Auch 2019 gibt es wieder eine Übersicht mit ausgewählten Comicawards aus diesem Jahr. Natürlich gibt es noch viel mehr. Wenn ihr einen bestimmten Preis in dieser Übersicht vermissen solltet, nutzt doch bitte die Kommentarfunktion.
2018 ist gerade vergangen, Zeit also um einen kleinen und
sehr persönlichen Rückblick zu wagen:
Relaunch
Comix-online ist mittlerweile 18 Jahre alt, es war also Zeit
für ein weiteres Face-lifting. Im Juli habe ich die schon oft erwähnte
Neufassung der Datenschutzbestimmungen zum Anlass genommen, die Seite komplett
neu aufzusetzen, Design, Kategorien und Inhalte zu überarbeiten und endlich –
wie schon lange geplant – auch den niederländisch-sprachigen Bereich mit dazu zu
nehmen. Ich hoffe, dass ihr mit der Entwicklung zufrieden seid. Ebenfalls im Juli
habe ich einen Facebook-Auftritt als @comixonline gestartet. Wenn ich mir die
Leser*innen, die sich zu erkennen geben, anschaue, glaube ich nicht, dass ein
Instagram-Account Sinn machen würde. Falls doch, postet den Wunsch bitte als Kommentar.
Es gibt im Übrigen von dieser Web-Seite keine Verbindung zu Facebook, es wird
also niemand getrackt.
Neu sind auch die Rubriken mit dem „Klassiker des Monats“ und die Interviews.
Top 5 aus 2018
Da momentan jede*r seine/ihre top-Liste postet, möchte auch
ich nicht zurückstehen. Die Auswahl ist rein subjektiv und folgt keinen Algorithmen!
Die Besprechung wurde am letzten Tag des Jahres online
gestellt, hat es also gerade noch geschafft. Die Gesamtausgabe der klassischen Science
Fiction- und Fantasy-Stories des viel zu früh gestorbenen Ausnahmekünstlers aus
den 50-er Jahren im All-Verlag steht gleichzeitig als Vertreter für viele
lesenswerte Gesamtausgaben in diesem Jahr!
Die Reihe der Interpretationen der klassischen Serie durch wechselnde Künstler*innen läuft bereits seit einigen Jahren und hat bereits viele Höhepunkte hervorgebracht. Dieser Band, der auf Deutsch erst für das kommende Jahr angekündigt ist, erzählt eine mögliche Vorgeschichte zu dem allerersten Auftritt!
Zum 90. Geburtstag der wohl berühmtesten Maus der Welt hat
der Taschen-Verlag eine 6,5 Kilo starke Zusammenstellung aller Filmauftritte
und sich daraus entwickelnder Merchandise und Comic-Produkte auf den Markt
gebracht. Für mich das Sekundärwerk des Jahres!
Und noch ein Spirou-Titel unter den ersten 5! Die Interpretation
von Flix ist nicht nur besonders weil sie von einem Deutschen kommt. Sie ist
auch inhaltlich super gelungen und spielt zu Endzeiten der DDR, enthält
politische Anspielungen und bietet trotzdem Erwachsenen und Kindern ein
Lesevergnügen. Zudem dürften alle Fans von Franquin das heitere
Zitate-finden-Spiel genießen.
Auf Platz 1 und damit mein Favorit des letzten Jahres ein Titel, der auf Deutsch noch nicht einmal angedacht, geschweige denn angekündigt oder erschienen wäre: Der Abschlussband der Kronieken van Amoras erzählt die Geschichte von Krimson, einem sehr undurchsichtigen Charakter aus der Welt von Willy Vandersteen’s Suske en Wiske in einer modernen Neuinterpretation. Legendre und Cambré haben es geschafft, den etwas angestaubten Figuren ein neues Leben einzuhauchen und sie zu Helden in einer Endzeitwelt zu machen! Absolut lesenswert!
R.I.P.
Viele bekannte und weniger bekannte Comickünstler*innen
haben uns dieses Jahr verlassen. Einige davon sollen hier noch einmal erwähnt
werden:
F’murr am 10. April, William Vance am 14.Mai, Frank Giroud am 13. Juli und Edouard Aidans
am 6. September aus dem europäischen Raum sowie
Steve Ditko im Juni, Norm Breyfogle am 24. September und
Stan Lee am 12. November aus dem amerikanischen Umfeld.
