Arnoux/Morancho – Sigi 2

Terra Inca

Story: Erik Arnoux

Zeichnungen: David Morancho
Originaltitel:
 Sigi 2 – Terra Inca

schreiber & leser

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 17,95 € | ISBN: 978-3-96582-203-0

Cover Sigi 2

Einerseits ist es erfreulich, dass viele Serien mittlerweile sehr schnell nach ihrer Originalveröffentlichung auch auf Deutsch erscheinen. Man muss allerdings manchmal dann in den sauren Apfel beißen und etwas länger auf die Folgebände warten. In diesem Fall sind zwischen der Veröffentlichung des ersten Bandes von Sigi und dieses rund zwei Jahre vergangen.

Reiseprobleme

Wir befinden uns in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Nazis haben in Deutschland die Macht übernommen und bereits ihr Programm zur Vernichtung der Jüdinnen und Juden gestartet. Das Reich ist aber noch nicht komplett gefestigt und sucht durch auch sportliche Erfolge sein Prestige zu verbessern. In diesem Sinne unterstützt das Regime heimlich die Pläne von Sigrid Hassler in einem Serienauto die Welt zu umrunden. Diese weiß davon nichts und sieht zwar Gefahren für ihre Reise und Lösungen, bringt diese aber keineswegs mit einem Plan in Verbindung.

In Peru hat ein Fahrzeug ihrer kleinen Kolonne mal wieder eine Panne. Ein Haciendabesitzer eilt ihr mit seinen Angestellten zu Hilfe. Seine Ranch wird im Wesentlichen von japanischen Arbeitern am Laufen gehalten. Es gab damals (verbürgt!) ein Abkommen mit Japan, das „überschüssige“ Bauern aus Japan zu Frondiensten in Peru zwang. Wer nicht spurt, bekommt die Peitsche oder Schlimmeres in retour. Natürlich kann Sigi es nicht lassen und mischt sich ein. Als sie dann auch noch die sexuellen Avancen des Rancheros zurückweist, muss die Truppe fliehen.

Sigi 2 page 12

In einer Parallelhandlung zeigt sich, wie man in Berlin Ideologie und Erpressung kombinieren kann. Eine nicht standesgemäße Geliebte kann geduldet werden, eine jüdische zwingt zu kompletter Unterwerfung. Und leider gibt es immer wieder Männer, die ihre (kleine) Macht grenzenlos ausüben und Frauen foltern und töten.

Historie in Sepia

David Morancho legt wie auch schon im ersten Teil einen leichten Sepia-Filter über seine Zeichnungen. Das passt zur Stimmung in der Terra Inca, zeigt einerseits die andere Luft, dämpft aber auch etwas die Schwingungen, die durch das ganze Unausgesprochene erzeugt werden.  Während die Heldin Sigi einerseits voller Tatendrang ist, ist sie doch gleichzeitig zwar unerschrocken, aber auch naiv. Diese Emotion wird durch ihre Körperhaltungen und die im Gesicht sichtbaren Überraschungen unterstützt.

Ansonsten ist die Landschaft einfach grandios und ist ein fast schon ein echter „Mitspieler“ – die Felder und vor allem die unwirtlichen Berglandschaften gelingen grandios und der Verweis auf die lange Kultur der Gegend verfängt ebenfalls! Auf Deutsch liegt von diesem Zeichner aktuell nur noch Sara Lone vor.

Sigi 2 page 13

Ein etwas anderer Blick auf die Geschichte des Motorsports!

Motorsport ist eine Männerdomäne, Frauen können so etwas nicht … Quatsch! Sigi (bzw. ihr historisches Vorbild) beweist, dass auch Frauen Strapazen aushalten können, sich zu helfen wissen und zu Höchstleistungen fähig sind. Das war aktuell nicht nur bei Olympia zu sehen, es wird jeden Tag hunderttausende Male bewiesen. Leider gibt es immer noch eine bestimmte Sorte Mann, die das nicht glauben will und Frauen am liebsten hinter dem Herd anbinden würde.

Sigi beweist, dass dem nicht so ist, die Story beweist aber auch, dass es nicht immer so einfach ist, die Wahrheit vollständig zu entdecken. Manchmal muss man auch hinter die Kulissen sehen. Zu den politischen Begebenheiten während des Faschismus muss man dagegen eher nichts hinzufügen.

Dazu passen U2 mit „American Obituary“, und ein Glas frisches Wasser.

© der Abbildungen Editions Glenat 2026 by Arnoux & Morancho | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Strunk/Arndt – Der goldene Handschuh 1

Sommer der Liebe

Story: Heinz Strunk

Zeichnungen: Ully Arndt

Originalausgabe

Carlsen Comics
Klappenbroschur | 116 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-551-74500-2

Cover Der goldene Handschuh

Heinz Strunk ist ein deutscher Autor aus Hamburg. Oftmals sind seine Werke beeinflusst von seiner zweiten Beschäftigung als Musiker. Während Fleisch ist mein Gemüse sehr humorvoll ist, fordert der Sommer in Niendorf den Leser*innen schon einiges ab. Ully Arndt hingegen ist eher für seine Werke im Stern, MAD und die Ottifanten bekannt. Der goldene Handschuh bringt die beiden Norddeutschen für eine Art True Crime Story zusammen.

