Vermisst jemand einen richtig guten Krimi? Einen, in dem es nicht um Entführung und Verstümmelung von Frauen oder Kindern geht, nicht um Massenmord oder Terroristen? Wenn ja, dann ist The Kitchen genau das richtige für euch!
Der Inhalt
Die Geschichte spielt in New York, der Titel deutet schon das Viertel an: Hells‘s Kitchen. Wir schreiben die 70-er Jahre: Digitalisierung, DNA-Proben und Kameraüberwachung haben noch keinen Einzug in die Polizeiarbeit gehalten und Verbrecher wie Opfer hatten noch eine gewisse Ehre und Solidarität.
Drei Frauen, Kath, Raven und Angie, stehen plötzlich vor dem nichts, denn ihre Männer sitzen alle im Knast. Ihre einzige Möglichkeit ist es, die Geschäfte weiter zu führen. Schon nach kurzer Zeit müssen sie sich entscheiden, ob sie Gewalt anwenden wollen oder aufgeben, und natürlich entscheiden sie sich für das Weitermachen. Der erste Tote kann ihnen zwar nicht zugerechnet werden, sie wurden jedoch beobachtet und werden nun erpresst und so ergibt eins das andere…
Schließlich führen die Drei die Geschäfte nicht nur weiter, sondern dehnen sie gehörig aus und erreichen eine ganz andere Dimension. Die Freundschaft der Mädels wird dadurch aber auf eine harte Probe gestellt, die Ambitionen und Skrupel sind keineswegs bei allen auch nur ähnlich. Und so entwickelt sich zu dem Hard Boiled Krimi auch noch ein Drama rund um Freundschaft, Verrat und Flucht…
Kein Wunder, dass dieser tolle Stoff von 2015 für einen
Blockbuster ausgegraben wurde: Der Film ist seit einigen Tagen in den Kinos.
Die Umsetzung
DC Vertigo ist das Label in dem die spannenden Comics veröffentlicht wurden. Oneshots, Miniserien und schräge Neustarts gaben sich ein Stelldichein und gerade britische Künstler waren hier Ende des letzten Jahrtausends zu Hause. Auch wenn die Menge an Veröffentlichungen unter diesem Label etwas zurückgegangen ist, ist es doch immer noch ein Qualitätssiegel.
Ollie Masters kommt ebenfalls aus Good Old England und hat schon mehrere Krimi-Szenarios abgeliefert, unter anderem für Sons of Anarchy. Seine Geschichte ist stimmig, spannend, hat genügend überraschenden Twist um als monatliche Heftchenserie zu überzeugen aber genügend Durchlauf um als Sammelband das gleiche zu tun und ist vor allem cool. Die Atmosphäre der Siebziger trieft aus jedem einzelnen Bild und man vermeint beim Lesen die Musik zu hören!
Ming Doyle kommt aus Boston und hat sich ebenfalls schon einen Ruf erarbeitet, in diesem Fall natürlich als Zeichnerin. Ihre Bilder sind nicht so bonbonhaft wie es Superhelden heute oft erfordern, für dieses Krimisujet aber perfekt. Die Farben sind gedämpft, die Konturen sichtbar, hart aber nicht übertrieben und die Akzentuierungen gestrichelt, also eigentlich eher europäisch.
Auch das Layout passt sich ein: klassisch, keine Ziselierungen, keine Schrägen. Eine „runde“ Sache also. Panini hat natürlich wieder die Cover der Hefte dazu gepackt.
Die Empfehlung
Sagte ich schon, dass The Kitchen ein toller Krimi ist? Ich denke schon, aber es ist auch eine absolute Empfehlung für alle Fans dieser Gattung!
Dazu passen Jim Beam und Bruce Springsteen mit Born to Run, der Musik über die Opfer des American Dream.
Dr. Who ist so britisch wie Fish & Chips oder Salt and Vinegar
Crisps, hat aber auch außerhalb der Insel eine immer größere Fangemeinde. Die
erste Folge dieser Kult-TV-Serie wurde am 23. November 1963 ausgestrahlt und
der erste Doctor verstarb bereits 1975. Während andere Serien sich mühsam über
nächste Generationen hangeln mussten, übernahm hier einfach der nächste Doctor als
weitere Inkarnation des vorherigen und so amtiert seit zwei Jahren der
mittlerweile Dreizehnte. Und da sich selbst in Good Old England alles ändert
ist „er“ erstmals weiblich: Jodie
Whittaker verkörpert den Doctor recht erfolgreich. Die Comics folgen der
TV-Serie mit ihrem Personal und so sind nun auch in Deutschland die hier bei
Panini erscheinenden ersten Bände des (oder der?) dreizehnten Doctors
erhältlich.
Der Doctor ist ein Timelord, ein Außerirdischer, der mit seiner Zeitmaschine in der Zeit reisen kann. Diese wird TARDIS genannt und sieht auf der Erde aus wie eine Polizeinotrufsäule, für Nicht-Engländer in etwa also wie eine Telefonzelle. Die TARDIS ist nicht nur eine Maschine sondern scheint auch eine Art KI zu sein und weiß daher auch von Zeit zu Zeit, wann sie ungerufen aufzutauchen hat. Und da das Alleinsein uncool ist hat der Doctor auch immer Begleiter*innen um sich.
Der Inhalt
Der dreizehnte Doctor und ihre Truppe werden bei der
Betrachtung eines besonderen Himmelsschauspiels von einem Mann gestört, der vom
Himmel fällt. Sie beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen und gelangen
mit Hilfe der TARDIS in das Reich des Sammlers.
Dieser – ebenfalls ein Außerirdischer – hat zwei Menschen gezwungen, für ihn
wertvolle Kunstschätze zu stehlen. Zusätzlich hat er noch ein paar Kinder in
seiner Gewalt.
Der Timelord kann so eine Verfehlung natürlich nicht durchgehen lassen und daher geht es nun darum, den Sammler zu überlisten, die gefangenen Kinder unversehrt zu befreien und wenn möglich auch noch die Diebe wider Willen zu retten. Die Begleiter*innen, die ebenfalls neu und somit unbekannt sind, werden dabei mit ihren Eigenarten geschildert und dürfen sich profilieren.
Die Bonusstory des diesjährigen Free Comic Book Days zeigt die multinationale und diverse Truppe
auf einem Rummel. Leider gibt es eine besondere Regel beim Wurfstand: Der
Verlierer – also eigentlich jeder Teilnehmer – wird Bestandteil des
Gewinnsortiments und geht in den Besitz des Budenbesitzers über. Das ist mal
eine ganz andere Art der Jahrmarktsblamage…
Die Umsetzung
Technisch ist an der Klappenbroschur des Panini-Verlages
nichts auszusetzen: Vernünftige Bindung, gutes Papier, satte Farben und sogar
Glanzlackapplikationen auf dem Umschlag!
