Legendre/Cambré – Die Chroniken von Amoras 3

Der Fall Krimson – Teil 3

Story: Marc Legendre (nach Willy Vandersteen)
Zeichnungen: 
Charel Cambré
Originaltitel: 
De Kronieken van Amoras – De Zaak Krimson 3

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 56 Seiten | Farbe |18,00 € | ISBN: 978-3-949987-76-2

Cover Chroniken von Amoras 3

Es ist ein Jammer! Eine der wohl besten aktuellen europäischen Comic-Serien kommt in Deutschland einfach nicht ins Rollen und wird daher aller Voraussicht nach mit diesem Band zunächst eingestellt. Ein Faktor dabei ist sicherlich, dass auch das Original, auf dem diese modernisierte Version beruht, bei uns mehr als einmal den Sprung auf das Treppchen nicht geschafft hat. Ob nun Ulla und Peter oder Suske und Wiske, diese familientaugliche Serie lief nur im Randprogramm. Erfolgreich war allein das Spin-Off mit Wastl zu Bastei-Zeiten.

Wie konnte es passieren?

Obwohl diese Interpretation eine vollkommen eigenständige ist, die zwar Figuren und ein gewisses Grundsetting übernimmt, aber keine Kenntnisse voraussetzt, besteht scheinbar ein gegenläufiges Vorurteil. Nun ja, die Welt steuert unverkennbar auf einen Abgrund zu: die Klimakatastrophe hat sich verschärft, reiche Eliten bringen ihre Schäfchen ins (wortwörtlich) Trockene, und zwei junge Erwachsene (Suske und Wiske) müssen sich in dieser Welt durchschlagen. Sie bewegen sich in einem Netzwerk von Freund*innen und Verwandten, von denen einer, Professor Barabas, eine Zeitmaschine besitzt.

Chroniken von Amoras 3 page 5

Es gibt einen „Ober-Schurken“ vom Typ größenwahnsinniger Wissenschaftler, Krimson, der tatsächlich aber von seinem Butler im Auftrag einer geheimen Organisation gelenkt wird. Krimson ist zwar ein Hypochonder, kennt aber keine Grenzen, wenn es darum geht, anderen ein Leid zuzufügen. Der Dreiteiler Der Fall Krimson versucht auszuloten, warum es dazu kam und welchen Einfluss möglicherweise „die Guten“ dabei hatten, also sozusagen eine „Origin-Story“.

Dieser letzte Teil schließt nahtlos an die bisherigen an. Krimson befindet sich wie auch der zwielichte Lambik in Piscine-Les-Bains. Dort ist in einem unterirdischen Bahnhof unter einer Kirche ein Zug mit Nazi-Gold entdeckt worden und beide treffen dort aufeinander. Und auch der Professor, der versucht, Lambiks Erinnerungen zu folgen, versetzt sich selbst in die Vergangenheit. Parallel dazu versuchen Suske und Wiske einen Koffer, der Krimson gehört, wiederzubekommen. Rasante Action und psychologische Fragen haten sich die Waage.

Chroniken von Amoras 3 page 6

Detailliert und filmisch

Die Zeichnungen von Charel Cambré sind gewohnt dynamisch. Mit einem filmisch geschulten Auge platziert er Szenenfolgen, die von der Totale in extreme Nahaufnahmen gehen und dabei die Emotionen der Handelnden vor den Leser*innen ausbreiten. Die Zeichnungen sind vom Grundsatz her realistisch, nehmen sich aber die Freiheit der Übertreibung, die teilweise karikierende Züge annimmt. Dabei sind auch durchaus gewalttätige Aktionen zu sehen. Nicht, dass hier wie etwa in Witchblade das Blut nur so spritzen würde, es ist aber auch keine Erdbeerteeveranstaltung.

Genau diese Darstellung von Gewalt ist auch ein häufiges Argument der Liebhaber*innen des Originals gegen diese Neuinterpretation. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass es die alte Reihe ja weiterhin gibt (und sogar auch noch einen Ableger für Kinder). Wie viele Klassiker hat sie aber damit zu kämpfen, dass die verkaufte Auflage sinkt. Die Amoras-Reihen (mittlerweile drei aufeinanderfolgende, Die Chroniken von Amoras ist die Zweite) haben sich dagegen einen neuen, eigenständigen und wachsenden Stamm erobern und verteidigen können.

Detail Chroniken von Amoras 3 page 10

Top-Tipp!

Eine Empfehlung wie „muss man haben“ ist immer wenig zielführend, da sie zu stark verallgemeinert. Deshalb hier etwas genauer die Auflistung der Kategorien. Wenn ihr mindestens eine davon mit „Ja, mag ich“ beantworten könnt, solltet ihr einen ersten und zweiten Blick riskieren: Science-Fiction, moderne Abenteuer, starke Frauenrolle, Geopolitik, Kapitalismus-Kritik, durchgehende Story über mehrere Bände, moderner europäischer Stil, Action. Die Reihe besteht aus einzelnen Bänden oder Gruppen, die alle im gleichen Universum spielen, aber keine chronologische Kontinuität aufweisen. Wer des Niederländischen mächtig ist, kann insgesamt 14 Bände genießen.

Der Fall Krimson ist in gewisser Weise die Vorgeschichte zu der Reihe Amoras, die aktuell im ZACK läuft. Dort sind 5 von 6 Alben bereits abgedruckt worden. Es ist aber keinesfalls notwendig, diese Bände gelesen zu haben. Wer mag, kann sich beim Verlag die limitierte Vorzugsausgabe bestellen. Sie enthält nicht nur ein signiertes ExLibris, sondern besitzt auch ein extra für die deutsche Ausgabe angefertigtes Cover.

Cover Chroniken von Amoras 3 VZA

Dazu passen Green Day mit „American Idiot“, und ein Texels Stormbok.

