Reddition 76 – André-Paul Duchâteau

Der « Gentleman-Erzähler »

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 76

Nach der themenorientierten letzten Nummer (Comics und Musik) widmet sich die Reddition in der Nummer 76 erneut einem Szenaristen aus der großen Zeit des frankobelgischen Comics: André Paul Duchâteau. Dieser erlebt in Deutschland gerade so etwas wie eine Renaissance mit Gesamtausgaben von Rick Master, Yalek, Pharaon, Alain Chevalier, Patrick Leman oder Die Draufgänger. Insofern ist jetzt sicherlich ein perfekter Zeitpunkt, sich näher mit dem vielseitigen Künstler zu beschäftigen.

Früh übt sich!

Reddition 76 page 4

Es passiert immer wieder, dass sich Menschen im reifen Alter überlegen, nun etwas künstlerisches machen zu wollen. Die meisten Karrieren erfolgreicher Künstler*innen beweisen aber, dass es gerade der frühe Start ist, der hilft, das zeichnerische oder literarische Talent so zu entwickeln, dass später ein Beruf daraus werden kann. So auch bei Duchâteau, der seinen ersten Roman mit 15 Jahren veröffentlicht hat. Der 1991 vom belgischen König Boudouin mit dem Leopold-Orden ausgezeichnete und 2020 verstorbene Autor hat Zeit seines Lebens weitere Romane und unzählige Szenarien für Comics geschrieben. Ein Überblick über diese Karriere ist der Aufmacher von Volker Hamann.

Von diesem stammt auch der Artikel über die der Generation ZACK wohl bekannteste Serie von Duchâteau und Tibet, Rick Master. Zwar hatte Ric, der Meisterdetektiv seine ersten Auftritte bereits in MV Comix, der riesige Erfolg begann aber mit dem ZACK. Mittlerweile ist die 25-bängige Gesamtausgabe bei Splitter abgeschlossen. Fahrt aufgenommen hatte aber alles in Tintin/Kuifje mit illustrierten Mittratekrimis, die den Reporter des Rafale und Kommisar Bourdon präsentierten. Natürlich darf auch die wieder vorzügliche und detailreiche Comicographie nicht fehlen.

Reddition 76 page 64

Über weitere Krimicomics berichtet Falk Straub bevor dann die Zusammenarbeit von Duchâteau mit weiteren Zeichnern beleuchtet wird: Christian Denayer (von Peter Nover), Edouard Aidans (von Peter Osterried), Eddy Paape, Grzegorz Rosinski und William Vance (von Peter Schmatz) sowie Daniel Hulet (von Falk Straub).

Immense Vielseitigkeit

Wenn dabei eines deutlich wird, dann die Flexibilität, die Duchâteau anbieten kann. Auch wenn seine Leidenschaft den Krimis gehört und auch immer mal wieder Krimiplots in andere Genres „infusiert“ werden, ist er doch allem gegenüber offen. Und dementsprechend schickt er seine Held*innen auf das offene Meer, in den Wilden Westen oder den Weltraum. Sie sind nicht nur Detektiv*in, Polizist oder Reporter, sondern verdienen ihre Brötchen als Rennfahrer, Historiker oder sogar als Surfer. Und auch zeitliche Epochen variieren, denn es geht von der Vergangenheit über die Jetztzeit bis in mehr oder weniger erfreuliche Zukünfte.

Reddition 76 page 24

Sehr positiv anzumerken bleibt, dass sich die Autoren Mühe geben, die vorgestellten Zeichner nicht nur in ihrer Zusammenarbeit mit dem Star dieser Reddition zu porträtieren, sondern auch einen Überblick über weitere Bereiche geben. Angereichert wird das Ganze – wie immer – durch eine Unmenge an kleinen Illustrationen, die entweder exemplarische Eindrücke gewähren oder aber Cover abbilden. Nicht zu vergessen sind auch die kleinen Zeichnungen über Kolleg*innen!

Die deutsche Referenzreihe

Die Reddition bleibt auch weiterhin die Referenz für eine Sekundär-Zeitschrift im Comic-Bereich. Nirgendwo sonst wird das Konzept, ein Thema umfassend, mit Nachweisen, aber lesbar geschrieben, sowie mit spürbarem Enthusiasmus verfasst, aufzubereiten, so erfolgreich umgesetzt. Jede*r mag selbst anfangen zu rechnen, was es bei zwei Ausgaben im Jahr bedeutet, bei der Nummer 76 angekommen zu sein (Doppelnummern und Besonderheiten einfach mal ignoriert). Must have für alle, die mehr wissen wollen!

Reddition 76 page 60

Natürlich ist es für ein Projekt aus einem Kleinverlag immer die beste Möglichkeit, kein Geld an den Zwischenvertrieb zahlen zu müssen und im Voraus auf Grund von Abos Geld zur Verfügung zu haben, um den Druck etc bezahlen zu können. Die Gegenleistung für den Abschluss eines Abos besteht hier in Beilagen, die nur für Abonnent*innen bestimmt sind. In dieser Ausgabe gibt es eine Dave-O-Flynn Kurzgeschichte aus HEROïC von Duchâteau und Tibet aus dem Jahr 1950 als beigefügte Broschüre.

Beilage Reddition 76

Dazu passen neu interpretierte Klassiker von The Hillbilly Moon Explosion und ein Gösser Radler.

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Daregaud-Lombard S.A.) 2022-Duchâteau-Tibet 2022 sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann 2022

Rivière /Wurm – Edgar P. Jacobs

Träume und Apokalypsen

Story: François Rivière
Zeichnungen: 
Philippe Wurm
Originaltitel: 
Edgar P. Jacobs: Le Rêveur d´apocalypses

Carlsen Comics

Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 22,00 €
ISBN: 
978-3-551-71755-9

Cover Riviere/Wurm - Edgar P. Jacobs

Biopics werden häufig als Beschreibung von filmischen Annäherungen an ein Leben benutzt. Tatsächlich trifft die Kategorie aber auch auf Comics zu. Ein Leben in Bildern einzufangen ist nicht leicht, allzu oft gibt es entweder eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, eine Fokussierung auf Teile oder schlimmstenfalls sogar eine völlig falsche Inszenierung zum Guten oder Bösen. Mit Edgar P. Jacobs steht ein Mitarbeiter Hergés im Mittelpunkt, der es geschafft hat, sich aus diesem Schatten zu befreien: seine Serie Blake und Mortimer wird auch nach seinem Tod fortgesetzt und erfreut sich großer Beliebtheit, zuletzt mit Band 25.

Edgar P. Jacobs - Träume page 7

Vom Bariton zum Comiczeichner

Es gibt immer wieder Karrieren, die auf den ersten Blick unwahrscheinlich klingen. Oftmals liegen ihnen multiple Begabungen zu Grunde. Auch Edgar P. Jacobs ist so ein Multitalent. Anfangs ist der junge Mann ein begeisterter Fan von antiken Skulpturen und widmet sich der Zeichnerei. Sein Traum aber ist es, Opernsänger zu werden, und für ein Engagement zieht der Belgier sogar mitsamt Frau nach Lille um. Die Ehe steht aber unter keinem glücklichen Stern und ein von den Deutschen verhängtes Beschäftigungsverbot für Ausländer zwingt zur Rückkehr nach Belgien.

Dort lernt der junge Künstler Hergé kennen und wird schnell sein Assistent. Obwohl Jacobs nicht nur bei der Überführung der alten Abenteuer in albengeeignetes Material hilft, sondern auch an neuen Abenteuern von Tim und Struppi beteiligt ist, weigert sich der Star, den „Zuträger“ namentlich zu erwähnen. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass der immer noch relativ junge Mann überlegt, seine eigenen Geschichten zu entwerfen und zu zeichnen. Nach den Zweiten Weltkrieg währte die Freude über dessen Ende nur kurz und wurde schnell von dem Kalten Krieg und der Furcht vor einer noch schlimmeren neuen Auseinandersetzung abgelöst. Die Grundstimmung für eine Serie war damit gefunden.

Edgar P. Jacobs - Träume page 8

François Rivière beschreibt im Weiteren den Prozess des Künstlers, sich von seinem Meister abzunabeln, Plots zu entwickeln und sich mit seiner neuen Liebe auf Dokumentationsreisen zu begeben. Zwar ist Jacobs schnell sehr erfolgreich, sein Arbeitstempo und seine akribischen Vorbereitungen bringen aber Leser*innen wie Verleger an den Rand der Verzweiflung. Schön gelöst sind die Momente, in denen der Künstler das direkte Feedback mitbekommt.

Die Geschichte erwähnt viele Details nur am Rande und es bleibt oft den Leser*innen überlassen, die Hinweise mit ihrem Wissen über die Serie zu verstehen. Für Fans also ein echter Genuss. Für alle anderen aber nicht tragisch. Auch wenn viele Details möglicherweise gar nicht entdeckt werden, ist die Geschichte doch auch ohne sie schon spannend und definitiv verständlich. Wer mehr wissen will, sollte einen Blick in die Reddition zu Blake und Mortimer werfen.

Zeichnungen als Hommage

Edgar P. Jacobs - Träume page 9

Seine Zeichnungen hat Philippe Wurm dem Stil von Jacobs nachempfunden. Zwar sind sie nicht so textlastig wie die des Porträtierten, Linienführung und Dekors atmen aber die Verehrung. Dabei nimmt er Zitate aus dem Werk von Hergé als auch von Jacobs auf und zeigt etwa Ausschnitte aus Zeichenblättern oder als Grundlage dienende Motive. Seine klare Linie hätte auf jeden Fall genügt, um Eingang in das Tintin-Magazin gefunden zu haben.

