Star Wars Comics Library. Vol. 1.

1977 – 1979

Herausgeber/Autor: Paul Duncan

Artists: Roy Thomas, Howard Chaykin, Archie Goodwin, Carmine Infantino u. a.

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 680 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0579-6 (EN)

Cover Star Wars Library Vol. 1
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Wir schreiben das Jahr 1977 – Science Fiction war ein großes Thema zumindest im deutschen Taschenbuchbereich und präsentierte sich vielfältig: Klassische Space Opera stand neben der (englisch) New Wave, Kurzgeschichtensammlungen hatten ihren Platz wie mehrbändige Serien und auch Fantasy in den unterschiedlichsten Ausprägungen gehörte dazu. Neben Verlagen wie Heyne oder Goldmann gehörte das Thema auch bei suhrkamp selbstverständlich dazu. Im Bereich der bewegten Bilder aber gab es eine gewisse Müdigkeit; das nächste „ganz große Ding“ ließ auf sich warten.

Und dann kam Star Wars!

Der Film brachte viele Dinge zusammen, die vorher separiert gewesen waren, revolutionierte die Tricktechnik und verstand es, eine Geschichte um die Geschichte zu verkaufen. Wer startet schon eine Reihe mit dem vierten Teil von Neun? Das Gesamtkunstwerk bestand aus dem Kinofilm, den Comics, Romanen und Merchandising und wurde zu einem riesigen Erfolg. Ein Selbstläufer? Nein!

Die Geschichte um die Comic-Reihe

Paul Duncan ist ein bekannter Filmhistoriker und kennt nicht nur erfolgreiche Mechanismen (und ihre erfolglosen Geschwister), er kann auch darüber schreiben! Erfreulicherweise würzt er seine Einführung mit zahlreichen Anekdoten; so erfahren wir unter anderem, was Richard Burton und Liz Taylor mit „The Star Wars“ zu tun haben.

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Für George Lucas, das Mastermind hinter der Idee, war es wichtig, die Uraufführung des Films vorzubereiten und anzuteasern, trotzdem aber noch genügend Überraschungen in petto haben zu können. Der Comic zum Film sollte in 6 Heften erscheinen; das vierte sollte zeitgleich mit dem Kinostart auf dem Markt sein. Die Leser*innen der Hefte würden also Teile der Story bereits kennen, gleichzeitig aber mitfiebern, wie es weitergehen würde. Roy Thomas war dazu auserkoren, dass Filmdrehbuch in ein Comic-Szenario umzuwandeln, für die Zeichnungen hatte sich Lucas für den noch relativ jungen Künstler Howard Chaykin entschieden, der jedoch schon ein wenig Erfahrung mit dem SF-Comic besaß.

Die Produktionsprozesse der beiden Medien mussten parallel laufen, beide konnten sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aufeinander beziehen. Dementsprechend enthält der Comic Szenen, die zwar im ursprünglichen Skript standen, es aber nicht in den Film geschafft haben. Noch viel auffälliger waren allerdings Abweichungen im Aussehen der handelnden Wesen. Während Luke Skywalker bewusst älter und männlicher dargestellt wurde, war Chaykin bei Jabba the Hut auf sich gestellt. Zum Zeitpunkt der Zeichnung war noch kein Foto vorhanden und so sehen wir einen humanoiden Körper…

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… and beyond

Marvel war eigentlich gar nicht an diesem Titel interessiert, hatte es doch genügend eigene Probleme. Angeblich änderte sich diese Meinung erst, als klar wurde, dass für die ersten 100.000 verkauften Exemplare keine Lizenzgebühren abzuführen wären. Tatsächlich verkauften sich von den ersten Exemplaren mehr als eine Million Hefte, Star Wars wurde zu einem Longseller und setzte sich für eine (kurze) Zeit an die Spitze der erfolgreichsten Marvel-Titel. Dieser Band versammelt die ersten 23 Hefte der Serie als restaurierte Reproduktionen, inklusive der Titelbilder, Fanseiten und Anzeigen in exzellenter Qualität!