© der Abbildungen 2018 Standaard Uitgeverij / 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Munuera – Der Mann, der Wunder vollbringen konnte

Nach der Erzählung von H. G. Wells

Story: José-Luis Munuera

Zeichnungen:  José-Luis Munuera

Originaltitel: L´Homme qui pouvait accomplir des miracles

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |72 Seiten | Farbe | 19,80 € | ISBN: 978-3-68950-139-6

Cover Munuera - Der Mann, der Wunder vollbringen konnte

Der Spanier Munuera ist ein Multitalent. Er hat sich schon an den Blauen Boys versucht, den Spirou-Kosmos bevölkert, und über Roboter mit Gefühlen geschrieben. Daneben nimmt er sich immer wieder klassische Romane und Erzählungen vor und setzt sie als Comic um. Die diesem Band zugrundliegende Erzählung stammt von einem der Ur-Ahnen der Science-Fiction-Literatur, ist aber eher unbekannt.

Der Klassiker neu interpretiert

Jede*r weiß, dass Wünsche manchmal „in die Hose gehen“ können. Bei Spider-Man wurde daraus der Gleichklang zwischen großer Macht und großer Verantwortung, bei vielen Märchen steht der Untergang als Folge fest. Auch Wells versucht sich an diesem Thema: ein junger englischer Spießer verspürt plötzlich die Macht, Dinge zu tun. Eigentlich wollte er nur beweisen, dass es Wunder nicht geben könne, doch trotzdem hängt die Lampe tatsächlich falsch herum und der Pub, Ort des Geschehens, steht in Gefahr, Opfer eines Brandes zu werden.

Anstatt den Beweis der Unmöglichkeit anzutreten, steht plötzlich eine Verwarnung durch den örtlichen Polizisten im Raum. Der arme Mister Fotheringay weiß nicht wirklich wie ihm geschieht. Als es zu einer erneuten Begegnung mit dem Polizisten, wieder nach einem verunglückten Wunder, kommt, schickt er ihn kurzerhand in die Hölle. Geplagt von Gewissensbissen wendet er sich daraufhin an den örtlichen Priester.

Munuera - Der Mann, der Wunder vollbringen konnte page 7

Dann jedoch – Wells mochte die klerikale Seite der Welt noch nie – gerät alles aus den Fugen… Munuera nimmt die Geschichte, die schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat, als Vorlage, erfindet ein paar Sachen hinzu, schmückt anderes ein wenig aus, und erzählt eine moderne Parabel. Die Pointe bleibt, die Sprache ist immer noch schön, das viktorianische tritt aber nicht mehr in den Vordergrund.

Ein typischer Munuera

So flexibel Munuera bei seinen Szenarien ist, so eindeutig erkennbar sind seine Zeichnungen. Auch hier ist die Urheberschaft auf den ersten Blick zu erkennen: die leicht braunlastige Farbpalette, die konturierten und doch sympathischen Gesichtszüge der Protagonisten, die Überheblichkeit, die sich in der Körperhaltung etwa des Polizisten ausdrückt, der sein Dorf noch nie verlassen hat, aber alles weiß.

Munuera - Der Mann, der Wunder vollbringen konnte page 9

In diesem Band sind einige großformatige Zeichnungen eingestreut, die den Leser*innen wieder das Vergnügen ermöglichen, Details zu suchen. Dabei schafft es der Spanier, den typischen englischen Humor und Style zu übernehmen. Großartig!

Auch so kann man Lust auf Bücher erzeugen!

Während viele Leser*innen diesen Comic wahrscheinlich wie andere auch konsumieren werden, lassen sich vielleicht einige dazu inspirieren, auch andere Werke von Wells lesen zu wollen. Die beiden abgedruckten Essays mögen dabei helfen. Während der große Jules Verne Technik nutzt, um Abenteuergeschichten zu schreiben, lässt Wells viel mehr Fragen offen, die philosophischer Natur sind.

Munuera - Der Mann, der Wunder vollbringen konnte page 10

Der Band kommt im Splitter-typischen Großformat und bringt die Bilder daher super zur Geltung. Wer noch eine Anregung für das Osterfest sucht, darf hier bedenkenlos zuschlagen und dabei noch das gute Gefühl haben, einen Klassiker der Weltliteratur in lesbarer Form zu verschenken!

Dazu passen The Who (ein Meilenstein der englischen Musikgeschichte) mit „Quadrophenia“ und ein Pint London Pride!

© der Abbildungen Dargaud Benelux (Dargaud-Lombard S.A.) 2025 | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026

ZACK 320 (Februar 2026)

ZACK 320

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 320

Und noch ein weiteres Heft mit gleich vier klassischen ZACK-Serien. Wenn das kein Grund für nostalgische Gefühle ist … Aber halt: Da war doch was: die Abenteuer waren – besonders in der Wiechmann-Zeit – teilweise extrem gekürzt. Die Veröffentlichungsreihenfolge war manchmal sehr eigenwillig, es gab ein Maschinenlettering, … Zum Glück sind alle diese Punkte mittlerweile Geschichte und nicht mehr zeitgemäß. Daher gibt es runderneuerte und komplette Geschichten mit einem angenehm lesbaren Lettering in guter Übersetzung!

Die Fortsetzungen

Den Anfang macht der Coverboy des Monats Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß). Er hat gerade den Job bei Wells Fargo gekündigt, begleitet aber trotzdem noch ein letztes Mal eine Kutsche. Diese hätte eigentlich von seiner Frau gelenkt werden sollen, musste aber verletzungsbedingt absagen. Seine Reise soll ihn nun zu ihr führen. Ihr Ersatz schildert zunächst einmal seinen tragischen, aber prägenden Werdegang. Endlich gestartet, entdecken sie, dass eine der Stationen überfallen wurde, nur ein Überlebender kann von dem Massaker berichten. Hier erfährt Ringo auch, dass seine Verlobte auf dieser Poststelle war und entführt worden ist. Devil’s Gate ist ein klassischer Western mit viel Action von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko der hoffen lässt, dass der Re-Start nicht nur von kurzer Dauer bleibt.