Auch storytechnisch gefallen mir die beiden Geschichten von Jody Houser, die sich ihre Meriten u. a. mit Star Wars, Spider-Man und Stranger Things redlich verdient hat: spannend, humorvoll und gut getimed. Auch Giorgia Sposito, die die Bonusgeschichte gezeichnet hat, liefert eine gute Leistung ab! Sie ist noch jung und steht am Anfang ihrer Karriere, wird aber in diesem Segment sicherlich eine brillante Zukunft haben. Enttäuschend sind dagegen die Zeichnungen von Rachael Stott. Auch Rachael hat eigentlich eine ganz beeindruckende Liste von Titeln in ihrer Liste, die Einfühlung in Dr. Who gelingt aber nur suboptimal. Die Titelheldin sieht fast in jeder Zeichnung anders aus; ihr geschätztes Alter reicht von etwa 15 bis 40 und das Gesicht geht von rundlich über länglich hin zu fast spitz. Auch die Haare wirken manchmal wie frisch gewaschen und sehen direkt im nächsten Bild fettig aus. Schade eigentlich, denn die anderen Figuren sind ganz ordentlich geraten und Dekors und der Sammler sogar gut. Ansonsten gibt es das typische „Heft-Layout“ mit Soundwords und bunten Knalleffekten in üblicher Qualität.
Natürlich gibt es wieder eine Galerie der Titelbilder der
verschiedenen Ausgaben als Bonus und eine Einführung in die Charaktere der
Doktrin und ihre Begleiter*innen.
Dazu passen ein englisches Bitter und The Carrols mit z. B. Surrender Your Love.
Eigentlich ist es schade, dass die vorbildliche Integralausgabe der Abenteuer der ersten Menschen vor 100.000 Jahren mit diesem fünften Band ihren Abschluss findet! Edouard Aidans hat über 40 Jahre lang Teile dieser Serie geschrieben und gezeichnet und so mit ihr die glorreiche Zeit in Tintin, für das ZACK, aber auch die Direktveröffentlichung im Album, zuletzt bei Joker bereichert. Jetzt liegt die gute bis grandiose Serie erstmals komplett auf Deutsch vor. Und sie ist definitiv nicht nur für die Generation ZACK zu empfehlen!
Der Inhalt
Der letzte Band enthält die im Abstand von jeweils 10 Jahren erschienenen Alben 15 bis 17 sowie einen großen Bonusteil. Den Beginn macht aber wie gehabt Volker Hamann, der die Rückkehr Aidans zu Tintin sowie seinen Ausflug zu Andy Morgan beschreibt. In diesem Beitrag finden auch zwei spezielle Seiten aus Tintin ihren Platz: eine von Aidans gezeichnete Hommage an Rick Master und in deutscher Erstveröffentlichung eine Seite, die Leser*innen an die Vielfalt in Tintin heranführen sollte und innerhalb einer SF-Rahmenhandlung die einzelnen Serien (hier natürlich Tunga) vorstellte. Alle fünf redaktionellen Beiträge zusammen geben einen sehr guten Überblick nicht nur über Zeichner und Serie sondern auch die sich verändernden Rahmenbedingungen für Comics im Europa der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts!
Gesetze und Blutsbündnisse von 1984 zeigt einmal mehr, wie weit sich Aidans bereits vom reinen Abenteuer weg entwickelt hatte. Ohama, Tungas langjährige Gefährtin, war vor langer Zeit von dem Stamm der Ghmour aufgenommen worden. Nun ist sie eifersüchtig auf die neuen Frauen im Stamm, Ulcha und Ilcha (vgl. Band 4), die sich als Kämpferinnen profilieren. Viel schlimmer ist allerdings, dass ihr Bruder mit weiteren Angehörigen seines Stammes kommt um sie abzuholen. Nach seinen Stammesregeln zähle die Verbindung mit Tunga nicht, ein brutaler und skrupelloser Krieger hätte ein Recht auf sie. Natürlich opfert sich Ohama um Blutvergießen zu vermeiden und genauso natürlich versucht Tunga, sie zu befreien. Eine sehr kurzweilige und spannende Geschichte mit mehreren Ebenen. Die Zeichnungen bieten zum Teil filmische Sequenzen in grandioser Qualität, etwa wenn die Männer sich den Ghmour nähern. Zu erwähnen wäre noch ergänzend zu den bibliographischen Angaben im Integral, dass diese Geschichte in Deutschland im Mosaik-ZACK 113 bis 115 unter dem Titel Gesetz und Blut veröffentlicht worden ist.
Der Tod des Riesen von 1995 führt einerseits den Subplot um Nooun weiter, der als Auserwählter Kontakt zu Weisen hat. Diese versorgen ihn mit Wissen, das zu damaliger Zeit wahrscheinlich nicht vorhanden war, und bildeten schon immer eine Art zusätzliches SF Motiv in der Reihe. In dieser Folge wird aber der bisherige Rahmen der Serie verlassen (oder erweitert), denn die Held*innen begegnen einem Raumschiff mit menschlichen Wesen (und teilweise auch mit menschlichen Trieben). Der Erstkontakt hat, wenn er aus der Sicht der überforderten Steinzeitbewohner*innen geschildert wird, einen gewissen Charme. Der inhaltliche Schwenk ist zudem eingebettet in ein klassisches Setting mit einem Streit zwischen zwei weiteren Völkern in den die Gefährt*innen hineingezogen werden.
Auch die grafische Umsetzung ändert sich mit dieser
Geschichte und modernere Techniken und Möglichkeiten halten ihren Einzug in das
Repertoire des Künstlers. Zeichnerisch ändern sich vor allem die Figuren: Waren
anfangs die Münder nicht immer geöffnet, die Lippen schmal und die
Gesichtsfarbe eher einheitlich, zeigt sich in den neueren Arbeiten, dass Aidans
zwischenzeitlich an einer erotisch angehauchten Gag-Reihe gearbeitet hat: Die
Münder sind immer offen, die Lippen voll und farblich akzentuiert und das
Gesicht Ohamas sieht aus wie geschminkt, was durch das bessere Papier erst
möglich geworden ist! Zudem tauchen auch auf immer mehr Einzelbildern ihre
Brüste auf und ihre Bekleidung wird unpraktischer („Ohama möchte Tunga gefallen
und ihn überraschen“).
