Der Backcovertitel lautet Versammlung des Bösen und beschreibt den Inhalt der US-Ausgaben 4 bis 6 ziemlich gut. Wer auch immer irgendwie BÖSE ist, gibt sich hier sein Stelldichein. Im Mittelpunkt stehen aber zunächst der neue Rorschach, der aus Arkham wieder befreit wird, sowie Marionette und Mime, die neuen Superschurken, die zunächst dem Joker Konkurrenz zu machen scheinen. Die Besprechung des ersten Teils ist hier.
Zusätzlich versucht der Riddler eine neue
Vereinigung aufzubauen, der Joker versucht, Spaß zu haben und die verschiedenen
Länder der Welt außerhalb der USA versuchen, eigene Super-Gruppen aufzubauen.
Derweil kämpft in den US der aufgewühlte und von Lex Luthor immer wieder aufgestachelte Mob gegen die Superhelden und die sogenannte Supermen-Theorie gewinnt immer mehr Anhänger.
In gewisser Weise könnte das also sogar eine
überspitzte Version der heutigen Situation sein, denn finstere Mächte benutzen
social media um mit Fake-News Länder zu destabilisieren, aber glücklicherweise
sind wir von ähnlichen Auswüchsen wie hier im Comic noch weit entfernt.
Spannend und auch logisch hergeleitet ist dagegen die Originstory für Marionette und Mime, deren Eltern als Immigrant*innen Opfer von kriminellen Strukturen geworden sind. In diesen Fällen hat Gewalt Gegengewalt erzeugt und kleine Monster erschaffen. Die Geschichte ist von Geoff Johns sauber erzählt und wird von Gary Frank kongenial umgesetzt. Auch der verrückte Joker gelingt den beiden gut. Auch die Verknüpfung von Comic und begeleitendem Infomaterial wie Zeitungsausschnitten oder Akten ist witzig und knüpft an den Klassiker von Moore und Gibbons an.
Cover der limitierten Hardcoverausgabe
Natürlich wird dieses Crossover aus dem bekannten (aktuellen) DC-Universum und der Welt der Watchmen die Realität für Gotham verändern. Aber genauso natürlich werden die Lieblingsheld*innen auch danach noch die Frontcover der DC-Titel bevölkern. Wer die Hintergründe des anstehenden Wechsels begreifen möchte, wird um doomsday clock nicht herumkommen. Und wer Variants sammelt, kann auch hier zuschlagen!
Dazu passen ein Arrogant Bastard Ale aus der
Stone Brauerei und düstere Klänge von den Sisters
of Mercy!
Deadpool ist einer der lustigsten Superhelden überhaupt, ist allerdings
wahrlich nicht jedermanns Sache. Auch wenn er von Zeit zu Zeit mit den „Guten“
kämpft und seine Prinzipien hat; er ist und bleibt ein Auftragskiller! Ihm
kommt zu Gute, dass seine Verletzungen rasend schnell heilen und er dadurch so etwas
wie quasi unsterblich ist. Da Wade Wilson
– so sein bürgerlicher Name – allerdings auch fast die größte Klappe im nicht
eben leisen Marveluniversum hat, springt er von ungünstiger Situation zu
Fettnapf und wieder zurück. Deadpool will allerdings nur noch wenige Jobs
machen um sich dann auf sein Altenteil zurückzuziehen.
Seine Aufträge beschafft ihm Weasel, ein Broker für blutrünstige Aufträge der mittlerweile ein Doppelleben führt und privat eine bürgerliche Zweisamkeitsfassade aufgebaut hat. Weasel hat die Skrupel Deadpools nicht, jeder, der zahlt, wird vermittelt, denn auch Weasel möchte aussteigen. [und für alle, die sich jetzt fragen, wie das mit der Kontinuität zusammenhängt: Ja, Weasel ist eigentlich schon tot. Diese Miniserie gehört aber nicht unbedingt in die Kontinuität und so darf der Broker noch einmal auf Erden wandeln].
Während anfangs noch alles glatt läuft und
unser Held nur eine Söldnertruppe nebst Ninja-Abteilung niedermetzeln muss ist
der zweite Auftrag schon schwieriger. Einerseits geht es darum, einen Mann zu
beschützen, und dabei eine Vielzahl von Killern aus der Mördergilde abzuwehren,
andererseits erweist sich das zu schützende Menschlein als unwürdig und nicht mit
den Prinzipien Wades vereinbar. Zu dem Stress zwischen Killer und Auftraggeber aufgrund
des letzteren kommt also hinzu, dass sich Belladonna
Boudreaux, die Anführerin der Mördergilde gezwungen sieht, eine Fehde gegen
Deapool zu starten. Neben seinen auftragsbedingten Gegner*innen hat er es ab
jetzt also auch mit der gesamten Gilde zu tun.
Er bekommt aber auch Unterstützung von Threnody, die ihre Energie aus dem
Prozess des Sterbens anderer zieht. Für den Showdown fehlt noch eine Prise
Herzschmerz: Weasel und seine schwangere Frau werden in den Konflikt mit hineingezogen
und im Endeffekt geht es um Grusel-Alien-Momente…
Die Umsetzung
Inhaltlich hat Cullen Bunn keine allzu großen Herausforderungen zu bewältigen: Das Großmaul Deadpool muss sich nur mit abstrusen Gegner*innen prügeln, rasante Action durchleben und Sprüche in etwa im Niveau der 80-er absondern. Trotzdem gelingt es auch hier wieder, den vorlauten Antihelden sympathisch rüber kommen zu lassen. Durch seinen Ehrenkodex, der es nur erlaubt, böse Böse zu töten und seine hohe Meinung von Freundschaft und daraus erwachsende Pflichten relativiert sich der unmoralische Ansatz deutlich.
