Simenon, Fromental/Yslaire – Der Schnee war schmutzig

Ein „Roman Dur“

Story: Georges Simenon, Jean-Luc Fromental

Zeichnungen: Bernard Yslaire

Originaltitel: La Neige était sale

Carlsen Comics
Hardcover | 104 Seiten | Farbe | 24,00 €
ISBN: 
978-3-551-80637-6

Cover Simenon - Der Schnee war schmutzig

Comic-Adaptionen von erfolgreichen Krimis waren schon immer ein Bestandteil des erfolgreichen Spektrums. Deutsche Leser*innen mögen sich noch an Derrick, Schimanski oder Wilsberg erinnern, die alle als Bildgeschichte in den Regalen standen. Auch international reüssiert dieses Genre gerade wieder: In Serie erscheinen Umsetzungen der Romane von Agatha Christie, die Werke nach Leo Malet werden neu aufgelegt. Nun also auch Gerges Simenon! Der 1989 verstorbene belgische Schriftsteller war noch erfolgreicher als der ebenfalls vielschreibende Henri Vernes. Die meisten werden Simenon wohl aufgrund seiner Krimis mit Kommissar Maigret kennen; er hat daneben aber auch eine Vielzahl von anderen Büchern geschrieben, darunter 117 sogenannte Roman Durs.

Gewalt und Mord in einer besetzten Stadt

Der Schnee war schmutzig wird als einer der besten Romane von Simenon bezeichnet und mit existenzialistischen Werken untern anderem von Camus verglichen. Brauchte der Autor normalerweise rund zwei Wochen, um einen Roman zu schreiben, ließ er sich für diesen sogar drei Wochen Zeit. Das Ergebnis ist ein desillusionierendes Werk. Der „Held“ ist ein 18-jähriger Sohn einer Bordellbetreiberin. Sein Leben besteht darin, gefühllos durch diese Welt zu gehen, mit Frauen zu schlafen, Gaunereien zu begehen, sich zu betrinken und schließlich auch, Menschen umzubringen.

Zunächst scheint dabei alles glatt zu gehen, er bekommt sogar eine Bestätigung, dass die Besatzungsmacht ihm freie Hand und freies Geleit gewährt. Obwohl Frank Friedmaier keine Ziele hat und eigentlich auch keinen Antrieb hat, lebt er so ein recht sorgloses Leben, verachtet gleichzeitig aber diese Sicherheit und alles um ihn herum. Neudeutsch ein echter Stinkstiefel!

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 5

Doch plötzlich wendet sich das Blatt, die nicht näher definierte Besetzungsmacht verschleppt ihn und beginnt eine sowohl körperliche wie psychologische Foltertortur. Wird es ihm gelingen, nun doch einen Halt im Leben zu finden und zu überleben? Oder wird das eine Böse das andere Böse vernichten? Zudem stellt sich die Frage, wie einige der Personen, deren Psyche und Emotionen Frank ignoriert hatte, sich nun verhalten werden.

Atemberaubend

Die von Fromental für das grafische Medium umgesetzte Geschichte wird von Yslaire kongenial gezeichnet. Schon in den Serien um Sambre war sein melancholischer Stil prägend, Serien wie der XX. Himmel festigten diesen Ruf. Auch hier legt er keinen Wert auf Hochglanzschönheit. Seine Figuren sind rau, haben Macken und sehen dadurch „normal“ aus. Allein ihre Erlebnisse machen sie unverwechselbar.

Die Stadt zeigt sich in einem grauen Winterkleid: düster, kalt und feindselig. Die Wohnungen und Kneipen sind von einem niedrigen Standard und haben alle schon bessere Zeiten gesehen. Allein das Gefängnis und seine Umgebung machen einen sanierten Eindruck und stellen dadurch einen grotesken Widerspruch zur in ihm ausgeübten Brutalität dar.

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 6

Noir vom Feinsten

Simenon steht bei den Meisten wohl noch in der „Krimi-Ecke“. Sein Maigret ist es auch immer noch wert, gelesen oder gesehen zu werden! Der Schnee war schmutzig ist aber eine andere Nummer: dunkel, deprimierend, faszinierend und spannend zugleich! Man beobachtet Frank dabei, immer und immer wieder noch einen drauf zu packen. Gleichzeitig ist aber auch die Reaktion der Obrigkeit vollkommen daneben. Das Verhalten der Mutter ist desaströs und dasjenige der missbrauchten Nachbarstochter verstörend.

Das Nachwort von Jean-Luc Fromental, der auch schon Blake & Mortimer nach New York geschickt hat, ordnet diesen Roman Dur etwas ein und beschreibt eine vermutete Intention. Schlussendlich nehmen wir heute aufgrund der vielen anderen Werke Simenon nicht als Existentialisten war. Dieser Band muss den Vergleich mit Camus oder Satre aber nicht scheuen!

Simenon - Der Schnee war schmutzig Umschlag innen

Dazu passen Brigitte Calls me Baby mit „Slumber Party“ und ein Cointreau.

© 1948 Georges Simenon Limited © der Abbildungen 2024 Fromental – Yslaire – Dargaud Benelux (Dargaud-Lombard s.a.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Sirius/Walthéry – Natascha 24

Die Piraten aus der Stratosphäre

Story: Francois Walthery -& Sirius
Zeichnungen: Francois Walthery

Originaltitel: Chanson d´Avril

Salleck Publications

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 14,00 € | ISBN: 978-3-89908-828-1

Cover Natascha 24

Natascha ist eine der sehr erfolgreichen Serien, die für ein jugendliches Publikum geschrieben, Frauen als Handlungsträgerinnen einsetzten. Viele andere Serien aus dieser Zeit richteten sich dagegen an ein erwachsenes Publikum. Geblieben sind Yoko Tsuno und eben Natascha. Das gerade erschienene 24. Abenteuer ist erneut – wie schon die letzten beiden – eine Adaption eines Szenarios von Sirius aus der Serie „Der blaue Sperber“. Das Original erschien bereits 1949, die Bearbeitung hat es aber leicht modernisiert.

