Vampire in Wien?
Story und Zeichnungen: André Breinbauer
Originalausgabe
Carlsen Comics
Hardcover | 248 Seiten | Farbe | 28,00 € | ISBN: 978-3-551-80898-1

Vampirgeschichten waren in Film und Literatur nie verschwunden und haben durch das Subgenre Dark Romance noch einmal einen riesigen Pusch bekommen. Der Terminus Blutsauger hatte aber schon immer eine doppelte Bedeutung und bezeichnete auch Menschen, die andere ausgebeutet haben. Diese Graphic Novel aus dem aktuellen Wien spielt genau mit diesen beiden Ebenen.
Gibt es Vampire wirklich?
Hannah ist eine junge Studentin und lebt in Wien in einem Altbau. Sie hat die Wohnung von ihrer Großmutter übernommen und profitiert dementsprechend von einer relativ geringen Miete. Als sie eines Abends in ihre Wohnung zurückkehren will, fühlt sie sich verfolgt. Der Mann erinnert in seinem Äußeren und seiner Kleidung an einen Vampir und macht ihr unbewusst Angst. Als sie glaubt, ihn endlich abgeschüttelt zu haben, stellt sich heraus, dass er die andere Wohnung auf ihrer Etage bewohnt.
Nicht genug damit klingeln am nächsten Tag seltsame Gestalten an ihrer Tür und fordern sie auf, die Wohnung zu räumen. Sie kündigen Bauarbeiten, Belästigungen und Schlimmeres für den Fall an, dass Hannah nicht ausziehen würde. Und tatsächlich sind die meisten Parteien schon ausgezogen. Die Umstände lassen allerdings nicht immer auf eine Freiwilligkeit schließen.

Die junge Frau steigert sich immer mehr in das Thema Vampire hinein und Breitbauer vermengt geschickt Texte von Bram Stoker mit der aktuellen Wirklichkeit. Dabei wird klar, dass wirkliche Blutsauger, die ein Mal am Hals hinterlassen, und so genannte Blutsauger, die über Leichen gehen, nicht unbedingt miteinander zu tun haben müssen.
Moderne Umsetzung
Breitbauer setzt seine eigene Story sehr modern um. Die Zeichnungen sind zwar reich an Details, abstrahieren aber auch. Realismus ist nicht das Ziel, es geht mehr um Stimmungen und Gefühle. Diese allerdings sprechen aus jeder Seite! Die einzelnen Panel erzählen bereits eine Geschichte, die Kompositionen der Seiten fügen dem aber noch eine weitere Ebene hinzu!

Die in vier Kapitel erzählte Story ist gruselig. Die Erlebnisse der jungen Frau werden eindringlich geschildert und auch ihre Frustration, dass selbst ihre engsten Freund*innen sie eher für überzogen als für glaubwürdig halten, spricht Bände. Auf der anderen Seite ist der Band jedoch voller Humor und Liebe für das Fremdartige und die Neugier und daher eben auch optimistisch und aufbauend!
Lasst euch nicht unterkriegen!
Schwierige Zeiten erfordern neue Wege! Dazu gehört es, Ängste und Vorurteile zu überwinden und an sich selbst und an das Gute zu glauben. Nun sind die richtigen Mittel in einer Geschichte vielleicht doch andere als die, die man im richtigen Leben anwenden sollte, das Prinzip aber bleibt! Im Gegensatz zu klassischen Interpretationen steht dabei hier nicht die Unterordnung der Frau im Mittelpunkt!

Blutsauger von dem aus Passau stammenden, aber in Wien lebenden André Breitbauer ist eine Liebeserklärung an die Stadt, das Genre und den Mut, nicht alles hinnehmen zu wollen. Und er spielt auch in diesem Werk wieder damit, dass Annahmen von der Realität oft genug nicht bestätigt werden!
Dazu passen Esther Bejarano & Coincidence mit „Shtil, di nakht is oysgeshternt“ und ein Ottakringer.
© der Abbildungen 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg