Seit einigen Jahren sind wir es gewohnt, im Oktober jedes ungeraden Jahres ein neues Abenteuer der Gallier serviert zu bekommen. Die Presse schlägt Kopf, die Druckmaschinen kochen und seit dem unsäglichen Gallien in Gefahr sind zwar nicht alle zufrieden, die Qualität der Stories hat aber wieder deutlich zugelegt und vermag alte und neue Leser*innen zu begeistern. Zu den Anfängen der Serie und der Tochter des Vercingetorix hat comix-online bereits berichtet.
In geraden Jahren jedoch fehlt Neues von Asterix und so kommt der Fund einer bisher in Deutschland noch unveröffentlichten Geschichte aus der Frühzeit der Serie gerade recht! Wir treffen die bekannten Figuren, bis auf Idefix, und das bekannte Szenario: Der Barde Troubadix glaubt, dass er ein begnadeter Sänger wäre und möchte daher den Gesangswettbewerb der gallischen Barden im Karnutenwald gewinnen.
Asterix und Obelix beschließen, ihn zu begleiten und ihn vor dem möglicherweise aufgebrachten Publikum zu beschützen. Und dann ist da noch der römische General Eucalyptus: Ihm fehlt die Kultur Roms und so beauftragt er seinen Zenturio, den besten Sänger zu entführen.
Die Darbietung
Wer einen Comic erwartet hatte ist möglicherweise etwas enttäuscht. Wie angekündigt handelt es sich um Illustrationen zu einem Hörspiel, das ursprünglich auf Vinyl von einem Beiheft begleitet worden war. In Deutschland war dieses Hörspiel bisher unbekannt. Jetzt ist nicht nur das Beiheft etwas großzügiger layoutet und dem Format der „Großen Asterixbände“ angepasst, auch den Text (und vor allem den Gesang der Helden gibt es zeitgemäß als Stream! Der Link per QR-Code befindet sich im Album.
Die Zeichnungen von Uderzo sind wie gewohnt nahezu perfekt und erst vor kurzem restaurieret worden. Durch die großflächige Darbietung wirken sie sogar noch besser als als kleines Panel im Seitenlayout! Der Meister hatte diese Überarbeitungen noch beaufsichtigen können und so ist sichergestellt, dass die Zeichnungen wirklich Uderzo enthalten. Der Text ist locker, flockig und witzig! Die Fans von Goscinny werden sich bestätigt fühlen und ihn weiterhin als den größten Asterix-Texter verehren.
Für jeden Asterix-Fan ein Muss! Auch das Hörspiel lohnt sich durchaus, hat der Barde doch ähnliche Qualitäten wie viele andere der gerade angesagten deutschsprachigen Künstler, zeitbedingt fehlt allerdings der Tontechniker. Wie immer gibt es eine Kiosk-Ausgabe und ein Hardcover für den Buchhandel.
Dazu passen eine lauwarme Cervisia, alternativ ein Pils mit dem Zusatz Gold oder Mild, und das aus dem gleichen Jahr stammende I’m a Believer von The Monkees!
Wie mittlerweile bekannt sein dürfte findet der ursprünglich für Mai geplante Gratis Comic Tag in diesem Jahr Corona bedingt im September statt. 34 Hefte warten auf Euch! Um Euch ein wenig Entscheidungshilfe zu geben werden hier in den kommenden Wochen peu a peu unter einer sinngebenden Überschrift einige der Hefte vorgestellt. Wo in eurer Gegend welche Händler*innen mitmachen könnt ihr hier herausfinden.
Das erste Themengebiet für heute lautet „Western“. Comics aus diesem Genre sind überhaupt erst das vierte Mal dabei und noch nie waren es so viele wie in diesem Jahr! Noch bemerkenswerter wird die Statistik hinsichtlich der Titel denn bei den vier bisherigen Heften waren gleich drei Lucky Luke dabei.
Hintergründige Kurzgeschichte in schwarz-weiß
Für mich eines der Highlights der diesjährigen Auswahl ist Der Bote von Paolo Eleuteri Serpieri (und R. Ambrosio). Im Verlag Schreiber & Leser sind im Rahmen der Serpieri Collection bereits drei Bände mit Kurzgeschichten aus der Zeit der Inbesitznahme Nordamerikas durch die Weißen erschienen. Die meisten sind – wie auch diese Story – in schwarz-weiß und erlauben so einen tiefen Einblick in die Kunst des Italieners. Serpieri ist vom Kino in seiner Erzählweise geprägt, anders als die meisten Filme ist sein Werk aber von tiefer Achtung der indianischen Kulturen und ihrer Lebensweisen durchdrungen.
