Kleist/Meissner – Berlinoir GA

City of Blood

Story: Reinhard Kleist

Zeichnungen: Tobias O. Meissner

Originalausgabe

Carlsen Comics
Hardcover | 176 Seiten | Farbe | 30,00 € | ISBN: 978-3-551-80915-5

Cover Berlinoir

Ursprünglich ist Berlinoir bereits vor 13 Jahren erschienen, manchmal haben aber Verfilmungen den großen, positiven Nebeneffekt, dass zu ihrem Start auch die Vorlage wieder erscheint. Genau das ist hier passiert: der dreiteilige Comic-Roman läuft aktuell als Hulu-Serie auf Disney+ unter dem Titel City of Blood!

Die Stadt der Vampire

Berlinoir ist eine moderne Großstadt wie viele andere und doch vollkommen anders, denn sie „gehört“ Vampiren. Nach jahrhundertelanger Verfolgung haben es die Geschöpfe der Nacht geschafft, aus der Rolle der Verfolgten in die der Herrschenden zu wechseln. Sie stellen die Regierung, die Verwaltung, die offiziellen und inoffiziellen Sicherheitsorgane und erwarten von jeder Person, die in der Stadt leben will, eine „Blutspende“ genannte Abgabe.

Da die Vampire ewig leben, haben sie genügend Zeit gehabt, Seilschaften aufzubauen, eine Hierarchie zu etablieren, und alte Rechnungen aufzubewahren. Die „ersten“ Familien haben dabei ein reines Blut und fühlen sich dementsprechend nicht so „entartet“ wie diejenigen, die immer wieder mit menschlichem Blut „verdünnt“ worden sind. Natürlich gibt es auch Rebell*innen, die dagegen aufbegehren. Eine Gruppe schafft es sogar in einer Allianz mit einer unzufriedenen Vampirin den Herrscher auszuschalten.

Berlinoir page 5

Wie so oft bei solchen Aktionen ist die Folge eine um so heftigere Antwort der Diktatur. Eine Fraktionierung führt sogar zu einer Teilung der Stadt in einen Nord- und Südsektor. Welche Strategie wird gewinnen: die brutale Vernichtung oder das aufgrund der Unsterblichkeit machbare Aussitzen? Oder doch die Rebellion? Reinhard Kleist spielt mit geschichtlichen und literarischen Klischees und hat eine Story geschaffen, die fast schon ein Drehbuch ist.

Horror in vielen Facetten

Tobias O. Meissner greift mit seinen Panel und den Seitenkompositionen in die Vollen. Er hat drei Grundthemen zu bewältigen: Den tristen, ausweglosen Alltag, insbesondere unter der späteren Militärdiktatur, die Kampfbereitschaft der Rebell*innen und die Mischung aus Gewaltfantasien, Langeweile und eiskalter Berechnung in der herrschenden Schicht der Vampire. Der Alltag wird bestimmt durch überzogene Gewalt, aber auch durch die Frage, was man aufzugeben bereit ist für das höhere Ziel!

Berlinoir page 8

Vor allem die Splash-pages sind blutig und zeigen den Horror in verschiedensten Facetten. Der nach einem Anschlag als Einziges übriggebliebene Kopf bekommt wieder einen Körper und ein Gesicht, das ist wunderbar gelöst! Der Strich ist rau und passt zu der Stadt und dem Thema. Ein krasser Gegensatz zu Babylon Berlin, aber vor allem in Kombination eine unbedingte Empfehlung!

„Schaut auf diese Stadt“

Berlin ist und bleibt etwas Besonderes mit seiner Kultur, seiner politischen Geschichte und seiner durch einen Schmelztiegel erzeugte Bevölkerung. Es ist unschwer zu erkennen, welche beiden Diktaturen Pate für die Vampirfraktionen gestanden haben und es ist schön zu sehen, dass dieses bitterböse Horrorstück nicht einfach in Vergessenheit geraten ist!

Berlinoir page 9

Wer Berlin mag, sollte einen Blick riskieren, darf allerdings vor Gewalt nicht abgeschreckt werden. Das Stück und vor allem seine Zeichnungen sind sicherlich nichts für Kinder, setzen Gewalt aber nicht als Selbstzweck ein, sondern verdeutlichen damit die Umstände. Wer Vampirromane mag (jetzt mal von Dark Romance-Fans abgesehen) ist hier sicherlich auch richtig! Insofern fast schon ein Must Have. Und wer Reinhard Kleist bisher nur von Lucky Luke oder David Bowie her kannte, wird hier eine neue Seite entdecken können!

Dazu passen The Dead South mit “Massacre of El Kurote” und ein Imperial Stout Eurer Wahl.

© der Abbildungen Carlsen Verlag GmbH 2026, 2026 Disney Enterprises, Inc.

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