Krazy Kat ist ein Comic aus der Frühzeit der
Zeitungsstrips von George Herriman. Er erschien von 1913 bis 1944 in den
Zeitungen des Hearst-Gruppe und gehört aufgrund seines anarchistischen Humors
und seines surrealistischen Stils zu den Lieblingen des Feuilletons, war zu
seiner Zeit allerdings nicht unbedingt extrem erfolgreich. Dementsprechend
unvollständig ist die Liste der erhaltenen Bildfolgen.
Joel Franusic hat es sich zur Aufgabe gemacht,
bisher unbekannte Veröffentlichungen dieses Strips mit Hilfe von Machine
Learning ausfindig zu machen und der Öffentlichkeit sowohl seinen Weg (inclusive
Code) als auch die Fundstücke
anzubieten.
Der Artikel lohnt sich schon alleine wegen des
Praxisbeispiels, wie viel menschliche Arbeit hinter der künstlichen Intelligenz
steckt, die dann allerdings die Fleißarbeit verrichtet, die ansonsten
unbezahlbar wäre.
Im Mittelpunkt der 13. Ausgabe der StripGlossy
aus Leens bei Groningen steht der italienischstämmige Dino Attanasio. Attanasio arbeitete zunächst in Italien in
der Zeichentrickfilmbranche, emigriert aber schon 1948 zusammen mit Vater und
Bruder nach Brüssel. Nach kurzer Zeit wechselte er von dem Zeichentrickfilm zum
unbewegten Comic. Da Belgien (mindestens) zweisprachig ist, kommt er dort auch
ohne Kenntnisse des Holländischen gut zurecht und wenn es doch einmal von Nöten
ist, übersetzt seine Frau.
Dino Attanasio
Dino Attanasio hat nie den Sprung in die erste Reihe der frankobelgischen Künstler*innen geschafft; umso mehr bleibt jetzt (wieder) zu entdecken. Seine Comic-Karriere began zunächst bei Spirou/Robbedoes doch schon bald erfolgt der Wechsel zu Tintin/Kuifje wo er unter anderem Ton en Tineke (auf Deutsch Mausi und Paul) von André Franquin übernimmt. Daneben entwickelte er Bob Morane und zeichnete nach Texten von René Goscinny den Funny Spaghetti. Ab 1964 kommen dann der Detektiv-Funny Johnny Goodby nach Szenarios u.a. von Martin Lodewijk für Pep/Eppo und gegen Ende der 60-er Jahre die Serie „Macaroni’s“ über einen italienischen Fußballverein im Spannungsfeld der (amerikanisch/italienischen) Mafia. Letztere erschien in Deutschland in dem Taschenbuch 1.FC Fußball & Comic, das die Möglichkeit bot, die Bundesligaergebnisse einzutragen und sich daher bei Jungen einer großen Beliebtheit erfreute.
Dino Attanasios Serien stehen aber fast noch mehr im Licht dieser Ausgabe. Schon das Titelbild
ist eine Hommage von Danier (d.i. Daan Jippes) an die Serie Spaghetti und es folgt im Heft noch ein
aktueller Vierseiter von Jippes nach
einem Text von Frans Hasselaar.
Daneben gibt es aber aus der Originalserie die (Sjors-)Einführungsseite von 1974 sowie die dort referenzierte erste
Geschichte. Und da die Liebe (auch zu einer Comicfigur) ja bekanntlich durch
den Magen geht, ermöglicht man den Leser*inneneinen ersten Einblick in das Ende
des Jahres erscheinende Stripkookboek
mit einem Rezept für Entenbrust in Limoncello!
Auch die Macaroni’s bekommen ihre Neuinterpretation, gezeichnet und getextet von Dick Matena. Zum Schluss darf natürlich auch Johnny Goodbye nicht fehlen: Neben dem Reprint einer Originalseite von Attanasio dürfen Robbert Damen und Michiel Offerman ihre Version zum Beste geben. Moderner, den Ton aber treffend!
StripGlossy bietet damit eine umfangreiche Mischung aus Informationen über den
Künstler Dino Attanasio und Comics
entweder von ihm selbst oder aber von anderen als Hommage ausgestaltet. Die
informativen Beiträge sind dabei sowohl als Interview als auch als Artikel gestaltet
und daher wiederum sehr abwechslungsreich. Durch diese ergibt sich ein gutes
Bild des Wahlbelgiers. In den meisten Magazinen gibt es oft entweder nur das
Eine oder das Andere und das alleine ist schon ein Grund, diese Ausgabe zu
kaufen (auch für diejenigen Leser*innen ernst gemeint, die des Niederländischen
nicht soo mächtig sind).
Die Comics
Wie gehabt enthält das StripGlossy aber auch eine ganze Reihe an anderen Comics. Das Spektrum reicht dabei von Ein-Bild-Karikaturen über klassische Strips wie Gilles de Geus, der großartige de Generaal oder Tom Poes und aktuelle Helden wie Beterman (von vanO, dessen Serie Rhonda in ZACK publiziert worden ist) über die regelmäßigen Serien wie FFlint (eine Detektivgeschichte von Ger Apeldoorn und Fred de Heij), Saul (eine Storm-ähnliche Serie von Willem Ritstier und Apri Kusbiantoro), den Noir-Krimi Nick Name von Alex van Koten und die Kreuzfahrergeschichte Jelmer von Josse Pietersma und Roelof Wijtsma.