Auch seine Sicht auf die Weißen ist speziell, denn er achtet stark auf die treibenden Motive: Ehre, Treue, Geschicklichkeit aber auch konfliktbehaftete wie das Verhältnis zu Vorgesetzten, Eltern oder korrupten Institutionen. Hier geht es um einen jungen Kerl der seinen ersten Ritt als Teil des Pony Express absolviert. Witterung, Hunger und selbst Krieger auf dem Kriegspfad können ihn nicht aufhalten doch seine Post birgt eine Überraschung!
Guter Spannungsaufbau, interessantes und flexibles Seitenlayout und natürlich vor allem die detailgenauen Zeichnungen machen dieses Heft genau zu dem, was es auch sein soll: einem Appetitanreger für den Rest!
Ein Militär als Ordnungshüter
Der zweite Western ist ebenfalls ein Klassiker: Blueberry von Jean-Michel Charlier und Jean Giraud ist seit seinem ersten Auftritt in Pilote im Jahre 1963 für viele „der“ europäische Westerncomic schlechthin. Das hier veröffentlichte sechste Originalalbum Der Sheriff steht zwischen dem ersten und dem zweiten Zyklus der Alben und bietet daher eine gute Möglichkeit, die Serie kennen zu lernen! Die unterschiedlichen Serien bringen es mittlerweile auf über 50 Bände, die auf Deutsch eine lange Veröffentlichungsgeschichte hinter sich haben. Vollständig sind sie bei der Egmont Comic Collection erschienen aber längst nicht mehr komplett lieferbar. Aktuell wird gerade eine Collector’s Edition genannte Gesamtausgabe verlegt, die in Originalkolorierung daherkommt.
Silver Creek, ein kleines Städtchen, wird von einer korrupten Bande terrorisiert. McClure, der dem Trinken nicht abgeneigte Sidekick des Helden, wird Zeuge des Mordes an dem Sheriff und verspricht den Honoratioren des Ortes, Leutnant Blueberry als Interimslösung zu besorgen. Tatsächlich gelingt es, ihn zur Übernahme dieser Aufgabe zu bewegen, doch wie soll er mit einer Lehrerin, einem Grünschnabel und einem Trunkenbold die Gangster besiegen?
Der auch als Moebius zeichnende Giraud beweist sein Gespür für Panelaufbau, kristallisierte Emotionen, großartige Landschaften und detailgenauen Realismus. Beim Seitenaufbau darf man zeitbedingt keine Experimente erwarten aber das Ergebnis ist immer noch die Messlatte für das gesamte Genre! Wer noch nie einen Band aus dieser Serie gelesen hat sollte jetzt unbedingt zuschlagen!
Ein unsterblicher Stinkstiefel mit Humor
Der bunte Reigen wird durch einen etwas aus der gewohnten Art fallenden Titel komplettiert: Lincoln ist faul, unleidlich und immer darauf aus, seinen Schnitt zu machen. Zudem wettet er auch noch gerne und trinkt dazu. Eine etwas unerwartete Folge daraus ist die von Gott höchstselbst verliehene Unsterblichkeit. Natürlich äußert dieser mehr als einmal Kritik an der Richtung, die Lincoln einschlägt, aber er hat in gewisser Weise auch Spaß daran.
Die Serie wurde geschaffen von Olivier, Jérôme und Anne-Claire Jouvray und wird vom Verlag als „Gegenentwurf zu Lucky Luke“ beworben. Mittlerweile fünf deutsche Bände bei Schreiber & Leser beweisen, dass dieser Entwurf durchaus die Bedürfnisse des Marktes trifft. Auf Teufel komm raus, der erste Band, ist eine witzige Abwechslung, denn selbst die harten Männer werden hier durch den Kakao gezogen und liebgewonnene Klischees mit Augenzwinkern hinterfragt. Natürlich ist Lincoln kein Funny für Kinder, für Heranwachsende taugt er aber sehr wohl!
Das nächste Mal geht es um beteiligte Künstler*innen aus dem deutschsprachigen Raum.
Zu den heutigen Heften passen stilecht Bourbon oder Rye, auf Wunsch mit Cola, und Johnny Cash!
