Welch
Überraschung: Yves Swolfs hat den
Zeichenstift aus der Hand gelegt und „nur“ noch das Szenario verfasst! Immerhin
bleibt dadurch die Kontinuität der Geschichte gewahrt.
Der Inhalt
Kergan und seine Schöpferin Arkanea haben rund 800 Jahre miteinander verbracht seit wir sie zuletzt gesehen haben. Sie befinden sich im Osten Europas, kurz nach der Jahrtausendwende, und Aberglauben sowie verschiedene christliche und ältere Religionen erzählen von Höllenkreaturen.
Es gibt sogar eine Art Sonder-Einsatz-Kommando das Jagd auf diese Wesen macht. Nicht nur heutige Leser*innen werden sich allerdings fragen, ob es besser wäre, den Geschöpfen der Nacht oder ihren Jägern zu begegnen…
Swolfs erzählt aber auch wieder eine Rahmenhandlung, geprägt von politischen Ränken, Verrat und Rache. Und wieder geht es um eine Frau, die den Machenschaften der Männer zum Opfer fällt: Wieder liebt sie den einen, wird aber von dem Bösen begehrt. Wer aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass die Bezeichnung „den Guten“ nicht gefallen ist, denn auch ihr Liebster ist zerfressen von Hass und Selbstüberschätzung und gerne bereit, seine Truppen in den möglichen Tod zu führen.
Immerhin
versucht er aber zusammen mit seiner geliebten Anna die Erfolgschance seiner
Pläne herauszubekommen und sucht eine Wahrsagerin auf. Bei diesem Besuch
begegnen sich die Protagonisten beider Handlungsstränge und Kergan beginnt sich
zu fragen, ob seine Beziehung zu Arkanea ihn noch ausfüllt…
Nachvollziehbare Story mit History-Elementen wie auch – natürlich – der Vampirkomponente. Swolfs gelingt es das Klima der Angst in mehreren Variationen darzustellen: die nächtliche Angst vor dem Übernatürlichen, die Angst vor der Folter, vor der Entscheidung, vor dem Verrat, der männlichen Macht! Dabei setzt er kaum auf Horrormomente, sondern nutzt eher die psychologischen Momente und bewegt sich damit tatsächlich in der guten Tradition der Schauerromantik!
Die Zeichnungen
Thimothee Montaigne ist kein Unbekannter mehr,
aber auch noch kein Star der Szene. Seine Zeichnungen und ihre Abfolge auf der
Seite sind gut komponiert, auch wenn für meinen Geschmack das starre
rechteckige Raster durchaus von Zeit zu Zeit verlassen werden könnte. Sie haben
auch genügend Detailtiefe in der Totale um zu überzeugen. Der Körperbau ist
getroffen und die Kolorierung passt auch und doch fehlt ein klein wenig um
wirklich super zu sein: Die Gesichter, vor allem aber die Mundpartien wirken teilweise
zu schematisch. Glücklicherweise gibt es viele Personen mit Bart und auch durch
den gewählten Ausschnitt kann Montaigne sein kleines Manko überdecken.
Die Stimmungen der verschiedenen Ängste werden graphisch gut umgesetzt. Man hört beim Lesen die Äste knacken, die Flammen knistern, in denen die Zange erhitzt wird, aber auch die Pferde unter dem Gewicht des Machos ächzen. Insgesamt daher eine runde Leistung!
Das Fazit
Für Liebhaber*innen klassischer Vampirgeschichten genau das Richtige: Sowohl das Schauern als auch die Romantik kommen in einer spannenden Rahmenhandlung zu ihren Auftritten und das große Format und das gute Papier bringen das auch angemessen zur Geltung! Da die abschließende dritte Episode dieses Teils bereits im Sommer erscheinen wird, ist die Wartezeit auch nicht zu lang.
Dazu
passen ein guter Bordeaux und The Fields of
the Nephilim.
Die Werbung verspricht einen Bezug zu Mary Poppins. Im
Wesentlichen wird dieser durch ein ähnliches bildliches Symbol hergestellt:
Eine Frau in einem altmodischen Kleid schwebt über der Erde und hält entweder
einen Schirm oder aber einen Stock in der Hand.
Die Story
Während sich die literarische Figur aber mit viele Musik um
begüterte Kinder gekümmert hat, die vernachlässigt aber keinesfalls gefährdet
waren, steckt Aristophania den drei Kindern eines Toten einen Würfel zu und
verspricht bei Gefahr aufzutauchen. Sie
ist auch wesentlich älter und geheimnisvoller. Als die Mutter der Kinder –
unschuldig – ins Gefängnis geworfen wird und ihren Sprösslingen bestenfalls
eine Tracht Prügel von bezahlten Schlägern, wahrscheinlich aber Schlimmeres
droht, rufen diese mit dem Würfel Aristophania herbei und tatsächlich rettet
diese die Kinder.
