Trondheim/Tarrin – Spirou und Fantasio Spezial 44

Der Schatz von San Inferno

Story: Lewis Trondheim

Zeichnungen: Fabrice Tarrin

Originaltitel: L e Trésor de San Inferno

Carlsen Comics
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISBN: 
978-3-551-80575-1

Cover Spirou & Fantasio Spezial 44

Schon seit sehr langer Zeit wird die ehemalige „Hausserie“ des Spirou-Magazins nicht mehr von einem festen Team betraut. Das hat den großen Vorteil, dass viele verschiedene Interpretationen auf den Markt kommen und so für Abwechslung gesorgt wird. Der deutsche Verlag dieser Abenteuer setzt allerdings auf eine eigene Nummerierung, hat er doch auch klassische Werke etwa von Rob-Vel in diese Reihe integriert.

Wird es endlich der Pulitzer-Preis?

Ein ständiger Traum von Fantasio ist es, endlich mit einer Reportage den Pulitzer-Preis gewinnen zu können. Sein ständiger Albtraum dagegen besteht darin, dass seine Kollegin Steffanie im zuvorkommt. In Der Schatz von San Inferno ist beides möglich. Fantasio hat einen heißen Tipp für eine Sensationsmeldung bekommen und ist mit Spirou und dem Marsupilami in eine Wüstengegend aufgebrochen. Tatsächlich hat seine Konkurrentin aber seine Aufregung richtig gedeutet und ist ebenfalls unterwegs. Sie hat mit ihrem Gefährt jedoch mitten in der Wüste eine Panne und kurzfristig überlegt unser Held, sie dort verdursten zu lassen.

Spirou & Fantasio Spezial page 3

Natürlich siegt jedoch die Menschlichkeit. Am Ziel, dem sehr spannend in Felsen gehauenen Wüstennest San Inferno, angekommen, zeigt sich, dass der Traum des Reporters wahr zu werden scheint: in den Katakomben liegt ein Skelett eines Aliens. Bevor Fantasio es dokumentieren kann, wird es jedoch entführt. Nicht alle Dorfbewohner scheinen die mögliche Sensation gut zu finden.

Im weiteren Verlauf gibt es noch mehr Sensationen, aber auch Gefahren durch Skorpione, Hinterhalte und Wassermangel. Selbst ein Erdbeben nimmt seinen Lauf. Lewis Trondheim gelingt eine spannende Geschichte im Stil der Spirou-Historie. Alle Figuren haben Format und die Wendungen halten die Leser*innen bis zum letzten Panel auf Trab! Für ihn ist es schon die zweite Geschichte mit dem Marsupilami in kurzer Zeit.

Eine Hommage an Franquin

Fabrice Tarrin hat im Laufe seiner Karriere schon einige Bände und Serien gezeichnet, ist aber in Deutschland bisher noch kein Star. Am bekanntesten sind seine Asterix-Sonderbände (Im Reich der Mitte & das Geheimnis des Zaubertranks) sowie Die Gruft derer von Rummelsdorf, das ebenfalls in der Spirou & Fantasio Spezial-Reihe erschienen ist. Laut Nachwort wollte er eigentlich gar kein weiteres Album dieser Art zeichnen, aber …

Spirou & Fantasio Spezial page 4

Kaum ein Zeichner kann dem Angebot widerstehen, das Marsupilami zeichnen zu dürfen! Tarrin gelingt es, einerseits seine Hochachtung vor André Franquin auszudrücken, andererseits den Stil leicht zu modernisieren. Und so darf Steffanie in einem Kabinenroller verunglücken, die Leuchtmittel werden noch mit fossiler Energie betrieben, die Frauenfiguren sind aber weniger schablonenhaft. Und die Plapparos sind eine sehr witzige Bereicherung der Fauna dieser Reihe.

Für alte und neue Fans

Der Schatz von San Inferno dürfte sowohl die Fans der klassischen Hochzeit als auch die modernen Leser*innen der Serie mitnehmen. Der Humor ist zeitlos, die Gagdichte hoch, die Zeichnungen einfach genug, um nicht zu überfordern, aber detailliert genug, um nicht zu langweilen. Die Figuren sind in ihren Handlungen leicht modernisiert, folgen aber immer noch den erwartbaren Mustern.

Spirou & Fantasio Spezial page 6

Spirou & Fantasio in dieser Machart sind ein Vergnügen für die ganze Familie. Das konnte man in der Vergangenheit besonders bei den Spezialbänden nicht immer sagen. Wer also aus der Asterix-Schiene kommend neu einsteigen möchte, findet hier einen guten Zugang. Und für die Generation ZACK, die mit Franquin aufgewachsen ist, lohnt sich der Kauf ebenfalls!

Dazu passen Chaka Demus & Pliers mit „Murder she wrote“ (R.I.P. Sly!) und ein Corona.

© der Abbildungen Dupuis 2025 | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

ZACK 320 (Februar 2026)

ZACK 320

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 320

Und noch ein weiteres Heft mit gleich vier klassischen ZACK-Serien. Wenn das kein Grund für nostalgische Gefühle ist … Aber halt: Da war doch was: die Abenteuer waren – besonders in der Wiechmann-Zeit – teilweise extrem gekürzt. Die Veröffentlichungsreihenfolge war manchmal sehr eigenwillig, es gab ein Maschinenlettering, … Zum Glück sind alle diese Punkte mittlerweile Geschichte und nicht mehr zeitgemäß. Daher gibt es runderneuerte und komplette Geschichten mit einem angenehm lesbaren Lettering in guter Übersetzung!