Lucky Luke betritt erstmals in 75 Jahren den Süden der Vereinigten Staaten: Das neue Album „Fackeln im Baumwollfeld“ führt den einsamen Cowboy tief in den Bundesstaat Louisiana, wo er auf den berühmten afroamerikanischen Marshal Bass Reeves trifft. Wird es unseren Helden gelingen, auch in den morastigen Sümpfen Louisianas für Gerechtigkeit zu sorgen?
Lucky Luke 99 Fackeln im Baumwollfeld erscheint am 29. Oktober bei Egmont Ehapa Media und ist die dritte Zusammenarbeit von Jul und Achdé. Natürlich haben sie sich von den aktuellen Ereignissen beeinflussen lassen.
Zur Story
Ein Geschenk des Himmels oder doch eher ein Fluch? Lucky Luke kann es kaum fassen: Eine Witwe und große Verehrerin hat ihm ausgedehnte Baumwollfelder im südlichen Louisiana vermacht. Ohne es zu wollen, ist er auf einmal Eigentümer einer riesigen Plantage und muss entsetzt feststellen, dass seine Angestellten von den Gutsbesitzern der Umgebung terrorisiert werden.
Die reichen Pflanzer begrüßen Lucky Luke als einen der Ihren, doch er setzt alles daran, seine Erbschaft unter die schwarzen Farmer zu verteilen. In seinem Kampf gegen die Mächtigen der Gegend erhält er völlig unerwartet Unterstützung von den Daltons, die ihn eigentlich umlegen wollten. Außerdem sind da noch die französischsprachigen Cajuns aus den Bayous, die vom Reichtum des Südens ausgeschlossen sind.
In seiner Not erhält Lucky Luke den Beistand eines ganz besonderen Westernhelden: Bass Reeves war der erste schwarze Marshal westlich des Mississippi und ging als einer der besten Schützen seiner Zeit in die Geschichte ein. Die Freundschaft zwischen Bass Reeves und dem Mann, „der schneller zieht als sein Schatten“, der Bundesstaat Louisiana und ein spannender, historischer Hintergrund, in dem sich viele aktuelle Ereignisse widerspiegeln, machen das 99. Abenteuer des einsamen Cowboys hoffentlich zu einer ganz besonderen Geschichte. – Stay tuned!
Manchmal fördern Arbeiten im Archiv unerwartete Schätze zu Tage: Egmont Ehapa Media verkündet mit großer Vorfreude die Attraktion des Jahres aus dem Asterix-Universum: Am 21. Oktober 2020 erscheint das Sonderalbum „Der goldene Hinkelstein“. Ein Asterix-Abenteuer von den original Asterix-Vätern, mit Texten von René Goscinny und Zeichnungen von Albert Uderzo. Die Besprechung findet ihr hier.
Das ganze Dorf ist in Aufruhr: Troubadix hat beschlossen, am legendären Gesangswettbewerb für die Barden Galliens teilzunehmen. Der Gewinner des Wettbewerbs wird traditionell mit dem goldenen Hinkelstein ausgezeichnet. Weil auch die Römer großes Interesse an diesem Wettbewerb haben, werden Asterix und Obelix beauftragt, Troubadix zu seinem Schutz zu begleiten. Sie dürfen ihm nicht von der Seite weichen – koste es, was es wolle!
Das einzigartige Abenteuer wurde 1967 in Frankreich als Schallplatte mit Begleitheft veröffentlicht, jedoch niemals als Album und noch nie in deutscher Sprache! Für heutige Leser hat die Geschichte echten Seltenheitswert: Die Story ist von René Goscinny mit dem für ihn typischen Witz und Esprit verfasst, die Zeichnungen tragen den meisterhaften und unverwechselbaren Pinselstrich Albert Uderzos.
Ohne ihn hätte es die weltberühmten Comic-Helden Asterix und Obelix nicht gegeben: Nun ist Albert Uderzo im hohen Alter von 92 Jahren gestern Nacht im Kreis seiner Familie an einem Herzinfarkt verstorben.
Gemeinsam mit dem begnadeten Geschichtenerzähler René Goscinny erschuf er das Asterix-Universum, welches seit Generationen für Jung und Alt ein weltweiter gallischer Dauerrenner ist. Sein Motto lautete, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält.
