MOSAIK – Anna, Bella & Caramella – 37/2018

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Autor/Szenario: Jens U. Schubert

Zeichnungen: Jens Fischer
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft KF | 52 Seiten | Farbe | 3,40 €
ISSN: 0323-8857

Mit einem Feuerwerk und einer Tortenschlacht feiert der Ableger der erfolgreichen Mosaik-Reihe mit den Abrafaxen bereits seinen 10. Geburtstag. Comix-online gratuliert herzlich!

Auch in diesem spin-off geht es um drei Zeitreisende, die ihre jeweiligen Charaktereigenschaften einbringen um gemeinsam Abenteuer erfolgreich zu bestehen. Im Gegensatz zur Hauptserie sind es hier aber drei Mädchen – Anna, Bella und Caramella – die für die Unterhaltung ihrer Leserinnen und Leser sorgen. Die Redaktion achtet dabei ausdrücklich darauf, keine Geschlechterklischees zu bedienen und entwirft sowohl die Reisen der Abrafaxe als auch diese hier für die ganze Familie. Trotzdem stehen hier starke Frauen im Mittelpunkt: so hatten zum Beispiel die Nobelpreisträgerin Marie Curie oder die weltweit erste Programmiererin und Mathematikerin Ada Byron schon ihren Auftritt.

Die aktuelle Ausgabe ist Teil des seit der Nummer 35 laufenden Abenteuers in London. Gekonnt werden personenbezogene Elemente der waghalsigen und kein Risiko scheuenden Anna und der organisierenden Bella mit zeitgeschichtlichem Flair vermischt. So gebietet die Ehre den Adligen selbstverständlich etwas Unwahres zu sagen, nicht aber, etwas Wahres möglicherweise zu verschweigen. Eingebettet in ein Fest mit geplantem Feuerwerk und ungeplanter Tortenschlacht versuchen die Heldinnen ihre Zeitkarte wieder zu erlangen und müssen dafür ein hohes Risiko eingehen.

Die Zeichnungen sind dabei sehr detailreich und teilweise karikierend. Die Panele sind immer drei-reihig angeordnet, umfassen aber oft in der horizontalen oder vertikalen Verbindungen und sind daher sehr aufgelockert.

Abgerundet wird das Ganze durch ein Preisrätsel, einen Bericht über den Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Seite und die „Wissensbeiträge“ über physikalische und biologische Kenntnisse auf die im Heft angespielt wurde. Dazu gibt es dann noch ein Backrezept für die „einfachste Torte der Welt“ die sich mit dem beigefügten Bastelbogen noch verzieren lässt.

Auch ein Überblick über die Inhalte der letzten 10 Jahre und die Aufteilung der einzelnen Hefte auf die Handlungsbögen fehlt nicht.

Liebevoll, kind- und familiengerecht, ohne Plastikmüll und pädagogisch sinnvoll – eine ernsthafte Alternative zu vielen anderen Magazinen für diese Zielgruppe!

Und was hört und trinkt mensch dazu? Selbstgemachte Limonade und eine Kinderlieder-playlist natürlich.

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Die Ferien sind vorbei

Nun geht es also wieder weiter… Meine Sommerferien sind leider wieder vorbei, haben mich aber einige spannende Entdeckungen machen lassen.

Neben einigen Rezensionen aus dem deutschen Markt folgen hier in Kürze Berichte über ein holländisches Magazin mit einem hohen Comic Anteil aber auch vielen Artikeln und Interviews und über den Abschluss der zweiten Amoras-Reihe.

Außerdem möchte ich den Hype um Spirou in Berlin, den deutschen Beitrag zu dieser langlebigen Serie, nutzen um auch andere landesspezifische Ergänzungen vorzustellen.