Hamburg Noir

Die 70-er Jahre brachten viele Neuerungen in Musik, Subkultur, Gesellschaft, Emanzipation und Mode. Es sollte aber einige Zeit dauern, bis Änderungen auch in den Niederungen der deutschen Realität Einzug halten konnten. Dieser Comic-Roman beginnt 1974 auf dem Hamburger Kiez. Die Auswirkungen des Krieges sind noch zu spüren, die Sinnkrise ist jede Sekunde gegenwärtig, der gesellschaftliche Pre-68er Mief stinkt aus jeder Ecke.

In einer Milieu-Kneipe treffen sich allabendlich die traurigen Gestalten, die Hoffnung auf bessere Zeiten erschöpft sich in einer vernünftigen Mahlzeit. Für Frauen kommt noch der Wunsch, nicht verprügelt, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden hinzu. Das Wetter ist der typische Hamburger Schmuddel. Viel bedrückender kann eine Alltagsbeschreibung nicht sein. Der Gegensatz dazu ist eine reiche Reeder-Familie. Die erste Generation ist abgetreten und besteht nur noch aus Hass, die zweite Generation ist unfähig und die dritte hat nur Flausen im Kopf. Auch hier ist die Stimmung bedrückend, allerdings komplett anders, die Mechanismen aus Alkohol, Gewalt und Misogynie aber vergleichbar.

Der goldene Handschuh page 5

Während der erste von geplanten zwei Teilen eher die Szenerie ausbreitet, wird doch klar, dass in der Stadt Frauenleichen gefunden werden und die Polizei sich an die Arbeit macht. Gleichzeitig hat einer der Protagonisten den Namen Fritz Honka. Wer sich etwas auf deutsche Kriminalgeschichte versteht, weiß bereits, welches Drama sich hier entwickeln wird.

Düster und verstörend

Wer beim Namen Arndt niedliche Ottifanten erwartet, liegt hier komplett falsch. Der Zeichner nimmt die von Strunk geschaffene Stimmung in seinen Zeichnungen auf und präsentiert eine deprimierende Welt: dunkel, dreckig, rau. Nichts ist schön im engeren Sinn, die geschminkten Gesichter sind Fratzen, der Humor abgründig und alkoholgetränkt. Und selbst die hellen Panels, die das vermeintlich schöne Leben der reichen Familie darstellen, lassen wie in einem Horrorfilm den Schrecken am Horizont aufblitzen.

Das grundsätzlich aus einem 2 x 3 Raster bestehende Layout wird immer wieder aufgebrochen und an die Action angepasst. Den Leser*innen wird keine Ruhepause gegönnt und den Sommer der Liebe erwartet hier wohl niemand in seiner wörtlichen Ausprägung.

Der goldene Handschuh page 6

Eine gelungene Umsetzung

Der goldene Handschuh ist auch als Comic gelungen, aber herausfordernd. Wer die leichte Unterhaltung sucht, sollte einen Bogen um diese Graphic Novel machen. Wer sich aber in die bleierne Zeit hineinversetzen will, wer sich erinnern möchte, dass früher keineswegs alles besser, ja, noch nicht einmal gut war, der ist hier richtig!

Leider wird es noch ein wenig dauern, bis der abschließende zweite Teil 2027 erscheinen wird. Immerhin gibt es ein Nachwort der beiden Künstler, die auf die Story und ihre Entstehungsgeschichte eingehen. Abseits des Mainstreams, aber lohnenswert!

Der goldene Handschuh page 7

Dazu passen Hans-A-Plast mit „Rock’n’Roll Freitag“ und ein norddeutscher Doppelkorn.

© der Abbildungen 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Frei – Die Ballade der Carol Welsh 1

Gesamtausgabe der Teile 1 und 2

Story:  Martin Frei
Zeichnungen: 
Martin Frei
Originaltitel: 
OA

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover |124 Seiten | Farbe | 32,00 € | ISBN: 978-3-949987-99-1

Cover Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1

Was  lange währt, wird endlich gut… Wenn es einen Titel gibt, auf den dieser Spruch passt, dann ist es wohl dieser. Es gab Verhandlungen und Absprachen, die Magazinveröffentlichung im ZACK lief wie geplant, eine Gesamtausgabe wurde angekündigt und plötzlich legte ein Erbe Einspruch ein. Die Folge war das Einstampfen der noch nicht ausgelieferten Auflage. Aber: Weder Martin Frei noch Georg F. W. Tempel ließen sich davon abhalten, am Ball zu bleiben. Nun wurden also alle Bezüge entfernt, einige Seiten neu gezeichnet und ein neuer Anlauf gemacht. Das Ergebnis ist gerade erschienen! Dieser Titel ist übrigens noch eine weitere Besonderheit: Während das ZACK normalerweise Titel für die deutsche Veröffentlichung lizenziert, ist es hier andersherum: Und so steht die Ballade der Carol Welsh auch in niederländischer Sprache in den Regalen unserer Nachbar*innen.

Rassismus im „Wilden Westen“

Das kleine Städtchen Snow Flake hatte in der Vergangenheit Probleme mit kriminellen Machenschaften. Ein Armeeoffizier war als Sheriff abkommandiert worden, hatte das Problem gelöst, das Herz der Lehrerin gebrochen, und war wieder abgezogen. Diese, die Heldin Carol Welsh, hat ihren eigenen Kopf, kann mit Waffen umgehen und „erdreistet“ sich, ihren Schützlingen in der Schule die Lehren von Charles Darwin nahezubringen. Da sie zudem menschlich mit einem wohnsitzlosen und alkoholabhängigen Indianer umgeht, wird sie von einigen konservativen Honoratioren angefeindet.