Ansonsten entbehren Geschichten dieser Art natürlich etwas der Action. Ein fahrender Zug, ein Komet sind schon seltene Beispiele für Rasanz. Und auch die Figuren sind selten in Zuständen höchster emotionaler Erregung abgebildet. Auch das kommt natürlich vor, die Schwierigkeit aber liegt darin, den Alltag zu porträtieren. Und das hat Wurm meines Erachtens gut hinbekommen. Die Entwicklung ist nachvollziehbar, die Figuren glaubwürdig und die Posen natürlich.

Ein Stück Comic-Geschichte

Mir macht es Spaß, Werke über Comics zu lesen. Warum hat sich jemand Geschichten ausgedacht, welche persönlichen Erfahrungen sind dabei eingeflossen? Je nach Fähigkeit der Autor*innen kann das eine sehr kurzweilige oder aber auch staubtrockene Angelegenheit werden. Biopics vereinen die Vorzüge der grafischen Literatur mit der Befriedigung des Informationsbedürfnisses und stellen daher eine fast natürliche Symbiose dar. Zumal es dann auch noch ein wenig O-Ton sowie eine Zeittafel und eine Liste der Hauptpersonen gibt.

Edgar P. Jacobs - Träume page 10

Insofern ist diese Graphic Novel natürlich fast schon ein Must Have für alle Fans der Serie Blake und Mortimer, aber auch eine sehr zu empfehlende, kurzweilige Reise in die Anfänge des Tintin-Magazins, und die Transformation der Serie von Zeitschriftenseiten in moderne Alben. Dazu gibt es viele Einblicke in die Arbeitsweise von Edgar P. Jacobs hinsichtlich Motive, Umsetzung und Einfluss auf das tägliche Leben.

Dazu passen ein Macallan sowie Orchestral Manoeuvres In The Dark mit “Talking Loud And Clear”!

© der Abbildungen Glenat 2021 / Carlsen Verlag GmbH Hamburg 2022

Blees – Lee Falks Phantom

Texte zur Graphischen Literatur Band 5 – Der ultimative Wegweiser durch den Dschungel der deutschsprachigen Veröffentlichungen

Cover Klees - Phantom
Cover und Beilage der VZA

Autor: Christian Blees

Herausgeber: Volker Hamann und Matthias Hofmann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Broschur | 240 Seiten | Farbe | 29,95 €
ISBN: 978-3-946266-35-8

Die Texte zur Graphischen Literatur ergänzen das Programm der Edition Alfons seit einiger Zeit. Während das Alfonz seit 10 Jahren (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) die aktuelle Information in Form von Marktübersichten, News, Besprechungen und Leseproben abdeckt, liefert die Reddition themenspezifisch vertiefte Information aus vielen Blickwinkeln. Im Mittelpunkt können dabei Kategorien (wie etwa Musik), Stilrichtungen (z. B. Zeitungsstrips) oder Serien stehen. Die aktuelle Nummer behandelt etwa André-Paul Duchâteau (Besprechung folgt). Daneben gibt es deutlich längere Abhandlungen über einen klassischen deutschen Comic, Hugo Pratt und die Geschichte des deutschen Schwermetall. Nun also alles über den wandelnden Geist und seine deutschen Auftritte.

Das Phantom – ein etwas anderer amerikanischer Held

Am 17. Februar 1936 tauchte das Phantom erstmals auf den Seiten einer Tageszeitung auf, die Geschichte begann ihren Lauf zu nehmen. Das Phantom war ein maskierter Held, er hatte aber keine Superkräfte. Er lebte im Dschungel, war aber kein Tarzan-Klon. Er bekämpfte das Böse und war doch auf eine Familie angewiesen. Er galt als unsterblich und war doch „nur“ ein Familienunternehmen, in dem die Rolle vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Kurzum, das Phantom war ein durchaus eigenständiger Charakter.

Klees - Phantom page 6

Christian Blees beschreibt sehr ausführlich die Geschichte dieses Helden, die Entwicklung über die verschiedenen Tagesstreifen-Abenteuer und später auch Sonntagsseiten hinweg und erklärt, welche Faszination auf die von Lee Falk erfundene und weiterentwickelte Figur zurückzuführen ist, und was eher aufgrund der Zeichnungen der unterschiedlichen Künstler passiert. Er arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Ray Moore, Wilson McCoy und Sy Barry genauso verständlich aus wie die späteren amerikanischen Linien.

Der Hauptteil der Arbeit liegt aber auf der deutschen Veröffentlichungsgeschichte. Es begann mit dem Phantom-Heft im Aller Verlag und setzte sich im Buntes Allerlei fort. Danach durften Semic und Moewig ran bevor die große Zeit von Bastei begann. Mit insgesamt zwei „Alben“-Serien und zwei Taschenbuchreihen beglückte der Verlag seine deutschen Leser*innen zwischen 1974 und 1984. Leider zerschnippelte man dort Originale und kürzte, ergänzte oder verfälschte munter drauf los. Wer wissen will, welche Stories (auch mehrfach unterschiedlich) welche Unterschiede zum Original aufweisen, kann sich ab jetzt in dem Werk von Blees informieren!

Klees - Phantom page 56

Das europäische Phantom

Es gab aber neben dem amerikanischen Material auch in Lizenz hergestellte europäische Stories. Zunächst kamen sie aus Italien, später aus Schweden und auch aus Deutschland (zumindest die Szenarien, die Zeichnungen kamen entweder aus Spanien oder aus Italien). Da es passieren konnte, dass eine Originalstory adaptiert worden war und diese Adaption erneut Basis für eine solche war, konnte es vorkommen, dass die gleiche Geschichte dreimal den Weg nach Deutschland fand. Auch dafür bieten die 20 akribisch zusammengestellten Tabellen von Blees Orientierungshilfe.

Dazu kommt eine große Menge an Illustrationen und immer wieder eingestreute Lesetipps mit Hinweisen, warum eine bestimmte Geschichte „besonders“ ist. Das kann auf eine besonders krude Bearbeitung hindeuten, kann aber auch auf eine für einen Zeichner typische Leistung hinweisen. Auch hierbei gab es durchaus Unterschiede. Dank der von Blees zusammengetragenen Ergebnisse sind aber nur noch wenige Fragen über die Herkunft der einzelnen Stories offen!

Klees - Phantom page 206

Für wen lohnt sich der Band?

Nun ja, auf alle Fälle für alle Fans des Dschungelhelden! Nirgendwo findet man eine auch nur annähernd vergleichbare Information, was wann wo veröffentlicht worden ist und worauf beruht. Zudem ist der Band auch eine sehr gute Übersicht über die verschiedenen Handlungsstränge und vor allem auch Unterschiede über die Jahre hinweg. Da das Phantom gerade von zwei deutschen Verlagen „wiederentdeckt“ worden ist und mit neuen Reihen an den Start geht, ist davon auszugehen, dass es immer noch genügend „Phans“ gibt.

Außerdem ist es ein gut lesbares, mit Herzblut zusammengestelltes Werk, das die deutsche Comicgeschichte wieder ein kleines bisschen mehr erhellt und wegen der vielen persönlichen Informationen von Künstlern aber auch Aktiven aus der Bastei-Zeit zu empfehlen ist.

Dazu passen David Bowie als Ziggy Stardust und ein kräftiges Bockbier.

© der Abbildungen 2022 by Christian Blees / Edition Alfons / Phantom © 2022 King Features Syndicate Division, Hearst Holdings, Inc/Distr. Bulls

ZACK 276

ZACK 276 (Juni 2022)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 92 Seiten | Farbe | 9,00 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 276

Schon wieder ist ein Jahr halb vorbei: die großen europäischen Fußball-Ligen sind durch, die bisher letzte COVID-Welle auch und selbst die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des ersten ZACK sind geschafft. Wirklich? Nein, es kommt (mindestens) noch die ZACK-Lach-Box! Mehr demnächst hier. Zunächst aber die reguläre Ausgabe, deren Aufgabe es ist, die Zeit bis zu den Ferien zu überbrücken!

Die Neustarts

Ein plötzlich hochaktuell gewordener Polit-Thriller kehrt zurück: In Empire USA 2.4 geht es um die Frage, wer den Freund und Partner des Helden, Jared Gail, erschossen hat. Die Ermittlungen haben bisher ergeben, dass sich im Gemisch aus früherem KGB und neuen Oligarchen zwei Fraktionen gebildet haben, die sich bis aufs Blut bekämpfen. Es könnte sein, dass der ermordete Duanne zwischen die Fronten geraten ist. Niemand konnte ahnen, dass diese Serie einmal so aktuell werden würde! Spannendes Szenario von Stephen Desberg. Den Zeichenstift hat nun Alain Mournier übernommen. Die Bilder sind weniger glatt als zuletzt bei Griffo, die Gesichter etwas schematischer.

ZACK 276 page 23

Ebenfalls wieder dabei sind das kleine Bergdorf Luthon-Höge und seine schrägen Bewohner*innen. Willem Ritstier geht erneut in die Vergangenheit: Ein Unfall mit Folgen scheint unaufgeklärt geblieben zu sein. Als dann auch noch der Metzger im Schaufenster seines Ladens liegt, ist höchste Verwirrung angesagt. Auch Weder Fleisch noch Fisch ist wieder eine bitterböse Satire mit granteligen Zeichnungen von Michiel Offermann für Independent-Fans!