Meine liebsten Comic-Shops Teil 3: Stripwinkel Fantasia, Amsterdam

Der „Stripwinkel Fantasia“ liegt an der Buitenveldertselaan 174 in 1081 AC Amsterdam in einem kleinen Areal mit mehreren Geschäften und einem Parkplatz und ist nur sonntags geschlossen. Montags öffnet das Ladengeschäft allerdings erst mittags. Fantasia betreibt auch einen Online-shop: https://www.stripwinkelfantasia.nl/ bzw. https://fantasiashop.nl

Das Ladengeschäft ist alles andere als geräumig, macht aber das Beste aus der Enge. Neben einem kleinen aber feinen Merchandise-Bereich im Eingangsbereich wird die rechte Ladenhälfte von einer großzügigen Ausstellungsfläche für neue Comics an der Wand und einem großen halbhohen Regal eingenommen. Der Betreiber legt Wert darauf, nicht nur die gängige Ware auszustellen, sondern hält auch Luxusausgaben und kleinere Verlage bereit. Im hinteren rechten Teil finden sich die aus allen klassischen Darstellungen bekannten Kästen mit second-hand-Ware in unterschiedlichsten Zuständen.

So weit so gut: Freundliches Personal und ein großes Angebot sind zwar selten, machen aber noch keinen wirklichen Unterschied.

Fantasia bemüht sich jedoch seit Jahren kontinuierlich darum, seinen Kund*innen auch Signierstunden und selbst produzierte Luxusausgaben und ExLibris in kleiner Auflage anzubieten. Hier ist insbesondere die Verbindung mit Hermann zu erwähnen, der einmal pro Jahr den Laden besucht und jeweils eine kleine Serie von neuen Kunstdrucken erlaubt. In diesem Jahr fand sie am 10 März statt und wurde von einer speziellen Luxusausgabe des zweiten Teils von „Duke“ und 8 neuen Drucken in 200-er Auflage begleitet.

Im hinteren Ladenbereich liegt eine große Anzahl von prall gefüllten Mappen mit den Restbeständen dieser Aktionen so dass man genügend Zeit mitbringen sollte. Neben älteren Drucken aus der Comanche und Andy Morgan-Zeit sind auch aktuellere signierte und limitierte Drucke für einen sehr fairen Preis zu erwerben. Die besondere Beziehung zu Hermann Huppen ist auch die Begründung für die Möglichkeit, die Comanche-Ausgabe des Splitter-Verlages hier erwerben zu können.

Da der Laden vom Hauptbahnhof in Amsterdam mit öffentlichen Verkehrsmittel in ca 25 Minuten zu erreichen ist, solltet ihr unbedingt einen Besuch einplanen, wenn ihr denn schon in Amsterdam seid.

Fix & Foxi – Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney und seine Kultfüchse in Oberhausen

In der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen findet noch bis zum 9.9.2018 eine Ausstellung zum „deutschen Pendant zu Micky Maus“ statt. Mit über 200 originalen Zeichnungen ist es die bisher umfangreichste Schau zum Rolf-Kauka-Universum. Viele der Exponate stammen aus dem 2014 von Dr. Piech übernommenen Nachlass und wurden bisher nur selten aber nie in dieser Menge gezeigt.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum und präsentiert neben zwei anderen Themen auch heuer wieder Comics! In früheren Jahren konnte man hier schon eine Ausstellung zu der Entwicklung der Comics in Deutschland, die Zusammenstellung von sechs Disney-Künstlern unter dem Thema „Von Entenhausen nach Oberhausen“ oder die Schau „Das ist doch keine Kunst“ mit Werken von Ruthe, Sauer und Flix besuchen. Die Erwartungen sind also durchaus hoch.