ZACK 320 page 5

Auch Jeff Mistral geht in die zweite Runde. Der Detektiv trifft sich mit einer „Lucie“ in einer Bar. Dort erklärt sie ihm, dass ihr Partner den Diamanten gestohlen hat, nun aber in ernsten Schwierigkeiten stecke. Aufgrund einer Nahtoderfahrung habe er spezielle Fähigkeiten. Und kurz darauf tauchen die besagten Schwierigkeiten auch schon leibhaftig auf. Ein Krimi, der in den 60-ern spielt und in der Tradition von Jeff Jordan oder Harry & Platte steht. Eine gut konstruierte Geschichte von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié.

Detail ZACK 320 page 19

Wer gerne Autos im Comic sieht, darf sich beim Weiterblättern auch weiter freuen. Gleich danach startet nämlich die Qualifikation für das Rennen in Indianapolis, an dem Michel Vaillant, Steve Warson und Elsa teilnehmen werden. Steve wird dabei als Lockvogel des FBI auftreten und teilweise gedoubelt werden. So hofft man, den Killern ein Schnippchen schlagen zu können. Wird diese Rechnung aufgehen? Erlösung ist ein weiterer Baustein in der eine lange Geschichte erzählenden zweiten Staffel, die aktuell von Daniel Lapière getextet wird. Für die Zeichnungen sorgen Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 320 page 33

Danach geht es weiter mit der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud aus der Aleksis Strogonov Reihe. In Tamo gibt es sich bekämpfende Separatisten, Kleinwüchsige, Journalisten, Dörfler*innen und Liebeskummer. Alles wird von Émile Bravo zu Papier gebracht.

Detail ZACK 320 page 47

Rick Master ohne seinen Ferrari? Das ist sogar einen Metawitz wert … Ist in Paris ein neuer Bandenkrieg ausgebrochen? Oder spielt Dead Sugar einfach nur ihr eigenes Spiel? Rick wird jedenfalls von einem seiner Erzfeinde um Hilfe angefleht da er sonst von der toughen Lady erschossen werden würde. Simon Van Liemt hat eine weitere Story geschrieben die Nadine zu einem eigenständigen Auftritt verhilft, gleichzeitig aber dem Titelhelden weitere Entwicklungen ermöglicht. Zidrou setzt das sehr dynamisch um und verknüpft Retro-Charme mit Action.

ZACK 320 page 61

Die Abschiede

Jerusalem hat es auf Amoras in die Villa von Krimson geschafft, muss sich aber nun mit Achiel, dem Butler, auseinandersetzen. Sie bietet ihm eine Zusammenarbeit an. In der Zwischenzeit hat es auch Wiske geschafft, das Anwesen zu erreichen. Sie ist verzweifelt und wütend und das ist eine explosive Mischung. Fern des Ganzen versucht Suske einen Plan zu entwickeln, alle wieder zurückzuholen. Das wird aber erst im letzten Kapitel der Saga ausprobiert werden können. Für mich bleibt Amoras von Marc Legendre und Charel Cambré eine der ganz großen aktuellen Comic-Serien die viel mehr Erfolg verdient hätte.

ZACK 320 page 75

Während Tanguy sich in China seines Lebens nicht sicher sein kann, versucht Laverdure auf der anderen Seite, Provokationen der chinesischen Kampfjets zu überleben. Verrat ist wieder nur der Auftakt und bis zum Weiterlesen müssen wir mit einem heftigen Cliffhanger leben. Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl sind mit ihrer Story dicht am Puls der Zeit, Sebastien Philippe zeigt die Ritter der Lüfte in allen Situationen.

ZACK 320 page 88

Und sonst?

Dazu kommen passende Geschichten von dem Ritter. Auch Parker & Badger haben mit heftigen Unbillen zu kämpfen und Margotik erörtert mit Tizombi die Frage, ob sie den Friedhof verlassen und zu ihrer Familie zurückkehren sollte.

Michael Klein erinnert an das ZACK vor 50 Jahren, Frank Neubauer informiert und lästert, Bernd Hinrichs stellt den gnadenlos guten Taschen-Band mit Barks-Stories vor und der Verfasser dieser Zeilen gibt ein wenig Hintergrundwissen zum ersten Band der Carol Welsh-Gesamtausgabe zum Besten.

Dazu passen Barns Courtney mit „Glitter & Gold“ und ein Blanc de Noire.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Charlier/Puig – Brice Bolt Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 1

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Artur Aldoma Puig
Originaltitel: 
Kean-Michel Charlier  présente: Brice Bolt 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert 1

Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!

Zu innovativ für Spirou

Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.

Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.

Brice Bolt page 19

Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…

Zeichnungen mit vielen Farben

Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.

Brice Bolt page 20

Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!

Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier

Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!

Brice Bolt Dossier

Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!

Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.

© der Abbildungen fordisbooksandpictures 2025 | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 319 (Januar 2026)

ZACK 319

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 319

Das neue Jahr hat zwar noch nicht angefangen, die ersten Vorboten sind aber schon da; So ist die Januar-Ausgabe das ZACK-Magazin bereits bei den Abonnent*innen eingetroffen und in den Läden erhältlich. Zum Jahresanfang gibt es gleich drei Serienstarts, zwei davon sogar erstmals im ZACK – Nun ja, Ray Ringo ist eigentlich ein alter Koralle-Bekannter, erlebt aber gerade einen Relaunch. In diesem Heft befindet sich auch das Papier-Formular zur Wahl der ZACK-Serie des Jahres. Wer will kann aber natürlich auch online abstimmen.

Die Neustarts

Coverboy und Opener ist das bereits achte neue Abenteuer von Rick Master. Dieser ist daher der Erste in einer Reihe von gleich vier „klassischen“ ZACK-Serien in diesem Heft. Die Folge beginnt blutig, da Simon Van Liemt gleich zwei Männer auf den ersten Seiten sterben lässt. Zudem würde Nadine gerne der hübschen Reporterin Anne-Aymone, die ihren“ Rick anbaggert, die Augen auskratzen. So weit kommt es aber dann doch nicht. Auf jeden Fall wird Rick in ihrer Sendung herausgefordert. Zidrou schafft es auch in Dead Sugar, das vergangene Paris sehr lebendig auf die Seiten zu bannen.