2004 erschien dann der endgültig letzte Teil, passenderweise mit Das letzte Ufer betitelt. Wieder werden die drei Hauptpersonen samt dem Säbelzahntiger in eine fremde und feindliche Umgebung geworfen. Sie könnte direkt den Pulps der 30-er Jahre entsprechen: eine einsame Insel, Dinosaurier und verschiedene feindliche Stämme von Ureinwohnern. Dazu kommt allerdings wie auch schon in dem vorherigen Band ein SF-Element in Form von weiterentwickelten Lebewesen. Stünde die Story alleine, wäre sie nicht schlechter als ähnliche und würde eine Verfilmung a la Jurassic Park sicherlich erwarten. Im Zusammenhang der 40-jährigen Geschichte von Tunga, Ohama und Nooun fallen die letzten beiden Geschichten allerdings etwas aus der Reihe. Dies liegt nicht an den nicht wirklich dazugehörenden Dinos, die es auch früher schon zu Auftritten gebracht haben, sondern vor allem an den eigentlich gar nicht notwendigen Gastspielen der Weiterentwickelten Wesen. Soviel Däniken muss gar nicht sein.
Zeichnerisch hat sich Aidans
mit diesem letzten Teil noch einmal modernisiert. Die Bilder sind einfacher
konstruiert und wirken zumindest mit ihren Hintergründen wie aus den Frühzeiten
der digitalen Gestaltung. Trotzdem aber immer noch ein Hochgenuss und besser
als so manch amerikanische Kost!
Bonus
Die letzten Seiten werden gefüllt mit Skizzen und Vorzeichnungen für die Figuren oder die Tierwelt. Dabei handelt es sich teilweise um Bleistift-/Kohlezeichnungen, es sind aber auch kolorierte Bilder dabei. Sie helfen, das Bild des Künstlers abzurunden und leisten somit ihren Beitrag zu einer rund herum empfehlenswerten Integralausgabe. Kult Comics hat in diesem Bereich mit den editoriellen Beiträgen, den Informationen zu den bisherigen Veröffentlichungen, den Comics und Texten selbst aber auch mit den zusätzlichen Abbildungen sicherlich Standards gesetzt.
Nicht verschwiegen werden soll natürlich die limitierte Vorzugsausgabe,
die wieder mit einem Alternativcover daherkommt und ein signiertes Ex Libris
enthält.
Dazu passen ein stark gehopftes Bier eurer Wahl und Musik
von The Dead South!
Nun ist der glorreiche Conan also auch wieder in seinen angestammten Gefilden bei Marvel unterwegs, bei Crom! Und dabei hat sich das Haus de Ideen wohl gedacht, dass klotzen allemal besser sei als kleckern. Wir dürfen also einiges erwarten in den nächsten Wochen und Monaten denn Panini Deutschland wird alle neuen Serien auch bei uns herausbringen. Zudem dürfen wir ja auch schon die Geschichten um Conan, den Cimmerier von europäischen Teams (Deutsch bei Splitter) genießen.
Die Frage
Zeit also für die Frage, warum der Held der amerikanischen Pulps aus den Anfängen der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts plötzlich so eine Renaissance erlebt? Der Barbar ist zunächst einmal jemand, der Probleme löst. Er zögert nicht, lässt seine Erfahrung aus hunderten von gewonnenen Kämpfen in seine Überlegungen einfließen und baut auf seine Körperkraft. Ja, er ist auch ein Menschenkenner und hat so manchen Verrat aber auch Freundschaft und Kameradschaft erfahren und ist furchtlos auch gegenüber dem Übersinnlichen, ein echter Mann also.
Er bietet damit eine Projektionsfläche für eine kleine Flucht aus dem Alltag, der geprägt ist von Zukunftsangst, der Klimakrise, dem politischen Wahnsinn in Nahost, dem drohenden Handelskrieg und nicht zuletzt der Genderfrage, die tradierte Rollenbilder (zurecht!) über den Haufen geworfen hat. Der Populismus feiert Erfolge und die Gladiatorenspiele, die heutzutage Fußball genannt werden, sind von Skandalen geprägt und von Transaktionssummen, die die Vorstellungskraft des Durchschnittsbetrachters um ein Vielfaches übersteigen. Zeit also auch hier für einfache Lösungen?
So einfach ist es sicherlich nicht! Die Gattungen der
Superhelden und der Space Opera sind jetzt per se sicherlich auch nicht von
Tiefgang geprägt und die eine oder andere Diversifikation in Richtung
feministischer Heldinnen oder LGTB ist alles andere als Mainstream. Graphic Novels
haben ihren Hype hinter sich und es eben nicht geschafft, die Unterhaltung zu
verdrängen. Das ist allerdings auch nicht schlimm: Fluchtliteratur und ihre
Entsprechungen in Film und Musik hat es schon immer gegeben und Unterhaltung
soll vor allem eins: unterhalten! Damit bleibt die Frage, ob die neuen
Geschichten um Conan, den Barbaren genau das liefern?
Die Umsetzung
Der Sammelband enthält die ersten sechs Teile der übergreifenden Saga ‚Leben und Tod des Barbaren‘ von Jason Aaron. Die einzelnen Teile spielen in bekannten Gegenden und auch in bekannten Settings, fügen den Originalen aber neue Facetten hinzu. Die einzelnen Hefte sind dabei eher Mosaiksteinchen in einem Fight zwischen der Priesterin des Razazel und dem Barbaren. Besagter Dämon möchte die Welt wieder betreten, braucht dafür aber das Blut eines Helden, der dem Tod schon oft erfolgreich gegenübergestanden hat. Conan möchte sich allerdings keinesfalls opfern lassen, tötet seinerseits nun die Hexe und trifft sie und zwei kleine Kinder, die als Hilfstruppe dienen, immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten.
Grundsätzlich hat diese Geschichte alles, was eine Conanstory benötigt: Kampf, Suspense und ein wenig Horror sowie verschiedene Völker aus dem hyborischen Zeitalter. Durch die verbindende Rahmengeschichte kann sie sogar mehr Tiefe schöpfen als eine einzelne Geschichte es könnte und die einzelnen Versatzstücke etwa der Hexe, die sich von blonden Vamp zur grausamen Priesterin wandelt und später als schlecht zusammengebastelter Zombie weitermacht oder der beiden Kinder sind sehr treffend. Die Neuinszenierung ist also durchaus gelungen.
Allein: Verglichen mit den alten Sachen, etwa von John Buscema aber auch anderen, die in Deutschland von Panini unter dem Label Generation Comics veröffentlicht wurden, fehlt der letzte Kick! Vielleicht ist doch etwas zuviel Superheldenkrams in den Arbeiten von Mahmud Asrar verblieben. Gerardo Zaffino hat dagegen eine zwar sehr nervöse, aber sehr eigenständige und herausstechende Episode abgeliefert, die mit der aktuellen europäischen Reihe oder den Marvel-Vorgängern durchaus mithalten kann! Vielleicht stört mich auch einfach die Farbe…
Eins aber kann ich der Serie nicht absprechen: Sie liefert
pure Unterhaltung, ist abwechslungsreich und spannend. Sie hat keine
versteckten Themen im Gepäck und keine Anspielungen, sondern ist purer Pulp!
