Sclavi/Cavazzano – Peter O’Pencil GA 1

1979 – 1980

Story: Tiziano Sclavi

Zeichnungen: Giorgio Cavazzano

Originaltitel: Silas Finn Volume 1

Splitter Verlag – Toonfish

Hardcover Überformat |120 Seiten | Farbe | 29,95 € | ISBN: 978-3-69258-014-2

Cover Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1

Das Koralle-ZACK war DAS Magazin, das den Comic frankobelgischer Provenienz in Deutschland salonfähig machte. Viele Serien hatten zwar vorher schon den Weg nach Deutschland gefunden, den Durchbruch aber nicht geschafft. Wegen der häufigen Erscheinungsweise (und den unseligen Kürzungen) ging aber der reiche Fundus an Geschichten irgendwann zur Neige. Eine der darauffolgenden Strategien bestand darin, auch Comics von italienischen und spanischen Künstlern zu übernehmen.

Ein Reporter im Wilden Westen

Das Vorwort zählt die verschiedenen Versionen auf, wie es wirklich zu der Idee für diesen Comic gekommen ist. Das Ergebnis war auf jeden Fall, dass nach dem Erfolg der Gentleman GmbH der Redakteur Gigi Spina, selbst gebürtiger Italiener, den Vertrag über diese neue Western-Comic-Reihe schloss. Sclavi und Cavazzano hatten schon miteinander gearbeitet und waren in der Lage, in einem dem frankobelgischen sehr ähnlichen Stil zu arbeiten. Die neue Serie sollte humoristisch sein und die Lücken zwischen den Geschichten von Lucky Luke füllen.

Star der Comics war ein Reporter namens Silas Finn, die Geschichten wurden im deutschen ZACK erstveröffentlicht und erschienen teilweise auch in den Schwestermagazinen in anderen Ländern. Tatsächlich hatte aber die Redaktion beschlossen, den Namen zu ändern; Peter O’Pencil war geboren. Im ersten, langen Abenteuer geht es um eine Schatzsuche als Gewinnspiel, organisiert von der Boston Tribune um die Auflage zu steigern. Der Held und sein Sidekick, ein etwas trotteliger und unwilliger Fotograf, begleiten eine Gruppe von Teilnehmern, die den sagenhaften Preis von 5000 $ gewinnen wollen und dafür fünf Aufgaben überstehen müssen.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 9

Dem folgen drei deutlich kürzere Episoden, die sich weiteren Western-Legenden widmen. So wird unter anderem die wahre Natur von Buffalo Bill enthüllt. Die Stories sind sehr humorig und stellen gewisse Prinzipien in Frage oder sogar auf den Kopf. Dazu kommen einige Running Gags aus der Redaktion, aber auch bezüglich der Freiwilligkeit des Fotografen bei diesem Abenteuer. Einiges davon würde man heute vielleicht anders schreiben.

Detailreiche Zeichnungen

Cavazzano wurde in Italien teilweise mit Uderzo verglichen, definitiv war er von ihm beeinflusst. Die Panel sind sehr detailreich und akkurat ausgeführt, die Lust am Zeichnen komischer Dinge ist bei dem Zeichner, der bei Disney angefangen hatte, deutlich zu merken. Daher sind auch die Emotionen deutlich überzeichnet. Seite 34 ist ein gutes Beispiel für den filmischen Einfluss auf die Bildfolge.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 10

Das Layout ist durchaus abwechslungsreich: Die Streifen werden munter ignoriert, Personen treten aus dem Rahmen und Textkästen wie auch Sprechblasen führen ein Eigenleben. Trotz dieser Dynamik konnte der Comic nie den gleichen Erfolg wie Umpah-Pah oder Lucky Luke verzeichnen.

Eine Reise zurück in die Vergangenheit

In Deutschland sind die Geschichten nie als Album erschienen; wer also keine Sammlung der alten Hefte besitzt, hatte kaum eine Gelegenheit, sie zu bewundern. In Italien selbst war die erste Geschichte tatsächlich vor dieser Gesamtausgabe nie erschienen. Insofern bietet die Peter O’Pencil Gesamtausgabe die Möglichkeit einer Zeitreise. Der abschließende zweite Band ist für das Frühjahr ´27 angekündigt.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 11

Mir persönlich hat es gut gefallen, den Comic in Etappen zu lesen, also der ursprünglichen Zeitschriftenveröffentlichung zu folgen und die Suche in fünf Teile zu splitten. Dadurch werden die Running Gags besser als am Stück konsumiert. Die Einführung gibt einen guten Überblick und der Abdruck der damaligen ZACK-Cover erhöht die nostalgische Freude!

Dazu passen aus den 79-er Charts Toto mit „Hold the Line“ und eine Sarsaparilla!

© der Abbildungen 2026 Tiziano Sclavi / Giorgio Cavazzano | Splitter Verlag GmbH & Co. , Bielefeld 2026

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 7

1982 – 1984

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 19, 20, 21

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | ISBN: 978-3-89908-831-1

Cover Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Western-Serien aus dem frankobelgischen Raum entstand ursprünglich als Lückenfüller. Als Lucky Luke Spirou verließ, musste kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Mittlerweile sind sowohl der ursprüngliche Zeichner (Salverius) als auch der jahrzehntelange Texter Cauvin verstorben, die Blauen Boys allerdings reiten weiter. Die Gesamtausgabe bei Salleck enthielt zunächst in den ersten sechs Bänden Neuübersetzungen der in Deutschland bei Bastei erschienenen Teile, auch um sie endlich den mittlerweile akzeptierten Qualitätsanforderungen anzupassen. Aufgrund des Wunsches vieler Leser*innen geht es jetzt mit den bei Carlsen verlegten und vergriffenen Bänden weiter.

