Ein neuer Comic über die Kreuzzüge? Mit Blut und Schwert gegen die Ungläubigen und Hau-Drauf?
Der Inhalt
Nein, Jelmer ist anders! Eigentlich möchte der Held der Abenteuer gar nicht in den Krieg ziehen, sondern in seinem Friesland für den Unterhalt seiner Familie sorgen. Doch es kommt anders und so sticht eine große Gruppe Friesen in See um für die Befreiung Jerusalems zu streiten.
In verschiedenen Rückblicken wird diese Fahrt geschildert
und auch gezeigt, wie willkommen die Pilger für alle Beutelschneider und
Taugenichtse waren. Schließlich hat der Tross 1218 Damiste, eine Stadt in
Ägypten, erreicht. Die Stadt blockiert durch eine zwischen ihren Stadtmauern
und einem auf einer kleinen Insel in der Mündung gebauten Turm gespannte Eisenkette
die einfahrt in den Fluss und damit den Zugriff auf das Hinterland.
Damiste scheint zunächst einmal uneinnehmbar doch Jelmer scheint vom Herrn ausgewählt und sein Freund und Begleiter ist ein innovativer Baumeister. Werden die beiden das Blatt wenden können? In einem parallelen Strang fragt sich Jelmer immer intensiver, ob seine Vorstellung von religiösen Pilgern, die die Heilige Stadt demütig befreien werden, und die Wirklichkeit zueinander passen.
Das Szenario stammt von Josse
Pietersma, der im Anhang auch näher vorgestellt wird. Eigentlich hatte Josse Geschichte studiert und war damit
weit weg von Comics. Es ergab sich aber ein Erkenntnisgewinn, dass über dieses
Medium Inhalte gut vermittelbar sind. Dem verdanken wir nun diese Serie, die
natürlich eine fiktive Geschichte erzählt, sich dabei aber immer en g an
bekannte Fakten hält.
Das Artwork
Roetof Wijtsma ist
schon etwas bekannter, läuft sein Fußball-Strip über Roel Dijkstra doch schon etwas länger. Hier darf er zeigen, dass er
auch die Vergangenheit darstellen kann: Farbpalette, Dekors, Gebäude, Kleidung
und Frisuren bedürfen einer großen Recherche, wenn sie glaubhaft sein wollen
und dürfen doch nicht steif und lehrbuchartig daherkommen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Mischung aus realistischem Hintergrund und leicht überzeichneten Gesichtern in der Nahaufnahme passt gut zueinander und nimmt uns als Leser*innen von Anfang an mit. Die Sorgen der zurückbleibenden Familien drücken sich genauso glaubhaft aus wie die Horden von Geschäftemachern vor den Sehenswürdigkeiten der Pilgerfahrt und der Luxus der Priester in ihren Zelten!
In Jelmer stehen
nicht die heldenhaften Ritter in ihren Schlachten im Vordergrund, sondern die Mitglieder
des einfachen, gutgläubigen Fußvolks, das zu Tausenden geopfert wurde.
Da der zweite Band schon für Oktober kommenden Jahres
angekündigt ist, würde sich auch eine Übersetzung in das Deutsche anbieten. Natürlich
gibt es einen Bezug zu den niederländischen Friesen, das sollte aber kein Hindernis
darstellen.
Dazu passen ein Abteibier (Karmeliet) eurer Wahl und The Templars aus NYC.
In der Klassiker-Reihe gibt es heute exemplarisch eine
doppelte Klassikereigenschaft zu würdigen:
Wie schon erwähnt hat das MOSAIK in diesem Jahr seine
750-ste Ausgabe feiern können. 1955 war die erste Ausgabe mit den Abenteuern
von Dig,
Dag
und Digedag
erschienen und die von Hannes Hegen
erfundenen Helden wurden fortan über 20 Jahre von einem Kollektiv getextet und
gezeichnet bis es zum Bruch mit Hegen
und schließlich zu den Abrafaxen als
neuen Stars des MOSAIK kam. Schon ab der Nummer 13 gab es das Konzept, mehrere
Hefte zu einer Serie zusammenzufassen, und ab den 80-er Jahren wurden die als
Heft schnell vergriffenen Hefte in Sammelbänden nachgedruckt. Das alleine
begründet schon eine Klassifizierung als „Klassiker“!
Die Sammelbände der MOSAIK-Ausgaben von Hannes Hegen sind auch heute noch in der Version des Tessloff-Verlages lieferbar. Die hier exemplarisch besprochene Ausgabe der „Digedags in Amerika“ aus dem Jahr 1989 stammt aber auch in der 7. Auflage noch vom Verlag Junge Welt Berlin/DDR. Es handelt sich dabei um eine großformatige Sonderausgabe, die so nicht fortgesetzt wurde. Hinweis: Die Sammelbände der Abrafaxe-MOSAIK erscheinen wie auch die aktuellen Hefte im Mosaik Steinchen für Steinchen-Verlag. Dort erschien auch ein Poster mit allen Mosaik-Covern und Serienzuordnungen der Hefte.
Ein kurzer Rückblick
Das Ende der deutschen Teilung hat sich jetzt gerade das dreißigste Mal gejährt und fast die gesamte arbeitende deutsche Bevölkerung hat mittlerweile länger nach als vor der Maueröffnung gelebt. Auch 1989 hatte zunächst zwei völlig getrennte deutsche Staaten gesehen. Die dann folgenden Ereignisse in der Deutschen Botschaft, der Maueröffnung und schließlich der Vereinigung sind wohl bekannt.
Im Westen hatte die Regierung Kohl die geistig-moralische
Wende über das Land gebracht, die Neue Deutsche Welle und andere Subkulturen
waren verebbt, das Niveau des deutschen Fernsehens erheblich gesunken aber
Comics hatten es geschafft, nicht mehr als Schmutz und Schund diffamiert zu
werden.
Im Osten dagegen waren Subkulturen zwar klein, aber
lebendig, der Frust der Bevölkerung wurde immer größer und der Mut, diesen zu
zeigen, auch. Selbst wenn die Abschottung gegenüber kapitalistischer und
imperialistischer Kultur nicht mehr so explizit wir früher war (das Jugendradio
DT 64 war z.B. trotz meiner „West-Jugend“ der bevorzugte Musiksender), waren
westliche Comics doch Mangelware. Das MOSAIK war ein dagegen ein vielgelesenes
und qualitativ hochwertiges Eigenprodukt und hat zurecht bis heute überlebt.
