WĂ€hrend in Frankreich gerade die letzte Folge von Harmony veröffentlicht wird, starten wir hier in Deutschland mit der vierten: Omen! Der dramatische Kampf um Befreiung hatte Opfer gefordert und es ist keineswegs bereits klar, ob die Befreier nicht einfach nur andere EinschrĂ€nker sind. Mathieu ReynĂšs fĂŒhrt mit grandiosen WĂŒstenbildern ein und blickt dann schnell zurĂŒck. Kinder mit besonderen FĂ€higkeiten als GegenstĂ€nde eines Machtkampfs in einer nicht unvorstellbaren Zukunft.
Die Fortsetzungen
Rick Master, Nadine und Kommissar Griot kommen der AufklĂ€rung des Mordfalls immer nĂ€her und das Motiv scheint enttĂ€uschte Liebe zu sein. Welche Rolle aber spielen die entnommenen Herzen? Knifflige RĂ€tsel und rasante Action von Zidrou mit Zeichnungen von Simon Van Liemt in der gelungen Reinterpretation des Klassikers! Alles steuert auf das groĂe Finale zu!
Wenn man sich der 50 nÀhert, ist oft eine Midlife-Crisis nicht weit. Noch macht das ZACK dazu keine Anstalten, im Gegenteil, so innovativ mit ZACK-Spezial, Blechschildern und vor allem aber guten Serien und Artikeln war man schon lange nicht mehr! Das Jahr lÀsst noch einiges erwarten!
Dazu passen der Mix aus Independent und Grunge von Skating Polly und ein Spree Coast von Lemke.
Ansgar LĂŒttgenau zum Programm des All Verlag fĂŒr das erste Halbjahr 2022
Der All Verlag hat mehr und mehr Serien im Programm, die frĂŒher im ZACK gelaufen sind. Man darf aber keinesfalls den Fehler machen, den Verlag auf die Titel fĂŒr die Generation ZACK zu reduzieren. Im kommenden Jahr wird Ansgar LĂŒttgenau den AusstoĂ seines Verlages noch einmal signifikant erhöhen. Wie mittlerweile ĂŒblich habe ich mit dem Verleger ein GesprĂ€ch gefĂŒhrt und ihm ein paar Aussagen zu den dreiundzwanzig neuen Titeln entlockt!
Neues fĂŒr die Fans des alten ZACK
c-o: Hallo Ansgar! Wie immer um die Weihnachtszeit unterhalten wir uns ĂŒber das Programm fĂŒr die nĂ€chsten 6 Monate. Der All Verlag steht fĂŒr eine Titelauswahl, die ZACK-Aficionados glĂŒcklich macht. Auch 2022 baust Du mit Kasimir und der ZACK-Chronik dieses Segment sogar noch aus. Ich gehe davon aus, dass Du eine gute Vorstellung davon hast, was der Markt bzw. das Budget deiner Kund*innen hergibt.
AL: Also wir machen keine Marktforschung, wenn du das meinst. Ich gehe da erstmal nach meinem persönlichen Geschmack und ĂŒberlege mir dann im zweiten Schritt, ob man das dann auch verkaufen kann. Meistens passt das, aber manchmal liege ich natĂŒrlich auch daneben. Das darf allerdings nicht zu oft passieren, sonst hat der Verlag irgendwann ein Problem. Bisher haben die ausgewĂ€hlten Titel aber fast immer zumindest die Kosten wieder eingespielt. Wobei meine Arbeitskraft nicht mit in die Berechnung eingeht.
Die Chronik
c-o: Was genau wird die ZACK-Chronik beinhalten?
AL: Â Bernd Weckwert, der als Herausgeber fĂŒr das Buch verantwortlich ist, hat unter anderem zu jedem Heft einen kleinen Text zu Besonderheiten und Wissenswertem verfasst. NatĂŒrlich werden alle Cover der Hefte (auch Auslandsversionen), Alben und TaschenbĂŒcher abgedruckt. Aber auch (fast) alle Zack Clubartikel, der Zack Dummy von Gigi Spina, Cover von geplanten aber nicht mehr realisierten Alben usw. usw.
Hier schonmal eine grobe InhaltsĂŒbersicht:
Vorgeschichte Der frankobelgische Comic in Deutschland bis 1972
Die Zeit der Vorbereitungen 1971/Anfang 1972
Cover Zack Magazin FĂŒr jeden Jahrgang eine kurze zweiseitige EinfĂŒhrung und ein Text zu jedem Heft
Cover Zack Alben
Zack TaschenbĂŒcher
Zack Zeitung/Zack Club
Zack-Merchandise
Galerie der Zack Poster
Die Zeit nach Einstellung von Zack in Deutschland
Die Zeit danach in Frankreich/Belgien und anderen LĂ€ndern
Verlagspolitik
Zack in der AuĂenwahrnehmung
Eigenproduktionen
Serienindex und Texter-/Zeichnerindex
c-o: Bruno Brazil, Dani Futuro, Luc Orient, Bob Morane und Pharao werden fortgesetzt â sind alle Titel bereits auf Deutsch erschienen oder sind auch hier wieder Erstausgaben dabei?
AL:  Bei Bruno Brazil sind zum einen die Skriptseiten der abgebrochenen Story „Die rote Kette“ in deutscher Ăbersetzung enthalten und zum anderen 1 Seite aus einem Jam-Comic die eine deutsche Erstveröffentlichung ist. Ansonsten ist der Inhalt bis auf den redaktionellen Teil identisch mit der Egmont Ausgabe. Bei Bob Morane ist Band 10 eine deutsche Erstveröffentlichung und Dani Futuro auch, aber ich bin mir nicht 100 % sicher.
Die Funny-Offensive
c-o: Mit Spaghetti und Kasimir geht es in Richtung Humor und auch HĂ€gar passt dazu. Schon Valentin bediente diese Richtung ja. Sind diese Titel eher fĂŒr den Comic-Markt oder fĂŒr den regulĂ€ren Buchhandel? Vor allem mit HĂ€gar hast Du ja auch eine neue Langzeitserie gestartet. Das spricht immerhin dafĂŒr, dass du noch viel vor hast.
AL: Ich höre ja immer, dass es Funny-Titel in Deutschland so schwer haben. Ich habe diese Erfahrung bisher nicht gemacht. Allerdings mag das auch daran liegen, welche Namen auf dem Cover stehen. Bei Valentin und den neuen Serien Spaghetti und Kasimir ist ja Goscinny der Texter und das garantiert natĂŒrlich fĂŒr eine gewisse QualitĂ€t.
HĂ€gar erscheint in mehr als 2000 Zeitungen weltweit. Da ist natĂŒrlich auch bei Nicht-Comiclesern eine groĂe Bekanntheit vorhanden. Deshalb wollen wir damit auch in den Buchhandel. Auch HĂ€gar wird es ĂŒbrigens mit signiertem Exlibris geben. Das ist ja dann vielleicht auch wieder was fĂŒr den gemeinen Comicliebhaber. Ăbrigens veröffentlichen wir mit dem Jahrgang 2017 auch das erste Jahr das in der Gesamtausgabe von Egmont nicht mehr erschienen ist.