In der Umgebung des Städtchens machen sogenannte Wolfskrieger die Gegend unsicher. Sie sind nicht bereit, in ihrem Reservat zu bleiben, sondern sind auf dem Kriegspfad gegen die Weißen. Als die Frau des Bürgermeisters während einer Kutschfahrt erschossen wird, ist vielen in der Stadt sofort klar, wer dafür verantwortlich ist. Zudem wird die Lehrerin als Ketzerin und Kollaborateurin beschuldigt.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 5

Martin Frei hat um das kleine Western-Städtchen und seine Bewohner*innen ein kleines Universum geschaffen, das für einige Geschichten die Basis bilden kann. Die Archetypen sind klar: der konservative Pfarrer (der trotzdem in der Lage ist, zu denken!), die bornierten mächtigen Männer, die fragenstellende und aufgeklärte Lehrerin, die sich nicht unterordnen will, der verliebte junge Mann, die Indianer mit allen positiven und negativen Facetten.

Realistisch und humorvoll

Auch die Zeichnungen von Martin Frei brauchen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Zwar ist hier jetzt keine neuer Giraud plötzlich auf dem Markt aufgetaucht, aber darum geht es ja auch gar nicht. Die Figuren sind gut herausgearbeitet und vor allem die Mundpartien gelingen realistisch. Das ist nicht unbedingt immer gegeben! Während Personen und nähere Umgebung detailliert ausgefertigt sind, wird in der weiten Kinoeinstellung etwas weniger genau gearbeitet.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 6

Die Unterscheidung der Traumsequenzen von der Realität gelingt gut und das Skelett in Uniform sieht sehr ansprechend aus. Daneben gelingt auch die Unterscheidung der „offiziellen Welt“ von der Subkultur (den Animierdamen sowie der alleinlebenden Indianer). Manche Lehrer*innen mögen sich zudem manchmal heimlich wünschen, Schulkinder so zu behandeln, wie Carol Welsh es darf…

Eine erfrischend neue Western-Serie

Dieser „neue“ Sammelband enthält eine Story, die im Streaming-Bereich als „Pilotfolge“ bezeichnet werden würde. Der Erfolg im Jahrespoll (und auch die Lizenzvergabe) haben bereits zu einer Fortsetzung geführt, die ebenfalls im ZACK vorabgedruckt worden ist. Für Western-Fans unbedingt zu empfehlen, die Klassifizierung „Made in Germany“ ist in diesem Falle nicht negativ zu werten. Sowohl Text als auch Zeichnungen genügen auch internationalen Erwartungen! Während in diesem Gerne immer noch männliche Helden den Standard setzen, unternimmt Martin Frei erfreulicherweise einen Perspektivenwechsel.

Ballade der Carol Welsh Gesamtausgabe 1 page 7

Die Gesamtausgabe kommt mit einem ausführlichen einführenden Beitrag (vom Verfasser dieser Zeilen), bibliographischen Angaben zur Veröffentlichung und einer mehrseitigen Pin-Up-Galerie. Natürlich gab es auch wieder eine mittlerweile bereits vergriffene Vorzugsausgabe mit Variantcover und zwei limitierten und signierten Drucken.

Dazu passen Bruce Springsteen mit einem Song über Rassismus in Amerika, „Streets of Minneapolis“, und ein mexikanisches Caguanita.

© der Abbildungen 2026 Blattgold Gmbh / Martin Frei

MOSAIK 91 von Hannes Hegen (Juni 1964/Dezember 2025)

Das Konzert unter Wasser

Story: Hannes Hegen
Zeichnungen: 
Ulf S. Graupner, Steffen Jähle

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Kleinformat | 24 Seiten | Farbe | 15 € 
ISSN: 
N/A

Cover Mosaik von Hannes Hegen 91

Zum 70. Geburtstag kann man sich schon mal etwas gönnen! Zumal, wenn es die eigene Geschichte betrifft! Die aktuelle Serie hat gerade neu begonnen.

Der Hintergrund

1963 übte der Verlag „Junge Welt“, ein DDR-Staatsbetrieb zunehmend Druck auf Hannes Hegen, das Mastermind hinter der erfolgreichen Comic-Zeitschrift Mosaik, aus. Die laufende Story um den Erfinder Wilhelm Bauer war nicht konform genug mit den ideologischen Zielen des Staates: zu klamaukig, zu sehr Bürgertum-orientiert, zu wenig Bezug auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse … Sie wurde daher abrupt beendet, die historisch angelegte Ritter-Runkel-Serie begann.

Hegen hatte aber schon zwei weitere Hefte fertig getextet; diese hätten die Geschichte zu einem guten Ende gebracht. Teil 1 davon, Das Duell an der Newa, erschien zum 100. Geburtstag von Johannes Hegenbarth (das ist Hannes Hegen), der abschließende zweite Teil, Das Konzert unter Wasser, liegt nun auch vor. Die Texte stammen aus dem Nachlass, die Zeichnungen wurden unter Anlehnung an das damalige Konzept von Ulf S. Graupner ausgeführt. Steffen Jähle liefert dazu die Hintergründe und die Kolorierung.