Mark
Bagley ist vor allem durch seinen Spider-Man Run bekannt. Dekors, Kostüme und Monster gelingen sehr
detailreich und selbst die Mundpartien sind nicht immer stereotyp. Was hier
geboten wird ist die hohe Kunst des amerikanischen Anspruchs, ständig neue
Kreative mit Abenteuern von dem Konzern gehörenden Held*innen zu beauftragen
und dabei Höchstleistungen zu erwarten. Die Umsetzung gelingt gut: wechselnder
Seitenaufbau von dreireihigem Standard bis zur Doppelseite;
Perspektivenwechsel, Lautmalereien und Lichtgeblitzel bringen die Action rüber.
Für alle Fans des lauten Humors, die viel Blut sehen können (tatsächlich ist das Ganze sogar jugendfrei und harmloser als so manche TV-Serie; die positive Darstellung dieser Art von Broterwerb mag trotzdem einigen aufstoßen) und vor Teenager-Sprüchen keine Angst haben.
Dazu passen eine Bloody Mary (altersangemessenerweise möglicherweise ohne Alkohol)
und Crossover etwa von Rage against the Machine.
Schon wieder eine neue Sub-Reihe? Ja, aber
dieses Mal eine spannende! Unter dem neuen Black
Label werden düstere Geschichten um die Recken aus dem DC-Universum
erzählt, die nicht in die Kontinuität eingebunden sind und damit neue
Perspektiven erlauben. Zudem muss niemand das Gefühl haben, dass er/sie ohne Lexikon
nichts verstehen würde, denn diese Erzählungen sollen kein Wissen voraussetzen.
Kommt euch bekannt vor? Erinnert an Elseworlds?
Ja, natürlich, mich auch. Die Inhalte sollen aber düsterer sein. Klingt auf
jeden Fall spannend, denn viele der besten Geschichten von früher sind genau
unter diesem Label erschienen.
Der Weiße Ritter hat ein sehr modernes Thema: Die öffentliche Meinung und daraus resultierende, sich verselbständigende Bewegungen.
Batman, schon immer kein gewaltfreier Kämpfer,
verprügelt den Joker vor laufender Kamera und zwingt ihn, unbekannte Substanzen
zu schlucken, die er bei sich hatte. Aufgrund dieser „Medizin“ entwickelt sich
der Joker zu dem angesehenen Politiker Mr. Jack Napier, der für das Ghetto
Gothams, Backport, in den Gemeinderat einziehen will. Napier deckt auf, dass es
einen geheimen Fonds gibt, der durch Batman verursachte Schäden bereinigt und
zieht eine direkte Linie von Polizeigewalt und Korruption zu Batman.
Unterstützt wird er dabei von allen Wahlbeamten, die ihr Fähnchen wie immer in
den Wind hängen, und von Harley Quinn, die ihre alte Identität wieder annimmt.
Auch Batmans Gefährt*innen Nightwing und
Batgirl sehen ihre Zweifel an der noch vorhandenen geistigen Gesundheit Batmans
bestätigt und müssen sich für eine Seite entscheiden. Wird Gotham den Dunklen Ritter
tatsächlich gegen den neuen Weißen Ritter austauschen? Gehört der Joker ins
Rathaus und Batman nach Arkham?
Natürlich spielen auch andere Superschurken eine Rolle und geben sich ein Stelldichein… Besonders spaßig dabei die gedoppelte Harley, die je nach Extremstandpunkt den alten oder den neuen Joker liebt.
Viele Versatzstücke in dieser Miniserie kommen einem bekannt vor: Jokers Bemühen, von Batman geliebt zu werden und seine ständige Enttäuschung erinnern an das Lego-Movie. Fake-News und den wechselseitigen Einfluss von Medien und Bewegungen erleben wir jeden Tag neu und den Versuch, alle Schurken zu vereinen, haben wir auch bereits mehrfach miterlebt. Die Frage, ob Batman nicht eigentlich ein militanter Reaktionär oder sogar Schlimmeres sei, ist seit den 80-ern ebenfalls immer wieder aufgeworfen worden (und auch gar nicht so einfach zu beantworten).
Hier gelingt es Sean Murphy aber, etwas neues, Eigenständiges zu kreieren. Die
Versatzstücke sind so stimmig, dass Napiers Aufstieg und seine vielfältige Unterstützung
glaubwürdig werden. Die Talkshows kann man fast hören und die einfachen
Antworten der Politiker im Kreuzfeuer leider auch. Die sich daraus entwickelnde
zwangsläufige Abfolge, die fast schon Horror- oder Psycho-Elemente besitzt, ist
ebenfalls klar definiert und ein Ausweg scheint nicht in Sicht.
Auch grafisch weiß Murphy zu überzeugen. Sein Werk ist nicht bahnbrechend, hat aber seine Qualitäten. Der Boxkampf zwischen Batman und Napier gehört mit Sicherheit zu den Seiten, die im Gedächtnis bleiben werden. Viele Soundwords und Speedlines lassen das Ganze wie Popcorn-Kino rüberkommen. Die Farben von Matt Hollingsworth tun ein Übriges. Im Gegensatz zur Klasse-Story ist das Artwork aber „nur“ guter Durchschnitt.