Wer das mag wird hier richtig liegen. Mal sehen, wie sich die anderen Titel Savage Sword of Conan und Age of Conan schlagen werden.
Natürlich liefert Panini auch in diesem Band wieder
Abbildungen von den verschiedensten Variantcovern und zusätzlich ein Interview
mit dem Hauptzeichner Mahmud Asrar.
Dazu passen ein leicht würziger Rotwein aus dem
Mittelmeerraum und Gwar!
Charles Darwin
dürfte dem Namen nach jedem bekannt sein; seine fast fünfjährige Reise auf der HMS Beagle erlaubte ihm, unzählige Artefakte
zu sammeln, Theorien zu entwickeln und diente als Basis für sein
wissenschaftliches Werk, das die Naturwissenschaften revolutionierte und ihn in
scharfen Gegensatz zu der damaligen Auffassung brachte. Über diese Reise gibt
es bereits viele Bücher, nicht zuletzt von Darwin
selbst aber auch vom Kapitän der Beagle Fitz
Roy. Nun liegt eine Graphic Novel aus dem Knesebeck-Verlag vor, die diese Reise beschreibt.
Der Hintergrund
Darwin war ein etwas kränklicher junger Mann und so war die erste Hürde, die zu nehmen war, das Einverständnis des Arztes der Familie. Seereisen waren damals, wir schreiben das Jahr 1831, noch etwas anderes: ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Die Überfahrt war gefährlich, Kommunikation nur möglich, wenn man ein anderes Schiff traf oder während des Aufenthaltes in einem Hafen und es gab genügend Hinweise auf Kannibalen und feindlich gesinnte Bewohner unbekannter Landstriche.
Zudem waren die Schiffe der damaligen Zeit zwar durchaus
seetauglich, Luxus wie auf einer heute so beliebten Kreuzfahrt war aber nicht
zu erwarten. Der Kapitän der HMS Beagle,
der auf der zweiten Fahrt dieses Schiffes die Küste Südamerikas kartographieren
sollte, wünschte sich Gesellschaft durch einen gebildeten Gefährten während der
Fahrt und so kam es, dass der junge Darwin
eingeladen worden war. Da es keine Smartphones mit Kamera gab war auch ein
Maler mit an Bord um die Eindrücke festzuhalten. Die erwünschte Konversation
muss allerdings sehr beschränkt gewesen sein, Darwin litt nicht unerheblich an Seekrankheit.
Er entwickelte aber schnell ein großes Interesse an
Naturforschung und Geografie und stellte bereits auf dem ersten Stopp auf den
Kapverden fest, dass die Erde wohl nicht erst 6000 Jahre alt ist – so die
damalige theologisch begründete Annahme, sondern wesentlich älter. Die Erde
schien sich entwickelt zu haben (Blasphemie 1) und das Antlitz ihrer Oberfläche
schien aus verschiedenen Schichten aufgebaut zu sein.
Ein weiterer Punkt, in dem der junge Forscher einen totalen Gegensatz zur damals herrschenden Meinung einnahm, war die Frage der Sklaverei. Er empfand durchaus, dass alle Menschen gleich sein und die postulierte Minderqualität nicht aus dem Menschen selbst heraus zu begründen war. Die Zivilisation sei es, die die Menschen und ihre kulturelle Entwicklung geprägt hätte und dort gäbe es tatsächlich Unterschiede. Natürlich glaubte der Engländer an die Superiorität seiner Kultur und empfand durchaus eurozentristisch und paternalistisch, zweifelte aber an der Gottgegebenheit dieser Situation (Blasphemie 2).
Auf seinen weiteren Stationen dieser fast fünf Jahre
andauernden Reise entdeckte er Skelette von Fossilien und entwickelte
schließlich aufgrund der Tatsache, dass sich auf den einzelnen Galapagos Inseln
unterschiedliche Ausprägungen zum Beispiel von Finken finden ließen, die Theorie,
dass sie sich aus einem gemeinsamen Ursprung entwickelt hätten (Blasphemie 3). Diese Theorie sollte später sein
Hauptwerk werden unter dem Namen Der
Ursprung der Arten, der Begründung der modernen Evolutionstheorie!
Die Umsetzung
Grolleau und Royer haben sich in ihrer Umsetzung
dagegen entschieden, alle Details haarklein nachzuerzählen. Sie wollen etwas
vereinfachen, ja sogar romantisieren, wie sie in ihrem Vorwort gestehen. Ihnen
kommt es nicht darauf an, jede Entdeckung, jeden Landgang und jede Idee
wiederzugeben, sie wollen die Linie und die Entwicklung aufzeigen die vom
jungen, idealistischen Träumer hin zu dem genauen Wissenschaftler verläuft. Dadurch
gelingt es ihnen zu zeigen, wie sich einzelne Begebenheiten und Funde quasi wie
Puzzlesteine mühsam zu einem Größeren zusammenfinden und erst langsam die
Grundlage für die Theorie bilden. Noch einmal zurück in die damalige Zeit:
Fundstücke mussten katalogisiert werden, verpackt und dann nach England
verschifft werden. Sie waren teilweise Jahre vor dem Forscher in der englischen
Heimat und hatten bereits eine Diskussion angeregt, die von Darwin selbst gar nicht zu beeinflussen
war.
Zudem waren auch die Kategorien gar nicht bekannt und entwickelten sich erst im Laufe der Zeit, zum Beispiel die Wichtigkeit der geographischen Bezeichnung der Fundorte. Wenn alle Arten gleichzeitig von Gott geschaffen worden waren, war es nicht so wichtig, ihren Fundort zu beschreiben. Erst dann, wenn man von separaten Entwicklungen ausgeht, macht der Fundort überhaupt Sinn! Diese Weiterentwicklung in der wissenschaftlichen Herangehensweise wird durch die beiden Kreativen quasi nebenbei erläutert und das ist auch schon ein Hinweis auf ihre Leistung: Wissenschaft und vor allem die langsame Theoriebildung und ihre Verifikation werden perfekt und spannend beschrieben und erwecken Verständnis für die Leistung aber auch Neugier und möglicherweise den Spaß an eigenen Versuchen.
Die Graphic Novel lässt sich daher vielschichtig lesen: Sie
ist zu erst einmal eine spannende biographische Bilderzählung einer
fünfjährigen Reise und insofern fast wie ein Roman von Jules Verne, nur in echt. Sie ist die Beschreibung der Entwicklung
einer revolutionären Theorie, die unsere Welt nachhaltig geändert hat (auch
wenn es immer noch eine Vielzahl von Menschen gibt, die glauben, dass die Bibel
und ihre Genesis wörtlich zu nehmen ist). Und sie ist die behutsame
Heranführung an Wissenschaft und ihre Anforderungen.