Es hatte zu Beginn auf Sprechblasen gesetzt, diese aber nach kurzer Zeit doch wieder durch Texte unter den Bildern ersetzt. Ob der Grund tatsächlich die ungestörte Bilddarstellung war oder doch die vermutete höhere Wertigkeit von Bildergeschichten gegenüber Comics darf sicherlich bezweifelt werden. Die aktuellen ausgaben sind schon seit langem wieder mit Sprechblasen versehen.
Der Inhalt
Insgesamt umfasst die Amerika-Serie die Hefte 152 bis 211
und bildet den vorletzten Zyklus der drei Kobolde. Das erste Heft erschien
1969, also fast zeitgleich mit der westlichen Jugendrevolte gegen Vietnamkrieg,
Rassismus und für freie Liebe. Von solchen Entwicklungen sind die Digedags
natürlich nicht betroffen, spielt ihre Geschichte doch im Jahr 1860. Trotzdem
passen sie in die Zeit, denn das während der Verwicklungen gefundene Gold soll
zur Befreiung der schwarzen Sklaven genutzt werden.
Die Zeitreise führt die drei Helden nach New Orleans wo sie es
schaffen, als Zeitungsreporter eingestellt zu werden. Schon damals nahm man es
mit der Wahrheit nicht so genau und so werden Meldungen „größer“ als bei der Konkurrenz
um Leser*innen zu gewinnen. Im Endeffekt führt das zu einer Wettfahrt zweier
Flussschiffer um 10.000 Dollar. Dabei ist die eine Seite klapperig, aber
herzensgut, die andere blinkend und fies.
Eingeführt wird auch der junge Ben, ein Sklave, der ein über Bord geworfenes Banjo an sich nimmt und in einer wilden Jagd fliehen muss. Szenen wie diese machen den Reiz der Serie aus, denn obwohl heutigem Tempo vielleicht nicht mehr entsprechend entwickeln sie eine Dynamik, die mit anderen Mitteln geschaffen wird als im frankobelgisch oder gar westdeutsch/Kauka geprägtem Gegenstück.
Die Abenteuer der Digedags sind ein Teil der Deutschen
Kulturgeschichte und gehören somit zu mindestens exemplarisch in jede Sammlung.
Sie erlebten Abenteuer zu einer anderen Zeit, vor allem aber in Regionen, die
von den Bewohner*innen der DDR nicht besucht werden durften und erlaubten somit
eine kleine Freiheit. Natürlich sind die Texte nicht frei von Agitation,
triefen aber auch nicht davon. So sind die mitgelieferten geschichtlichen
Informationen kompatibel mit denen aus einem westdeutschen Geschichtsunterricht
in der Schule, die unterschwellige Interpretation vielleicht nicht immer.
Bildlich wirkt die klassische Form des Textes außerhalb des
Bildes etwas altbacken, die Zeichnungen können sich qualitativ aber durchaus
mit ihren westdeutschen Pendants messen!
Die besprochene Ausgabe wird durchaus von Zeit zu Zeit
angeboten und sollte um 10 bis 15 Euro kosten.
Dazu passen selbstgemachte Zitronenlimonade und der Auftritt
von Bruce Springsteen, Arlo Gurthrie
& Joe Ely mit Oklahoma Hills.
Und noch eine neue Serie mit dem Barbaren aus Cimmerien, der
alles war und scheinbar auch noch einige Zeit alles sein wird. Erdacht Anfang
der 1930-er Jahre für ein amerikanisches Pulp-Magazin brachte es der raue Krieger
schnell auf etwas über 20 Geschichten. Dann beging sein Autor Selbstmord und es
wurde ruhig. Zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde der
Krieger wieder entdeckt; Filme, TV-Auftritte, neue Bücher und Comic-Adaptionen
kamen in großer Zahl auf den Markt und wieder wurde es ruhig um den Helden als
ob er eine Pause zur Regeneration gebraucht hätte.
Nun geht es wieder Schlag auf Schlag mit den europäischen Adaptionen von Originalen aus der Feder Robert E. Howards, der im letzten Monat auf Deutsch neu gestarteten Serie Conan der Barbar und den noch kommenden Specials unter dem Titel Age of Conan sowie dem traditionsreichen Titel Savage Sword of Conan.
Die Geschichte
Der Reihentitel deutet es schon an; hier geht es um grausame, wilde Schlachten. Die diplomatischen Fähigkeiten werden im Zweifel eher andernorts beschrieben…
Während einer Schifffahrt überlebt Conan als einziger seiner Besatzung und wird von einem Freibeuter an Bord genommen. Sollte er überleben und daher an Land verkaufsfähig sein, wird einem anderen Gefangenen eine Belohnung versprochen. Tatsächlich päppelt der Sklave Conan wieder auf der jedoch keinesfalls bereit ist, verkauft zu werden und so singt das Schwert erstmalig. Dabei nimmt Conan ein kleines Schatzkästchen an sich. Die beiden Gefährten wider Willen schaffen es an Land und geraten dort schnell in einen Dungeon. Der Schatz in Conans Besitz scheint für einen bösen Zauberer sehr wichtig zu sein (Ja, natürlich geht es um Weltherrschaftspläne. Insofern ähneln sich James Bond und Conan mehr als vielen bewusst ist und auch der Wert der technischen Gadgets für den Ablauf ist gar nicht so unterschiedlich) und so kommt es zu vielen weiteren Situationen wo das Schwert und sein Kämpfer zeigen müssen, was sie so drauf haben.
Um eine Conan-Story „richtig“ zu machen gehören natürlich noch weitere Ingredienzien dazu: eine schöne Frau, gerne etwas undurchsichtig und mindestens halb-böse, sowie böse Magie. Beides kommt natürlich auch im Kult von Koga Thun nicht zu kurz!
Die Umsetzung
Marvel hat diese klassische Reihe 2019 erneut auf den Markt geworfen und Panini bringt die Stories jeweils in Sammelbänden heraus. Dieser erste Band umfasst die ersten fünf Hefte und wie gewohnt auch ein paar Abbildungen der regulären und Variant-Cover.
Gerry Duggan ist
kein Unbekannter; unter anderem hat er sich als Autor von Deadpool verdient
gemacht und er nutzt die Möglichkeit einer langen Storyline geschickt aus. Die Cliffhanger
sind groß genug für das monatliche Publikum und gering genug für die
Leser*innen des Paperbacks, die Geschichte kann sich über mehrere Orte langsam
entfalten und hat somit genügend Details, die bei 22 Seiten natürlich wegfallen
würden. Sie ist aber auch nicht zu lang.