Piraten aus luftiger Höhe

Während Natascha und Walter ihren Dienst auf einem interkontinentalen Nachtflug ableisten, passiert üblicherweise nicht viel. Zwar gibt es einen Passagier der als Running Gag alle paar Seiten ein weiteres Bier haben möchte und Walter zur Verzweiflung treibt, ansonsten gibt es aber viel Zeit, die es der Stewardess erlaubt, eine Geschichte vorzulesen. Diese wiederum ist das Original von Sirius, das Walthéry so in seinen Standard überführt hat. Er hat allerdings die Personen ersetzt und so sind Nataschas Großmutter und Walters Großvater zusammen mit dem kleinen Chacha auf der Heimreise mit dem blauen Sperber, einem kleinen Segelboot.

Sie werden dabei fast und ohne Warnung von einem Luxusliner gerammt. Natürlich wollen die Drei der Sache auf den Grund gehen, kommen an Bord, und müssen feststellen, dass alle auf dem Boot zu schlafen scheinen. Alle, nein, denn der Erste Offizier ist wach und beschuldigt unsere Held*innen, den Passagieren ihre Wertsachen entwendet zu haben. Sie werden festgesetzt und den Behörden übergeben.

Natascha 24 page 7

Natürlich müssen sie wieder freigelassen werden und genauso natürlich lassen sie die Sache nicht auf sich beruhen. Gut vorbereitet schiffen sie sich erneut ein und machen Bekanntschaft mit den Piraten aus der Stratosphäre. Spannende Geschichte, die ein wenig wie ein Bond-Abenteuer wirkt und dementsprechend auch ein bisschen zu viel Piff-Pum-Bäng mit sich bringt. Immerhin bleibt die Geschichte dabei halbwegs technisch möglich.

Auch im Alter noch nichts verlernt

Francois Walthéry kann es noch! Seine Figuren stimmen, ihre Bewegungen sind sogar im Vergleich zu den Ursprüngen der Serie etwas dynamischer geworden und die Hintergründe sind detailliert wie eh und je. Viele Szenen sind extrem handlungsorientiert und die Zeichnungen nehmen die Dynamik gut auf. Dazu baut Walthéry viele kleine Reminiszenzen an andere klassische frankobelgische Serien ein. Wer mag, darf im Kommentar zu dieser Besprechung seinen/ihren Tipp abgeben, wie viele es denn sind …

Natascha 24 page 8

Und auch der Kunstgriff, zwei Generationen gleichzeitig handeln zu lassen, gelingt. Alles, was dafür notwendig ist, ist ein anderer Hintergrund! Immer noch eine lesenswerte (und anschauenswerte) Sache! Bei Weltherrschaftsplänen ist es nicht verwunderlich, dass auch Nazis mit dabei sind. Ihre Darstellung als Deppen macht immer wieder Spaß!

Ein lebendiger Klassiker

Natascha als Serie hat jetzt mehr als 45 Jahre auf dem Buckel, andere haben dann die Arbeit bereits seit langem eingestellt bzw. die Serie an andere übergeben. Aus qualitativen Aspekten besteht hier kein Grund dafür und mit dem Kunstgriff, funktionierende Geschichten zu adaptieren, besteht auch keine Gefahr, sich selbst ständig zu wiederholen.

Detail Natascha 24 page 12

Für Fans der 70-er Serien aus dem Spirou-Magazin immer noch ein guter Tipp. Aber auch, wer die Serie noch nicht kennt, die Ecolé Marcinelle aber mag, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren: eine toughe, aber glaubwürdige Heldin, ein leicht vertrottelter Partner und Spannung – was will man mehr für die kleine Flucht aus dem Alltag!

Dazu passen The Distillers, und – natürlich – ein Dosenbier!

© der Abbildungen DUPUIS 2025, by Walthéry, Sirius / 2025 Eckart Schott Verlag

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 8

Das Tal der Klapperschlangen

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Échec à la main noire & La Vallée des Crotales

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-50-2

Cover Bob Morane Classic 8

Während die meisten Bob Morane-Geschichten zunächst in einem Magazin für Frauen mit jeweils ein oder zwei Seiten vorabgedruckt wurden, gab es einige wenige, die in einer belgischen Tageszeitung mit einem täglichen Streifen erschienen. Naturgemäß erforderte dieses Medium einen anderen Flow, musste es doch jeden Tag neu die potenziellen Leser*innen dazu animieren, auch am folgenden Tag Het Laatste nieuws zu kaufen. Dieser Band vereint jeweils ein Beispiel!

Ein Krimi und ein Western

Die erste Geschichte, Schach der schwarzen Hand, ist aus mehreren Gesichtspunkten heraus außergewöhnlich. Das Sujet klingt vertraut: Bill und Bob geraten auf der Straße in eine Schlägerei, retten eine (junge und hübsche) Frau und erfahren, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Selbstverständlich wollen die beiden Helden ihr helfen, geraten dabei in Schwierigkeiten und bekommen es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Hier geht es um die Mafia, ein großes Erbe und eine Quest. Wie immer meistert Vernes die Geschichte und hält die Leser*innen bei der Stange.

Während üblicherweise eine ganze Seite zur Verfügung steht, einen Strang zu entwickeln, bleiben bei Tagesstreifen aber nur 2 bis maximal 4 Bilder, um anzuknüpfen, weiterzuführen, und einen Cliffhanger zu präsentieren. Zudem waren die Originale verschollen. Und so wurden aus den schwarz-weißen Zeichnungen von Gérald Forton ihnen nachempfundene farbige von Jacques Géron.

Bob Morane Classic 8 page 3

Im Tal der Klapperschlangen haben unsere Bekannten eine Panne inmitten einer amerikanischen Wüstenlandschaft. Sie geraten in einen Streit zwischen weißen Farmern und der indianischen Besitzerin einer Ranch und beziehen Stellung, obwohl beide Seiten das eigentlich gar nicht wollen. Hübsche Geschichte, die traditionellen Pfaden folgt, sie aber nett kombiniert.

Eine besondere Form der Gesamtausgabe

Bei älteren Comics stellt sich generell die Frage nach der Qualität der Vorlagen. Der Taschen-Verlag hat für seine Libraries eine sehr aufwendige Reproduktionstechnik gewählt und die Modesty Blaise-Ausgabe enthält teilweise Scans von Zeitungsveröffentlichungen. Für die Geschichte mit der schwarzen Hand ging der damalige Verleger Claude Lefrancq 1992 einen zeitgemäßen Weg: Er bat einen bekannten Zeichner, neue Panel im Stile des alten anzufertigen. Jede*r möge selbst urteilen, ob das „gut“ ist. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gut genug, ermöglicht es doch auch anderen Fans von Bob Morane, die Geschichte lesen zu können. Zudem fällt die Geschichte als Strip sowieso aus dem Rahmen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Gesichter etwas anders aussehen.