ZACK 276 page 39

Die Fortsetzungen

Während ihr Verehrer die hübsche Wahrsagerin Julie Kleinnagel ins Bett bekommen möchte, denkt sie ans Heiraten. Es steht aber noch ein Konflikt mit ihrer Mutter ins Haus. Das Mädchen von der Weltausstellung vermischt auch in 1867 Politik und Menschliches. Der Freiheitskampf der polnischen Nation, Klassenunterschiede, Innovationen und der Kampf um ein kleines bisschen Glück sind die von Jack Manini virtuos kombinierten Ingredienzien. Étienne Willem setzt das Ganze in einer sehr humorvollen Weise um, die Emotionen überbetont, Spaß macht und altersgruppenübergreifend wirkt. Die Heldin gibt mit ihren Verehrern im Juni das Covergirl.

Detail ZACK 276 page 3

Bob Morane von Henri Vernes ist einer der Klassiker der belgischen Literatur. Auch im Comic war er jahrzehntelang vertreten. Nun haben Christophe Bec und Corbeyran eine neue Geschichte geschrieben, die zwar auf der Figur basiert aber keinen existierenden Roman zur Grundlage hat. Es scheint so, als ob die Legende der 100 Dämonen des Gelben Schatten einen wahren Kern hätte. Wie aber passen die offensichtlich geklonten Ninja-Kämpferinnen in das Bild? Die Helden vermuten, dass jemand den Krieg in Indochina als Deckung benutzt, um viel Schlimmeres anzugehen. Paulo Grella setzt das spannende Szenario im Dunstkreis zwischen Thriller und Science-Fiction in manchen Bildern etwas zu glatt um, in anderen wiederum sehr schön. Geben wir ihm etwas Zeit und einen Folgeband, um zu noch mehr Spitzenleistungen zu gelangen.

ZACK 276 page 47

Die Abschiede

Von Rani müssen wir uns dagegen schon wieder verabschieden. Die zu Unrecht verfolgte Adelige hat sowohl den Transport auf dem Gefangenenschiff nach Indien als auch den Verkauf als Sklavin an das örtliche Bordell überstanden. Dort hat sie sich zur Chefin geputscht und verspricht nun den örtlichen Honoratioren und der Kirche mehr Profit. Ihre Methoden sind dabei fast schon revolutionär. Jean van Hamme und Alcante vermischen in ihrem Szenario Zeit- und Lokalkolorit mit einer Prise Kritik. Dabei haben sie eine patente und toughe Heldin geschaffen, die genregemäß immer wieder in Schwierigkeiten gerät, aber auch immer wieder eigene Lösungen findet.  Klassisch grandios umgesetzte History-Schmonzette von Francis Vallès. Ein spoilernder Ausblick auf weitere Teile im Serienkompass.

ZACK 276 page 61

Normalerweise lesen wir über Familienkriege nur in der Zeitung. Wenn sie sich in der Finanzwelt abspielen, haben sie Auswirkungen auf Börsenkurse und manchmal kommen sogar kriminelle Aspekte hinzu. Pierre Boisserie und Philippe Guillaume beschreiben in Die Bank einen sehr intensiven Krieg zwischen den Geschwistern Saint-Hubert, der mittlerweile die Zweite Generation zu Protagonist*innen gemacht hat. Die Kämpfe werden mit allen Mitteln geführt und zielen auf Leib und Leben aber auch die Ehre, mögliche Kollateralschäden inbegriffen. Sehr schöne Umsetzung durch Malo Kerfrieden, der Stadt und Zeitkolorit Raum gibt, die Geschichte aber dadurch nicht erdrückt!

ZACK 276 page 77

Und sonst?

Der fälschlich angekündigte Johnny Focus wartet mit seinem nächsten Auftritt noch auf die angekündigte Gesamtausgabe. Natürlich gibt es aber wieder einen One-Pager mit Parker & Badger sowie die üblichen Infos und Kolumnen. Christian Endres stellt im ersten längeren Artikel die Gesamtausgabe von Jacques Tardis Klassiker Adeles Abenteuer vor. Der Verfasser dieser Zeilen blickt zurück auf 11 Jahre bahoe books, einen kleinen, aber sehr rührigen Verlag mit Anspruch aus Wien. Last but not least blickt Michael Klein auf den Juni 1972 und die damaligen ZACK-Ausgaben zurück.

Vor fünfzig Jahren hieß es „Jede Woche Spaß, Spannung, Abenteuer!“ Mittlerweile hat sich die Frequenz auf den Monat geändert, der Anspruch ist geblieben. Und er wird mit hoher Regelmäßigkeit qualitativ hochwertig bedient.

Dazu passen das Foolish Ska Jazz Orchestra und eine Rhabarberschorle mit Sprudel oder Secco.

© der Abbildungen 2022 bei den jeweiligen Autoren und Verlage c/o Blattgold GmbH

ZACK 274 – Jubiläumsausgabe 50 Jahre

ZACK 274 (April 2022)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,50 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 274 - Jubiläumsausgabe

Während das ZACK gerade seinen 50. Geburtstag feiert, wird der Verlag des französischen Spirou-Magazin bereits doppelt so alt.  Umso bemerkenswerter, da jenes seit 1938 immer noch wöchentlich erscheint und keine wesentliche Pause benötigte.  Das ZACK hat 19 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht und erscheint aber schon seit 1999 wieder regelmäßig monatlich. Für die Situation in Deutschland ist das ein alles andere überragender Erfolg, der mit der Jubiläumsnummer ausführlich gefeiert wird. Den O-Ton von Chefredakteur Tempel gibt es hier im Interview . Eine exklusive, limitierte Box für alle mit Blechschild, limitierten und exklusiven Comics sowie einem ExLibris ist in Arbeit.

Das Aprilheft hat satte 16 Seiten mehr und bringt daher nicht nur die aktuellen Serien, sondern auch als ZACK-Spezial-Schmankerl eine Dan Cooper-Story, die nicht in der Gesamtausgabe enthalten ist, sowie den Start eines neuen Abenteuers mit Johnny Focus in Deutscher Erstveröffentlichung.

Die Neustarts

Bob Morane ist einer der klassischen ZACK-Helden mit einer langen, sehr interessanten Geschichte. Aktuell gibt es ein Album mit Zeichnungen von Gérald Forton als ZACK-Spezial, die von William Vance gezeichneten Geschichten als Gesamtausgabe, die unter dem Label „Reloaded“  firmierenden Geschichten von Brunschwig und anderen sind im ZACK und bei Splitter erschienen. Nun also erneut ein neues Team: Christophe Bec und Corbeyran schicken den Helden und seinen Begleiter Bill Ballantine gegen die 100 Dämonen des Gelben Schatten! 1952 soll ein Trupp von Soldaten und den beiden Helden in Indochina per Fallschirm abgesetzt werden, die Mission scheitert aber mit hohem Blutzoll. Paulo Grella zeichnet den Klassiker so, dass Fans der Serie sich sofort wiederfinden. Harte Action im Schnittpunkt von Geheimdienst, Militär und Krimi.

ZACK 274 page 5

Ebenfalls neu und zufälligerweise ebenfalls in Asien spielend ist die Story über das Goldene Dreieck von Johnny Focus. Der von Attilio Micheluzzi erdachte Journalist recherchiert 1972 auf der Straße der Drogen. Sein Mittelsmann wird allerdings getötet und nun ist der Held nicht nur auf sich allein gestellt, sondern sitzt auch noch zwischen allen Stühlen. Die schwarz-weiße Kunst des Italieners vermag wie immer zu überzeugen, fordert von den Leser*innen aber ein wenig mehr Aufmerksamkeit als eine kolorierte Arbeit.

Ausschnitt ZACK 274 page 78

Die Fortsetzungen

Die Zweite Generation (1857 – 1871) der Saint-Huberts soll in Die Bank die Zügel übernehmen. Dazu soll Jacques als Spekulant an der Börse eingeführt werden. Pierre Boisserie und Philippe Guillaume beschreiben die mehr oder weniger erfolgreichen Versuche der Mutter, ihren Kampf weiterleben zu lassen. Verbitterte und verzweifelte Menschen sind das Hauptmaterial von Malo Kerfrieden in einer werdenden, sich rasant verändernden Weltstadt voller Gegensätze zwischen den Klassen, den Geschlechtern und den Generationen.

ZACK 274 page 25

Rani von Jean van Hamme und Alcante wurde nach ihrer Deportation nach Indien als Sklavin an ein Bordell verkauft und muss nun erstmals ihrem unbekannten Gönner gegenübertreten. Dieser hat sie als seinen persönlichen Besitz erkoren, allerdings nicht unbedingt mit ihrem Widerstand gerechnet. Die Heldin versucht die Flucht, wissend, dass bei einem Scheitern harte körperliche Strafen drohen.  Francis Vallès zeigt in der History-Serie nicht nur die Farben und Schönheit Indiens, sondern auch das Leid der Bordelldamen. Schönheit und Hingabe werden erwartet, Rettung gibt es nicht und auch Mitleid mit den verurteilten Straftäterinnen ist äußerst selten. Gut gelungene Mischung aus Spannung, Drama und Kritik.

ZACK 274 page 49

Die Mystery/Science-Fiction-Sparte wird aktuell durch Harmony bedient. Die grafisch sehr moderne Serie von Mathieu Reynès klärt endlich über die Herkunft der besonderen Kräfte auf. Es gab vor langer Zeit ein ganzes Volk mit dieser Begabung, es wurde aber besiegt und fast vollständig vernichtet. Einzelne Überlebende haben dennoch über Generationen hinweg Fähigkeiten vererbt. Mittlerweile ist das mehreren Playern bekannt und so versuchen verschiedene Gruppen, die Träger*innen aufzuspüren. Omen entwickelt sich weiterhin extrem spannend hin zu einem weiteren Cliffhanger im nächsten Heft.