Die Tücken des Krieges

Anfangs war die Ausrichtung der Serie noch ein wenig unentschieden, die Fokussierung auf die Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südstaaten, einem der bisher blutigsten Kriege der Geschichte, hat sich aber schon lange etabliert. Und so bestimmen auch jetzt Themen des Kriegsgeschehens die drei Alben. Dazu kommen viele Abbildungen und zwei Einseiter als deutsche Erstveröffentlichung. Die Geheimwaffe beschreibt den Einsatz eines U-Boot-Vorläufers, der David, und seine verheerende Wirkung auf die Schiffe der Nordstaaten, die den Nachschub ihrer Gegner durch eine Seeblockade einschränken wollen.

Black Face thematisiert die Frage, ob es dem Norden wirklich um „die Befreiung der Sklaven“ ging. Immerhin dürfen sie sich im Norden zwar der Armee anschließen, allerdings nur um für weniger Sold Drecksarbeiten auszuführen. In Fünf Schwere Jungs steht das ständige Problem im Vordergrund, Nachschub an jungen Rekruten als Kanonenfutter zu finden. Das 22. Infanterieregiment wird zwar immer wieder aufgefüllt, außer Kommandant Stark und unseren beiden Helden überlebt aber kaum jemand. Die Schwierigkeiten der Rekrutierung stehen im Vordergrund dieses leicht zynischen Bandes.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 132

Die Blauen Boys sind so erfolgreich, weil Cauvin es immer wieder schafft, Aspekte herauszugreifen und in den Fokus zu stellen, die die Absurdität des Krieges darstellen. Der nur saufende General, der aufgrund der fehlenden Sonne auf dem Schlachtfeld ganz bleich ist, der Trick, Verbrecher hinter die Linien zu schaffen, und der unverhohlene Rassismus zeigen auf, wo die Dinge wirklich im Argen liegen.

Knollennasen und Schachtfelder

Willi Lambil, nach Salverius der Zeichner der Serie, verbindet Knollennasen und Überzeichnungen in den Gesichtern mit der Darstellung des Krieges. Nach den Attacken liegen die Leichen auf den Feldern, ihre Positionen zeigen unmissverständlich den Schmerz und das Leid. Diese Szenen dienen der Untermalung der Ernsthaftigkeit und unterstützen das gemeinsame Anliegen, den Irrsinn des Krieges und die Möglichkeit, darin trotzdem zu überleben, zu zeigen. Während der Vorgesetzte, Sgt, Chesterfield, unermüdlich versucht, das alles zu ignorieren, versucht sein Untergebener, Corporal Blutch, unentwegt zu desertieren, wenigstens aber für das Überleben zu sorgen.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 133

Dieser Gegensatz trägt mit seinem manchmal feinen, oft brachialen Humor die Geschichten und fasziniert seit rund 70 Ausgaben. Quasi als Gegensatz zur menschlichen Tragödie wirken die immer wieder eingestreuten Naturbeobachtungen. In einem beliebigem Panel tauchen unvermittelt sehr realistisch dargestellte „unschuldige“ Tiere auf. Genial!

Nicht aufhören, bitte!

Die ersten sechs Nummern der Gesamtausgabe waren für die deutschen Leser*innen fast wie eine Erstveröffentlichung, hatte die damalige Übersetzung doch eher Klamauk im Sinn als Werktreue. Glücklicherweise wird die Reihe aber fortgesetzt und ermöglicht es all denen, die die Serie nicht bereits in den 90-ern gut fanden, ihr angemessen zu folgen! Natürlich lassen sich die meisten Teile noch antiquarische finden, die Gesamtausgabe mit dem redaktionellen Teil, den Fotos und Aquarellen und nicht zuletzt der guten Aufmachung im Hardcover bieten aber doch deutlich mehr!

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 10

Dieser Band erklärt auch die Verwirrung bei der Zählung: Carlsen startete damals mit einer neuen Nummer 1 und ignorierte die Tatsache, dass das Original bereits die stolze „19“ trug. Eine klare Empfehlung für alle Western-Fans, die Liebhaber der Ecole Marcinelle und des bissigen Stils von Raoul Cauvin! Ein Hinweis: Auch die aktuellen Bände erscheinen bei Salleck!

Dazu passen Bruce Springsteen mit allem von „Nebraska“ und ein guter Kaffee!

© der Abbildungen DUPUIS 1982, 1983, 1984, by Cauvin & Lambil / 2026 Eckart Schott Verlag

Kris/Lambil – Die Blauen Boys 49

Irish Melody

Story: Kris
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 66

Salleck Publications

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 € | 
ISBN: 978-3-89908-847-2

Cover Die Blauen Boys 49

Begonnen hatte die Blauen Boys anfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.

Auswanderer im Mittelpunkt

Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.

Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.

Die Blauen Boys 49 page 13

Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.

Gelungene Überspitzung

Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.

Die Blauen Boys 49 page 14

Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!

Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!

Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!

Detail Die Blauen Boys 49 page 17

Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.

Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!