Sie alle werden uns fehlen.
Dank
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei euch, den
Leser*innen dieser Seite! Ich hoffe auf ein weiteres, gemeinsames Jahr,
Reaktionen, Vorschläge (und ja, auch Hinweise auf TippfehlerJ).
Ebenfalls ein Dank an einige Verlage, die die Arbeit durch
die Zusendung von Rezensionsexemplaren oder aber wenigstens Lese-PDF unterstützen,
Verlosungsmaterial bereitstellen oder Interviews vermitteln!
Schon zum 19-ten Mal bringt der ICOM sein Jahrbuch heraus
und es ist wieder vollgepackt mit Artikeln über die deutsche Independent-Szene!
Der Interessenverband
Comic, Cartoon, Illustration und Trickfilm e.V. ICOM existiert bereits seit
1981 und bemüht sich darum, Zeichner*innen und Autor*innen ein Forum für
Meinungs- und Informationsaustausch zu bieten um dadurch ihre berufliche Situation
zu verbessern. Der ICOM ist anerkannter Berufsfachverband und bietet für seine
Mitglieder nicht nur Infos sondern auch konkrete Beratung und Hilfestellung.
Ein Baustein dabei ist das Jahrbuch, das gleichzeitig auch als Werbung nach
Außen dient und die sonst eher nicht im Rampenlicht stehende Independent-Szene präsentiert.
Das diesjährige Jahrbuch hat einen ungeplanten Schwerpunkt da es insbesondere in Erlangen auf dem Salon eine Kontroverse um die Besetzungder Jury für den 25. ICOM Independent Comic-Preis gab. Ein Jurymitglied bemängelte die Zusammensetzung als nicht divers genug und bezog sich explizit auf das Verhältnis von Männern und Frauen. In der Auseinandersetzung mit demVorwurf beschäftigen sich einige Artikel mit diesem Vorwurf aus persönlicher aber auch allgemeiner Sichtweise: Beschränkt sich der Vorwurf auf das Verhältnis Mann/Frau oder greift das zu kurz da auch sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Alter, Religion und weitere Kriterien zu berücksichtigen sein. Zudem scheint auch die Möglichkeit genügend Zeit investieren zu können ein nicht zuunterschätzender Faktor zu sein. Möge sich jede*r selbst eine Meinung dazubilden. Meiner Meinung nach ist diese Diskussion wichtig, sollte aber sachlich geführt werden…
Einen weiteren Schwerpunkt bieten die diesjährigen
Preisträger*innen, dient diese Publikation doch auch dazu, die Gewinner*innen
der Öffentlichkeit vorzustellen und ihre Fähigkeiten herauszustellen. Natürlich
gibt es eine Übersicht der Nominierten und die jeweiligen Gewinner*innen der
Sparten „Bester Independent-Comic“, „Bester Kurzcomic“, „Herausragendes
Szenario“, „Herausragendes Artwork“, 2 Sonderpreise und beste*r Newcomer*in. Es werden aber auch Interviews mit den
Preisträger*innen unterstützt durch eine Vielzahl von Beispielen der jeweiligen
Arbeiten und Aus- und Einblicke in die jeweiligen Portfolios gegeben. Alle
Beiträge stehen unter der Leitlinie, dass es hier nicht um Stars geht sondern
um Aktive, die keinesfalls im Scheinwerferlicht der Medien oder des Feuilletons
stehen. Nebenbei kommt aber auch immer wieder ein wenig Stolz zum Vorschein
wenn es darum geht, dass der eine oder die andere in einer Independent-Veröffentlichung
ihre ersten Schritte gemacht haben und sich dann zum erfolgreichen Mainstream
„hoch-“ oder besser weiterentwickelt haben. In allen Beiträgen geht es aber
auch darum, ob und wie sich die jeweiligen zu dem Konflikt verhalten haben und warum.