Dazu kommen noch kürzere, von Artikeln begleitete Comic-Seiten etwa von den WiRoJas, Claire oder sogar einer Disney-Geschichte. Wer einen Überblick über die Entwicklung der Neunten Kunst in unserem Nachbarland abseits der Standaard Uitgeverij gewinnen möchte, kommt eigentlich an StripGlossy nicht herum.
Insgesamt also wieder 132 Seiten prall gefüllt
mit aktuellen und klassischen Comics aus dem Niederländisch-sprachigen Raum (bzw.
in der entsprechenden Übersetzung), Artikeln, Interviews und News über das
aktuelle Geschehen, ein paar weiterführenden Anzeigen die mehrere Stunden
lesevergnügen bereiten sollten und sich zudem auch noch für das Archiv eignen!
In Kürze erfahrt ihr mehr über das StripGlossy und das neue Albenprogramm der
Herausgeber auf comix-online – stay tuned!
Dazu passen ein eisgekühltes Peroni und italienischer Ska von Banda Bassotti.
Warum sollen Klassiker immer verstaubt und alt sein? Sie
können auch als relativ neue Werke einen Themenkomplex so gut darstellen, dass
anderes daneben verblasst. So ist es mit der autobiographischen Geschichte von
Tobi Dahmen aus der Anfangszeit der deutschen Mods. Natürlich gibt es über
dieses Genre auch andere Comics, etwa Blue
Monday von Chynna Clugston-Majors
oder die nur auf Englisch erhältlichen Kindergarten
Kids, aber keiner davon ist so treffend. Überhaupt gibt es wenige Bücher
über Subkulturen, die eine persönliche Note glaubhaft rüberbringen und nicht
von Stars handeln. Dazu gehören etwa die Dorfpunks
oder Ostkurve/Kein Weinfest in Tenever.
Aber von Anfang an: Die Modernists oder Mods waren eine aus England auf den Kontinent exportierte Jugendbewegung aus der Arbeiterklasse. Während sie einerseits Prügeleien nicht abgeneigt waren, legten sie andererseits viel Wert auf stilvolle Kleidung für ihre Beat- und Soul-Nighter und motzten gerne ihre Roller mit allem auf, was der Spiegelladen hergab. Später kam als Musikrichtung der Ska hinzu und während ein Teil der Mods immer mehr zu Konsumenten synthetischer Drogen wurde, entwickelten sich auf der anderen Seite über den Zwischenschritt der Hardmods die Skinheads. Gemeinsam ist ihnen, dass sie keine rassistischen Vorurteile hatten (wie auch, wenn fast alle verehrten Musikern nicht Weiß sind?) und dass sie Rock’n’Roll, Rocker und Teddieboys (sowie natürlich Popper) verabscheuten. Das soll zur Einführung genügen.
Die Geschichte
Tobi, bzw. der Held in seiner Graphic Novel, beginnt bereits
als Schüler mit seiner Modkarriere. Es ist nicht einfach, alle Styleregeln zu
befolgen und fast noch schwieriger, auch treffsicher den richtigen Musikgeschmack
zu haben. Trotzdem bietet die kleine Gruppe Rückhalt, Zusammengehörigkeit und
die Aussicht auf viele Partys, Alkohol und nicht zuletzt auch Mädchen.Da das
Geld für einen Roller nicht langt, muss allerdings ein Fahrrad als Ersatz genügen.
Es zeigt sich, dass die Gruppe nicht immer da ist, und dass es trotz Gruppe durchaus mal einen Stärkeren geben kann. Es gibt auch immer mehr Boneheads und dementsprechend weniger Fun. Außerdem wird der Held langsam aber sicher älter und stellt sich die Frage, ob es das wirklich noch so ist. Nicht die Attitude, nicht die Musik und nicht die Freunde aber die Ausschließlichkeit des Ganzen.
Jahre später kommt es zu einem Revival und fast alle sind
wieder da. Es ist schön, aber trotzdem vergangen und lässt sich nicht
zurückholen. Die Jugend hat ihre Zeit, aber sie vergeht.
Der Künstler
Trotzdem ist es wichtig und richtig, seine Wurzeln nicht zu
vergessen oder zu verleugnen und so zeichnet Tobi Dahmen nicht nur den
Fahrradmod sondern auch z.B. für das alljährliche Skafestival in Roslau und für
einschlägige Plattenlabel. Wie es die Redskins
sagen würden: Keep on keepin on! Das größte Kompliment habe ich übrigens von
einem gehört, der damals wirklich dabei war: Ja, so war’s!
Der Comic ist im Din-A5-Format ein echter Schinken und in mehrere Teile aufgeteilt. Die Zeichnungen sind persönlich. Es gibt nur die wichtigen Details, es ist also sehr reduziert und auch auf Farbe hat der Künstler verzichtet (was besonders ungewöhnlich ist, handelte es sich doch ursprünglich um einen Webcomic). Die Seiten sind entweder klar strukturiert oder bilden überlappende Bilder, die ein Ganzes ergeben.
Für alle, die mit der Thematik nicht so vertraut sind gibt
es ein ausführliches Glossar mit Erklärungen zu allen Feinheiten und einen
Soundtrack mit passender Musik.
Dieser Band sollt in keinem Comicschrank fehlen, wenn es um
Comics aus Deutschland geht, um Musik oder Subkultur oder einfach auch nur um
den Spaß in der Jugend.
Ich empfehle dazu ein Guinness und die letzte Scheibe des zu
früh verstorbenen Rankin‘ Roger mit The Beat: Public Confidential.