Die Fortsetzungen

Den Anfang macht der Coverboy des Monats Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß). Er hat gerade den Job bei Wells Fargo gekündigt, begleitet aber trotzdem noch ein letztes Mal eine Kutsche. Diese hätte eigentlich von seiner Frau gelenkt werden sollen, musste aber verletzungsbedingt absagen. Seine Reise soll ihn nun zu ihr führen. Ihr Ersatz schildert zunächst einmal seinen tragischen, aber prägenden Werdegang. Endlich gestartet, entdecken sie, dass eine der Stationen überfallen wurde, nur ein Überlebender kann von dem Massaker berichten. Hier erfährt Ringo auch, dass seine Verlobte auf dieser Poststelle war und entführt worden ist. Devil’s Gate ist ein klassischer Western mit viel Action von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko der hoffen lässt, dass der Re-Start nicht nur von kurzer Dauer bleibt.

ZACK 320 page 5

Auch Jeff Mistral geht in die zweite Runde. Der Detektiv trifft sich mit einer „Lucie“ in einer Bar. Dort erklärt sie ihm, dass ihr Partner den Diamanten gestohlen hat, nun aber in ernsten Schwierigkeiten stecke. Aufgrund einer Nahtoderfahrung habe er spezielle Fähigkeiten. Und kurz darauf tauchen die besagten Schwierigkeiten auch schon leibhaftig auf. Ein Krimi, der in den 60-ern spielt und in der Tradition von Jeff Jordan oder Harry & Platte steht. Eine gut konstruierte Geschichte von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié.

Detail ZACK 320 page 19

Wer gerne Autos im Comic sieht, darf sich beim Weiterblättern auch weiter freuen. Gleich danach startet nämlich die Qualifikation für das Rennen in Indianapolis, an dem Michel Vaillant, Steve Warson und Elsa teilnehmen werden. Steve wird dabei als Lockvogel des FBI auftreten und teilweise gedoubelt werden. So hofft man, den Killern ein Schnippchen schlagen zu können. Wird diese Rechnung aufgehen? Erlösung ist ein weiterer Baustein in der eine lange Geschichte erzählenden zweiten Staffel, die aktuell von Daniel Lapière getextet wird. Für die Zeichnungen sorgen Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 320 page 33

Danach geht es weiter mit der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud aus der Aleksis Strogonov Reihe. In Tamo gibt es sich bekämpfende Separatisten, Kleinwüchsige, Journalisten, Dörfler*innen und Liebeskummer. Alles wird von Émile Bravo zu Papier gebracht.

Detail ZACK 320 page 47

Rick Master ohne seinen Ferrari? Das ist sogar einen Metawitz wert … Ist in Paris ein neuer Bandenkrieg ausgebrochen? Oder spielt Dead Sugar einfach nur ihr eigenes Spiel? Rick wird jedenfalls von einem seiner Erzfeinde um Hilfe angefleht da er sonst von der toughen Lady erschossen werden würde. Simon Van Liemt hat eine weitere Story geschrieben die Nadine zu einem eigenständigen Auftritt verhilft, gleichzeitig aber dem Titelhelden weitere Entwicklungen ermöglicht. Zidrou setzt das sehr dynamisch um und verknüpft Retro-Charme mit Action.

ZACK 320 page 61

Die Abschiede

Jerusalem hat es auf Amoras in die Villa von Krimson geschafft, muss sich aber nun mit Achiel, dem Butler, auseinandersetzen. Sie bietet ihm eine Zusammenarbeit an. In der Zwischenzeit hat es auch Wiske geschafft, das Anwesen zu erreichen. Sie ist verzweifelt und wütend und das ist eine explosive Mischung. Fern des Ganzen versucht Suske einen Plan zu entwickeln, alle wieder zurückzuholen. Das wird aber erst im letzten Kapitel der Saga ausprobiert werden können. Für mich bleibt Amoras von Marc Legendre und Charel Cambré eine der ganz großen aktuellen Comic-Serien die viel mehr Erfolg verdient hätte.

ZACK 320 page 75

Während Tanguy sich in China seines Lebens nicht sicher sein kann, versucht Laverdure auf der anderen Seite, Provokationen der chinesischen Kampfjets zu überleben. Verrat ist wieder nur der Auftakt und bis zum Weiterlesen müssen wir mit einem heftigen Cliffhanger leben. Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl sind mit ihrer Story dicht am Puls der Zeit, Sebastien Philippe zeigt die Ritter der Lüfte in allen Situationen.

ZACK 320 page 88

Und sonst?

Dazu kommen passende Geschichten von dem Ritter. Auch Parker & Badger haben mit heftigen Unbillen zu kämpfen und Margotik erörtert mit Tizombi die Frage, ob sie den Friedhof verlassen und zu ihrer Familie zurückkehren sollte.

Michael Klein erinnert an das ZACK vor 50 Jahren, Frank Neubauer informiert und lästert, Bernd Hinrichs stellt den gnadenlos guten Taschen-Band mit Barks-Stories vor und der Verfasser dieser Zeilen gibt ein wenig Hintergrundwissen zum ersten Band der Carol Welsh-Gesamtausgabe zum Besten.

Dazu passen Barns Courtney mit „Glitter & Gold“ und ein Blanc de Noire.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Charlier/Puig – Brice Bolt Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 1

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Artur Aldoma Puig
Originaltitel: 
Kean-Michel Charlier  présente: Brice Bolt 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert 1

Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!