Albert Uderzos langjähriger deutscher Verlag Egmont Ehapa Media GmbH zur traurigen Nachricht: „Die Welt hat einen großen Zeichner verloren. Zugleich bleiben wir reich beschenkt zurück mit den einzigartigen Comic-Geschichten aus Gallien. Durch die Abenteuer von Asterix wird Albert Uderzo uns und den Lesern in bunter, humorvoller Erinnerung bleiben. Wir bedanken uns bei ihm für eine vertrauensvolle und außergewöhnliche verlegerische Partnerschaft über ein halbes Jahrhundert und für all seine pointierten Zeichnungen und Geschichten.“
Albert Uderzo wurde am 25. April 1927 geboren. Alles deutete darauf hin, dass er mit seinen Händen Großes vorhatte: Albert Uderzo kam mit sechs Fingern an jeder Hand zur Welt. Seine Eltern beschlossen jedoch diese beiden überzähligen Finger entfernen zu lassen. Als Sechsjähriger Knirps lieferte er schon die ersten, beinahe druckreifen Zeichnungen zu Hause ab. Da erst bemerkte man, dass der Junge farbenblind war. Auch dieses Hindernis konnte ihn nicht stoppen. Mit 14 Jahren engagierte ihn ein Pariser Verlag. Mit 18 zeichnete er bereits seine eigenen Comic-Strips. Das Zeichentalent scheint ihm wirklich in die Wiege gelegt worden zu sein, denn er besuchte zu keiner Zeit eine Kunstakademie. Seinen unverwechselbaren Strich bringt er sich selbst bei und verbessert sich durch permanentes Üben. 1951 schlägt seine große Stunde. Er begegnet Jean Michel Charlier und insbesondere René Goscinny. Mit Charlier entstehen die Abenteuer der beiden tollkühnen Piloten „Tanguy und Laverdure“. Zusammen mit René Goscinny entwickelt er zunächst „Umpah-Pah“. Zwischen den beiden Künstlern bahnt sich eine lebenslange, sehr innige Freundschaft an. Seinen großen Durchbruch feierte er 1961, als die gallischen Abenteuer in Frankreich schon in Form von kompletten Comic-Geschichten in 48-seitigen Alben erscheinen. Der Asterix-Funke zündet und nur wenige Jahre später und begeistert in ganz Europa. Seinen größten Verlust erlebte er 1977: Nach dem plötzlichen Tod seines besten Freundes René Goscinny wollte das Zeichnergenie mit Asterix Schluss machen. Aber seine Fans überzeugten ihn weiterzumachen und so soll es auch jetzt sein: Auch wenn er diese Welt verlassen hat, durch Asterix wird der großartige Künstler in den Herzen der Leser für immer weiterleben.
Der Junge, der schneller zieht als sein Schatten ist zurück. Wie seit einigen Jahren üblich wechseln sich in der deutschen Lucky-Luke-Reihe die Abenteuer des Cowboys und von Lucky Kid ab. Die aktuelle Sammlung beinhaltet hauptsächlich One-Pager aus dem Leben der zukünftigen wildwest-Legende und einen Freunden Hurricane Lisette, Kleiner Kaktus oder Dopey. Auch Jolly Jumper ist bereits mit von der Partie.
Die Geschichten sind für ein jugendliches Publikum
geschrieben und daher harmlos. Im Gegensatz etwa zu dem kleinen Spirou haben
sie keine schlüpfrigen Anspielungen auf die spätere Sexualität der Erwachsenen,
leben aber ebenso von dem Widerspruch der von Kindern erlebten Erwachsenenwelt
und bieten daher genügend Fläche für witzige Erzählungen etwa über spätere
Schurken oder alkoholische Getränke.
Immer ist aber die schon bei Morris vorhandene und von Achdé weitergeführte Moralität der Geschichten zu bemerken: Es geht nicht um die Einhaltung der Gesetze, sondern um die dahinterstehende Gerechtigkeit! Das Recht der Indianer wird zwar tatsächlich mit Füssen getreten, in der kindlichen Vorstellung muss man aber trotzdem etwas tun und der konservative, Mauern bauende Rassist wird von einem kleinen Präriehund ad absurdum geführt. Diese Grundhaltung tritt nicht nur im Inhalt zu Tage sondern auch in der Bildsprache.
Achdé weiß
natürlich sehr genau, welche Gesichtsausdrücke erwartet werden und wie ein traditioneller
an Morris aufbauender Lucky Luke Comic
aussehen muss. Das gelingt ihm aber mit einem für Leser*innen sichtbaren
Vergnügen und begeistert daher auch hier erneut.