Bei 35 Grad Außentemperatur ist es schon mal sehr angenehm, klimatisierte Räume betreten zu können. Die Ausstellungsräume befinden sich auf drei Etagen in sehr großen Räumen so dass den Exponaten an den Wänden der Platz gegeben werden kann, den sie benötigen. Alle paar Meter gibt es vergrößerte Darstellungen als Gliederungselemente, oft begleitet von einem kurzen einführenden Text. Mittlerweile hat auch jedes Ausstellungsstück eine kurze begleitende Erläuterung. Wie bei allen Ausstellungen in Oberhausen gilt aber auch bei Fix & Foxi, dass man die Ausstellung eigentlich erst richtig versteht, wenn man den Katalog liest. Insbesondere für Besucher, die mit dem Herstellungsprozess nicht so vertraut sind, erschließen sich der Sinn von blauen Linien in der Vorzeichnung oder Anweisungen auf der Originalzeichnung nicht unbedingt. Zwar wird das mit den blauen Linien auch in der Ausstellung auf einem kleinen Schildchen erklärt, dieses befindet sich allerdings erst am gefühlt 30-sten Exponat mit eben solchen. Ich weiß, dass es sicherlich kein unbedachtes Unterlassen ist, dass es keinen Königsweg gibt, und dass es hier nicht um Comics im Allgemeinen geht sondern um ein spezielles Thema. Trotzdem stehen „Mitgekommene“ manchmal etwas verzweifelt davor.

Thematisch gegliedert werden in 8 Sälen zunächst einmal die Anfänge von Till Eulenspiegel über Reinicke Fuchs zu Fix und Foxi dargestellt. Überhaupt liegt ein Schwerpunkt der Exponate auf den frühen Werken. Rolf Kauka war in den Publikationen immer präsent: Als Herausgeber, als Titelgeber (Rolf Kaukas Fix und Foxi), als väterlicher Freund (Euer Rolf). Er hat den im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Kosmos herangewachsenen Bestand auch bis zuletzt inhaltlich betreut und überwacht, gezeichnet hat er aber nie. Der erste Hauptzeichner war Dorul van der Heide mit noch sehr naturalistischen, an das Tierreich angelehnten Figuren. Später übernahmen andere Zeichner und modernisierten langsam die Figuren. Ein verbindlicher style-guide wie bei Disney schon lange üblich wurde aber erst 1971 kreiert und sorgte ab dann für eine Standardisierung. Zu der Festlegung der Zeichnungen gehörte auch eine von Kauka und dem damaligen Chefzeichner Walter Neugebauer fest vorgegebene Beschreibung von Stil, Charakter und Inhalt der Geschichten in den sog. „Elementen der Kauka-Comics“.

Natürlich dürfen auch die weiteren Akteure aus Fuxholzen nicht fehlen: Eusebia und Knox, die die Welt der Erwachsenen vertreten, Lupo, der Rebell und Lupinchen, die freche Teenagerein sowie Pauli der Maulwurf, der es zu einer eigenen Welt mit weiteren Akteuren brachte. In den Spitzenzeiten brachte es die wöchentliche erscheinende deutsche Konkurrenz der Micky Maus auf über 200.000 Exemplare!

Die eine Zeitschrift war Kauka aber nicht genug. Er diversifizierte sein Programm in alle Richtungen und brachte Bussi Bär für die Kleinen und Lupo modern für die Großen. In letzterem durften sogar „schräge“, dem eigentlich streng konservativen Kauka sicherlich suspekte Themen wie Jazz, Beatles oder Hippies abgehandelt werden. Auch aus dieser Zeit sind einige Werke zu sehen!

Noch später, in der Wiechmann-Zeit, kamen sogar albenlange Geschichten für junge Erwachsene wie Capitan Terror, Kuma oder Andrax in Zusammenarbeit mit spanischen Studios heraus. Wenn ich an meine Jugend denke war das sicherlich die spannendste Phase! Auch hier finden sich Exponate an denen sich der große Unterschied zu den kindgerechten Bildern der verflossenen Jahre deutlich ablesen lassen: harte Kontraste, Schraffuren, Gewalt gegen Verniedlichung, weiche Farben und runden Figurkonturen.

