Eine der besonders netten Reihen bei schreiber & leser ist mit Nachtprogramm betitelt. Hier erscheinen aus dem Rahmen fallende Einzeltitel für Entdecker*innen und abenteuerlustige Leser*innen. Das Herz des Zorro ist darunter die aktuellste Veröffentlichung.
Der Inhalt
Wir springen in das Jahr 1957, mitten in den heißen Sommer. Jimmy White ist einer der typischen mittelmäßigen Männer dieser Zeit. Er hat schon als Stuntman gearbeitet, als Double und aktuell hat seine Agentin ihn als Statisten für die Disney-Serie Zorro untergebracht. Der Job ist nicht sehr anspruchsvoll, seine Frau ist vor kurzem verschwunden und die Polizei, genauer gesagt ein Detective glaubt, dass White sie umgebracht habe. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Geldverleiher…
Bei einer Drehszene wird unser Held vom Star der Serie mit einem Degen verletzt, auf eine Kolumnistin wird ein Attentat verübt und ein Sternchen wird ermordet. Natürlich hofft Jason Boyd, dass er alle diese Verbrechen dieses Mal aufklären könne, und ist fest davon überzeugt, dass nur Jimmy als Täter in Frage kommen kann.
Glücklicherweise hat Jimmy aber auch noch seine Agentin Brenda, die bereit ist, viel mehr zu tun als üblich. Roger Seiter gelingt es, in dieser Story einerseits das Flair des klassischen Noir-Thrillers aufleben zu lassen. Andererseits tauchen aber auch viele der bekannten Gesichter des Filmbusiness der End-Fünfziger auf und die Studioatmosphäre wird perfekt wiedergegeben. Die Handlung läuft dabei ab wie ein Film.
Der gebürtige Straßburger
Seiter ist im französischen Comic wahrlich
kein Unbekannter, sein Werk hat es aber bisher im Wesentlichen nicht in die deutsche
Sprache geschafft. Schade eigentlich.
Die Zeichnungen
Pascal Regnauld ist hierzulande bekannter, zeichnet er
doch seit dem 10. Band an den Geschichten von Inspektor Canardo mit.
Er nimmt das filmische
in seinen Zeichnungen auf und kombiniert Totale mit Weitwinkel und schnellen
Schnitten auf schwarzem Hintergrund.
Die Figuren sind leicht grotesk überzeichnet und in den Details reduziert. Umso wesentlicher ist die ebenfalls von Regnauld ausgeführte Kolorierung, die mit Schattierungen Kontur gibt. Gedämpfte Farben ermöglichen ein sehr stimmiges Ambiente für diesen Thriller, dem man nicht auf den ersten Blick ansieht, dass er aus diesem Jahrzehnt stammt!
Die Empfehlung
Braucht ihr noch ein
kurzfristiges Weihnachtsgeschenk?
Wenn ja, mit diesem Band macht ihr nichts falsch für Filmfans, Noir-Adicts und
Leser*innen guter Geschichten.
Der Band ist
erschwinglich, gut verarbeitet und wertig, im Zweifel nicht bereits vorhanden,
da doch eher aus einem Nicht-Mainstream-Verlag, und vor allem wirklich gut!
Dazu passen Madness mit ihrer neuen Single „The Bullingdon
Boys“ und ein klassischer Whisky Sour!
Der 1944 in Venedig geborene Paolo Eleuteri Serpieri hat ursprünglich Architektur und Malerei
studiert. Seit 1975 ist er jedoch als Zeichner, später auch als Szenarist im
Comicbusiness aktiv. Seine bekannteste Figur ist sicherlich Druuna, die in einem
Science-Fiction-Setting erotische Abenteuer erlebt. Diese Reihe ist auf Deutsch
ebenfalls bei Schreiber und Leser
vorrätig. Auch biblische Geschichten hat er für eine Weile gezeichnet. Seine
Karriere begonnen hat er aber mit Geschichten aus dem Wilden Westen, anfangs
noch getextet von Raffaele Ambrosio.