Auch Ron Garney hat schon viele amerikanische Comics gezeichnet und sich auch schon als Kostümdesigner im Filmbereich verdingt. Sein Conan hat eine wenig zu viele Muskeln, sieht aber auch nicht aus wie ein künstlich aufgepumpter Berg. Die Bewegungsabläufe der Kämpfe, die Visionen und die gedrückte Atmosphäre im Dungeon gelingen ihm gut und auch der Seitenaufbau ist sehr flexibel.
Insgesamt also ein gelungener Start der neuen Reihe mit (in diesem Setting) glaubwürdiger Story, würdigen Gegnern und guten Artwork. Hübsch ist im Übrigen auch der Buchrücken mit dem Schwert als Rahmen für die Bandzählung! Gut ebenfalls, dass alle aktuellen Marvel-Reihen von außen im Regal gleich aus sehen.
Dazu passen eine Dose Faxe Danish Extra Strong und wütender Garagebeat von The Courettes, ebenfalls aus Dänemark!
Die französischen Kampfpiloten Mick Tanguy & Ernest Laverdure, Urgesteine des ZACK schon aus der Koralle-Ära, kehren mit den Sanddiamanten zurück. Es war schon immer ein Feature der Serie, aktuelle Inhalte aufzunehmen und so schicken Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl ihre von Sébastien Phillippe gezeichneten Helden in den Nahen Osten. Dort droht ein Krieg zwischen dem mit Frankreich verbündeten Dahman, parlamentarisch und relativ offen, und seinem Nachbarn Nijaq, einem Gottestaat. Aktueller kann ein Comic für technikbegeisterte Jungs wohl kaum sein und wir dürfen gespannt sein, wie die Integration der Politik gelingt. Der erste Teil lässt auf jeden Fall hoffen!
Die Fortsetzungen
Harmony geht mit Indigo fast schon in die Schlussrunde: Einerseits hat der militärische Drill dazu geführt, dass die Kinder ihre Fähigkeiten weiterentwickelt haben, er führt aber auch zu einer zunehmenden Konfrontation zwischen den Mutanten und ihren Bewachern. Es kommt sogar zu einem Aufstand!
Christopher Dantes
erzwingt die Konfrontation mit den Entführern seiner Tochter und muss dabei
einen herben Verlust erleiden. DerletzteAkt reduziert seine Mitstreiter weiter, bringt aber auch endlich –
zumindest für die Leser*innen – erste Anflüge von Klarheit in die vertrackte
Geschichte. Guter Thrillerplot von Boisserie
und Guillaume, routiniert umgesetzt
von Juszezak.
Die Serie Cassio
wechselt zwischen der Jetztzeit und der Vergangenheit hin und her. Der Titelheld
ist quasi unsterblich und im Konflikt mit seinem Halbbruder. Das Reich der Erinnerungen erlaubt auch
den Leser*innen die Teilhabe an den vergangenen Versuchen, den Konflikt zu
beenden. Alles läuft auf das große Finale hinaus, das noch zwei Teile entfernt
ist.
Die Erlebnisse von Michel Vaillant in Macau enden dagegen in diesem Heft. Werden Michel und Evelyne den Mordanschlägen entgehen können und das Material zur Aufdeckung des Betruges von Ethan Dasz übergeben können? Wird Steve Warson tatsächlich seine politische Karriere starten? Und außerdem gibt es ja auch noch das laufende F3-Rennen. Gelungenes Ende nicht nur dieses Bandes, sondern auch eines längeren Handlungsstranges.
Und sonst so?
Als redaktionelle Beiträge gibt es in dieser Ausgabe neben
einer Vorstellung der Serie Die Katze des
Rabbiners von Joann Sfar ein
Interview mit Jean-Claude Mézières.
Über Pierre Christin ist in der letzten
Zeit viel veröffentlicht worden und so ist der Zeichner der gemeinsamen Serie
Valerian & Veronique fast ein wenig untergegangen. Thomas Dräger beleuchtet mit seinen Fragen das gemeinsame Werk der
Beiden.
Dazu kommen die üblichen One-Pager Parker & Badger, der Vater der Sterne und Tizombi aber auch die erste Kurzgeschichte aus dem Rhonda-Universum von VanO: Das Mädchen aus Papier wirft einen genial schrägen Blick auf die Comicproduktion und geizt nicht mit Anspielungen auf die (nicht nur niederländische) Szene. Genial, lustig und ein unangekündigter Knaller!
Dazu passen The
Slackers und in Anbetracht der vielen bewegten Fahrzeuge in diesem Heft ein
Nojito.
Der Oktober bringt kurz nach der Jubiläumsausgabe im Mai eine Premiere: Zum ersten Mal überhaupt erleben die Abrafaxe ihre Abenteuer in der Jetztzeit! Manche Themen sind zu wichtig um erst in einigen Jahrhunderten in einer Rückschau betrachtet zu werden und genau darum geht es in dem in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft entstandenen Sonder-MOSAIK!
Keine einfache Lösung in Sicht
Wo kommt die Schokolade für den leckeren Kakao eigentlich her? Wie wird sie geerntet und wer verdient daran? Wie sieht es mit Kinder- oder Sklavenarbeit aus und gibt es nachhaltige Produktionen? Wenn ja, kann ich diese erkennen? Fragen über Fragen die in der Schokoladen-Expedition auf leicht verständliche Weise beantwortet werden.
Und da es heute auch andere Möglichkeiten als das Lesen eines langen trockenen Artikels gibt, ist das Ganze als typische Reisegeschichte mit den drei Abrafaxen aufbereitet worden. Der einzige Unterschied: sie spielt heute und zeigt daher auch allen Leser*innen auf, was man selbst ganz konkret sofort umsetzen kann. Dazu gibt es wie gewohnt lehrreiche und wissenswerte Details, Rezepte und Tricks. Wer es im Handel tatsächlich nicht mehr bekommen hat findet es auf der Seite des Ministeriums unter Publikationen.
Aber: Auch leicht verständlich bedeutet nicht einfach! Die Probleme sind viel zu weitgehend um einfach gelöst zu werden! Trotzdem muss man nicht zu Zusehen, sondern kann selbst anfangen, etwas zu tun.