Ein weiterer Saal stellt das wohl kontroverseste Thema dar: Kauka hat als einer der ersten und vor allem erstmals in großem Stil seit 1965 Material aus dem Franko-belgischen Raum lizensiert und bekannt gemacht: Die Schlümpfe, Boule et Bill (Schnieff und Schnuff), Pirat Schwarzbart, Spirou (Pit und Pikkolo), Lucky Luke, viele weitere und vor allem Siggi und Babarras wie die komplett eingedeutschen Asterix und Obelix genannt wurden. Immerhin sechs Abenteuer der Gallier konnten als Abenteuer der Germanen (!) mit komplett neuen Inhalten aber gleichen Zeichnungen veröffentlicht werden bevor der Lizenzgeber die Reißleine zog. An diese Thematik kann man unterschiedlich herangehen: urheberrechtlich, künstlerische Freiheit des Übersetzers, politisch (ja, der Bösewicht hat einen jüdischen Akzent). Alle diese Aspekte werden in der Ausstellung aber zumindest angerissen! Mehr geht in diesem Rahmen sicherlich nicht.

Fix & Foxi hat das Schicksal vieler Printprodukte erlitten: trotz vieler Änderungen (wie z.B. Gimmicks) ist 1994 Schluss. Zwar kommt es 2010 zu einem sehr kurzlebigen Relaunch aber das Printabenteuer ist vorbei! Aber Kauka hat die heute so viel beschworene Digitale Transformation geschafft! Aus einer für das Fernsehen produzierten Trickfilmserie hat sich mittlerweile ein eigener Satelliten-TV-Sender entwickelt der auf mehreren Kontinenten zu empfangen ist! Hut ab. Für die Filme steht in Oberhausen ein eigener Saal als „Kino“ zur Verfügung. Außerdem gibt es immer noch einen Merchandise-Bereich. Auch hierzu sind viele Exponate aus den letzten fast 70 Jahren zu sehen.

Fix und Foxi im Print ist tot? Vielleicht doch nicht: Der letzte Chefzeichner der Füchse, Bone Buddrus, hat einen neuen Einseiter produziert der in der Ausstellung im Schloss Oberhausen spielt! Dieser ist im Übrigen auch auf der Rückseite des als Hardcover im Din-A4-Format gebundenen und erneut sehr zu empfehlenden in der Edition Alfons erschienenen Ausstellungskataloges abgedruckt. Er kann aber auch sowohl als Vorzeichnung wie als fertige Seite als signierter und jeweils auf 200 Exemplare limitierter Druck erworben werden.

Für Comic-Fans, Nostalgiker, Fix-und-Foxi-Leser und alle, die sich für den Hintergrund der TV-Serie interessieren, ein lohnender Besuch! Für alle, die sich noch nie für Comics interessiert haben, die Ausstellung aber einfach mal sehen wollen, lohnt es sich, einen Bekannten mitzunehmen, der oder die ein paar Hinweise geben kann.

Alle, die jetzt noch Kraft übrig haben, können die Zusatzausstellung, die über den Shop zu erreichen ist, besuchen: „Glück auf!“ mit Comics und Cartoons von Kumpel Anton über Jamiri bis Walter Moers. Auch in diesem Saal werden viele Originale von den titelgebenden Künstlern aber auch von z. B. Ulf K. oder Ralf König gezeigt die sich irgendwie mit dem Thema „Kohle“ beschäftigen. Meines Erachtens lohnt es sich, die vielen unterschiedlichen Stile aber auch Herangehensweisen auf engstem Raum miteinander vergleichen zu können.

Das Programm der Ludwiggalerie mit speziellen Vorträgen und Führungen sowie einem speziellen museumspädagogischen Teil findet sich hier:

Der Eintritt beträgt 8€ für Erwachsene, 4€ ermäßigt und 12€ für Familien. Die Ludwiggalerie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen werden um 11:30 kostenlose Führungen angeboten.

 

Der zweisprachige Katalog zur Fix-und-Foxi-Ausstellung mit 128 Seiten im Albumformat ist bei der Edition Alfons erschienen, kostet 29,80€ und hat die ISBN 978-3-946266-13-6.