Detail ZACK 274 page 87

Der Abschied

Tanguy & Laverdure kommen der Aufklärung der Hintergründe von zwei unglaublichen Zwischenfällen näher. Warum drehen erfahrene Piloten plötzlich durch und schießen auf Kollegen und Unbeteiligte? In der Rückkehr zu den Störchen lassen Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl ihre Helden in die Tiefen der Zusammenarbeit von Militärs und Forschern eindringen, in der Genialität und Wahnsinn oft eng beieinander liegen. Gute Arbeit von Sébastien Philippe, der auch wieder Flugzeuge unterbringen kann. Der Zweiteiler endet hiermit (leider) vorerst.

Detail ZACK 274 page 65

Und sonst?

Parker & Badger haben es sogar auf das Cover geschafft und zeigen unerwartete Auswirkungen einer Verletzung.  Tizombi bekommt es mit den Folgen einer vegetarischen Ernährung zu tun. Und Dan Cooper von dem großen Albert Weinberg muss in Red Cliff, einer Militärbasis im ewigen Eis, den Tod der Besatzung feststellen und wird Zeuge eines weiteren Angriffs. Im Endeffekt ein klares Statement des Autors gegen bestimmte Waffen! Bei der Planung dieser Ausgabe hat wohl niemand damit gerechnet, wie aktuell eine solche Aussage werden könnte. Wie immer runden Rezensionen, News und zwei längere Artikel das Heft ab. Eine neue Serie von Michael Klein erinnert ab jetzt an die ZACK-Ausgaben von vor 50 Jahren.

Ausschnitt ZACK 274 page 38

Mehr geht nicht: Klassische Helden im Original und in ihrer neuen Inkarnation, moderne Serien aus unterschiedlichen Stilrichtungen, emotionale Rückblicke auf die ersten Ausgaben und ein Bericht über einen modern Horror-Comic! Dazu ein Cover, das an die ersten Ausgaben erinnert und ebenfalls Moderne und Reminiszenzen kombiniert. Auf die nächsten 50 Jahre wäre jetzt vielleicht doch zu vermessen, aber als nächsten Meilenstein mehr „moderne“ als „klassische“ Ausgaben auszurufen wäre doch ok, oder?

Dazu passen die ebenfalls Retro(-Sound) und aktuelle Einflüsse mischenden Buster Shuffle mit ihrem neuen Album und stilecht ein trockener Riesling-Sekt.

© der Abbildungen 2022 bei den jeweiligen Autoren und Verlage c/o Blattgold GmbH

ZACK 273

ZACK 273 (März 2022)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 273

Nur noch ein Monat und dann ist es so weit: Das erste ZACK erschien im April vor 50 Jahren! Mehr dazu im Interview mit Georg F.W. Tempel. Neben dem Jubiläum steht natürlich auch wieder die Wahl des/der ZACK-Held*in des Jahres an. Eine perfekte Möglichkeit, an der Willensbildung teilzunehmen und den persönlichen Geschmack zu äußern.  Wer mag darf natürlich seine eigenen Favoriten auch schon als Kommentar posten!

Die Rückkehrer

Cover-Model ist der dritte Teil von Die Bank, der in die Zweite Generation (1857 – 1871) einführt. Pierre Boisserie und Philippe Guillaume lassen Charlotte de Saint-Hubert mit ihren Kindern nach Paris zurückkehren. Natürlich geht es darum, dem Bruder das Vermögen wieder abzujagen. Malo Kerfrieden darf ein Paris im Wandel darstellen, denn die Stadt wird mit großem Aufwand modernisiert. Es geht aber auch um fiese, auch körperliche Machenschaften und nicht zuletzt um Emotionen. Well done!

ZACK 273 page 5

Und auch Rani kehrt zurück! In der Historienserie von Jean van Hamme und Alcante ist die uneheliche Tochter eines französischen Adeligen mittlerweile unter falschem Namen als Strafgefangene in Indien gelandet und wird dort auf dem Markt meistbietend verkauft. Wird sie von einem Privatier als „Ehe“-Sklavin erworben werden oder wird es doch eher das örtliche Bordell? Francis Vallès setzt auch den dritten Teil in gewohnter Güte um: farbenprächtiges Ambiente, bunte Gewänder, ein wenig Drama und ein bisschen nackte Haut. Spannende History vom Altmeister. Wer keine Angst vor Spoilern hat, kann einen Blick in den Serienkompass werfen.

ZACK 273 page 71

Die Fortsetzungen

Tanguy & Laverdure versuchen derweil in der Rückkehr zu den Störchen die Verbindung zwischen den zwei Zwischenfällen aufzudecken. Inoffiziell machen sie sich auf den Weg nach England und finden tatsächlich Verbündete. Mit ihrer geheimen Ermittlung riskieren sie aber auch ihre Karriere. Eine spannende Mischung aus Militäralltag und Thriller von Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl, garniert mit abenteuerlichen Momenten in der Luft mit für die Jetpiloten eher ungewöhnlichem Fluggerät, gut von Sébastien Philippe in Szene gesetzt!

ZACK 273 page 23

Harmony, Eden und Payne versuchen weiterhin herauszufinden, ob ihre neuen Beschützer „gut“ oder „böse“ sind. Zwar werden sie nicht mehr gequält, sie dürfen allerdings auch keine eigenen Entscheidungen treffen und müssen trainieren. Ihre bewachenden Retter werden ebenfalls überrascht als Eden plötzlich ein geheimnisvolles Symbol zeichnet. Omen bleibt eine viele Fragen aufwerfende Geschichte von Mathieu Reynès, der moderne Zeichnungen in einem Stilmix mit Elementen aus Mystery und Jugenderzählung verbindet. Großes Kino!

ZACK 273 page 51

Der Abschied

Das Kapitel Versuchung aus der Millenium Saga geht in diesem Heft zu ende! Auf einem Schiff kommt es zu einem Feuergefecht zwischen den Sparta-Führern, den von Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist angeführten Befreier*innen und den Aktivist*innen der Hacker Republic in der Mitte. Zu guter Letzt befindet sich auch die SäPo auf dem Weg. So viel geballte Feuerkraft kann nicht gut gehen … Spannender und actionreicher Polit-Thriller von Sylvain Runberg mit passenden Bildern von Belén Ortega. Gute, eigenständige Fortsetzung der Thrillerreihe.

Detail ZACK 273 page 39

Und sonst?

Parker & Badger gehen ein weiteres Mal in den Clinch mit dem Hausmeister und Tizombi muss sich mit Verdauungsproblemen herumschlagen. Dazu kommen Bernd Hinrichs und ein weiterer Teil der Serie über Verfilmungen frankobelgischer Comics und ein Ausblick auf die neue Marvel-Serie Hawkeye von Christian Endres, sowie News und Rezensionen.

Von Hochfinanz zu Staatsaffären, von modernem Terrorismus zu dem möglichen Missbrauch von Kindern als Waffen und der historischen „Nutzung“ von Verurteilten als friedensstiftende Kolonialisierungshilfe reichen die Themen dieser Ausgabe. Qualitativ wie immer hochwertig, stilistisch vielfältig und angereichert mit redaktionellen Mehrwert bringt das ZACK auch kurz vor dem Jubiläum eine Mischung, die erwarten lässt, dass noch weitere zu feiern sein werden! Die kommende Nummer wird extradick und ab dann gibt es regelmäßig mehr Seiten zu einem angepassten Preis.

Dazu passen cook da books mit „piggie in the middle eight“ und ein alkoholfreies Weizen von Büble aus dem Allgäu.

© der Abbildungen 2022 bei den jeweiligen Autoren und Verlage c/o Blattgold GmbH

ZACK 272

ZACK 272 (Februar 2022)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 272

Der fünfzigste Geburtstag im April naht mit großen Schritten, das normale Programm aber geht natürlich weiter. Wer etwas detailliertere Informationen über die Planungen für dieses Jahr haben möchte, sei auf das Interview mit Georg F.W. Tempel verwiesen. Für dieses Heft war die Wahl „ZACK-Held*in des Jahres“ etwas zu spät. Der Stimmzettel folgt daher im nächsten Heft. Im Netz kann aber schon fleißig abgestimmt werden.

Die Fortsetzungen

Im Januar waren gleich zwei Serien mit neuen Folgen gestartet. Im Februar gibt es dagegen keine Neustarts.

Das Cover zeigt Harmony.  Mathieu Reynès zeigt die Kinder in Omen in ihrer neuen Umgebung. Obwohl die Drei dort anscheinend gut untergebracht sind, müssen sie doch ein gezieltes Training durchführen und ihre Kräfte schärfen. Insbesondere bei Eden, der kleinsten, ist ihr Einsatz aber noch nicht immer steuerbar. Mit vielen Mystery-Elementen gespickte Story aus der nahen Zukunft über den gezielten Einsatz von Psy-Kräften. Man möchte nicht in der Haut der Kinder stecken. Graphisch wechselnd zwischen klassischem streifigem Layout und seitenfüllenden Bildern mit Einsprängseln.

ZACK 272 page 5

Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist haben in der Millenium Saga ihren Gegner Sparta fast gestellt und sind dabei, den Aufenthaltsort der entführten Freund*innen von der Hacker Republic herauszufinden. Während einerseits der schwedische Staat ein Interesse daran hat, sowohl das Schweigegeld zurückzubekommen, als auch sein Überwachungsprogram „Hugin“ weiterhin verschweigen zu können, möchten Erika, das Team von Millenium und Dragan die Machenschaften von Sparta und der Schweden Demokraten aufdecken, bevor letztere die anstehende Wahl gewinnen. Dunkle, harte Bilder im Polit-Thriller Versuchung von Sylvain Runberg und Belén Ortega.