Das Hanseabenteuer geht weiter
Auch die reguläre Ausgabe hat es in sich: In Piratengold treffen endlich die vier Schatzerben aufeinander! Wirklich? Nein, aber die vier Botschaften aller Schatzerben sind erstmals vereint und die Expedition zum daraus abgeleiteten Versteck verlässt den Hafen. Abrax und Califax treffen sich nach langer Zeit der Trennung endlich wieder und Herr Lüneborg spinnt weiter seine Fäden um seinen Reichtum zu mehren. Geht er dabei über Leichen? Der Mittelteil bringt wieder Wissenswertes aus der Zeit der Hanse und unterstützt das Thema des Heftes.
Rundum gelungene Mischung aus Spaß, Information und Bildung
und somit zurecht gefördert von der Stiftung Lesen!
Dazu passen Apfelsaft (selbst gesammelt?) und passend
zum Thema Knut Kiesewetter „Leeder vun
mien Fresenhof“.
Eigentlich ist es schade, dass die vorbildliche Integralausgabe der Abenteuer der ersten Menschen vor 100.000 Jahren mit diesem fünften Band ihren Abschluss findet! Edouard Aidans hat über 40 Jahre lang Teile dieser Serie geschrieben und gezeichnet und so mit ihr die glorreiche Zeit in Tintin, für das ZACK, aber auch die Direktveröffentlichung im Album, zuletzt bei Joker bereichert. Jetzt liegt die gute bis grandiose Serie erstmals komplett auf Deutsch vor. Und sie ist definitiv nicht nur für die Generation ZACK zu empfehlen!
Der Inhalt
Der letzte Band enthält die im Abstand von jeweils 10 Jahren erschienenen Alben 15 bis 17 sowie einen großen Bonusteil. Den Beginn macht aber wie gehabt Volker Hamann, der die Rückkehr Aidans zu Tintin sowie seinen Ausflug zu Andy Morgan beschreibt. In diesem Beitrag finden auch zwei spezielle Seiten aus Tintin ihren Platz: eine von Aidans gezeichnete Hommage an Rick Master und in deutscher Erstveröffentlichung eine Seite, die Leser*innen an die Vielfalt in Tintin heranführen sollte und innerhalb einer SF-Rahmenhandlung die einzelnen Serien (hier natürlich Tunga) vorstellte. Alle fünf redaktionellen Beiträge zusammen geben einen sehr guten Überblick nicht nur über Zeichner und Serie sondern auch die sich verändernden Rahmenbedingungen für Comics im Europa der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts!
Gesetze und Blutsbündnisse von 1984 zeigt einmal mehr, wie weit sich Aidans bereits vom reinen Abenteuer weg entwickelt hatte. Ohama, Tungas langjährige Gefährtin, war vor langer Zeit von dem Stamm der Ghmour aufgenommen worden. Nun ist sie eifersüchtig auf die neuen Frauen im Stamm, Ulcha und Ilcha (vgl. Band 4), die sich als Kämpferinnen profilieren. Viel schlimmer ist allerdings, dass ihr Bruder mit weiteren Angehörigen seines Stammes kommt um sie abzuholen. Nach seinen Stammesregeln zähle die Verbindung mit Tunga nicht, ein brutaler und skrupelloser Krieger hätte ein Recht auf sie. Natürlich opfert sich Ohama um Blutvergießen zu vermeiden und genauso natürlich versucht Tunga, sie zu befreien. Eine sehr kurzweilige und spannende Geschichte mit mehreren Ebenen. Die Zeichnungen bieten zum Teil filmische Sequenzen in grandioser Qualität, etwa wenn die Männer sich den Ghmour nähern. Zu erwähnen wäre noch ergänzend zu den bibliographischen Angaben im Integral, dass diese Geschichte in Deutschland im Mosaik-ZACK 113 bis 115 unter dem Titel Gesetz und Blut veröffentlicht worden ist.
Der Tod des Riesen von 1995 führt einerseits den Subplot um Nooun weiter, der als Auserwählter Kontakt zu Weisen hat. Diese versorgen ihn mit Wissen, das zu damaliger Zeit wahrscheinlich nicht vorhanden war, und bildeten schon immer eine Art zusätzliches SF Motiv in der Reihe. In dieser Folge wird aber der bisherige Rahmen der Serie verlassen (oder erweitert), denn die Held*innen begegnen einem Raumschiff mit menschlichen Wesen (und teilweise auch mit menschlichen Trieben). Der Erstkontakt hat, wenn er aus der Sicht der überforderten Steinzeitbewohner*innen geschildert wird, einen gewissen Charme. Der inhaltliche Schwenk ist zudem eingebettet in ein klassisches Setting mit einem Streit zwischen zwei weiteren Völkern in den die Gefährt*innen hineingezogen werden.
Auch die grafische Umsetzung ändert sich mit dieser
Geschichte und modernere Techniken und Möglichkeiten halten ihren Einzug in das
Repertoire des Künstlers. Zeichnerisch ändern sich vor allem die Figuren: Waren
anfangs die Münder nicht immer geöffnet, die Lippen schmal und die
Gesichtsfarbe eher einheitlich, zeigt sich in den neueren Arbeiten, dass Aidans
zwischenzeitlich an einer erotisch angehauchten Gag-Reihe gearbeitet hat: Die
Münder sind immer offen, die Lippen voll und farblich akzentuiert und das
Gesicht Ohamas sieht aus wie geschminkt, was durch das bessere Papier erst
möglich geworden ist! Zudem tauchen auch auf immer mehr Einzelbildern ihre
Brüste auf und ihre Bekleidung wird unpraktischer („Ohama möchte Tunga gefallen
und ihn überraschen“).
2004 erschien dann der endgültig letzte Teil, passenderweise mit Das letzte Ufer betitelt. Wieder werden die drei Hauptpersonen samt dem Säbelzahntiger in eine fremde und feindliche Umgebung geworfen. Sie könnte direkt den Pulps der 30-er Jahre entsprechen: eine einsame Insel, Dinosaurier und verschiedene feindliche Stämme von Ureinwohnern. Dazu kommt allerdings wie auch schon in dem vorherigen Band ein SF-Element in Form von weiterentwickelten Lebewesen. Stünde die Story alleine, wäre sie nicht schlechter als ähnliche und würde eine Verfilmung a la Jurassic Park sicherlich erwarten. Im Zusammenhang der 40-jährigen Geschichte von Tunga, Ohama und Nooun fallen die letzten beiden Geschichten allerdings etwas aus der Reihe. Dies liegt nicht an den nicht wirklich dazugehörenden Dinos, die es auch früher schon zu Auftritten gebracht haben, sondern vor allem an den eigentlich gar nicht notwendigen Gastspielen der Weiterentwickelten Wesen. Soviel Däniken muss gar nicht sein.