ZACK 319 page 5

Aus der Versenkung zurückgekehrt ist Ray Ringo. In Devil’s Gate kündigt er allerdings seinen Job bei Wells Fargo, da er auf Grund von Einsparmaßnahmen die Sicherheit der Fahrten nicht mehr gewährleistet sieht. Er willigt jedoch ein, eine Fahrt eines alten Freundes zu begleiten. Éric Corbeyran hat einen Western im alten Stil geschrieben: Postkutschen, Verfolgungsjagden und Schießereien sowie ein Held mit Ehrenkodex, der auf dem Sattel und im Restaurant eine gleich gute Figur macht. Roman Surzhenko beweist nach der Jugend von Durango erneut, dass er das Metier beherrscht. Die Serie startet mit einer Einführung von dem Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 45

Der dritte Neuzugang stammt von Olivier Andrieu. Olivier war einer der führenden SEO-Spezialisten Frankreichs, entschied sich aber für eine Zukunft als Comic-Szenarist. Zusammen mit Alain Julié setzt er Jeff Mistral in Szene, einen Detektiv, der auch von Maurice Tillieux hätte stammen können. Das bedeutet, dass wir ein 60-er Jahre Setting sehen, in dem Autos eine gewisse Rolle spielen, Technik ansonsten aber eher untergeordnet ist. Die Geschichte beginnt etwas unvermittelt mit einer Nahtoderfahrung. Der Jahre später stattfindende Kriminalfall ist ein Diamantenraub, der faktisch unmöglich scheint. Auch hier gibt es eine Einführung vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 55

Die Fortsetzungen

Tanguy & Laverdure stehen aktuell auf unterschiedlichen Seiten eines bewaffneten Konfliktes: Während der Blondschopf die „freie Welt“ in Form einer asiatischen Insel gegen chinesische Provokationen zu verteidigen sucht, dient Tanguy gezwungenermaßen als Ausbilder eben jener Kräfte. Ist das ein Verrat? Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl schildern gewohnt souverän den Konflikt, sparen dabei auch nicht an persönlichen Momenten, die Hintergründe erklären. Sebastien Philippe setzt sowohl Emotionen als auch Flugszenen sauber um. Für Fliegercomic-Fans ein Muss!

ZACK 319 page 19

Auf Amoras nähert sich alles dem Höhepunkt: Jerusalem lässt Wiske allein um endlich ihre Aufgabe ungestört erledigen zu können. Lambik und Blaskop kapern zunächst eine Tram und treffen dann auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die die Insel verlassen wollen, bevor der Vulkan ausbricht, und Achiel sinnt über den Sinn. Marc Legendre und Charel Cambré ziehen alle Register, die geeignet sind, eine Katastrophenstimmung zu erzeugen.

Detail ZACK 319 page 31

Der Kampf der amerikanischen Nazi-Truppe gegen den Vaillante-Konzern und Senator Steve Warson steuert auf ein Finale Furioso hin. Tatsächlich will Steve sich selbst als Zielscheibe anbieten um dem FBI zum Erfolg zu verhelfen. Währenddessen kämpft Francoise ihren ganz persönlichen Kampf gegen den Krebs und Elsa ihren beruflichen auf der Strecke als Ersatz für Michel Vaillant. Wie immer eine perfekte Mischung aus Soap, Krimi und Renngeschehen von Daniel Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 319 page 69

Schließlich gibt es weitere Seiten aus der Serie Aleksis Strogonov. Der dritte Band Tamo spielt im Millieu der Partisanen. Jean Regnaud übertreibt es aber mit zynischem Slapstick und so passt nichts wirklich zueinander: Alle sind korrupt, dumm oder feige und bekämpfen lieber sich selbst als die Feinde, allerdings nicht so witzig, wie etwa im Leben des Brian. Da können meiner Meinung nach auch die guten Zeichnungen von Émile Bravo nichts mehr retten.

Detail ZACK 319 page 85

Und sonst?

Auch im neuen Jahr bleibt vieles beim Alten. Wir dürfen uns daher wieder über den Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi freuen. Auch News, Rezensionen und ein Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren sind wie immer vertreten. Die inhaltlichen Beiträge, beide von Christian Endres, behandeln das Criminal-Universum und das erste Buch von Flix.

Die Winterferien locken bisher tagsüber eher nach draußen, ist doch herrliches klares Wetter, sollten aber abends genügend Zeit bieten, sich in diese Ausgabe vertiefen zu können. Die weiteren Ankündigungen für 2026 verheißen weitere spannende Neuheiten und damit Spaß, Spannung und Abenteuer.

Dazu passen Booze & Glory mit „Mad World“ und ein DBB Winterbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

Reddition 82 – André Juillard

Ein Überblick über eine erfolgreiche Laufbahn

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 82

Nach der thematischen Nummer 81 über Autos im Comic widmet sich die aktuelle wieder einem Künstler und den Kollegen, mit denen er besonders eng zusammengearbeitet hat. Sie ist dem im letzten Jahr verstorbenen André Juillard gewidmet, der hierzulande sowohl mit seinen Historiencomics (Arno, Die sieben Leben des Falken) als auch als Zeichner der neuen Blake & Mortimer Bände erfolgreich war.

Die Begeisterung für die Vergangenheit

Wie immer beginnt das Dossier mit einem sehr ausführlichen Hauptartikel; Volker Hamann rollt das Leben und Wirken des 1948 in Paris geborenen Zeichners und Autors aus. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, da seine Mutter bereits in seinem vierten Lebensjahr verschied. Obwohl seine Familie seine Zeichenkünste durchaus anerkennt und förderte, sollte der Junge „etwas Anständiges“ lernen. André brach das Medizinstudium allerdings nach zwei Jahren ab und landete schließlich bei den Comics.

Reddition 82 page 4/5

Das Ende der 70-er Jahre stand im Zeichen der Comics für Erwachsene, insbesondere erfreuten sich historische Stoffe großer Beliebtheit. Nach einigen Fingerübungen schließlich kam es zu der Zusammenarbeit mit Patrick Cothias. Dieser schrieb die Texte zu Masquerouge (Der rote Falke) und schließlich zu den sieben Leben des Falken, einem Epos, das sich auf viele Zyklen und Nebenserien erstreckte. Nicht alle davon wurden von Juillard umgesetzt.