Detail ZACK 272 page 42

Und auch die Rückkehr zu den Störchen geht in die nächste Runde. Während Michel Tanguy nach dem Abschuss seines amokfliegenden Kameraden vom Dienst befreit ist, versucht Ernest Laverdue unter den Kolleg*innen eine Erklärung für dessen Verhalten zu finden. Endlich scheint es eine Spur zu geben, die zu einem Zahnarzt führt. Sehr detaillierte, realistische Zeichnungen von Sébastien Philippe erfüllen die Erwartungen der Fans an diese Serie, die den Alltag vom Kampfpiloten mit politisch gefärbten Krimielementen kombiniert. Die Serie ist quasi eine Dauerwerbesendung des französischen Militärs, wird von Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl aber mit einer starken humoristischen Note und persönlichen Themen angereichert. Spannend sind die Geschichten allemal!

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Die Abschiede

Leider müssen wir uns von den aus verschmähter Liebe begangenen Mordfällen wieder verabschieden. Während Nadine noch glaubt, den Mörder gefasst zu haben, tischt dieser Rick Master und Kommissar Griot eine wilde Geschichte über seine Besessenheit auf. Währenddessen beweist der im Senegal weilende Austauschkommissar Bourdon seine magischen Qualitäten. Sehr spannende und mit einem Finale Grande aufwartende Story von Zidrou, der seine Figuren mittlerweile sehr gut im Griff hat und an die heutigen Lesegewohnheiten anpasst. Simon Van Liemt sorgt dafür, dass auch die heutigen Sehgewohnheiten abgedeckt werden.

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Und schließlich ist auch die Nachspeise aus der Serie Haute Cuisine fertig angerichtet. Nachdem die Sterne vergeben sind, stehen viele Entscheidungen an. Delphine Lehericey & Fanny Desmarés stellen die Frage nach dem Sinn des Lebens, die jede*r für sich selbst beantworten muss. Kinder, Ruhm, Luxus, Stress, … Es sind ganz unterschiedliche Antworten und nicht alle sind erwartbar. Die Zeichnungen von Luc Brahy schwanken zwischen Realismus und einem kleinen Hauch von dreckigem Zynismus und würzen das Gericht daher angemessen. Ein gut erzähltes Drama mit einem ungewohnten und daher erfrischend neuem Grundton – gerne mehr in dieser Richtung.

Detail ZACK 272 page 68

Und sonst?

Parker & Badger sind weiterhin mit den Tücken der Jobsuche überfordert und in Tizombi nähert sich die Strecke über vegetarische Kost für Zombies einem Ende. Daneben gibt es den letzten Teil der Serie über Zensur in belgischen Comics; es geht um Sexualität und Rassismus, insbesondere bei der Darbietung über das Internet. Neben den News und Kurzrezensionen bietet Christian Endres einen Einblick in die bei Splitter erschienene Geschichte der Science-Fiction.

Wie bei einem guten Buffett sollte jede*r etwas finden, das besonders gut ist! Alles andere mag nicht 100-prozentig dem eigenen Geschmack entsprechen, ist aber wiederum so gut, dass es gefallen sollte. Erneut eine prima Mischung von Klassikern und Moderne aus verschiedenen Themengebieten und Stilrichtungen. Viel Spaß damit!

Dazu passen der sich immer wieder neu erfindende Bruce Springsteen mit einem seiner unzähligen energiegeladenen Liveauftritte und ein kühles Kellerbier.

© der Abbildungen 2022 bei den jeweiligen Autoren und Verlage c/o Blattgold GmbH

Reddition 74/75 – Comics und Musik

Dezember 2021 – „Rock, Metal & Pop“ sowie „Jazz, Soul & Hip-Hop“

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 15,00 €
ISSN: n/a

Volker Hamann schreibt in seinen einleitenden Worten zur neuen Doppelnummer der Reddition sinngemäß, dass das Thema Comics und Musik schon lange im Gärungsprozess war, die Frage der Realisierung und des Ansatzes aber offenblieb. Nun also hat sich die Redaktion an das Thema herangetraut und sich sogar für einen doppelten Zugang entschieden um eine größere Bandbreite abdecken zu können. Damit gibt es endlich mal wieder eine zweiseitig startbare Ausgabe.

Die Schwierigkeiten

Das Dossier beginnt mit zwei verschriftlichten Gesprächen. Zunächst versuchen Jens Balzer und Michael Hein Parallelen zwischen Pop-Musik und Comics zu erarbeiten, im Guten wie im Schlechten. Und tatsächlich spielen sie ja beide mit Emotionen. Eine zweite Unterhaltung zwischen Peter Lau und Björn Bischoff dreht sich um die Frage, ob man „Musik“ zeichnen kann oder ob nicht eher ähnliche Reaktionen bei den Rezipient*innen das maximal Erreichbare wären? Mit diesem Einstieg ist schon ein Problem des Themas deutlich geworden: ein Fan wird die Frage komplett anders beantworten als ein*e (Comic-/Musik-/Literatur-)Kritiker*in! Oder anders formuliert: Was ist der Maßstab, der ein „Gelungen“ definiert?

Frontcover Reddition 74/75

Im weiteren Verlauf geht es exemplarisch um einige Künstler „im Comic“, die Beatles, David Bowie und KISS. Gegenübergestellt werden diesem thematischem Ansatz Künstler-orientierte Artikel über Reinhard Kleist, Serge Clerc, Frank Margerin, Timo Wuerz, Jamie Delano, Hervé Bourhis und schließlich Ingo Römling. Natürlich kommen dazu eine Unmenge an Illustrationen und Fotos. Die Reddition versucht damit, das Thema Rock, Metal und Pop einigermaßen abzudecken. Die Artikel selbst sind dabei sehr informativ.

Natürlich wird niemand mit dieser Auswahl zufrieden sein. In der Kombination aus zwei Emotionen schaffenden Kunstformen hat jede*r Favorit*innen, die hier nicht auftauchen. Mir fehlen allerdings zwei Themen: Einerseits scheint es hier fast nur männlich getriebene Musik und Comics zu geben. Meiner Meinung nach kann man nicht einerseits Crumb herausstellen und gleichzeitig keine Frau in den Fokus stellen.

Der zweite fehlende Themenblock ist meiner Meinung nach der gesamte Independent-Bereich (außer Crumb). Hier geht es nur um etablierte Künstler (!) auf beiden Seiten, der Bereich des DIY ist in allen Non-Mainstream-Stilrichtungen tragend, findet hier aber nicht mal eine Erwähnung. Es gibt unzählige Comics und comicartige Abbildungen in Millionen von Fanzines und Flyern im Bereich Mod, Punk, Ska, Psychobilly, Rap, Hip-Hop…

Der zweite Schwerpunkt

Von hinten angefangen geht es um die weniger lauten Töne. Die Coverabbildung von Serge Clerc wird begleitet von dem aktuellen Abonnent*innen-Goodie, einem limitierten, signierten ExLibris von Clerc: Sehr schön!!

Backcover Reddition 74/75

Inhaltlich wird das Feld Jazz, Soul & Hip-Hop allerdings noch unsystematischer angegangen. Vince Guaraldi, Loustal, Jacques Ferrandez und Crumb werden in Artikeln gewürdigt und vorgestellt, das Thema Hip-Hop und Comic bekommt 5 Überblicks-Seiten und die Science-Fiction im Schnittfeld Comic/Musik wird reduziert auf Emanon von Wayne Shorter. Natürlich ist das subjektive Interesse eine wesentliche Triebfeder für das Verfassen von Artikeln! Und ebenso natürlich kennen sich Autoren in „ihrem“ Feld auch am besten aus. Hier hätte es sich aber vielleicht angeboten, zunächst Themengebiete zu definieren und dann Autor*innen zu suchen anstelle die Stammautoren Themen definieren zu lassen.

Damit jetzt keine falschen Gedanken aufkommen: Die Artikel sind größtenteils gut geschrieben und layoutet. Als Reminiszenz an Fan-Postillen kann man sogar die sehr schwer lesbare Schrift der Fragen an Timo Wuerz goutieren. Es ist einfach ein Thema, das selbst für eine Doppelnummer der Reddition zu groß ist. Vielleicht sollten daher nicht nur Teile zu klassischer Musik und Oper folgen, sondern auch zu subkultureller Musik. Ebenfalls spannend wäre es sicherlich, mehr zu crossmedialen Projekten zu lesen, etwa War of the Worlds oder Too old to Rock’n’Roll, sowie zu Kindermusicals mit Bildbeilagen.

Empfehlung

Die Reddition ist und bleibt die führende Sekundärzeitschrift in Deutschland! Auch mit Comics und Musik beweist das Redaktionsteam hohen Sachverstand und die Fähigkeit, die gewählten Themen mit einer Vielzahl von Abbildungen zu begleiten. Während aber sonst trotz aller notwendigen Distanz Herzblut zu spüren ist, kommt dieses in der 74/75 nicht so rüber. Möglicherweise wäre hier die eine oder andere Gastautorin gut gewesen.

Reddition 74/75 - Beilage
(c) 2021 Serge Clerc – Beilage zu Reddition 74/75 Foto: Sven Krantz-Knutzen

Auf jeden Fall ist allein schon der Mut zu bewundern, eines der drei Themen zu wählen, die man bei Gesprächen immer vermeiden sollte: Fußball, Religion und Musikgeschmack! Bei allen dreien wird man es nie allen (und im Zweifel noch nicht einmal der Mehrheit) recht machen können. Mit dieser Einschränkung: Well done!

Dazu passen Jethro Tull mit ihrer LP + Comic „Too old to Rock’n’Roll” und ein Festivalbier.