Zu innovativ für Spirou

Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.

Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.

Brice Bolt page 19

Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…

Zeichnungen mit vielen Farben

Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.

Brice Bolt page 20

Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!

Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier

Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!

Brice Bolt Dossier

Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!

Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.

© der Abbildungen fordisbooksandpictures 2025 | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

MiTacq – Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Abschlussband : 1990 – 1994

Story: MiTacq, Marc Wasterlain
Zeichnungen: MiTacq

Originaltitel:  La Patrouille des Castors – L´integrale 8

Salleck Publications

Hardcover | 224 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-826-7

Cover Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Die Landschaft der Jugendzeitschriften im katholischen Belgien und damit auch diejenige der Comicmagazine wäre ohne die Pfadfinderbewegung ganz anders verlaufen. Nicht nur das kirchliche Institutionen wie etwa Averbode (siehe hier) Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Zeichnungen und Comics boten, auch als Thema von erfolgreichen Serien sind nicht nur international das Fähnlein Fieselschweif aus dem Disney-Universum, sondern lokal eben auch etwa De Donderpaatjes oder die Biber mehreren Generationen bekannt.

Jeden Tag eine gute Tat

Le Castors bzw. die Mitglieder der Biber-Patrouille sind ein Trupp von Pfadfindern, die im Laufe ihres Lebens schon einige Abenteuer erlebt haben. Ursprünglich hatte der Zeichner MiTacq die Serie zusammen mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier entwickelt. Nach 22 Alben war Schluss mit der Gemeinsamkeit, MiTacq setzte die Arbeit zunächst mit anderen Szenaristen wie etwa Marc Wasterlain beim ersten Band dieser Sammlung fort. Für die beiden anderen Geschichten holte er sich Hilfe von seinem langjährigen Freund Jacques Stoquart, mit dem er zusammen brainstormte.

Dieser abschließende Band der Gesamtausgabe enthält die letzten beiden Alben sowie die Anfänge einer zwar noch begonnen, aber nicht mehr fertiggestellten, die die SOS Kinderdörfer in den Vordergrund gestellt hätte. Außerdem sind als Bonus zwei Kurzgeschichten mit den Boms, einer anderen Serie des Zeichners enthalten. Flut über Mésin zwingt die Biber, unmittelbare Hilfe bei einer Überschwemmungskatastrophe zu leisten. Die Serie ist im Laufe der Jahre immer moderner geworden und so geht es auch um Geburtshilfe. Zudem zeigt sich, dass die Umwelt immer wichtiger wird. Dementsprechend klären die Helden auch ein schweres Entsorgungsverbrechen auf.

3 Jahre später erschien dann das letzte komplette Album, Der Blitzstein, das Anklänge an eine Science-Fiction-Story enthält. Während die Landbevölkerung sich in jahrhundertealten Vorurteilen ergeht, entdecken die Biber, dass ein radioaktiver Meteorit eine Rolle spielen könnte.  In beiden Bänden müssen die Jugendlichen auch mit alterstypischen Problemen wie Angst vor dem Versagen, Beziehung der Eltern, Schule und Mädchen klarkommen. MiTacq gelingt eine vorurteilsfreie und einfühlsame Schilderung dieser Situationen.

Realismus im Dupuis-Stil

Anfang der 90-er Jahre war bei Dupuis ein realistischer Stil en vogue, der einerseits im Gegensatz zu den Knollennasen stand, andererseits aber doch meilenweit vom Realismus eines Hermann (etwa in Comanche) entfernt war. Selbst in größter Gefahr und einer körperlichen Auseinandersetzung gibt es keine Schweißperlen oder sichtbare Verletzungen. Trotzdem erlaubt die Gesamtausgabe einen Vergleich der Entwicklung des Zeichners über immerhin fast 40 Jahre. Mehrfach hat er seinen Stil an die aktuellen Anforderungen der Leser*innenschaft angepasst.

Und so ist es auch ein Glücksfall, dass die ersten Seiten des letzten Bandes, der Schiffbruch der Marie-Jolie, nur in der noch nicht kolorierten Reinzeichnung vorliegen. Sie enthalten eine weitere Entwicklung, die Handlungen werden expliziter und das bärtige Gesicht in der Totalen hatte man so vorher auch nicht gesehen. Dank dieser Ausgabe bei Salleck Publications liegen nun also alle Bände auf Deutsch vor, nachdem der Bastei-Verlag in der 80er-Jahren nur die von Charlier getexteten Geschichten veröffentlicht hatte.

Ein einflussreicher Klassiker

Die Biber-Patrouille wird von vielen, heute erfolgreichen Zeichner*innen aus dem frankobelgischen Raum als prägender Einfluss benannt. Die Gesamtausgabe bietet nicht nur eine angemessene Form für die Comics, mit den begleitenden Texten und den zusätzlichen Abbildungen und Illustrationen bleiben hier auch keine Wünsche offen.

Liebhaber*innen von gut konstruierten Abenteuern mit jugendlichen Held*innen sind bei den Bibern gut aufgehoben. Zudem wurde es Zeit, dass diese Serie auf Deutsch eine ansprechende Publikation bekommen hat. Wer also noch Hefte der Blauen Panther zu Hause hat, sollte sie gegen diese empfehlenswerte Sammlung eintauschen.

Cover Die blauen Panther 7

Dazu passen Pink Floyd mit „The Wall“ und ein Virgin Margherita!