© der Abbildungen DUPUIS 2022 – Lambil & Kris / 2026 Eckart Schott Verlag

di Giorgio/des Dorides – Wyoming, 1863 1

Fünf Tage zum Sterben

Story: Jean-Francois di Giorgio

Zeichnungen:  Fabrizio des Dorides

Originaltitel: Wyoming, 1863, volume 1

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |56 Seiten | Farbe | 18,00 € | ISBN: 978-3-98721-328-1

Cover Wyoming, 1863 1

Der Titel Fünf Tage zum Sterben ist Programm: Schon lange habe ich keinen Western mehr gesehen, in dem diese Anzahl von Leichen die Wege der Protagonist*innen pflastern. Diese neue Serie beschreibt sich selbst in der Ankündigung als eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, in der es keine Helden gibt. Der neue Western steht somit in der blutigen Tradition der Spaghetti-Western.

Eine Reihe an Massakern …

Wie mittlerweile relativ häufig auch bei Netflix und Co. zu beobachten, startet die Serie nicht chronologisch, sondern mit einem zukünftigen Ereignis. Dadurch sollen die Konsument*innen bei der Stange bleiben und sich in die neue Welt hineinziehen lassen. Auf der ersten Seite begegnen wir einem Mann und einer Frau, vermutlich beide verletzt, die als einzige Überlebende einer gewaltigen Schießerei nur noch auf die endgültige Entscheidung hinarbeiten können. Um sie herum liegen ungezählte Tierkadaver und menschliche Leichen.

Schon auf der zweiten Seite springt die Geschichte um einige Tage zurück: Ein Elternpaar entlässt ihren kleinen Jungen in die weite Welt; er soll ein Studium beginnen und es einmal besser haben, Während das Ehepaar noch versucht, mit dieser Trennung klarzukommen, haben Banditen den Jungen schon hingerichtet, um ein paar Pferde zu stehlen. Auch seine Eltern werden sterben, denn Zeugen sind unerwünscht.

Wyoming, 1863 1 page 3

Dazu wird später noch das Schicksal von Emma kommen, einer jungen Mutter, die die Entführung ihrer beiden Töchter rächen will, eine alte offene Rechnung zwischen einem zwielichtigen jungem Mann und einem alten Ranchero, ein paar alte Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und immer wieder gewissen- und skrupellose Banditen. Für Spannung, Konflikte und viel Blut zwischen all dem Pulverdampf hat der erfahrene Jean-Francois di Giorgio wahrlich gesorgt.

In einem abwechslungsreichen Layout

Fabrizio des Dorides ist in Italien durchaus bekannt und hat bereits an vielen Fumetti gearbeitet, gerade auch an Sachen im Bereich Mystery und Horror. Inhaltlich hat er daher wahrscheinlich kaum Anpassungsschwierigkeiten gehabt, sein Stil in dieser Serie verrät die Herkunft allerdings nicht. Die Seiten sehen sehr unterschiedlich aus, nutzen das große Albumformat perfekt und erinnern eher an moderne frankobelgische Werke.

Wyoming, 1863 1 page 4

Die Landschaft ist extrem detailreich, die Personen sehr realistisch und die Actionszenen sind glaubhaft. Teilweise nimmt er Techniken des Films auf und verwendet harte Schnitte aus nächster Nähe, um Dynamik zu erzeugen. An einigen Einstellungen lässt er zusätzlich seine Horrorerfahrungen einfließen und verursacht bei den Leser*innen eine Gänsehaut!

Gewalt und Können in Kooperation

Bisher kannten wir von Jean-Francois di Giorgio nur Eastern aus den Samurai und Sensei Reihen. Wer mit Abenteuern ohne Helden und somit auch ohne moralische Wertungen klarkommen kann, ist hier sicherlich gut bedient. Wer allerdings Western im Stil von Bonanza erwartet, sollte die Finger von Wyoming, 1863 lassen!

Detail Wyoming, 1863 1 page 5

Story und Artwork ergänzen sich gut, die Orgien aus Gewalt, Gier, Rache und Verzweiflung werden glaubhaft und realistisch umgesetzt. Man sollte den Comic allerdings nicht in Gegenwart von Kindern herumliegen lassen, die Szenen sind definitiv nichts für deren Augen. Wer sich gerne Tarantino-Filme anschaut, dürfte aber nicht überfordert sein.

Dazu passen The Adicts mit „Straight Jacket“ und ein Moloko Plus!

© der Abbildungen Èditions Soleil by Jean-Francois di Giorgio & Fabrizio des Dorides – 2024 | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026

Flix/Kleist – Lucky Luke Hommage 8

Die Grimm Brothers

Story: Flix
Zeichnungen: 
Reinhard Kleist

Originalausgabe

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1184-9

Cover Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine weitere Hommage aus deutschen Landen. Mawil und Ralf König hatten sich bereits mit dem Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten beschäftigen dürfen, Flix brachte schon Spirou und das Marsupilami in die deutsche Hauptstadt. Und auch die Hauptserie hat immer mal wieder Bezüge zu deutschen Einwander*innen aufgenommen, zuletzt die deutsche Braukultur.

Märchen und ihre Folgen

Co-Helden dieser Geschichte sind die Brüder Grimm. Bekannt für ihre Sammlung von deutschen Märchen und ihre Beschäftigung mit der deutschen Sprache begeben sie sich in diesem Album auf eine Reise, die nie stattgefunden hat: Sie machen eine Lesetour durch die Vereinigten Staaten. Sie treten in verschiedenen Saloons auf, die mit europäischen Salons jedoch wenig gemein haben.