Zeichnerisch hat sich Aidans
mit diesem letzten Teil noch einmal modernisiert. Die Bilder sind einfacher
konstruiert und wirken zumindest mit ihren Hintergründen wie aus den Frühzeiten
der digitalen Gestaltung. Trotzdem aber immer noch ein Hochgenuss und besser
als so manch amerikanische Kost!
Bonus
Die letzten Seiten werden gefüllt mit Skizzen und Vorzeichnungen für die Figuren oder die Tierwelt. Dabei handelt es sich teilweise um Bleistift-/Kohlezeichnungen, es sind aber auch kolorierte Bilder dabei. Sie helfen, das Bild des Künstlers abzurunden und leisten somit ihren Beitrag zu einer rund herum empfehlenswerten Integralausgabe. Kult Comics hat in diesem Bereich mit den editoriellen Beiträgen, den Informationen zu den bisherigen Veröffentlichungen, den Comics und Texten selbst aber auch mit den zusätzlichen Abbildungen sicherlich Standards gesetzt.
Nicht verschwiegen werden soll natürlich die limitierte Vorzugsausgabe,
die wieder mit einem Alternativcover daherkommt und ein signiertes Ex Libris
enthält.
Dazu passen ein stark gehopftes Bier eurer Wahl und Musik
von The Dead South!
Nun ist der glorreiche Conan also auch wieder in seinen angestammten Gefilden bei Marvel unterwegs, bei Crom! Und dabei hat sich das Haus de Ideen wohl gedacht, dass klotzen allemal besser sei als kleckern. Wir dürfen also einiges erwarten in den nächsten Wochen und Monaten denn Panini Deutschland wird alle neuen Serien auch bei uns herausbringen. Zudem dürfen wir ja auch schon die Geschichten um Conan, den Cimmerier von europäischen Teams (Deutsch bei Splitter) genießen.
Die Frage
Zeit also für die Frage, warum der Held der amerikanischen Pulps aus den Anfängen der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts plötzlich so eine Renaissance erlebt? Der Barbar ist zunächst einmal jemand, der Probleme löst. Er zögert nicht, lässt seine Erfahrung aus hunderten von gewonnenen Kämpfen in seine Überlegungen einfließen und baut auf seine Körperkraft. Ja, er ist auch ein Menschenkenner und hat so manchen Verrat aber auch Freundschaft und Kameradschaft erfahren und ist furchtlos auch gegenüber dem Übersinnlichen, ein echter Mann also.
Er bietet damit eine Projektionsfläche für eine kleine Flucht aus dem Alltag, der geprägt ist von Zukunftsangst, der Klimakrise, dem politischen Wahnsinn in Nahost, dem drohenden Handelskrieg und nicht zuletzt der Genderfrage, die tradierte Rollenbilder (zurecht!) über den Haufen geworfen hat. Der Populismus feiert Erfolge und die Gladiatorenspiele, die heutzutage Fußball genannt werden, sind von Skandalen geprägt und von Transaktionssummen, die die Vorstellungskraft des Durchschnittsbetrachters um ein Vielfaches übersteigen. Zeit also auch hier für einfache Lösungen?
So einfach ist es sicherlich nicht! Die Gattungen der
Superhelden und der Space Opera sind jetzt per se sicherlich auch nicht von
Tiefgang geprägt und die eine oder andere Diversifikation in Richtung
feministischer Heldinnen oder LGTB ist alles andere als Mainstream. Graphic Novels
haben ihren Hype hinter sich und es eben nicht geschafft, die Unterhaltung zu
verdrängen. Das ist allerdings auch nicht schlimm: Fluchtliteratur und ihre
Entsprechungen in Film und Musik hat es schon immer gegeben und Unterhaltung
soll vor allem eins: unterhalten! Damit bleibt die Frage, ob die neuen
Geschichten um Conan, den Barbaren genau das liefern?
Die Umsetzung
Der Sammelband enthält die ersten sechs Teile der übergreifenden Saga ‚Leben und Tod des Barbaren‘ von Jason Aaron. Die einzelnen Teile spielen in bekannten Gegenden und auch in bekannten Settings, fügen den Originalen aber neue Facetten hinzu. Die einzelnen Hefte sind dabei eher Mosaiksteinchen in einem Fight zwischen der Priesterin des Razazel und dem Barbaren. Besagter Dämon möchte die Welt wieder betreten, braucht dafür aber das Blut eines Helden, der dem Tod schon oft erfolgreich gegenübergestanden hat. Conan möchte sich allerdings keinesfalls opfern lassen, tötet seinerseits nun die Hexe und trifft sie und zwei kleine Kinder, die als Hilfstruppe dienen, immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten.
Grundsätzlich hat diese Geschichte alles, was eine Conanstory benötigt: Kampf, Suspense und ein wenig Horror sowie verschiedene Völker aus dem hyborischen Zeitalter. Durch die verbindende Rahmengeschichte kann sie sogar mehr Tiefe schöpfen als eine einzelne Geschichte es könnte und die einzelnen Versatzstücke etwa der Hexe, die sich von blonden Vamp zur grausamen Priesterin wandelt und später als schlecht zusammengebastelter Zombie weitermacht oder der beiden Kinder sind sehr treffend. Die Neuinszenierung ist also durchaus gelungen.
Allein: Verglichen mit den alten Sachen, etwa von John Buscema aber auch anderen, die in Deutschland von Panini unter dem Label Generation Comics veröffentlicht wurden, fehlt der letzte Kick! Vielleicht ist doch etwas zuviel Superheldenkrams in den Arbeiten von Mahmud Asrar verblieben. Gerardo Zaffino hat dagegen eine zwar sehr nervöse, aber sehr eigenständige und herausstechende Episode abgeliefert, die mit der aktuellen europäischen Reihe oder den Marvel-Vorgängern durchaus mithalten kann! Vielleicht stört mich auch einfach die Farbe…
Eins aber kann ich der Serie nicht absprechen: Sie liefert
pure Unterhaltung, ist abwechslungsreich und spannend. Sie hat keine
versteckten Themen im Gepäck und keine Anspielungen, sondern ist purer Pulp!
Wer das mag wird hier richtig liegen. Mal sehen, wie sich die anderen Titel Savage Sword of Conan und Age of Conan schlagen werden.