FĂŒr Erwachsene …
c-o: Mit Messalina wird dein Programm fĂŒr Erwachsene fortgesetzt. Wie sind denn die bisherigen Titel gelaufen? Gibt es dafĂŒr neben dem Internet ĂŒberhaupt noch einen Markt?
AL: Â Ich habe die Lizenz schon einige Jahre und hab sie immer vor mir hergeschoben, weil ich dafĂŒr auch keinen wirklichen Markt mehr gesehen habe. Aber weit gefehlt. Beide BĂ€nde sind bis auf eine Handvoll Exemplare vergriffen. Das hat mich dann doch auch selbst ĂŒberrascht. Deshalb werden wir im zweiten Halbjahr mit einem Sechsteiler eines sehr bekannten spanischen Zeichners nachlegen.
c-o: Mit Gil St. Andre und Malefosse setzt Du konsequent deine Integral-Reihen fort und bietest weiterhin jeweils eine limitierte Vorzugsausgabe an. Andere Verlage beschrĂ€nken sich hier auf einige BĂ€nde der Serie. Gibt es bei langlaufenden Serien tatsĂ€chlich genug KĂ€ufer*innen fĂŒr diese SchĂ€tzchen?
AL: Das kommt immer auf die Serie an. Mittlerweile gibt es aber einen festen Kundenstamm fĂŒr diese Ausgaben. NatĂŒrlich ist es manchmal nicht so einfach das durchzuziehen, weil es kein geeignetes Bildmaterial gibt oder weil der KĂŒnstler vorsichtig gesagt etwas kompliziert ist. Aktuell hatten wir einigen Aufwand mit Loisel, der im Umgang etwas schwierig war und nicht so recht auf unsere Anforderungen eingehen wollte. Schlussendlich hat es dann doch alles funktioniert. Eigentlich wie immer.
TopsânâFlops
c-o: Da sich die Anzahl der angekĂŒndigten Titel deutlich erhöht hat, gehe ich mal davon aus, dass das letzte Jahr trotz COVID erfolgreich gelaufen ist. Magst du den Leser*innen von comix-online verraten, welche Titel besonders gut oder schlecht gelaufen sind?
AL:  Die bestverkauften Titel der letzten 12 Monate waren Hombre 3, Lady S 3, Die erotische Kunst des Wally Wood, Wunderwaffen 10 und Die ErzÀhlungen von Lederstrumpf 2.
c-o: Ich persönlich freue mich vor allem auf Jerry Spring in Farbe. Hast du einen Lieblingstitel im Programm?
AL:  Jerry Spring ist fĂŒr mich ja schon wieder Vergangenheit. Und selbst das kommende Programm ist eigentlich schon abgehakt. Aber da freue ich mich besonders auf Franka mit 32 Seiten redaktionellem Text in jedem Buch. Ich habe in letzter Zeit hĂ€ufig mit Henk (Kuijpers, dem Zeichner von Franka) telefoniert und ihn als sehr angenehmen GesprĂ€chspartner kennengelernt, was die Zusammenarbeit nochmal angenehmer macht. Und nicht zu vergessen, er spricht deutsch.
c-o: Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch, Ansgar. Bis in sechs Monaten und viel Erfolg!
Das Programm im Ăberblick
Wie gehabt erscheint zu jedem Titel eine limitierte Vorzugsausgabe. Diese haben teilweise ein anderes Coverbild, immer einen Schutzumschlag und ein limitiertes ExLibris, das teilweise signiert ist. Sie sind auf 111 Exemplare beschrĂ€nkt. NatĂŒrlich wird comix-online das Programm wie gehabt mit Rezensionen begleiten.
Das Black Label ist die Spielwiese bei DC fĂŒr Titel, die aus dem normalen Rahmen fallen. Sei es, dass ein*e Autor*in mehr Freiheiten bei der Ausarbeitung der Figuren benötigt und nicht an die jahrzehntelange KontinuitĂ€t gebunden sein möchte, sei es, dass eine Miniserie mehr Aufmerksamkeit bekommen soll. The Watchmen war vor rund 35 Jahren ein Meilenstein fĂŒr amerikanische Comics. Die Menschheit war drauf und dran, sich selbst zu vernichten und Dr. Manhattan hatte eine imaginĂ€re Bedrohung durch Tintenfischmonster geschaffen, um sie gegen die Ă€uĂere Bedrohung zu vereinen. Dabei waren nicht nur unzĂ€hlige Menschen gestorben, Manhattan hatte auch einige Superheld*innen, darunter Rorschach, getötet, um seinen Plan nicht zu gefĂ€hrden.
Verschwörungstheoretiker und die Planung fĂŒr einen Mord
In Band 1 war ein Mordanschlag auf den republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten gerade noch verhindert worden. Die zwei AttentĂ€ter*innen waren erschossen worden. In Band 2 war derjenige mit der Maske des vor 35 Jahren getöteten Rorschach als Comiczeichner William Myerson identifiziert worden. Seine Komplizin hatte ihn ĂŒberzeugt, dass er eine Wiedergeburt des Helden sei und mit ihr gegen die Tintenfischmonster kĂ€mpfen mĂŒsse, die eine erneute Invasion planen wĂŒrden.
Gleichzeitig versucht das ĂŒberlebende Anschlagsopfer beweisen zu lassen, dass PrĂ€sident Robert Redford auf dem Weg zu seiner fĂŒnften Amtszeit fĂŒr das Attentat verantwortlich ist. Der von ihm eingesetzte Ermittler befragt nun sowohl die Zeichnerkollegen Frank Miller und Otto Binder, als auch andere, die den beiden geholfen haben.
Tom King vermischt dabei auf grandiose Weise RealitĂ€t, etwa wenn Frank Miller verantwortlich ist fĂŒr die RĂŒckkehr eines alten Piratencomichelden, der das Genre revolutioniert hat, und Fiktion, in der Myerson ein total verschrobener Mensch war, der sich kaum zum Einkaufen aus dem Haus getraut hat, gleichzeitig aber ein gefeierter Comiczeichner und Szenarist war. Leider vermischen sich RealitĂ€t und Fiktion auch bei der Gewaltbereitschaft der Verschwörungstheoretiker*innen. Sind es Tintenfische im Comic, bietet die RealitĂ€t stattdessen angebliche Mikrochips in Impfungen oder satanistische Rituale in Kellern von Pizzerien.
Die vielschichtige Story zeigt einerseits das vollkommen abgedrehte, selbstbezogene Denken der Aktivist*innen, aber auch die Details ausblendende UnterstĂŒtzung von Anderen. Warnsignale wie SchieĂĂŒbungen, Verkleidungen, psychotische Verhaltensweisen werden ignoriert, umgedeutet oder sogar geleugnet. Das passiert âin echtâ leider auch.
