Peru/Merli – Western Legenden 2

Sitting Bull

Story: Olivier Peru
Zeichnungen: Luca Merli

Originaltitel: WEST LEGENDS volume 3

Splitter Verlag

Hardcover | 60 Seiten | Farbe | 16,00 € | 
ISBN: 978-3-96792-055-0

Cover Western Legenden 2

Der Wilde Westen ist eine Projektionsfläche für ganz verschiedene Sachen. Auf der einen Seite ist da die Lagerfeuerromantik des Cowboys – harte Arbeit, ehrliche Männer und selten, aber regelmäßig ein wenig Vergnügen, entweder im Saloon oder wie Ralf König es beschreibt. Dann ist da die Chance auf unendlichen oder zu mindestens kleinbürgerlichen Reichtum, also die Richtung Gold-Rush bzw. meine kleine Farm. Eine gehörige Portion fällt in die Richtung unreglementierter Machismo und dann gibt es noch die „Legenden“, die Held*innen dieser Zeit die sozusagen ancient celebrities darstellen. Der letzten Projektionsfläche ist die Serie Western Legenden gewidmet.

Der gefürchtete Krieger

Legenden müssen nicht unbedingt „erfolgreich“ gewesen sein, ein grandioses Scheitern ist mindestens ebenso hilfreich! Insofern sind nicht nur weiße Männer dieser Kategorie zuzuordnen. Hier geht es um eine Episode im Leben von Sitting Bull, einem Kriegshäuptling der Lakota-Sioux, der für seinen Widerstand gegen die weiße Landnahmepolitik bekannt geworden ist.

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Ein Trupp von US-Streitkräften ist auf geheimer Mission durch ein den Sioux vertraglich zugewiesenes Gebiet. Zu diesem Trupp gehören auch ein indianischer Scout sowie ein ehemaliger Soldat der Südstaaten. Dieser hatte sich geweigert, bei einem Einsatz seiner Kampfgruppe gegen die Oglala Frauen und Kinder zum Schlächter zu werden und eine Familie gerettet. Später war er daraufhin von den sich rächenden Oglala-Krigern verschont worden und hatte lange mit ihnen zusammen gelebt. Bei einem Überfall auf den Trupp durch Weiße werden bis auf den Scout und den unter den Indianern als Butterfly Heart bekannten Mann alle getötet.

Eben jener wird von Sioux unter Sitting Bull gefunden, erkannt und macht sich zusammen mit ihnen auf den Weg, um herauszufinden, warum so viele Weiße in dem für sie verbotenen Gebiet sind und warum sie sich gegenseitig abknallen. Dabei geht es nicht nur um die reine Action, sondern im Wesentlichen darum, warum der Sioux und der Südstaatler sich vertrauen sollten und falls, wie ein solches Verhältnis aufgebaut werden kann. Teilweise geraten Olivier Peru die Dinge aus dem Ruder, wenn die zwei Helden sich gegen eine Vielzahl von Gegnern durchsetzen. Ansonsten ist das aber sehr spannend und aus unterschiedlichen Blickwinkeln reflektiert erzählt.

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Moderne Zeichnungen a la Soleil

Die Zeichnungen entsprechen dem modernen bei Soleil gepflegtem Stil. Realistisch, viel Hintergrund, Blut, schnelle Schritte und auch gerne angeschnittene Gesichter. Nicht, dass das schlecht wäre was Luca Merli hier abliefert, ganz im Gegenteil, handwerklich gut umgesetzt und mit Freude konsumierbar. Bei einigen Linien fällt auf, dass diese nur am Computer entstanden sein können und selten fällt auf, dass die Ebenen im Panel nicht wirklich miteinander harmonieren, aber das ist Meckerei auf hohem Niveau.

Detail Western Legenden 2 page 16

Die Geschichte hat zwei Grundtöne: rötlichbraun und blaugrün. Die zweite Färbung liegt Nacht- und Regenszenen zu Grunde, die erste deutet Berge, Steppe und Feuer an. Diese deutliche Betonung ersetzt die musikalische Hintergrundakzentuierung des Films und passt daher ganz gut. Einzige Kritik: Haare und Klamotten sehen bei Regen dann doch etwas anders aus als im Trockenen.

Spannender, moderner Western

Wie auch schon der Band über Wyatt Earp ergänzt die Geschichte die bekannte Legende um ein neues, passendes Detail. Die Konzeptserie bereichert jede Western-Comic-Sammlung und mag sogar wegen des Stils den einen oder die andere Leser*in von bekannten Fantasy-Serien zu einem Blick verlocken. Die Aufmachung ist Splitter-typisch und damit über jeden Tadel enthoben!

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Natürlich spart der Text nicht an Kritik der damaligen amerikanischen Handlungsweise und Ideologie. Die Gewaltdarstellung ist aber nicht für jedes Alter geeignet.

Dazu passen Bérurier Noir und ein East Coast IPA, etwa von der Insel Brauerei.

© der Abbildungen Éditions Soleil, 2021 by Olivier Peru and Luca Merli/ Splitter Verlag GmbH & Co. KG · Bielefeld 2021

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