Die Zeichnungen
Mir wurde auf keiner einzigen der 170 Seiten langweilig – der Stil ist so abwechslungsreich und wechselt zwischen Nahaufnahmen der Gesichter, der Situationen oder Tierdarstellungen und weiten Landschaften hin und her. Dabei ist das Gesicht Darwins den Bildern der damaligen Zeit so gut nachempfunden, dass man ihn sofort wiedererkennt, seine Entwicklung über die beschriebene Zeit aber auch sehen kann. Aus dem offenen, etwas ängstlichen jungen Mann wird einer, der weiß, was er zu tun haben wird um seine gesammelten Eindrücke zusammenzufügen.
Auch die Härte der Seefahrt, die Schrecken der Sklaverei und
die Beschreibung der südamerikanischen Lebensverhältnisse sind gut und vor
allem nachvollziehbar getroffen. Dazu gibt es immer wieder grandiose Bilder wie
etwa das als Titelbild genutzte Panel oder die Sammlung der Käfer die in ihrer
Weite und Detailtiefe die emotionale Beteiligung des/der Leser*in geradezu
erzwingen. Trotz aller Details vereinfachen die Bilder genug um nicht vom
Wesentlichen abzulenken und sind daher besser geeignet als Fotos es wären.
Die Ausgabe
Der Knesebeck-Verlag
veröffentlicht seit geraumer Zeit Graphic Novels. Viele davon sind aus der
Schnittmenge von Zeitgeschichte und Biografie und alle setzen den Willen der
Konsument*innen voraus, sich auf das Thema einlassen zu müssen. Das kurze Vergnügen
mit anschließendem Vergessen ist nicht gewollt, eher schon die Basis für eine
tiefere Auseinandersetzung. So laden die Werke auch alle dazu ein, sie mehr als
einmal zu lesen.
Das Buch kommt als Hardcover mit festem Papier. Obwohl sehr glatt, glänzt es nicht und reflektiert daher auch nicht störend. Der Buchhändler würde es etwas altertümlich als wohlfeil beschreiben… Durch die strukturierenden Kapiteleinleitungen mit einem Kartenausschnitt wird die Leser*in geführt und der Überblick gewährleistet.
Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die nicht nur die
schnelle Ablenkung suchen, sondern eine Bildgeschichte gerne auch wiederholt in
die Hand nehmen und als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen nutzen wollen!
Dazu passen Joe
Jackson mit Big World und Mate jeglicher Geschmacksrichtung.
Schwarwel ist dem
einen oder der anderen frühen Leser*in von comix-online noch aus den Zeiten von
EEE (Extrem Erfolgreich Enterprises) und
als Mastermind des Schweinevogels bekannt.
Mittlerweile hat er sich hauptsächlich auf das Zeichnen von Karikaturen verlegt,
die unter anderem über Facebook für jede*n frei verfügbar sind und arbeitet bei
„Glücklicher Montag“ unter anderem an
Trickfilmen.
Gevatter ist Schwarwels erstes Comicprojekt seit einigen Jahren; der erste Teil ist gerade sowohl in einer regulären Ausgabe als auch als Variant mit einem Titelbild von Sascha Wüstefeld (Das UpGrade) erschienen. Die Hefte 2 – 5 sollen in kurzen Abständen folgen.
Der Inhalt
Die Graphic Novel wird von der FUNUS Stiftung herausgegeben die sich für einen unverkrampften Umgang mit dem Tod einsetzt. Jeder Mensch muss früher oder später sterben und mehr man sich im Vorfeld damit auseinandergesetzt hat, desto besser kann man damit umgehen. So veranstaltet die Stiftung z. B. das Leipziger Endlichkeitsfest „Die Stadt der Sterblichen“ vom 6. bis 29. September mit. Sie unterstützt aber auch Publikationen, die sich mit dem Tod beschäftigen und somit auch den Gevatter.
Schwarwel hat eine
sehr persönliche Geschichte geschrieben: Tim, der in seinem Heranwachsen gezeigt
wird, ist das Alter Ego des Autors. Es beginnt mit einem verzweifelten Anruf:
der „Held“ dieser Story steht kurz davor, sich das Leben zu nehmen, ruft aber
noch einmal einen Freund an, dem er damals in einer ähnlichen Situation
geholfen hatte. Nun also muss der Freund das Gleiche tun…
In Rückblicken wird dann die Geschichte des kleinen jungen erzählt, der wie alle Kinder immer wieder mit dem Tod konfrontiert wird. Sei es die alte Frau, der verletzte Igel oder die potentiell tödliche Krankheit. Keinem Kind können diese Situationen erspart werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass nicht alle Kinder mit ihren Fragen alleine gelassen werden…
Im weiteren Verlauf der Serie werden noch weitere
persönliche Erlebnisse des Künstlers thematisiert werden: Alkohol,
Depressionen, Sucht und Verzweiflung. Es gehört unheimlich viel Mut dazu, sein
Innerstes so offen zu legen, sich angreifbar zu machen und die Deckung zu
verlassen.
Gerade dieser Mut ermöglicht es aber auch, die im Anhang abgedruckten
Adressen zur Hilfe bei Depressionen, schweren Krankheiten oder Trauerbegleitung
nicht als Werbung zu verstehen sondern als Angebot von jemand, der weiß, wovon
er spricht.
Genau diese Tiefe und der Wille zum Diskurs kommen auch aus
den Interviews mit Schwarwel selbst, Sascha Wüsterfeld und Frank Pasic, dem Vorsitzenden von FUNUS
zum Ausdruck.
Die Umsetzung
Die Graphic Novel erscheint in schwarz-weiß und damit in dem einzig passenden Rahmen. Farbe würde die Details überdecken und auch eine falsche Stimmung repräsentieren. Die Seiten folgen im Prinzip dem 3×3-Aufbau, sind aber flexibel und erlauben somit ein Zusammenfassen oder aber auch ein Verteilen des Motivs auf mehrere Panels.
Der Horror im Gesicht des jungen Tim, die Verzweiflung und
Hoffnung im Gesicht des älteren brauchen keine Worte zur Unterstützung sondern
erklären das gesamte Setting aus sich heraus. Machtverhältnisse, Schrecken und
Rückzugsräume sind deutlich zu erkennen und erlauben eine fast filmische
Rezeption.
Der faire Preis, die Gestaltung mit festem Einband und das
Variantcover von jeweils unterschiedlichen Künstler*innen sollten ebenfalls
dazu beitragen, dass die Geschichte über den Tod und den Umgang damit ihre
Käufer*innen findet! Für mich definitiv
ein Kandidat für die Top 5 des Jahres!
Dazu passen A place to
bury strangers und ein Rotwein.