© der Abbildungen DUPUIS 2017, Bastei-Verlag 1980 / 2025 Eckart Schott Verlag

Axel – Die Versuchung

Nichts ist ohne Konsequenz

Story: Axel

Zeichnungen:  Axel

Originaltitel: La Tentation

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |64 Seiten | Farbe | 19,80 € | ISBN: 978-3-68950-160-0

Für Erwachsene

Cover Axel - Die Versuchung

In der Splitter-Sub-Reihe Splitternackt erscheinen mehr oder weniger explizite, teils klassische Exemplare der Gattung erotischer Comic. Dieser Band ist definitiv nichts für Jugendliche.

Der Reiz des Neuen

Gérard und Francoise sind ein Ehepaar, das schon vieles miteinander erlebt hat. Ihre Tochter ist mittlerweile erwachsen, sie sind in den Fünfzigern, haben ihre Midlife-Krisen also eigentlich überstanden. Trotzdem scheint ihnen in ihrer Beziehung irgendetwas zu fehlen, die Leidenschaft hat sich langsam davongeschlichen.

Trotzdem gönnen die beiden sich ein paar Tage Sommerurlaub an der Mittelmeerküste. Am Strand lernen sie ein anderes Pärchen kennen und verabreden sich zu einem Restaurantdinner. Die Stimmung ist nett, man nimmt noch einen Absacker und dann beginnt alles zu rutschen. Nach einem gemeinsamen Nachtbad im Meer schlafen die beiden Paare am Strand miteinander. Die beiden jungen Leute haben ein anderes Verhältnis zu diesen Dingen und es kommt am nächsten Abend zu einem Partnertausch.

Axel - Die Versuchung page 3

Während Francoise nicht weiß, wie sie damit umgehen soll, dass ihre Leidenschaft (auf ihren Mann) wieder da zu sein scheint, beschließt dieser, alles in Frage zu stellen. Während der Konflikt sauber herausgearbeitet und über mehre Phasen begleitet wird, sind die Handlungen sehr explizit.

Realismus pur

Die Bilder von Axel sind dem Realismus verhaftet. Obwohl ein wenig weichgezeichnet, bleibt doch jedes einzelne Haar zu erkennen. Dabei geht es nicht um Macht oder das Besitzen. Alle Teilnehmer*innen werden gleichberechtigt dargestellt. Ob man sich allerdings von unklaren Emotionen leiten lassen muss, ist eine der aufgeworfenen, aber nicht beantworteten Fragen.

Axel - Die Versuchung page 6

Obwohl sich Axel immerhin um eine Story bemüht hat, steht diese doch klar im Hintergrund der Zeichnungen. Das Ganze erinnert ein wenig an einen (zugegebenerweise sehr expliziten) Schlagertext.

Traum oder Alptraum?

Sicherlich gibt es nicht wenige Männer, die von Situationen wie dieser träumen. Anstatt dann aber zu sehen, wie man aktiv an der Beziehung arbeiten kann, ziehen sie sich zurück oder fangen etwas Neues an. Oft genug ist das der schnellste Weg in die Katastrophe. Jeder (sic!) möge also selbst entscheiden, ob die hier präsentierte Story eher einem Traum oder einem Alptraum entsprungen ist.

Axel - Die Versuchung page 12

Dazu passen Soft Cell mit „Tainted Love“ und ein Glass Stilles Wasser!

© der Abbildungen 2019 Axel, Dynamite | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026

Sirius/Walthéry – Natascha 24

Die Piraten aus der Stratosphäre

Story: Francois Walthery -& Sirius
Zeichnungen: Francois Walthery

Originaltitel: Chanson d´Avril

Salleck Publications

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 14,00 € | ISBN: 978-3-89908-828-1

Cover Natascha 24

Natascha ist eine der sehr erfolgreichen Serien, die für ein jugendliches Publikum geschrieben, Frauen als Handlungsträgerinnen einsetzten. Viele andere Serien aus dieser Zeit richteten sich dagegen an ein erwachsenes Publikum. Geblieben sind Yoko Tsuno und eben Natascha. Das gerade erschienene 24. Abenteuer ist erneut – wie schon die letzten beiden – eine Adaption eines Szenarios von Sirius aus der Serie „Der blaue Sperber“. Das Original erschien bereits 1949, die Bearbeitung hat es aber leicht modernisiert.

Piraten aus luftiger Höhe

Während Natascha und Walter ihren Dienst auf einem interkontinentalen Nachtflug ableisten, passiert üblicherweise nicht viel. Zwar gibt es einen Passagier der als Running Gag alle paar Seiten ein weiteres Bier haben möchte und Walter zur Verzweiflung treibt, ansonsten gibt es aber viel Zeit, die es der Stewardess erlaubt, eine Geschichte vorzulesen. Diese wiederum ist das Original von Sirius, das Walthéry so in seinen Standard überführt hat. Er hat allerdings die Personen ersetzt und so sind Nataschas Großmutter und Walters Großvater zusammen mit dem kleinen Chacha auf der Heimreise mit dem blauen Sperber, einem kleinen Segelboot.

Sie werden dabei fast und ohne Warnung von einem Luxusliner gerammt. Natürlich wollen die Drei der Sache auf den Grund gehen, kommen an Bord, und müssen feststellen, dass alle auf dem Boot zu schlafen scheinen. Alle, nein, denn der Erste Offizier ist wach und beschuldigt unsere Held*innen, den Passagieren ihre Wertsachen entwendet zu haben. Sie werden festgesetzt und den Behörden übergeben.