Die Ausgabe an sich lässt dagegen wieder
einmal keine Wünsche übrig: der glanzapplizierte Joker vor dem Batman-Altar auf
dem Cover ist schon ein echter Hingucker und auch die verschiedenen
(Alternativ) Cover als Trenner zwischen den einzelnen Heften machen den ersten
Black Label-Band zu einem schönen Stück in der Batman-Sammlung! Es existiert
auch ein limitiertes, verlagsvergriffenes Hardcover mit anderem Covermotiv.
Dazu passen ein Bier mit (Arbeiter-)Tradition,
etwa ein gekühltes Porter von Anchour,
und eine Ghetto-taugliche Mischung aus Rap und Punk, etwa von Kevin Abstract.
Nach den Vorbereitungen für eine Hochzeit erfolgt typischerweise die Feierlichkeit als solche. Dazu gehören Rückblicke auf das Vorleben der Partner*in und gute Ratschläge für die Zukunft, witzige Spielchen und Geheimnistuerei, denn Braut und Bräutigam dürfen sich schließlich nicht in ihrem Outfit sehen, bevor es ernst wird. Der vorliegende, überformatige Prachtband aus dem Hause Panini ermöglicht genau das. Aber halt, gab es nicht schon im Vorfeld genügend Gerüchte, dass Batman und Catwoman nie heiraten würden? Wer nicht gespoilert werden mag, muss hier und jetzt aufhören, weiter zu lesen und sich den Band zulegen; er lohnt sich.
Der Band ist in drei Teile geteilt: die
Auswahl des Brautkleides, die Hochzeitsnacht und eine elseworld-Story mit den
verheirateten, mittlerweile alt gewordenen Bruce und Selina. Alle drei
Geschichten sind mit einer so großen Anzahl von Verweisen auf die 80-jährige
Vergangenheit der beiden gespickt, dass man sich dankenswerterweise entschieden
hat, einen Artikel hinzuzufügen, der die referenzierten Comics und ihren Inhalt
kurz vorstellt und Originalabbildungen enthält, die es dem/der Leser*in
erlauben, die Kostüme zu identifizieren.
Das Kleid
Die Auswahl des Brautkleides läuft dabei für eine Diebin etwas anders ab als für den Erben eines großen Vermögens. Selina bricht standesgemäß bei einem Brautausstatter ein und durchlebt alle Stadien von Verzweiflung über (enttäuschte) Hoffnung bis hin zum abschließenden Triumph. Im Anhang wird das von Joelle Jones entworfene Kleid dann auch noch genügend gewürdigt! Für viele Jungs wahrscheinlich das erste Mal, dass sie sich mit Modeentwürfen beschäftigen.
Die Hochzeit
Nicht nur die Auswahl der Trauzeugen sorgt –
zumindest auf Batmans Seite – für einen anrührenden, fast tränenreichen Moment.
Auch die Hochzeit als solche steht unter einem komischen Stern. Es beginnt
schon mit dem Ort: Soll es ein klassisches Ambiente sein oder vielleicht doch
die Dächer als prägendes Moment der Beziehung? Darf der vollziehende Richter
nüchtern sein und damit eine Gefahr für die Zukunft darstellen oder sollte er
nicht doch völlig besoffen und damit der Erinnerungsfähigkeit beraubt sein? Und
lassen die Umstände eine Hochzeit überhaupt zu?
Natürlich ist das US-Heft 50 bereits in der regulären Serie als 26. Ausgabe erschienen und auch die Presse hat damals wie jetzt darüber berichtet. Wer es wissen möchte, weiß daher bereits, dass die Hochzeit (noch) nicht stattgefunden hat.
Die Beiträge einer immensen Anzahl von
Künstler*innen mit einer eigenen Seite, eingepasst in den flow dieser
Jubiläumsnummer ist aber so genial und selten, dass selbst enttäuschte hier
wohl unbedingt zuschlagen werden wollen. Immer abwechselnd treiben Mikel Janín
auf einer Doppelseite und Gastzeichner*innen auf einer folgenden Doppelseite
die Story von Tom King voran. Hier zeigt sich, was ein gutes Lektorat leisten
kann! Fast alle Gastseiten sind so gut, dass man sie sich als Poster vorstellen
könnte und gerade bei diesem Mittelteil kommt das Überformat besonders zur
Geltung!
Die projizierte Zukunft
In der Geschichte aus dem Batman Annual 2 haben Bruce und Selina schließlich doch geheiratet. Auch hier spielen wieder Referenzen auf frühere Abenteuer eine Rolle, streiten sich die beiden doch über ihre gemeinsame Vergangenheit und die unterschiedlichen Erinnerungen daran wie es sich für ein Ehepaar gehört. Der Grundtenor ist trotzdem nicht fröhlich. Batman und Catwoman sind zwei der wenigen Ausnahmen im Superheldenkosmos, denn sie haben außer den antrainierten Fähigkeiten keine Superkräfte, sind folglich daher auch menschlichen Gebrechen nicht fern. Einer von beiden wird tatsächlich im Verlauf der Geschichte einer Krankheit erliegen und versucht vorher, sein Leben zu ordnen.
Die Empfehlung
Loriot hat einmal gesagt, dass ein Leben ohne Mops möglich aber sinnlos sei. Ganz so verhält es sich hier natürlich nicht, ein Leben ohne das Hochzeitsalbum wird genauso gelingen wie eines mit. Trotzdem ist diese Zusammenstellung dieses ausgezeichneten Materials sehr gelungen. Die Ausstattung mit Hardcover, Glanzlackapplikation auf dem Cover und exzellentem Papier, das die Farben gut zur Geltung bringt, lässt die Zeichnungen der Creme de la Creme der Batmanzunft perfekt zur Geltung kommen. Die Hinzufügung der elseworld-Story ermöglicht ein klein wenig Hoffnung, dass die Beiden sich in ferner Zukunft doch noch finden werden, und die erläuternden Hinweise zur Aufklärung der geschichtlichen Referenzen helfen allen. Kauftipp für alle Fans amerikanischer Superhelden-Comics und ein schönes Sammlerstück. Natürlich kann man stattdessen auch die 80 verschiedenen Variants der Hochzeitsnummer 26 sammeln…
Dazu passen ein original italienischer Pro
Secco und Frank Sinatra!