© aller Abbildungen Sammlung Dr. Stefan Piëch

© Plakat Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

© Foto Sven Krantz-Knutzen

 

Reddition 68 – Mai 2018

Reddition 68 – Mai 2018

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 76 Seiten | Farbe | 10,00 €
ISSN: n/a

 

Schon im 34. Jahrgang und mit einer hohen Verlässlichkeit zweimal im Jahr erscheint die Zeitschrift für Graphische Literatur REDDITION aus dem hohen Norden. Sie stellt damit eine der wenigen Konstanten im Sekundärbereich über die Neunte Kunst dar. Wie immer ist die Ausgabe Schwerpunktthema-zentriert. Während es in der letzten Ausgabe noch um eine Ikone der Popkultur, nämlich Batman, ging, ist das Dossier dieser Ausgabe der argentinischen Comicliteratur mit einem besonderen Fokus auf Hector German Oesterheld gewidmet. Der Einblick wäre aber nicht komplett ohne Beiträge zu Alberto Breccia und Hugo Pratt sowie zu weiteren Vertretern dieser Zeit und Provenienz.

Während die Zeitschrift als solche auch im Laden und im Bahnhofsbuchhandel erworben werden kann, erhalten Abonnenten jeweils eine Zugabe: in diesem Fall ist es die kleinformatige deutsche Erstausgabe von „Guardia Nocturna“ von Oesterheld und Pratt aus Cero Extra 39 vom April 1961. Eine Leseprobe der Reddition findet sich auf den Seiten der Edition Alfons.

Diese Ausgabe ist bereits die dritte, die sich mit Comics aus Argentinien befasst. In den 25 Jahren seit den letzten beiden Nummern hat sich aber vieles getan und es sind neue Quellen aufgetaucht, so dass es sich keinesfalls um einen Aufguss handelt. Zudem ist Deutschland gerade dabei, Oesterheld und insbesondere den auf dem Titel abgebildeten Helden Eternauta zu entdecken.

Es ist schwierig, den argentinischen Comicmarkt ohne die politische Entwicklung dieses Landes zu betrachten. Waren Comics in den 50-er Jahren ein Massenprodukt und der Markt somit auch ein Magnet für ausländische, insbesondere italienische Autoren und Zeichner, änderte sich mit dem Militärputsch gegen Allende und der Diktatur alles. So zählt auch Oesterheld neben seinen vier Töchtern zu den ermordeten Opfern und seine Witwe war eine der Madres de Plaza de Mayo, eines Zusammenschlusses von Müttern der verschwundenen Kinder. Dankenswerter Weise wird dieser Bereich weder verschwiegen noch in ideologischer Weise benutzt und mit Dokumenten (u.a. einem Brief von Hergé an den Präsidenten Argentiniens) und Interviews der eigenen Bewertung der Unmenschlichkeiten zugeführt.

Daneben stehen aber gerade auch die Kunst und das Vorgehen Oesterhelds im Vordergrund. In einem Interview und einem von ihm verfassten Beitrag wird deutlich, wie seiner Meinung nach eine Geschichte entstehen muss und welche Schritte, welches Engagement und welche Begeisterung dafür notwendig sind, einen guten Comic zu erschaffen. Selten wird den Gedanken eines Künstlers so viel Raum gegeben! Und Oesterheld hat bewiesen, dass seine Herangehensweise erfolgreich ist: Sgt. Kirk, Ernie Pike und nicht zuletzt der bereits genannte Eternauta sind dafür leuchtende Beispiele.

 

In weiteren Artikeln werden Zeitgenossen vorgestellt: Der schwierige Alberto Breccia, Lopez, Munoz, Del Castilla, Pratt und nicht zuletzt Enrique Breccia. Dabei wird Wert darauf gelegt, nicht nur die 50-er und 60-er darzustellen sondern auch die Arbeiten für den englischen und amerikanischen Markt mit der gewohnt sorgfältigen und vielfältigen Dokumentation des Bildwerkes einzubeziehen.