Natürlich liefert Panini auch in diesem Band wieder
Abbildungen von den verschiedensten Variantcovern und zusätzlich ein Interview
mit dem Hauptzeichner Mahmud Asrar.
Dazu passen ein leicht würziger Rotwein aus dem
Mittelmeerraum und Gwar!
Charles Darwin
dürfte dem Namen nach jedem bekannt sein; seine fast fünfjährige Reise auf der HMS Beagle erlaubte ihm, unzählige Artefakte
zu sammeln, Theorien zu entwickeln und diente als Basis für sein
wissenschaftliches Werk, das die Naturwissenschaften revolutionierte und ihn in
scharfen Gegensatz zu der damaligen Auffassung brachte. Über diese Reise gibt
es bereits viele Bücher, nicht zuletzt von Darwin
selbst aber auch vom Kapitän der Beagle Fitz
Roy. Nun liegt eine Graphic Novel aus dem Knesebeck-Verlag vor, die diese Reise beschreibt.
Der Hintergrund
Darwin war ein etwas kränklicher junger Mann und so war die erste Hürde, die zu nehmen war, das Einverständnis des Arztes der Familie. Seereisen waren damals, wir schreiben das Jahr 1831, noch etwas anderes: ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Die Überfahrt war gefährlich, Kommunikation nur möglich, wenn man ein anderes Schiff traf oder während des Aufenthaltes in einem Hafen und es gab genügend Hinweise auf Kannibalen und feindlich gesinnte Bewohner unbekannter Landstriche.
Zudem waren die Schiffe der damaligen Zeit zwar durchaus
seetauglich, Luxus wie auf einer heute so beliebten Kreuzfahrt war aber nicht
zu erwarten. Der Kapitän der HMS Beagle,
der auf der zweiten Fahrt dieses Schiffes die Küste Südamerikas kartographieren
sollte, wünschte sich Gesellschaft durch einen gebildeten Gefährten während der
Fahrt und so kam es, dass der junge Darwin
eingeladen worden war. Da es keine Smartphones mit Kamera gab war auch ein
Maler mit an Bord um die Eindrücke festzuhalten. Die erwünschte Konversation
muss allerdings sehr beschränkt gewesen sein, Darwin litt nicht unerheblich an Seekrankheit.
Er entwickelte aber schnell ein großes Interesse an
Naturforschung und Geografie und stellte bereits auf dem ersten Stopp auf den
Kapverden fest, dass die Erde wohl nicht erst 6000 Jahre alt ist – so die
damalige theologisch begründete Annahme, sondern wesentlich älter. Die Erde
schien sich entwickelt zu haben (Blasphemie 1) und das Antlitz ihrer Oberfläche
schien aus verschiedenen Schichten aufgebaut zu sein.
Ein weiterer Punkt, in dem der junge Forscher einen totalen Gegensatz zur damals herrschenden Meinung einnahm, war die Frage der Sklaverei. Er empfand durchaus, dass alle Menschen gleich sein und die postulierte Minderqualität nicht aus dem Menschen selbst heraus zu begründen war. Die Zivilisation sei es, die die Menschen und ihre kulturelle Entwicklung geprägt hätte und dort gäbe es tatsächlich Unterschiede. Natürlich glaubte der Engländer an die Superiorität seiner Kultur und empfand durchaus eurozentristisch und paternalistisch, zweifelte aber an der Gottgegebenheit dieser Situation (Blasphemie 2).
Auf seinen weiteren Stationen dieser fast fünf Jahre
andauernden Reise entdeckte er Skelette von Fossilien und entwickelte
schließlich aufgrund der Tatsache, dass sich auf den einzelnen Galapagos Inseln
unterschiedliche Ausprägungen zum Beispiel von Finken finden ließen, die Theorie,
dass sie sich aus einem gemeinsamen Ursprung entwickelt hätten (Blasphemie 3). Diese Theorie sollte später sein
Hauptwerk werden unter dem Namen Der
Ursprung der Arten, der Begründung der modernen Evolutionstheorie!
Die Umsetzung
Grolleau und Royer haben sich in ihrer Umsetzung
dagegen entschieden, alle Details haarklein nachzuerzählen. Sie wollen etwas
vereinfachen, ja sogar romantisieren, wie sie in ihrem Vorwort gestehen. Ihnen
kommt es nicht darauf an, jede Entdeckung, jeden Landgang und jede Idee
wiederzugeben, sie wollen die Linie und die Entwicklung aufzeigen die vom
jungen, idealistischen Träumer hin zu dem genauen Wissenschaftler verläuft. Dadurch
gelingt es ihnen zu zeigen, wie sich einzelne Begebenheiten und Funde quasi wie
Puzzlesteine mühsam zu einem Größeren zusammenfinden und erst langsam die
Grundlage für die Theorie bilden. Noch einmal zurück in die damalige Zeit:
Fundstücke mussten katalogisiert werden, verpackt und dann nach England
verschifft werden. Sie waren teilweise Jahre vor dem Forscher in der englischen
Heimat und hatten bereits eine Diskussion angeregt, die von Darwin selbst gar nicht zu beeinflussen
war.
Zudem waren auch die Kategorien gar nicht bekannt und entwickelten sich erst im Laufe der Zeit, zum Beispiel die Wichtigkeit der geographischen Bezeichnung der Fundorte. Wenn alle Arten gleichzeitig von Gott geschaffen worden waren, war es nicht so wichtig, ihren Fundort zu beschreiben. Erst dann, wenn man von separaten Entwicklungen ausgeht, macht der Fundort überhaupt Sinn! Diese Weiterentwicklung in der wissenschaftlichen Herangehensweise wird durch die beiden Kreativen quasi nebenbei erläutert und das ist auch schon ein Hinweis auf ihre Leistung: Wissenschaft und vor allem die langsame Theoriebildung und ihre Verifikation werden perfekt und spannend beschrieben und erwecken Verständnis für die Leistung aber auch Neugier und möglicherweise den Spaß an eigenen Versuchen.
Die Graphic Novel lässt sich daher vielschichtig lesen: Sie
ist zu erst einmal eine spannende biographische Bilderzählung einer
fünfjährigen Reise und insofern fast wie ein Roman von Jules Verne, nur in echt. Sie ist die Beschreibung der Entwicklung
einer revolutionären Theorie, die unsere Welt nachhaltig geändert hat (auch
wenn es immer noch eine Vielzahl von Menschen gibt, die glauben, dass die Bibel
und ihre Genesis wörtlich zu nehmen ist). Und sie ist die behutsame
Heranführung an Wissenschaft und ihre Anforderungen.