Bob Morane Classic 8 page 4

Das Tal der Klapperschlangen ist dagegen eine sehr typische Veröffentlichung. Forton besaß bereits genügend Routine mit den Hauptfiguren, um sich auf Details und Landschaften konzentrieren zu können.

Bergfest

Fünfzehn Bände sind in der Bob Morane Classic Edition geplant, gut die Hälfte ist jetzt erschienen. Während die Bände von Vance und Coria in Deutschland schon häufiger eine Heimat gefunden hatten, waren die von Attanasio und Forton fast komplett unveröffentlicht. Fans des unverwüstlichen Helden, der mittlerweile in seinem siebten Jahrzehnt steht, finden hier eine sorgfältige Veröffentlichung mit bibliographischen Angaben im Hardcover.

Bob Morane Classic 8 page 5

Zusätzlich gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für fünf Bände.

Dazu passen The Kinks etwa mit „You really got me“ und ein 19 Crimes – The Uprising.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 319 (Januar 2026)

ZACK 319

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 319

Das neue Jahr hat zwar noch nicht angefangen, die ersten Vorboten sind aber schon da; So ist die Januar-Ausgabe das ZACK-Magazin bereits bei den Abonnent*innen eingetroffen und in den Läden erhältlich. Zum Jahresanfang gibt es gleich drei Serienstarts, zwei davon sogar erstmals im ZACK – Nun ja, Ray Ringo ist eigentlich ein alter Koralle-Bekannter, erlebt aber gerade einen Relaunch. In diesem Heft befindet sich auch das Papier-Formular zur Wahl der ZACK-Serie des Jahres. Wer will kann aber natürlich auch online abstimmen.

Die Neustarts

Coverboy und Opener ist das bereits achte neue Abenteuer von Rick Master. Dieser ist daher der Erste in einer Reihe von gleich vier „klassischen“ ZACK-Serien in diesem Heft. Die Folge beginnt blutig, da Simon Van Liemt gleich zwei Männer auf den ersten Seiten sterben lässt. Zudem würde Nadine gerne der hübschen Reporterin Anne-Aymone, die ihren“ Rick anbaggert, die Augen auskratzen. So weit kommt es aber dann doch nicht. Auf jeden Fall wird Rick in ihrer Sendung herausgefordert. Zidrou schafft es auch in Dead Sugar, das vergangene Paris sehr lebendig auf die Seiten zu bannen.

ZACK 319 page 5

Aus der Versenkung zurückgekehrt ist Ray Ringo. In Devil’s Gate kündigt er allerdings seinen Job bei Wells Fargo, da er auf Grund von Einsparmaßnahmen die Sicherheit der Fahrten nicht mehr gewährleistet sieht. Er willigt jedoch ein, eine Fahrt eines alten Freundes zu begleiten. Éric Corbeyran hat einen Western im alten Stil geschrieben: Postkutschen, Verfolgungsjagden und Schießereien sowie ein Held mit Ehrenkodex, der auf dem Sattel und im Restaurant eine gleich gute Figur macht. Roman Surzhenko beweist nach der Jugend von Durango erneut, dass er das Metier beherrscht. Die Serie startet mit einer Einführung von dem Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 45

Der dritte Neuzugang stammt von Olivier Andrieu. Olivier war einer der führenden SEO-Spezialisten Frankreichs, entschied sich aber für eine Zukunft als Comic-Szenarist. Zusammen mit Alain Julié setzt er Jeff Mistral in Szene, einen Detektiv, der auch von Maurice Tillieux hätte stammen können. Das bedeutet, dass wir ein 60-er Jahre Setting sehen, in dem Autos eine gewisse Rolle spielen, Technik ansonsten aber eher untergeordnet ist. Die Geschichte beginnt etwas unvermittelt mit einer Nahtoderfahrung. Der Jahre später stattfindende Kriminalfall ist ein Diamantenraub, der faktisch unmöglich scheint. Auch hier gibt es eine Einführung vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 55

Die Fortsetzungen

Tanguy & Laverdure stehen aktuell auf unterschiedlichen Seiten eines bewaffneten Konfliktes: Während der Blondschopf die „freie Welt“ in Form einer asiatischen Insel gegen chinesische Provokationen zu verteidigen sucht, dient Tanguy gezwungenermaßen als Ausbilder eben jener Kräfte. Ist das ein Verrat? Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl schildern gewohnt souverän den Konflikt, sparen dabei auch nicht an persönlichen Momenten, die Hintergründe erklären. Sebastien Philippe setzt sowohl Emotionen als auch Flugszenen sauber um. Für Fliegercomic-Fans ein Muss!

ZACK 319 page 19

Auf Amoras nähert sich alles dem Höhepunkt: Jerusalem lässt Wiske allein um endlich ihre Aufgabe ungestört erledigen zu können. Lambik und Blaskop kapern zunächst eine Tram und treffen dann auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die die Insel verlassen wollen, bevor der Vulkan ausbricht, und Achiel sinnt über den Sinn. Marc Legendre und Charel Cambré ziehen alle Register, die geeignet sind, eine Katastrophenstimmung zu erzeugen.

Detail ZACK 319 page 31

Der Kampf der amerikanischen Nazi-Truppe gegen den Vaillante-Konzern und Senator Steve Warson steuert auf ein Finale Furioso hin. Tatsächlich will Steve sich selbst als Zielscheibe anbieten um dem FBI zum Erfolg zu verhelfen. Währenddessen kämpft Francoise ihren ganz persönlichen Kampf gegen den Krebs und Elsa ihren beruflichen auf der Strecke als Ersatz für Michel Vaillant. Wie immer eine perfekte Mischung aus Soap, Krimi und Renngeschehen von Daniel Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 319 page 69

Schließlich gibt es weitere Seiten aus der Serie Aleksis Strogonov. Der dritte Band Tamo spielt im Millieu der Partisanen. Jean Regnaud übertreibt es aber mit zynischem Slapstick und so passt nichts wirklich zueinander: Alle sind korrupt, dumm oder feige und bekämpfen lieber sich selbst als die Feinde, allerdings nicht so witzig, wie etwa im Leben des Brian. Da können meiner Meinung nach auch die guten Zeichnungen von Émile Bravo nichts mehr retten.