Es ist nicht so einfach, den Hype zu verstetigen, vor allem dann nicht, wenn Restriktionen zu beachten sind. Die von Marvel verantworteten, der Filmadaption folgenden Stories durften nicht auf das Verhältnis von Luke und Leia eingehen, keine Konfrontation von Luke und Darth Vader beinhalten, den Staus Quo bezüglich des Imperiums und der Rebellen nicht verändern, … Kurz gesagt, sie durften eigentlich nichts von dem zeigen, was die Fans lesen wollten!

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Diese Herausforderung löst das wechselnde Team von Kreativen iterativ. Am Anfang ist es naturgemäß schwieriger, herauszufinden, was das Publikum wollen wird. Man folgt also zunächst der Storyline, dass Han Solo in finanziellen Schwierigkeiten steckt und vergrößert diese noch. Dabei wird die Figur des Schmugglers ausgebaut und vertieft. Gleichzeitig steht das Verhältnis zwischen ihm und Chewbacca im Mittelpunkt.

Dem Comic gelingt es dabei immer besser, die im Film nonverbale Kommunikation auch ohne die dort verwendeten Töne in den Griff zu bekommen (das gilt im Übrigen auch für R2-D2, der im amerikanischen Original üblicherweise Artoo gerufen wird). Es entgeht jedoch trotzdem ein großer Teil des „Niedlichkeitsfaktors“, der nicht abgebildet werden kann. Dabei experimentiert das Team mit den aus der Mischung aus Fantasy und Space Opera erlaubten Ingredienzien: neue Wesen, Kombinationen aus Bekanntem und Unerwartetem, niedliches Aussehen und toughes Verhalten. Eines der Ergebnisse ist eine Art Killer-Hase, der für einige Episoden an der Seite von Han kämpft.

Action, Technologie und mehr

 Sehr geschickt wird im Übrigen immer wieder mit den Grundelementen gespielt, die den Film (und das Franchise) so erfolgreich mach(t)en: Zum einen gibt es häufig psychologische Konflikte, etwa wenn Luke sich nicht entscheiden kann, seinem Wunsch auf die Akademie zu gehen zu folgen oder bei seinem Onkel zu bleiben, oder wenn er verzweifelt über den Egoismus von Han doziert, der persönliche Motive über den Kampf für die Freiheit stellt.

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Zum anderen gibt es Todessterne und andere Kampfmaschinen, die alles bis dahin Vorstellbare übertreffen. Obwohl die feindliche Übermacht so unüberwindbar erscheint, gibt es aber doch immer diesen einen kleinen unentdeckten Punkt, der dem Gegner die Möglichkeit bietet, mit Mut und Geschick zu siegen. Hier zeigen sich klar Auswirkungen sowohl des „kalten Krieges“ in dem sich die Welt in den 70-ern befand, als auch die Traumata, die das überlegene US-Militär in Ostasien erlebt hatte. Dschungel-Rebellen waren in der Lage, die hochtechnisierte Armee auf Reisfeldern zu schlagen!

Ebenfalls einer Bemerkung wert sind die mitabgedruckten Anzeigen: Einerseits zeigen sie den Traum von jungen, amerikanischen Lesern (sic!): Fernrohre, Detektivspielzeug, Waffen. Diese Bedürfnisse werden von einem teils doch ziemlich militaristischen Setting in den Stories ohne Zweifel erfüllt. Der zweite Block der Anzeigen dreht sich – wie auch in den anderen Marvel-Titeln aus der Marvel Comics Library – um die Gründung eines eigenen Businesses mit Grußkarten oder ähnlichem. Das ist der amerikanische Traum …

Dazu aber kommen Anzeigen, die sich um Muskelaufbau und ähnliches bewegen und dem schmächtigen Jungen vorgaukeln, wie ein bei den Mädchen erfolgreicher Mann aussehen sollte. Diese (prä-)pubertären Vorstellungen finden ihre Referenz im Verhältnis von Luke und Leia, Han und Leia und in einigen Mitstreiterinnen von Han, die eher in einen Conan-Comic passen würden. Auch der Film spielt natürlich insbesondere während Leias Gefangenschaft mit dieser Motivation.