Natascha 24 page 7

Natürlich müssen sie wieder freigelassen werden und genauso natürlich lassen sie die Sache nicht auf sich beruhen. Gut vorbereitet schiffen sie sich erneut ein und machen Bekanntschaft mit den Piraten aus der Stratosphäre. Spannende Geschichte, die ein wenig wie ein Bond-Abenteuer wirkt und dementsprechend auch ein bisschen zu viel Piff-Pum-Bäng mit sich bringt. Immerhin bleibt die Geschichte dabei halbwegs technisch möglich.

Auch im Alter noch nichts verlernt

Francois Walthéry kann es noch! Seine Figuren stimmen, ihre Bewegungen sind sogar im Vergleich zu den Ursprüngen der Serie etwas dynamischer geworden und die Hintergründe sind detailliert wie eh und je. Viele Szenen sind extrem handlungsorientiert und die Zeichnungen nehmen die Dynamik gut auf. Dazu baut Walthéry viele kleine Reminiszenzen an andere klassische frankobelgische Serien ein. Wer mag, darf im Kommentar zu dieser Besprechung seinen/ihren Tipp abgeben, wie viele es denn sind …

Natascha 24 page 8

Und auch der Kunstgriff, zwei Generationen gleichzeitig handeln zu lassen, gelingt. Alles, was dafür notwendig ist, ist ein anderer Hintergrund! Immer noch eine lesenswerte (und anschauenswerte) Sache! Bei Weltherrschaftsplänen ist es nicht verwunderlich, dass auch Nazis mit dabei sind. Ihre Darstellung als Deppen macht immer wieder Spaß!

Ein lebendiger Klassiker

Natascha als Serie hat jetzt mehr als 45 Jahre auf dem Buckel, andere haben dann die Arbeit bereits seit langem eingestellt bzw. die Serie an andere übergeben. Aus qualitativen Aspekten besteht hier kein Grund dafür und mit dem Kunstgriff, funktionierende Geschichten zu adaptieren, besteht auch keine Gefahr, sich selbst ständig zu wiederholen.

Detail Natascha 24 page 12

Für Fans der 70-er Serien aus dem Spirou-Magazin immer noch ein guter Tipp. Aber auch, wer die Serie noch nicht kennt, die Ecolé Marcinelle aber mag, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren: eine toughe, aber glaubwürdige Heldin, ein leicht vertrottelter Partner und Spannung – was will man mehr für die kleine Flucht aus dem Alltag!

Dazu passen The Distillers, und – natürlich – ein Dosenbier!

© der Abbildungen DUPUIS 2025, by Walthéry, Sirius / 2025 Eckart Schott Verlag

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 8

Das Tal der Klapperschlangen

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Échec à la main noire & La Vallée des Crotales

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-50-2

Cover Bob Morane Classic 8

Während die meisten Bob Morane-Geschichten zunächst in einem Magazin für Frauen mit jeweils ein oder zwei Seiten vorabgedruckt wurden, gab es einige wenige, die in einer belgischen Tageszeitung mit einem täglichen Streifen erschienen. Naturgemäß erforderte dieses Medium einen anderen Flow, musste es doch jeden Tag neu die potenziellen Leser*innen dazu animieren, auch am folgenden Tag Het Laatste nieuws zu kaufen. Dieser Band vereint jeweils ein Beispiel!

Ein Krimi und ein Western

Die erste Geschichte, Schach der schwarzen Hand, ist aus mehreren Gesichtspunkten heraus außergewöhnlich. Das Sujet klingt vertraut: Bill und Bob geraten auf der Straße in eine Schlägerei, retten eine (junge und hübsche) Frau und erfahren, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Selbstverständlich wollen die beiden Helden ihr helfen, geraten dabei in Schwierigkeiten und bekommen es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Hier geht es um die Mafia, ein großes Erbe und eine Quest. Wie immer meistert Vernes die Geschichte und hält die Leser*innen bei der Stange.

Während üblicherweise eine ganze Seite zur Verfügung steht, einen Strang zu entwickeln, bleiben bei Tagesstreifen aber nur 2 bis maximal 4 Bilder, um anzuknüpfen, weiterzuführen, und einen Cliffhanger zu präsentieren. Zudem waren die Originale verschollen. Und so wurden aus den schwarz-weißen Zeichnungen von Gérald Forton ihnen nachempfundene farbige von Jacques Géron.

Bob Morane Classic 8 page 3

Im Tal der Klapperschlangen haben unsere Bekannten eine Panne inmitten einer amerikanischen Wüstenlandschaft. Sie geraten in einen Streit zwischen weißen Farmern und der indianischen Besitzerin einer Ranch und beziehen Stellung, obwohl beide Seiten das eigentlich gar nicht wollen. Hübsche Geschichte, die traditionellen Pfaden folgt, sie aber nett kombiniert.

Eine besondere Form der Gesamtausgabe

Bei älteren Comics stellt sich generell die Frage nach der Qualität der Vorlagen. Der Taschen-Verlag hat für seine Libraries eine sehr aufwendige Reproduktionstechnik gewählt und die Modesty Blaise-Ausgabe enthält teilweise Scans von Zeitungsveröffentlichungen. Für die Geschichte mit der schwarzen Hand ging der damalige Verleger Claude Lefrancq 1992 einen zeitgemäßen Weg: Er bat einen bekannten Zeichner, neue Panel im Stile des alten anzufertigen. Jede*r möge selbst urteilen, ob das „gut“ ist. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gut genug, ermöglicht es doch auch anderen Fans von Bob Morane, die Geschichte lesen zu können. Zudem fällt die Geschichte als Strip sowieso aus dem Rahmen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Gesichter etwas anders aussehen.