Zudem ist das amerikanische Publikum an ihren Haus- und Hofmärchen nicht interessiert. Lucky Luke hat jedoch eine Idee, wie die Reise möglicherweise gerettet werden könnte: Es müssten amerikanische Märchen präsentiert werden! Da die beiden allerdings Sammler und keineswegs Geschichtenerfinder wie ein gewisser Herr Andersen sind, muss zunächst eine Quelle gefunden werden.

Werbung für Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Die Rettung scheint in Form von Ma Dalton gefunden zu sein: Das Publikum ist begeistert von der Erzählung über die Daltons. Diese allerdings fühlen sich auf das Übelste verleumdet, sollen sie doch plötzlich gut geworden sein. Das Spektakel möge beginnen… Flix schreibt recht witzig, baut viele Reminiszenzen ein und trifft auch den Ton einer Hommage recht gut.

Unverkennbar ein Kleist

Reinhard Kleist hat sich zuletzt immer wieder an Helden der Popkultur abgearbeitet und die Essenz ihres Lebens in Form von Graphic Novels veröffentlicht: Beispiele sind David Bowie und Johnny Cash. Insofern passt es, dass er den beiden deutschen Gelehrten, deren Werke immer noch in vielen deutschen Kinderstuben zur Grundausstattung gehören, ein fiktives Denkmal setzt. Wer genau hinschaut, wird Charaktere aus seinen anderen Werken hier wiederfinden.

Sein Strich ist stark angelehnt an die erwarteten Figuren, lässt sich aber eindeutig als „echter Kleist“ erkennen. Diese Mischung aus klassischem frankobelgischem Comic und künstlerischem Graphic Novel Stil ist zunächst einmal etwas verwirrend. Man muss sich erst ein wenig eingrooven, dann aber passt das Ganze zumindest für mich. Die Hintergründe sind allerdings manchmal etwas zu psychedelisch geraten, die Traumsequenz dagegen fantastisch!

Illustration zu Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine gelungene Hommage!

Eine Hommage ist etwas anderes als ein One-Shot: Er soll einen fremden Blick auf wesentliche Elemente werfen, diese aber in einer freundlich anerkennenden, jedoch eigenen Weise darstellen. Das gelingt hier gut. Flix nimmt viele Elemente der Serie mit hohem Wiedererkennungswert auf, Kleist zeichnet die Figuren erkennbar und anders.

Die Idee, klassische Figuren der deutschen Literaturgeschichte in den Wilden Westen zu verpflanzen und sie dort als Fremdkörper agieren zu lassen, hat ihren Charme, wird außerhalb von Deutschland aber kaum funktionieren. Und insofern bestätigt dieser Comic sich in gewisser Weise auf der Metaebene selbst. Wie immer gibt es neben der Softcover-Kioskausgabe auch eine gebundene für den Buchhandel und eine limitierte Vorzugsaugabe mit Variantcover und Gimmicks.

Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit „Western Stars“ und ein Bulleit Rye.

© der Abbildungen © Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

ZACK 323 (Mai 2026)

ZACK 323

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Kaum werden die Nächte kürzer, sitzt schon ein Buckliger mitten in der Nacht auf einem Gargoyle … Die Mai-Ausgabe des ZACK bringt wieder frischen und sehr abwechslungsreichen Lesestoff.

Cover ZACK 323

Die Neustarts

Wow, ein Heft für alle, die schon immer auf eine gute Gelegenheit zum Start gewartet haben, gibt es doch zwei komplette Neustarts und eine erste Kurzgeschichte von einer neuen Heldin.

Beginnen wir mit dem Coverboy, dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater ist der Titel der neuen Episode von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner. Karl VIII. sitzt auf dem französischen Thron, die Herrschaft wird allerdings durch die Aktivitäten von Louis d´Orléans bedroht. Es scheint zwei Dokumente zu geben die beweisen, dass Louis nicht der Sohn von Charles ist. In diesem Fall hätte er keinen Anspruch auf den Thron. Während Pierre und Quasimodo, der Bucklige, auf Seiten von Louis stehen, schickt die Schwester des Königs ihre grausamen Handlanger aus. Spannende und gut gezeichnete History-Serie.

ZACK 323 page 5

Ebenfalls neu ist das erste „lange“ Abenteuer der beiden Detektive Harry & Platte von Denis Lapière und Alain Sikorski. Band 41 heißt Feuer und Schwert und bringt die beiden wie auch schon in den Kurzgeschichten dichter an die Jetztzeit; sie müssen herausfinden, wer einen Virus in die IT einer Kapitalanlagegesellschaft bringen konnte. Klassische frankobelgische Zeichenkunst in modernem Layout und spannend obendrein!

ZACK 323 page 55

Bob Morane kennt jede*r ZACK-Leser*in, aber Caro Morane? Wie bereits vor einigen Ausgaben eingeführt, ist Vernes, der literarische Schöpfer von Bob, der Vormund von Caro. Die Geschichten beruhen angeblich auf den Erzählungen eines Zeitreisenden. Caro, mittlerweile eine junge Frau, macht sich in Kuba auf die Suche nach ihrer Herkunft und trifft dort auf Fidel … Spannendes, ursprünglich schwarz-weißes Experiment von Phil Cottarel! Der Hinweis auf Band 2 ist im Übrigen ein Druckfehler.

Picture ZACK 323 page 43

Die Fortsetzungen

Der Roadtrip Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre geht bereits in die dritte Runde von Brückenbauer. Noch immer sitzen die beiden in dem kleinen spanischen Dörfchen fest. Ihre neue Unterkunft erweist sich als frühere Strandbar und so prallen Erwartungen der Bevölkerung und Ambitionen der „Helden“ nicht wirklich zielgerichtet aufeinander. Die beiden spielen weiterhin lustvoll mit Vorurteilen und teilen kräftig aus.