Die Vernehmungen laufen ĂŒber einen GroĂteil in drei parallelen Reihen ĂŒber die Doppelseite und ergeben ein Mosaik aus Farben, Szenen und Inhalten, die unterschiedlich gelesen werden können. Sehr nette Idee! Neben den kleinen verschachtelten Details sind aber auch immer wieder gröĂere Abbildungen eingestreut. Und natĂŒrlich gibt es immer mal wieder eine Sequenz aus einem Piratencomic.
GroĂartige Miniserie mit aktuellem Inhalt
Rorschach ist aus mehreren GrĂŒnden absolut empfehlenswert: ZunĂ€chst ist es eine moderne, gelungene Interpretation des Watchmen-Stils. In amerikanischen Mainstream-Comics ist zudem die aktuelle Tagespolitik mit allen ihren Verschwörungstheorien, der Möglichkeit, an angeordnete AnschlĂ€ge im (US)-Wahlkampf zu denken und der Radikalisierung der Spinner nicht gerade hĂ€ufig.
Zuletzt ist Rorschach aber auch davon völlig losgelöst eine spannende Krimi-Serie, die die Frage stellt, warum die TĂ€ter*innen etwas gemacht haben. Das ĂŒbergroĂe Format ĂŒberfordert die Zeichnungen nicht und die Aufmachung als Hardcover unterstreicht die Besonderheit. Das Black Label ist nichts fĂŒr Kleinere; teilweise ist die Gewalt zu explizit, hier sind die BezĂŒge zur RealitĂ€t vielleicht nicht nachzuvollziehen. FĂŒr alle anderen aber der Beweis, dass US-Mainstream innovativ sein kann.
Cover der limitierten Vorzugsausgabe
Dazu passen The Angelic Upstarts (R.I.P.!) und ein Lagavulin.
Die Geschichten unter dem Black Label versprechen immer einen Genuss. Weder mĂŒssen sie sich einreihen in eine jahrzehntelange Tradition und Zielgruppendefinition und können es sich dementsprechend nicht mit Traditionalist*innen verderben. Noch mĂŒssen sie ein Erfolgsmodell auf eine unbestimmte Zeit in der Zukunft ausdehnen. Nein, sie dĂŒrfen frech, fokussiert, innovativ erzĂ€hlen ohne RĂŒcksicht auf alles Andere. Nicht einmal zeitlich sind sie gebunden. Und manchmal bekommen sie sogar ein Ăberformat spendiert. Zu Band 1.
Sozusagen ein Generationenroman
Der Joker ist ein verkannter KĂŒnstler, der zum Kriminellen und Massenmörder geworden ist. Batman war zwar sein Erzfeind, hat es aber nie wirklich geschafft, den Joker auszuschalten. Er war immer nur zeitweise im Arkham Asylum und konnte dann seine Schandtaten fortsetzen.
Phantom war eine Freundin von Bruce Wayne/Batman, wurde aber zu seiner Gegnerin, weil Batman sich weigerte, den Joker endgĂŒltig zu vernichten. Ihr Kampf forderte allerdings die falschen Todesopfer.
Catwoman war eine Kriminelle, die gut wurde und schlieĂlich sogar Bruce ehelichte. Trotzdem gab es immer auch eine Beziehung zwischen ihr und dem Joker. SchlieĂlich tötete sie ihn sogar.
Harley Quinn vergötterte ihren Mistah J und möchte nun Rache fĂŒr dessen Tod.
Und dann gibt es auch noch Helena, die Tochter von Bruce Wayne und Selina Kyle, die nun das Bat-KostĂŒm trĂ€gt.
Spannende Figuren, die in diesem 12-Teiler miteinander agieren und in den sich an Weihnachtsliedern orientierenden Kapiteln ĂŒber drei verschiedene Zeitebenen hinweg umeinander her tanzen.
Cover des limitierten Variant
Held*innen in allen Altersstufen
Tom King vermag es wie kaum ein anderer die Stimmungen von Catwoman einzufangen und zu beschreiben: verspielt, schmusig oder kratzbĂŒrstig! Clay Mann ist genau der richtige, um diese Stimmungen zu visualisieren.
Selten sehen wir gealterte Held*innen. Hier spielen sie die Hauptrolle und geben damit ein ganz anderes Flair als die Hauptserie in der die Figuren seit Jahrzehnten, mal abgesehen von den Origin-Stories, das gleiche Alter haben. Actiongetriebene und eher ruhige Szenen wechseln sich ab und lassen von Zeit zu Zeit Raum fĂŒr eine ganzseitige Illu. Sehr gut gelingt auch die Integration der Songtexte in die jeweiligen Kapitel.
Bekannte Motive, ganz anders verknĂŒpft
Der Reiz des Black Labels ist das Ungewohnte. Alle Bestandteile sind bekannt, die Zusammensetzung aber völlig neu und teilweise eben auch unerwartet. Dass Bats und Cat tatsĂ€chlich geheiratet haben ist nur eine TraumrealitĂ€t und somit enthĂ€lt sie glĂŒckliche Momente wie alpartige Sequenzen. In Batman/Catwoman wirbeln die beiden beliebtesten DC-Figuren umeinander und schaffen selbst oder aber reflektiert durch ihre Fremdwahrnehmung dramatische Konstellationen.
Die Entscheidung, diese Reihe als ĂŒberformatige Hardcover zu prĂ€sentieren, war richtig! Einerseits ist damit der Abstand zur regulĂ€ren ErzĂ€hlung noch gröĂer, andererseits wirken die Zeichnungen so besser. Ich glaube nicht, dass viele Leser*innen dieser Geschichte in die normale Serie wechseln werden. Andererseits sollten aber alle, die nur noch manchmal zu Batman greifen, hier einen wohlwollenden Blick riskieren!
In den 80-er Jahren prĂ€gte neben James-Bond-Filmen und Science-Fiction-Epen besonders Indiana Jones die Kinolandschaft. Was lag also nĂ€her als die Heldentypen genreĂŒbergreifend miteinander zu verbinden? Gleichzeitig musste der Comic-Mainstream selbst in âSpirouâ erwachsener werden um sich gegenĂŒber der Konkurrenz behaupten zu können. Das ist der Hintergrund fĂŒr 421.
Britisches Understatement und Action
Die aus dem Kino bekannte dreistellige Bezeichnung fĂŒr Agenten hat Desberg fĂŒr den eigenen Helden und seine Kolleg*innen ĂŒbernommen: 421 und auch 428 sind im Auftrag ihrer MajestĂ€t unterwegs. Diese im französischen Raum durchaus erfolgreiche Serie hatte bisher den Sprung nach Deutschland nicht wirklich geschafft und so sind alle 4 Abenteuer dieser Gesamtausgabe Deutsche Erstveröffentlichungen.