Dazu kommen verschieden wiederkehrende Szenarien; das meiner Ansicht nach am besten gelungene bringt Voraussagen oder Wunscherfüllungen des Medizinmannes: anarchistischer Humor wie bei Pippi Langstrumpf trifft auf skurrilen Humor a la Paddington!
In Frankreich gibt es mittlerweile drei Serien um den
berühmten Cowboy: die originalen Geschichten von Morris, die „neuen“ Geschichten nach Morris und die Jugendabenteuer. Da hier in Deutschland sowieso
keine chronologische Veröffentlichungspraxis durchgezogen worden war,
ermöglicht die Kombination in einer Reihe eine Generation übergreifende Ausgabe
die die einen verführt, auch die harmloseren Geschichten zu sammeln, und die
anderen, den Blick auf die erwachsene Seite zu werfen.
Vor allem in Hinblick auf die eröffnende längere Geschichte nicht
nur für Komplettisten ein guter Kauf!
Dazu passen ein Kaffee und das erste Album von Kim Wilde gleichen Namens.
Nun ist also der vierte Versuch von Ferri und Conrad alle Asterix-Nostalgiker zufriedenzustellen erschienen und wieder gibt es die Kritik, dass es sich nicht um einen „echten“ Asterix handeln würde. Naja, er ist nicht von dem gnadenlos guten Duo Goscinny/Uderzo und somit „latürnich“ kein ursprünglicher Asterix. Wer das erwartet hat, wird seit dem zu frühen Tod des Texters enttäuscht und hat diese Haltung wahrscheinlich längst verinnerlicht. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Geschichte, die neue Figuren in das etwas altbacken gewordenen Dorf einführt, quasi „The Next Generation“, die politische Themen aufnimmt (Fridays for future), die den Generationenkonflikt auf die Schippe nimmt und die dann auch noch Zeit für kleine Sidestories mit Idefix hat.
Vercingetorix hatte eine Tochter, die auf dem Schlachtfeld von ihrem Vater ein Insignium erhalten hat, um später den Widerstand erneut anzuführen. Dazu muss sie aber zunächst vor „dem Verräter“ beschützt werden. Nachdem ihre beiden Bodyguards das jahrelang hinbekommen haben, brauchen sie nun kurzfristig eine Übergangslösung um ein Schiff nach Londinum zu besorgen. Was läge also näher als das Dorf der Unbeugsamen. Tatsächlich geht es dabei um die gesamte Gemeinschaft, die die junge Adrenaline, so der Name der berühmten Tochter, schützen soll und nicht nur um die beiden Standardhelden. Das lässt Raum für altbekannte Gallier*innen, aber vor allem auch für neue andere Jugendliche. Selfix und Aspix, Söhne von Automatix und Verleihnix, nehmen dabei die größten Rollen ein, aber auch andere werden nicht nur mit Namen versehen, sondern tragen auch die Handlung. Alle sind leicht frustriert, lehnen nicht nur Wildschweinjagd sondern auch Römerkloppe ab und suchen die Gesellschaft von Troubadix, weil den auch keiner mag.
Adrenaline wird eingeführt mit dem Hinweis, dass sie gerne
ausbüxe und das tut sie auch. Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Thule
trifft sie auf die Piraten, Epidemais, Römer und auch auf einen Hippie namens
Letitbix. Natürlich macht ihr der Verräter Miesetrix zu schaffen und am Ende
wird alles gut… – Wirklich? Irgendwie wird nicht einfach alles gut, sondern für
viele erst mal anders und sicherlich auch komplizierter.
Ferri hat sich
damit erstmals wirklich etwas emanzipiert von dem großem Vorbild Uderzo, der das Dorf eigentlich immer
nur um Asterix und Obelix sowie Majestix und Miraculix konzentriert hatte. Alle
anderen waren Beiwerk oder „Fremde“. So sind z. B. die Kampfszenen mit den
Römern auch eher Zitate als Handlung,
Die Übersetzung von Klaus
Jöken ist dabei gut gelungen! Es findet keine Anbiederung an „Jugendsprache“
statt und doch reden die Heranwachsenden anders. Die Zahnlücke des Surimix ist
zu „hören“ und auch der Gote sticht wieder heraus.