ZACK 323 page 27

Und auch das grafisch anspruchsvolle Libertalia geht weiter. Der Tod der jungen Frau wird zwar gerächt, es handelt sich aber um einen Fall von Selbstjustiz. Das Experiment ist gefährdeter denn je. Zudem ist natürlich auch fast die gesamte Welt hinter den Freibeutern her. Ein freiheitliches Experiment darf keinesfalls gelingen und zu einem gesellschaftlichen Gegenentwurf aufsteigen. Die Wege zur Hölle beschreiben Rudi Miel & Fabienne Pigière sehr eindringlich – Anarchie ist alles andere als einfach. Paolo Grello setzt die Geschichte in Bilder um.

Detail ZACK 323 page 69

Der Abschied

Vorerst verabschiedet sich das Western-Genre wieder aus dem ZACK, denn Ray Ringos Rückkehr endet zunächst. Rays Zukünftige, Lean, konnte zwar befreit werden, musste von Ray aber in einer Höhle zurückgelassen werden. Sie ist jedoch nicht gewillt, dort zu bleiben und macht sich auf den Weg, nur um von ihren ehemaligen Peinigern aufgelesen zu werden. Das Finale von Devil’s Gate ist blutig und hat einen Cliffhanger, der es in sich hat. Glücklicherweise ist der Vertrag für den Abdruck des zweiten Bandes von Éric Corbeyran und Roman Surzhenko bereits unterschrieben.

ZACK 323 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft stammen von dem Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi. Dazu stellt der Verfasser dieser Zeilen Simba Lee von Charlier und Herbert vor und Bernd Hinrichs den lesenswerten Band Siehst du es? über Siegfried Lenz. Abgerundet wird das Heft mit News, Meinung und Rezensionen sowie dem Rückblick auf das ZACK vor fünfzig Jahren.

Dazu passen The Pioneers mit „You keep telling me“ und ein Aperol Spritz.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Duval/Funcken – ZACK Spezial 17: Leutnant Burton

Serenade in Colt-Dur

Story: Yves Duval

Zeichnungen: Liliane & Fred Fucken

Originaltitel: Lieutenant Burton

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 17

Das ZACK war besonders zu seinen Koralle-Zeiten bekannt für die Westernserien: Leutnant Blueberry, Comanche, Hondo (=Ray Ringo), Lucky Luke, Häuptling Feuerauge und noch mehr! Außer zu den unsäglichen Wiechmann-Zeiten hätte auch Leutnant Burton in das Magazin gepasst. Vermutlich hätte man die Kurzgeschichten aber ummontiert und in die ZACK-Parade gepackt. Wie dem auch sei, nun haben sie den Weg nach Deutschland geschafft.

Tapfer, edelmütig und redlich

Zwischen 1962 und 1967 erschienen insgesamt 13 Kurzgeschichten im Journal Tintin resp. Kuifje über den Soldaten des 7. Kavallerieregiments der US-Armee. Die Geschichten spielen in etwa zwischen 1867 und 1875 und stammen von Yves Duval, der sie allerdings teilweise unter seinem Pseudonym Michel Deverchin veröffentlicht hat. Der Offizier steht für Gerechtigkeit, Ehre und Aussöhnung, und bildet daher ein Ideal ab, das im Zuge der Vietnam-Proteste und der 68-er immer mehr in Frage gestellt werden wird.

In vier- bis fünfseitigen Geschichten, die erste ist sogar noch im Querformat, wird der Offizier zusammen mit seinem Sidekick Sgt. Kinsley in verschiedene, oft archetypische Situationen verwickelt. Er muss mit einem Offizier einer anderen Einheit darüber streiten, wer tapferer ist, muss Frieden stiften und aufgebrachte Parteien auf beiden Seiten beruhigen und schließlich auch mit Zivilisten umgehen.

ZACK Spezial 17 page 7

Die Stories passen in den Rahmen der belgischen Comic-Magazine der damaligen Zeit. Im Grunde handelt es sich um Pfadfinder-Motive und auch die Armee wird nicht wirklich als eine Truppe dargestellt, die für mörderische Massaker verantwortlich war, gleichzeitig aber auch immer in der Gefahr stand, selbst einem Angriff zu unterliegen. Trotzdem sind sie so geschickt aufgebaut, dass sie auch heute noch lesbar sind.

Realismus pur

Das Ehepaar Liliane und Fred Fucken stellt im Bereich der frankobelgischen Comiczeichner*innen der 50er und 60er Jahre eine Ausnahme dar, arbeitete doch hier ein Ehepaar zusammen an den Seiten und benannte das auch als gemeinsame Tätigkeit. Die beiden hatten den typischen Weg hinter sich und mit Illustrationen und Aufgaben innerhalb einer Serie von Kurzgeschichten angefangen. Als ihr Talent bemerkt wurde, erhielten sie mehr und mehr Gelegenheit zu eigenen Arbeiten.

ZACK Spezial 17 page 8

Die realistischen Zeichnungen basieren auf akribischer Recherche, besonders bezüglich der Technik und der Militärkunde. Und so haben die beiden schließlich nicht nur das Wissen in Comics angewendet, sondern auch eine umfangreiche, 18-bändige Sammlung über heereskundliche Forschungen herausgebracht, die auch heute noch als Referenzwerk gilt.