Selbstmorde sind oft nicht ganz einfach. Es scheint, als hĂ€tte sich eine Organisation darauf spezialisiert, diese Dienstleistung fĂŒr Reiche anzubieten. Es existiert ein Katalog mit einer Vielzahl von buchbaren Leistungen, die nicht nur den Tod garantieren, sondern auch noch angenehme letzte Stunden versprechen. Irgendetwas daran scheint aber faul zu sein und so beauftragt 421 zum Schein seinen eigenen Tod. Eine spannende Geschichte beginnt mit Laboratorien, skrupellosen GeschĂ€ftemachern und einer Vielzahl von Killern.
Danach geht es nach China! Eine wundersame Maschine die das gegnerische Atomwaffenpotential vernichten könnte ist verschwunden. NatĂŒrlich wollen die westlichen Geheimdienste verhindern, dass diese den Russen in die HĂ€nde fĂ€llt. Die Ăbergabe scheint wĂ€hrend einer Rallye durch China stattfinden zu sollen und so muss 421 kurzfristig in ein existierendes Team eingeschleust werden. Nicht nur ist die dadurch verdrĂ€ngte Pilotin sauer, auch die verbleibende fĂŒrchtet um ihre Chancen. 421 beweist im Reich der Mitte nicht nur seine Alleskönner-FĂ€higkeiten, sondern bemĂŒht auch seinen Charme fĂŒr amouröse Kontakte und folgt damit seinen Vorbildern.
Das folgende Abenteuer erstreckt sich ĂŒber zwei BĂ€nde und vollzieht den Wandel in der Zielgruppe. Die Geschichten werden mit Scotch Malaria hĂ€rter, die Anspielungen expliziter. Eine britische ArchĂ€ologin wird in Kamerun entfĂŒhrt und 421 wird mit ihrer Befreiung beauftragt. Er schlieĂt sich dafĂŒr einer Söldnertruppe an und muss sich zunĂ€chst einmal in einem brutalen Umfeld beweisen. SchlieĂlich kann er die Zielperson sogar befreien, wird allerdings gefangengenommen bevor er sie in Sicherheit bringen kann. Die Kinder der Pforte beginnt damit, dass 421 als Sklave verkauft wird. Zwar gelingt ihm die Flucht, er stellt aber fest, dass die Welt um ihn herum plötzlich anders ist. Das im ersten Teil gefundene Artefakt ermöglicht Zeitreisen und die Aufgabe besteht nun darin, alles wieder âauf Normalâ zu setzen.
Ein Held entwickelt sich
Auch an den Zeichnungen von Eric Maltaite lÀsst sich die Entwicklung ablesen. Was als eine der vielen Serien im typischen Spirou-Stil begonnen hat, wird im Laufe der Zeit viel realistischer und moderner. Die Figuren gewinnen an Detail, Körper an Proportionen und Kampf-Szenen werden detailreicher. Der als Sklave gehaltene Held ist zwar muskulös, zeigt aber deutliche Spuren der Strapazen und wirkt schon fast verwahrlost.
Es ist nicht wirklich zu erklÀren, warum diese Serie bisher in Deutschland so wenig Beachtung gefunden hat. Sowohl Eric Maltaite (Schock) als auch Stephen Desberg (Empire USA) sind hierzulande nicht nur nicht unbekannt, sondern durchaus geschÀtzt und die Serie 421 hat zwar ein wenig altmodisches Flair und erinnert mehr an Sean Connery und Roger Moore als an Daniel Craig. Die Geschichten sind spannend und stimmig erzÀhlt sowie handwerklich prima illustriert!
FĂŒr alle, die einerseits klassische Abenteuerstories, auch aus dem Geheimdienstmillieu, mögen, ein klarer Tipp! Wieder hat es Eckart Schott geschafft, eine Perle aufzutreiben und zu verlegen und wie immer in perfekter handwerklicher Ausstattung. Auch die einfĂŒhrenden Worte und Illustrationen zusammengestellt von Didier Pasamonik sind gut zu lesen und extrem informativ!
Dazu passen die Bananafishbones und ein Schwarzriesling, etwa von Kallstadt.
Verlag Original und Niederlande: Casterman / ab 16 Paquet
Aktuell 19 BĂ€nde
Veröffentlichungsstatus in Deutschland: In der aktuellen Reihe sind bisher Band 1 bis 3 der SammelbĂ€nde sowie BĂ€nde 17 und 18 erschienen, Sammelband 4 und Band 19 sind angekĂŒndigt. Die frĂŒher veröffentlichten BĂ€nde 1 bis 16 sind vergriffen.
Privatermitler*innen gibt es viele. Einige davon wie Magnum oder Dex Parios sind eher mittelmĂ€Ăig erfolgreich und mĂŒssen auch schon mal einstecken. Andere wie Parker zeichnen sich eher durch knallharten Zynismus aus und dann gibt es noch solche im Superheld*innenmillieu. Die anvisierte Zielgruppe unterscheidet sich dabei nicht nur nach dem Alter (Art der Delikte und FreizĂŒgigkeit) sondern auch nach dem Geschlecht (sind Frauen ein aktiver Teil oder werden sie nur als schmĂŒckendes Beiwerk dargestellt?).
Caroline Baldwin ist eine sehr aktive Frau. Sie ĂŒbt nicht nur ihren Beruf aus in dem sie fĂŒr eine Agentur arbeitet und FĂ€lle löst, sie ist auch verwandtschaftlich eingebunden, hat ein aktives Privatleben und ein Alkoholproblem. Vor allem aber ist sie HIV-positiv und damit sich selbst und anderen gegenĂŒber in einem MaĂe verantwortlich, das ihre Mitmenschen nicht beachten mĂŒssen.
Kontrakt 48-A etabliert die Heldin dann in einem politischen Sujet: Was ist medizinische Ethik? Welche Experimente sind erlaubt und welche Kommunikation darf unterbleiben? Der zweite Band fĂ€ngt aber auch an, Details zur Heldin ânachzureichenâ. Sie bekommt eine halb-indianische Abstammung und damit die Erlaubnis, glaubwĂŒrdig andere Fragen zu stellen als WeiĂe. Neben einem sympathischen GroĂvater gibt es aber auch andere, nicht so willkommene Verwandte. Dieser natĂŒrliche Mix aus positiven und negativen Komponenten wird in ganz unterschiedlichen Bereichen im Laufe der Serie immer wieder auftreten und die vielbeschworene AuthentizitĂ€t liefern.
Hier wie auch in den folgenden Alben gelingt es Taymans, die jeweilige Stimmung der fremden Umgebung perfekt wiederzugeben. Man vermag förmlich den Duft zu riechen, die GerĂ€usche des jeweiligen Ortes und die Geschwindigkeit des Lebens von Ruhepol bis hin zu treibender Hektik. Dabei hilft die klare Linie, die den Zeichnungen zu Grunde liegt: klare Farben, klare Konturen, Fokussierung auf das Wesentliche. Und auch ein weiteres Markenzeichen ist bereits sehr frĂŒh erkennbar: Caroline und insbesondere ihre Frisur sieht immer gleich aus. Taymans kann durchaus variieren und zeigt das bei anderen Personen auch; bei seiner Heldin wird die 3-Wetter-Taft-Frisur aber zum Markenzeichen.