Ich möchte jetzt nicht weiter auf die einzelnen Artikel eingehen um den Lesespaß nicht zu gefährden! Unbedingte Kaufempfehlung!

 

Dazu passt natürlich argentinischer Tango und Rotwein. Da der ganze Text aber nicht so schnell verdaut werden kann sollte es zwischendurch vielleicht auch das eine oder andere Glas Wasser tun.

© Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2018 und die jeweiligen Künstler bzw. Agenturen

Meine liebsten Comic-Shops Teil 2: Ultra Comix in Nürnberg

Ultra Comix – https://ultra-comix.de ist ein Comic-shop mit einer langen Tradition und Standorten in Erlangen und Nürnberg.

Das Ladengeschäft in Nürnberg liegt in der malerischen Altstadt mitten in der Fußgängerzone an der Vorderen Steingasse 2 und beeindruckt schon durch seine große Schaufensterfront. Dieser Platz wird gerne für wechselnde Ausstellungen genutzt. Im Inneren fordern drei Etagen das Portemonnaie oder die Plastikkarte des Besuchers heraus: Der geräumige Bereich im Erdgeschoß bietet Merchandise vom Feinsten. Was auch immer an Pixi-Ensembles, Statuetten, Plüschtieren oder Tassen etc. das Herz begehrt – Hier werdet ihr fündig. Das Sortiment geht dabei von klassischen frankobelgischen Standards über DC und Marvel sowie TV-Produktionen bis zu Manga. Auch Poster sind in großer Auswahl vorrätig.

Im Obergeschoß findet sich einerseits ein großes Angebot an Comics in Deutsch und Englisch zu Originalpreisen. Viele der hier vorrätigen Bände sind verlagsvergriffen und können trotzdem ohne Preisaufschlag erworben werden. Sehr positiv anzumerken ist, dass hier nicht nur die gängigen Titel und Verlage präsentiert werden; auch die kleinen Nischen bekommen ihren Platz. Der restliche Bereich wird von Spielen nebst Zubehör eingenommen. Auch hier wird in jeder Preisstufe genügend Auswahl geboten. Für Live-Rollenspiele ist sogar die passende Kleidung zu finden.

Im Untergeschoß ist dann alles für das sonst kein Platz war.

Zusätzlich zu Verkauf und guter Beratung werden auch Zeichenworkshops, Signierstunden und Spielevents durchgeführt! Das jeweils aktuelle Programm findet sich auf der Webseite.

Ultra Comix hat übrigens schon auf die Zugabe von Plastiktüten verzichtet, als es noch nicht en vogue war. Es können zwar Tüten erworben werden, gerne gesehen wird es allerdings nicht. Die entsprechende Begründung findet ihr auf der Webseite.

ZACK 230 (08/2018)

ZACK 230 – August 2018

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Schon seit 1999 erscheint das neue ZACK im Mosaik-Verlag und bringt regelmäßig alle 4 Wochen Comics, Artikel und Besprechungen an die Leser*innen.