Detail ZACK 319 page 85

Und sonst?

Auch im neuen Jahr bleibt vieles beim Alten. Wir dürfen uns daher wieder über den Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi freuen. Auch News, Rezensionen und ein Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren sind wie immer vertreten. Die inhaltlichen Beiträge, beide von Christian Endres, behandeln das Criminal-Universum und das erste Buch von Flix.

Die Winterferien locken bisher tagsüber eher nach draußen, ist doch herrliches klares Wetter, sollten aber abends genügend Zeit bieten, sich in diese Ausgabe vertiefen zu können. Die weiteren Ankündigungen für 2026 verheißen weitere spannende Neuheiten und damit Spaß, Spannung und Abenteuer.

Dazu passen Booze & Glory mit „Mad World“ und ein DBB Winterbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

Reddition 82 – André Juillard

Ein Überblick über eine erfolgreiche Laufbahn

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 82

Nach der thematischen Nummer 81 über Autos im Comic widmet sich die aktuelle wieder einem Künstler und den Kollegen, mit denen er besonders eng zusammengearbeitet hat. Sie ist dem im letzten Jahr verstorbenen André Juillard gewidmet, der hierzulande sowohl mit seinen Historiencomics (Arno, Die sieben Leben des Falken) als auch als Zeichner der neuen Blake & Mortimer Bände erfolgreich war.

Die Begeisterung für die Vergangenheit

Wie immer beginnt das Dossier mit einem sehr ausführlichen Hauptartikel; Volker Hamann rollt das Leben und Wirken des 1948 in Paris geborenen Zeichners und Autors aus. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, da seine Mutter bereits in seinem vierten Lebensjahr verschied. Obwohl seine Familie seine Zeichenkünste durchaus anerkennt und förderte, sollte der Junge „etwas Anständiges“ lernen. André brach das Medizinstudium allerdings nach zwei Jahren ab und landete schließlich bei den Comics.

Reddition 82 page 4/5

Das Ende der 70-er Jahre stand im Zeichen der Comics für Erwachsene, insbesondere erfreuten sich historische Stoffe großer Beliebtheit. Nach einigen Fingerübungen schließlich kam es zu der Zusammenarbeit mit Patrick Cothias. Dieser schrieb die Texte zu Masquerouge (Der rote Falke) und schließlich zu den sieben Leben des Falken, einem Epos, das sich auf viele Zyklen und Nebenserien erstreckte. Nicht alle davon wurden von Juillard umgesetzt.

Unterbrochen wurde die Arbeit am „Falken“ durch eine weitere historische Serie, die von Jacques Martin getextet wurde: Arno. Ein Musiker, dessen Wege sich immer wieder mit denen von Napoleon Bonaparte kreuzten, war zwar eine spannende Kombination, der Erfolg blieb jedoch bescheiden.

Den ganz großen Erfolg bei den Kritikern erreichte Juillard schließlich mit dem blauen Tagebuch, einem Werk, zu dem er Text und Zeichnungen beisteuerte. Die größten Verkaufserfolge jedoch gelangen mit der Fortsetzung einer klassischen Serie aus den Anfängen des Tintin-Magazins: Blake & Mortimer.

Reddition 82 page 50/51

Die weiteren Artikel

Neben diesem – wie immer ausgiebig bebildertem – Überblick widmen sich die weiteren Artikel des Heftes vertiefenden Analysen über einzelne Gebiete. Dazu gehören einerseits die Künstler, mit denen Juillard erfolgreich zusammengearbeitet hatte: Didier Convard (von Jan Roidner), Patrick Cothias und Yves Sente (von Stefan Schmatz) und Jacques Martin (erneut Volker Hamann). Wie immer kenntnisreich und gleichzeitig lesbar geschrieben, führen diese Aufsätze tiefer in die Details der Kooperationen ein, beschreiben Emotionen und Arbeitsweisen, aber auch Hindernisse.

Artikel über den Falken und Arno beschäftigen sich tiefer mit den Serien, ein Überblick über die Historiencomics der 80-er von Klaus Schikowski und über eine der Lieben des Zeichners, die Stadt Paris, runden das Bild des Comiczeichners und -autors ab. Allerdings ist er auch als Illustrator tätig gewesen. Seine Werke wurden in drei Bänden verlegt (Péle-Méle, in Deutschland über Salleck Publications zu beziehen). Auch sie werden hier vorgestellt. Dazu kommt wie immer eine ausführliche Comicographie von Volker Hamann, die auch die deutschen Veröffentlichungen enthält.

Reddition 82 page 60/61

In Deutschland einzigartig

Während in anderen Ländern mit einer größeren Comictradition Sekundärartikel, Zeitschriften und Sonderausgaben fast selbstverständlich bereits in mittleren Sortimenten zu finden sind, sieht es hier bei uns leider etwas anders aus. Es gibt zwar durchaus einige Zeitschriften mit einem special-special-interest scope, eine echte Konkurrenz zur Reddition aber gibt es nicht.

Wer sich vertieft und doch nicht akademisch mit der Neunten Kunst auseinandersetzen will, kommt an der Reddition nicht vorbei. Leider lässt das Pensum von Volker Hamann in Zukunft nur noch eine Ausgabe pro Jahr zu. Umso wichtiger ist es, dem Kleinverlag mit einem Abonnement eine Planbarkeit zu ermöglichen. Als Belohnung gibt es immer ein Extra (nein, kein Plastik-Gimmick). In diesem Fall eine Broschüre mit der Kurzgeschichte Verhängnisvolle Leidenschaft, einem Schmankerl für Comicsammler*innen.

Beilage Reddition 82

Dazu passen Cindy & Bert mit „Der Hund von Baskerville ” und ein Primitivo eurer Wahl.

