Fünf Tage zum Sterben
Story: Jean-Francois di Giorgio
Zeichnungen: Fabrizio des Dorides
Originaltitel: Wyoming, 1863, volume 1
Hardcover Überformat |56 Seiten | Farbe | 18,00 € | ISBN: 978-3-98721-328-1

Der Titel Fünf Tage zum Sterben ist Programm: Schon lange habe ich keinen Western mehr gesehen, in dem diese Anzahl von Leichen die Wege der Protagonist*innen pflastern. Diese neue Serie beschreibt sich selbst in der Ankündigung als eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, in der es keine Helden gibt. Der neue Western steht somit in der blutigen Tradition der Spaghetti-Western.
Eine Reihe an Massakern …
Wie mittlerweile relativ häufig auch bei Netflix und Co. zu beobachten, startet die Serie nicht chronologisch, sondern mit einem zukünftigen Ereignis. Dadurch sollen die Konsument*innen bei der Stange bleiben und sich in die neue Welt hineinziehen lassen. Auf der ersten Seite begegnen wir einem Mann und einer Frau, vermutlich beide verletzt, die als einzige Überlebende einer gewaltigen Schießerei nur noch auf die endgültige Entscheidung hinarbeiten können. Um sie herum liegen ungezählte Tierkadaver und menschliche Leichen.
Schon auf der zweiten Seite springt die Geschichte um einige Tage zurück: Ein Elternpaar entlässt ihren kleinen Jungen in die weite Welt; er soll ein Studium beginnen und es einmal besser haben, Während das Ehepaar noch versucht, mit dieser Trennung klarzukommen, haben Banditen den Jungen schon hingerichtet, um ein paar Pferde zu stehlen. Auch seine Eltern werden sterben, denn Zeugen sind unerwünscht.

Dazu wird später noch das Schicksal von Emma kommen, einer jungen Mutter, die die Entführung ihrer beiden Töchter rächen will, eine alte offene Rechnung zwischen einem zwielichtigen jungem Mann und einem alten Ranchero, ein paar alte Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und immer wieder gewissen- und skrupellose Banditen. Für Spannung, Konflikte und viel Blut zwischen all dem Pulverdampf hat der erfahrene Jean-Francois di Giorgio wahrlich gesorgt.
In einem abwechslungsreichen Layout
Fabrizio des Dorides ist in Italien durchaus bekannt und hat bereits an vielen Fumetti gearbeitet, gerade auch an Sachen im Bereich Mystery und Horror. Inhaltlich hat er daher wahrscheinlich kaum Anpassungsschwierigkeiten gehabt, sein Stil in dieser Serie verrät die Herkunft allerdings nicht. Die Seiten sehen sehr unterschiedlich aus, nutzen das große Albumformat perfekt und erinnern eher an moderne frankobelgische Werke.

Die Landschaft ist extrem detailreich, die Personen sehr realistisch und die Actionszenen sind glaubhaft. Teilweise nimmt er Techniken des Films auf und verwendet harte Schnitte aus nächster Nähe, um Dynamik zu erzeugen. An einigen Einstellungen lässt er zusätzlich seine Horrorerfahrungen einfließen und verursacht bei den Leser*innen eine Gänsehaut!
Gewalt und Können in Kooperation
Bisher kannten wir von Jean-Francois di Giorgio nur Eastern aus den Samurai und Sensei Reihen. Wer mit Abenteuern ohne Helden und somit auch ohne moralische Wertungen klarkommen kann, ist hier sicherlich gut bedient. Wer allerdings Western im Stil von Bonanza erwartet, sollte die Finger von Wyoming, 1863 lassen!

Story und Artwork ergänzen sich gut, die Orgien aus Gewalt, Gier, Rache und Verzweiflung werden glaubhaft und realistisch umgesetzt. Man sollte den Comic allerdings nicht in Gegenwart von Kindern herumliegen lassen, die Szenen sind definitiv nichts für deren Augen. Wer sich gerne Tarantino-Filme anschaut, dürfte aber nicht überfordert sein.
Dazu passen The Adicts mit „Straight Jacket“ und ein Moloko Plus!
© der Abbildungen Èditions Soleil by Jean-Francois di Giorgio & Fabrizio des Dorides – 2024 | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026