Irish Melody
Story: Kris
Zeichnungen: Willy Lambil
Originaltitel: Le Tuniques Bleues 66
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 € |
ISBN: 978-3-89908-847-2

Begonnen hatte die Blauen Boys anfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.
Auswanderer im Mittelpunkt
Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.
Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.

Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.
Gelungene Überspitzung
Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.

Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!
Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!
Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!

Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.
Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!
© der Abbildungen DUPUIS 2022 – Lambil & Kris / 2026 Eckart Schott Verlag