© der Abbildungen Cover © 2004, Galerie Daniel Maghen, sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2025

Jacobs/Jacobs, De Moor – Die drei Formeln des Professor Sato

Die Blake und Mortimer Bibliothek 8

Story: Edgar P. Jacobs

Zeichnungen: Edgar P. Jacobs (Teil 1), Bob De Moor (Teil 2)

Originaltitel: Les 3 formules du Professor Sato – Intégrale

Carlsen Comics
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 30,00 €
ISBN: 
978-3-551-01600-3

Cover Die drei Formeln des Professor Sato

Die Diamanten-Affäre, Bd. 7 der Bibliothek, war bei den Leser*innen nicht besonders gut angekommen. Edgar P. Jacobs versuchte daher, wieder mehr Science-Fiction-Elemente in seiner Serie zu verwenden. Allerdings war weiterhin nicht an eine schnelle Veröffentlichung zu denken. Die ersten Ideen zu diesem Zweiteiler entwickelte Jacobs 1967, das Jahr, in dem auch das erste Gespräch darüber mit Greg stattfand. Die ersten Seiten erschienen dann allerdings erst 1971 in Tintin. Der zweite Teil, dessen Szenario bereits zu diesem Zeitpunkt vollständig vorlag, konnte allerdings vor Jacobs Tod 1987 nicht mehr begonnen werden. Es sollte schließlich bis 1990 dauern; dann endlich war der nun von Bob De Moor gezeichnete Band in den Läden.

Androiden in Action

Das Szenario von Edgar P. Jacobs, dessen erster Entwurf immerhin 58 Jahre alt ist, wirkt erstaunlich aktuell. Im ersten Teil der drei Formeln des Professor Sato, Mortimer in Tokio, versetzt zunächst ein mythischer Drache das Land Japan in Aufruhr. Zeug*innen schwören, das Fabelwesen gesehen zu haben, als es eine Flugzeugkatastrophe auslöste. Wir Leser*innen wissen schnell, wer dahintersteckt. Es war eine misslungene Generalprobe für eine neue Art von Androiden. Sie wurden entwickelt von dem Wissenschaftler Sato, der nun seinen Freund Mortimer zu Hilfe ruft.

Dessen Reise verläuft ungemütlich, trachtet man ihm doch ein ums andere Mal ums Leben. Zwar gelingt es ihm, das Anwesen des Professors zu erreichen und sich von ihm in die Hintergründe einweisen zu lassen, er wird aber schließlich doch von Olrik und seinen Kumpanen festgesetzt. Die Bande plant, die zugrundeliegenden drei Formeln zu stehlen und will dafür einen Androiden nutzen, der Mortimer nachgebildet ist.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 33

Auch sein Kollege Blake macht sich schließlich auf den Weg nach Japan, um seinem Freund zu Hilfe zu eilen. Dabei gerät er mitten in die Auseinandersetzung Mortimer gegen Mortimer und muss um sein Leben fürchten. Jacobs konstruiert eine auch heute noch stimmige Geschichte (tatsächlich wird sie erst jetzt durch KI wirklich möglich), die Raum für eine Krimi-Story bietet, Freundschaft und Loyalität thematisiert, und gleichzeitig die Frage nach den Gefahren der bedenkenlosen Technikgläubigkeit stellt.

Der Meister und sein Adept

Der erste Band ist ein weiterer typischer Jacobs. Viel Text, klar durchdachte und akribisch vorbereitete Szenen, allerdings mit langer Vorlaufzeit. Im einführenden Text erfahren wir, dass die in einer Szene auftauchenden Mülltonnen das Projekt um Wochen verzögert hatten, weil Jacobs unbedingt wirklichkeitsgetreue Deckel zeichnen wollte. Sie sahen zwar aus wie amerikanische, es hätte ja aber auch anders sein können.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 36

Der zweite Teil wurde von Bob De Moor gezeichnet. Natürlich kannten sich die Beiden von ihrer Zusammenarbeit mit Hergé und bei Tintin. De Moor war sozusagen der ideale Kandidat für die Nachfolge, er musste sein Werk allerdings unter sehr limitierenden zeitlichen Vorgaben abliefern. Die Kritik ließ an seinen Zeichnungen nicht viel Gutes, ich kann das allerdings nur bedingt nachvollziehen. Ja, es gibt immer ein paar Puristen, denen jede Änderung schon zu weit geht. Mittlerweile haben aber so viele Teams den Figuren ihren Stempel aufgedrückt, dass eine entsprechende Aussage wohl so nicht mehr vertreten werden würde.  Meiner Meinung nach hat De Moor eine solida Arbeit abgeliefert, insbesondere, wenn man die überzogenen Erwartungen und den zeitlichen Druck berücksichtigt.

Das Ende der „klassischen“ Serie

Mit diesem Band geht die Reihe der Hardcoverbände mit Einführung zu Ende, die weiteren Abenteuer sind im Carlsen Verlag weiterhin nur als Softcover geplant. Allerdings sind teilweise Vorzugsausgaben auch bei anderen Verlagen erschienen. Wer nur die neueren Bände kennt, kann hier bedenkenlos zuschlagen. Die Texte helfen beim Verständnis der Hintergründe und des Verhältnisses der beiden Hauptfiguren und sind (größtenteils) auch heute noch gut lesbar.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 37

Auch für die anderen lohnt es sich zu überlegen, geben die einführenden Texte doch auch Fans der ersten Stunde teilweise neue Fakten. Wer noch mehr über die Reihe erfahren möchte, sollte einen Blick in die Reddition 72 werfen oder noch ein wenig auf das für August 2026 angekündigte Lexikon warten.

Dazu passen The Slade mit „Thanks for the memories“ und ein Aberfeldy.

© der Abbildungen 2015 – Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S. A.) |2025 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Reding – ZACK Spezial 16: Jari 3

Jimmy Torrents Geheimnis

Story und Zeichnungen: Raymond Reding

Originaltitel: Le secret de Jimmy Torrent

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe | 18,00 € |

Limitiert auf 555 + 55 Exemplare

ISBN: n/a

Cover ZACK-Spezial 16 - Jari 3

Raymond Reding ist den ZACK-Leser*innen der ersten Stunde natürlich ein Begriff mit Comics aus der Welt des Sports: Section R und Kai Falke waren beliebte Serien und haben auch den Weg in aktuelle Albenausgaben gefunden. Jari ist ein wenig älter und erscheint nun komplett in der ZACK-Spezial-Reihe.

Ist Torrent ein Verräter an seinem Land?

Während heutzutage individuelle Erfolge den größten Wert haben (Grand Slam, Weltrangliste) und selbst olympische Erfolge in Sportarten wie Tennis eher persönlich erinnert werden als national, war die Lage früher anders. Die größte Auszeichnung war es, sein Land im Davis Cup vertreten zu dürfen. Diese Möglichkeit gab es allerdings nur für Amateure, ein Profivertrag war damit nicht vereinbar.