Der Schamane ist der zweite Band der Serpieri-Western-Collection; in drei Hardcover-Bänden wird das Frühwerk des Italieners in eigener Zusammenstellung des Hamburger Verlages neu aufgelegt. Dabei ist jeweils eine Geschichte farbig, die anderen werden unkoloriert abgedruckt. Serpieri ist natürlich eines der Zugpferde des Verlages; umso erstaunlicher ist es, dass man darauf verzichtet hat, editorische Notizen zu den einzelnen Geschichten hinzuzufügen. Gerade im Zuge einer Zusammenstellung der oft nur in kleinen Magazinen veröffentlichten und lange nicht lieferbaren Geschichten wäre es ein netter Zug gewesen, darauf hinzuweisen, wann die Story erstmals erschienen ist und ob und wo sie bereits einmal auf Deutsch erschienen ist. Vielleicht könnte das im abschließenden dritten Band ja noch nachgeholt werden. Der Vollständigkeit halber (wenn schon nicht aus Höflichkeit) hätte aber zumindest ein Hinweis gutgetan, dass einige der Stories von Ambrosio getextet worden sind. So bleibt nur die Suche nach dem kleinen Kästchen mit einem oder eben zwei Namen.
Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern! In dem großen
Format kommen die Zeichnungen gut zur Geltung. Auch die kleinsten Striche sind
klar und scharf und erlauben einen Einblick in die Kunst des Italieners, die in
der farbigen Version oft verdeckt wird. Serpieris
Seitenaufteilung ist flexibel, Panele überlappen sich, verschieben sich
ineinander und sind in der Größe sehr variabel. Wenn es denn gar nicht anders
geht führen Pfeile die Leser*innen auf den vorgegebenen Pfad. Die Geschichten bekommen
jeweils eine Vorsatzseite mit freigestellter Illustration; dies würdigt die
Teile mehr als ein hintereinanderweg Publizieren es täte und schafft Ruhe! Zur
Besprechung des ersten Teils geht es hier.
Der Inhalt
Der Band beginnt mit der titelgebenden Geschichte Der Schamane in Farbe. Sie vereinigt viele der wiederkehrenden Motive der Geschichten von Serpieri und Ambrosio: Machtgelüste und Rassismus als Antreiber vieler Weißer, Freiheitsliebe und Ohnmacht auf indianischer Seite und ein gewisses mystisches Etwas, das nicht zu erklären ist. Und so kommt es, wenn schon nicht zu Gerechtigkeit so doch zu einem gewissen Ausgleich. Die teilweise falschfarbige Kolorierung unterstützt gerade den letzten Aspekt deutlich und fügt sich so als gestaltendes Element in den Geschichtsaufbau ein.
John und Mary| Mary und John hat einen völlig anderen Fokus. Auch wenn hier von kriegerischen Auseinandersetzungen mit tödlichen Folgen und Menschenraub erzählt wird, stehen der Mann und die Frau im Mittelpunkt. Wie können sich Menschen, die so traumatisiert worden sind und so unterschiedliche Startpunkte und Möglichkeiten haben, aufeinander einlassen? Auch diese Geschichte ist aus der Feder von Raffaele Ambrosio. Umso erstaunlicher ist es, dass die Geschichte in weiten Teilen ohne Text auskommt.
Die Weisse Indianerin
ist keine Koproduktion. Zeichnerisch ist diese Geschichte einer der stärksten,
vielleicht auch, weil hier das Schwarz nicht soo schwarz ist und die Details dadurch
mehr Raum bekommen. Die titelgebende „Beute“ ist eine als Mädchen von den
Indianern geraubte Frau. Nach Jahren der Unwissenheit scheint jetzt ihr Aufenthaltsort
bekannt und zwei unterschiedlich motivierte Gruppen machen sich auf die Reise. Den
meisten der beteiligten Männer geht es allerdings um pure Rache, Auslöschung
ist das Ziel und das Schicksal der jungen Sarah ist allein Rechtfertigung. Wie
so viele Geschichten dieser Art ist sie zweideutig lesbar: als heroische
Beschreibung des Feldzuges des verzweifelten Mannes (wie in so vielen
Actionfilmen seit 50 Jahren) oder als Kritik an dem Männlichkeitswahn und der
stumpfsinnigen und nur noch mehr Leid schaffenden Rache.