Unterbrochen wurde die Arbeit am „Falken“ durch eine weitere historische Serie, die von Jacques Martin getextet wurde: Arno. Ein Musiker, dessen Wege sich immer wieder mit denen von Napoleon Bonaparte kreuzten, war zwar eine spannende Kombination, der Erfolg blieb jedoch bescheiden.

Den ganz großen Erfolg bei den Kritikern erreichte Juillard schließlich mit dem blauen Tagebuch, einem Werk, zu dem er Text und Zeichnungen beisteuerte. Die größten Verkaufserfolge jedoch gelangen mit der Fortsetzung einer klassischen Serie aus den Anfängen des Tintin-Magazins: Blake & Mortimer.

Reddition 82 page 50/51

Die weiteren Artikel

Neben diesem – wie immer ausgiebig bebildertem – Überblick widmen sich die weiteren Artikel des Heftes vertiefenden Analysen über einzelne Gebiete. Dazu gehören einerseits die Künstler, mit denen Juillard erfolgreich zusammengearbeitet hatte: Didier Convard (von Jan Roidner), Patrick Cothias und Yves Sente (von Stefan Schmatz) und Jacques Martin (erneut Volker Hamann). Wie immer kenntnisreich und gleichzeitig lesbar geschrieben, führen diese Aufsätze tiefer in die Details der Kooperationen ein, beschreiben Emotionen und Arbeitsweisen, aber auch Hindernisse.

Artikel über den Falken und Arno beschäftigen sich tiefer mit den Serien, ein Überblick über die Historiencomics der 80-er von Klaus Schikowski und über eine der Lieben des Zeichners, die Stadt Paris, runden das Bild des Comiczeichners und -autors ab. Allerdings ist er auch als Illustrator tätig gewesen. Seine Werke wurden in drei Bänden verlegt (Péle-Méle, in Deutschland über Salleck Publications zu beziehen). Auch sie werden hier vorgestellt. Dazu kommt wie immer eine ausführliche Comicographie von Volker Hamann, die auch die deutschen Veröffentlichungen enthält.

Reddition 82 page 60/61

In Deutschland einzigartig

Während in anderen Ländern mit einer größeren Comictradition Sekundärartikel, Zeitschriften und Sonderausgaben fast selbstverständlich bereits in mittleren Sortimenten zu finden sind, sieht es hier bei uns leider etwas anders aus. Es gibt zwar durchaus einige Zeitschriften mit einem special-special-interest scope, eine echte Konkurrenz zur Reddition aber gibt es nicht.

Wer sich vertieft und doch nicht akademisch mit der Neunten Kunst auseinandersetzen will, kommt an der Reddition nicht vorbei. Leider lässt das Pensum von Volker Hamann in Zukunft nur noch eine Ausgabe pro Jahr zu. Umso wichtiger ist es, dem Kleinverlag mit einem Abonnement eine Planbarkeit zu ermöglichen. Als Belohnung gibt es immer ein Extra (nein, kein Plastik-Gimmick). In diesem Fall eine Broschüre mit der Kurzgeschichte Verhängnisvolle Leidenschaft, einem Schmankerl für Comicsammler*innen.

Beilage Reddition 82

Dazu passen Cindy & Bert mit „Der Hund von Baskerville ” und ein Primitivo eurer Wahl.

© der Abbildungen Cover © 2004, Galerie Daniel Maghen, sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2025

Jacobs/Jacobs, De Moor – Die drei Formeln des Professor Sato

Die Blake und Mortimer Bibliothek 8

Story: Edgar P. Jacobs

Zeichnungen: Edgar P. Jacobs (Teil 1), Bob De Moor (Teil 2)

Originaltitel: Les 3 formules du Professor Sato – Intégrale

Carlsen Comics
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 30,00 €
ISBN: 
978-3-551-01600-3

Cover Die drei Formeln des Professor Sato

Die Diamanten-Affäre, Bd. 7 der Bibliothek, war bei den Leser*innen nicht besonders gut angekommen. Edgar P. Jacobs versuchte daher, wieder mehr Science-Fiction-Elemente in seiner Serie zu verwenden. Allerdings war weiterhin nicht an eine schnelle Veröffentlichung zu denken. Die ersten Ideen zu diesem Zweiteiler entwickelte Jacobs 1967, das Jahr, in dem auch das erste Gespräch darüber mit Greg stattfand. Die ersten Seiten erschienen dann allerdings erst 1971 in Tintin. Der zweite Teil, dessen Szenario bereits zu diesem Zeitpunkt vollständig vorlag, konnte allerdings vor Jacobs Tod 1987 nicht mehr begonnen werden. Es sollte schließlich bis 1990 dauern; dann endlich war der nun von Bob De Moor gezeichnete Band in den Läden.

Androiden in Action

Das Szenario von Edgar P. Jacobs, dessen erster Entwurf immerhin 58 Jahre alt ist, wirkt erstaunlich aktuell. Im ersten Teil der drei Formeln des Professor Sato, Mortimer in Tokio, versetzt zunächst ein mythischer Drache das Land Japan in Aufruhr. Zeug*innen schwören, das Fabelwesen gesehen zu haben, als es eine Flugzeugkatastrophe auslöste. Wir Leser*innen wissen schnell, wer dahintersteckt. Es war eine misslungene Generalprobe für eine neue Art von Androiden. Sie wurden entwickelt von dem Wissenschaftler Sato, der nun seinen Freund Mortimer zu Hilfe ruft.