Eine ernstzunehmende Krankheit
Schon im fĂŒnften Abenteuer beginnt eine Entwicklung, die die Serie und ihre Heldin fortan prĂ€gen wird: In Absurdistan erfĂ€hrt die Heldin, dass sie sich mit dem HIV angesteckt haben könnte. Dabei war dieser Band eigentlich ganz anders geplant gewesen, er hatte ein multimediales Event sein sollen. Aus KostengrĂŒnden reduziert, liefert der Band immerhin noch viele Hinweise auf die Musik, die begleitet hĂ€tte.
Angel Rock bringt dann die Gewissheit: Die Infektion hat stattgefunden! Die Reaktion erfolgt filmreif: Abgeschiedenheit und Alkohol! TatsĂ€chlich gelingt es aber einem Vater sie zu einer Tour in das hochverschneite Gebirge zu ĂŒberreden, um den dort angeblich vermissten Sohn aufzuspĂŒren. Erneut kann der Zeichner hier seine Vorliebe fĂŒr die Natur ausspielen: Die KĂ€lte kriecht förmlich aus den Comicseiten!
Ăberhaupt verfolgt die Serie einen mehr oder weniger stringenten Handlungsbogen. Auch Nebenpersonen und ihre Geschichte verzweigen sich immer mehr und erschaffen ĂŒber die Zeit ein stimmiges Universum. Einerseits bezieht sich das auf die Familie der Heldin und ihren Background, natĂŒrlich spielt ihre Krankheit eine Rolle, aber auch Liebschaften, potentielle Beziehungen und Feindschaften werden fortgefĂŒhrt und bieten eine Art von Soap-Opera-Faktor.
Asien ruft
Erneut schafft ein Zweiteiler mehr Platz fĂŒr die Entwicklung: StaatsrĂ€son startet noch auf dem nordamerikanischen Kontinent. Mehrere Leichen tauchen scheinbar ohne wirklichen Bezug und Hinweise auf den oder die TĂ€ter*innen in Carolines Umfeld auf. AllmĂ€hlich wird klar, dass sie mitten in einer Geheimdienstoperation steckt und kaum noch Einfluss auf das Geschehen nehmen kann. SchlieĂlich erfĂ€hrt sie, dass ein GeschĂ€ftsmann entfĂŒhrt worden ist und sie fĂŒr die LösegeldĂŒbergabe vorgesehen ist. Die Lagune verschlĂ€gt sie in den asiatischen Dschungel und wieder einmal wird die Frage gestellt, wer eigentlich zu den Guten gehört. Die Landschaft ist nun keine weiĂe Einöde mehr, sondern grĂŒn, ĂŒppig und laut und auch das wird beim Lesen lebendig!
Durch die erzwungene VerlĂ€ngerung des Aufenthaltes aufgrund des Einreiseverbotes gehen die HIV-Medikamente langsam zur Neige. Wie gut, dass FBI-Agent Gary Scott, der schon seit lĂ€ngerem mit der Heldin das Bett teilt, beruflich gerade in der NĂ€he ist. Leider bringt er aber eine ebenfalls bekannte Kollegin von der CIA mit und das Wiedersehen in Kathmandu entwickelt sich nicht wie vorgesehen. Taymans schafft es in dieser Geschichte völlig unerwarteterweise, Science-Fiction-Elemente und Verschwörungstheorien mit der geheimdienstgetriebenen Spannung zu verbinden. Spannend und Ă€uĂert kurzweilig!
ZurĂŒck zu sich selbst
Bisher hatte die Krankheit die Heldin eher psychologisch betroffen. Zwar muss ein Medikamentennachschub gewĂ€hrleistet werden und es gibt ein paar Situationen, in denen die verantwortungsbewusste Heldin nicht wie andere reagieren kann, ansonsten lies sich aber alles mit ein paar Whiskys zu viel hinunterspĂŒlen. Nun aber scheint es eine Möglichkeit zu geben, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Leider fĂŒhrt die Unheilsame Therapie nicht zur Genesung der Proband*innen, sondern zu plötzlichem Tod und Caroline ermittelt ĂŒberraschend in eigener Sache. Wieder gelingt es, persönliche Themen und Krimi-Elemente so miteinander zu verbinden, dass sich Drama und Krimi-Fans abgeholt fĂŒhlen können.
Dem folgt erneut ein Zweiteiler. Es ist an der Zeit, die Familie und den indianischen Background der Heldin in den Mittelpunkt zu rĂŒcken. Ein Neffe von Caroline aus der indianischen Linie scheint auf die schiefe Bahn zu geraten. Es geht um Kritik der First Nations am kanadischen Staat und seinen Institutionen, aber auch um Waffenschmuggel, Korruption und Rassismus. GrenzgĂ€nger und der König des Nordens bringen die Heldin aber auch dazu, ihre Beziehung mit Gary zu ĂŒberdenken und schlieĂlich gibt es auch noch die Suche nach einem angeblich verschwundenen Vater.
The missing piece
Die folgenden BÀnde 13 bis 16 Alte Geschichten, Free Tibet, Der Schatten der Eule und Die Bohemian-Verschwörung sind in Deutschland vor einigen Jahren als EinzelbÀnde bei comicplus+ erschienen und aktuell vergriffen. Sie werden im Sammelband 4 von Alles Gute! in 2022 kommen.
Fast ein FilmâŠ
Jede*r Kreative gelang irgendwann an einen Punkt, der eine VerĂ€nderung benötigt. FĂŒr Caroline Baldwin war es die Chance auf eine Verfilmung. Ein Drehbuch wurde geschrieben, einige Rollen gecastet und Probedrehs angefertigt. Nun gibt es aber deutlich mehr Projekte dieser Art als wirkliche Filme und auch in diesem Fall hat sich die filmische Umsetzung nicht realisieren lassen. Narco-Tango nimmt dann aber wesentliche Teile des geplanten Drehbuchs auf und setzt die Reihe fort. Neue Drogen ĂŒberschwemmen die Stadt wĂ€hrend Caroline einen verschwundenen Wissenschaftler aufspĂŒren soll. Die StrĂ€nge ĂŒberschneiden sich und zur Lösung muss sich die Heldin eine neue FĂ€higkeit aneignen: Tango!
Danach geht es in Half-Blood wieder nach Asien: Carolines Chef erfĂ€hrt, dass er nur noch sechs Monate zu leben hat und möchte sich daher mit seinem Sohn versöhnen. TatsĂ€chlich hat er es aber vor allem auf ihn als RĂŒckenmarkspender abgesehen. Er schickt daher seine beste Ermittlerin nach Bangkok, um den Verschwundenen aufzuspĂŒren. Immer noch ist die HIV-Erkrankung ein integraler und stimmiger Bestandteil der Handlung. Nichts wirkt aufgesetzt.