Die Spannung in Jimmy Torrents Geheimnis wird zunächst dadurch geschaffen, dass die Nominierung für dieses Ereignis bevorsteht. Zwar wird das Tennis-Ass auch tatsächlich ausgewählt, sagt auch zu, tritt allerdings kurze Zeit darauf wieder zurück und unterschreibt einen Vertrag als Jugendtrainer für den französischen Verband. Niemand kennt die Gründe für diesen Schritt und selbst Jari, der jugendliche Freund, kann sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen.

Währenddessen verstarben Frau und Tochter des Arztes und Wissenschaftlers, der Jaris Auge operiert und ihm damit die Sehfähigkeit erhalten hatte.  Kann der Mann, der kurz vor einem bahnbrechenden Forschungserfolg zur Bekämpfung der Leukämie stand, mit dem Schicksalsschlag fertig werden? So viel sei verraten: die beiden Begebenheiten hängen zusammen!

Druck ZACK-Spezial 16 - Jari 3
Limitierter Druck zu Jari 3

Routinierter Realismus

Reding ist nicht nur ein ausgezeichneter Geschichtenerzähler, der es immer wieder aufs Neue schafft, seine sportgetriebenen Erzählungen mit krimiartigen Elementen anzureichern, er kann das auch geschickt umsetzen. So wird in diesem Band etwa eine Person über Seiten hinweg so gezeigt, dass zumindest das Gesicht so beschattet ist, dass es nicht erkannt werden kann. Es sind diese Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen Massenware und auch nach Jahrzehnten noch lesbaren Geschichten ausmachen!

Das Layout ist dabei für damalige Verhältnisse sehr flexibel. Während es ein vierstreifiges Grundmuster gibt, werden durch Zusammenfassungen und Teilungen oftmals drei oder fünf Streifen daraus. Und auch die starre Anforderung an rechte Winkel wird ein ums andere Mal aufgebrochen. Die Zeichnungen sind realistisch und beinhalten nicht nur bei den sportlichen Szenen eine hohe Dynamik.

Nostalgie mit Qualität

Manchmal hat man das Gefühl, dass Wiederholungen oder Neuauflagen einfach nur deswegen gemacht werden, weil man nichts Besseres gefunden hat und irgendjemand schon wegen des „Früher war alles besser“-Faktors zuschlagen wird. Jari (und auch die anderen Bände in der ZACK-Spezial-Reihe) haben dagegen eine echte Qualität (in Text und Bild!) und sind deswegen auch heute noch gut lesbar. Sie werden nicht veröffentlicht, WEIL sie alt sind, sondern OBWOHL.

In diesem Sinne ist die Sammlung von Einzelbänden und Reihen als solche sicherlich immer einen Blick wert. Jari verdient aber schon eine besondere Empfehlung, liegt doch ein Jahrzehnte alter Comic über einen Tennis-spielenden Jungen nicht unbedingt im Beuteschema der Meisten! Alle Titel der Reihe sind limitiert, in diesem Fall auf 555 plus 55 Exemplare.

Dazu passen Brògeal mit „Tuesday Paper Club“ und ein französischer Weißburgunder!

© der Abbildungen Le Fureteur SPRL & Raymond Reding – info@bdmust.be | 2025 Blattgold GmbH

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 7

Das Geheimnis der Zone „Z“

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Le mystère de la Zone « Z »

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 20,00 €

ISBN: 978-3-949987-49-6

Cover Bob Morane classic 7

Fast alle Bände der Bob Morane ClassicReihe sind deutsche Erstausgaben, dieser Band ist eine Ausnahme. Als einziger von Gerald Forton gezeichneter Band erschien er 1989 im Feest-Verlag während der Ägide von … genau: Georg F. W. Tempel! Er wurde aber für diese Ausgabe neu übersetzt und layoutet.

Ein außerirdischer Besuch

Wie so oft, wird auch bei Das Geheimnis der Zone „Z“ eine Krimihandlung mit Science-Fiction Elementen vermischt. Mitte des letzten Jahrhunderts ist die Welt zwar noch nicht komplett erforscht, große, überraschende Entdeckungen wie sie Jules Verne, Henry Rider Haggard und andere noch beschreiben konnten, sind aber nicht mehr zu erwarten. Das „Neue“ und möglicherweise „Gefährliche“ muss also entweder eine wissenschaftliche Neuigkeit sein, oder aus den Tiefen des Alls kommen.

Hier verwendet Vernes eine Kombination: Eine unbekannte Legierung ist aus dem Weltall kommend aufgefunden worden. Sie wurde für die Raumfahrt benutzt und weckt nun die Aufmerksamkeit von Kriminellen und Geheimdiensten, um Profit daraus schlagen zu können. Bob Morane und Bill Ballantime wollen mal wieder einer hübschen jungen Frau beistehen und werden dadurch in diese Geschichte verwickelt.

Bob Morane classic 7 page 3

Es geht darum, den Vater der jungen Frau möglichst rechtzeitig zu warnen bevor die Bösen, ein nur durch das gemeinsame Ziel verbundener Haufen, ihn erreicht haben. Dabei ist es fast schon egal, ob der Wissenschaftler wirklich harmlos ist, oder aber im Regierungsauftrag handelt. Es ist wieder eine spannende Story, die den Helden als Retter beschreibt, die Bösen als manchmal witzige, manchmal nur doofe Menschen, und die Technik als etwas, das nur ansatzweise beherrschbar ist.

Strenges Layout, bunte Farben

Der Band verlässt sein strenges, vierstreifiges Layout kein einziges Mal, kommt also sehr klassisch daher. Obwohl das für heutige Lesegenerationen sehr ungewöhnlich ist, schadet es aber nicht, denn die Zeichnungen selbst sind sehr realistisch und dynamisch. Die Bewegung kommt aus den Panels und bedarf keiner „Unordnung“ auf der Seite. Wer einen Blick in den Anhang wirft, wird feststellen, dass Morane auch als Zeitungsstrip funktioniert hat. Genau diese Strenge bei gleichzeitiger Ausdrucksstärke ist auch in den regulären Seiten zu bemerken.