Die Zeichnungen
Mir wurde auf keiner einzigen der 170 Seiten langweilig – der Stil ist so abwechslungsreich und wechselt zwischen Nahaufnahmen der Gesichter, der Situationen oder Tierdarstellungen und weiten Landschaften hin und her. Dabei ist das Gesicht Darwins den Bildern der damaligen Zeit so gut nachempfunden, dass man ihn sofort wiedererkennt, seine Entwicklung über die beschriebene Zeit aber auch sehen kann. Aus dem offenen, etwas ängstlichen jungen Mann wird einer, der weiß, was er zu tun haben wird um seine gesammelten Eindrücke zusammenzufügen.
Auch die Härte der Seefahrt, die Schrecken der Sklaverei und
die Beschreibung der südamerikanischen Lebensverhältnisse sind gut und vor
allem nachvollziehbar getroffen. Dazu gibt es immer wieder grandiose Bilder wie
etwa das als Titelbild genutzte Panel oder die Sammlung der Käfer die in ihrer
Weite und Detailtiefe die emotionale Beteiligung des/der Leser*in geradezu
erzwingen. Trotz aller Details vereinfachen die Bilder genug um nicht vom
Wesentlichen abzulenken und sind daher besser geeignet als Fotos es wären.
Die Ausgabe
Der Knesebeck-Verlag
veröffentlicht seit geraumer Zeit Graphic Novels. Viele davon sind aus der
Schnittmenge von Zeitgeschichte und Biografie und alle setzen den Willen der
Konsument*innen voraus, sich auf das Thema einlassen zu müssen. Das kurze Vergnügen
mit anschließendem Vergessen ist nicht gewollt, eher schon die Basis für eine
tiefere Auseinandersetzung. So laden die Werke auch alle dazu ein, sie mehr als
einmal zu lesen.
Das Buch kommt als Hardcover mit festem Papier. Obwohl sehr glatt, glänzt es nicht und reflektiert daher auch nicht störend. Der Buchhändler würde es etwas altertümlich als wohlfeil beschreiben… Durch die strukturierenden Kapiteleinleitungen mit einem Kartenausschnitt wird die Leser*in geführt und der Überblick gewährleistet.
Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die nicht nur die
schnelle Ablenkung suchen, sondern eine Bildgeschichte gerne auch wiederholt in
die Hand nehmen und als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen nutzen wollen!
Dazu passen Joe
Jackson mit Big World und Mate jeglicher Geschmacksrichtung.
Dantes kehrt zurück! Der Wirtschaftskrimi aus der Feder von Pierre Boisserie und Phillippe Guillaume mit den Zeichnungen von Erik Juszezak geht in die letzte Runde. Neben den gefälschten Kunstobjekten aus der New Yorker Werkstatt war im letzten Teil auch ein falsches Weinetikett aufgetaucht. Der (Luxus-)Wein existiert zwar, allerdings noch nicht mit dem angegebenen Jahrgang. Gleichzeitig kommt es zu einer Entführung des Babys von Dantes und seiner Frau aus der Säuglingsstation. Für Spannung ist also von Anfang an gesorgt. Welches Spiel spielen Christopher Dantes Vater und die Kunstfälscherin? – Solide Krimikost!
Die Fortsetzungen
Der zweite Band von Harmony namens Indigo
von Mathieu Reynès geht schon in die
dritte Runde: Die Kinder mit den übersinnlichen Fähigkeiten haben sich nicht so
weiterentwickelt wie gewünscht. Es übernimmt eine militärisch ausgebildete
Truppe die mit Folter nicht nur droht. Bei der blonden Titelheldin schlägt die
Methode an; ihre Kräfte verstärken sich. Der Cliffhanger erleichtert das Warten
auf das Oktoberheft nicht.
Michel Vaillant war schon immer mehr als reiner Motorsport. In der zweiten Staffel haben Phillipe Graton & Denis Lapière den Krimianteil aber noch einmal erhöht und vor allem auf eine lange Storyline gesetzt. Macau ist schon der siebte Band aber die Auseinandersetzung um die Firma Vaillante mit Ethan Dasz ist noch in vollem Gange. Evelyne hat Beweise, die sie Michel übergeben möchte. Zunächst aber müssen die Zwei auf einem Motorrad durch Macau flüchten. Das gibt Benjamin Benéteau die Gelegenheit zu beweisen, dass er rasante Rennszenen mit Autos genauso gut beherrscht wir Motorradszenen in einer vollen Innenstadt. Zurecht eine der Besten technikorientierten Serien dieses Jahrtausends!
Tessio, der „schlimme“ Bruder von Cassio, hat es endlich geschafft, die letzte Kanope zu bekommen.
Nun kann er versuchen, ihre Mutter wieder auferstehen zu lassen und endlich
eine Schreckensherrschaft zu etablieren. Es könnte aber sein, dass man ein Übel
mit einem anderem austreiben kann. Das
Reich der Erinnerungen wird – so scheint es – alle offenen Fragen
beantworten und steuert auf einen finalen Höhepunkt zu.
Endgültig und letztmalig verabschiedet sich der Agententhriller die Flügel des Herrn Plomb. In sieben Alben hat Christophe Gibelin ein Verwirrspiel mit Agenten beidseits des Eisernen Vorhangs aufgezogen, das durch persönliche Beziehungen und Konflikte zwischen befreundeten Diensten angereichert wurde. Im Zentrum all dieser Stürme stand ein Fotograf, geplant als Kollateralschaden und doch bis zum Schluss unter den Lebenden. Die Auflösung ist tatsächlich so zynisch wie vermutet!
Und sonst so?
Schon das Editorial des Chefredakteurs verkündet eine frohe Botschaft: Der absolut zu empfehlende Titel de Meimoorden von Eric Heuvel wird ab Februar im ZACK in deutscher Übersetzung erscheinen. Schon jetzt könnt ihr anfangen, die Tage zu zählen!
Neben wie immer genialen Abenteuern auf dem Friedhof
unter dem Titel Tizombi dürfen auch Parker & Badger und der Vater der Sterne wieder ran. Insbesondere
bei letzterem bleibt zu hoffen, dass irgendwann der Vorrat ausgeht und eine
neue Serie ihre Chance erhält.
Neben News und Rezensionen inklusive einer längeren der neuen Luc Orient-Gesamtausgabe im ALL-Verlag interviewt Christian Endres den neuen Zeichner von Conan der Barbar. Mahmud Asrar darf seine Eindrücke schildern und auf seine Vorbilder verweisen. Abgerundet wird das Ganze mit ein paar Einblicken in die neuen Seiten.