Ein klassischer Western

Die Reihe ZACK Spezial sammelt Perlen der heute fast vergessenen Hochzeit des frankobelgischen Comics und präsentiert diese – oft genug als deutsche Erstveröffentlichung – in ansprechender Aufmachung und zu einem fairen Preis. Das Nachteil, den man dafür gerne in Kauf nimmt, ist, dass die limitierten Bände (in diesem Fall 555 + 55 Exemplare) nicht über den Buchhandel, sondern im Wesentlichen nur über den Verlag bezogen werden können. Dafür kann dort allerdings auch gleich ein passender Druck mitbestellt werden.

Druck ZACK Spezial 17

Die ersten 12 Bände dieser Reihe sind bereits vergriffen, es lohnt sich also bei Interesse nicht zu lange zu warten. Neben den Fans der Klassiker können bei der Serenade in Colt-Dur auch Western-Fans unbedenklich zugreifen: spannende und abwechslungsreiche Kurzgeschichten im erwarteten Themenumfeld, meistens mit einem kleinen „Extra“.

Dazu passen Billy Bob Thornton zum Beispiel mit „That Mountain“ und ein classic Bourbon!

© der Abbildungen Funcken/Duval – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH

Oesterheld/Pratt – Sgt. Kirk 2

Zweite Epoche

Story: Héctor Oesterheld

Zeichnungen: Hugo Pratt
Originaltitel:
 Sargento Kirk; Misterix 264 – 265, 266 – 267, 268 – 269, 270 – 272, 273 – 275, 276 – 277, 278 – 280, 281 – 283, 297 – 302, 303 – 308.

schreiber & leser

Hardcover | 196 Seiten | Farbe | 32,80 € | ISBN: 978-3-96582-218-4

Cover Sgt. Kirk 2

Band 1 dieser auf vier Teile angelegten Gesamtausgabe der schwarz-weißen Geschichten über den ehrenwerten Soldaten Sgt. Kirk, der das Gewissen höher hält als Befehle, hatte es auf comix-online zum Comic des Jahres geschafft.

Was ist gerecht?

Der Grundkonflikt der Geschichten von Hector Oesterheld ist natürlich geprägt durch die politische Situation in Argentinien, dem Heimatland des Autors und der aktuellen Wahlheimat des Zeichners Hugo Pratt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Land gespalten. Während einerseits hunderte von Nazis dort Asyl fanden und eine wichtige Rolle in der lokalen Gemeinschaft zu spielen begannen, war die Mehrheit der armen Bevölkerung politisch eher links eingestellt. Mehrere, schließlich erfolgreiche Militärputsche waren die Folge; Oesterheld selbst fiel dem letzten zum Opfer und wurde verschleppt und getötet.

Diese sehr oft gewaltsam ausgetragenen Gegensätze fanden ihre Entsprechung in den Kämpfen der oft tumben und ehrenlosen „Weißen“ gegen die eher naturverbundenen, nicht weniger brutalen, aber ehrenbewussten „Indianer“. Zwar gibt es auf beiden Seiten auch individuelle Abweichungen, das Prinzip aber stimmt. Und so ist Kirk, der immer wieder versucht, sich selbst so zu verhalten, dass er auf sich selbst stolz sein kann, ein Wanderer zwischen den Welten.

Sgt. Kirk 2 page 10

Von den Indianern als einer der ihren anerkannt, gilt er für die Weißen als Renegat und wurde zum Tode verurteilt. Um weiteres Töten in seinem Namen zu verhindern, beschließt er sich zu stellen. Seine Freunde inszenieren aber einen Angriff aus das Fort um ihn zu befreien und so muss er sich erneut taktisch falsch entscheiden. Die einzelnen zunächst im Misterix erschienenen Geschichten ergeben eine zusammenhängende Geschichte, erlauben aber trotzdem ein Einsteigen. Schließlich wollte man das Magazin ja auch an neue Leser*innen verkaufen können.

Die Kraft der Schatten

Pratt war schon immer jemand, der mit wenigen Strichen nicht nur Atmosphäre erschaffen, sondern auch eine Geschichte in einem Panel erzählen konnte. In diesen Bildern kommt aber auch seine Fähigkeit zum Tragen, den Schatten meisterhaft zu verwenden. Damit kreiert er nicht nur Tiefe, sondern auch Stimmung. Es war allerdings nicht nur die künstlerische Entscheidung, die zu diesen Techniken führte, es lag auch an der Qualität des benutzten Papiers, rau und saugfähig, wie es war.

Sgt. Kirk 2 page 11

Die Zeichnungen bieten alles, was die Liebhaber*innen eines klassischen Westerns sehen wollen: Pferde, Rodeo, Indianer und Soldaten, Kämpfe, Szenen im Fort, die unermesslich schöne, aber auch gefährliche Landschaft und die Lagerfeuerromantik. Sie stehen aber auch im Ziel der Zeitungsstrips und der Sonntagsseiten und erzählen in kleinen Häppchen eine große Geschichte.

Moderner als mancher glaubt

Die Frage nach der Ehrenhaftigkeit des eigenen Tuns, der Wunsch, das Handeln selbst dann an moralischen Leitlinien auszurichten, wenn es den Tod bedeuten könnte, ist keinesfalls altmodisch. Gerade heute in einer Zeit der sich überlappenden Krisen ist es wichtig, den moralischen Kompass zu beachten. Auch insofern ist Sgt. Kirk ein wichtiges Werk! Es macht aber auch Spaß, den Western zu genießen, der immer wieder auf großartige Filme des Genres verweist.