Bob Morane classic 7 page 4

Forton ist ein Meister der Linie und des Kontrastes. Die darauf aufgetragene Kolorierung überdeckt seine Meisterschaft nicht, fügt aber mit den teilweise extremen Farbgebungen eine spannende Komponente hinzu. Teilweise wechseln dabei auch die Farben der Haut und/oder Kleidung zwischen den einzelnen Panel. Für mich ist das aber eher ein nostalgischer Faktor, der dazugehört!

Ein Klassiker in angemessener Aufmachung

Bob Morane ist eine der ZACK-Serien, die dort tatsächlich gar keine großen Fußspuren hinterlassen hat. Tatsächlich gibt es sogar viel mehr Auftritte im aktuellen ZACK als in der Koralle-Zeitschrift. Die Serie hat allerdings aus sich heraus trotzdem genügend Aufmerksamkeit verdient. Ihre Anfänge mit den Zeichnungen von Dino Attanasio und Gérald Forton werden nach und nach komplett in der auf 750 Exemplare limitierten Classic-Reihe, wie gesagt meistens als deutsche Erstveröffentlichung, in der ZACK-Edition erscheinen.

Der Anhang gibt dabei weiterführende Einblicke und präsentiert „Schätze“, die ansonsten hier nirgendwo zu finden sind. Dazu gehören natürlich auch die Cover der verschiedenen französischen Originalausgaben. Vorbesteller der Reihe erhalten vom Verlag Beigaben, eine Anfrage lohnt sich daher unbedingt.

Dazu passen The Courettes etwa mit „Shake!“ und ein Old Pulteney.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Lapière/Bourgne, Benéteau – Michel Vaillant Staffel 2 Band 12

Das Ziel

Story:  Denis Lapière
Zeichnungen: 
Marc Bourgne, Benjamin Benéteau
Originaltitel: 
Michel Vaillant Saison 2 12 – La Cible

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 €

ISBN: 978-3-949987-34-2

Cover Michel Vaillant Staffel 2 12

Fans der aktuellen zweiten Staffel der Abenteuer rund um den Rennfahrer Michel Vaillant haben mehrere Möglichkeiten: Zunächst wäre da natürlich das französische Original, gefolgt von einer zeitnahen niederländischen Albumausgabe. Ungefähr ein Jahr später erfolgt der Vorabdruck auf Deutsch im ZACK und wiederum ein Jahr später die deutsche Albumausgabe. Wer es nicht eilig hat, komplettieren möchte oder aber einfach auf die bessere Ästhetik und die Beigaben nicht verzichten möchte, kann wiederum, allerdings deutlich später, auf das Integral zugreifen.

Die nächste Eskalationsstufe

Wow, was für eine sich steigernde Dramatik in dieser Serie! Anfangs ging es um die wirtschaftliche Seite des Rennsports als Jean-Pierre in eine ihm clever gestellte Falle tapste und die Kontrolle über Vaillante verlor. Wir alle wissen, welche tiefgreifenden Folgen dieser Fehler hatte. Nun müssen die Held*innen mit einer anderen großen Bedrohung fertigwerden. Eine rechtsradikale amerikanische Organisation, die Atomwaffen-Division, hat sowohl die unamerikanische, europäische Firma als Gegner auserkoren als auch den Senator Steve Warson. Und so ist er Das Ziel.

Michel Vaillant Staffel 2 12 page 3

In Pikes Peak waren schon die ersten Ansätze zu bemerken, hier tauchten auch die alten Bekannten um Bob Cramer wieder auf. In Cannonball wurden Michel und sein Kontrahent POG zu unfreiwilligen Teilnehmern eines geplanten Anschlags und endeten sogar im Gefängnis, nun plant die Organisation einen Anschlag mit einer Scharfschützin.

Letzteres ist nicht wirklich ein Spoiler, ziert die Gute doch sogar das extra für diesen Band gezeichnete Cover. Doch der Reihe nach: Steve muss sich entscheiden, ob er dem Wunsch seiner Partei folgt und in das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft einsteigt. Michel und sein Team wollen die 24 Stunden von Le Mans gewinnen, müssen dabei aber nicht nur technische Schwierigkeiten überwinden, sondern auch mit der Gefahr eines Anschlags fertig werden. Und dann gibt es schließlich auch noch eine böse Krankheit, die ebenfalls zu Entscheidungen zwingt. Denis Lapière vermengt wieder Rennsportelemente, Thrillerbestandteile und die gute alte Soap-Tradition zu einer perfekten Melange!

Schnelle Autos, scharfe Waffen

Schon oft waren Bedrohungen Teil der Story und auch Schusswaffen waren durchaus im Spiel. Der Einsatz einer Profikillerin, speziell dafür angeheuert, Steve Warson während eines Rennes zu erschießen, ist aber doch etwas Neues. Diese Dramatik, einerseits die Vorbereitung des Anschlages mit dem Suchen einer perfekten Tarnung in Verbindung mit einer guten Schussposition und andererseits die Trainingsläufe sowie die ersten Wechsel in einem 24-Stunden-Rennen zu kombinieren, ist gut gelungen.

Michel Vaillant Staffel 2 12 page 4

Die Zeichnungen strahlen die Konzentration der Beteiligten, die langsam steigende Spannung und die schlussendliche Entladung aus. Wie immer gibt es leichte Abzüge in der Bewertung der Gesichter. Während die Bewegungen, die Kolorierung und das abwechslungsreiche Layout den Ansprüchen einer sehr erfolgreichen Serie genügen, fällt der Wiedererkennungswert der Kopfpartien etwas ab. Trotzdem eine sehr gelungene Darbietung von Bourgne und Benéteau, die mittlerweile eine große Routine ausstrahlen.

Eine Serie mit langen Handlungsbögen

Der Neustart der Serie hat nicht nur das Setting der Figuren modernisiert: es gibt eine Chefin, Jean-Pierre ist tot, die nächste Generation spielt eine tragende Rolle, sie hat auch eine Änderung des Konzeptes mit sich gebracht. Waren während der ersten Staffel Alben kaum miteinander verknüpft, gibt es nun lange Handlungsbögen über mehrere Alben. Dabei werden mehrere Stränge verfolgt, die das Umfeld, die technische Entwicklung, aber auch den Familienanteil zum Inhalt haben. Auch dieser Zyklus ist noch nicht zu Ende!