Dantes kehrt zurück! Der Wirtschaftskrimi aus der Feder von Pierre Boisserie und Phillippe Guillaume mit den Zeichnungen von Erik Juszezak geht in die letzte Runde. Neben den gefälschten Kunstobjekten aus der New Yorker Werkstatt war im letzten Teil auch ein falsches Weinetikett aufgetaucht. Der (Luxus-)Wein existiert zwar, allerdings noch nicht mit dem angegebenen Jahrgang. Gleichzeitig kommt es zu einer Entführung des Babys von Dantes und seiner Frau aus der Säuglingsstation. Für Spannung ist also von Anfang an gesorgt. Welches Spiel spielen Christopher Dantes Vater und die Kunstfälscherin? – Solide Krimikost!
Die Fortsetzungen
Der zweite Band von Harmony namens Indigo
von Mathieu Reynès geht schon in die
dritte Runde: Die Kinder mit den übersinnlichen Fähigkeiten haben sich nicht so
weiterentwickelt wie gewünscht. Es übernimmt eine militärisch ausgebildete
Truppe die mit Folter nicht nur droht. Bei der blonden Titelheldin schlägt die
Methode an; ihre Kräfte verstärken sich. Der Cliffhanger erleichtert das Warten
auf das Oktoberheft nicht.
Michel Vaillant war schon immer mehr als reiner Motorsport. In der zweiten Staffel haben Phillipe Graton & Denis Lapière den Krimianteil aber noch einmal erhöht und vor allem auf eine lange Storyline gesetzt. Macau ist schon der siebte Band aber die Auseinandersetzung um die Firma Vaillante mit Ethan Dasz ist noch in vollem Gange. Evelyne hat Beweise, die sie Michel übergeben möchte. Zunächst aber müssen die Zwei auf einem Motorrad durch Macau flüchten. Das gibt Benjamin Benéteau die Gelegenheit zu beweisen, dass er rasante Rennszenen mit Autos genauso gut beherrscht wir Motorradszenen in einer vollen Innenstadt. Zurecht eine der Besten technikorientierten Serien dieses Jahrtausends!
Tessio, der „schlimme“ Bruder von Cassio, hat es endlich geschafft, die letzte Kanope zu bekommen.
Nun kann er versuchen, ihre Mutter wieder auferstehen zu lassen und endlich
eine Schreckensherrschaft zu etablieren. Es könnte aber sein, dass man ein Übel
mit einem anderem austreiben kann. Das
Reich der Erinnerungen wird – so scheint es – alle offenen Fragen
beantworten und steuert auf einen finalen Höhepunkt zu.
Endgültig und letztmalig verabschiedet sich der Agententhriller die Flügel des Herrn Plomb. In sieben Alben hat Christophe Gibelin ein Verwirrspiel mit Agenten beidseits des Eisernen Vorhangs aufgezogen, das durch persönliche Beziehungen und Konflikte zwischen befreundeten Diensten angereichert wurde. Im Zentrum all dieser Stürme stand ein Fotograf, geplant als Kollateralschaden und doch bis zum Schluss unter den Lebenden. Die Auflösung ist tatsächlich so zynisch wie vermutet!
Und sonst so?
Schon das Editorial des Chefredakteurs verkündet eine frohe Botschaft: Der absolut zu empfehlende Titel de Meimoorden von Eric Heuvel wird ab Februar im ZACK in deutscher Übersetzung erscheinen. Schon jetzt könnt ihr anfangen, die Tage zu zählen!
Neben wie immer genialen Abenteuern auf dem Friedhof
unter dem Titel Tizombi dürfen auch Parker & Badger und der Vater der Sterne wieder ran. Insbesondere
bei letzterem bleibt zu hoffen, dass irgendwann der Vorrat ausgeht und eine
neue Serie ihre Chance erhält.
Neben News und Rezensionen inklusive einer längeren der neuen Luc Orient-Gesamtausgabe im ALL-Verlag interviewt Christian Endres den neuen Zeichner von Conan der Barbar. Mahmud Asrar darf seine Eindrücke schildern und auf seine Vorbilder verweisen. Abgerundet wird das Ganze mit ein paar Einblicken in die neuen Seiten.
Zu der wie immer sehr kurzweiligen Lektüre passen The Selecter mit Daylight und ein
Nojito!
Der gerade erschienene Band von Luc Brunschwig und Étienne Le Roux ist bereits die fünfte europäische Interpretation des Conan-Mythos und folgt wie auch die anderen streng den Vorgaben des Schöpfers Robert E. Howard. Da die Geschichten keiner Chronologie folgen, sondern nur eigenständige Ausschnitte aus dem Leben des Cimmeriers abbilden, eignen sich die Vorlagen vorzüglich dafür, von unterschiedlichen Kreativteams bearbeitet zu werden. Conan selbst ist bereits in Film, TV oder Comic so oft dargestellt worden das keine Figur erwartet wird. Es gibt eher eine Vereinbarung über das Nicht-Aussehen: Conan kann nicht strohblond sein, nicht weiblich, „of colour“, schwächlich oder insektenartig. Alles andere ist aber interpretationsfähig. Zu Band 1 und 2.
Die Story
In Die scharlachrote Zitadelle
ist Conan also ein König, der sein Reich schon seit längerem regiert hat. Wie
immer herrschen verschieden Ansichten über die Güte dieser Tätigkeit vor, denn
es gibt Nutznießer*innen und Verlierer*innen. In der gegebenen Situation
scheint es so zu sein, dass die Mehrheit der Regierten eigentlich sehr
zufrieden mit ihrem König ist. Ungerechtigkeiten, hohe Abgaben, Frondienste und
andere unschöne Begleiterscheinungen einer (natürlich nicht aktuellen)
Monarchie wurden beseitigt und Pfründe abgeschafft. Die andere Seite eben
dieser Medaille ist aber natürlich, dass die Inhaber*innen der ehemaligen
Privilegien, Einkünfte und Dienste eben nicht mehr bekommen und sich daher als
„Opfer“ dieser Herrschaft sehen.
Wie gut, dass es auch noch Nachbarn gibt… Diese sind – so dass kriegerische Grundsetting dieser Literaturgattung – natürlich immer neidisch auf die Ressourcen des in Frage stehenden Landes (Bodenschätze, strategische Bedeutung, Sklav*innen) und vor allem darauf bedacht, dass diese revolutionären Ideen nicht in ihr Land hinüberschwappen. Eigentlich also der heutigen Weltpolitik prinzipiell gar nicht soo unähnlich.
Die Geschichte beginnt mit dem Eintreffen des Barden in der
Königsfeste. Er berichtet von dem Hinterhalt, den Almarus, Strabonus und der
Magier Tsotha-Lantis mit ihren Armeen für die Streitmacht Conans gelegt haben,
und in dem fast alle Männer getötet worden sind. Auch Conan, der geliebte König,
sei umgebracht worden.