Dessen Reise verläuft ungemütlich, trachtet man ihm doch ein ums andere Mal ums Leben. Zwar gelingt es ihm, das Anwesen des Professors zu erreichen und sich von ihm in die Hintergründe einweisen zu lassen, er wird aber schließlich doch von Olrik und seinen Kumpanen festgesetzt. Die Bande plant, die zugrundeliegenden drei Formeln zu stehlen und will dafür einen Androiden nutzen, der Mortimer nachgebildet ist.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 33

Auch sein Kollege Blake macht sich schließlich auf den Weg nach Japan, um seinem Freund zu Hilfe zu eilen. Dabei gerät er mitten in die Auseinandersetzung Mortimer gegen Mortimer und muss um sein Leben fürchten. Jacobs konstruiert eine auch heute noch stimmige Geschichte (tatsächlich wird sie erst jetzt durch KI wirklich möglich), die Raum für eine Krimi-Story bietet, Freundschaft und Loyalität thematisiert, und gleichzeitig die Frage nach den Gefahren der bedenkenlosen Technikgläubigkeit stellt.

Der Meister und sein Adept

Der erste Band ist ein weiterer typischer Jacobs. Viel Text, klar durchdachte und akribisch vorbereitete Szenen, allerdings mit langer Vorlaufzeit. Im einführenden Text erfahren wir, dass die in einer Szene auftauchenden Mülltonnen das Projekt um Wochen verzögert hatten, weil Jacobs unbedingt wirklichkeitsgetreue Deckel zeichnen wollte. Sie sahen zwar aus wie amerikanische, es hätte ja aber auch anders sein können.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 36

Der zweite Teil wurde von Bob De Moor gezeichnet. Natürlich kannten sich die Beiden von ihrer Zusammenarbeit mit Hergé und bei Tintin. De Moor war sozusagen der ideale Kandidat für die Nachfolge, er musste sein Werk allerdings unter sehr limitierenden zeitlichen Vorgaben abliefern. Die Kritik ließ an seinen Zeichnungen nicht viel Gutes, ich kann das allerdings nur bedingt nachvollziehen. Ja, es gibt immer ein paar Puristen, denen jede Änderung schon zu weit geht. Mittlerweile haben aber so viele Teams den Figuren ihren Stempel aufgedrückt, dass eine entsprechende Aussage wohl so nicht mehr vertreten werden würde.  Meiner Meinung nach hat De Moor eine solida Arbeit abgeliefert, insbesondere, wenn man die überzogenen Erwartungen und den zeitlichen Druck berücksichtigt.

Das Ende der „klassischen“ Serie

Mit diesem Band geht die Reihe der Hardcoverbände mit Einführung zu Ende, die weiteren Abenteuer sind im Carlsen Verlag weiterhin nur als Softcover geplant. Allerdings sind teilweise Vorzugsausgaben auch bei anderen Verlagen erschienen. Wer nur die neueren Bände kennt, kann hier bedenkenlos zuschlagen. Die Texte helfen beim Verständnis der Hintergründe und des Verhältnisses der beiden Hauptfiguren und sind (größtenteils) auch heute noch gut lesbar.

Blake & Mortimer Bibliothek 8 page 37

Auch für die anderen lohnt es sich zu überlegen, geben die einführenden Texte doch auch Fans der ersten Stunde teilweise neue Fakten. Wer noch mehr über die Reihe erfahren möchte, sollte einen Blick in die Reddition 72 werfen oder noch ein wenig auf das für August 2026 angekündigte Lexikon warten.

Dazu passen The Slade mit „Thanks for the memories“ und ein Aberfeldy.

© der Abbildungen 2015 – Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S. A.) |2025 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

ZACK 318 (Dezember 2025)

ZACK 318

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Vorbei, das Jahr 2025 ist Geschichte … Naja, zumindest ist die letzte ZACK-Ausgabe des Jahres erschienen. Mit dem Cover dieser Ausgabe geht eine Serie zu Ende – die letzten Monate war immer eine Frau auf dem Cover. Und obwohl mit Elsa eine Fahrerin im aktuellen Vaillante fährt, es ist nicht ihr Helm. Neben diesem Neustart gibt es nun auch tatsächlich das neue Abenteuer mit Aleksis Strogonov nachdem die Druckdaten nun eingetrudelt sind.

Die Neustarts

Der 13. Band der zweiten Staffel von Michel Vaillant trägt den schönen Titel Erlösung! Man darf gespannt sein, welche damit gemeint ist, denn wir haben ja noch ein paar Teile vor uns. Eins ist jedenfalls klar: der Krebs von Francoise lässt sich nicht mehr verheimlichen. Obwohl sie eigentlich die Firma weiterführen will, muss sie doch einige ihrer Tätigkeiten innerhalb der Familie weitergeben. Und auch Michel verzichtet vorerst darauf, Rennen zu fahren. Währenddessen kündigt das FBI an, noch immer aktiv zu ermitteln, die Bedrohungslage sei keineswegs vorbei. Spannende Fortsetzung der Storyline um Francoise und die rechtsradikale amerikanische Terrororganisation von Daniel Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne & Eilam.

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Auch Aleksis Strogonov startet mit dem ersten Teil von Band 3, Tamo. Nach den Ereignissen in Deutschland trifft Aleksis auf einer Zugfahrt quer durch den Balkan auf einen Revolutionär und seine Tochter. In einer aberwitzigen Verkettung von teils komischen, teils absurden Vorfällen sprengen ausgerechnet seine Anhänger diesen Zug, Ein Märtyrer ist geboren, die Schlacht um die Nachfolge möge beginnen. Jean Regnaud schreibt erneut gegen alles und Émile Bravo setzt mit moderner klarer Linie um.

ZACK 318 page 21

Die Fortsetzungen

Wiske und Jerusalem treffen auf eine Gruppe von „Fatties“ die glauben, leichte Beute machen zu können. Es bleibt ihnen nicht viel Zeit, um festzustellen, dass ihre Einschätzung ein tödlicher Fehler war. Auch sonst ist dieser Teil von Amoras nicht gerade gewaltfrei. Marc Legendre bietet Charel Cambré genügend Gelegenheiten, rasante Action auf das Papier zu bringen.

Detail ZACK 318 page 43

Mick Tanguy ist mittlerweile im Trainingscenter für die chinesischen Piloten angekommen und muss feststellen, der er keineswegs der einzige Westler ist. Seine Aufgabe ist es, die Pilot*innen so zu schulen, dass sie immer schwerwiegendere Grenzverletzungen begehen können. Währenddessen hat sich die NATO entschieden, eigene Kräfte in den Raum um das (kaum verbrämte) Taiwan zu schicken, unter anderem René Laverdure. Verrat bietet rasante Fliegeraction mit brisantem Hintergrund von Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl, perfekt umgesetzt von Sebastien Philippe.