Der Star Wars Comic

Dieser Band enthält die ersten 23 Ausgaben der bei Marvel erschienen Reihe, die vom 12. April 1977 bis zum 27. Mai 1986 ohne Unterbrechung lief und insgesamt 107 reguläre Ausgaben umfasste. Wie in den Jahren üblich, kamen teilweise Annuals hinzu, in Summe allerdings nur drei. Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Serie Marvel in den Jahren 1977 und 1978 vor dem Bankrott bewahrte und selbst 1979 und 1980 noch zu den erfolgreichsten Comic-Titeln gehörte.

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Im Laufe der Zeit änderten sich der Geschmack der Leser*innen und die Publikationsmethoden: Mini-Serien und Trade-Paperbacks gewannen an Anteilen und Serien wurden oftmals neu gestartet um einerseits alte Kontinuitätsanforderungen zu beseitigen, andererseits neue Marketinganreize setzen zu können.

Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Serien aus über die Zeiten  unterschiedlichen Verlagen und mit ausdifferenzierten Zielgruppen: Comics für Erwachsene und für Jugendliche im traditionellen Stil, animated oder Manga-like, im Kanon und außerhalb … Es gibt sogar Werke für den deutschen Markt, die in Amerika nie erschienen sind. Hier ist mittlerweile alles bei Panini konzentriert, im Ursprungsland gehören Lucasfilm und Marvel schon lange zu Disney. Dementsprechend gibt es auch eine Art von Cross-over, in dem bekannte Entenhausener*innen die Rolle von Marvel-Helden übernehmen (z.B. Minnie im LTB 600). Für Star Wars blieb es allerdings bisher bei Parodien.

Ein wichtiger Bestandteil in der Reihe der Comic-Libraries

Taschen hat über die Jahre den Bereich der überformatigen Comic-Libraries Stück für Stück ausgebaut und Meilensteine der Comics in ihr veröffentlicht. Sicherlich ist diese Sammlung noch weit davon entfernt, komplett zu sein, sie enthält aber schon jetzt eine beachtliche Bandbreite: Alles hatte mit den bahnbrechenden ersten Jahrgängen der Marvel-Held*innen angefangen: Avengers, Hulk, Spider-Man und Co sind dadurch endlich im Original in perfekter Reproduktion und mit lesbaren und sinnvollen Einführungen versehen in den Regalen vieler Leser*innen vertreten.

Der Comic-Bereich ist aber natürlich viel breiter: EC-Comics mit einer Übersicht und dem ersten Band der Weird-Science folgten, Kompendien über Mickey und Donald wurden ergänzt durch eine Carl-Barks-Sammlung und schließlich schaffte es auch ein erster Zeitungscomic, Tarzan, in diese Reihe. Star Wars schließt nun eine Lücke zwischen den SF-Stories von EC und den Marvel-Superhelden. Mehr ist mit Sicherheit zu erwarten!

Kann das Buch die gleiche Sensation sein, die der Comic und der Film damals waren? Nein, natürlich nicht! Die Szenen des Films und die folgenden Geschichten sind längst Bestandteil des popkulturellen Bewusstseins und somit nichts atemberaubend Neues mehr. Die Sammlung kann aber Erinnerungen an die Zeit hervorrufen, als das Ganze Neu war und erstmals konsumiert wurde. Und auch das ist ein gutes Gefühl, das von Format und Druckqualität unterstützt wird.

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© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Das Coffeetable-Book hat sein Gewicht auch buchstäblich, es wiegt mehr als 5,5 Kilo! Der XXL-Band hat allerdings auch ein Format von 28 * 39,5 cm und kommt mit 680 Seiten. Wem das nicht genug ist sei gesagt, dass es auch eine limitierte, in Kunstleder gebundene Ausgabe mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint gibt, die in einem Schuber verwahrt wird. Beide Ausgaben kommen mit einem speziellen, bedruckten Transportkarton.