Das Jubiläumsheft mit der Nummer 241 ist da
und hat wahrlich Glückwünsche verdient! Für Abonnenten hat es ein Retro-Cover
im Stil des „alten“ ZACK, für die Neugierigen ein Interview mit dem aktuellen Chefredakteur
Georg F. W. Tempel (ein weiteres
findet sich hier)
und für die Michel Vaillant-Fans hat das Team zwei bisher auf Deutsch noch
unveröffentlichte Werbecomics des Rennfahrers bereit. Eine Bibliographie der
bisher bekannten Werbecomics findet sich übrigens in der Sprechblase 235. Aufgrund dieser beiden Schätzchen ist das Heft zusätzlich
auch noch dicker und hat einen Umfang von 100 Seiten, allerdings ohne den Zusatz
Super-ZACK zu tragen.
Zurück in das Jahr 1999
Ein kleiner Rückblick auf das Jahr 1999: Als Leser des alten ZACK war ich begeistert zu hören, dass es das Magazin wieder geben sollte. Die erste Schwierigkeit bestand darin, es auch erwerben zu können, denn meine Kleinstadt beherbergt zwar mehrere Zeitschriftenläden und einen kleinen Bahnhof aber weder einen Comicshop noch einen Bahnhofsbuchhandel Also auf in die nächste Großstadt um das Gerücht zu verifizieren und so schnell wie möglich ein Abo abschließen… Am Anfang atmete das Heft Nostalgie ein und aus. Alle vorherigen Versuche, in Deutschland ein regelmäßiges Heftchen mit Fortsetzungsgeschichten im frankobelgischen Umfeld zu lancieren, waren gescheitert aber nun schien die Mischung aus alten Helden (Heldinnen gab es nicht so viele, sie sollten erst im Laufe der Zeit dazu stoßen) und neuem Material zu funktionieren. Der Name brachte sicherlich erst einmal eine große Aufmerksamkeit und den einen oder anderen Nostalgie-Käufer und so konnte sich das Ganze entwickeln.
20 Jahre später gibt es das Heft immer noch monatlich mit einer Mischung aus vier bis fünf Serien, Kurzgeschichten oder One-Pagern und einer Menge an Informationen rund um die Neunte Kunst. Der Umschlag ist wieder stabiler, das Papier ist gut und selbst die Transportverpackung ist nun regenfest! „Klassische“ Inhalte und den ZACK-Helden des Jahres gibt es immer noch und dass die Geburtstagsüberraschung unveröffentlichte Michel Vaillant-Stories sind, ist ein Zeichen dafür. Das ZACK hat sich aber längst emanzipiert und bietet viel mehr als einen nostalgischen Cocktail.
Das aktuelle Heft
Harmony, das Mädchen mit den unglaublichen Kräften ist zurück. Während sich das erste Abenteuer noch in geschützter Umgebung abspielte, ist sie jetzt Insassin einer überwachten Forschungseinrichtung. Wir erfahren, dass es andere Kinder mit Mutationen gegeben hat. Die Überlebenschancen der Mutationsträger sind aber nicht klar. Mathieu Reynès entwirft seine Seiten üblicherweise klar gegliedert, lässt aber auch zu, dass Emotionen wie Verwirrung und Unsicherheit das klare Seitengebäude verschwinden lassen. Die Geschichte ist erst einmal für Teenager, die nicht wissen, was sie können und mit der Pubertät umgehen müssen, hat aber auch einen Mystery- und sogar leichten Fantasy-Touch. In Frankreich hat diese Serie bereits ein großes Publikum.
In „Die
Flügel des Herrn Plomb“ treffen die verschiedenen Geheimdienste aufeinander
und die Verwirrung des Wer-mit-Wem fängt an, sich aufzulösen. Christophe Gibelin scheint es
tatsächlich hinzubekommen, alle Fragen zu beantworten und liefert mit dem
dritten Teil des siebten und letzten Bandes gewohnt solide Kost ab.
Bei Haute Cuisine dürfen wir uns von der Vorspeise bereits wieder verabschieden. Der Ausflug in die Sterneküche und ihre Niederungen aber auch Gefahren hat Spaß gemacht und die Hauptspeise wird im Hintergrund bereits vorbereitet… Immerhin bietet das letzte Panel einen schönen Cliffhanger.
Auch Marvano ist längst kein unbekannter mehr und überzeugt mit seinem klaren, schnörkellosen Stil. In Bonneville verzichtet er sogar auf Sprechblasen und bringt sämtlichen Text in Kästen unter. Die Geschichte der Hochgeschwindigkeitsstrecke auf dem großen Salzsee ist sicherlich nicht für jeden von gleichem Interesse, schafft es aber, viele Fakten ansprechend zu vermitteln und nimmt dadurch auch nicht-Motorsportbegeisterte mit.
Mit einem solchen endet auch die Story von Sylvain Rumberg, die neue Inhalte zur Millenium-Saga hinzufügt. Lisbeth Salander und „Super Blomkvist“ haben jetzt erst mal
Zeit um ihre Wunden zu lecken. Der schwedische Geheimdienst und die Rechtsradikalen
haben ihre Karten gespielt aber sie scheinen die Beiden nicht zum Schweigen
gebracht zu haben. Die Zeichnungen von Ortega
sind rau, schnell und temporeich. Der Mund ist teilweise etwas
verbesserungsfähig aber der Stil passt perfekt zu dem harten Thriller-Topic.