© der Abbildungen 2021 Serge Clerc, 2021 Timo Wuerz / Verlag Volker Hamann 2021

Lee/Ditko – Spider-Man Vol. 1 1962 – 1964

Marvel Comics Library 1

Story: Stan Lee
Zeichnungen: Steve Ditko

Herausgeber: David Mandel, Ralph Macchio
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 698 Seiten | Farbe | 150,00 €
ISBN: 
978-3-8365-8233-9

Cover Spider-Man 1962 - 1064

Oops, they did it again! Und wieder bringt der Taschen-Verlag ein rund 5 Kilo schweres XXL-Comic-Book heraus. Es gab unter anderem bereits Titel über das Golden und Silver Age, eine Chronik zum 90. Geburtstag von Mickey Mouse und das ultimative Kompendium über EC Comics. Nun startet eine neue Reihe, die Marvel Comics Library. Band 1 präsentiert einen der erfolgreichsten Charaktere des amerikanischen Comics, Spider-Man.

Update 17.08.2022: Dieses Buch hat gerade den 2022 Will Eisner Comic Industry Award for Best Publication Design gewonnen. comix-online gratuliert!

Die Anfänge von Spider-Man

Zunächst einmal dürfen David Mandel und Ralph Macchio den Netzschwinger in die Geschichte der Superheldencomics einordnen. Ersterer, in den Staaten ein renommierter Schreiber für Sit-Coms und TV-Shows und Super-Sammler, beschreibt seine eigenen Erfahrungen beim ersten Lesen der Stories als 13-jähriger und „eröffnet“. Macchio war von 1996 an fast 10 Jahre verantwortlich für die Spider-Man Titel und kommt daher vom Fach. Er beschreibt sehr ausführlich und faktenreich die Geschichte des Helden. Den Comic hatte es eigentlich gar nicht geben sollen, er war zu anders als die damalige Marvel-Linie, zu jugendlich, zu unheldisch, zu Real-Life-orientiert.

Spider-Man Vol 1 - intro

Glücklicherweise hatten sich Stan Lee und Steve Ditko davon allerdings nicht abhalten lassen als sie den jugendlichen Peter Parker erfanden. Er war ein unscheinbarer, etwas nerdiger Schüler mit allen Alltagsproblemen der Teenager: zu wenig Geld, von Mädchen kaum beachtet, schmächtig. Als er nach dem Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne seine neuen Kräfte realisierte, wollte er sie zunächst auf Jahrmärkten verwenden. Erst der gewaltsame Tod seines Onkels und das Wissen, dass er es hätte verhindern können, machen ihn zu einem Kämpfer für die Gerechtigkeit und gegen das Böse.

Zu diesem Setting passen die Tatsachen, dass seine Flamme Peter ignoriert, Spidey aber anhimmelt, sein Boss Jonah Jameson Peters Fotos von Spider-Man kauft, um Artikel gegen den Maskierten zu bebildern, aber auch, dass die Gegner keine Aliens sind. Gerade für Jugendliche wurde Peter Parker somit eine Figur, in die sie sich hineinflüchten konnten.

Die Besonderheiten

Die Feinde der ersten Jahre waren so brillant, dass die meisten von Ihnen über Jahrzehnte hinweg Parkers Leben schwer machten. Es waren die menschlichen Aspekte, die sie so beliebt machten: nicht perfekt, nicht beliebt, irgendwie begabt, aber gleichzeitig gestört. Dazu kam, dass die Geschichten in New York angesiedelt waren, einer existierenden Stadt und der Möglichkeit, im Urlaub bestimmte Schauplätze aufzusuchen.

Trenner in Spider-Man 1

Und noch ein weiterer Schachzug machte sich bezahlt: Auch DC, der größte Verlagskonkurrent,  hatte Annuals im Programm, allerdings waren die dicken Extrahefte typischerweise mit Nachdrucken gefüllt. Das erste Spider-Man Annual brachte eine 40-seitige, neue Geschichte mit gleich sechs Erzfeinden (The Sinister Six), gemeinsam agierenden Superhelden und zusätzliche noch kurze Geschichten „aus dem Alltag“. Da dieses Heft im Sommer publiziert worden war, hatte jede*r Jugendliche genügend Zeit, das Heft (mehrfach) zu verschlingen.

Vor allem die Sprache ist anders als in den „normalen“ Comicheften der damaligen Zeit. Hier gab es weder Hochsprache noch Kauderwelsch. Spidey redete wie ein Teenager und Stan Lee „sprach“ mit seinen Leser*innen. Beides war fantastisch neu und erfolgreich!

Die große Verantwortung aufgrund von großen Kräften

Wer große Kräfte sein eigen nennt, muss auch akzeptieren, dass daraus große Verantwortung erwächst. Dieser Leitsatz wird – so erwähnt es das Vorwort – viel zu oft missverstanden als ob das zweite quasi automatisch aus dem ersten folge. Gemeint ist aber, dass mit einer Kraft bedachte aktiv dafür kämpfen müssen, Verantwortung für ihre Kräfte und den richtigen Einsatz zu übernehmen. Die Fähigkeit, Atomwaffen herzustellen oder Gentechnik anzuwenden, befreit die Wissenschaftler*innen nicht davor, über den Einsatz sorgfältig nachzudenken.

Detail aus Spider-Man 1

Lee und Ditko waren nicht immer einer Meinung über ihre Schöpfung. Ditko glaubte daran, dass der Reiz der Serie gerade darin liege, dass Parker falsche Entscheidungen treffen könne, die ständige moralische Keule mit der Verantwortung vielleicht eine Nummer zu groß sei. Im Endeffekt war er es, der die Serie verließ. Bis dahin allerdings haben die beiden einen grandiosen Run hingelegt, der in diesem ultragroßen Prachtband erneut abgefeiert wird!

Die ersten Jahre: Der Reprint von Lee/Ditko – The Amazing Spider-Man

Bevor wir mit der ersten Spider-Man-Serie beginnen können, muss natürlich die Initiation erfolgen: Amazing Fantasy # 15! Peter Parker wird gleich auf der ersten Seite von seinen Mitschüler*innen als einziges professionelles Mauerblümchen der High School eingeführt. Er ist schüchtern, nerdy und bringt Wunsch und Wirklichkeit nicht wirklich übereinander, kurzum: er ist ein typischer männlicher Teenager. Nachdem er von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen worden war, erkennt er, dass er plötzlich Spinnenkräfte besitzt. Zunächst mit einer einfachen Maske, schnell aber schon mit einem Spinnenkostüm beginnt er, auf dem Rummel Geld zu machen.

Detail aus Spider-Man 1

Schon der zweite Teil in eben dieser ersten Ausgabe lässt ihn allerdings einen schweren Schicksalsschlag erleiden: Sein Onkel Ben wird von einem Gangster erschossen. Hätte Peter seine Kräfte nicht für Varieté-Vorstellungen verschwendet, hätte er ihn vielleicht retten können.

Nun ist die Bühne bereit für die eigene Serie: Amazing Spider –Man. Der Held ist weder außerirdischen Ursprungs noch Besitzer eines riesigen Vermögens. Er ist ein Junge mit Problemen in der Schule, hat gerade einen Todesfall in der Familie verkraften müssen und muss erkennen, dass seine Tante, bei der er lebt, Schmuck versetzt, um essen und Miete bezahlen zu können. Die öffentliche Meinung ist gespalten. Besonders der Daily Bugle möchte den maskierten Helden enttarnen und sogar festsetzen. Pikanterweise arbeitet der Held in seiner richtigen Identität für eben diese Zeitung.

Fast 60 Jahre sind vergangen

So ganz glaubt Marvel noch nicht an den neuen Helden, denn schon in der ersten Nummer kommt es zu einem Unterstützungs-TeamUp mit den Fantastischen Vier. Allerdings schreibt die Serie auch Geschichte, denn mit den Superschurken des ersten Jahres muss sich Spider-Man teilweise noch heute auseinandersetzen: Das Chamäleon, der Geier, Dr. Oktopus aber auch Mysterio, der Grüne Goblin und viele andere kreuzen seinen monatlichen Weg.

Detail aus Spider-Man 1

Peter bleibt dabei verhaftet in seinen Rollen als unbeliebter Teenager und bewunderter Superheld. Sein Arbeitgeber will Fotos um Spider-Man zu vernichten, die Flamme von den Fantastischen Vier liebt die Auseinandersetzung nur mit dem Maskierten und Mary Jane liebt Spider-Man fast mit der gleichen Inbrunst, mit der sie Peter Parker verachtet.

Alles hat ein Ende! Hier kam es als Stan Lee beschlossen hatte, die Serie in ein neues Setting zu überführen und Parker die High School beenden zu lassen. Steve Ditko verließ die Serie daraufhin. Spider-Man ist ein Top Umsatzbringer geblieben. Die Ansiedlung in der Realen Welt (New York), die Bodenständigkeit des Charakters, der Dialog-Witz bilden nach mittlerweile fast 60 Jahren immer noch Bestandteile des (neudeutsch) USP der Serie.

Der Prachtband

In diesem Prachtband können wir aber feststellen und erneut genießen, warum das alles so gekommen ist. Einerseits sprechen natürlich die Comics für sich! Die Idee war genial! Das Überformat ermöglicht es aber auch, festzustellen, wie Ditko die Eigenarten grafisch umgesetzt hat. Die Kampfszenen zeigen teilweise den Netzschwinger von unten und damit in einer unbekannten Dynamik (vgl. Seite 15 von Return oft he Green Goblin). Außerdem ermöglichen die Leser*innenseiten ein Verständnis der direkten Reaktionen. Dies betrifft nicht nur die Briefe, sondern auch die Antworten des Teams darauf.

Noch mehr Einblick in die Welt des Kostümierten bietet einerseits das erste, superdicke Annual, das die Hauptgegner detailliert vorstellt, andererseits der Abdruck der nicht kolorierten Seiten aus Amazing Fantasy 15!!