Dazu passen die ebenfalls über lange Jahre erfolgreichen, damals revolutionären The Who, die eine Subkultur prägten, mit Rock-Opern erfolgreich waren und immer noch auf der Bühne stehen, sowie ein Social Butterfly Cocktail, der an die legendären Kneipenszenen erinnert.

Abbildungen © & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Ruiz/Miralles – Ava

Die barfüssige Gräfin

Story: Emilio Ruiz

Zeichnungen: Ana Miralles
Originaltitel: 
Ava

schreiber & leser

Hardcover | 112 Seiten | Farbe | 24,80 €
ISBN: 
978-3-96582-166-8

Cover Ava - Die barfüssige Gräfin

(Comic-)Biografien sind ein Longseller. Sie sind weniger davon abhängig, im Novitätenregal einen besonderen Platz zu finden da Fans der Figur im Mittelpunkt aktiv danach suchen. Das gilt natürlich auch für diejenigen, die sich aus anderen Gründen tiefer mit einer bestimmten Person auseinandersetzen wollen. Meistens geht es in ihnen jedoch um ein ganzes Leben, zumindest aber einen relevanten Teil davon. Ava geht hier einen anderen Weg, beschreibt es doch die Schauspielerin nur über einen sehr kurzen Zeitraum.

Die brasilianische Episode

Ava Gardner, eine der Leinwandgöttinnen Hollywoods aus den 50-er Jahren, hatte gerade ihren Film, Die barfüssige Gräfin, abgedreht. Um den Start zu promoten war es damals wie heute nötig, eine Tour durch Länder zu machen, in denen der Film potentiell erfolgreich sein würde. Nicht nur die Presse war zu begeistern, die Zuschauer*innen wollten ebenfalls ein Stück „große Welt“ begreifen können. Dieses Wort war damals übrigens durchaus wörtlich zu verstehen. Je nach Temperament, Kultur und „Star-Allüren“ konnte das erfolgreich ablaufen, es war aber auch ein Desaster möglich.

Emilio Ruiz konzentriert sich in seiner Erzählung auf die Zeit in Brasilien zwischen Landung und Abflug. In diesen wenigen Tagen in Rio de Janeiro entsprechen viele kleine Begebenheiten weder dem geplanten Ablauf noch den Wünschen des Stars. Ava reagiert darauf äußerst emotional und unbeherrscht. Schlimmer aber ist, dass die Presse sich nicht genügend gewertschätzt fühlt und daraufhin den Stab über der Künstlerin bricht.

Ava page 44

Die Geschichte kulminiert in einer vorzeitigen Abreise, sie wird aber von verschiedenen Akteuren komplett unterschiedlich benutzt. Geschickt verwoben werden eine romantische Affäre die brutal mit Gefühlen spielt, die (Nicht-mehr-)Beziehung zwischen Ava und Frank Sinatra und finanzielle Interessen von Firmen, die von Avas Ruhm profitieren wollen. Somit ist dieser Band nicht nur Wiedergabe der Geschehnisse, sondern auch Kritik am mörderischen Film-/Celebrity-Business!

Romantik, Glamour und echte Gefühle

Ana Miralles zeigt sowohl die geschminkte und polierte Scheinwelt als auch die raue Wirklichkeit. Während einerseits der herausgeputzte Star gute Miene machen muss, sorgen Alkohol, Frustration und Erschöpfung dafür, dass die Fassade schnell ins Wanken geraten kann. Miralles zeigt ersteres in leicht nostalgisch angehauchten Bildern, bei denen man fast die Filmmusik im Hintergrund wahrzunehmen meint: Leicht kitschig, aber beruhigend.

Doch schon das nächste Panel kann einen Ausbruch zeigen: verzerrte Gesichter, ein lautes Schreien und das Scheppern der missgestimmten Instrumente. Diese Vielseitigkeit hat sie bereits bei Djinn bewiesen. In Ava geht es aber nicht um die körperlichen Aspekte. Die einzelnen Bilder haben keinen Rahmen, als sollten sie sich – wie im Film – als Einzelnes gegenüber dem Ganzen mehr zurücknehmen.