Superhelden aus Deutschland und Österreich im 2019er Gratis Comic Tag –
eine Übersicht
Wie angekündigt sollen ein paar Titel des diesjährigen
Gratis Comic Tags näher besprochen werden um euch ein paar Tipps zu geben, was
sich lohnen könnte.
Die Liste mit allen Titeln gibt es hier und wenn ihr schauen wollt, wo in eurer Nähe Läden mitmachen, könnt ihr hier eine Umkreis-Suche starten. Der GCT findet am 12. Mai statt.
Dieser erste Artikel bringt euch vier Titel mit
deutschsprachigen Superhelden näher. Lange Zeit war es sehr still in diesem
Bereich. Es gab den einen oder anderen Helden aus der Lehning-Ära, der als Superheld durchgegangen wäre und dann waren da
natürlich die „Helden“ Anfang dieses
Jahrtausends und ein paar andere Titel. Es handelte sich dabei aber eher um deutsche
Varianten von amerikanischen Mainstream-Helden. Oft fehlte es an der
Verlässlichkeit der Produktionstermine oder das neue Heft dauerte einfach zu
lange und irgendwie sind dann alle wieder verschwunden.
Parallel dazu und quasi unter Radarhöhe der öffentlichen Aufmerksamkeit
gab es aber schon immer den Independent-Bereich und in diesem Sammelbecken
kreativer Ideen und Publikationen auch schon immer etwas andere Superhelden.
Seit ungefähr drei Jahren hat sich diese Schiene nun plötzlich Aufmerksamkeit
erworben und aufgrund des Erfolges der Austrian
Super Heroes (ASH) sind auch andere Helden en vogue. Eine Einführung in die
verschiedenen Universen kann hier aus Platzgründen nicht erfolgen. Die
Sammelbände haben aber meistens eine Zusammenfassung der bisherigen Stories der
jeweiligen Universen und auch die Sprechblase bietet regelmäßig einen
Überblick.
Die Austrian Super Heroes sind dann auch mit einem Titel beim GCT 2019 vertreten. Das Heft beinhaltet eine längere Story (Lumpen) aus ASH 12 sowie zwei kürzere Origin-Stories über Siggi (aus ASH 16) und die Wassernixe Donauweibchen (aus ASH 11). Alle Geschichten sind von demselben Autoren, Harald Havas, werden aber von verschiedenen Zeichner*innen umgesetzt. Dadurch wird einerseits die Kontinuität der Handlung perfekt gewährleistet, gerade, wenn Origins oder Sologeschichten eingestreut werden, andererseits wird aber trotzdem für Abwechslung in der grafischen Umsetzung gesorgt. Cooles Artwork mit „anderen“ Held*innen, professionell umgesetzt und alle zwei Monate neu. Definitiv einen Blick wert.
Ebenfalls schon lange dabei ist Jörg Buttgereits Captain Berlin. Der Superheld aus der Hauptstadt wurde ursprünglich bereits 1982 als Filmheld konzipiert. 2006 kam er erstmals zurück und zwar in einem Hörspiel für den WDR. Es sollte dann noch weitere Jahre dauern bis 2013 dann tatsächlich der erste Captain Berlin Comic bei Weissblech Comics erschien. Der Held kämpft gegen Nazis und sonstige Monster, insbesondere aber auch gegen seine Erzfeindin Ilse von Blitzen. Getextet von Levin Kurio und gezeichnet von Rainer F. Engel bietet der Comic besten Trash und spaßige Unterhaltung. Natürlich scheinen immer wieder Anklänge an Indiana Jones durch und die Monster könnten aus der Blütezeit der 50er und 60er Jahre stammen, die Plots stammen aber aus der heutigen Zeit. Für den GCT gibt es eine abgeschlossene Geschichte aus dem vergriffenen vierten Heft. Wie auch bei ASH sind aber Sammelbände der vergriffenen Ausgaben erhältlich. Für nostalgische SF-Fans eigentlich ein Must-Try!
Eng mit dem Captain-Berlin-Universum verknüpft ist Tracht Man. Der Bayerische Held von Christopher Kloiber und Henning Mertens von Plem Plem Productions ist noch etwas grotesker als die beiden anderen Titel. Der Kampf von Tracht Man mit dem Wolpertinger mit einem Auftritt des Captains in einer Nebenrolle ist eher Comedy als Superheldengeschichte, kann aber durchaus überzeugen. Schnelle Wechsel, haarsträubende Storywechsel und ein Ritt durch verschiedenste Stile bieten Entertainment pur. Diese Geschichte ist dem Tracht Man Sonderheft entnommen. Daneben gibt es aber auch eine reguläre Heftreihe.