Langsam erfahren der kleine Aufbrausende, sein Bruder, der Bücherwurm, und ihre kleine Schwester, dass ihr Vater nicht etwa bei einem Unfall gestorben ist, sich auf der Welt zwei alte Mächte gegenüber stehen und auch, dass sie selbst in dieser Auseinandersetzung eine Rolle spielen. Es geht um das Reich Azur und den verbannten König Gedeon, der die Macht erneut übernehmen möchte. Die wohl einzige Möglichkeit ihn aufzuhalten wäre die verschollene Morgenrot-Quelle. Der Vater der Drei hatte sie angeblich fast gefunden als der böse Rattenmann in Diensten des verbannten Königs ihn tötete.
Und nun, einige Jahre später, bahnt sich ein neuer Kampf an.
Wird Aristophania es schaffen, die Kinder zu beschützen?
Der erste Band der auf vier Teile angelegten Serie führt
zunächst einmal die Personen ein und schildert eindringlich die wirtschaftliche
Lage der Ausgebeuteten zu Beginn der Industrialisierung. Zwar gibt es Kämpfer
für Arbeiterrechte, es gibt aber auch genügend bezahlte Schläger und Schergen
der Gegenseite. Die ältere Frau mit den seltsamen Kräften rettet zunächst die
Kinder aus diesem Setting bevor in einer Art Paradies die Kinder sich erstmals
satt essen und erholen können. Da Kinder allerdings nun mal neugierig sind,
finden sie Stück für Stück immer mehr Hinweise auf die Bedrohung und
beschließen, ihren Vater zu rächen.
Gut aufgebaute Geschichte von Xavier Dorison, der es schafft, den Hintergrund zu entwickeln, die Charaktere vorzustellen und gleichzeitig noch eine spannende Geschichte zu erzählen!
Die Umsetzung
Joël Parnotte ist in Deutschland noch relativ unbekannt, hat mir aber auch mit der Historie-Serie im ZACK und bei SalleckDas Geschlecht derer von Porphyre schon gut gefallen. Die Gesichter sind nicht alle gelungen (der offene Mund sieht manchmal aus wie in der Heidi-TV-Serie), sind aber meistens sehr ausdrucksstark und mit Emotionen und Erinnerungen an früher versehen. Dazu passt auch der etwas rauere Stil, der nicht zu gefallen sucht. Die dunklen Farben für die in der gefährlichen Stadt oder der ebenfalls Gefahr versprühenden Nacht spielenden Szenen ersetzen in diesem Fall die Musik, die im filmischen Medium diese Aufgabe übernehmen würde.
Auch die hellen Szenen, die das leuchtende, frische Grün und
die Sonnenstrahlen fast riech- und fühlbar werden lassen, sind sehr gelungen
und unterstützen wiederum die fröhlichen Szenen. Und auch wenn das jetzt so
klingen könnte, ich finde diese Verstärkungen nicht übertrieben!
Das Layout ist abwechslungsreich und dynamisch und trägt
ebenfalls zur angemessenen Tempovariation bei. Beides zusammen macht wirklich
Lust auf die angekündigten Folgebände.
Kaufen? Ja!
Wer Geschichten mit dunkler und heller Magie mag, die
Auseinandersetzung zwischen den guten und bösen Mächten und dabei nicht die
Heere aufmarschieren sieht, ist hier richtig.
Aristophania ist
eine eigensinnige ältere Dame, die neben den Erfordernissen des langen Kampfes
auch die Bedürfnisse der Kinder sieht und alles für sie tun würde. Die Kinder
wiederum sind keinesfalls zufrieden mit ihrer Situation und möchten sich
beweisen, sind neugierig und
unvorsichtig! Und genau diese menschlichen Faktoren machen den Reiz dieses
Comics aus! Dazu kommt handwerkliche Qualität und eine gewohnt gute Darreichung
durch den Splitter-Verlag!
Dazu passt Kaffee mit Sahne (mit oder ohne weiteren Inhalt)
und Christy Moore etwa mit Ride On.
Wer im Januar nicht an der Wahl des ZACK-Helden teilgenommen hat, muss nun ein weiteres Jahr warten um seinen oder ihren Input zu geben. Mal sehen, ob wieder ein „Klassiker“ gewonnen hat oder ob es eine der neuen Serien auf den Thron geschafft hat. Auswahl gab es im letzten Jahr genug und auch in diesem Jahr geht es mit extrem hoher Qualität weiter.