Ava page 45

Ein perfekter Einstieg in das Leben der Ava Gardner

In dieser einen Episode wird so viel von der Person Ava Gardner angerissen, dass man fast zwangsläufig anfängt, sich näher mit dieser Person zu beschäftigen. Mehr kann man von einer Biografie nicht erwarten. Die Schauspielerin ist vielschichtig, einerseits teils gegen ihren Willen in eine Rolle gezwungen, andererseits doch süchtig nach Anerkennung. Sie möchte aber ihre Grenzen setzen können, was ihr als öffentlicher Person natürlich verwehrt wird.

Es wird aber auch deutlich, was ihr Ruhm für die Personen in ihrer Nähe bedeutet. Denn auch diese sind nur scheinbar privilegiert und müssen mit ganz anderen Herausforderungen klarkommen. Wunderschöne einbändige Ausgabe, die darauf wartet, gelesen und/oder verschenkt zu werden. Weihnachten steht schließlich vor der Tür. Der Titel ist unter dem Sublabel Alles Gute! bei schreiber & leser erschienen.

Dazu Ava Gardner herself mit „Can’t Help Lovin‘ That Man“ und ein Bombay Bramble.

© der Abbildungen Dargaud Benelux (Dargaud – Lombard s.a.) 2024, by Miralles; Ruiz | 2024 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Delalande/Liberge – Fritz Lang

Die Comic-Biografie

Story: Arnaud Delalande
Zeichnungen: 
Éric Liberge
Originaltitel: 
Fritz Lang, le maudit

Knesebeck

Hardcover Überformat | 112 Seiten | Farbe | 25 €
ISBN: 
978-3-95728-700-7

Cover Fritz Lang Comic-Biografie

Schon seit längerem erfreuen sich Biographien in Comic-Form großer Beliebtheit. Dabei gibt es erstaunlich viele Werke, die sich mit Schauspieler*innen oder Regisseur*innen beschäftigen. Als Beispiele seien genannt Chaplin, Marlene Dietrich oder etwa Marylin Monroe. Wenn eine solche Darstellung gut gemacht ist, regt sie dazu an, sich tiefer mit der dargestellten Person zu befassen oder Filme ansehen zu wollen. Vorweggenommen ist festzustellen, dass die Comic-Biografie über Fritz Lang diesen Ansprüchen absolut genügt!

Expressionismus im Film, Gewalt auf der Straße

Fritz Lang ist einer der großen Regisseure mit deutschem Pass die gezwungen waren, ihre Karriere nach 1933 in den USA fortzusetzen. Obwohl bereits bei der Geburt getauft, hatte Lang einen jüdischen Vater. Außerdem hatte der gefeierte Regisseur zwar durchaus teilweise ähnliche Sachen kritisiert wie die aufstrebenden Nazis, daraus aber komplett andere Schlüsse gezogen. Trotzdem war er wohl von Goebbels gebeten worden, die Leitung des Deutschen Films zu übernehmen.

Fritz Lang Comic-Biographie page 7

Die Biografie zeichnet den Weg von Fritz Lang anhand des bis heute unaufgeklärten Todesfalls seiner damaligen ersten Ehefrau nach. Sie hatte ihn wohl im Bett mit seiner späteren zweiten Frau Thea von Harbou erwischt und sich daraufhin erschossen. An dieser Darstellung gibt es allerdings Zweifel und die Figur des ermittelnden Beamten wird die Leser*innen durch den Band begleiten. Parallel zur Geschichte Langs wird die Geschichte der NSDAP von einer unbedeutenden Splittergruppe bis zur Machtübertragung geschildert.

Während Fritz Langs Affären geschildert werden, die mit Sicherheit nicht zu einer glücklichen Ehe beigetragen haben, wird zugleich auf die immer größere politische Entfremdung des anfangs kongenial arbeitenden Paares hingewiesen, da Thea von Harbou sich mehr und mehr zur überzeugten Nationalsozialistin wandelt. Im Vordergrund stehen aber vor allem seine filmischen Umsetzungen ihrer Drehbücher, die sowohl den späten Stummfilm als auch den frühen Tonfilm geprägt haben.