Auch in Frauen an die Front greifen Ambrosio und Serpieri wieder das Geschlechterthema auf. Der erste Schritt der Besiedelung ist der Kampf gegen die Natur. Der zweite Schritt die Verteidigung des Bodens gegen andere Interessenten (um mal eine Verharmlosung für die ursprünglich Ansässigen zu nehmen) und gewaltsame Sicherung. Der dann folgende ist aber die Überführung der Ausnahmesituation in Alltag. Dazu gehört neben der Etablierung von Recht (Sheriff) und Wirtschaft (Hotel, General Store, Bank) auch die Familie; es müssen also irgendwie heiratswillige Frauen in den Westen kommen. Davon und vor allem von ihren Schwierigkeiten handelt diese Geschichte.
Eine außergewöhnliche
Geschichte ist dagegen eher eine (derb-)humorvolle Einzelfallaufnahme in
der ein Weißer einen ganzen indianischen Stamm auszutricksen versucht. Der alte Maler basiert ebenfalls auf
einem Trick. Es ist zwar ein ganz anderes Setting, Ambrosio erzählt aber auch hier von den Möglichkeiten den
Ohnmächtigen.
Den Schlusspunkt setzt Das
vermaledeite Gold, mit dem der Motivreigen wieder auf die mystische Welt
der Geister zurückgeführt wird.
Die Wertung
Für alle Fans des Italieners wahrscheinlich eh ein Muss, für
alle Westernfans aber ebenfalls sehr zu empfehlen. Die Geschichten sind
stimmig, die Zeichnungen in ihrem Stil sehr speziell und machen zu zitterig.
Mir gefallen sie gerade in ihrer Reduktion auf die Zeichnung. Auch die
kolorierte Geschichte ist aber gerade wegen ihrer Falschfarbigkeit ein echtes
Highlight.
Auch wer nicht unbedingt Westernfan ist, die Arbeit des
Zeichners aber pur genießen möchte, sollte daher einen Blick in diese Ausgabe
werfen!
Wer Serpieri allerdings nur wegen der prallen Rundungen zu kaufen pflegt, könnte in diesem Band enttäuscht werden. Davon gibt es – passend zum Inhalt der Geschichten – nicht viel!
Teil eines Lesezeichens
Dazu passen ein amerikanisches leichtes Bier (kein Light!),
nicht wirklich gekühlt, und indianische Musik, auch wenn es vielleicht zu
pathetisch klingt oder von diversen „movements“ genutzt wird.
Im zweiten Teil der Hilfe für Unentschlossene werden in diesem Beitrag vier Thriller unterschiedlicher Verlage vorgestellt, die es am diesjährigen Gratis Comic Tag beim Händler eures Vertrauens zum Mitnehmen gibt. Das ganze Programm findet ihr hier. Der GCT findet am 12. Mai statt.
Die vorgestellten Hefte sind sehr
unterschiedlich und bieten vom Teaser für ein Kickstarter-Projekt bis zum
kompletten ersten Band alle Varianten.
Lazarus Eins von Greg Rucka und Michael Lark ist das erste Heft einer dystopischen Serie von Image Comics, hierzulande veröffentlicht von Splitter. Sie spielt in der nahen Zukunft und beschreibt eine mögliche, wenn auch wenig wünschenswerte Zukunft. Die Vermögensverteilung auf der Welt hat sich noch mehr zu einer geöffneten Schere entwickelt, nur sechzehn Familien haben die Welt unter sich aufgeteilt. Der Rest der Menschheit findet sich entweder als „Knecht“ oder als „Abfall“ wieder und kämpft um sein Überleben. Da die Macht der Familien naturgemäß nicht von allen akzeptiert wird, halten sie sich jeweils einen genetisch modifizierten, nahezu unbesiegbaren und unsterblichen Kämpfer, genannt Lazarus.
Greg
Rucka, sonst eher bekannt durch Mainstream Comics wie
Batman oder Spider-Man bietet hier harte Kost, die von Michael Lark adäquat umgesetzt wird. Blutige Nahaufnahmen in
Zeitlupe wechseln sich ab mit in düsteren Farben gehaltenen Szenen. Sicherlich nichts
für schwache Nerven aber ein lohnenswerter Einstieg in eine preisgekrönte
Science Fiction/Thriller-Serie, von der auf Deutsch bisher 6 Sammelbände
erschienen sind.