Der Neustart
In dieser Ausgabe beginnen die Abenteuer von Jolanne de Valcourt die sie aus dem Zentralmassiv in Frankreich bis nach Indien führen werden. Unter dem Titel Rani haben der Altmeister Jean van Hamme und Alcante eine siebenteilige Reihe geschrieben, die von Francis Vallés umgesetzt worden ist. Aus dieser Verbindung ist übrigens auch die grandiose Geschichte einer Bierbrauer-Dynastie Hopfen & Malz hervorgegangen. Die Heldin ist eine junge, selbstbewusste Frau, die 1743 allerdings keine Möglichkeit hat, sich gegenüber ihrem verbrecherischen Halbbruder zur Wehr zu setzen und daher nach dem Tod ihres Vaters fliehen muss. Klassische frankobelgische Albenproduktion auf hohem Niveau und somit ein auf Jahre sicherer Genuss!
Die Fortsetzungen
Die beeindruckende Geschichte der irischen Bauarbeiter in New York und ihrer Familien fern in der Heimat ist bereits in der vierten Folge! Mikaël beweist mit Giant, dass eine Graphic Novel auch in diesem Format funktionieren kann und keinesfalls nur auf Selbsterlebtem beruhen muss. Sehenswerte Bilder mit berührender Story und sicherlich ein echter Anwärter auf die Jahresbestenliste.
Der neue Rick Master kommt in der Kaserne an und wird sofort als „Rotarsch“ behandelt. Hinzu kommt, dass sich die öffentliche Meinung schnell von Helden abwendet und sie zu Ausgestoßenen macht was in diesem Fall besonders Nadine zu spüren bekommt. Intelligenter Plot, der den neu interpretierten Figuren Tiefe hinzufügt und die Gesellschaft aber auch das Militär mit seinen archaischen Riten nicht zu knapp kritisiert! Die Zeichnungen von Simon Van Liemt sind dafür teilweise fast schon zu übertrieben, das Szenario von Zidrou genial („Jeder französische Soldat ist doch ein bisschen unser Sohn…“).
Eher routiniert kommt dagegen Stephan Desberg‘sEmpire USA daher. Solide Krimi/Spionage-Geschichte im Umfeld des Konfliktes der USA mit dem „neuen“ Russland, seinen Oligarchen und den alten Seilschaften. Die Umsetzung (vielleicht mit Ausnahme der männlichen Lippen) gelingt Alain Queireix ordentlich, die Seiten 20/21 zum Beispiel sogar sehr gut!
Ebenfalls in diesem
Heft eine weitere Kurzgeschichte von VanO
über das Mädchen aus Papier: Rhonda
zeigt das Archiv der Originalzeichnungen – humorvolle Ergänzung! Tizombi und das hübsche Steak müssen
ihren Friedhof mal wieder gegen Eindringlinge verteidigen (Ich liiiebe diesen
schwarzen Humor) und Parker & Badger
umgehen Sicherheitsvorschriften. Dazu kommen der sechste Teil der
frankobelgischen Kinoadaptionen von Bernd
Hinrichs und eine Einordnung von V-Wars.
Der Abschied
Leider ist Die
Bank dagegen schon wieder fertig. Glücklicherweise sind ja auch hier schon
mehrere Geschichten im Original erschienen, so dass einer Fortführung nichts im
Wege steht. Das Leben der Geschwister Saint-Hubert de Gabanelle nimmt
unterschiedliche Verläufe; Charlotte kann mit Hilfe von Baron Rothschild nach
Frankreich fliehen und hat sogar ein Vermögen in ihrer Reisetasche. Wird es ihr
gelingen, damit auf eigenen Füssen zu stehen? – Genialer Finanzthriller mit
manchmal etwas zu blassen Farben!
Dazu passen die immer tollen Klänge von Dr. Ring Ding in allen seinen Projekten
und ein Kellerbier, etwa aus der Manufaktur Mönchshof!
Das erste Halbjahr 2020 bringt Klassiker für alle! Überraschungen inklusive 🙂
Ansgar Lüttgenau, Programmleiter von All Comics beantwortete unsere Fragen
Das neue Jahr steht vor der Tür und damit auch die neuen
Halbjahresprogramme der Comic-Verlage. Ich habe kurz vor Weihnachten das
folgende Interview mit Ansgar Lüttgenau geführt. In den ersten sechs Monaten
von 2020 werden insgesamt elf verschiedene Titel erscheinen. Jeden einzelnen
davon wird es auch als limitierte Vorzugsausgabe geben!
c-o: Hallo Ansgar,
kannst Du Dich den Leser*innen von comix-online kurz vorstellen? Was machst du,
wenn Du nicht gerade am neuen Programm bastelst?