Die Zeichnungen
Natürlich ist auch der 38. Band ein typischer Asterix. Die Streifen von Obelix Hose sind immer noch sehr dick, alles andere sieht aber bekannt aus. Alles? Nein, denn ein kleiner Charakter beginnt ein Eigenleben zu führen: Idefix klettert, fällt, strampelt und freut sich genauso, wie es ein Hund dieser Größe eben tut! Eine schöne Entwicklung, die beweist, dass Conrad sich mit den Figuren nicht mehr so schwer tut. Auch die Piraten bieten die eine oder andere Überraschung!
Die pubertäre Adrenaline ist einerseits sehr treffend
geraten: Genervt, im nächsten Moment erfreut und wieder zurück. Auch ihre
Weigerung, ein Kleid zu tragen, drückt sie körperlich aus und diese Posen
gelingen Conrad gut. Die Pferde haben
alle unterschiedliche Charaktere und sind damit fast schon Figuren anstelle von
Statisten. Auch hier also sehr positive Ansätze.
Fazit
Wie bewertet man einen Comic, der so stark von Erwartungen
belastet ist, der eine Startauflage hat, die die von Harry Potter übersteigt und der wahrscheinlich auch in diesem Jahr
die Buchverkaufszahlen retten wird? Ich wurde nach dem ersten Lesen gefragt,
was ich über den neuen Band erzählen könne und zum ersten Mal seit vielen
Folgen fielen mir Passagen ein, Bilder, kongenial übersetzte Texte und Gags.
Mehr kann man eigentlich nicht erwarten, oder?
Es ist kein Comic aus den Siebziger Jahren (IMHO: zum Glück!) sondern eine modernisierte Adaption. Auch Band 38 bietet einen Asterix für Kinder, der gleichzeitig auch einer für Erwachsene ist. Beide werden unterschiedliche Sachen wahrnehmen. Sowohl Texter als auch Zeichner haben sich freigeschwommen und setzten eigene, neue Akzente und die Story ist deutlich besser als in den letzten Abenteuern! Für mich ein gelungener Wurf!
Dazu passen bretonischer Cidre und genau die Musik, die ihr
als erste LP, CD oder Download hattet und die euren Geschmack im Gegensatz zu
dem eurer Eltern geformt hat. Bei mir war das „Can the Can“!
Beim Teutates! Der
Titel des 38. Asterix-Albums offenbart ein lang gehütetes Geheimnis:
Vercingetorix, der
Häuptling aller gallischen Häuptlinge, hatte eine Tochter!
Am 24. Oktober 2019 kreuzen sich die Wege des
Mädchens und die unserer gallischen Helden.
DAS ALBUM
Vor 60 Jahren
lieferten Albert Uderzo und René Goscinny ihren ersten Geniestreich
ab: Asterix der Gallier! Nun, pünktlich zum Jubiläum
meldet sich der unbeugsame Held mit einem neuen Abenteuer zurück! Nach den
Strapazen ihrer letzten Reise hätten sich Asterix und Obelix gewünscht, die
Ruhe im beschaulichen Aremorica zu genießen. Doch daraus wird leider nichts!
Ein geheimnisvolles
Mädchen kommt ins Dorf, begleitet von zwei Arverner-Häuptlingen.
Die Drei sind auf
der Flucht vor Julius Cäsar und seinen Legionären, und das aus gutem Grund: Im
Dorf munkelt man, dass der Vater des jungen Mädchens kein Geringerer sei als
Vercingetorix, der große Arvernerhäuptling, der einst bei Alesia von Julius
Cäsar geschlagen wurde!
Am 24. Oktober erscheint in mehr als 20 Sprachen und mit einer Startauflage von über 5 Millionen Exemplaren das neue Abenteuer von Asterix und Obelix mit dem Titel Die Tochter des Vercingetorix. Es ist das vierte Album aus der Feder des Duos Jean-Yves Ferri und Didier Conrad.
„WESSEN TOCHTER??“
„Soweit wir wissen,
ist die junge Dame ein Teenager in der rebellischen Phase”, verraten die
Autoren.
„Als Tochter des
legendären Vercingetorix hat man es schließlich nicht leicht!”
„Wir mussten sehr
viele Nachforschungen anstellen, um herauszufinden, wie sie hieß, wie sie
aussah, was für ein Mensch sie war usw. Jeder weiß, dass Vercingetorix sich
sehr bedeckt hielt, was sein Privatleben anging. Auch die historischen Quellen
geben nicht viel her. Aber wir konnten doch so Manches ans Tageslicht bringen,
was für allerhand Überraschungen sorgen dürfte!”