Realismus mit Visionen

Éric Liberge setzt das Szenario mit sehr realistischen Zeichnungen um. Das dabei verwendete Farbspektrum reicht von dunklem Sepia bis düsterem schwarzblau und unterstützt damit die Geschichte eines expressionistischem Visionärs und Zweiflers. Auch die inneren Dämonen, die möglicherweise aus dem ungeklärten Tod seiner ersten Frau herrühren, können so perfekt dargestellt werden. Oftmals besteht der Hintergrund aus ineinanderfließenden Visionen und Horror-Szenarien.

Fritz Lang Comic-Biographie page 8

Die gewählte Stilrichtung stellt zudem die zunehmende Gefahr durch die Nazis als auch die vielen Szenen aus den Filmen und den Drehs perfekt dar und lässt eine Fortführung mit einem der Filme bruchlos möglich erscheinen. Wer Mabuse, Metropolis oder M – eine Stadt sucht einen Mörder bisher nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen und wird das nach dem Lesen dieses Bandes auch wollen!

Nicht nur für Filmfans!

Die Fakten, die Arnaud Delalande zu einer spannenden Geschichte zusammengeführt hat, entsprechen (meistens) der aktuellen Kenntnis über das von Lang selbst durchaus des Öfteren verschleierte Leben. Für Filmfans, aber auch für geschichtlich Interessierte, ist diese Comic-Biografie daher fast schon ein Muss. Sie bietet aber auch einen gut lesbaren Einblick in das Leben eines hin- und hergerissenen Künstlers, der Entwicklungen aufdeckt, mit den allgemein angebotenen Lösungen aber keinesfalls konform geht.

Fritz Lang Comic-Biographie page 13

Die persönlichen Dämonen, die Hinwendungen zu Geliebten und das künstlerische Genie sind gut nachzuvollziehen und machen die Graphic Novel auch für alle zu einem Tipp, die menschliche Entwicklungen zu schätzen wissen. Wer also Auster, Greene oder Djian mag, sollte einen Blick riskieren.

Dazu passen The Sisters of Mercy mit “Temple of Love” und ein leicht torfiger Islay.

© der Abbildungen 2022 Les Arènes, Arnaud Delalande, Éric Liberge / 2023 von dem Knesebeck Verlag GmbH & Co. Verlag KG, München

Hamm/Quinones – Batman 89

Die Fortsetzung von Tim Burtons Batman-Filmen

Story: Sam Hamm
Zeichnungen: 
Joe Quinones
Originaltitel:
 US-Batman’89 (2021-22) 1 – 6

Panini Comics

Broschur | 148 Seiten | Farbe | 19 €
ISBN: 978-3-7416-3017-0

Cover Batman 89

Ein Superheld, der so viele Jahre auf dem Buckel hat, musste folgerichtig öfters „neu“ erfunden werden. Nicht immer sind die Fans der „Alten“ Inkarnation mit der aktuellen einverstanden und so macht es durchaus Sinn, ein Revival anzubieten. 1989 und 1992 liefen zwei sehr erfolgreiche Verfilmungen von Regisseur Tim Burton mit der Fledermaus im Kino. Nun also die offizielle Fortsetzung der Blockbuster, geschrieben vom damaligen Drehbuchautor Sam Hamm!

Kampf gegen die Korruption

Gotham ist ein Moloch, der regiert wird von korrupten Politikern, unterstützt durch ebensolche Polizist*innen. Zwar versucht Commissioner Gordon dagegen anzugehen, ist sogar ein Bündnis mit dem Vigilanten Batman eingegangen, der Erfolg ist bisher aber ausgeblieben. Staatsanwalt Harvey Dent will endlich aufräumen und in der Metropole für Recht und Ordnung sorgen. Es bleibt allerdings ein wenig im Unklaren, ob wirklich die Stadt im Fokus seiner Bemühungen steht oder doch die eigene Karriere.