Detail ZACK 318 page 57

Die Abschiede

Erinnert sich noch jemand an die Toten Hosen? „Wasserwerfer peitschen Dich, …“ Das ist in etwa die Stimmung in der Stadt in der Nacht vor dem großen Prozess gegen den Anführer der Opposition. Der Anwalt Dan Favreau macht sich keine Illusionen, und trifft in der Nacht noch auf seine Auftraggeberin in ungewohnter Rolle und die kleine Schwester, die natürlich mitten im Schlachtgetümmel steht. Das Erwachen des Bären von VanO ist eine ganz andere Nummer als Rhonda, weiß aber zu gefallen.

ZACK 318 page 73

Jeder Fußballfan weiß, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist. Genauso läuft es in Alte Versprechen von Álvaro Velasco & Iñaki San Román: Nur nicht aufgeben heißt die Devise in dem Spiel, das eigentlich nur Verlierer kennt und alles zulässt, außer dem finalen Aufgeben. Nun ja, einen positiven Abschluss gibt es aber doch, denn Benito trifft seine Tochter wieder. Poetisch, dramatisch, romantisch, realistisch… normalerweise passen diese Attribute nicht gut zusammen, hier jedoch schon!

ZACK 318 page 87

Und sonst?

Dazu gibt es den zweiten Teil des Interviews mit Corentin Rouge, und eine Vorschau auf den ersten Band der neuen Reihe “Jean-Michel Charlier präsentiert“ vom Verfasser dieser Zeilen. Dazu wie immer der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren, News, Rezensionen und Gedanken von Frank Neubauer und Erheiterndes von Parker & Badger, Tizombi und StarfiXion.

Nicht nur für trübe Tage bietet auch die 318-te Ausgabe wieder einen guten Überblick über das aktuelle europäische Comicgeschehen.

Dazu in Vorfreude auf das baldige Concert Cock Sparrer und ein IPA.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

Vandersteen/Legendre/Cambré  – De Helden van Amoras 1

Doodvonnis

Story: Marc Legendre
Zeichnungen: 
Charel Cambré

Standaard Uitgeverij

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 8,99 € 
ISBN: 
978-90-02-28117-4

Cover Helden van Amoras 1

Die Geschichte geht weiter! Nach dem Sechsteiler über die Vorgänge im Jahr 2047 und den 14 Kronieken jetzt also die Helden van Amoras. In dieser neuen Reihe soll es wieder mehr um Suske und Wiske gehen. Die erste Auflage enthält einen achtseitigen Anhang mit zusätzlichen Illustrationen und einem Rückblick auf das bisher erlebte. Leider ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Band in Kürze auch auf Deutsch erscheinen würde. Zwar wird die erste Serie im ZACK abgedruckt und wird im nächsten Jahr beendet werden, der Versuch auch die Chroniken hierzulande zu etablieren, musste aber leider nach drei Ausgaben wegen zu geringer Verkaufszahlen abgebrochen werden. Schade eigentlich, handelt es sich doch meiner Meinung nach um eine der besten aktuell laufenden europäischen Reihen überhaupt!

Eine Schrecksekunde …

Moment, was ist das? Suske und Wiske in einem innigen Kuss vereint? Und dann unterhalten sich die beiden auch noch in einem Slang der bisher eher den Gegner*innen vorbehalten war. Sollten die Beiden aus welchen Gründen auch immer die Seiten gewechselt haben? Jedenfalls könnte man das vermuten, denn die Handlungen sind eindeutig: Einbruch, Diebstahl, Fahrerflucht.

Allerdings scheint es so, als ob die Beiden sich daran nicht erinnern können oder wollen, als sie zur Rede gestellt werden. Und dann wäre da noch Krimson … Dem gehören nämlich die gestohlenen und nun verschwundenen Rauschgiftpäckchen. Der Titel Doodvonnis bedeutet übersetzt übrigens Todesurteil!

Marc Legendre spielt auf allen Registern mit Erwartungen und Finten und führt die Leser*innen durch ein komplexes Szenario in dem vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dabei sind es einerseits die Erwartungen an bestimmte Genre-Abläufe, andererseits aber auch die Erwartungen der Lesegemeinde an ihre Held*innen, die hier kräftig durchgeschüttelt werden.

Helden van Amoras 1 page 3

Routiniert hochklassig

Charel Cambré setzt die Geschichte wie immer perfekt um. Jeder Strich sitzt und es scheint so, als ob auch er Spaß dabei gehabt hätte, Tabus zu brechen. Definitiv ein sehr schöner Start in eine neue Reihe!

Eine Empfehlung!

Wer die Reihe der Neufassungen bereits kennt, wird keines weiteren Hinweises bedürfen. Qualität, Einfallsreichtum und Geschwindigkeit der Lieferungen sprechen klar für sich! Wer aber nicht recht wusste, ob sich die auf dem Familienklassiker auf all-age-Level basierenden Comics lohnen würden, sollte nun aber wirklich einen Blick riskieren. Zwar handelt es sich um dieselben Personen wie im Original, auch die Charaktereigenschaften und „Macken“ sind gleich, die Stories sind aber für ein erwachsenes Publikum geschrieben und haben zunächst mal einen hohen Unterhaltungswert. Sie stellen aber auch unbequeme Fragen über unsere Behandlung von Umweltfragen, eine gerechte Verteilung von Reichtum und Einkommen oder Drogenpolitik.

Dazu passen die Babyshambles mit „Dandy Hooligan“ und ein Cassis.