Tatsächlich ist der trotz seines Alters immer noch kräftige König nur gefangengenommen worden um eine Kapitulation im Gegenzug für persönliche Freiheit zu erreichen. Damit soll den Untertanen klar gezeigt werden, dass alle Errungenschaften der Conanschen Regierungszeit keineswegs nachhaltig seien und gerne der persönlichen Lage des Herrschers geopfert würden. Natürlich lässt sich der Barbar nicht darauf ein…
Im Folterkeller darf der muskelbepackte Held dann die Bekanntschaft
mit einer riesigen Echse machen, aber auch mit einem Überlebenden der Überfälle
aus der früheren Zeit als Conan noch als Pirat lebte. Nach einigen
Dungeon-Begegnungen kann er schließlich Pelias befreien, der vor 10 Jahren von
Tsotha-Lantis gefangengenommen worden war und selbst ebenfalls übernatürliche
Kräfte auf seiner Seite weiß.
Währenddessen hat in dem nun scheinbar verwaisten Königreich
die Machtübernahme der alten Eliten mit all ihren blutigen Details begonnen…
Das Artwork
Étienne Le Roux gelingt es gut, sowohl die dunklen Höhlenszenen mit Gefahren hinter jeder Ecke, Traumsequenzen und Ängsten aber auch Monstern darzustellen als auch die brutalen Szenen der Machtübernahme, die paradoxerweise in strahlendem Sonnenlicht wiedergegeben werden. Die Hintergründe wirken dagegen teilweise etwas zu einfach, der Rasterschatten etwas zu „nicht-selbst-gemacht“. Abgesehen von diesen kleinen Mängeln aber eine sehr ansehnliche Umsetzung.
Die Figur des Conan wirkt im ersten Moment mit dichtem
schwarzem Vollbart etwas ungewöhnlich, man gewöhnt sich aber schnell daran, da
man schon so viele Interpretationen gesehen hat, dass auch diese nicht wirklich
anders ist. Die anderen Figuren sind nicht so geprägt von Erwartungen und daher
noch leichter zu akzeptieren. Die Bösartigkeit kommt hier oft mit einem Lächeln
daher. Der Seitenaufbau ist klassisch und von wenigen Soundwords begleitet. Allein
bei rasanten Kampfszenen scheint sich auch der Stil bewegen zu wollen und
unterstützt so die Dynamik.
Luc Brunschwig ist
aktuell vor allem durch die neuen Abenteuer um Bob Morane sowie die im ZACK
abgedruckten Geschichten mit Mic Mac Adam
bekannt. Hier beweist er, dass er durchaus auch in Sword & Sorcery
Settings seine Qualitäten hat. Das Springen zwischen den beiden Locations, Hell
und Dunkel, Magie und Restauration ist gut umgesetzt und kann auch in Zeiten
eines Publikums, das mit Game of Thrones Kost dieser Art bereits gut
visualisiert bekommen hat, noch punkten.
Die Ausstattung
Splitter stattet auch diesen Band wieder mit einem Nachwort aus, das auf die Entstehungsgeschichte des Originals von 1932 eingeht und zudem weitere Illustrationen enthält. Der Band ist wie auch die anderen im typischen splitter-Überformat als Hardcover erschienen und bringt Farben und Zeichnungen brillant zum Ausdruck. Bei dem Preis kann man eigentlich nichts falschmachen. Interessant könnte es in diesem Monat zudem sein, die europäische Interpretation mit der neuen amerikanischen zu vergleichen, denn auch bei Marvel gibt es einen (deutschen) Neustart der barbarischen Abenteuer.
2015 Paris, der Bahnhof ist großflächig mit riesigen
Plakaten bestückt auf denen die Sensation beworben wird, dass Yves Swolfs seine Vampir-Serie Prinz der Nacht fortsetzt.
2019, Deutschland, der siebte Teil der Saga erscheint auch in Deutschland. Mittlerweile ist bereits der erste Teil der neuen Serie von Yves Swolfs – Lonesome – erschienen und der achte Teil des Nachtprinzen ist bereits in der Ankündigung. Was ist geschehen? Zum einen ist wohl zu berücksichtigen, dass die Serie in Deutschland keinen leichten Stand hatte: Die ersten Bände erschienen im „alten“ Splitter-Verlag, der jedoch pleite ging. Es ging weiter bei Kult Editionen wo auch zwei Integral-Ausgaben erschienen sind, doch auch dieser Verlag ist nicht mehr. Und so dauerte es bis zum letzten Monat dass der Splitter-Verlag, Heimat von Swolfs Westernserien Durango und Lonesome, eine neue, diesmal einbändige Integralausgabe der ersten 6 Bände herausbrachte und nun auch endlich die neuen Abenteuer veröffentlicht.
Die Story
Während die ersten sechs Bände die Beziehung des untoten
und damit auch quasi unsterblichen Vampirs Kergan mit dem Geschlecht der
Rougemonts zum Inhalt hatten, geht es jetzt in die Comicdeutsch Origin des
Blutsaugers.
Kergan ist der Sohn eines Stammesführers und Kriegsherren der Karpen, die sich im Kampf mit römischen Legionen befinden. Er ist zwar der ältere Sohn seines Vaters, nicht aber der Sohn seiner Frau, die versucht, ihren Sohn als Erben zu platzieren. Kergan ist ein brillanter und erfolgreicher Krieger, zugleich aber unbeherrscht, aufbrausend und emotionsgesteuert. Als er den Kopf eines römischen Zenturios heimbringt, ist selbst der Vater überzeugt, dass Kergan einen Dämpfer braucht und schickt ihn auf eine diplomatische Mission.
Natürlich gehören zu einer richtigen Entstehungsgeschichte
eines bösen Vampirs auch eine große Ungerechtigkeit und eine Enttäuschung und
sie werden hier auch dargeboten! Swolfs
hat sich dabei aber große Mühe gegeben, allzu starke Plattitüden zu vermeiden
und einen stimmigen Handlungsbogen zu erschaffen. Wo sich Verrat auf Verrat
türmt, die Liebe entschwindet und das Leben keinen Sinn mehr zu machen scheint,
kann die Rache zur neuen Zielsetzung werden. Der Entscheidungsprozess ist aber
nicht einfach…
Das Artwork
Yves
Swolfs ist ein Meister seines Faches. Er
beherrscht Landschaften und Dekors genauso wie Personen. Die Eingangssequenz alleine
ist schon so filmisch und so genial angelegt, dass ein Weiterlesenwollen fast
als einzige Möglichkeit erscheint. Er beherrscht die Totale wie auch die
Nahaufnahme und wechselt auch zwischen beiden hin und her. Dadurch wird z.B. die
Szene auf der Brücke auch glaubwürdig, denn zwischen der dem Leser die
Situation zeigenden Gesamtansicht, den Gesichtern und Bögen der Angreifer und
denen der Römer wechselt Swolfs ständig
um eine solche Spannung zu erzeugen, die den Schweiß der Beteiligten fast riechen
lässt.