Mosaik von Hannes Hegen 91 page 2

Ein nasses Vergnügen

Anlässlich der Krönung des Zaren Alexander II. soll in Kronstadt, einer St. Petersburg vorgelagerten Festung, eine Flottenparade durchgeführt werden. Ursprünglich hätte dort auch das Tauchboot des Erfinders Wilhelm Bauer präsentiert werden sollen.

Der Geheimdienst des Zaren befürchtet nun aber preußische und österreichische Spione, die aktuellen Arbeitgeber von Dig und Dag, und versucht den Auftritt zu verhindern. Allerlei klamaukhafte Vorkommnisse sorgen aber für ein nasses Spektakel, das auch heute noch mit 60 Jahren Verzögerung lesenswert ist. Nur die Sprache ist ein wenig veraltet und Texte setzt man mittlerweile nicht mehr unter die Zeichnung, sondern platziert sie in Sprechblasen.

Mosaik von Hannes Hegen 91 page 3

Das Heft ist im Zeitschriftenhandel nicht erhältlich und kann nur über einen speziellen Shop bestellt werden. Während einerseits der Preis für 24 Seiten auf den ersten Blick ein wenig hoch erscheint, muss man sich doch die Frage stellen, wieviel man sonst für Zeitgeschichte bezahlt. Für den Preis eines Kinoabends (ohne Getränke und Popcorn) bekommt man ein Heft direkt aus dem Giftschrank. Hautnaher kann man deutsche (Comic-)Geschichte nicht erfahren!

Freuen wir uns also, dass so direkte Eingriffe der Zensur bei uns noch nicht wieder möglich ist. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen allerdings, wie schnell es dazu kommen kann.

Dazu passen Billy Bragg mit „City of Heroes” und ein Wernesgrüner.

© der Abbildungen 2025 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag + PROCOM Werbeagentur GmbH

Beste Bilder 16 (2025)

Die Cartoons des Jahres

Hrsg: Antje Haubner, Jana Legal, Dieter Schwalm

Autor*innen, Zeichner*innen: 88 Cartoonist*innen

Lappan Verlag
Softcover Kleinformat | 176 Seiten | Farbe | 14,00 €
ISBN: 978-3-8303-3712-6

Cover Beste Bilder 16

Kurz vor Weihnachten – rechtzeitig für last-minute-Geschenke! – erscheint der Jahresband mit einer Auswahl von Cartoons aus diesem Jahr. Ihnen allen gemein ist, dass die Künstler*innen die Arbeiten selbst eingereicht haben, möchten sie doch den Deutschen Cartoonpreis 2025 gewinnen. Die Entscheidung wird erst am 9.Januar 2026 bekanntgegeben werden. Schon jetzt aber können sich alle Leser*innen daran laben.

Ist das lustig? Oder todtraurig?

Wer heutzutage Nachrichten klassisch im Fernsehen sieht, vielleicht sogar noch morgens zum Frühstück eine Zeitung liest, ja, sogar wer auf social media unterwegs ist fragt sich immer öfter, ob das was man gerade sieht, wirklich passiert sein kann. Nichts ist mehr vorhersehbar und eine Katastrophe jagt die Nächste. Nun ja, es gibt auch Dinge, die nicht wirklich katastrophal sind. Bemerkenswert sind sie allemal.

Beste Bilder 16 Fontispiz

Wieder hat sich die äußerst vielseitige deutsche Cartoonist*innenszene zusammengefunden und ihre besten Arbeiten eingereicht. Viele Themen sind so prägnant, dass sie von mehr als einer Person als Anregung für ein Bild genommen worden ist. Es gibt ein paar Mehr-Bild-Ausnahmen, generell erfordert es aber das Medium, sich auf einen Frame zu konzentrieren.

Neben der (dominanten) Außenpolitik beschäftigen sich die Zeichner*innen mit (alltäglichem) Rassismus, (nicht funktionierender) Infrastruktur, (der je nach Sichtweise (nicht) vorhandenen) Umweltzerstörung und Klimakatastrophe, aber auch mit den alltäglichen Situationen: Fittneswahn und e-bike-Schwemme, Gleichberechtigung und GPT-Nutzung. Natürlich kommen auch die Kriegsvorbereitung und die Ukraine als Bedrohung vor.

Beste Bilder 16 page 5

Sehr unterschiedliche Stilrichtungen

Die einzelnen Bilder könnten unterschiedlicher nicht sein. Von einer liebevoll und detailliert ausgeführten Arbeit bis hin zu einem Gekrickel, das mit nichts von der Botschaft ablenkt. Die meisten Arbeiten sind dabei farbig. Allen gemeinsam aber ist, dass sie mit teils liebevollem, oft bitterbösem Humor versuchen, der Welt und dem Leben ihren Schrecken zu nehmen. Nichts ist so schlimm, dass man nicht auch lachen könnte. Und das ist manchmal genau der Moment der Befreiung, der das Atmen wieder möglich macht und den Mut gibt, wieder aufzustehen!

Beste Bilder 16 page 8

Dazu passen Attila The Stockbroker mit „This is free Europe“ und Bordeaux.

