Nach der Erzählung von H. G. Wells
Story: José-Luis Munuera
Zeichnungen: José-Luis Munuera
Originaltitel: L´Homme qui pouvait accomplir des miracles
Hardcover Überformat |72 Seiten | Farbe | 19,80 € | ISBN: 978-3-68950-139-6

Der Spanier Munuera ist ein Multitalent. Er hat sich schon an den Blauen Boys versucht, den Spirou-Kosmos bevölkert, und über Roboter mit Gefühlen geschrieben. Daneben nimmt er sich immer wieder klassische Romane und Erzählungen vor und setzt sie als Comic um. Die diesem Band zugrundliegende Erzählung stammt von einem der Ur-Ahnen der Science-Fiction-Literatur, ist aber eher unbekannt.
Der Klassiker neu interpretiert
Jede*r weiß, dass Wünsche manchmal „in die Hose gehen“ können. Bei Spider-Man wurde daraus der Gleichklang zwischen großer Macht und großer Verantwortung, bei vielen Märchen steht der Untergang als Folge fest. Auch Wells versucht sich an diesem Thema: ein junger englischer Spießer verspürt plötzlich die Macht, Dinge zu tun. Eigentlich wollte er nur beweisen, dass es Wunder nicht geben könne, doch trotzdem hängt die Lampe tatsächlich falsch herum und der Pub, Ort des Geschehens, steht in Gefahr, Opfer eines Brandes zu werden.
Anstatt den Beweis der Unmöglichkeit anzutreten, steht plötzlich eine Verwarnung durch den örtlichen Polizisten im Raum. Der arme Mister Fotheringay weiß nicht wirklich wie ihm geschieht. Als es zu einer erneuten Begegnung mit dem Polizisten, wieder nach einem verunglückten Wunder, kommt, schickt er ihn kurzerhand in die Hölle. Geplagt von Gewissensbissen wendet er sich daraufhin an den örtlichen Priester.

Dann jedoch – Wells mochte die klerikale Seite der Welt noch nie – gerät alles aus den Fugen… Munuera nimmt die Geschichte, die schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat, als Vorlage, erfindet ein paar Sachen hinzu, schmückt anderes ein wenig aus, und erzählt eine moderne Parabel. Die Pointe bleibt, die Sprache ist immer noch schön, das viktorianische tritt aber nicht mehr in den Vordergrund.
Ein typischer Munuera
So flexibel Munuera bei seinen Szenarien ist, so eindeutig erkennbar sind seine Zeichnungen. Auch hier ist die Urheberschaft auf den ersten Blick zu erkennen: die leicht braunlastige Farbpalette, die konturierten und doch sympathischen Gesichtszüge der Protagonisten, die Überheblichkeit, die sich in der Körperhaltung etwa des Polizisten ausdrückt, der sein Dorf noch nie verlassen hat, aber alles weiß.

In diesem Band sind einige großformatige Zeichnungen eingestreut, die den Leser*innen wieder das Vergnügen ermöglichen, Details zu suchen. Dabei schafft es der Spanier, den typischen englischen Humor und Style zu übernehmen. Großartig!
Auch so kann man Lust auf Bücher erzeugen!
Während viele Leser*innen diesen Comic wahrscheinlich wie andere auch konsumieren werden, lassen sich vielleicht einige dazu inspirieren, auch andere Werke von Wells lesen zu wollen. Die beiden abgedruckten Essays mögen dabei helfen. Während der große Jules Verne Technik nutzt, um Abenteuergeschichten zu schreiben, lässt Wells viel mehr Fragen offen, die philosophischer Natur sind.

Der Band kommt im Splitter-typischen Großformat und bringt die Bilder daher super zur Geltung. Wer noch eine Anregung für das Osterfest sucht, darf hier bedenkenlos zuschlagen und dabei noch das gute Gefühl haben, einen Klassiker der Weltliteratur in lesbarer Form zu verschenken!
Dazu passen The Who (ein Meilenstein der englischen Musikgeschichte) mit „Quadrophenia“ und ein Pint London Pride!
© der Abbildungen Dargaud Benelux (Dargaud-Lombard S.A.) 2025 | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026