Michel Vaillant Staffel 2 12 page 7

Für die Fans der klassischen Serie waren die Änderungen im Zeichenstil anfangs ein großes Thema, mittlerweile ist die Kritik aber deutlich geringer geworden. Ich vermute, dass die meisten sich von der inhaltlichen Qualität haben überzeugen lassen. Michel Vaillant Staffel 2 hat es aber geschafft, auch neue Leser*innen zu begeistern und insofern würde ich mal sagen: Alles richtig gemacht!

Dazu passen Buster Shuffle, etwa mit „Take a Pill“, und ein alkoholfreier „Aperol“ Sprizz.

© der Abbildungen Dupuis 2023 / Lapière, Bourgne, Benéteau / 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 315 (September 2025)

ZACK 315

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 315

Und weiter geht’s mit den Heldinnen auf den Titelbildern – es gibt genügend Serien mit weiblichen Protagonistinnen und es ist gut, das auch mal offensiv zu zeigen. Das September-Motiv des ZACK stammt aus der neuen Serie Wynona von Hans van Oudenaarden (VanO), der bereits mit Rhonda im Magazin vertreten war.

Der Neustart

Erde – Nordamerika – USA, in nicht allzu ferner Zukunft: Ein Mann rennt durch ein Labyrinth aus Gassen, stolpert und sieht sich einem gewaltigen Bären hilflos ausgeliefert. In diesem Moment betritt eine junge Frau das Büro eines abgehalfterten Anwalts, der gerade noch rechtzeitig aus seinem Traum aufschreckt… Es geht darum, einen Native American vor der ihn erwartenden Todesstrafe zu bewahren, in einem sehr polarisierten politischen Klima das fatal an reale Situationen erinnert. VanO eröffnet Das Erwachen des Bären, den ersten Teil der neuen Serie Wynona, grandios: Spannend, aktuell und mit Zeichnungen, die damit spielen, ein wenig skizzenhaft zu wirken.

ZACK 315 page 5

Die Fortsetzungen

Danach geht es noch ein kleines Stück weiter in die Zukunft: ein Virus führt zu einer Rückbildung von Evolutionsschritten da es ähnlich wie CRISPR funktioniert. Die Menschheit reagiert mit Furcht, Ausgrenzung und Gewalt auf die Folgen der Krankheit, doch die Heldin, die Paläontologin Anna Meunier, will sich nicht damit abfinden, dass es weder Hilfe noch Akzeptanz gibt, besonders, da ihr Freund selbst zum Erectus mutiert ist. Sie versucht, den in einem Zoogehege Untergebrachten zu helfen und verlässt den Weg der Legalität. Erik Juszezak hat klassische SF-Motive und die Erfahrungen der COVID-Pandemie verknüpft und eine gut lesbare, realistisch gezeichnete Geschichte daraus gemacht. Für mich ein Kandidat für vordere Plätze in der Jahreswertung!

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Bereits das dritte Mal dabei ist der Relaunch von Julie WoodTödliches Rodeo. Es geht um eine junge Amerikanerin, die den Traum hat, professionelle Fahrerin zu werden. Allerdings gefallen ihrem Bruder nicht alle Mittel, die sie dafür anwenden will. Ein zweiter Strang dreht sich um kriminelle Machenschaften, die bereits ganz zu Anfang ein Todesopfer gefordert hatten. Mittlerweile haben die Gangster die Verbindung zu dem Onkel der Woods gefunden. Eine solide Story von Philippe Pelaez mit für Fans des Originals enttäuschenden Bildern von Claudio Stassi. Zwar werden die Panels von Seite zu Seite besser und aussagekräftiger, kranken aber immer noch ein wenig an mangelnder Dynamik.

ZACK 315 page 49

Der Deadline-Day hat gerade wieder bewiesen, wie verrückt der Markt für den Austausch von Fußballprofis zwischen Vereinen mittlerweile geworden ist. Alte Versprechen geht zwar zeitlich in die Vergangenheit, in die vermeintlich Goldenen Zeiten von 1995, zeigt aber, dass auch damals schon nicht alles „gut“ war. Benito Castanera ist ein Spielervermittler. Sein einziges Juwel ist zum Sportinvaliden geworden, bevor er zum Star werden konnte. Seitdem versucht er verzweifelt, ein neues, williges Opfer zu finden. Seiner aktuellen Hoffnung scheinen allerdings ein paar Qualitäten zu fehlen. Bitterböse Satire von Álvaro Velasco & Iñaki San Román, kongenial in einem leicht verfremdeten Realismus von Pedro Rodríguez umgesetzt.

ZACK 315 page 64

Was hat Jolanne nicht schon alles mitgemacht: Betrogen, geschlagen, zum Tode verurteilt, geflüchtet, gefangen genommen, deportiert nach Indien, dort zur Bordellleiterin aufgestiegen und von ihrem Peiniger wiedergefunden, erneut geflohen, das Gedächtnis verloren, aufgenommen von der Frau des Gouverneurs von Pondicherry und erneut wiedergefunden … Die aktuelle Folge von Rani erlaubt eine kleine Verschnaufpause, droht der Heldin aber ständig mit der Vernichtung, ist sie doch schließlich von einem Gericht Verurteilt! Eine spannende Story mit großer indischer Kulisse von Jean Van Hamme & Alcante mit Zeichnungen von Francis Vallès. Bisher definitiv ein Liebling der Leser*innen.

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Der Abschied

Herr Romanov ist die letzte Kurzgeschichte mit Harry & Platte aus der Feder von Dennis Lapière mit Zeichnungen von Sikorski. Wo die Liebe hinfällt geschehen seltsame Dinge und die bekannten Maßstäbe von richtig und falsch beginnen zu verschwimmen. Aber darf Liebe alles?

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Und sonst?

In den Anfängen des neuen ZACK tauchten zwei Helden auf, die komplett gegen den Strich gebürstet waren: Spoon & White. Auch sie erleben gerade einen Relaunch. Erste Einblicke gibt es in diesem Heft – Bei Gefallen sicherlich mehr davon in diesem Theater …

Dazu Der Ritter, Tizombi und Parker & Badger mit ihren Erlebnissen, die den Leser*innen den Wechsel zwischen den Serien versüßen, und einige redaktionelle Beiträge: Michael Klein über das ZACK vor 50 Jahren, ein Interview mit Isabell Kreitz über ihre neue Graphic Novel und die Verstrickungen während der NS-Zeit sowie eine Einführung in Gunung Darah vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu The Sweet, etwa mit Ballroom Blitz und ein Guinness.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

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