© der Abbildungen 2025 für die einzelnen Cartoons bei den Autoren (sic!) | 2025 Lappan Verlag in der Carlsen Verlag GmbH Hamburg

MOSAIK 600 (Dezember 2025)

Die Stadt der Geheimnisse

Story: Jens U. Schubert
Zeichnungen: 
Diverse

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Kleinformat | 52 Seiten | Farbe | 3,65 € 
ISSN: 
0323-8857

Cover mosaik 600

600 Ausgaben mosaik, 70 Jahre Zeitschrift (unter zwei Titeln) und die Abrafaxe werden 50; es ist also ein Tripeljubiläum und comix-online gratuliert. Selbst international ist ein solches Jubiläum denkwürdig, mit nationalen Helden aus einem Land ohne eine besondere Comic-Tradition erst recht. Nachdem das Jahr 2025 durch viele einzelne Geschichten gekennzeichnet war, beginnt mit dieser Ausgabe wieder ein längeres Abenteuer!

Die magische Stadt Prag

Unsere Zeitreisenden sind dieses Mal im Prag des Jahres 1600 gelandet. Zu dieser Zeit residierte dort Kaiser Rudolf I. auf dem Hradschin, also der Burg inmitten und über Prag. Prag war das damalige Zentrum des Kaiserreiches und dementsprechend viele Diplomaten, aber auch Prominente hielten sich in der Stadt auf.

mosaik 600 sample Hradshin

Prag war zudem ein Zentrum der Wissenschaften: Tycho Brahe war der Hofastronom, der Mathematiker Johannes Kepler war dort unterwegs und der superreiche jüdische Kaufmann Mordechai Maisel förderte das Schulwesen auch für Arme, wo er nur konnte. Zudem lebte auch Rabbi Löw dort. Natürlich begegnen die drei diesen Personen bereits im Auftaktheft. Für spätere Verwicklungen ist damit der Boden gelegt.

Wie immer kommt auch die unterhaltsame Wissensvermittlung nicht zu kurz. So werden nicht nur die Figuren auf der Straße gezeigt, sie alle erhalten sowohl innerhalb der Story als auch in den redaktionellen Seiten Raum für Erläuterungen. Wir dürfen gespannt sein, welche dunklen und alchimistischen Ideen die Stadt der Geheimnisse noch bereithält.

Es geht aber auch erneut um das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen. Ein Kaiserhof zieht auch immer Gesandte verschiedenster Länder an und diese bringen ihre kulturellen Eigenheiten wie Essgewohnheiten und Kleidungsstile mit sich. Wieder nimmt das Autorenteam es auf sich, Vorurteile zu benennen und zu entkräften sowie Engstirnigkeit lächerlich zu machen

mosaik 600 sample Rabbi Loew

Semi-Funny für alle Altersstufen

Die sprechende Maus ist ein Beispiel für die Vielseitigkeit der Lesbarkeit. Für Kinder senkt sie die Eintrittsbarrieren, für Erwachsene dient sie als Sprachrohr für Kritik. Die Figuren sind klar erkennbar, haben aber genügend witzige Elemente, um dem Spaß beim Lesen genug Raum zu geben. Immer noch zu Recht empfohlen von der Stiftung Lesen!

mosaik 600 sample city hall

Ein Tipp für den Geschenkerummel?

Wer seinen Kindern, Enkel*innen oder sich selbst eine Freude unter dem Baum machen will, findet jetzt einen idealen Einstieg. Es muss nicht immer ein Heft mit Plastikbeigabe sein … Die Kombination aus Comic, online-Ergänzungen, und redaktionellem Teil mit Rezepten, Spielen und Wissenswertem ist auf jeden Fall gelungen und mit Sicherheit Gesamtdeutsch.

Dazu passen ein heißer Ingwer mit Zitrone und Jack Black mit dem „Math Song“.

© der Abbildungen Abrafaxe by MOSAIK, 2025 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag + PROCOM Werbeagentur GmbH

Weyhe  – Rude Girl

Eine Annäherung

Text & Zeichnungen: Birgit Weyhe

avant-verlag
Broschur | 312 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 978-3-96445-068-5

Cover Weyhe - Rude Girl

Normalerweise werden hier Neuerscheinungen besprochen. Gerade in heutigen Zeiten sind aber Bücher (und ja, Comics sind auch Bücher) sehr schnell aus dem Sichtfeld verschwunden. Teilweise ist dadurch die Sichtbarkeit auf einen einzigen Monat beschränkt. Deshalb gab es hier vor einiger Zeit die Rubrik „Klassiker des Monats/Quartals“ um einige Werke wieder hervorzuholen. Zwar kann ich es nicht leisten, diese Rubrik wieder ständig zu füllen, Rude Girl aber hat es verdient, Aufmerksamkeit zu bekommen!

Eine mehrstufige Auseinandersetzung

Birgit Weyhe, eine weiße, deutsche Comicschaffende nimmt an einem Austausch mit amerikanischen Germanist*innen teil und beginnt einen Austausch insbesondere mit Priscilla Layne, einer afroamerikanischen Germanistik-Professorin mit karibischen Wurzeln. Ihre Geschichte fasziniert die Autorin, doch schnell kommt es zur Diskussion über kulturelle Aneignung, ihre Folgen (selbst „gut gemeint“ ist halt meistens das Gegenteil von „Gut“) und eine Annäherung. Schließlich einigen sich die Beiden über das weitere Prozedere für die Entstehung dieses Werkes.