Batman 89 page 5

Auf jeden Fall hat er eine Beziehung mit der Tochter des Polizeichefs, Barbara, und versucht, ihre Kenntnisse zu nutzen. Als Haupthindernis für ein „neues Gotham“ sind schnell zwei Hindernisse ausgemacht: Gordon und Batman! Dent setzt alle seine Kommunikationstricks ein und verschiedenste gesellschaftliche Gruppen auf seine Seite zu bringen.

Es gibt allerdings noch einen weiteren neuen Maskierten, ein junger Schwarzer macht seine ersten Schritte als Robin. Für die Verfilmungen war er ursprünglich geplant, fiel dann aber doch dem Kostendruck zum Opfer. Jetzt lässt Hamm ihn wie geplant auftreten und auch Catwoman ist wieder mit von der Partie. Alles wird anders als die linke Gesichtshälfte Dents durch einen Unfall entstellt wird.

Batman 89 page 6

Leicht nostalgische Zeichnungen

Umgesetzt wird das Ganze von Joe Quinones, einem Schüler von David Mazzucchelli. Er hat aber in mehreren Arbeiten für DC und Marvel einen eigenen Stil entwickelt. Für dieses Projekt hat er einen leichten nostalgischen Touch hinzugefügt. Das Werk wirkt dadurch gleichzeitig modern, erinnert aber auch ein wenig an die Zeit vor 40 Jahren. Auch sonst erinnert der Zeichner immer mal wieder an längst Vergangenes.

Wer sich damals im Kino wohlgefühlt hat, wird jetzt einiges wieder erkennen. Die Figuren entsprechen in ihrem Aussehen natürlich den damals besetzten Schauspieler*innen und die Beziehung aufeinander ist offensichtlich. Gleichzeitig atmet das Werk aber auch den Geist der damaligen Filme, weit entfernt vom heutigen Pyrotechnik/SFX-Overkill!

Batman 89 page 7

Lohnt sich!

Batman ist eigentlich mein Lieblings-Superheld! Er hat keine Superkräfte, muss neben Kraft seinen Grips einsetzen und hat(te) Gegner*innen, die ebenfalls diesem Schema entsprachen während anderswo Außerirdische und Gött*innen sich die Klinke in die Hand gaben. Dieser Charme ist über die Jahre irgendwie verloren gegangen und taucht mittlerweile nur noch in Sonderreihen auf.

Zum Glück gibt es aber genau diese und Batman 89 ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch heutzutage noch Geschichten im alten Stil erzählt werden können. Womit nicht gesagt werden soll, dass der aktuelle Batman nicht seine verdienten Fans hätte. Er ist nur anders. Allen, denen es genauso geht, wird dieser Band gefallen!

Detail Batman 89 page 9

Dazu passen ein Korn-Kirsch im Rialto-Glas und The Choice!

© der Abbildungen 2022 DC / 2022 Panini Verlags GmbH

Swysen/Paty –Monroe

Ein Hollywoodmärchen!

Story: Bernard Swysen 
Zeichnungen: Christian Paty

Originaltitel: Les étoiles de l´histoire 2 – Marylin Monroe

Panini Comics

Hardcover | 104 Seiten | Farbe | 22,00 € | 
ISBN: 978-3-7416-2174-1

Swysen/Paty - Monroe Cover

Biopics sind immer noch en vogue und auch im Comicbereich immer mehr am Kommen. Panini hat sich die deutsche Ausgabe der Reihe Die Stars der Geschichte gesichert und bringt nach dem Band über Charlie Chaplin nun den nächsten Hollywoodstar. Ansprechendes Äußeres, eine Filmographie und ein Begleittext lassen diese Reihe nicht nur für Filmfans interessant erscheinen.

Von einer sehr bescheidenen Kindheit zum Weltruhm

Marylin Monroe wurde als Norma Jean geboren. Der Vater wollte schon früh weder von ihr noch von ihrer Mutter etwas wissen und existierte daher nur als Foto an der Wand. Die Mutter war psychisch labil und nicht wirklich willens, ein Kind aufzuziehen und so wurde die kleine Norma zwischen staatlicher Fürsorge und verwandtschaftlicher Pflege hin und hergeschoben. Die Geschichte deutet an, dass es dabei auch durchaus sexuelle Übergriffe gab. Echte Liebe hat das Kind nach eigener Aussage nur von einem Hund erfahren. Dieser allerdings war von einem übellaunigen Nachbarn erschossen worden.