Last but not least gibt sich der Rennfahrer Michel Vaillant gleich drei Mal die Ehre. Zum einen muss er sich in der Inkarnation der neuen Staffel Macau gezeichnet von Benéteau mit den familiären Problemen herumschlagen die Phillipe Graton und Denis Lapiére entworfen haben, zum anderen kommen zwei bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten zum Abdruck: Photo-Finish von 1974 warb für eine Rennstrecke (Niveller-Baulders) und lebt vom Geruch der Motoren, Vorteil Thalys von 1997 stellt dagegen eher die Intelligenz und Cleverness von Francoise Vaillant in den Vordergrund. Damit stellt sie sogar Cramer und Payntor ins Abseits.
Variantcover
Dazu passen ein Sampler, etwa aus der Reihe „Up
your Ears“ und zur Feier des Tages ein trockener Sekt!
Der am 6. September 2018 verstorbene Belgier Edouard
Aidans war einer der Zeichner, die zunächst entweder in Tintin oder dem Konkurrenzprodukt Spirou veröffentlicht hatten, dann aber
vom Hamburger Koralle-Verlag abgeworben worden waren. Das „alte“ ZACK hatte eine Zeitlang so hohe
Verkaufszahlen, dass eine internationale Expansion erfolgversprechend schien.
Sehr zum Leidwesen der deutschen Leser*innen, vor allem aber der Künstler, die
auf das Angebot eingegangen waren, hielt der Hype nicht lange genug. So musste
auch Aidans reuevoll zu Tintin bzw. Le Lombard zurück, wurde dort allerdings
auch mit offenen Armen empfangen.
Mehr zu den Hintergründen dieser Geschichte findet sich im von Volker Hamann redaktionellen Teil dieses Integrals. Natürlich gibt es auch in diesem Teil wieder viele zusätzliche Illustrationen und Artikel über Aidans und Tunga. Die Besprechung zum dritten Teil bietet ebenfalls noch weitere Informationen zur Serie und zu ihrem Schöpfer.
Die
ZACK-Ära
Ab 1978 produzierte Aidans für den Koralle-Verlag vier Kurzgeschichten, die
inhaltlich eine fortlaufende Einheit bildeten und in der ZACK-Parade zum Abdruck kamen. Die ersten drei Teile wurden dabei
auch in den internationalen Ablegern Super
As, Wham! und Super J publiziert
sowie unter dem Titel „Der Feuermacher“
in die Albenausgabe integriert. Die letzte, 1979 in der ZACK-Parade 35 erschienene Story „Im Tal der Dämonen“, brauchte fast 20 Jahre um in einem
französischen Fanzine auf schwarz-weiß abgedruckt zu werden, schaffte es aber
weder in ein Album noch in das Integrale von Joker Editions.
Alle Geschichten sind von Aidans nach dem altbewährten Muster geschaffen: Obwohl ursprünglich für das kleine Taschenbuchformat konzipiert können sie ohne Verlust in das größere Magazin-/Albenformat ummontiert werden wobei jeweils zwei kleine eine große Seite ergeben. Man kann die Meisterschaft des Künstlers dabei nicht zu hoch einschätzen, denn das Layout erzählt die Geschichte genauso wie der Text und dieses so anzulegen, dass es ohne Abstriche in zwei unterschiedlichen Aufbauten funktioniert ist hohe Kunst!
Inhaltlich geht es darum, dass Tunga, Ohama
und Nooun in einem mysterienhaften Szenario auf ein unbekanntes Objekt stoßen.
In einer Höhle in der Nähe treffen sie auf einen „Guru“ der Nooun die Gabe
schenkt, mit Hilfe von Flintsteinen Feuer zu entfachen.
Zeichnerisch hat Aidans keine seiner Qualitäten verloren. Ob die Raptoren aber wirklich
notwendig waren möchte ich bezweifeln. Wer weiß, von wem die Idee dazu kam,
möchte dieses bitte im Kommentarfeld unten vermerken.
Rückkehr zu
Tintin/Kuifje
Das ZACK
war Geschichte und bis zum nächsten Ausflug in die Zeit vor 100.000 Jahren
sollte es bis 1983 dauern: Mit „Die
verlorene Fährte“ kehrte der Belgier triumphal auf die Seiten des
angestammten Magazins zurück und präsentierte einen moderneren Helden.
Wieder einmal werden Tunga und Ohama getrennt und müssen ihre eigenen gefährlichen Situationen bewältigen. Dazu gehört auch der jeweils emotionale Konflikt der Sorge um die andere Person. Der Zeichenstil ist viel freizügiger, raumgreifender und dynamischer, natürlich auch aufgrund der Befreiung von den Zwängen zur Doppelverwendung. Auch die Kolorierung ist offensiver und überdeckt teilweise sogar Details der Zeichnungen, ermöglicht aber eine zusätzliche Ausdruckskraft gerade für emotionale Darstellungen. Auch die von Aidans (und seinem Vorbild Hogarth) schon immer eingesetzte Schraffur wird noch einmal feiner und lässt mich fast wünschen, es gäbe den Comic zusätzlich auch in einer nicht-farbigen, unverfälschten Version. Vielleicht findet sich ja tatsächlich genug Nachfrage?