Didier Conrad und Jean-Yves Ferry bleiben im Rhytmus! Wie der deutsche Verlag Egmont Ehapa Media GmbH soeben mitgeteilt hat, erscheint das 38. Album der Gallier am 24. Oktober und damit fast auf den Tag genau am 60.Geburtstag de Galliers am 29. Oktober.
Wie schon bei den letzten Alben ist der Inhalt streng geheim und es werden nur wenige Informationen gestreut. Auf jeden Fall bekommt das Dorf Besuch von einer bedeutenden Persönlichkeit…
Aus Anlass des neuen Lucky Luke Abenteurers „Ein Cowboy in Paris“ stellten sich der Zeichner Achdé und der Texter Jul am 7.11.2018 den Fragen der Presse. Auch comix-online hat die Gelegenheit genutzt! Die Besprechung dieses Bandes findet ihr hier.
Vorweg aber noch ein paar Details zu den
Künstlern:
Achdé (Hervé
Darmenton) wurde 1961 in Lyon geboren und zeichnet Comics seit rund dreißig
Jahren. Er übernahm Lucky Luke mit der Geschichte Der französische Koch, auf Deutsch als kleinformatiges Hardcover
erstmals 2003 veröffentlicht. Seit 2011 arbeitet Achdé auch an Onepagern über Lucky Kid.
Jul ist der Künstlername des 1974 geborenen Julien Lucien Berjeaut. Das aktuelle Album ist seine zweite Zusammenarbeit mit Achdé nach „Ein gelobtes Land“. Auf Deutsch liegt von seinen weiteren Arbeiten bisher kaum etwas vor.
Achdé, Sie haben für Lucky Luke schon mit einigen Szenaristen zusammengearbeitet. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Jul gekommen und aus welchen Gründen haben Sie sich entschieden, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten?
Achdé: Zuerst gab es diese gute Idee, die Jul vorgeschlagen hat, und die fand
ich so gut, dass ich mir gleich eine Dokumentarsendung über die Freiheitstatue
angeschaut habe. Dann habe ich diese an Jul weitergereicht und ihn gebeten,
sich das mal anzuschauen. Die Idee fand er so super, dass wir mit dem Verleger
gesprochen, der die Idee auch fantastisch fand. Und außerdem hat die Zusammenarbeit
beim ersten Band „Das gelobte Land“ so gut geklappt, dass es dumm gewesen wäre,
die Teamkonstellation zu wechseln.
Könnten
Sie für die Leser von comix-online beschreiben, wie die Zusammenarbeit mit
Achde aussieht? Treffen Sie sich oder ist die Zusammenarbeit ausschließlich
remote? Ist das Szenario mit seinen Vorgaben durch sie bereits komplett fertig
oder akzeptieren Sie Ideen von Achde und integrieren diese?
Jul: Ich mache ein vollständiges Szenario und
das gebe ich dann an Achdé weiter. Er macht sich dann daran, dieses Szenario zu
zeichnen und die Seiteneinteilung vorzunehmen. Dabei stößt er dann womöglich
hier und da darauf, dass es zeichnerisch nicht flüssig genug umzusetzen ist
ganz, dass es verschiedene Probleme bei den Zeichnungen gibt, die man dann eben
wieder anpassen muss und darüber diskutieren Achdé und ich dann.
Achdé: Ich mache auch gern Vorschläge zu den historischen
Ereignissen. Die Leser wissen meine historischen Kenntnisse zu schätzen.
Jul: In diesem Album zum Beispiel gibt es die Szene, in der Lucky Luke Paris besichtigt, und jedes Panel ist wie eine Postkarte aufgebaut, eben mit den typischen Dingen, die man mit Paris verbindet, Notre Dame, den Boulevards, den Cafés. Ich wollte das eigentlich schnell abhandeln, denn ich dachte, es sei besser, die Geschichte an sich weiter zu behandeln, aber Achdé meinte, das muss alles vorkommen, und ich habe mich überzeugen lassen und ich bin auch sehr froh darüber.
Der
neue Band von Lucky Luke enthält wesentlich mehr Anspielungen auf die aktuelle
politische Situation als frühere Werke. Warum haben Sie sich entschieden,
zeitbezogener zu werden und welche Absichten verfolgen Sie dabei?
