Die Atlantische Bedrohung
Story: Yves Sente
Zeichnungen: Peter van Dongen
Originaltitel: La Menace Atlante
Carlsen Comics
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12,00 € | ISBN: 978-3-551-80916-2

Der Klassiker von Edgar P. Jacobs wird mittlerweile von unterschiedlichen Teams fortgesetzt, die Bände erscheinen daher in durchaus hoher Frequenz. Für den Zeichner ist es bereits der vierte Band, für den Texter der elfte. Die Erwartungen dürfen also hoch sein.
Krimi und Science-Fiction zugleich
Wie so oft in dieser Serie mischen sich die Elemente einer Kriminalgeschichte mit wissenschaftlichen. Dabei geht es manchmal, wie etwa bei dem Tigerhai um sehr irdische Entwicklungen, also den normalen technischen Fortschritt, teilweise um mythologische Einschläge wie beim letzten Band, manchmal aber auch um tatsächlich außerirdische Technologie und Besucher*innen. Schon Jacobs hatte die Atlantiden eingeführt, die technisch überlegenen Bewohner*innen eines fernen Planeten. Cover und Titel deuten an, dass wir es mit ihnen zu tun haben werden.
Zunächst aber passieren in der Nordsee seltsame Dinge: Menschen und Tiere sterben plötzlich, Jahrhunderte alte Leichen werden angespült und es kommt sogar zu einem Tsunami mit gravierenden Folgen. Commander Blake wird mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt während sich sein Freund, Professor Mortimer, in Schottland mit vulkanischen Böden beschäftigt. Sie erkennen schließlich, dass verschiedene Vorkommnisse zusammengehören und beschließen der Sache zusammen auf den Grund zu gehen.

Im Zentrum der Geschehnisse scheint ein Schiff zu stehen auf dem der ihnen wohlbekannte Doktor Grossgrabenstein Forschungen durchführt. Dieser war unseren Helden schon früher einmal begegnet, allerdings zunächst als Maskierung des Schurken Olrik. Aber auch bei den Atlantiden gibt es eine ernsthafte Bedrohung, denn eine ihrer drei Sonnen kollabiert und die Energieversorgung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.
Zeichnungen im klassischen Stil
Peter van Dongen zeichnet ganz im klassischen Stil der Geschichten von Edgar P. Jacobs, jedoch ohne ihn dabei zu kopieren. Die Seiten sind im Streifen-Layout gestaltet, allein die Höhe der Streifen variiert von Seite zu Seite. Nur ein einziges Panel ist kreisförmig, sonst sind nur rechte Winkel zu sehen. Serientypisch haben fast alle Panel eine ganze Menge an Text der meistens als Sprechblase ausgestaltet ist. Die beiden Hauptfiguren, aber auch Olrik weichen leicht von den Originalen und anderen Interpretationen ab, wirken aber trotzdem vertraut.

Die Zeichnungen selbst haben eine hohe Dynamik und wirken wie aus einer 60-er Jahre Verfilmung, etwa „Die Zwei“ oder „Mit Schirm, Charme und Melone“: es gibt kein überflüssiges Pyro-Gemetzel! Die Bilder unterstützen dadurch die Handlung, die ein gewisses britisches Tempo hat. Obwohl die Uhr tickt, wird niemand richtig nervös und man kann es sich kaum vorstellen, dass jemand ins Schwitzen gerät. Gleichzeitig leidet darunter die Spannung nicht!
Eine gute Fortsetzung
Das für mich Spannende an dieser Reihe ist, wie aktuelle Teams alte Hinweise und Fäden aufnehmen und daraus etwas Neues basteln. Mittlerweile ist das Geflecht so groß, dass die Abhängigkeiten schon über mehrere Teams und in beide zeitlichen Richtungen gehen. Das bedeutet aber auch, dass neue Leser*innen quasi mit jedem Band neu einsteigen können und sich sowohl rückwärts als auch vorwärts weiterhangeln können.

Yves Sente hat sich zu dem aktuellen Stammautoren entwickelt, der seine Referenzen nicht mehr nachschlagen muss, weil er sie verinnerlicht hat. Dadurch bekommt die Reihe eine hohe immanente Stabilität. Die Bände, die ein wenig aus diesem Konzept rausfallen, erscheinen in der Spezial-Reihe. Wer mehr wissen möchte, sei auf das bald erscheinende Lexikon oder das Dossier der Reddition verwiesen.
Dazu passen The Yardbirds mit „Heart full of Soul“ und ein London Ale.
© der Abbildungen 2025 Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S.A.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg