Reddition 83 – Watchmen

Ein Überblick zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 83

In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.

Die Ausgangssituation

Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.

Reddition 83 pages 4, 9

Die Künstlerporträts

Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.

Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.

Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!

Reddition 83 pages 66, 81

Die Verwertungen

Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.

Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.

Reddition 83 page 72

Der perfekte Begleiter zur Serie

Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.

Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.

Beilage Reddition 83

Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.

© der Abbildungen Cover © DC, 2019, ansonsten bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2026

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