„Die
letzte Prüfung“ von 1984 beendet diesen Band mit einer erneut stark
besetzten Frauenrolle. Tunga erlebt ein Soloabenteuer auf einer Insel, die von Amazonen
bevölkert ist. Dort gibt es eine sehr kämpferische Frau namens Ulcha und eine
eher bedächtige, heilende Ilcha. Unser Held braucht relativ lange, bis er
erkennt, dass es sich tatsächlich nur um zwei Ausdrucksformen der gleichen Person
handelt. Obwohl hier die Action durchaus im Mittelpunkt steht, wäre es
verkehrt, die Erzählung darauf zu reduzieren.
Aidans
gelingt es immer wieder, das prähistorische Setting zu benutzen um allgemeingültige
Handlungsweisen positiv zu beschreiben: Planung, Vertrauen, Teamgeist und der
Wille, gemeinsam zu Lernen sind die Facetten menschlichen Verhaltens die den Sieg
und das Überleben in der Urzeit ermöglichen und auch heute noch gebraucht
werden. Insofern ist Tunga sicherlich auch „ein Klassiker“, trotzdem aber weder
angestaubt noch altmodisch!
Es wäre daher dem Comic und dem Verlag zu
gönnen, dass die Serie nicht nur von ein paar alten Knackern die mittlerweile
ihre Kindheitserinnerungen in guter Qualität neu erstehen können gekauft wird
sondern ein breites Publikum findet. Verdient hat es gerade diese Phase der
Serie allemal!
Es gibt übrigens auch wieder eine (verlagsvergriffene) Vorzugsausgabe, dieses Mal mit drei Ex Libris als Bonus für die Produktionsprobleme.
Dazu passen ein Getränk auf Mangobasis und als
Gegenpol etwas Industrial oder etwa die Einstürzenden
Neubauten.
Catwoman
ist eine typische Vertreterin für die Art von Held*innen, die es mit ihrer
Serie in Paperbackform mal schaffen, die geforderten Absatzzahlen zu erreichen
und mal nicht. Nach dem letzten Versuch von 2012, der immerhin 9 Bände
schaffte, ist Selina Kyle jetzt also wieder solo unterwegs.
Die Geschichte startet direkt nach der Flucht vor der Hochzeit und wird sowohl geschrieben als auch gezeichnet von Joëlle Jones, die auch für das Hochzeitskleid der Katze verantwortlich war.
Selina
hat Bruce verlassen, weil sie Gotham und der Welt ihren Beschützer nicht entreißen
wollte und Gotham, weil sie es in Bruce Nähe nicht ausgehalten hätte. Sie ist
daher nach Kalifornien gegangen um in der Stadt Villa Hermosa neu anzufangen. Natürlich ist sie in bestimmten
Kreisen auch dort längst keine Unbekannte mehr und so muss sich Selina in
rasanten Actionszenen sowohl mit der Polizei als auch mit der Organisierten
Kriminalität im Umfeld der Politik auseinandersetzen.
Ersteres schafft sie in gewohnter Routine noch ziemlich gut, letzteres wird deutlich schwieriger, denn ihre Gegnerin ist die Mutter des Gouverneurs, Rania Creel. Ms. Creel hat alles legale und Illegale gegeben, um ihrem Körper ein jüngeres Aussehen zu verleihen und klebt mit allen Mitteln an der Macht. Sie lässt Catwoman ausrichten, dass sie entweder in der Creelschen Organisation arbeiten könne, verschwinden oder sterben. Schon aus dramaturgischen Gesichtspunkten bleibt natürlich kein anderer Ausweg als dem Kampf zu akzeptieren! Die Katze bekommt es daher mit einer großen Anzahl von als Catwoman verkleideten Kriminellen zu tun…
In
einer parallelen Storyline geht es um Selinas Schwester, die an einen Rollstuhl
gefesselt und unter starken Medikamenten scheinbar nichts mehr von ihrer Umwelt
mitbekommt. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Bedingungen nicht radikal
verändert werden können.
Das Artwork
Joëlle Jones hat einen etwas nervösen Strich. Gesichter, Körper und Umgebung werden mit kleinen Linien konturiert und bekommen so ihren speziellen Look. Die Zeichnungen wirken dadurch erwachsener und härter und unterstreichen das mafiöse Szenario perfekt. Der Unterschied zwischen echter Realität und gezeigter „TV-Realität“ gelingt Jones und Blanco auf geniale Weise und je mehr Fake abblättert, umso nervöser werden die Darstellungen. Den Kampf der Katzenkostüme meistert sie mit einem schönen Trick, denn tatsächlich sind die Verkleidungen der Copycats nicht 100% identisch mit dem Original.
Wert
des Anschauens sind im Übrigen sowohl die regulären Cover von Jones als auch die Variants von Stanley Lau, der fast fotorealistisch
malt.
Auch von der Geschichte her macht dieser Neustart einiges her: Catwoman bleibt ihrer Ambivalenz zwischen Gut und Kriminell treu. Unrecht, Machtmissbrauch und Straßengewalt wird sie niemals akzeptieren und beginnt daher auch in ihrer neuen Umgebung fast unverzüglich für ihre Art des Lebens einzustehen. Ihre Gegner*innen sind keine Superwesen, keine Dämonen oder Magier sondern ganz normale Kriminelle und der Seitenhieb auf die Verstrickung von Politik und Kriminalität ist deutlich. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie dieser Ausrichtung noch ein Weilchen folgt!
Natürlich gibt es für die Sammler*innen auch wieder ein limitiertes Variant im Hardcover.
Dazu passen ein Whiskey Sour und Soul! Warum nicht mal wieder Aretha Franklin?
Hugo
Pratt ist einer der bekanntesten Comicschaffenden
Europas, gleichzeitig sperren sich viele seine Werke der einfachen Rezeption.