Zu der wie immer sehr kurzweiligen Lektüre passen The Selecter mit Daylight und ein
Nojito!
Der gerade erschienene Band von Luc Brunschwig und Étienne Le Roux ist bereits die fünfte europäische Interpretation des Conan-Mythos und folgt wie auch die anderen streng den Vorgaben des Schöpfers Robert E. Howard. Da die Geschichten keiner Chronologie folgen, sondern nur eigenständige Ausschnitte aus dem Leben des Cimmeriers abbilden, eignen sich die Vorlagen vorzüglich dafür, von unterschiedlichen Kreativteams bearbeitet zu werden. Conan selbst ist bereits in Film, TV oder Comic so oft dargestellt worden das keine Figur erwartet wird. Es gibt eher eine Vereinbarung über das Nicht-Aussehen: Conan kann nicht strohblond sein, nicht weiblich, „of colour“, schwächlich oder insektenartig. Alles andere ist aber interpretationsfähig. Zu Band 1 und 2.
Die Story
In Die scharlachrote Zitadelle
ist Conan also ein König, der sein Reich schon seit längerem regiert hat. Wie
immer herrschen verschieden Ansichten über die Güte dieser Tätigkeit vor, denn
es gibt Nutznießer*innen und Verlierer*innen. In der gegebenen Situation
scheint es so zu sein, dass die Mehrheit der Regierten eigentlich sehr
zufrieden mit ihrem König ist. Ungerechtigkeiten, hohe Abgaben, Frondienste und
andere unschöne Begleiterscheinungen einer (natürlich nicht aktuellen)
Monarchie wurden beseitigt und Pfründe abgeschafft. Die andere Seite eben
dieser Medaille ist aber natürlich, dass die Inhaber*innen der ehemaligen
Privilegien, Einkünfte und Dienste eben nicht mehr bekommen und sich daher als
„Opfer“ dieser Herrschaft sehen.
Wie gut, dass es auch noch Nachbarn gibt… Diese sind – so dass kriegerische Grundsetting dieser Literaturgattung – natürlich immer neidisch auf die Ressourcen des in Frage stehenden Landes (Bodenschätze, strategische Bedeutung, Sklav*innen) und vor allem darauf bedacht, dass diese revolutionären Ideen nicht in ihr Land hinüberschwappen. Eigentlich also der heutigen Weltpolitik prinzipiell gar nicht soo unähnlich.
Die Geschichte beginnt mit dem Eintreffen des Barden in der
Königsfeste. Er berichtet von dem Hinterhalt, den Almarus, Strabonus und der
Magier Tsotha-Lantis mit ihren Armeen für die Streitmacht Conans gelegt haben,
und in dem fast alle Männer getötet worden sind. Auch Conan, der geliebte König,
sei umgebracht worden.
Tatsächlich ist der trotz seines Alters immer noch kräftige König nur gefangengenommen worden um eine Kapitulation im Gegenzug für persönliche Freiheit zu erreichen. Damit soll den Untertanen klar gezeigt werden, dass alle Errungenschaften der Conanschen Regierungszeit keineswegs nachhaltig seien und gerne der persönlichen Lage des Herrschers geopfert würden. Natürlich lässt sich der Barbar nicht darauf ein…
Im Folterkeller darf der muskelbepackte Held dann die Bekanntschaft
mit einer riesigen Echse machen, aber auch mit einem Überlebenden der Überfälle
aus der früheren Zeit als Conan noch als Pirat lebte. Nach einigen
Dungeon-Begegnungen kann er schließlich Pelias befreien, der vor 10 Jahren von
Tsotha-Lantis gefangengenommen worden war und selbst ebenfalls übernatürliche
Kräfte auf seiner Seite weiß.
Währenddessen hat in dem nun scheinbar verwaisten Königreich
die Machtübernahme der alten Eliten mit all ihren blutigen Details begonnen…
Das Artwork
Étienne Le Roux gelingt es gut, sowohl die dunklen Höhlenszenen mit Gefahren hinter jeder Ecke, Traumsequenzen und Ängsten aber auch Monstern darzustellen als auch die brutalen Szenen der Machtübernahme, die paradoxerweise in strahlendem Sonnenlicht wiedergegeben werden. Die Hintergründe wirken dagegen teilweise etwas zu einfach, der Rasterschatten etwas zu „nicht-selbst-gemacht“. Abgesehen von diesen kleinen Mängeln aber eine sehr ansehnliche Umsetzung.
Die Figur des Conan wirkt im ersten Moment mit dichtem
schwarzem Vollbart etwas ungewöhnlich, man gewöhnt sich aber schnell daran, da
man schon so viele Interpretationen gesehen hat, dass auch diese nicht wirklich
anders ist. Die anderen Figuren sind nicht so geprägt von Erwartungen und daher
noch leichter zu akzeptieren. Die Bösartigkeit kommt hier oft mit einem Lächeln
daher. Der Seitenaufbau ist klassisch und von wenigen Soundwords begleitet. Allein
bei rasanten Kampfszenen scheint sich auch der Stil bewegen zu wollen und
unterstützt so die Dynamik.
Luc Brunschwig ist
aktuell vor allem durch die neuen Abenteuer um Bob Morane sowie die im ZACK
abgedruckten Geschichten mit Mic Mac Adam
bekannt. Hier beweist er, dass er durchaus auch in Sword & Sorcery
Settings seine Qualitäten hat. Das Springen zwischen den beiden Locations, Hell
und Dunkel, Magie und Restauration ist gut umgesetzt und kann auch in Zeiten
eines Publikums, das mit Game of Thrones Kost dieser Art bereits gut
visualisiert bekommen hat, noch punkten.
Die Ausstattung
Splitter stattet auch diesen Band wieder mit einem Nachwort aus, das auf die Entstehungsgeschichte des Originals von 1932 eingeht und zudem weitere Illustrationen enthält. Der Band ist wie auch die anderen im typischen splitter-Überformat als Hardcover erschienen und bringt Farben und Zeichnungen brillant zum Ausdruck. Bei dem Preis kann man eigentlich nichts falschmachen. Interessant könnte es in diesem Monat zudem sein, die europäische Interpretation mit der neuen amerikanischen zu vergleichen, denn auch bei Marvel gibt es einen (deutschen) Neustart der barbarischen Abenteuer.