Marvel Comics Library - Spider -Man vol, 1 Opener

Mit seinen fast 5 Kilogramm Gewicht ist der Band nicht für das abendliche Lesen im Bett geeignet! Er wird aber nicht nur im Regal Eindruck machen, sondern als coffee-table book auch zum Blättern verleiten! Vielleicht verschafft er einem ja auch ein wenig benötigte Zeit und beschäftigt den Besuch für eine Weile. Wer das nicht möchte, wird das Prachtstück in seinem speziell designten Pappkarton lassen wollen.

Selbstverständlich ist die erste Auflage weltweit auf 5000 Stück limitiert und wird auch nur auf Englisch vertrieben. Wer es ein wenig exklusiver haben möchte, greift zur Collector’s Edition! Ab Februar werden 1000 Stück des in Kunstleder gebundenen und mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint versehenen Buches im Schuber verkauft werden. Da dies erst der Anfang der Marvel Comics Library ist, kann bei dieser Ausgabe die Nummer für die Folgebände reserviert werden.

Eindeutig das „Comeback des Jahres“ von 2021 – noch nie wurden die Anfänge der wichtigsten Marvel-Helden besser präsentiert!

Dazu passen Six Pence non the richer und ein der Wertigkeit angemessener Bordeaux.

© der Abbildungen 2021 Marvel / 2021 Taschen Verlag

Jahresrückblick 2021

Immer noch Corona, meine persönlichen Favoriten und gute Wünsche

Wer hätte das gedacht? Die Pandemie hat uns auch das ganze letzte Jahr in Atem gehalten: Lockdown, Beschränkungen für Kulturveranstaltungen, Verlagerung des Einkaufsverhaltens von lokalen Läden hin zu Online- und Versandhändler*innen. Natürlich wird das Auswirkungen auf die Comic-Branche haben. So finden wir zunächst im Independent-Bereich, etwa dem ZEBRA, bereits Auseinandersetzungen mit den Folgen. Da wird sicherlich noch mehr kommen. Ausstellungen sind weniger geworden oder sie waren zu mindestens schlechter besucht. Auch ich war während des Jahres daher leider nur im MoCa in Noordwijk  und im Jan Kruis-Museum in Orvelte.

Die Digitalisierung ist allerdings weiter fortgeschritten. Immer mehr Verlage bieten auch elektronische Ausgaben an. Für mich persönlich ist das allerdings nichts. So gerne ich elektronische Medien und Tools auch nutze, graphische Literatur lese ich immer noch am liebsten auf Papier, freue mich an der Haptik (wenn der Comic entsprechend dargeboten wird) und am Anblick einer Reihe im Regal.

Nachdem meine Winterpause jetzt vorbei ist wünsche ich uns allen für das kommende Jahr, dass mehr Normalität zurückkehrt. Dafür ist es allerdings wichtig, dass alle, denen es möglich ist, sich impfen lassen!

R.I.P.

Wie immer sind wieder viel zu viele Comic-Schaffende gestorben. Ein paar davon sollen hier eine letzte Erwähnung finden: Marcel Uderzo, Jean Graton, Benôit Sokal, Nikita Mandryka, Raoul Cauvin, Dieter Kalenbach und Gérald Forton.

Die besten Comics in 2021

Auch dieses Jahr wieder präsentiere ich hier meine Favoriten: subjektiv, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und unabhängig von Verlagsbemusterungen. Dem letzten Jahr folgend gibt es wieder die gleichen Kategorien: Alben, Graphic Novels, Gesamtausgaben, Sekundärwerke und Zeitschriften. Ein Sonderpreis geht an das „Comeback des Jahres“. Natürlich darf auch die Liste der meistgeklickten Beiträge des Jahres nicht fehlen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Leser*innen: Die Zugriffszahlen sind um rund 20% gegenüber 2020 gestiegen!

Album des Jahres

Der beste Comic des Jahres kommt für mich aus Deutschland: Ralf König hat sich einen Jugendhelden vorgenommen und ihm nicht nur Brustwarzen verpasst, sondern auch eine sehr liebevolle Hommage verfasst: Zarter Schmelz übernimmt alle klassischen Elemente von Lucky Luke, twisted aber das gesamte Setting. Seine schwulen, knollennasigen Cowboys, die lila Kühe und Calamity Jane sind so großartig, dass sie zurecht den Mainstream erobert haben.

Cover König Zarter Schmelz
© Lucky Comics 2021 – All Rights reserved by Ralf König/Egmont Ehapa Media

Eine ganz andere Interpretation des „Wilden Westens“ kommt von Jean Dufaux und Rubén Pellejero. Ihr Regenwolf stellt eine Frau als Hauptakteurin in den Mittelpunkt einer Rachegeschichte. Blanche McDell steht im Schnittpunkt von Liebesgeschichten, Mythologie, Rassismus und Männlichkeitswahn. Obwohl die Vermischung dieser Themen in eine langweilige Political Correctness-Definition abgleiten könnte, ist den Autoren hier eine perfekte, spannende Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger mit toller visueller Umsetzung gelungen.

Auffällig in diesem Jahr ist die Anzahl der Western unter den Top 5: Nur Mademoiselle J. von Yves Sente und Laurent Verron konnte sich auf Platz 3 dazwischenschieben. Die ursprünglich als Nebenfigur in einem Spirou-OneShot eingeführte wissbegierige junge Dame hat nun ihre eigene Reihe und bringt Zeitgeschichte in dem typischen, leicht modernisierten Marcinelle-Stil an ihre Leser*innen. Sie atmet gleichzeitig den Charme der 30-er Jahre als auch den des Aufbruchs in eine gleichberechtigtere Welt!

Einer meiner Lieblingszeichner ist Patrick Prugne. Obwohl er sich durchaus auch schon anderen Themen zugewandt hat, sind seine Geschichten aus dem westlichen Amerika/Kanada am besten. In Tomahawk erzählt auch er die Geschichte einer „Rache“, allerdings eingebettet in viel Natur und die spannende Vorgeschichte zu einem erbarmungslosen Krieg. Fast jedes Panel könnte gerahmt an einer Wand hängen!

Platz 5 geht an eine überlange Geschichte, die einen Helden einer Serie nach sehr langer Zeit gealtert und vollkommen verändert zurückbringt: Wenn der Tiger erwacht erzählt die Geschichte von Chinaman, seiner Posttraumatischen Belastungsstörung aufgrund der Schrecken des Sezessionskrieges und die Annäherung zwischen ihm und seinem Sohn. Serge Le Tendre und Olivier TaDuc sind nach fast 15 Jahren zu ihrer einstigen Erfolgsserie zurückgekehrt, haben alle Elemente übernommen aber sehr konsequent weitergeführt. So ist eine eigenständige Geschichte daraus geworden, die für sich alleine stehen könnte, aus ihrer „Vergangenheit“ aber noch mehr gewinnt.

Die besten Graphic Novels in 2021

Wie auch bei den Comics war es ein gutes Jahr für Graphic Novels. Die Platzierungen:

Ohne jeden Zweifel geht der erste Rang an Die Bestie von Zidrou und Frank Pé. Ihre Interpretation des Marsupilamis ist so faszinierend anders, dass eigentlich jede*r einen Blick hineinwerfen sollte. Einerseits ist die Story „erwachsen“ geworden: ein verängstigtes, wildes Tier kommt mit einem Schiff als Ware für den Zoo nach Brüssel. Es kann nichts anderes tun, als seiner Natur zu folgen, und sich zu befreien. Dazu passt die langsam wachsende, auf Vertrauen beruhende Beziehung zu einem kleinen Jungen, der seinerseits Ausgestoßener ist. Die Zeichnungen von Pé sind – wie immer – allesamt kleine Kunstwerke!

Zidrou/Frank Pé – Die Bestie 1 Cover

Platz 2 geht an Das Susan-Problem aus der Neil-Gaiman-Bibliothek. P. Craig Russel und Paul Chadwick haben Kurzgeschichten von Gaiman für das Medium Comic aufbereitet und zusammen mit Scott Hampton gezeichnet. Sie beweisen nicht nur, dass Stoffe von Gaiman wie auch die von Ray Bradbury perfekte Startpunkte für Comic-Kleinode sein können, sondern auch, dass sogar literaturtheoretische Abhandlungen so umgesetzt werden können. Der Preis geht aber auch an die Übersetzung und die vielen editorischen Hinweise für Nicht-Engländer*innen!

Beate und Serge Klarsfeld sind die Nazijäger! Was mit einer Ohrfeige begann, endete mit der erst durch die Beiden möglichen gerichtlichen Verurteilung von vielen Nazi-Kriegsverbrechern. Die spannende Geschichte, die Rückschläge aber auch die unermüdliche Aufopferung im Kampf für Gerechtigkeit und dadurch erst mögliche Freiheit schildern Pascal Bresson und Sylvain Dorange!

Platz 4 geht an die in diesem Jahr beendete Gesamtausgabe von Omaha, eine erotische Soap-Opera, die weit weg ist von jedem Schmuddelfaktor! Kate Worley (und nach ihrem Tod Jack Vance für den Abschluss der Serie) hat eine Geschichte im Schnittpunkt von Korruption, Machtmissbrauch, gesellschaftlicher Veränderung und Beziehungsproblemen geschrieben, die auch die Freuden des Sex nicht auslässt. Reed Waller, anfangs noch ihr Ehemann, später von ihr geschieden, hat das Ganze im Furry-Stil graphisch umgesetzt und damit einen der Klassiker des Independent-Comic gezeichnet. Auch heute noch lesenswert!