Jul: Eigentlich ein Zufall. Das Thema der Freiheitsstatue
ist an sich schon ein gutes Thema für eine Geschichte. Dass dann auch der aktuelle
Bezug herrscht, ist ein reiner Zufall. Alles, was erzählt wird, hat eigentlich
einen historischen Hintergrund, zum Beispiel die Olympischen Spiele, die
erwähnt werden. Demnächst werden in Paris auch wieder Olympischen Spiele
stattfinden und damals wurden dort auch Olympischen Spiele vorbereitet. Oder die
Streiks, die wir heute haben, Streiks gab es auch damals um 1880. Oder
Attentate, da gab es die ebenso welche zu dieser damaligen Zeit. Oder dass es
Politiker gegeben hat, die gegen Immigration sind, die versuchen, Leute
auszugrenzen oder auszusperren – das sind alles Vorkommnisse, die es damals
gegeben hat und bei denen es uns aber so vorkommt, als seien das alles
Anspielungen auf die heutige Zeit. Uns kommen die Dinge oft so vor, als würden
sie uns das erst Mal passieren, als seien sie ganz neue Phänomene. Vielleicht
trägt der neue Lucky Luke-Band nun dazu bei, dass wir verstehen, dass es solche
Geschehnisse und Erscheinungen auch damals schon gegeben hat.
Comix-online
ist ein Magazin für Deutsche und niederländische Leser. Sehen sie irgendwelche
Unterschiede in der nationalen Rezeption von Lucky Luke in den beiden Märkten?
Ein Unterschied ist auf jeden Fall die Vorveröffentlichung der neuen Geschichte
in dem niederländischen Magazin EPPO.
Achdé: Natürlich hängt auch alles von einer
guten Übersetzung ab. Der Übersetzer ist nicht nur dazu da, alles Wort für Wort
zu übersetzen, sondern die ganze Geschichte anzupassen, zu adaptieren, damit
auch der Leser dann die ganzen Anspielungen versteht, auch in der Fremdsprache,
und das muss in jeder Sprache eben auch individuell angepasst werden. Es gibt
in Lucky Luke auf jeden Fall verschiedenen Verständnisebenen, und das betrifft
nicht nur den Band hinsichtlich seiner Übertragung in verschiedene Sprachen.
Selbst im Französischen zum Beispiel zwischen Jung und Alt: Meine eigenen
Kinder haben die Szene mit Madame Bovary erst gar nicht verstanden. Junge Leute
lesen über so etwas hinweg, weil so etwas auch im Schulplan heutzutage, scheint
mir, überhaupt nicht mehr enthalten ist, eben wie Madame Bovary im
Literaturunterricht, während die Szene, die in Paris, also in der Großstadt,
spielt, wo es viele Geschäfte gibt, diese Szene hat meine Kinder sofort
angesprochen – dass man in einer Großstadt shoppen geht, das versteht jedes
Kind sofort.
Arbeiten
Sie lieber an den langen Lucky Luke Geschichten oder an den Onepagern mit dem
Kid und warum?
Achdé: Wenn ich mit Jul zusammenarbeite, also
als Team, dann ist das natürlich eine ganz andere Vorgehensweise – das gefällt
mir auch. Aber wie gesagt, das kann man eigentlich gar nicht vergleichen. Wenn
ich eine Geschichte, also eine Onepager für Lucky Kid mache, dann ist das
natürlich ein ganz anderer Ansatz: Ich mache das Szenario selber, den Text
selber, natürlich die Zeichnungen. Das ist dann eine Geschichte, die eben
lustig sein soll, sonst nichts. Das mag ich auch, aber wie gesagt, das ist
etwas ganz anderes als die klassischen Lucky Luke-Alben.
Würden
sie den Lesern von comix-online noch gerne etwas sagen?
Jul: Der Wille, den traditionellen Lucky Luke fortzuführen, so wie er immer existiert hat, ist gepaart mit dem Wunsch, immer zu überraschen und etwas Neues zu bringen. Und so, wie uns das Vergnügen bereitet, hoffen wir, dass es so bleibt, dass auch die Leser weiterhin an Lucky Luke Vergnügen haben, ihn lesen und ihm treu bleiben.
Vielen Dank Achdé und Jul sowie Anja Adam und
Maria Schreier von Egmont Publishing für die Vermittlung und Übersetzung!