Für die Kontinuität sorgt dabei der Chefredakteur der seit Jahren unverändert Georg Tempel heißt! Mit seiner Erfahrung und seinem eigenwilligen aber nie abseitigem Geschmack hat er das ZACK zu einem spannenden Heft gemacht. Er bedient dabei sowohl die Liebhaber des „klassischen ZACK“ mit den modernisierten Klassikern Bob Morane, Michel Vaillant oder aber in diesem Heft Rick Master und Tanguy & Laverdue genauso wie aktuelle Spirou-Klientel mit der in diesem Heft startenden Coming-of-Age-Serie Harmony. Western, Seefahrer, History/Sandalen-Comics fehlen im Repertoire genau sowenig wie anspruchsvollere Themen über das Schicksal der „jüdischen Brigade“ im zweiten Weltkrieg, die Kollaboration „Es war einmal in Frankreich“ oder das Schicksal der „SOS Lusitania“ das im Original bei Bamboo in Frankreich erschienen ist. Von unseren niederländischen Kollegen wurde Rhonda von VanO. veröffentlicht. Tempel scheut sich aber auch nicht, schwarz-weiß Comics oder solche über politische Zustände in Lateinamerika zu veröffentlichen. Dazu kommen immer einige One-Pager und zwei längere Artikel. Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass der Verlag Bernd Glasstetter die Gelegenheit gibt, sich auch kritisch und sehr persönlich zu politischen Themen zu äußern.  Auch wenn es sicherlich nicht immer eine Maistreammeinung ist, die hier vertreten wird, regt sie doch zumindest hoffentlich ein wenig dazu an, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Das aktuelle Heft bringt die ersten Seiten von Harmony, einem Comic von Mathieu Reynès, der stilistisch den klassischen frankobelgischen Stil mit Mangaeinflüssen vermischt. Die oft beschworenen Einflüsse aus dem Animationsfilm sind dagegen meines Erachtens nicht mehr so besonders als das sie eine Abgrenzung darstellen würden. Der Einstieg präsentiert die neue Heldin erstmal als seltsam und macht daher definitiv Lust auf mehr.

Rick Master ist im dritten Teil einer Geschichte über eine unheimliche Mordserie die scheinbar von einem kleinen Ratgeber ausgelöst worden ist. Man merkt den neuen Teilen dieser klassischen Serie an, dass sie deutlich spritziger und moderner sind, das Augenzwinkern auf die eigenen Geschichte aber nicht verleugnen möchten. So hängt z. B. im Büro des Verlegers ein Bild mit Michel Vaillant. Viel Spaß beim Entdecken der weiteren Verweise. Sowohl die aktuelle Variante von Tanguy & Laverdue als auch die Abenteuer um Cassio und die langsame Auflösung von verschiedenen Verbindungen aus dem klassischen in das moderne Rom über die Jahrtausende hinweg sind routiniert und handwerklich korrekt. Stephan Desberg beendet mit diesem nunmehr 8-ten Teil einen weiteren Zyklus und schafft es Vorfreude auf die weiteren Bände zu entfachen.

Die Abenteuer von Solo in der Kannibalenwelt sind früher schon einmal limitiert als Hardcover erschienen und werden nun einem breiteren Publikum koloriert dargeboten.

Die Artikel dieses Heftes beschäftigen sich mit Oblivian Song, der neuen Serie von Robert Kirkman und der Comic-Biographie über Joe Shuster.

Dazu passt bei diesem Wetter am Besten ein selbstgemachter Smoothie mit ganz viel Eis und vielen gemischten Früchten sowie – dem alten ZACK angemessen – natürlich ein Mix-Tape!

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Comic-Preise 2018

Wer hat noch mal welchen Preis gewonnen? Manchmal ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Als Service für euch daher nach Jahren gegliedert hier eine – ständig aktualisierte – Übersicht der wichtigsten Comic-Preise. Wenn ihr der Meinung seid, dass ein Preis fehlt, ergänzt ihn bitte über die Kommentarfunktion.

45° Festival International De La Bande Dessinée Angoulême

25 – 28 Januar 2018

http://www.bdangouleme.com/1234,1234

De Stripdagen Utrecht

31.März – 1. April 2018

https://www.stripschap.nl/pages/stripschapprijzen/de-stripschapprijs.php

18. Internationaler Comic-Salon Erlangen

31. Mai – 3. Juni 2018

Max und Moritz Preis

ICOM Independent Comic Preis

Comic-Con International San Diego

19. – 22. July 2018

Eisner Awards

Eisner Spirit / Eisner Retailer Award

Icon Awards

Inkpot Award

Bill Finger Awards

Russ Manning Award

Prix Saint-Michel

https://www.prixsaintmichel.be/index.php

Rudolph Dirks Award 2018

3. Verleihung im Rahmen der German Comic Con Dortmund

01. – 02. Dezember 2018

Die Sprechblase 238 – Mai 2018

Die Sprechblase 238 – Mai 2018

Herausgeber: Gerhard Förster
Verlag Abenteuer pur
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,90 €
ISSN: n/a