Bob Morane Classic 8 page 4

Das Tal der Klapperschlangen ist dagegen eine sehr typische Veröffentlichung. Forton besaß bereits genügend Routine mit den Hauptfiguren, um sich auf Details und Landschaften konzentrieren zu können.

Bergfest

Fünfzehn Bände sind in der Bob Morane Classic Edition geplant, gut die Hälfte ist jetzt erschienen. Während die Bände von Vance und Coria in Deutschland schon häufiger eine Heimat gefunden hatten, waren die von Attanasio und Forton fast komplett unveröffentlicht. Fans des unverwüstlichen Helden, der mittlerweile in seinem siebten Jahrzehnt steht, finden hier eine sorgfältige Veröffentlichung mit bibliographischen Angaben im Hardcover.

Bob Morane Classic 8 page 5

Zusätzlich gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für fünf Bände.

Dazu passen The Kinks etwa mit „You really got me“ und ein 19 Crimes – The Uprising.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Guez/Francq – Largo Winch 25

Wenn die Götter dich verlassen …

Story: Jérémie Guez

Zeichnungen: Philippe Francq
Originaltitel:
 Si les dieux t´abandonnent …

schreiber & leser

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 16,95 € ISBN: 978-3-96582-216-0

Cover Largo Winch 25

Largo Winch ist der Erbe eines profitablen multinationalen Firmen-Konglomerats. Immer wieder gerät er in Schwierigkeiten, weil ihm sein Reichtum geneidet wird, Angestellte seiner Firmen die ethischen Grundlinien nicht einhalten wollen, oder seine Abenteuerlust ihn irgendwo hineinzieht. Erfunden wurde die Figur 1973 als Romanheld von Jean Van Hamme bevor sie dann 1989 als Comicfigur weiterentwickelt wurde. Die Serie besteht jeweils aus zwei Bänden, die zusammengehören. Die ersten 20 sind als Doppelband erhältlich.

Humanitäre Drohnen

Bedingt durch den Ukraine-Krieg gibt es eine sehr starke Korrelation zwischen Drohnen und Angriffswaffen in unseren Gedanken. Daneben schwebt vielleicht noch die Idee der Lieferdrohne. Sowohl Dienstleister wie Amazon als auch Lieferando-artige Anbieter zum Beispiel in China setzen diese bereits täglich ein. Bis wir sie hier in Deutschland zu sehen bekommen werden, vergehen aber wohl noch Jahrzehnte… Im ersten Teil des neuen Doppelabenteuers, das erstmals aus der Feder von Jérémie Guez stammt, geht es um Drohnen, die humanitären Zwecken dienen sollen.

Dazu zählen etwa Einsätze nach Naturkatastrophen, aber auch die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten in kriegerischen Situationen. Aurora Dynamics, eine Winch-Firma, ist einer der Produzenten. Gleich auf den ersten Seiten des Bandes findet Largo allerdings den Firmengründer von Aurora tot auf einem Schiff. Seine überlebende Tochter wird den Helden im Folgenden begleiten.

Largo Winch 25 page 7

Der Verdacht auf eine größere kriminelle Aktivität wird dadurch verstärkt, dass auch die Mutter, ebenfalls leitend in der Firma beschäftigt, vor wenigen Tagen bei einem Unfall verstorben ist. Guez nimmt das Setting der Serie gut auf und verknüpft Wirtschaftsthemen und Technik mit Kriminalität. Die Abläufe werden gut entwickelt, die Schauplätze sind ideal gewählt und die Nebenfiguren passen ebenfalls. Langjährige Leser*innen werden begeistert sein, Neulinge können jederzeit einsteigen!

Frankobelgischer Realismus

Philippe Franck ist die Konstante der Serie, er liefert jetzt bereits seinen 25. Band ab! Von daher gibt es natürlich auch keinen Bruch. Actionlastige Szenen wechseln sich mit Darstellungen grandioser Natur oder großstädtischer Architekturen ab. Dabei ist anzumerken, dass Francq motorisierte Szenen zwar bevorzugt, aber auch die Königsklasse der Reiterei beherrscht. Seine Bilder vom Polo sind außergewöhnlich gut!

Largo Winch 25 page 8

Fans schätzen des Weiteren die ständig wechselnden Kulissen. In diesem Band kommt eine kleine Felseninsel zu ihrem Auftritt und sowohl das moderne als auch das traditionellere Indien wird gezeigt. Auch die drei Cheffinnen des indischen Singh-Clans könnten gegensätzlicher nicht sein.

Eine gelungene Staffelübergabe!

Das Konzept der Serie und auch ihr Spirit werden durch den Wechsel im Szenario nicht verändert. Natürlich geht die Serie mit der Zeit, der Westen ist schon lange nicht mehr führend. Das wird auch hier deutlich, die Winch-Gruppe ist zwar schon immer international gewesen, steht aber für die alte Welt. Die Kooperationspartner kommen aber mittlerweile aus dem Süden oder dem Osten.

Wer auf Wirtschaftsthriller steht, sollte die Serie kennen (und lieben) und darf ob des Wechsels beruhigt sein. Wer sie jedoch nicht kennt, sollte unbedingt reinschauen!