Weyhe - Rude Girl page 35

Dieses Metagespräch ist genauso Bestandteil der Graphic Novel wie auch die Geschichte selbst. Für uns Leser*innen ist das hilfreich, gibt es doch einerseits die Möglichkeit, die „Richtigkeit“ der Darstellung bestätigt zu bekommen, und andererseits die Möglichkeit, an der Entstehung teilnehmen zu können und Gefühle und Ängste viel direkter zu verstehen.

Priscilla Layne wird in den USA als Tochter einer Migrantin geboren und muss mit verschiedenen Vorurteilen klar kommen: denen ihrer Community bezüglich des „erwarteten Verhaltens“, denen der black Community, die sie für zu hell empfindet, denen der weißen Community für die sie zu „schwarz“ ist und schließlich allen Höhen und Tiefen einer Pubertät. Schließlich findet sie ihren eigenen Weg und ihre Selbstsicherheit als „Rude Girl“. Ihr Weg in die Skinhead (und Punk)-Szene wird sehr glaubwürdig beschrieben und von kleinen Alltagssituationen und vor allem musikalischen Einflüssen begleitet. Jede*r aus der Subkultur wird sich selbst teilweise darin wiederfinden können.

Weyhe - Rude Girl page 34

Unerwartete Farben

Birgit Weyhe zeichnet irgendwo im Grenzbereich zwischen realistisch und abstrakt. Im Gegensatz zu einigen Selbsterfahrungswerken ist hier nicht nur Intention, sondern auch eine gehörige Portion Können vorhanden. Die schwarzen Zeichnungen werden mit einem gelblichen Grün und einem orangen Farbton akzentuiert. Dadurch ist wenig Ablenkung vorhanden, trotzdem aber auch die Möglichkeit gegeben, Dinge hervorzuheben. Die Metateile sind dagegen einfarbig.

Obwohl Weyhe ihren Figuren Eigenheiten gibt, ist die Intention nicht die fotografische Wiedergabe.; es geht um „das Problem“, „das Gefühl“ oder „die Situation“. Dadurch wird einerseits eine gewisse Distanz geschaffen zwischen der Story und den Leser*innen, andererseits erleichtert es auch das Hineinfinden in die jeweils beschriebene Situation.

Weyhe - Rude Girl page 24

Tipp für den Weihnachtsbaum

Weihnachten ist nur noch wenige Wochen entfernt. Es beginnt also das Sammeln von Ideen. Rude Girl erzählt nicht nur über die Subkultur der Skinheads (und beantwortet mal wieder die Frage, warum alle Kulturen, Hautfarben, Traditionen Teil dieser anti-rassistischen Bewegung sein können) und die verwandter Szenen, es ist auch ein sehr guter coming-of-age-Roman.

Zudem führt das Werk einfühlsam in die Situation von Migrant*innen und ihre Wahrnehmung ein. Es wäre sehr schade, wenn Rude Girl nicht immer noch eine große Anzahl von Käufer*innen finden würde.

Dazu passen No Respect mit Excuse my smile und ein Dosenbier.

© der Abbildungen Birgit Weyhe & avant-verlag GmbH, 2022

Frenz/Pedrazzini, Bade – Phantom 2

Tödliche Dinosaurier

Story:  Bernd Frenz
Zeichnungen: 
Carlos Pedrazzini, Heiner Bade
Originaltitel: 
Fantomen

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 € ISBN: 978-3-949987-67-0

Cover Frenz Phantom 2

Glückliche Zeiten für Phans! Wer befürchtet hatte, dass der deutsche Markt unter der plötzlichen Vielzahl von Titeln mit und über den Wandelnden Geist zusammenbrechen würde, darf sich mittlerweile entspannen. Noch immer erscheinen die gestarteten Reihen und somit auch der zweite Band der Albenreihe mit Phantom-Stories aus deutscher Feder!

Nicht so bekannte Schmuggelware

Wenn von grenzüberschreitendem Schmuggel die Rede ist, stehen ein paar Güter ganz oben auf der Liste der typischen Verdächtigen: Menschen, Alkohol und Drogen, Industriegüter sowie Artefakte wie etwa Elfenbein, Nashorn etc. Beide Geschichten von Bernd Frenz haben internationalen Schmuggel zum Thema, werfen aber ein Schlaglicht auf eher unbekanntere Spielarten.

Tödliche Dinosaurier spielt in einem musealen Umfeld. Ein Mann wird getötet, ohne dass sich dahinter zunächst irgendein Sinn verbergen zu scheint. Schon bald wird aber klar, dass hier während Ausgrabungen gestohlene Skelette versteigert werden sollen. Wie auch der Kunstsammlermarkt nicht nur aus gesetzestreuen Menschen besteht, ist auch dieses Teilsegment in einen legalen Markt, der hauptsächlich von Museen bestritten wird, und einen illegalen geteilt. Das 21. Phantom und seine Frau Diana geraten mitten in einen spannenden Fall.

Frenz Phantom 2 page 25

In Dunkler Rauch über Bangalla muss der Wandelnde Geist alleine ermitteln. Er entdeckt im Urwald große frisch gerodete Flächen auf denen zuvor geschützte Teak-Bäume standen. Während der Export von solchen Edel-Hölzern streng verboten ist und auch relativ gut überwacht wird, sind die Kontrollen für einige verarbeitete Produkte wesentlich unschärfer. Es kommt zum bewaffneten Konflikt mit der Holzkohlemafia.