Der Reigen wäre nicht vollständig ohne die Kinder der Resistance! Auch hier ist die Geschichte an sich nicht neu, die Veröffentlichung in Deutschland ließ aber auf sich warten. Es gab im vergangenen Jahr einige Geschichten über die Resistance, das Schicksal von Kindern unter der deutschen Besatzung und die zaghaften, teils gescheiterten, teils erfolgreichen Versuche der Gegenwehr. Dazu zählen etwa die Bände von Émile Bravo oder Kris/Bailly. Die Kinder der Resistance von Vincent Dugomir und Benoît Ers beschreiben die anfängliche Naivität und Emotionalität und die Entwicklung hin zu wirklichem Widerstand aber auch wirklicher Gefahr für die Handelnden.

Die besten Gesamtausgaben in 2021

Trara! Platz 1 im Bereich der Gesamtausgaben geht an Caroline Baldwin! Schreiber & Leser fährt dabei zweigleisig: Einerseits erscheinen die bereits früher auf Deutsch veröffentlichten Geschichten (1 bis 16) in vier Sammelbänden von denen 3 bereits erschienen sind, andererseits veröffentlichen die Hamburger die bisher nicht erhältlichen Bände 17 bis 19 in Einzelbänden. Für das kommende Jahr sind dann noch Specials geplant! Die Heldin der in einer modernen Klaren Linie gezeichneten Geschichten von André Taymans ist tough, hat ein Alkoholproblem, ein selbstbestimmtes Sexualleben und ist HIV positiv. Das hält sie aber nicht davon ab, auf der ganzen Welt zu ermitteln und immer auf der Seite der Schwachen zu stehen. Zum Serienkompass.

Cover Caroline Baldwin Integrale 1

Platz 2 geht an Jerry Spring. Der „Vater des europäischen Westerncomics“ war vor Jahren fast komplett in einer schwarz-weißen Integralausgabe erschienen. Nun hat der All-Verlag die erste farbige komplette Ausgabe gestartet, die nicht nur alle von Jijé gezeichneten Geschichten beinhalten wird, sondern auch den letzten Band von Festin und Franz, der in 2021 erstmals auf Deutsch im ZACK erschienen ist. Ohne Jerry Spring hätte es vermutlich weder Blueberry noch Comanche gegeben.

421 ist eine Serie über einen Geheimagenten  von Stephen Desberg und Eric Maltaite. Der Held ist aber nicht nur von James Bond beeinflusst, sondern übernimmt auch Elemente von Indiana Jones und schreckt sogar vor Zeitreisethematiken nicht zurück. Erstaunlicherweise hat diese klassische Geschichte aus dem Spirou-Magazin in der Vergangenheit keinen Weg nach Deutschland gefunden. Das Integral präsentiert daher deutsche Erstveröffentlichungen: Platz 3!

Platz 4 teilen sich gleich drei Integrale von klassischen ZACK-Serien. Die Collector’s Edition von Greg/Hermanns Comanche war ein Meilenstein der jetzt in Sammelbänden angeboten wird. Édouard Aidans und Yves Duval haben mit Sven Janssen einen Abenteurer kreiert, der die ökologischen Aspekte in den Vordergrund stellt und bereits früh kolonialistische Missstände und Hunger in Beziehung gesetzt hat. Ebenfalls besonders ist, dass er alles zusammen mit Frau und kleinem Kind erlebt. Schließlich kommt auch die Collector‘s Edition von Michel Vaillant von Jean und Phillippe Graton erstmalig auf den deutschen Markt. Alle Kurzgeschichten und ungekürzten Geschichten in 20 Hardcovern mit einheitlichem Rückendesign und vielen editoriellen Notizen.

Die besten Sekundärwerke in 2021

Dieses Jahr haben es drei Werke über längst verstorbene Künstler in die Top 3 geschafft.

Das beste Werk ist mit Sicherheit der als Ausstellungskatalog entstandene aber auch perfekt solo zu genießende Band von Dr. Alexander Braun über Will Eisner. Graphic Novel Godfather führt ein in das Werk des amerikanischen Ausnahmekünstlers und beschreibt die Innovationen des Spirit sowie die Gebrauchsorientiertheit seiner Sachcomics die schließlich dazu geführt haben, dass Eisner zum Godfather der modernen Graphic Novel geworden ist. Viele Bildbeispiele  belegen den leicht verständlichen, flüssig geschriebenen und extrem informativen Text. Wenn alle Sekundärliteratur so gut lesbar wäre gäbe es nur noch Expert*innen!

Cover Braun - Will Eisner Graphic Novel Godfather

Platz 2 geht an die Fleißarbeit des Bremers Kai Stellmann und Science Fiction Pop Art Nick. Die im Selbstverlag erschiene Untersuchung ist nie fertig: Mit jeder neuen Auflage kommen Details hinzu. Stellmann belegt für alle Nick-Geschichten aus der Feder von Hansrudi Wäscher welche Quellen und Inspirationen eingeflossen sind und welche Absichten Wäscher damit verbunden haben könnte. Besser kann der Einblick in einen Entstehungsprozess nicht sein.

Platz drei geht erstmals an ein nicht gedrucktes Medium! Nun ja, es gibt eine kleine Begleitbroschüre, der Gewinner ist aber ein Film: Katzenjammer Kauderwelsch von Martina Fluck! Sie dreht die Annäherung eines Comic-Zeichners aus Heide – Tim Eckhorst – an die großen Söhne der Stadt, Rudolph und Gus Dirks, die in den USA Karriere gemacht haben. Katzenjammer Kids lief schlussendlich bis 2006 und ist einer der ganz großen Zeitungsstrips. 85 lohnende Minuten auf DVD!

Die besten Zeitschriften in 2021

Überraschenderweise heißt der Seriensieger bei Zeitschriften wieder ZACK! Das Magazin feiert in 2022 das Erscheinen der ersten Ausgabe von vor 50 Jahren und profitiert nach dem Verlagswechsel zu Blattgold davon, dass Verleger und Chefredakteur Georg F. W. Tempel nun frei schalten kann. Mit Blechschildern und Pins sowie einer neuen Albenreihe nur für Abonnent*innen expandiert der Kosmos. ZACK bringt sowohl erneuerte Klassiker wie Rick Master, Michel Vaillant oder Tanguy & Laverdue wie auch hochklassige europäische Comic-Kunst wie Amoras, Rani oder Millenium Saga! Die bei euch am häufigsten angeklickte Rezension war im Übrigen die Nummer 264.

Cover ZACK 267

Platz zwei geht an ein immer noch innovatives Medium aus den Niederlanden: StripGlossy präsentiert viermal im Jahr eine Mischung aus Sekundärliteratur, Interviews und aktuellen Comics mit und über Comicschaffende aus dem niederländisch/flämischen Raum! Definitiv das Highlight des Jahres war die Doppelnummer 21/22 über Suske en Wiske die sogar in eine zweite Auflage gehen musste!

Die Reddition ist wohl die bekannteste und anerkannteste Sekundärzeitschrift Deutschlands. Zweimal im Jahr erscheint eine Nummer, die sich tiefschürfend mit einem Thema beschäftigt. Durch die gewählte Breite der Artikel kann das gewählte Gebiet oder der Künstler im Fokus vielseitig beleuchtet werden. 2021 ging es um Tillieux und Comics und Musik (Rezension folgt).

Comeback des Jahres

Wie immer an dieser Stelle eine lobende Erwähnung eines – oft unerwarteten – Comebacks einer Serie oder eines Einzeltitels. Dieses Jahr fällt die Wahl schwer und daher sind es dieses Jahr zwei ganz unterschiedliche Gewinner, die es zu feiern gilt: Einerseits hat der Taschen Verlag gerade mit der Marvel Comics Library ein neues Projekt gestartet, das Meilensteine in einem XL-Format wieder zugänglich macht. Band 1 Spider –Man 1962 – 1964 ist gerade erschienen (und mittlerweile auch besprochen). Neben einer informativen Einführung präsentiert der limitiert Prachtband den unvergesslichen Run von Stan Lee und Steve Ditko über den wohl untypischten Superhelden aller Zeiten! Noch nie habe ich Spider-Man in diesem Format genießen können!

Cover Spider-Man Vol. 1

Andererseits hat Georg F. W. Tempel damit begonnen, bisher unentdeckte Perlen der ZACK-Geschichte aufzubereiten. Johnny Focus von Attilio Micheluzzi ist so eine! Vier schwarz-weiße Stories über den Reporter sind in Der Weg nach Mombasa bereits erschienen, eine weiter kommt in der diesjährigen Aprilausgabe des ZACK. Durch die fehlende Kolorierung sind die Fähigkeiten des Zeichners unverfälscht sichtbar. Erstaunlich, dass es noch so vieles von dieser Serie auf Deutsch zu entdecken gäbe.

Cover Johnny Focus - ZACK Spezial 2

Eure Lieblinge in 2021

Die Spitzengruppe der meistgeklickten Beiträge ist sehr dicht beieinander: Der Gewinner ist der Serienkompass zu Rani, dicht gefolgt von Caroline Baldwin Band 1 und dem dazugehörigen Serienkompass!

Dahinter kommt eine ebenfalls dicht gedrängte Gruppe, angeführt von Johnny Focus: Serienkompass Bruno  Brazil, Lucky Luke 99 und das Programm des All-Verlages.

Will Eisner von Alexander Braun, die Berichte über Asterix 39 und über den Abschluss der Michel Vaillant Reihe im MOSAIK-Verlag komplettieren die Top 10.

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

Was bleibt?

Auch dieses Mal verbleibe ich mit den besten Wünschen für ein tolles, erfolgreiches und von Gesundheit geprägtes Jahr! Stay safe and healthy! Ich freue mich über eure Kommentare.

© aller Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen wie in den Linkzielen genannt.

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