Dazu The Jam  (R.I.P.) mit “That’s Entertainment“und ein Old Fashioned.

© der Abbildungen DUPUIS 2025 | 2025 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 6

1979 – 1981

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 16, 17, 18

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | 
ISBN: 978-3-89908-812-0

Cover Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6

Das Western-Comic-Genre teilt sich in realistische und eher lustig gezeichnete Titel.  Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass auch die Inhalte von Titeln der zweiten Kategorie nur lustig sind. Zwar sind alle Bände der Blauen Boys humorig und enthalten teilweise sogar slapstickartige Szenen, oftmals aber ist es ein schwarzer Humor, der die Schrecken des Krieges nicht überdecken soll, sondern eher überspitzt deutlich macht. Nicht zuletzt deswegen handelt es sich um eine der erfolgreichsten aktuellen Comic-Reihen. Im Original ist gerade Band 69 erschienen.

Eine notwendige Re-Edition ist angeschlossen

Zwar sind (mit dem üblichen Verzug bei den aktuellen Bänden) alle Titel der Reihe auch in Deutschland erschienen. Während die bei Carlsen oder aktuell bei Salleck Publications veröffentlichten Alben gehobenen Qualitätsansprüchen bezüglich Präsentation und Übersetzung genügen, waren die früher bei Bastei unter dem Reihentitel Bud und Chester veröffentlichten Bände weder in Form noch in Inhalt ausreichend. Mit diesem sechsten Teil der Gesamtausgabe liegen sie alle neu übersetzt und gelettert als Hardcover vor!

Bronco Benny thematisiert ein „Nachschubproblem“ beider Armeen des amerikanischen Bruderkrieges: Während es immer noch halbwegs möglich war, neue Soldaten zu rekrutieren (dazu später mehr), gab es bei den dringend für die Kavallerie benötigten Pferden größere Probleme. Besagter Bronco Benny nun ist der berühmteste Pferdeeinreiter und soll eine Herde von Wildpferden für den Einsatz zureiten. Natürlich gibt es dabei mehr Probleme als bei einem üblichen Rodeo.

Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 74

In EL Padre müssen Sgt. Chesterfield und Corporal Blutch über den Rio Grande nach Mexiko fliehen. Dort geraten sie in eine heftige Fehde zwischen blutrünstigen indianischen und mexikanischen Banden. Zu ihrem Glück hatten sie ihre Uniformen gegen ein Bauerngewand und eine Priesterkutte tauschen können. Als sie dann auch noch eine Entführung beenden wollen, kommt es fast zum Eklat zwischen den Beiden. Die Feuertaufe, der erste damals bei Carlsen erschienene Band, erzählt schließlich wie es dazu kam, dass Chesterfield und Blutch bei der Nordstaatenarmee anheuerten. Alkohol erweist sich wieder einmal als schlechter Helfer in Krisensituationen!

Routine, immer wieder neu erfunden

Man mag zu den Zeichnungen von Willy Lambil stehen, wie man will; er schafft es mit jedem Band aufs Neue, bekannte Ingredienzen neu zu mischen und spannend auf das Papier zu bringen. Nicht nur, dass er immer Tiere, die eigentlich gar nicht zur Handlung gehören, im Vordergrund einiger Panel platzieren kann, ist bemerkenswert. Auch die aus wenigen Hauptfiguren bestehende Serie immer wieder unterhaltsam zu komponieren ist faszinierend. Und so erzielt eine Kleinigkeit wie eine Tonsur eine beachtliche Wirkung!

Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 75

Während einige Serien auf ein Produktionstempo von 5 Geschichten pro Jahrzehnt kommen, haben die Blauen Boys es im ersten 10-Jahres-Zeitraum auf 18 Alben gebracht! Schon die schiere Menge zwingt zu einem großen Respekt. Tatsächlich wird hier aber nicht ein Schema wiederholt, jede einzelne Geschichte benutzt zwar die gleichen inhaltlichen Pattern, ist aber wiederholungsfrei.

Ist das das Ende der Gesamtausgabe?

Ein finanzieller Motivator für die ersten sechs Bände der Gesamtausgabe der Blauen Boys war die Tatsache, dass die ersten 17 Bände in Deutschland quasi nie erschienen waren. Wer sie hatte genießen wollen, musste auf fremdsprachige Versionen zurückgreifen. Diese Aufgabe ist nun erfüllt, alle anderen sind – teilweise allerdings vor langer Zeit und vergriffen – verfügbar gewesen. Wer also weiterlesen möchte, möge diesen Wunsch bitte formulieren und sich direkt an den Verleger Eckart Schott wenden (Kontakt über die ober verlinkte Verlagsseite).

Detail Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 76

Für mich war es nie wirklich ersichtlich, warum diese geniale Serie in Deutschland doch eher ein Schattendasein führt. Qualitativ gibt es jedenfalls keine Unterschiede zu Lucky Luke, von den Verkaufszahlen allerdings schon … Zum Glück erscheinen ja aber wenigstens die aktuellen Bände weiterhin beim gleichen Verlag.

Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit seinen „Western“-Titeln, und ein Brooklyn Lager!