Einen etwas anderen Ansatz verfolgen die Kultgeschichten der Leipziger von Kult Comics/Comic Combo. Unter diesem Titel bringen sie nun schon wiederholt Ausschnitte ihres aktuellen Programms. Zu dem Thema Deutsche Superhelden passt der einführende Ausschnitt aus „Das Kamäleon“ von Björn Hammel und Sascha Dörp von dem der erste Band diesen Herbst erscheinen wird. Ein Held mit Superkräften und einer unscheinbaren Tarnidentität, ein Kommissaranwärter, der in einer Band spielt, eine Organisation, die sich gegen Lautstärke wehrt und auf die Stille setzt sind die Versatzstücke aus denen sich eine spannende und düstere Mischung aus Superhelden- und Thriller-Motiven entwickelt. Tipp!! Dazu kommen noch drei Kurzgeschichten um den letzten Kobold und seinen Freund, die Waldrappe, von Dirk Seliger und Stefan Pede, die einen Vergleich mit aktuellen Geschichten in Spirou oder dem ZACK nicht scheuen müssen.
Dazu passen Craftbiere am besten. Musikalische Untermalung sollte
den Spaßfaktor unterstützen: Attila the
Stockbroker!
Bei den großen amerikanischen Comic-Universen
ist es üblich geworden, alle paar Jahre neu zu „starten“. Auch Marvel ist
gerade erneut damit beschäftigt. Ein solches Unterfangen ändert Origins von
altbekannten Held*inn*en, bringt neue Charaktere und manchmal kommen auch Tote
(oder besser für tot Gehaltene) zurück. So auch hier: Wolverine, der immer
etwas andere X-Man mit den Admantiumkrallen und den besonderen Heilkräften, ist
wieder da.
Die Suche nach ihm ist selbst ein Event und zog sich durch mehrere Miniserien, die von Panini auf Deutsch in zwei dicken Paperbacks veröffentlicht werden. Der jetzt erschienene erste Teil enthält gleich neun US-Ausgaben. Netterweise enthält ein kurzer Artikel auch die „Vorgeschichte“, denn es hatte schon in vielen regulären Ausgaben Hinweise auf seine Rückkehr gegeben, natürlich auch um Spannung aufzubauen und die Leser*innen zum Kauf der Spezialhefte zu bewegen.
Achtung: die drei kommenden Absätze spoilern
einen Teil des Inhalts. Es ist schwierig, 220 Seiten zusammenzufassen ohne den
einen oder anderen Spannungsbogen aufzulösen.
Die Jagd
auf Wolverine beginnt damit, dass die Reavers, kriminelle Cyborgs, das
Grabmal Wolverines entdeckt haben. Sie schaffen sogar, es zu öffnen, müssen
allerdings feststellen, dass es leer ist. Dank eines Flashback auf die
Beerdigung wird auch den Leser*innen klar, dass Wolverines Leichnam nie dort
gewesen ist. Leider ist aber auch sein echtes, unscheinbares Grab nicht mehr
mit einer Leiche gefüllt.
Daredevil, Nur, Misty Knight und Cypher machen sich auf die Suche nach dem Mutanten. Aufgrund der Hilfe des Internet-kranken Cypher finden sie immer mehr Spuren, denen sie folgen können, sind sich aber nicht sicher, ob es noch der Mann ist, den sie einst kannten. Zu viele Indizien deuten auf eine Hinwendung zum Bösen oder führen ins Leere. Diese Suche, im Original als Weapon Lost 1-4 erschienen, enthält viele Kampfszenen; die Held*innen entgehen mehrfach nur knapp dem Tod und dürfen all ihre Waffen einsetzen. Trotzdem steht hier das investigative Moment im Vordergrund.
Der folgende Vierteiler The Admantium Agenda featured ein anderes Team aus den Reihen der
Avengers: Iron Man, Jessica Jones, Luke Cage und Spider-Man. Sie erfahren, dass
die komplette DNA-Sequenz eines Mutanten auf einer geheimen Auktion an den
Meistbietenden verkauft werden soll, müssen jedoch feststellen, dass es um Danielle
Cage, die Tochter von Luke und Jessica geht. Nach einem reinen Action-Gewitter
können sie einerseits verhindern, dass die DNA ihrer Tochter in fremde Hände
gerät, müssen aber auch erfahren, dass Sinister eine Sammlung mit DNA-Proben
aller Menschen aufgebaut hat. Auch diese Miniserie lebt von vielen Rückblicken
auf bekannte wie unbekannte Ereignisse in der Vergangenheit und ermöglicht es
somit auch Neu-Einsteigern, dem Plot zu folgen. Sie wirft allerdings auch eine
Frage auf, die das Marvel-Universum noch beschäftigen wird.
Die weiteren Folgen Claws of a Killer und Mystery
in Madripor sowie das abschließende Heft Dead Ends folgen dann im Mai im zweiten deutschen Sammelband.
Die Autoren haben sich erfolgreich darum bemüht, den zu einer Gesamtgeschichte verwobenen, aufeinanderfolgenden Miniserien jeweils einen eigenen Geschmack zu geben. Es handelt sich nicht um eine nur aus Marketing-Gründen auseinandergezogene Einheit. Unterschiedliche Akteure toben sich in unterschiedlichen Genres aus. Und obwohl es in beiden Teilen um die Aufdeckung unbekannten Tatsachen und um die Lösung eines „Falls“ geht, ist das erste Abenteuer als Krimi konstruiert, der zweite ist dagegen ein Popcorn-Action-Spektakel mit viel Pyrotechnik im Hintergrund.
Graphisch sind die Hefte alle im typischen
Marvel-Style. Gemeinsam ist ihnen, dass Rückblicke in sehr gedämpften Farben
die Geschichten vorantreiben. Die erste Miniserie ist realistischer gezeichnet,
die Köpfe der Figuren sind erkennbarer, haben allerdings durch die Überzeichnung
in der zweiten nicht mehr Ausdruck. Ein sehr flexibles Seitenlayout, Soundwords
und Splashes machen das Ganze modern und sehenswert.
Für alle Marvel-Komplettisten eh keine Frage.
Wolverine-Fans werden wissen wollen, wie es weitergeht und werden nicht
enttäuscht. Marvel-Gelegenheitsleser*innen sollten ebenfalls einen Blick
riskieren. Selten wird eine Geschichte mit so vielen Beteiligten erzählt, die
abgeschlossen und ohne viel Vorwissen verständlich ist.
Natürlich sind alle Original-Cover ebenfalls
abgedruckt.
Dazu passen wie es sich für eine lange Nacht
gehört wachhaltende Getränke mit Koffein aber ohne Zucker genannt Kola sowie
Northern Soul, etwa searching for the
young soul rebels von den unterschätzten Dexy’s Midnight Runners.
Die Watchmen sind wieder da! Nach dem grandiosen ersten Auftritt Anfang der 80-er Jahre und den später nachgeschobenen Prequeln verbinden sich jetzt das Universum der Watchmen und das reguläre DC-Universum zu einem gemeinsamen. Natürlich wird dadurch das letztere für immer verändert und der Titel „Doomsday Clock“ deutet dann ja auch Einschneidendes an. Die im Original ursprünglich für die Laufzeit von einem Jahr geplante Mini-Serie wird hierzulande in vier Sammelbänden erscheinen und so den hiesigen Leser*innen die gleichen Chancen wie in den USA bieten: Im Endeffekt werden nämlich die regulären Reihen und Doomsday Clock zu einen gemeinsamen Höhepunkt führen. Mittlerweile sind seit November 2017 9 Ausgaben erschienen, die drei noch fehlenden Hefte sollen bis Mai folgen.
Die Geschichte ist nicht nur für diejenigen interessant, die das gesamte DC-Spektrum im Blick haben wollen. Zum Hintergrund: Aktuell stehen alle Superhelden im Rahmen der Diskussion um die „Supermen-Theorie“ unter Generalverdacht und in der öffentlichen Kritik. Gleichzeitig müssen auch Ozymandias und Rohrschach in ihrer Welt feststellen, dass der wahnsinnige Plan mit einer gefakten Bedrohung von außen und tatsächlichen Millionen toter Menschen keineswegs zu einer friedlichen Zukunft geführt hat. Um ihre Welt zu retten begeben sie sich auf die Suche nach Dr. Manhattan und gelangen dadurch auf die andere Erde. Begleitet werden sie dabei von einem verrückten Gaunerpärchen, Mime und Marionette.
In der Watchmen-Serie wurde damals die Frage thematisiert, ob Superhelden per se faschistisch sind. Die verwendeten Stilmittel waren revolutionär und die Reihe ein Meilenstein der US Comic-Geschichte. Diese Erwartung muss man etwas herunterschrauben wenn man an die heutige Reinkarnation heran geht. Natürlich ist der Hintergrund der „anderen“ Vigilanten immer noch der Gleiche, es geht jedoch nicht um eine kurzfristige, provozierende Miniserie, sondern um den neuen Background eines Millionengeschäftes mit unzähligen Serien und Filmen.
Die Doomsday Clock oder Weltuntergangsuhr ist dabei nicht nur eine graphische Referenz an die Originalserie, sondern mit der Integration des Superman-Logos auch ein Hinweis auf das Kommende. Die Miniserie wird schließlich nicht nur zwei Universen verschmelzen, sie bildet auch den Abschluss der mit The New 52 und Rebirth begonnenen Veränderungen.
Johns ermöglicht aber trotzdem geniale kleine Momente in der großen
Geschichte wenn er Rohrschach Batmans Frühstück essen lässt und dieser ihn
dafür erstmal duschen schickt oder wenn Marionette in einer üblen Spelunke
fragt, wer denn dieser Joker sein soll, dem dort alles gehöre.
Auch die Entwicklungen im traditionellen DCU mit dem Kampf
zwischen Lexcorp, dem Firmenimperium von Lex Luthor, und Wayne Enterprises um
Macht und Kontrolle bieten zusätzlichen Konfliktstoff, der über die simple
Prügelei mit Metawesen deutlich hinausgeht. DC wird damit einerseits
realistischer, lässt andererseits aber weiterhin Götter und Paralleluniversen
zu.
Zeichnerisch bietet Gary
Frank qualitativ hochwertigen US-Mainstream. Bewegungen, Perspektivwechsel
und Kampfszenen sind auf hohem Niveau. Splash-Panels sucht man dagegen nahezu vergeblich.
Gut gelungen ist der Trick, politische oder gesellschaftliche
Hintergrundinformationen durch die „Abbildung“ von Zeitschriften oder
Web-Artikeln einzuführen. Dadurch enthält der Plot mehr Tiefe ohne aufgebläht
zu werden und erinnert gleichzeitig an die alte Serie.
Die Mini-Serie ist nicht nur für Fans der alten Watchmen oder klassische Batman/Superman-Leser*innen geeignet, sondern für alle empfehlenswert, die einer längeren Storyline folgen wollen, in der es nicht nur um die üblichen bösen Bedrohungen durch Metawesen geht, sondern die wirtschaftliche und politische Lage im Fokus stehen.
Wie bei Panini üblich gibt es auch zwei limitierte Variant-Ausgaben.
Was trinkt man zu Beginn eines langen Abends dessen Ausgang
noch in keiner Weise abzusehen ist? Nichts, was einen zu schwer belasten würde.