Logo Sgt. Kirk 2

Zudem ist auch die Ausgabe ein paar Zeilen wert! Das Hardcover wirkt hochwertig, der gut zu lesende Anhang verweist in vielen kleineren Abschnitten auf historische Hintergründe der Geschichte selbst oder der Autoren sowie auf die Reminiszenzen. Dazu kommen ein paar kolorierte Titelbilder der italienischen Rintintin & Sgt. Kirk-Ausgaben.

Dazu passen Marty Robbins mit „The Hanging Tree“ und ein Cactus Jack.

© der Abbildungen 1953, Cong S.A., Schweiz | 1953 Hoirie Oesterheld | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

ZACK 322 (April 2026)

ZACK 322

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 322

Nach der Wärme kommt die Kälte zurück – so ist das Aprilwetter nun Mal. Umso besser, dass auch das ZACK 322 vollgepackt ist mit Comics und Informationen und dem Regen und Hagel somit den Schrecken nimmt.

Der Neustart

Das Coverbild zeigt einen der blutverschmierten Piraten aus der Serie Libertalia, die mit Die Wege zur Hölle in ihre letzte Runde startet. Ein Schiff kehrt zurück nach Libertalia, dem Rückzugsort an der Küste von Madagaskar, an dem alles anders sein sollte: gleichberechtigt, ohne Rassismus, und ohne äußere Zwänge. Wie so oft bei vergleichbaren Experimenten gibt es aber immer wieder einige wenige, die nicht mitspielen wollen und die Idee gefährden. Das ist hier auch nicht anders, einige Männer meinen, Frauen nicht nur benutzen, sondern auch töten zu können und sollen nun belangt werden. Kann die Idee überleben? Graphisch heraufordernde, aber überzeugende Serie mit Bildern von Paolo Grello nach Texten von Rudi Miel & Fabienne Pigière.

ZACK 322 page 5

Auch Neu ist Cor Morelli. Ein Mann fühlt sich verfolgt und kann sich nicht wirklich erklären, warum. Dabei ist es nur Der Nächste! Kein schlechter Anfang für Aloys Ooster.

ZACK 322 page 80

Die Fortsetzungen

Charel Cambré und Marc Legendre lassen sich selbst in Heute frischer Fisch auftreten. Auf ihrer Reise in den Süden, um neuen Stoff für ihre Comics zu finden, sind sie in einem kleinen Dorf gestrandet und aufgrund eines Erdrutsches von der übrigen Welt abgeschnitten. Das hindert sie allerdings nicht daran, weiterhin in jedes Fettnäpfchen zu treten und sich Feinde zu machen. Nicht immer PC, aber sehr spaßig!

ZACK 322 page 21

Ray Ringo, ZACK-Held von früher, ist mit einem Re-Boot zurück und überzeugt mit einem sehr klassischen Western, der natürlich an die heutigen Anforderungen angepasst ist. Nachdem Ringo seine Verlobte befreien konnte, erfährt er mehr über ihre Vergangenheit und auch über die der Mormonen, die er bereits kennengelernt hat. Beide Seiten sorgen dafür, dass ihre Ausgangsposition an Stärke gewinnt. Devil’s Gate von Éric Corbeyran geschrieben bleibt spannend, allerdings wesentlich unterstützt durch die sehr dynamischen Zeichnungen von Roman Surzhenko!

ZACK 322 page 33

Die Abschiede

Gleich drei Geschichten finden in dieser Ausgabe ihr Ende! Den Anfang macht Jeff Mistral mit Nahtoderfahrung. Der Franzose Olivier Andrieu war seines Jobs im Computerbereich überdrüssig geworden und hat eine Figur entwickelt, die an die klassischen frankobelgischen Detektive der 60-er erinnert. Humor, spannende Wendungen und gute Zeichnungen von Alain Julié machen die Serie zum Vergnügen, nicht nur für Fans alter Autos! Einzig das Lettering könnte etwas weniger aufdringlich ausfallen. Der zweite Teil ist schon fertig!

ZACK 322 page 47

Ebenfalls fertig hat Michel Vaillant. Erlösung trifft es allerdings nicht ganz. Zwar scheint der Substrang mit der Atomwaffendivision zunächst abgeschlossen zu sein, der Kampf gegen den Krebs ist es aber noch nicht. Und natürlich geht es auch um Rennen, stehen doch die 500 Meilen an: Steve kann nicht fahren, Michel wollte eigentlich nicht und Elsa steht vor einer großen Bewährungsprobe. Tolle Rennszenen von Marc Borugne & Eilam nach einer Story von Daniel Lapiere.

ZACK 322 page 65

Und schließlich ist auch der ZACK-Held der letzten Jahre, Rick Master, schon wieder als Abschied zu vermelden. Dead Sugar ist sicherlich eine seiner größten Herausforderungen, setzt sie doch darauf, Kriminelle nicht einer ungewissen Behandlung durch die Justiz zu übergeben, sondern zu erschießen. Als Nadine bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt wird, stellt sie Rick vor eine Wahl. Nach etwas müdem Anfang hat die Story doch noch die Kehrtwendung geschafft und ist eine Fragen aufwerfende, spannende Geschichte geworden, die gleichzeitig die Figur der Nadine vom Sidekick zu mehr Eigenständigkeit verholfen hat. Gute Leistung von Simon Van Liemt mit ansprechenden Zeichnungen von Zidrou.

ZACK 322 page 85

Und sonst?