© der Abbildungen DUPUIS 1980, 1981, by Cauvin & Lambil / 2025 Eckart Schott Verlag

Jacobs/Jacobs, De Moor – Die drei Formeln des Professor Sato

Die Blake und Mortimer Bibliothek 8

Story: Edgar P. Jacobs

Zeichnungen: Edgar P. Jacobs (Teil 1), Bob De Moor (Teil 2)

Originaltitel: Les 3 formules du Professor Sato – Intégrale

Carlsen Comics
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 30,00 €
ISBN: 
978-3-551-01600-3

Cover Die drei Formeln des Professor Sato

Die Diamanten-Affäre, Bd. 7 der Bibliothek, war bei den Leser*innen nicht besonders gut angekommen. Edgar P. Jacobs versuchte daher, wieder mehr Science-Fiction-Elemente in seiner Serie zu verwenden. Allerdings war weiterhin nicht an eine schnelle Veröffentlichung zu denken. Die ersten Ideen zu diesem Zweiteiler entwickelte Jacobs 1967, das Jahr, in dem auch das erste Gespräch darüber mit Greg stattfand. Die ersten Seiten erschienen dann allerdings erst 1971 in Tintin. Der zweite Teil, dessen Szenario bereits zu diesem Zeitpunkt vollständig vorlag, konnte allerdings vor Jacobs Tod 1987 nicht mehr begonnen werden. Es sollte schließlich bis 1990 dauern; dann endlich war der nun von Bob De Moor gezeichnete Band in den Läden.

Androiden in Action

Das Szenario von Edgar P. Jacobs, dessen erster Entwurf immerhin 58 Jahre alt ist, wirkt erstaunlich aktuell. Im ersten Teil der drei Formeln des Professor Sato, Mortimer in Tokio, versetzt zunächst ein mythischer Drache das Land Japan in Aufruhr. Zeug*innen schwören, das Fabelwesen gesehen zu haben, als es eine Flugzeugkatastrophe auslöste. Wir Leser*innen wissen schnell, wer dahintersteckt. Es war eine misslungene Generalprobe für eine neue Art von Androiden. Sie wurden entwickelt von dem Wissenschaftler Sato, der nun seinen Freund Mortimer zu Hilfe ruft.

Dessen Reise verläuft ungemütlich, trachtet man ihm doch ein ums andere Mal ums Leben. Zwar gelingt es ihm, das Anwesen des Professors zu erreichen und sich von ihm in die Hintergründe einweisen zu lassen, er wird aber schließlich doch von Olrik und seinen Kumpanen festgesetzt. Die Bande plant, die zugrundeliegenden drei Formeln zu stehlen und will dafür einen Androiden nutzen, der Mortimer nachgebildet ist.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 33

Auch sein Kollege Blake macht sich schließlich auf den Weg nach Japan, um seinem Freund zu Hilfe zu eilen. Dabei gerät er mitten in die Auseinandersetzung Mortimer gegen Mortimer und muss um sein Leben fürchten. Jacobs konstruiert eine auch heute noch stimmige Geschichte (tatsächlich wird sie erst jetzt durch KI wirklich möglich), die Raum für eine Krimi-Story bietet, Freundschaft und Loyalität thematisiert, und gleichzeitig die Frage nach den Gefahren der bedenkenlosen Technikgläubigkeit stellt.

Der Meister und sein Adept

Der erste Band ist ein weiterer typischer Jacobs. Viel Text, klar durchdachte und akribisch vorbereitete Szenen, allerdings mit langer Vorlaufzeit. Im einführenden Text erfahren wir, dass die in einer Szene auftauchenden Mülltonnen das Projekt um Wochen verzögert hatten, weil Jacobs unbedingt wirklichkeitsgetreue Deckel zeichnen wollte. Sie sahen zwar aus wie amerikanische, es hätte ja aber auch anders sein können.

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Der zweite Teil wurde von Bob De Moor gezeichnet. Natürlich kannten sich die Beiden von ihrer Zusammenarbeit mit Hergé und bei Tintin. De Moor war sozusagen der ideale Kandidat für die Nachfolge, er musste sein Werk allerdings unter sehr limitierenden zeitlichen Vorgaben abliefern. Die Kritik ließ an seinen Zeichnungen nicht viel Gutes, ich kann das allerdings nur bedingt nachvollziehen. Ja, es gibt immer ein paar Puristen, denen jede Änderung schon zu weit geht. Mittlerweile haben aber so viele Teams den Figuren ihren Stempel aufgedrückt, dass eine entsprechende Aussage wohl so nicht mehr vertreten werden würde.  Meiner Meinung nach hat De Moor eine solida Arbeit abgeliefert, insbesondere, wenn man die überzogenen Erwartungen und den zeitlichen Druck berücksichtigt.

Das Ende der „klassischen“ Serie

Mit diesem Band geht die Reihe der Hardcoverbände mit Einführung zu Ende, die weiteren Abenteuer sind im Carlsen Verlag weiterhin nur als Softcover geplant. Allerdings sind teilweise Vorzugsausgaben auch bei anderen Verlagen erschienen. Wer nur die neueren Bände kennt, kann hier bedenkenlos zuschlagen. Die Texte helfen beim Verständnis der Hintergründe und des Verhältnisses der beiden Hauptfiguren und sind (größtenteils) auch heute noch gut lesbar.

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Auch für die anderen lohnt es sich zu überlegen, geben die einführenden Texte doch auch Fans der ersten Stunde teilweise neue Fakten. Wer noch mehr über die Reihe erfahren möchte, sollte einen Blick in die Reddition 72 werfen oder noch ein wenig auf das für August 2026 angekündigte Lexikon warten.

Dazu passen The Slade mit „Thanks for the memories“ und ein Aberfeldy.

© der Abbildungen 2015 – Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S. A.) |2025 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

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