Schreiber&Leser/Alles Gute verschenken sogar den ersten kompletten Band ihrer Serie Ghost Money. Auch diese Geschichte spielt in naher Zukunft und wird von dem Konflikt von Geheimdiensten auf der einen und Terrororganisationen auf der anderen Seite getragen. Es gibt Daneben superreiche, die kaum wahrnehmbar sind. Sie haben ultraschnelle Privatflugzeuge; Quartiere in mehreren Metropolen und kaum Kontakt zu offiziellen Stellen. Die Dame aus Dubai, so der Titel des ersten Bandes gerät dabei einerseits in das Visier der Ermittler, spielt andererseits aber auch plötzlich eine große Rolle im Leben der eigentlich völlig normalen Lindsey und dann gibt es da noch ein wenig erfüllte und unerfüllte Liebe…
Thierry
Smolderen entwickelt routiniert eine mehrere Fäden
umspannende Geschichte aus dem Überschneidungsfeld zwischen Jet-Set, internationalem
Terrorismus und Geheimdiensten, das überzeugen kann. Dominique Bertail, aktuell auch mit dem Transgender-Western Mondo Reverso im Gespräch liefert dazu
beeindruckende Bilder im klassischen franko-belgischen Stil: grandiose
Architektur oder Landschaft steht genauso im Fokus wie detaillierte Nahaufnahme
der Emotionen oder Kampfszenen. Für den Einstieg ist diese GCT-Ausgabe perfekt,
der Wunsch nach größerem Seitenformat wird aber schnell aufkommen.
Auch The Next Art beteiligt sich wieder am GCT, dieses Mal mit der SENECA-Akte II – Tod in Genf. Wie auch schon beim ersten Teil beinhaltet das Heft (nur) eine Leseprobe und die Möglichkeit innerhalb von 30 Tagen auf Kickstarter.com für die Fertigstellung des Werkes zu sorgen. Allein schon wegen dieses ungewöhnlichen Ansatzes einen Blick wert! Michael Feldmann schafft es aber auch so mit seinem im Wesentlichen schwarzweißen Stil Interesse zu wecken; dafür sorgen auch die wenigen farbigen Details, die in die Zeichnungen integriert sind. Inhaltlich geht es auch hier um eine Verschwörung: Geheimdienste (oder zumindest Teile davon) versuchen mit aller Macht die Aufdeckung und Veröffentlichung von belastendem Material zu verhindern. Geschickt werden dabei reale Ereignisse wie die Barschel-Affäre oder die Katastrophe von Rammstein in die Handlung eingebaut. Im Film gibt es diese Art von Thriller nicht mehr so häufig wie früher, ein Grund mehr also um hier beim Comic zuzuschlagen.
Zuguter Letzt ein Altmeister dieses Metiers: Warren Ellis hat moderne Pulp-Comics geschrieben, jeweils nur ein Heft aus einer imaginären Serie und diese unter dem Namen Apparat zusammengefasst. Ein Teil davon ist Simon Spector das zusammen mit den anderen jetzt im Dantes Verlag erscheinen wird. Jacen Burrows hat dabei die Ideen von Ellis in einem harten schwarz-weiß umgesetzt. In einer farbigen Ausgabe wäre der deutschen Öffentlichkeit zu viel rot auf den Seiten, so mag es gehen. Natürlich gehört Brutalität zu dieser Art von Comic aber ich muss gestehen, dass ich Ellis nie so viel abgewinnen konnte.
Obwohl die Geschichten
doch sehr unterschiedlich sind dürfte ein Whisky Sour zu allen passen!
Musikalisch etwas düster, zugleich aber kein Gothic: Warsaw haben ein wunderbares Album gleichen Namens veröffentlicht
mit bereits vielen Hinweisen auf ihre spätere Inkarnation.
