wilden Westen auf die Probe gestellt). Heiliger Lucky! ist aber der krönende Abschluss der Jubiläumswerke, der Humor, perfekte Zeichnungen, Gesellschaftskritik und Ironie zu einem Masterpiece vereint.

Es sollte mich überraschen, wenn wir diesen Titel nicht auf der einen oder anderen Jahresbestenliste wiederfinden. Wer will kann im Übrigen auch noch tiefer einsteigen: Bereits vor ein paar Wochen ist der Band Wanted – Ein Zeichner für Lucky Luke erschienen. Das reich bebilderte Interview von Alex Jakubowski mit Achdé erzählt alles Wissenswerte zu der Beziehung des Zeichners zu seiner Figur und ihrem Schöpfer! 35 EURO sind eine sich lohnende Investition! Der Band ist ab dem 3. November im Handel.
Dazu passen Cock Sparrer, etwa mit „Nothing like You“ und ein Miller.
© der Abbildungen © Lucky Comics 2026 by Achdé and Jul /Story House Egmont