Die Story findet ihr vorlÀufiges Ende in Falken: Sie scheint komplett gescheitert zu sein. Doch plötzlich erscheint alles ganz anders und die vermutete Vergangenheit entpuppt sich als falsch. Ein grandioses Finale zwischen Glaube und Wahrheit, Traum und Wirklichkeit.
Sowohl die vier SammelbĂ€nde als auch die folgenden EinzelbĂ€nde folgen einem gemeinsamen Look. Das Cover ziert jeweils ein Bild der Heldin auf weiĂem Hintergrund und der RĂŒcken ist bis auf Beschriftung und ein gemeinsames RĂŒckenbild auf den SammelbĂ€nden blau. Alle HardcoverbĂ€nde enthalten nicht nur die eigentliche Geschichte, sondern auch ausfĂŒhrliches Material zu den geschichtlichen HintergrĂŒnden, Anekdoten von und ĂŒber Taymans zu den Geschichten und seinen BeweggrĂŒnden sowie eine Vielzahl von Illustrationen und Fotos. Die SammelbĂ€nde sind sogar mit einem LesebĂ€ndchen ausgestattet!
Die Reihe macht damit im Regal einen schönen und wertigen Eindruck, der der Relevanz der Serie entspricht. Viele Heldinnen â wenn es sie denn ĂŒberhaupt gibt â sind blond und groĂbrĂŒstig. Caroline dagegen ist keinem Model-Katalog entsprungen, sondern ânormalâ. Mit ihrer selbstbestimmten SexualitĂ€t, ihrem Alkoholkonsum aber auch mit ihrem LoyalitĂ€tsverstĂ€ndnis verkörpert sie eine moderne Frau ohne dabei neue Klischees zu erzeugen. Und obwohl durchaus nackte Haut gezeigt wird, werden die Szenen kaum Voyeure anlocken.
Durch die Kombination aus Krimi, Drama und Soap entsteht eine Serie, die sowohl von der Spannung lebt als auch von der Neugier, wie es weitergehen wird. Diese bezieht sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern lĂ€sst Raum fĂŒr lĂ€ngere Episoden um âNebenâ-Figuren. Zeichnerisch ist alles im Stil der âKlaren Linieâ. Die Natur wird sehr realistisch dargestellt, aber auch die Szenen in den pulsierenden oder ruhigen StĂ€dten ĂŒberzeugen und die Heldin ist fast schon ikonisch mit ihrer sich nie Ă€ndernden Frisur. Top-Tipp!
Nicht nur Leser*innen finden, dass die Geschichte nicht auserzĂ€hlt ist. Es gibt daher einige Specials die im Laufe des Jahres 2022 erscheinen werden. FĂŒr diejenigen, die ihre Lieblingscomics gerne nicht nur im Regal stehen haben, sondern auch an der Wand hĂ€ngen sehen möchten, gibt es eine limitierte Vorzugsausgabe von Band 17 mit ExLibris.
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 ⏠ISSN: 1438-2792
Und schon wieder wiederholt sich eine ganze Menge: Das Jahr geht zur Neige, die Weihnachtsgeschenkeideen sind aber lange noch nicht zu Ende gedacht. Erneut droht ein Lockdown, die Homeofficemöglichkeiten sollen wieder ausgenutzt werden und erste WeihnachtsmĂ€rkte wurden bereits abgesagt. Wie schön, dass wenigstens das ZACK uns auch in 2021 regelmĂ€Ăig mit neuen Comics versorgt, mit Artikeln und Besprechungen Neugierde geweckt oder Wissensdurst befriedigt sowie die Nostalgiker*innen mit Erinnerungen gefĂŒttert hat.
Des Teufels Advokat kombiniert in Luthon-Höge Krimi, Slapstick und nicht aufgearbeitete Nazi-Vergangenheit. Skurrile Serie in einem kleinen Bergdorf, in dem die Uhren noch anders gehen, von Willem Ritstier mit Zeichnungen von Michiel Offerman. Bestimmt nicht jedermanns Geschmack aber ziemlich cool.
Rick Master ist weiterhin auf der Jagd nach einem Massenmörder. Alle FĂ€lle scheinen sich auf einen Stadtteil zu konzentrieren und irgendetwas mit der Vergangenheit zu tun zu haben. Nicht nur dezente Anspielungen und Seitenhiebe auf institutionalisiertem Rassismus machen Kommissar Griot zu einem groĂen LesevergnĂŒgen. Und Kommissar Bourdon muss seinerseits im Senegal lernen, dass die eigenen Sichtweisen nicht immer die richtigen sind. Tolle Modernisierung des Klassikers von Zidrou und Simon Van Liemt!
Die Abschiede
TemporĂ€r heiĂt es, sich von Martin Frei und der Frau mit dem Silberstern zu verabschieden. Das auf zwei Teile angelegte Abenteuer mit Leutnant Blueskull geht mit einem Traum zu Ende, der aus einem heiĂen zu einem Alptraum wird. Schön gelöst! Wir erfahren mehr ĂŒber die Motive und werden mit einem packenden Cliffhanger verabschiedet.
Im kommenden Jahr feiert das Magazin, das einer ganzen Generation von Comic-Fans in Deutschland einen Namen gegeben hat, einen runden Geburtstag. Obwohl einige der Serien von damals (in einer runderneuten Form) immer noch zu den regelmĂ€Ăigen Akteuren zĂ€hlen, haftet dem Heft kein bisschen Nostalgisches an (Naja, Mangas gibt es hier nicht, aber auch nicht nur Comics fĂŒr GroĂeltern). Freuen wir uns also auf ein modernes Programm fĂŒr 2022, gespickt mit Erinnerungen und Neuentdeckungen.
In diesem Sinne: Be young, be foolish, be happy! Zu diesem Northern Soul-Klassiker von The Tams passt ein Winter Ale.
Mittlerweile liegt mit dem dritten Band die gesamte Serie bei Salleck Publications auf Deutsch vor. Dabei hat Rider on the Storm durchaus eine interessante Entwicklung durchgemacht. In Band 1 stand eine junge Ermittlerin im Fokus: Ihre Kollegen waren keinesfalls bereit, einer Frau irgendwelche ZugestĂ€ndnisse zu machen und die heute etwas verklĂ€rten 70-er lieĂen grĂŒĂen. Band 2 war dann eine Mischung aus Krimi und Drama. Immer schon lief die Vorliebe des Helden fĂŒr MotorrĂ€der mit, fĂŒr Band 3 darf sie in den Vordergrund treten.
Die Legende MV Augusta
Wer kann sich noch an âAgoâ erinnern? Kaum ein Motoradsportler hat sich so in die Herzen der westlichen Welt gefahren wie dieser Italiener, der Ende der 60-er bis Mitte der 70-er die Pisten auf einer MV Augusta dominierte. Gaspard, der Held dieser Serie, hat mittlerweile erfahren, dass sein echter Vater gar nicht gestorben ist, sondern in Italien lebt. Er macht sich also auf in den SĂŒden nach Rom und versucht dort, einerseits seinen Vater aufzuspĂŒren.