Ende der 60-er Jahre wurde in Italien mit Sgt. Krk ein Comic-Magazin
ausschließlich zu dem Zweck, Pratts Werke
publizieren zu wollen, gegründet. In den 70-ern veröffentlichte Pratt Millionen-Auflagen in Frankreich
und Italien und war gleichzeitig der einzige Autor, dessen Geschichte im
damaligen ZACK noch während des Abdrucks des ersten Bandes von Corto Malteses Südseeballade abgebrochen
werden musste.
Aktuell sind sowohl bei Schreiber & Leser mustergültige Ausgaben von Corto Maltese (in Schwarz-Weiß und in Farbe) und anderen Titeln aus der Zeit in Italien als auch z.B. beim avant-VerlagEternauta oder Ticonderoga aus seiner Zeit in Argentinien erhältlich.
Über den 1995 gestorbenen Ugo Eugenio Pratt ist bereits viel geschrieben worden, zuletzt über
die argentinischen Künstler Oesterheld,
Breccia, Munoz aber eben auch Pratt
in der Reddition 68.
Seine Autobiographie war aber auf Deutsch bisher nicht verfügbar.
Die Gespräche
Nun gibt es die Möglichkeit, ihn im
(übersetzten) Originalton kennen zu lernen. In Warten auf Corto erfahren wir, was der Autor seinem Freund Antonio de Rosa während einiger Autofahrten
1970 erzählt hat. War ursprünglich noch versucht worden, den Wortschwall irgendwie
aufzubereiten, entschied man sich nach einigen erfolglosen Versuchen, die 10 Tonbandspulen
zwar zeitlich sortiert, ansonsten aber unbearbeitet zu veröffentlichen. Mehr Original
geht nicht! Die Geschichten fordern den/die Leser*in aber auch, denn sie sind
nicht redaktionell geglättet, sondern sprunghaft, mal ernst mal angeberisch
aber immer authentisch.
In sechs Kapiteln berichtet der Autor von
seiner Jugend im faschistischen Italien und im italienisch besetzten Äthiopien,
seinen Kriegserlebnissen, seiner Überfahrt nach Argentinien und seinen dortigen
Erlebnissen mit Freund*innen, Kollegen und auch seinen Liebschaften.
Dr. Peter Pohl hat es übernommen, die Texte in das Deutsche zu übertragen. Im gelingt es ausgezeichnet, den erzählenden Menschen wiederzugeben. Man hört die Empathie, das Engagement und den Stolz aus den Zeilen heraus und ist fast mit in dem kleinen Fiat Millecento dabei.
Ergänzt wird der dritte Band der Texte zur graphischen Literatur durch
eine Unzahl von Skizzen Pratts und
Fotos und weiteren Abbildungen aus persönlichen Archiven. Der Text ist
ursprünglich 1971 erschienen, 1986 und 1987 wurde er neu aufgelegt. Jeweils
wurde neues Bildmaterial hinzugefügt und diese Veröffentlichung enthält nicht
nur alle Abbildungen der bisherigen Ausgaben, sondern noch weiteres Material
darüber hinaus! Dazu kommen noch eine Zeittafel und eine erneut überarbeitete
Bibliographie der Comics von Hugo Pratt
inklusive der deutschen Ausgaben.
Die Reihe
Volker
Hamann bringt, oft zusammen mit Matthias Hofmann, in seinem Verlag Edition Alfons nicht nur die
Magazine Alfonz und Reddition heraus, sondern mit den Texten
auch Monographien zu bedeutenden Meilensteinen der Neunten Kunst. Im Vordergrund
stehen dabei nicht wissenschaftliche Gründlichkeit, sondern populärwissenschaftliche
Verständlichkeit.
Wer sich mit den Hintergründen von Pratts Geschichten beschäftigen oder aber Eindruck in die Entwicklung des Zeichners von jugendlichen, pubertären Skizzen hin zu einem der bedeutendsten italienischen Künstlern der Neuzeit gewinnen möchte, wird an diesem Band nicht vorbeikönnen!
Dazu passen ein gut gekühlter Aperol Spritz
und als musikalische Untermalung die Geräusche der Stadt, die man hört, wenn
man auf dem Balkon sitzt und liest.
Die lebende Tote ist sowohl ein Science Fiction Comic als auch eine Horror Graphic Novel und sie wird beiden Genreanforderungen gerecht! Die Geschichte beginnt wie eine klassische SF-Story: Die Erde befindet sich nach einer atomaren Katastrophe unter Quarantäne und beherbergt im Wesentlichen Schatzräuber, die alte Bibliotheken oder Labore ausräumen. Auf dem Mars haben sich die Überlebenden eingerichtet und die Benutzung von Artefakten von der Erde ist verboten. Trotzdem gibt es Wissenschaftler, die versuchen, das alte Wissen aus geschmuggelten Büchern zu verstehen und sich anzueignen.
Während des Versuches, Schätze aus einer alten Bibliothek zu bergen, fällt die 10-jährige Tochter der Chefin in die Tiefe und stirbt. Sie wird von krakenartigen Wesen aus der Tiefe den Menschen zurückgegeben, allerdings scheint es dabei zu einer kurzen Verbindung zwischen Tier und Mensch gekommen zu sein.