© der Abbildungen 2025 Standaard Uitgeverij

ZACK 317 (November 2025)

ZACK 317

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 317

Das Jahr ist fast schon wieder rum, Weihnachten naht mit großen Schritten und dann knallen unerwartete Überraschungen doppelt … Statt des angekündigten Stroganov müssen unvermittelt Tanguy & Laverdure früher ran als erwartet. Sie füllen nicht nur die Seiten im Heft, sondern stehen auch auf dem Titelbild. Die Serie der Heldinnen auf eben jenem wird daher fortgesetzt! Eine weitere Neuigkeit ist der Start einer Serie von Interviews, die aus dem (0nline-)Fachmagazin ActuaBD übernommen werden. Genug Stoff also für dunkle, verregnete Abende.

Der Neustart

Im Osten Europas steht ein Krieg mit Russland kurz vor seinem Ausbruch. Mick Tanguy hatte versucht, diesen noch zu verhindern und einen russischen Jet wieder „zurückzuführen“. Dazu war er aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Leider endete die Mission nicht ganz wie gehofft und der Held befindet sich nun in einem Gefängnis. Der französische Staat ist nicht wirklich Willens, ein Risiko einzugehen und schickt nur eine untergeordnete Beamtin, doch Freund Laverdure lässt sich nicht beruhigen. Band 12 der neuen Abenteuer, Verrat, passt nahtlos in die Reihe der Geschichten von Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl im Spannungsfeld zwischen Fliegeraction und aktueller Politik. Sebastien Philippes Zeichnungen erfüllen ebenfalls alle Erwartungen!

ZACK 317 page 5

Die Fortsetzungen

 Suske befindet sich in der Gewalt von Achiel, muss allerdings feststellen, dass nicht Krimson, sondern die sogenannte Akademie dahintersteckt. Die persönlichen Auswirkungen sind allerdings gleich. Währenddessen trifft Teofil auf Jerome und der Professor versucht, seine Zeitmaschine wieder ans Laufen zu bekommen. Auch der Wiske genannte Teil der Saga von Amoras hat alle Bestandteile eines richtig guten Comics: gute, dynamische Zeichnungen, ein Dystopie-Setting, genügend komplexe Haupt- und Nebenfiguren, Spannung auf mehrere Zeitebenen und gleichzeitig noch bitterböse Gesellschaftskritik. Für mich immer wieder eine der besten aktuellen Comic-Serien überhaupt mit Text von Marc Legendre und Zeichnungen von Charel Cambré!

ZACK 317 page 25

Das Erwachen des Bären wurde bereits ganz am Anfang einmal gezeigt, auch im dritten Teil der ersten Episode von Wynona muss der Anwalt Dan Favreau feststellen, dass er mehr mit einem Bären gemeinsam hat, als ihm lieb ist. Diese Geschichte spielt ebenfalls in einer nicht allzu fernen Zukunft, die niemand möchte. Hier macht der Staat von seinen Institutionen Gebrauch gegen alles, was ihm nicht in den Kram passt. Man kann nur hoffen, dass VanO keine hellseherischen Fähigkeiten besitzt.

ZACK 317 page 39

Koksende Fußballspieler hat es immer mal wieder gegeben, meistens waren sie dann irgendwann allerdings nur noch deswegen bekannt. In Alte Versprechen hofft der Spielervermittler Benito Castanera noch, dass Ticotico sportlich einschlagen wird. Und es hat wirklich den Anschein, als ob der Neustart in der zweiten Liga das richtige Rezept wäre, zumal auch noch der ehemalige Star Fali nach seiner jahrelangen Pause aufgrund einer Sportinvalidität als Trainer „wiederkommen“ könnte. Der Beweis wäre allerdings noch anzutreten und Álvaro Velasco & Iñaki San Román haben bestimmt noch eine Überraschung in petto. Die Zeichnungen von Pedro Rodríguez lassen jedenfalls Vorfreude auf das anstehende Spektakel aufkommen.

ZACK 317 page 54

Die Abschiede

Die gerade gerettete Jolanne hat nichts Besseres zu tun, als ihren Freund mit der Waffe zu bedrohen und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Sie geht zurück nach Pondicherry, um sich den falschen Vorwürfen ihres Bruders zu stellen, die Aussage einer Frau kann zu damaligen Zeiten allerdings bestenfalls Zweifel säen. Immerhin erfahren wir in dieser Folge erstmals die Begründung für den Titel der Reihe… Gut gemachte Schmonzette von Jean Van Hamme & Alcante mit Zeichnungen von Francis Vallès, der mittlerweile ein wenig die Lust am Gesicht der Heldin zu verlieren scheint. Trotzdem ist Rani wieder zu Recht ein Anwärter auf vordere Plätze im Jahrespoll.

Detail ZACK 317 page 69

Und auch von Julie Wood müssen wir uns zunächst verabschieden. Sie hat ihr erstes Rennen mit einem achtbaren vierten Platz beendet und darf nun den Ruhm dafür entgegennehmen. Der allerdings ist nicht immer ernst gemeint, sondern kommt auch sexistisch daher. Was bisher keinen Abschluss gefunden hat, ist der parallele Krimi-Track. Hier endet das Tödliche Rodeo mit einer faustdicken Überraschung als Cliffhanger. Insgesamt betrachtet eine gute Story von Philippe Pelaez und zwiespältige Gefühle hinterlassende Zeichnungen von Claudio Stassi, dessen gerade erschienener Henri Vaillant mir besser gefallen hat.

Detail ZACK 317 page 83

Und sonst?

Die Seiten zwischen den Fortsetzungen werden im November von einem ausführlichen Interview mit Corentin Rouge, dem Zeichner von Rio, sowie zwei Artikeln über eine neue Fliegerserie, die Flügel der Zeit, vom Verfasser dieser Zeilen und die beiden XXL-Bände von Taschen über den Hulk und Stan Lee von Bernd Hinrichs gefüllt. Dazu wie immer der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren, News, Rezensionen und Gedanken von Frank Neubauer und Erheiterndes von Parker & Badger, dem Ritter, Tizombi und StarfiXion.

Schließen wir den Kreis: der November bietet genügend Momente, in denen man das Haus nicht verlassen möchte. Die ZACK-November-Nummer bietet genügend Ablenkung …

Dazu Soft Cell (R.I.P.) und ein über Elefantendung gedörrter Ondjaba aus Namibia.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

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