Dazu der zweite Teil des Interviews mit Dany, der sich in seinen Aussagen etwas verrennt, ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die neue Reihe Elang Jawa in der ZACK-Edition, der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und News und Meinungen von Frank Neubauer.

Dazu passen Joe Jackson mit „I’m the Man“ und ein Frühlingsbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Appollo/Brüno – Lucky Luke Hommage 7

Dakota 1880

Story: Appollo

Zeichnungen: Brüno

Originaltitel: Lucky Luke – Dakota 1880

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1031-6

Cover Lucky Luke Hommage 7
(c) Lucky Comics 2026

Lucky Luke ist der wohl bekannteste europäische Comic-Westernheld. Seit mittlerweile fast 80 Jahren ist der Mann, der schneller schießt als sein Schatten im Namen der Entrechteten unterwegs. Mal buchtet er die entflohenen Daltons wieder ein, mal muss er sich mit Familienkonflikten, diplomatischen Verwicklungen oder sonstigen Katastrophen auseinandersetzen. Sein letztes reguläres Abenteuer handelte von der Abwendung einer Bierkrise. Wie bei vielen anderen Serien auch, hat sich mittlerweile ein ganzes Universum um ihn herum gebildet. Zwar wurde ein ihm gewidmetes Magazin wieder eingestellt, es existier(t)en aber Subreihen, die seiner Jugend oder dem tierischen Sidekick Rantanplan gewidmet waren. Dazu kommen die Hommage-Bände, in denen andere Künstler gebeten werden, ihre Variante zu erstellen.

Eine Reise durch den Westen

Der jetzt erschienene Band DAKOTA 1880 gehört in diese Kategorie. Appollo bezieht sich auf ein Buch des Schriftstellers Baldwin Chenier. Dieses lange vergriffene Artefakt lässt zusammen mit älteren Dime-Novels vermuten, dass die Figur des Lucky Luke tatsächlich existiert haben könnte. Der Autor beschreibt mit einigen Freiheiten, wie sich die im Buch beschriebene Reise abgespielt haben könnte. Er erzählt in kurzen Kapiteln, wie sich der spätere Autor und unser Held, der als Shotgun auf einer Postkutsche unterwegs war, kennen gelernt haben.

Natürlich gehört dazu auch, die Geschichte seines Namens zu erzählen. Das namensgebende Glück ist gleichzeitig eine Prophezeiung als auch das Ergebnis des Trainings. Natürlich muss auch der Beiname erklärt werden: Der Bezug zu den damals üblichen Schießwettbewerben ist historisch auf jeden Fall möglich. Für Fans ist es ein Bonus, dass in den meisten Kapiteln auch Bezüge auf die Erlebnisse des Cowboys eingeflochten werden.

Die Geschichte spielt einerseits sehr clever mit den Erwartungen der Leser*innen, die die Figur nach mittlerweile rund 100 Bänden natürlich sehr genau kennen, und den Verknüpfungen mit der „echten“ Geschichte des Westens. Und auch der subtile Witz, der Zeitbezüge und Stereotypen einbezieht, kommt nicht zu kurz!

Ein „erwachsener“ Stil!

Brüno zeichnet den Helden als auf das Wesentliche reduzierte Figur. Die so oft missratene Mundpartie wird, wenn nicht unbedingt erforderlich, einfach weggelassen. Der in die Länge gezogene Kopf wirkt dadurch charismatisch, aber auch etwas eigenbrötlerisch. Der Held erscheint dadurch gleichzeitig unnahbar als auch engagiert. Oft verwendet der Zeichner eine eingeschränkte Auswahl an Farben. Obwohl alle Details vorhanden sind, ist die Wirkung plakativ.

Der Story entsprechend werden liebgewonnene Nebencharaktere nicht benötigt. Dazu gehört einerseits das „mitdenkende“ Pferd Jolly Jumper, das nicht zur Wirklichkeitstheorie passt. Dementsprechend kann auch Rantanplan keine Verwendung finden. Menschliche Mitspieler tauchen aber auf und erinnern auch – wenngleich ebenfalls reduziert – an ihre bekannten Auftritte. Diese Spannung aus eigenem Stil und Referenzen an das Bekannte ist sehr reizvoll und macht Spaß!

Logo 80 Jahre Lucky Luke
(c) Lucky Comics 2026

Nicht nur für Fans!

Die Bände, in denen bekannte Künstler*innen etablierte Figuren interpretieren, sind nicht immer geeignet für ein größeres Publikum. Teilweise setzen sie ein vertieftes Wissen über die Serie und ihre Abläufe voraus und präsentieren viele „Insiderwitze“, die ohne den Hintergrund kaum verständlich sind.

Appollo und Brüno gelingt mit Dakota 1880 aber das Kunststück, einerseits die Fans mitzunehmen und eine eigenständige „Origin-Story“ zu erzählen, andererseits aber auch eine vollkommen eigenständige Erzählung aus dem Western-Genre abzuliefern. Der Band, der wie bei Egmonts Lucky Luke und Asterix-Reihen üblich, sowohl als Softcover für den Kiosk als auch als Hardcover für den Buchhandel erscheint, ist somit auch ohne Vorwissen ein Vergnügen für alle und insofern ein gelungener Auftakt für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Stay tuned!

Dazu passen klassische Country- oder Western-Songs eurer Wahl und ein einfacher Bourbon.

© der Abbildungen Lucky Comics 2026 | Egmont EHAPA Media GmbH, Berlin 2026

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