Martha, die Mutter, beauftragt ihre Helfer, den
Wissenschaftler Joachim vom Mars zu holen. Joachim ist einer derjenigen, der
mit dem alten Wissen gearbeitet hat. Er soll die verstorbene Tochter klonen und
Martha einpflanzen. Während dieser Zeit kommen sich Joachim und Martha näher
und werden sogar so etwas Ähnliches wie ein Paar. Parallel arbeitet Joachim mit
dem Cyborg Hugo. Auch Hugo ist ein Fundstück und war der Leibwächter der
verstorbenen Tochter. Nun bekommt er einen Sprachchip und Joachim geht eine
direkte Verbindung seines Geistes mit dem des Cyborg ein.
Soweit so gut mit dem SF-Anteil. Als das neue,
geklonte Wesen geboren worden ist beginnt der Horrorteil, der hier nicht vorweg
genommen werden soll.
Die Umsetzung
Olivier Vatine, wahrlich kein Unbekannter in dem Metier und am bekanntesten wohl durch sein Szenario zu Aquablue, gelingt es, ein sehr spannendes und doch konsequentes Gebäude zu erschaffen. In mehrere Kapitel aufgeteilt schafft er es, zunächst eine zwar düstere, spooky Atmosphäre zu erschaffen die geschickt Elemente der SF und der Schauerromantik verbindet. Natürlich sind der Name des Cyborg und sein Aussehen Anspielungen darauf. Im weiteren Verlauf kommt aber immer mehr Entsetzen hinzu und es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich alles machen muss, was er kann (und damit meine ich nicht nur das Fällen von Bäumen) und ob nicht das wirkliche Monster in allzu bekannter Gestalt durch die Gegend läuft.
Auch Albert
Varanda ist bereits mit mehreren Reihen auf dem deutschen Markt platziert.
Keine davon hat es bisher geschafft, ihn in die erste Reihe zu bringen. Hier
passen seine Zeichnungen aber perfekt! Er verbindet sowohl SF Dekors mit
viktorianischem Schauer-Ambiente als auch karikaturenhafte Gesichter der
10-jährigen mit absolut realistischen Darstellungen der Erwachsenen. Die
Unterschiede zwischen leichtem Dekors und gerastertem Schwarz sind trotz Kolorierung
von Vatine noch deutlich zu erkennen
und bilden eine gute Grundlage für die Geschichte.
Von mir eine klare Empfehlung!
Die
Vorzugsausgabe „Diamant“
Mit diesem Titel startet der Splitter-Verlag eine neue Darreichungsform. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist es bereits eine lange Tradition, dass von ausgewählten Comics eine überformatige Luxusausgabe in schwarz-weiß erscheint, die es Leser*innen ermöglicht, die Kraft der Zeichnungen ohne Kolorierung zu erforschen.
Teilweise sicherlich nur etwas für Sammler*innen, in diesem Fall aber durchaus sinnvoll. Die Zeichnungen von Alberto Varanda mit ihren feinen Linien und der flächig gerasterten Schwärze eignen sich perfekt dafür! Die auf 444 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe unter dem Reihentitel „Diamant“ enthält außerdem noch zusätzliche Seiten und kostet 69,00 €.
Dazu
passen das Album „Tales and Mystery of
Imagination“ von The Alan Parsons
Project und ein alter Cognac.
Mijn Oorlog erzählt die (Über-)Lebensgeschichte von Guy-Pierre Gautier, einem französischen Resistance-Kämpfer mit sozialistisch/ kommunistischem Hintergrund. Nachdem er in Frankreich gefasst worden war, wurde er zunächst in Frankreich selbst interniert, später dann aber in das KZ Dachau überführt, dass als Stätte billiger Arbeitskräfte für die umliegenden Werke diente.
In den Niederlanden ist die Autobiographie bei dem kleinen Label Microbe erschienen, ein deutscher Verleger hat sich noch nicht gefunden. Vielleicht wäre das kommende 75-jährige Jubiläum der Befreiung von der Nazi-Herrschaft ja ein geeignetes Datum? Während die Schicksale der jüdischen Opfer in Deutschland zumindest nicht mehr verschwiegen, teilweise sogar sehr vielschichtig behandelt werden, und der bürgerliche Widerstand ebenfalls seinen Platz in der Aufarbeitung gefunden hat, sind der Kampf und die Verluste der Linken noch nicht so im (literarischen) Alltag angekommen.
Gautier erzählt ehrlich und eindringlich seinen Lebensweg vom unbedarften Jugendlichen aus La Rochelle zum Kämpfer gegen die Besatzung Frankreichs durch die Deutschen und beschreibt dabei einerseits, wie viele seiner Generation auf die verschiedensten Weisen „verheizt“ worden sind, andererseits aber auch, dass für viele eine Alternative gar nicht bestanden hat. In Rückblicken, ausgehend von der mit militärischen Ehren durchgeführten Verleihung des Ritters der Ehrenlegion für Guy-Pierre Gautier am 8. Mai 2015, werden schlaglichtartig Szenen aus dem Leben aufgereiht und verknüpfen sich so zu einer Geschichte.
Tiburce
Oger hat die Erzählungen in Bilder übersetzt. In
Deutschland bekannt ist er durch seine im Splitter-Verlag erschienenen Western Buffalo Runner und Canoe Bay. In diesem Werk darf er jedoch die Erinnerungen seines
eigenen Großvaters mütterlicherseits umsetzen. Man merkt den Zeichnungen die
persönliche Betroffenheit an, sie gehen unter die Haut und lassen keine Details
aus. Teilweise erscheint „das Böse“ in den Gesichtern der Deutschen KZ-Aufseher
und SS-Männer als Fratze, aber es gelingt Oger
durchaus zu differenzieren.