Da er aber auch leben muss und seine groĂe Liebe sowieso den Rennmaschinen gilt, versucht er gleichzeitig, eine Einstellung bei MV Augusta als Rennfahrer zu bekommen. Viele Seiten dieses Bandes handeln davon, wie die Maschine reagiert, wie Fahrer und Motorrad zu einer Einheit werden können, aber auch mĂŒssen und was dabei behindert.
Baudovin Deville obliegt es, die Geschwindigkeit der MV Augusta und ihren Sound auf das Papier zu bringen. Einerseits verwendet er dafĂŒr klassische Elemente wie Bewegungslinien und Soundwords. Jede*r Liebhaber*in von Motorsportcomics wird hiervon ebenfalls begeistert sein. Er nimmt sich dabei aber selber nicht allzu ernst, wenn er etwa den erschrockenen Igel benutzt, um die Situation darzustellen. Mir gefĂ€llt das!
Personen werden bevorzugterweise nur bis zum halben Oberkörper gezeigt. Deville kann aber auch Bewegungen und ganze Körper darstellen, es passt ihm scheinbar einfach nicht so. Realistische Zeichnungen mit gut recherchiertem Ambiente, das die Luft der 70-er atmet.
Spannende Serie
Die in drei BĂ€nden abgeschlossene, in sich sehr abwechslungsreiche Serie bedient verschiedene GeschmĂ€cker. ZunĂ€chst einmal ist es ein gut gemachter Krimi. In allen BĂ€nden bekommen Motorradfans ihre Spezialseiten, im dritten sogar auch viel Renngeschehen. Und auch die 70-er Jahre sind gut dargestellt und abgehandelt: Mode, gesellschaftliche Konflikte aber auch LebensentwĂŒrfe!
Der Hardcoverband enthĂ€lt nicht nur einen kurzen gezeichneten RĂŒckblick auf die ersten beiden Teile, sondern auch Infomaterial zu MV Augusta und den Rennen. Der Einband ist sehr ansehnlich gestaltet und preislich ist der Band ebenfalls völlig in Ordnung. Im Regal steht er wahrscheinlich nĂ€her an Michel Vaillant als an Parker oder Caroline Baldwin.
Dazu passen The Knack (etwa My Sharona) und ein Dosenbier.
Nicht viele Zeichner schaffen es, eine so erfolgreiche Serie zu platzieren, dass sie mehr als 70 Alben veröffentlichen können. Noch ungewöhnlicher ist es allerdings, das mit zwei parallelen Reihen zu schaffen. Tibet hat nicht nur bis zuletzt jÀhrlich mindestens einen Rick Master gezeichnet, sondern 2009 auch noch das 70.ste Album seines Funny-Westerns Chick Bill auf den Markt gebracht (und noch ein Album einer dritten Serie!). Hut ab!
Der 76. Band Das letzte Duell beginnt spektakulĂ€r: Rick ĂŒberfĂ€llt zusammen mit weiteren Maskierten seine Freundin Nadine. In einem RĂŒckblick wird erklĂ€rt, wie es dazu kommen konnte. Bob Drumont wird bedroht, weil er zu viel weiĂ, Rick, Nadine und Kommissar Bourdon werden in diesen unĂŒbersichtlichen Fall hineingezogen. Gut und böse scheinen nicht mehr klar unterscheidbar zu sein und es kommt zu mehreren MordanschlĂ€gen. TatsĂ€chlich haben die Held*innen es hier mit einem ihrer Erzfeinde zu tun.
Auch Das KreuzmordrĂ€tsel zeigt Rick und Nadine in einer kniffligen Situation. Die Story spielt inmitten der Dreharbeiten zu einer TV-Krimi-Serie. Nicht nur, dass es zu einem Todesfall am Set kommt, der oder die TĂ€ter*in droht auch noch damit, weitere Personen umzubringen. Einerseits beweist DuchĂąteau Selbstironie, wenn er die Titel der bisher veröffentlichten Rick Master Stories integriert, andererseits sind Schauspieler*innen mit ihren AllĂŒren ein gefundenes Fressen fĂŒr miese, ĂŒberzeichnete, ĂŒberemotionale Rollen. Schade nur, dass mit dem gewĂ€hlten deutschen Titel das Wortspiel mit der 77 ein wenig untergeht: Das 77. Abenteuer des Detektivs hat Tibet im Alter von 77 Jahren gezeichnet.
Die Gesamtausgabe endet mit dem letzten, unvollendeten 78. Album in Deutscher Erstveröffentlichung: Die Jagd nach dem goldenen Greif! Ein reicher Kunstfan hat eine sehr wertvolle Skulptur versteckt und 4 Schatzsucher*innen mit den gleichen Informationen zu ihrer Suche versorgt. Leider stirbt nicht nur einer der Vier bereits schnell eines unnatĂŒrlichen Todes, auch Tibet selbst kann das Album nicht mehr beenden. Jeweils auf der linken Seite ist die Vorzeichnung abgedruckt, auf der rechten zunĂ€chst die fertigen, bereits kolorierten Seiten, spĂ€ter dann nur noch Reinzeichnungen oder Vorzeichnungen von Tibet dazu. DuchĂąteau erklĂ€rt dann noch, wie es weiter gegangen wĂ€re. Dem Abdruck liegt die französische Luxusausgabe zugrunde und so gibt es noch ein paar Hommagen obendrauf!
Hohe Geschwindigkeit kann mit QualitÀt einhergehen
Wie bereits erwĂ€hnt hat Tibet auch im hohen Alter noch drei komplette Alben aus verschiedenen Serien in einem Jahr auf den Markt gebracht. Viele, auch jĂŒngere Kolleg*innen schaffen nicht mal eins. Sicherlich hilft der Stil der klaren Linie ein wenig. ĂberflĂŒssige, ausschmĂŒckende Details ohne eigenen Beitrag werden einfach weggelassen. Zudem gab es auch fĂŒr Rick Master Hintergrundzeichner, die die Seiten fertiggestellt haben. Wieviel wirklicher Tibet aber in den Zeichnungen steckt, lĂ€sst sich im unvollendeten Album leicht feststellen und das ist beeindruckend.
Trotzdem sind Rick und Nadine, aber auch alle anderen Personen erkennbar, emotionsfĂ€hig, bewegen sich realitĂ€tsnah und sind keineswegs Karikaturen ihrer selbst. Moderne Fantasy-orientierte Zeichnungen sehen anders aus, aber Rick Master ist nun mal ein Klassiker, der auch einen gewissen klassischen Charme ausstrahlen darf (und soll!). Der Erfolg der Serie ist hier sicherlich ein Indikator fĂŒr das Gewollte.
Schmucke Gesamtausgabe
Die 25 BĂ€nde haben eine einheitliche Aufmachung und prĂ€sentieren 3 bis 4 Geschichten. Dazu kommt jeweils eine hervorragende und reich illustrierte EinfĂŒhrung in die Geschichten, die KĂŒnstler, die ZeitbezĂŒge und alles drumherum von Volker Hamann. SelbstverstĂ€ndlich fehlen Angaben zu Erst- und deutscher Veröffentlichung nicht.