 

Nach nur einer Ausgabe in 2017 ist im Mai die 238. Ausgabe der Sprechblase erschienen. Im nunmehr schon 43. Jahrgang bedient die Zeitschrift aus Österreich schon lange nicht mehr nur die Generation Lehning und die Wäscher-Fans sondern auch die Leser*innen klassischer Comics frankobelgischer Prägung und wagt immer wieder Schritte in die aktuelle Landschaft.

Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist Edouard Aidans, dem 10 Seiten gewidmet werden. Wie oft in der Sprechblase ist der gesamte Artikel auf mehrere Teile verteilt. Auf diesen ersten Seiten beschreibt Bernd Weckwert die Anfänge der Karriere des in Deutschland hauptsächlich durch die alten ZACK-Serien Tunga und Sven Janssen (Marc Franval im französischen Original) bekannten Zeichners und Texters bis zum Ende der 60er Jahre. Wie bei allen Comicschaffenden dieser Zeit ist die Biographie eng mit den verschiedenen Journalen wie Tintin, Spirou und Pilote verbunden und auch den Namen Greg wird man fast immer lesen. Das Layout der Beiträge mag manchmal etwas überladen daher kommen, ist aber einzig der Tatsache geschuldet, dass so viele Bilddokumente anders gar nicht präsentiert werden können.

Ebenfalls interessant für die mit dem ZACK aufgewachsenen Fans ist der dritte Teil der Veröffentlichung von Michel Vaillant Werbecomics.

Ein weiterer längerer Artikel beschäftigt sich mit den Hintergründen von Franquins Meisterwerk „QRN ruft Bretzelburg“. Dieser drittletzte Spirou-Band von André Franquin ist nicht nur der politischste sondern erschien auch mit einer 15-monatigen Pause in dem Wochenmagazin da Franquin nicht in der Lage war, weiterzuarbeiten. Welche Besonderheiten sonst noch in diesem Band zu entdecken sind beschreibt ebenfalls Bernd Weckwert.

Der im Vorläuferheft angekündigte zweite Teil des Artikels über Buffalo Bill musste krankheitsbedingt leider verschoben werden. Trotzdem kommt das Thema „Western“ nicht zu kurz. In mehreren Beiträgen werden Comics, eine Heftchenserie und Romanautoren vorgestellt. Daneben gibt es noch viel Bildmaterial speziell von Romancovermalern. Alle diese Themen werden in der typischen Sprechblasenweise abgehandelt: Liebevoll, detailreich und persönlich. Irgendwie wirken diese Artikel immer wie ein Besuch auf einem bisher nicht bekannten Dachboden voller Schätze und Fundstücke!

Auch die ursprüngliche Klientel wird bedient: Neben einem Interview mit Helga Wäscher über die alten Zeiten und den Leserbriefen gibt es wie immer das Harry-Magazin mit Besprechungen nicht nur von Comics, die sonst eher selten zu finden sind. In diese Richtung kann sicherlich auch der Artikel über die Gesamtausgabe der „Biber Patrouille“ eingeordnet werden.

Abgerundet wird das Heft durch zwei Disney-Beiträge über Don Rosa und die neue Hommage-Reihe sowie einen einordnenden Artikel über heimatliche (ASH, LDH und Verwandtes) und amerikanische (Thanos) Superhelden.

Wie immer kurzweiliger, informativer, interessanter und zum Schmunzeln anregender Lesespaß zu dem am besten eine Tasse Kaffee und irgendeine Swing oder Jazz Platte passt.

Abbildungen © 2018 Verlag Abenteuer pur