Jari und der Plan Z
Story und Zeichnungen: Raymond Reding
Originaltitel: Jari et le plan Z
Blattgold Verlag – ZACK Edition
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 18,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Oldies but Goldies gab es früher; der Slogan war allerdings hauptsächlich im Musiksegment gebräuchlich. Im aktuellen Comic-Bereich gibt es meines Wissens keine andere Serie, die sich so engagiert den teilweise vergessenen Perlen der frühen Hochzeit des frankobelgischem Comics widmet, wie es ZACK-Spezial macht. Die nun schon 21 Bände vereinen Western, Sportcomics, Science-Fiction, Abenteuer und Krimis. Die typische Auflage von 555 Exemplaren erlaubt bisher einen zügigen Abverkauf, schafft aber trotzdem keine künstliche, preistreibende Verknappung.
Vom Tennisstar zum Krimihelden
Die Ursprünge der Serie Jari liegen im Sportcomic. Der junge belgische Tennisspieler lernt sein Idol Jimmy Torrent, den möglicherweise besten Spieler seiner Generation, kennen und freundet sich mit ihm an. Aus dem Waisenkind entwickelt sich ein erfolgreicher Jugendspieler und führt (in den Comics) dazu, dass es eine große Schar von Fans beider Spieler gibt, die Jijis. In diesem Band werden die beiden verpflichtet, an einem Filmprojekt teilzunehmen.
Reding, der unter anderem später mit Section R eine weitere Serie im Spannungsfeld zwischen Sport und Krimi geschaffen hat, vermengt die beiden Genres auch in Jari und der Plan Z. Bei einer Autofahrt weht den beiden ein Hundert-Gulden-Schein durch die geöffneten Fenster. Beiden schwant, dass damit etwas nicht stimmen kann, identifizieren sie doch wenig später den Fahrer des Wagens, aus dem der Schein gekommen sein muss, als ziemlich unsympathischen Kerl.

Im Laufe der 64 Seiten entwickelt sich eine spannende Geschichte, die die Vergangenheit bemüht um die Gegenwart zu beeinflussen, Gangstermethoden enthält und das Leben des einen oder anderen in Gefahr bringt. Allerdings kommt auch der Humor nicht zu kurz der insbesondere auf den Filmregisseur und sein Verhalten zurückgeht.
Tintin Style
Die Zeichnungen stammen aus dem Jahr 1960, dementsprechend sind Stil und Motive auch mindestens nostalgisch. Das Tintin-Magazin hatte damals ziemlich strikte Vorgaben an seine Zeichner und auch Reding folgt den Prinzipien der klaren Linie. Zudem war klar, dass Gewalt nur eingeschränkt dargestellt werden konnte, richtete sich das Magazin doch auch an noch kleine Kinder. Obwohl Reding sehr realistisch zeichnet, sind die Figuren teilweise karikativ überzeichnet. Die Symbolik geht dabei in beide Richtungen: der gemütliche Regisseur als positives Beispiel, der verdächtige Cousin Freddy als negatives.

Die Kolorierung ist teilweise sehr zaghaft und bietet dadurch gleichzeitig den Charme der Erinnerung an die aus Kostengründen sehr farbarmen Seiten als auch das heute erwartete vollkolorierte Vergnügen. So kann man eine Modernisierung vornehmen!
Ein nostalgisches Vergnügen
Das Tempo der Erzählungen hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr gesteigert; was damals actionreich empfunden wurde, wird heutzutage nicht mal mehr im Kinderprogramm als schnell wahrgenommen. Insofern ist es für viele eine Wohltat, die gut gemachten Werke von damals wieder zu entdecken und zu genießen. Genau für diese Gruppe von Leser*innen ist die Reihe gemacht und Jari ist ein gutes Beispiel für die Werke daraus.

Spaß, Spannung und Abenteuer in einem Band, aber keine Pyrotechnik, kein High-Tech und kein übermächtiger Gegner. Die Bände sind im regulären Buchhandel nicht erhältlich, man sollte daher also direkt beim Verlag bestellen. Dort gibt es auch oft einen passenden Druck zusätzlich zu erwerben.
Dazu passen The Jaggerz mit „The Rapper“ (R.I.P.) und ein Escorial Grün!
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