Ich empfehle daher ein leichtes Session IPA! Als Untermalung muss es etwas
düster sein: Leonard Cohen und You want it darker.
Am zweiten Samstag im Mai freuen sich Comic-Liebhaber*innen
in Deutschland besonders, denn an diesem Tag gibt es Geschenke! Schon zum 10.
Mal findet der Gratis Comic Tag nun statt!
Der deutsche GCT ist eine der größten
verlagsübergreifenden Kooperationen der hiesigen Buchbranche. Zahlreiche
Verlagshäuser, von den Marktführern bis zur Independent-Schmiede, tun sich auch
2019 zusammen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 2010: ca. 150
Standorte und 170.000 Hefte; 2015: ca. 230 Standorte und 230.000 Hefte; 2017:
ca. 320 Standorte und 380.000 Hefte; 2018: ca. 420 Standorte und 1/2 Million
Hefte. 2019 nehmen ca. 450 Standorte teil und die Gesamtauflage hat die Marke
von über 600.000 Heften geknackt.
Viele Händler planen an diesem Tag besondere Aktionen, Signierstunden oder Gewinnspiele – Schaut einfach mal wieder bei eurem Lieblingsladen vorbei. Die Liste aller teilnehmenden Locations findet ihr hier: www.gratiscomictag.de/haendlersuche
In diesem Jahr gibt es sieben Hefte speziell
für Kids und 27 Publikationen, die sich an ältere Leser*innen richten, erstmals
zum Teil sogar mit 64 Seiten! Alle Titel gibt es hier: http://www.gratiscomictag.de/comics/
In Kürze werde ich hier den einen oder anderen
Titel kurz vorstellen um euch ein paar Anregungen zu geben!
Hochzeiten werfen ihren Schatten voraus, insbesondere natürlich
königliche! Neben den realen Hochzeiten gibt es momentan aber eine, die fast
ebenso viel Aufmerksamkeit bekommen möchte: Die des Dunklen Ritters mit der
Königin der Diebe – Batman und Catwoman. Aus offensichtlichen Gründen können
sie nicht als Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten. Selbstverständlich kennen
aber einige Vertraute die geheimen Identitäten und so ist alles nicht ganz so einfach.
Wenn dazu noch Ängste, Wünsche, Kontrollwahn und Superschurken kommen, mit
anderen Worten, der Alltag in Gotham, dann haben alle ein wenig zu tun.
In den USA gibt es – wie immer bei Großereignissen – eine ganze Reihe von One-Shots, die Figuren, die weniger im Rampenlicht stehen, Raum zur Entfaltung geben und natürlich zusätzliche Verkäufe generieren sollen. Üblicherweise stehen bei solchen Events Neudefinitionen des ganzen Kosmos an, die alles „Neu“, spannender und wieder zugänglicher machen sollen oder aber eine ganze Riege altgedienter Recken durch neue Charaktere ersetzen. Der Markt der Comic-Leser*innen wird dadurch aber nicht größer und viele der Getreuen sind einfach nur genervt (aus mehr oder weniger akzeptablen Gründen) und kehren den Serien den Rücken. Bei den Batman-getriebenen Events geht es dagegen häufig nicht um einen Neustart, sondern um systemimmanente Veränderungen. In Deutschland sind diese Ergänzungshefte meistens in Form von Paperbacks erschienen, die es den Leser*innen ermöglichen, dem Spannungsbogen zu folgen, die Händler*innen aber mit kalkuliertem Risiko schützen.
Bruce und Selina haben sich in ihren Alter Egos schon seit
Jahrzenten immer wieder romantisch angenähert und wieder entzweit. Teilweise
war aus der Diebin schon eine Kämpferin für das Gute geworden doch ganz hat die
Katze das Mausen nie lassen wollen. Nun also endlich der nächste Schritt.
Die hier gesammelten Hefte bieten durchaus spannende Einblicke
aus ungewohnten Perspektiven. War der Joker schon im Lego-Movie arg enttäuscht,
dass Batman ihn nicht als Lieblingsfeind bezeichnen wollte, wird hier seine
emotionale Anspannung im Warten auf eine Einladung zur Hochzeit noch einmal
größer. Er bleibt seinem psychopathischen Muster dabei allerdings sehr treu.
Auch der Kontrollwahn Batmans wird nett herausgearbeitet, wenn Nightwing mit der Überwachung des Mädelsabends vor der Hochzeit betraut wird. Es sei allerdings die Frage erlaubt, ob das einen guten Start in die Ehe verspricht… Und auch das Patchwork-Familien-Thema wird angesprochen, wenn Damian Selina fragt, ob sie mit Bruce Kinder haben möchte.
Einen kleinen Höhepunkt stellt für mich die Kostümparty im Bat Burger dar, die es Clark Kent, Dick Grayson und Bruce Wayne ermöglichen soll, unerkannt den Junggesellenabschied zu feiern. Allerdings haben die Drei ihre Pläne ohne Hush gemacht, der unbeabsichtigt verlorene Seelen ins Spiel bringt.
Ebenfalls basierend auf einer witzigen Idee ist die Episode zwischen Harley Quinn und dem Joker, die die gegenseitige Beziehung inklusive dem Neid aufeinander gelungen darstellt.
Das Paperback bietet altbekannten Gegenspielern Raum zur
Entfaltung und trägt zu deren Entwicklung bei. Natürlich werden alle
Originalcover mit abgedruckt. Graphisch bewegen sich die Geschichten aber eher
im Altbekannten und liefern zwar solide Kost, stechen jedoch nicht heraus. Wer
abseits der Pfade Neues entdecken will, ist hier falsch. Aber ist nicht gerade
eine Hochzeit ein Anlass, das Bekannte zu genießen?