Paolo Eleuteri Serpieri ist den meisten Lesern wahrscheinlich wegen seiner erotischen Werke um Druuna bekannt. Weniger bekannt sein dürfte, dass der italienische Maler und studierte Architekt auch an der Reihe „Entdecke die Bibel“ mitgearbeitet hat. Seine erste Leidenschaft aber waren Indianer und Geschichten über den Wilden Westen.
Schreiber und Leser, der Verlag, in dem im Rahmen der Serpieri Collection bereits die Druuna-Geschichten erschienen sind, bringt in gleicher Aufmachung jetzt eine dreibändige Gesamtausgabe der Western heraus. Laut Ankündigung soll jeweils eine Geschichte pro Band farbig sein, die anderen werden im schwarz-weißen Original abgedruckt. Die Bände haben übrigens einen anderen Inhalt als die fast zeitgleich bei Dark Dragon Books auf Niederländisch erschienenen Bände der Serpierie’s Western collectie.
Um das einzige Manko gleich an den Anfang zu stellen: Wir Leser*innen sind mittlerweile von den riesigen Mengen an Gesamtausgaben verwöhnt und erwarten ein wenig Begleitmaterial in Form eines Artikels und der einen oder anderen Abbildung, Skizze oder Coverwiedergabe. Hier finden sich leider „nur“ die Stories selber und auf der Einführungsseite jeweils eine Zeichnung aber nicht einmal Hinweise zum Erstveröffentlichungsdatum sind angegeben. Hier besteht sicherlich Potential für die Zukunft!
Ansonsten beweist Serpieri, dass er ein Meister des feinen Strichs ist. Die
Zeichnungen sind voller Details und Landschaft, Kopfschmuck, Körperausdrücke
und die damit verwobenen Stimmungen sind ausdrucksvoll! Wenige Künstler
vermögen eine solche Dynamik in ihren Zeichnungen wiederzugeben. Während schon
die erste, farbige Geschichte „Der Mann
ohne Daumen“ einen Eindruck der Fähigkeiten vermittelt, die Farbe
allerdings die Details naturgemäß nicht so zum Ausdruck kommen lässt, kommen
die aus vielen feinen Strichen zusammengesetzten Kompositionen im schwarz-weiß
voll zur Geltung. Die Herausgeber haben auf etwas festeres, leicht glänzendes
Papier gesetzt, das die Kontraste und Details gut wiedergibt. Der Preis dieses
Bandes ist daher vollkommen gerechtfertigt.
Inhaltlich drehen sich die Geschichten um Kampf, Heldenmut, Vernichtung von Indianern und Frauenfeindlichkeit. Serpieri beschreibt alles diese Elemente, verfällt aber keinesfalls in die Rolle eines Voyeurs. Für ihn sind die weißen Eroberer, brutal und machtbesessen, nicht als Vorbilder geeignet, er verfällt aber auch nicht in das Gegenteil und verherrlicht den „edlen Wilden“. In „Counting Coups“ zum Beispiel spielt er sogar mehrfach mit den Erwartungen seiner Leser*innen und lässt sie immer wieder in die Falle laufen. Dabei zeigt er immer wieder auf, wie wenig die Soldaten von eigentlich über ihre Gegner wissen. Es langt, eine andere Kultur zu verachten, Kenntnisse sind eher schädlich. Insofern ist der Inhalt sogar viel aktueller als so mancher bei diesem Künstler erwarten würde!
Auch die sinnlose Tötungswut, die schließlich
zum selbstverschuldeten Massaker am Little Big Horn führen sollte, wird aus der
Sicht der Beteiligten in zwei Folgen geschildert. Serpieri hat kein Erbarmen mit seinen Protagonisten und zeigt die
eigene Überschätzung und die Erbarmungslosigkeit in jedem Gesichtsausdruck.
Daneben gibt es drei Geschichten um Crazy Horse und zwei weitere Abenteuer („Der Medizinmann“ und „Der Donnerstock“) und somit eine weite Bandbreite. Natürlich ist dieser Band ein Muss für Komplettisten. Wer aber klassische Western mag oder Zeichnungen von Hogarth oder Foster sollte ebenfalls einen Blick riskieren!
Dazu passen Songs von Blackfire wie etwa Overwhelming und Rye Whiskey.