FĂŒr die Generation ZACK die Möglichkeit, einen der Helden der ersten Jahre komplett und einheitlich im Regal zu haben, fĂŒr Krimifans eine gute Gelegenheit die WandlungsfĂ€higkeit eines Settings auszuprobieren, in dem die Akteure keinen Tag altern, die Welt um sie herum aber schon, und fĂŒr Liebhaber*innen der Inhalte von Tintin/Kuifje sowieso.
Obwohl die Nummer 25 der Abschlussband ist, lohnt er sich sogar fĂŒr Einsteiger*innen: nirgendwo anders gelingt ein Einblick in die Zeichenkunst von Tibet so gut wie hier!
Da es bald weihnachtet (und Geschenke dieses Jahr frĂŒh besorgt werden sollen) passen dazu das angekĂŒndigte Weihnachtsalbum von den Broilers und ein erster warmer Punsch.
Ădouard Aidans war einer derjenigen, die mit ihren Serien das Koralle-ZACK maĂgeblich geprĂ€gt haben. Am bekanntesten sind sicherlich seine Geschichten ĂŒber Tunga vom Stamme der Ghmour und seine GefĂ€hrt*innen. Aber auch Tony Stark war von den Leser*innen hoch geschĂ€tzt worden. Daneben gab es aber auch noch eine Reihe, die ein wenig aus dem Rahmen fĂ€llt: ein Reporter macht sich mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn auf, um auf allen Kontinenten Naturdokumentationen zu drehen, auf Probleme wie UnterernĂ€hrung und Wasserknappheit hinzuweisen und fĂŒr bessere Bildung einzutreten. NatĂŒrlich ist die Rede von Marc Franval oder Sven Janssen, dessen gesammelte Geschichten jetzt ebenfalls bei Kult Comics erscheinen.
Am Anfang stand ein Playboy
1963 waren noch Stereotypen gefragt und auch Marc Franval startete entsprechend. Er war ein Playboy, der von Jacques Acar wie âjust another heroâ angelegt war: keine finanziellen Sorgen, gepflegter Umgang, Schriftsteller, der auf der ganzen Welt zuhause ist. In Sven Janssen jagt den Kondor verschlĂ€gt es ihn nach Polynesien. Dort muss er sich mit einer Bande von Gangstern herumschlagen zu der auch ein ehemaliger deutscher Nazi gehört. Schon in diesem ersten Abenteuer bekommt er aber einen jugendlichen Sidekick.
Es geht aber trotzdem nicht in Serie. Stattdessen erscheinen im folgenden Jahr zunĂ€chst Kurzgeschichten von Yves Duval mit einem verĂ€nderten Setting. Aus dem Playboy ist ein Familienvater geworden, die Schriftstellerei ist gegenĂŒber dem Drehen von Filmen in den Hintergrund getreten und die Familie unternimmt nun ihre StreifzĂŒge in einem roten VW-Bus. Blutiges Elfenbein lĂ€sst aber bereits deutlich erkennen, dass es nicht wie in den Kurzgeschichten darum gehen wird, GroĂwild darzustellen; das Krimi-Element bleibt erhalten. Und auch Visa fĂŒr drei Kontinente macht klar, dass es fĂŒr Svens Frau Britta und den kleinen Didi nicht immer einfach und gefahrlos zugeht. Neben der beherrschbaren Gefahr durch wilde Tiere sind es immer wieder Kriminelle, die die Familienmitglieder bedrohen, kidnappen oder sogar verletzen. Der Held arbeitet dabei immer auch an seinen Filmen und bekommt dadurch die Chance, MissstĂ€nde anzuprangern.
Wieder zurĂŒck in Afrika scheint in Geieralarm eine fast vergessene afrikanische Sekte einen neuen Aufstand zu proben. Heute mag das fast wie Folklore erscheinen, Ende der 60er Jahre waren antikoloniale AufstĂ€nde allerdings durchaus ein Thema. Jagd durch Marokko ist das erste Album mit der heute gebrĂ€uchlichen Standardseitenzahl von 44. Die vorherigen waren auf 30 begrenzt und lieĂen daher weniger Raum fĂŒr das Ausbreiten der Story. Wieder wird Sven ungewollt in eine Geschichte verwickelt, die ihn dieses Mal in die WĂŒste verschlĂ€gt.
SchlieĂlich geht es in Reiseziel Desertas um Kunst. Zwei auf den amerikanischen StraĂen geschulte Mietgangster sorgen dabei fĂŒr die Spannung. Man merkt den wechselnden zeitlichen Einfluss, obwohl die Geschichten doch in dem kleinen Zeitraum von 5 Jahren entstanden sind. Anfangs der eloquente Held, den nichts aus der Ruhe bringt, solange er seine Pfeife hat, am Ende brutale Gangster, die vor nichts zurĂŒckschrecken (naja, verglichen mit heutigen TV-Serien waren auch das noch harmlose Exemplare). Was man allerdings auch merkt ist das Rollenbild, dass Brittas Rolle einengt. Sie darf einkaufen, Pflaster kleben und vor allem natĂŒrlich kochen und abwaschen, wĂ€hrend sich die MĂ€nner in die Gefahr begeben.
Besonders gelungen finde ich vor allem die WĂŒstenszene: die Seite flimmert geradezu vor Hitze, die Endlosigkeit ist spĂŒrbar und auch die scheinbare Ausweglosigkeit. Alle Geschichten kommen natĂŒrlich mit bibliographischen Angaben, die auch die bisherigen Veröffentlichungen in Deutschland in MV Comix oder ZACK benennen.
Lang erwartete Komplettierung des Hauptwerkes von Aidans
Kult Comics hat nun auch die letzte groĂe Serie des belgischen KĂŒnstlers in das Programm genommen. Dankenswerter Weise kommt auch diese Gesamtausgabe mit einem groĂen redaktionellen Teil von Volker Hamann, der nicht nur die Szenaristen vorstellt, sondern auch viele Abbildungen enthĂ€lt. Mir gefallen die groĂformatigen Bilder allerdings nicht so gut, da die Figuren dort sehr unnatĂŒrlich aussehen. Hervorzuheben ist aber, dass mehrere Kurzgeschichten das Bild vervollstĂ€ndigen.
Cover der limitierten Vorzugsausgabe
Mit dieser Gesamtausgabe sind einige Sachen erstmals (ungekĂŒrzt) auf Deutsch erhĂ€ltlich, die meisten waren seit den 70-ern vom hiesigen Markt verschwunden. FĂŒr die Sammler*innen gibt es wieder eine auf nur 99 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit ExLibris und Variantcover. Beide BĂ€nde sind auf dem bereits gewohnten etwas dickeren Papier gedruckt und als stabiles Hardcover gefertigt.
Dazu passen The Music Machine mit ihrem Garage-Pre-Punk und ein Hot English Rum Flip.