Der Sonderband mündet direkt in die Batman Ausgaben 25 und 26,
die im April erscheinen werden.
Dazu passen White Wedding
von Billy Idol und ein Cocktail mit
viel Angostura.
Es existiert auch ein Hardcover in limitierter Auflage
Der schwarze Spiegel beweist, dass erneute
Veröffentlichungen auch ihr Gutes haben können.
Ursprünglich bereits 2011 in Detective Comics erschienen und von Panini schon vor Jahren in zwei
Sammelbänden herausgebracht, vereint der jetzt erschienene Comic alle
Geschichten um die Rückkehr des geheilten (?) Psychopathen James Gordon, jr. in
einem 300 Seiten starken Band.
Ein wenig Hintergrundwissen ist erforderlich,
um diese Geschichte verstehen zu können: Bruce Wayne war scheinbar verstorben,
das Cape somit verwaist. Dick Grayson hat die Rolle des maskierten Beschützers
übernommen, keinesfalls aber auch angenommen. Während Bruce mehr als einmal den
Rächer gab, ist Dick ein Beschützer. Auch ist er nicht so mit den Schatten
verwoben und so darf Commisioner Gordon sich wundern, dass der Maskierte noch
auf dem Dach steht obwohl das Signal gerade ausgeschaltet worden ist. Gotham
selbst hat sich aber nicht verändert; es ist immer noch die gefährlichste Stadt
der USA mit den übelsten Schurken und einem großen Anteil an Verderbtheit bei
seinen Bewohnern. Wenn überhaupt anders, dann ist es in der Stadt eher noch
schlimmer geworden, denn die neue Garde der Verbrecher kennt „keinen Anstand“
mehr und mordet noch mehr.
Dick Grayson wohnt zwar in dem ehemaligen Wayneschen Penthouse und wird von Alfred unterstützt, er hat sich mit seiner Rolle und Umgebung aber noch nicht anfreunden können. Immer wieder kommen Erinnerungen an seine Eltern hoch, die Gotham als den Punkt beschrieben haben, an dem man weitergehen muss als überall sonst. Überhaupt spielen Erinnerungen in diesen Geschichten eine große Rolle: Seien es Artefakte aus den großen Batman-Geschichten der Vergangenheit wie der Kuhfuß, mit dem der Joker Robin getötet hat, seien es Erinnerungen von James oder Barbara Gordon an die Jugend von James, jr. Alles wird geschickt miteinander verwoben und so ist die Storyline auch sowohl für Afficionados als auch für Neueinsteiger vielschichtig zu genießen.
Der Band beinhaltet auch einige Cover der Einzelausgaben und Variants
Scott
Snyder ist wohl der Superstar unter den aktuellen
Batman Autoren und hat die Geschichte des Dunklen Ritters über mehrere
Definitionen hinweg geprägt. Er beweist,
dass er ein guter Autor ist, der auch über mehrere mehrteilige Stories hinweg
einen Plot entwickeln und zu einer Gesamtgeschichte verweben kann und der Brite
Jock (das ist Mark Simpson) und Francesco
Francavilla setzen das abwechselnd sehr gut um. Die Bilder sehen nicht aus,
wie aus einem Mainstreamcomic amerikanischer Prägung; zu viel Schwarz, zu
unscharf und düster sind die Bilder, die gerade dadurch gewinnen. Beide haben
bereits eine eindrucksvolle Liste an Veröffentlichungen vorzuweisen.
Wer sollte sich dieses Paperback kaufen? Zunächst einmal alle, die zu irgendeiner Zeit Batman-Fans waren und es noch nicht im Schrank stehen haben, denn es bietet gerade durch den Vergleich des Batmans, wie Dick ihn interpretiert, mit dem „Original“ Einsichten in die Gefühlswelt von Bruce Wayne, die zwar nicht neu sind, aber innovativ herausgearbeitet werden. Der verbissene, getriebene Bruce ist ein Kind Gothams: immer Vollgas, immer an der Grenze und oft darüber hinaus. Dick dagegen (und auch James und Barbara Gordon) haben ein anderes Menschenbild: Sie glauben zwar nicht mehr wirklich an das Gute, haben aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch irgendwo da draußen sein könnte.
Einige Batman-Stories der letzten Jahre litten
daran, dass immer neue Schurken auftauchten, alte immer abstrusere Dinge taten
und sich das Ganze eigentlich nur selbst referenziert hat. Hier ist aber ein
Beispiel an gutem Storytelling, das durch die beiden Zeichner düster, nicht
artifiziell aber auch nicht banal umgesetzt wird.
Außerdem ist es für alle ein Schnäppchen, die
die alten Ausgaben auf einschlägigen Plattformen suchten, denn die aufgerufenen
Preise sind teilweise absurd.
Die dritte Zielgruppe sind diejenigen, die
einfach nur eine gut erzählte Psychopaten-Story mögen. Auf den dreihundert Seiten
wird erst stückchenweise klar, wer wirklich hinter einigen Sachen steckt, und
der Horror entwickelt sich langsam und teilweise auch erst im Rückblick. Dazu
gehört auch, dass die Beweggründe und die innere „Rechtfertigung“ nicht
ausgespart bleiben und zu dem gruseligen Gefühl beitragen. Zudem finde ich
persönlich es angenehm, dass es hier keine Superkräfte oder Mystery-Elemente
gibt und das Ende in gewisser Weise offenbleibt.
Dazu passen Long Island Icetea und Frustration – Empires of shame perfekt.