Nah an der Realität

Beide Stories sind (leider) sehr nah an der Realität und verdeutlichen den großen Anteil, den Umweltschutz in und an dieser Serie hat. Während andere einfach den nächsten Superschurken präsentieren, geht es beim Phantom oft genug um echte Missstände bei denen die sog. „Erste Welt“ die sog. „Dritte“ immer noch ausbeutet. Der aus Argentinien stammende Carlos Pedrazzini setzt die erste Story routiniert um: flexibles Layout, markante Posen, filmische Posen.

Frenz Phantom 2 page 26

Die Zeichnungen der zweiten stammen von dem Deutschen Heiner Bade der über Jahrzehnte Zeichnungen für das schwedische Fantomen-Magazin angefertigt hatte. Die Geschichte der Kontaktanbahnung erzählt Bernd Frenz im Anhang dieses Albums. Seine Seiten sind detaillierter und konturierter als Pedrazzinis. Beiden sieht man allerdings an, dass sie ursprünglich für ein schwarz-weiß Magazin konzipiert wurden.

Ein weiteres Mosaik-Steinchen

Es ist kaum möglich, ein Sammelgebiet wie Phantom komplett abdecken zu wollen. Im Laufe der Jahrzehnte sind so viele Beiträge mit unterschiedlichen Traditionen entstanden, dass alleine der Überblick schon schwierig genug ist. Vor rund drei Jahren hat Christian Blees den damaligen Stand abgebildet. Diese Reihe in der ZACK-Edition bietet immerhin den Überblick über die von dem Deutschen Bernd Frenz verfassten schwedischen Geschichten, kombiniert mit ein paar Hintergründen und zusätzlichen Abbildungen.

Frenz Phantom 2 page 28

Für Phans daher ein Must-Have. Die Reihe enthält die Original-Cover-Zeichnungen in guter Größe, die gezeigten Originale der Seiten-Entwicklungen vom Sketch zum Layout sind vielleicht etwas zu klein, um sie wirklich lesen zu können, erlauben aber dennoch einen guten Eindruck!

Dazu passen die UK Subs, etwa mit „Warhead“und ein lokal gebrautes Bio-Bier.

© der Abbildungen 2024 Kings Features Syndicate ™Hearst Holding, Inc/Distr. Bulls / 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ICOM COMIC! Jahrbuch 2025

Herausgeber: Burkhard Ihme
Interessenverband Comic E.V.
Softcover | 184 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISBN: 978-3-88834-955-3

Hip Hip Hurrah! Comix-online gratuliert zum 25-jährigen Bestehen der Institution ICOM COMIC! Jahrbuch

Während andere Jahrbücher oft schon nach wenigen Jahren wieder entschwinden, schafft es dieser Leuchtturm der deutschen Independent-Szene immer wieder, zumindest ein Lebenszeichen von sich zu geben. Meistens aber ist es ein echtes Schwergewicht, das für einen schmalen Preis angeboten wird!

Cover ICOM COMIC! Jahrbuch 2025

Die Preisträger*innen

Jährlich wiederkehrendes Thema sind die Vorstellungen der diesjährigen Preisträger*innen sowie aller nominierten Kandidat*innen für den ICOM Independent Comic-Preis in vier Kategorien. Alle Werke werden mit Illustrationen und Coverabbildungen ausführlich vorgestellt.

Als bester Independent Comic in Selbstveröffentlichung konnte Max Julian Otte überzeugen: Sein Es geht auch ohne Ehrgeiz stellt natürlich die Frage, ob die steile These denn haltbar ist. Als bester Independent Comic als Verlagsveröffentlichung wurde Zeter + Mordio von Jens Cornils aus dem avant-Verlag gekürt, ein historischer Krimi aus dem Hamburg des Jahres 1684.

Der Sonderpreis für eine Besondere Leistung oder Publikation geht an Marcus Behrendt (der unter EMBE publiziert). Seine Arbeiten finden sich im Wesentlichen bei toonsUp. Schließlich geht der XPPen-Preis für herausragende Digitale Comics an Sarah-Lynn Weitnauer und Lea Hümbs für Hirncomics sowie an Frederico Frizzantini und Jan Suski Für Max & Luzie in der Antike (erschienen bei Kult-Comics).

Auch alle nicht ausgezeichneten Nominierungen werden vorgestellt. Zusammen ergibt sich daher ein guter Überblick über den aktuellen Zustand. Zudem dürfen die Interviews mit den Preisträger*innen des letzten Jahres nicht fehlen: Ralf Marczinczik (für Digger), Wiebke Bolduan (für Viktoria Aal), Heike Ditrich und Burkhard Laudenbach (für Salon Journal), Luise Mirdita (für Schattenspiel) und Steff Murschetz (für Der unsichtbare Freund) stehen Rede und Antwort.

Ein Blick auf die Szene

In diesem Jahr gibt es kein „großes“ Thema, man leistet sich vielmehr tiefergehende Blicke auf die Geschichte des Jahrbuchs und der eigenen Organisation, und wirft gleich mehrere auf das Thema Cartoon und die Probleme (sagte da jemand etwas von Zeitungssterben und digitalen Angeboten?). Dazu kommen ein Interview mit Peter Puck, den Schöpfer des unvergleichlichen Rudi, und mit Kai Stellmann dessen Bücher über die Quellen von Wäscher-Serien nicht jedermann gefallen.