Auch seine Umgebungen sind detailreich und stimmungsvoll, egal ob während der Nacht oder tagsüber, im Gebirge, Wald oder freien Feld. Die Seitenaufbauten sind dabei vollkommen flexibel und folgen keinem Schema.
Die Empfehlung
Kaufen!
Es handelt sich beim Prinzen der Nacht um keine Teenagerserie. Natürlich geht es um enttäuschte Liebe, aber Kergan wird kein Ehrenmann werden. Die Darstelllungen sind teilweise explizit, überschreiten aber keine Grenzen! Die Zeichnungen sind grandios und die Story ist (wenn man mal davon absieht, dass das Thema natürlich dem Fantastischen und irrealen zugehörig ist) nachvollziehbar und logisch. Wer nicht die ersten Bände eh schon im Besitz hat, muss diese nicht erwerben, um neu einsteigen zu können, es könnte aber eine Folge des Genusses dieser Geschichte werden…
Michel Vaillant ist ein Phänomen; Während der ersten Staffel (1957 – 2007) seiner Abenteuer, die 70 reguläre Alben, mehrere Sonderbände und eine Vielzahl von Kurzgeschichten umfasst, hat der sympathische Held fast alles gefahren, was zu fahren ist, hat geheiratet und einen Sohn bekommen. Die Geschichten von Jean Graton waren immer besonders dicht am echten Motorsport und viele der gezeichneten Konkurrenten waren tatsächliche Cracks in der Formel 1 oder 2 oder im Motorradrennsport. Mittlerweile werden die Geschichten unter der deutschen Bezeichnung zweite Staffel von Phillipe Graton, also dem Sohn, getextet und sind deutlich modernisiert worden.
Im Berliner MOSAIK Verlag erscheinen nicht nur die monatlichen mosaik und ZACK-Hefte, sondern auch beide Staffeln der Michel Vaillant-Bände in einheitlicher Aufmachung mit redaktionellen Infos zum Thema des Bandes. Es bedarf nur noch 4 weiterer Ausgaben und dann liegt der ursprünglich als Michael Voss in Deutschland gestartete Klassiker der Ligne Claire erstmals komplett in einer Reihe auf Deutsch vor. Mehr dazu in der Besprechung von Band 54.
In Deutschland spielte die Serie besonders in Comic-Magazinen immer eine große Rolle. Schon 1965 erschienen die ersten Folgen in der Mickyvision, später dann im Koralle-ZACK. Das aktuelle ZACK-Magazin hat ebenfalls von Zeit zu Zeit den klassischen Rennfahrer zu Gast, präsentiert aber vor allem die aktuellen Bände der zweiten Staffel. Für spezielle Auftraggeber erstellte Werbecomics mit Held*innen aus dem Vaillante-Kosmos finden sich auch in der Sprechblase und im ZACK 241.
Die „Vergessenen Siege“
Der 1997 erschienene sechzigste Band der Serie stand unter keinem guten Stern, denn Graton musste sich einer Operation unterziehen und konnte kein neues Material erstellen. Als – erfolgreiche – Notlösung entschloss man sich, sechs Kurzgeschichten aus den siebziger Jahren, die nur in lange vergriffenen Sonderbänden veröffentlicht worden waren, zusammenzufassen.
Die deutschen Herausgeber haben jede einzelne Geschichte mit ein paar einführenden Worten versehen, die den historischen Kontext wiederherstellen und einige der zum Teil seit langem verstorbenen Personen vorstellen. Zusätzlich findet sich jeweils eine Notiz, unter welchem Titel und wo diese Geschichte bereits früher veröffentlicht worden ist. Sehr löblich!
Zolder featured
den später tödlich verunglückten französischen Rennfahrer Francois Cevert und führt zurück in die Zeit da Michel noch
unverheiratet war.
Ein Rennen für eine
Margarite sieht Steve Warson im Vordergrund als Fahrer eines
Stockcar-Rennens. Trotz aller Tragik im Verlauf des geschilderten Rennens steht
hier aber der Humor im Vordergrund.
Sie kamen aus dem Osten führt ein in die Hölle des Ice-Speedway und zeigt ausnahmsweise kein Rennen mit Vaillante-Beteiligung. Die Geschichte fügt aber dem Menschen Michel neue Facetten hinzu.
Auch in der Hölle der „6 Stunden“ muss der Titelheld erkennen, dass Erfolg und Todesgefahr eng beieinander liegen. Das Speedboatrennen unter dem Eifelturm ist nichts für schwache Nerven.
Kampf um 1/10 ist die einzige Formel 1 Erzählung in dieser Zusammenstellung. Die eigentlichen Helden dieser Seiten sind diejenigen, die nie im Rampenlicht stehen: Die Mechaniker und Techniker, die alles aus einem Wagen herausholen müssen damit der Fahrer überhaupt eine Chance hat, sein Können in die Waagschale zu werfen.
Die letzte Story ist wieder dem sympathischen Hitzkopf Steve Warson gewidmet. In Ich mag nur Dragster! muss der Amerikaner beweisen, dass er nicht nur eine große Klappe hat.
Das Artwork
Jean Graton ist ein Meister der Darstellung von Fahrzeugen aller Art. Egal ob stehend oder in kraftvoller Bewegung, die Details sind immer erkennbar und wohl deswegen ist die Hauptzielgruppe der 14 bis 16-jährigen Jungen schon damals so begeistert gewesen. Die aktuelle Serie legt dagegen viel mehr Wert auf die Handlung.
Neben den Boliden sind aber auch die „echten“ Rennfahrer gut getroffen und die Personendarstellung überhaupt (vielleicht abgesehen von dem typischen markannten Kinn) gut gelungen. Trotz aller Detailgenauigkeit ist Graton aber auch ein Vertreter der klaren Linie. So sind Bösewichte relativ schnell zu erkennen (ohne dass Graton dabei in Klischees verfallen würde).
Fast sensationell sind seine Rennszenen. Das Fernsehen der damaligen Zeit kannte nur den Blick von außen aber Graton bietet das Geschehen aus der Sicht des Fahrers!
Für die Fans des alten ZACK, die nicht jeden Michel Vaillant-Band kaufen (wollen) ist diese Zusammenstellung auf jeden Fall interessant. Sie bringt typische MV-Stories aus dem ZACK und der ZACK-Parade, allerdings auf gutem Papier und in exzellenten Farben. Der Verlag hat mit den editoriellen Notizen alles richtig gemacht und die zusätzlichen Abbildungen aus den in Deutschland nicht erschienenen Sonderbänden sind ein weiteres Plus. Außerdem ist der Band sehr abwechslungsreich da immer andere Sportarten und Hauptfiguren im Fokus stehen!
Dazu passen sportgerechte isotonische Getränke und „Liberty of Nolton Folgate“ von Madness, denn auch hier variieren die
Engländer ein Grundthema in jedem Stück.