Auch der Artikel über die holländische Szene hat ein
politisches Thema als Ausgangspunkt: Ist der Umgang mit de zwarte Piet, dem Sidekick für den holländischen Santa, noch
zeitgemäß oder rassistisch konnotiert?
Dieser Teil ist sicherlich in der aktuellen Sekundärliteratur in Deutschland einzigartig. Nirgendwo sonst wird das Thema„Comic“ mit dieser politischen Herangehensweise gesehen. Immer wieder spielen Rassismus (beim Thema Flüchtlinge/Migration oder auch Sklaverei), Sexismus (ja,auch ohne #metoo ein Thema!) oder Kapitalismus eine Rolle, nirgendwo aber miteiner solchen Schärfe und Diskussionstiefe, die an die 80er Jahre erinnert.
Daneben (und eigentlich wohl im Vordergrund geplant) gibt es
eine Reihe von Artikeln über die aktuelle Independent-Szene aus verschiedenen
Blickwinkeln: Welche Arbeitsmittel werden benutzt?, Wo kommen die Ideen her?,
Sind Web-Comic-Erfolge auf Print-Ausgaben übertragbar?, Wieviel Arbeitszeit mit
anderen Dingen brauche ich, um mir Arbeitszeit mit Comics leisten zu können?
Nicht nur für Szenebeteiligte aufschlussreich und unbedingt lesenswert! Oft
erwähnt und mittlerweile für alle bekannt ist, dass man in Deutschland nur sehr
schwer vom Comic-Zeichnen leben kann. Was das aber konkret bedeutet lässt sich
hier wieder einmal anschaulich in konkreten Beispielen erfahren.
Spannend finde ich das Interview mit Eckart Sackmann über Die Deutsche Comicforschung daseinerseits die Verdienste der letzten Jahre würdigt, andererseits aber auch die Probleme (der heutigen Zeit?)mit tiefgründiger Recherche und Analyse beschreibt. Wie viele Autor*innenwollen noch so tief einsteigen und sich wissenschaftlich mit einem Themabeschäftigen wenn es doch auch mit wenigen Zeichen möglich ist? Nebenbei äußerter sich auch über die Zukunft seines Verlages der im Auslaufen begriffen ist.Weitere Artikel des Bereiches „Verlage und Literatur“ beschäftigen sich mit demThema der Definition „Comic“, italienischer Comic-Kunst oder dem Jubiläum des Zwerchfell-Verlages.
Hilfreich ist sicherlich die Ankündigung der Neuauflage des ICOM-Ratgebers „Honorare, Verträge, Urheberrecht“ von Christof Ruoss, Frank Pfeiffer und RA Martin Boden, die schon in ihrer Kurzform nützliche Informationen liefert. Gerade für„nebenbei“ Tätige oder Neulinge ist das einer der Fallstricke, der sehr teuer werden kann. Dazu gibt es Einblicke in verschiedene Geschäftsmodelle, Versicherungen und Berufsverbände! (ISBN 978-3-88834-924-9; 208 Seiten; 20,-€)
Mit diesen Preis überhaupt keine Frage: Auch wenn Teile des
Inhalts sicherlich nicht für jede*n von Interesse sind, bietet das Jahrbuch für
alle, die mehr wollen als bunte Bilder zu konsumieren, genügend Lesestoff,
Einblicke mit vielfältigen schwarzweißen oder farbigen Illustrationen in die
aktuelle Szene und Hilfestellungen und sollte daher in keinem Bücherschrank
fehlen.
Dazu passt No Respect – Excuse my smile am besten! Unterstützung
bietet ein Rotwein (und wem hierzu ein alter Spontispruch einfällt sei
gegrüßt!), gerne auch vegan. Für die Infoteile und die Interviews wäre auch ein
starker fairgehandelter Kaffee nicht zu verachten.
Wer hat noch mal welchen Preis gewonnen? Manchmal ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Als Service für euch daher nach Jahren gegliedert hier eine – ständig aktualisierte – Übersicht der wichtigsten Comic-Preise. Wenn ihr der Meinung seid, dass ein Preis fehlt, ergänzt ihn bitte über die Kommentarfunktion.
45° Festival International De La Bande Dessinée Angoulême