Detail aus Monroe page 18

Aus dem kleinen Aschenputtel wurde aber eine junge Frau und schlagartig änderte sich etwas: die Jungen beachteten sie plötzlich und von nun an wusste sie, dass sie ihren Körper als Waffe einsetzen konnte. Die Aufmerksamkeit der einen Hälfte führte allerdings auch zur Ablehnung durch die andere. Viele ihrer Beziehungen sollten im Endeffekt daran scheitern, dass alle in ihr nur ein Sexsymbol sahen, dass sie besitzen wollten. Folgerichtig war sie bereits mit 16 Jahren das erste Mal verheiratet.

Eine Beziehung aber war anders: Zwar funktionierte auch die Zweisamkeit mit Joe Di Maggio nicht, er aber war der einzige, der immer wieder hilfreich zur Seite stand. Zwei weitere Liebschaften hätten dem Starlet und späteren Star helfen können, wurden aber durch einen plötzlichen Tod zu Unzeiten beendet. Zumindest um die Affäre mit JFK und Marylins Ableben ranken sich natürlich auch genügend Gerüchte.

Zum Zeitpunkt ihres Todes war die Blondine auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Lange hatte sie nicht selbst entscheiden dürfen, welche Filmrollen sie spielen würde. Nun lag ihr ganz Hollywood zu Füßen. Glücklich war sie deswegen allerdings nicht und auch ihre Marotten sorgten für bad vibes. All diese Widersprüchlichkeiten und Rückschläge fängt Bernard Swysen geschickt auf und bastelt daraus ein gut lesbares Biopic.

Detail Monroe page 27

Die Zeichnungen

Christian Paty ist kein Unbekannter, arbeitet auch im Fantasy-Bereich und hat noch eine Film-Biografie von Swysen umgesetzt. Vielleicht sehen wir in daher nochmal mit dem Leben von Brigitte Bardot. Sein Stil ähnelt der klaren Linie, allerdings gibt die Kolorierung Nuancen hinzu, die früher als Schraffur angelegt gewesen wären. Er reduziert wo möglich und kann daher auch Nacktszenen oder Gewaltdarstellungen so rüberbringen, dass eine Indizierung nicht droht.

Grundsätzlich erzählt er in einem standardisierten Rahmen nur manchmal, wenn etwas wirklich Wichtiges geschieht, dann überlappen sich seine Bilder und verlieren manchmal sogar den Rahmen. Dadurch lenkt nicht viel ab und Leser*innen können sich auf den Fortgang konzentrieren. Wenn man dann doch etwas verweilt dann kann man auch die Feinheiten erkennen und die Bildkompositionen!

Detail aus Swysen/Paty - Monroe page 67

Fazit

Qualität kann sich auch darin zeigen, dass Leser*innen nicht die Entscheidung abgenommen wird, die gezeigten Fakten selbst bewerten zu müssen. Natürlich hat Marylin Monroe gelitten, sie hat aber auch manipuliert und diese Ambivalenz ist nicht objektiv zu beurteilen, sondern nur durch jede*n einzelnen. Wie schon im Band zu Chaplin lässt Swysen seine Meinung zwar durchblicken, gibt sie aber nicht vor. Für mich bleibt jedenfalls fraglich, ob diese Karriere wirklich ein Hollywoodmärchen gewesen ist.

Dazu kommen da Format als Hardcover und die beigefügten informativen Elemente wie Filmografie und einführende Worte, die diese Reihe auch für an Biografien interessierte zu einer guten Möglichkeit machen. Für Filmfans dürfte sich die Frage gar nicht stellen.

Dazu passen natürlich nur Klänge von Marylin selber und ein Gin Tonic.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags Gmbh / DUPUIS 2020, by Swyers, Paty

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