Backcover ICOM COMIC! Jahrbuch 2025

Auch Überblicke über andere Szenen werden wie immer geboten: Der US-Markt ist in einem disruptiven Umbruch und die niederländische Szene wird hier allzu oft unberechtigterweise ignoriert. Ebenfalls erwartbar ist der Bericht über das Trickfilmfestival in Stuttgart, der mit vielen Details Lust auf mehr macht.

Mehr deutscher Independent geht nicht!

Burkhard Ihme sei gefeiert! Ohne ihn gäbe es das ICOM COMIC! Jahrbuch nicht und wir hätten weniger Information verfügbar. Zudem kreiert das Jahrbuch auch Aufmerksamkeit für die deutsche Independent-Comic-Szene. Der Preis hätte weniger Sichtbarkeit, wäre es nur eine Veranstaltung. So aber werden nicht nur die Gewinner*innen präsentiert, sondern alle Nominierten in dem Jahr des Preises. Zusätzlich bekommen die Sieger*innen ein zweites Mal ein Spotlight aufgrund der Interviews im Folgejahr. Möge es also noch mindestens weitere 25 Jahre durchstehen!

Dazu passen ein lange anhaltender Ingwer-Zitronen-Aufguss und The Interrupters (nicht mehr Independent, aber noch mit dem alten Elan)!

© der Abbildungen Verleger, Zeichner und Fotografen c/o Interessenverband Comic e.V. ICOM 2025

Sprechblase 250 (Juli 2025)

Arturo del Castillo und andere Themen

Redaktion: Gerhard Förster
Bildschriftenverlag Hannover (bsv)
Din A4 | 100 Seiten | Farbe | 11,90 €
ISSN: N/A

Cover Die Sprechblase 250

Etwas verspätet, aber endlich da: die Besprechung der letzten Sprechblase aus den Händen von Gerhard Förster … Das Undenkbare konnte aber noch einmal abgewendet werden, das Magazin wird weitergeführt werden von Christian Blees, Martin Jurgeit, Andreas Zickert und Eckard Friedrich. Das Titelbild der Nummer 251 ist schon mal vorveröffentlicht worden. Comix-online sagt an dieser Stelle Danke an Gerhard für all die liebevolle Arbeit, die tiefgreifende Recherche, die aufmunternden Worte und überhaupt!!

Das Schwerpunktthema – Arturo del Castillo

Der von Arturo des Castillo gezeichnete Western John Kendall ist auch in Deutschland unter verschiedenen Namen veröffentlicht worden, teilweise wurden auch andere Serien von del Castillo damit vermischt. Wer aber war der Mann dahinter? Wie kam er zum Comic? Welche Einflüsse hatte er, welche Entwicklung kann man an seinen Werken sehen? Alles diese Fragen und noch mehr werden in einem Gemeinschaftsartikel, einer Comicographie, zweier Interviews und nicht zuletzt anhand vieler Illustrationen und einer kompletten Garret-Geschichte beantwortet. Ein perfekter Überblick, der tief genug einsteigt, um auch große Neugier zu befriedigen!

Enzo Chiomenti

Ein weiterer klassischer Zeichner, Enzo Chiomenti, bekommt eine Würdigung. Der Italiener war unter anderem an Blonder Panther, Tom Bill und Jezab beteiligt. Am bekanntesten dürften aber seine Arbeiten für Marco Polo gewesen sein: 26 Ausgaben bei Lehning und 95 bei Bastei sprechen eine deutliche Sprache. Neben unzähligen Abbildungen stehen vor allem zwei lange Interviews aus der Vergangenheit im Zentrum des Themas. Auch hier gilt, dass die Neugierde befriedigt wird. Was überbleibt, wären Bestandteile zukünftiger Forschung.

Und sonst?

Wie immer gibt es natürlich das Harry Magazin mit Rezensionen und weitere Artikel, die ein großes Spektrum abdecken: Bat-Man First Knight, Taschens Donald Duck (vom Verfasser dieser Zeilen), das Buch über Sigurd von Kai Stellmann mit kritischen Kommentaren, aber auch Analysen über PUCK und MISCHA. Leser(!)briefe beschließen die Ausgabe.

Natürlich ist die Sprechblase ein sogenannter Special Interest Titel. Aus dem Randthema der Comics nimmt sie sich noch einmal eine Teilmenge heraus. Das aber mit Bravour, Sachverstand und Herzblut. Wer sich mit diesem Thema wirklich beschäftigen möchte, kommt an der „Blase“ nicht vorbei. Dass es so bleiben möge, wünschen sich viele von dem neuen Team; die Zeichen stehen gut! Wir drücken die Daumen.

Ankündigung Sprechblase Sonderband

Wer mehr Sprechblase von Gerhard Förster möchte, kann einerseits den kommenden Sonderband Die ganze Wahrheit bestellen oder mit dem gerade erschienenen zweiten Index der ZEBRAs in die Tiefe gehen.

Dazu passen ein kühles Blond und etwas aus den Archiven von Bruce Springsteen.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen 2025, c/o Bildschriftenverlag Hannover (bsv)

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