80 Seiten sind einerseits viel zu wenig, um die – exemplarische – Leidensgeschichte Gautiers von 1943 bis zu seiner persönlichen Befreiung am 30. April 1945 zu beschreiben, andererseits sind sie aber genug, um sich vor Augen zu führen, dass so etwas nie wieder passieren darf; Nicht in Europa aber auch sonst nirgendwo!
Die Graphic Novel sollte überall in den
Niederlanden und dem flämischen Teil Belgiens erhältlich sein.
Dazu passen Wasser, etwas abgestanden, und „Die Moorsoldaten“.
Schon wieder eine neue Sub-Reihe? Ja, aber
dieses Mal eine spannende! Unter dem neuen Black
Label werden düstere Geschichten um die Recken aus dem DC-Universum
erzählt, die nicht in die Kontinuität eingebunden sind und damit neue
Perspektiven erlauben. Zudem muss niemand das Gefühl haben, dass er/sie ohne Lexikon
nichts verstehen würde, denn diese Erzählungen sollen kein Wissen voraussetzen.
Kommt euch bekannt vor? Erinnert an Elseworlds?
Ja, natürlich, mich auch. Die Inhalte sollen aber düsterer sein. Klingt auf
jeden Fall spannend, denn viele der besten Geschichten von früher sind genau
unter diesem Label erschienen.
Der Weiße Ritter hat ein sehr modernes Thema: Die öffentliche Meinung und daraus resultierende, sich verselbständigende Bewegungen.
Batman, schon immer kein gewaltfreier Kämpfer,
verprügelt den Joker vor laufender Kamera und zwingt ihn, unbekannte Substanzen
zu schlucken, die er bei sich hatte. Aufgrund dieser „Medizin“ entwickelt sich
der Joker zu dem angesehenen Politiker Mr. Jack Napier, der für das Ghetto
Gothams, Backport, in den Gemeinderat einziehen will. Napier deckt auf, dass es
einen geheimen Fonds gibt, der durch Batman verursachte Schäden bereinigt und
zieht eine direkte Linie von Polizeigewalt und Korruption zu Batman.
Unterstützt wird er dabei von allen Wahlbeamten, die ihr Fähnchen wie immer in
den Wind hängen, und von Harley Quinn, die ihre alte Identität wieder annimmt.
Auch Batmans Gefährt*innen Nightwing und
Batgirl sehen ihre Zweifel an der noch vorhandenen geistigen Gesundheit Batmans
bestätigt und müssen sich für eine Seite entscheiden. Wird Gotham den Dunklen Ritter
tatsächlich gegen den neuen Weißen Ritter austauschen? Gehört der Joker ins
Rathaus und Batman nach Arkham?
Natürlich spielen auch andere Superschurken eine Rolle und geben sich ein Stelldichein… Besonders spaßig dabei die gedoppelte Harley, die je nach Extremstandpunkt den alten oder den neuen Joker liebt.
Viele Versatzstücke in dieser Miniserie kommen einem bekannt vor: Jokers Bemühen, von Batman geliebt zu werden und seine ständige Enttäuschung erinnern an das Lego-Movie. Fake-News und den wechselseitigen Einfluss von Medien und Bewegungen erleben wir jeden Tag neu und den Versuch, alle Schurken zu vereinen, haben wir auch bereits mehrfach miterlebt. Die Frage, ob Batman nicht eigentlich ein militanter Reaktionär oder sogar Schlimmeres sei, ist seit den 80-ern ebenfalls immer wieder aufgeworfen worden (und auch gar nicht so einfach zu beantworten).
Hier gelingt es Sean Murphy aber, etwas neues, Eigenständiges zu kreieren. Die
Versatzstücke sind so stimmig, dass Napiers Aufstieg und seine vielfältige Unterstützung
glaubwürdig werden. Die Talkshows kann man fast hören und die einfachen
Antworten der Politiker im Kreuzfeuer leider auch. Die sich daraus entwickelnde
zwangsläufige Abfolge, die fast schon Horror- oder Psycho-Elemente besitzt, ist
ebenfalls klar definiert und ein Ausweg scheint nicht in Sicht.
Auch grafisch weiß Murphy zu überzeugen. Sein Werk ist nicht bahnbrechend, hat aber seine Qualitäten. Der Boxkampf zwischen Batman und Napier gehört mit Sicherheit zu den Seiten, die im Gedächtnis bleiben werden. Viele Soundwords und Speedlines lassen das Ganze wie Popcorn-Kino rüberkommen. Die Farben von Matt Hollingsworth tun ein Übriges. Im Gegensatz zur Klasse-Story ist das Artwork aber „nur“ guter Durchschnitt.
Die Ausgabe an sich lässt dagegen wieder
einmal keine Wünsche übrig: der glanzapplizierte Joker vor dem Batman-Altar auf
dem Cover ist schon ein echter Hingucker und auch die verschiedenen
(Alternativ) Cover als Trenner zwischen den einzelnen Heften machen den ersten
Black Label-Band zu einem schönen Stück in der Batman-Sammlung! Es existiert
auch ein limitiertes, verlagsvergriffenes Hardcover mit anderem Covermotiv.
Dazu passen ein Bier mit (Arbeiter-)Tradition,
etwa ein gekühltes Porter von Anchour,
und eine Ghetto-taugliche Mischung aus Rap und Punk, etwa von Kevin Abstract.