Obwohl wir mit mehr als 20 Neuerscheinungen im Jahr mittlerweile eine Größe erreicht haben, die eigentlich eine Vollzeitbeschäftigung voraussetzt, läuft der ganze Verlag immer noch als Hobby so nebenher. Den Lebensunterhalt verdiene ich im Vertrieb bei einer Wirtschaftsauskunftei und wenn ich nach Feierabend mal nichts für den Verlag machen muss, freuen sich auch die Kinder mal ihren Vater zu sehen.
c-o: Der All-Verlag
wird immer mehr zu einem Ort für Klassiker; 2019 hast du einerseits alte
ZACK-Recken wie Bruno Brazil und Luc Orient zurückgebracht,
andererseits aber auch mit Wally Wood einen Altmeister der Science
Fiction verlegt. Natürlich dürfen wir bei dieser Aufzählung auch André
Franquin nicht vergessen. Welche Überraschung bietet das neue Programm?
Ein Verlag für Klassiker. Das ist tatsächlich die Richtung in die es gehen wird. Speziell Klassiker für die es keine Druckdaten im Ausland mehr gibt, sollen in den nächsten Jahren das Rückgrat des Programms bilden. In dem Bereich gibt es noch echte Perlen, an die sich wegen des Aufwands niemand sonst ranwagt. Sozusagen als Test veröffentlichen wir ab Mai die Serie Alain Chevallier von Christian Denayer von dem wir ja auch schon Wayne Shelton im Programm haben. Diese Rennfahrerserie, die es seit Jahrzehnten auch in Frankreich nur noch antiquarisch gibt, lief übrigens in den 1970er Jahren unter dem Titel Rolf Thomsen auch im alten Zack. Das hat dann natürlich auch was mit Autorenpflege zu tun, die uns sehr wichtig ist. Deshalb wird es auch weiteres Material von Paape und Vance geben. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Neben André Franquin werden demnächst (vielleicht)
auch noch weitere große Namen zu den bei uns veröffentlichten Künstlern zählen.
Los gehts in diesem Programm mit Goscinny
und Tabary. An weiten Projekten z.B.
von Moebius und Hermann arbeiten wir. Mal sehen, was da noch geht.
c-o: Wie schwierig ist es, gleichzeitig für Serien wie Hombre auf der einen und etwa Valentin auf der anderen Seite Werbung zu machen?
Da musst du unseren Grafiker fragen. Der hat da mehr oder weniger freie Hand. Im Prinzip macht das aber keinen großen Unterschied. Wichtig ist eigentlich nur, dass man die richtige Werbung im richtigen Objekt macht. Für den Franquin/Gotlib-Titel Slowburn haben wir zum Beispiel eine „Anzeige“ im aktuellen Buchjournal gemacht, das in einer Auflage von 220.000 Exemplaren in fast jeder Buchhandlung in Deutschland ausliegt. Das bot sich einfach an, weil wir für diesen Titel, der sich optimal als kleines Geschenk eignet, als Absatzkanal weniger den Comichandel sondern mehr den klassischen Buchhandel sehen. Außerdem versuchen wir natürlich immer auch außerhalb des klassischen Comicbereichs wahrgenommen zu werden und haben uns in letzter Zeit deshalb besonders gefreut, dass unsere Titel auch in Medien wie dem Tagesspiegel bzw. der Süddeutschen Zeitung Erwähnung gefunden haben.
Vorzugsausgabe von Alwilda 2
c-o: In den folgenden
Monaten wirst Du einerseits vier Gesamtausgaben bringen, daneben startet mit Alain
Chevallier aber auch ein Klassiker wieder mit Einzelbänden. Welche
Überlegungen stecken dahinter? Oder folgst du damit den Vorgaben der Lizenzgeber?
Meiner Meinung nach geht der Trend grundsätzlich wieder zu Einzelbänden. Die nehmen zwar mehr Platz im Regal weg, bieten aber eine viel bessere Möglichkeit eine Serie zu präsentieren. Wenn es allerdings wie bei Lady S. oder Wayne Shelton bereits Einzelalben in adäquater Form gibt, entscheiden wir uns in der Regel für Gesamtausgaben. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Welche Publikationsform wir wählen, entscheiden wir im Einzelfall. Nicht zuletzt spielt dabei natürlich auch die Überlegung nach der Verkäuflichkeit eine große Rolle. Vom Lizenzgeber gibt es diesbezüglich eigentlich normalerweise keine Vorgaben.
Vorzugsausgabe Lady S. 2
c-o: Im Regelfall
erscheinen neben dem regulären Band auch Vorzugsausgaben. Warum sollte man sich
diese zulegen?
Gute Frage. Unsere Vorzugsausgaben enthalten ja einen Schutzumschlag oder ein Variantcover und ein auf 111 Exemplare limitiertes nummeriertes und, wenn der Zeichner noch lebt, auch signiertes Exlibris. Das macht die Bücher grundsätzlich um einiges hochwertiger. Außerdem bekommt man nur in den Vorzugsausgaben das komplette Bildmaterial. Bei Luc Orient sind das zum Beispiel Illustrationen die für französische Exlibris, Poster usw. entstanden und als Drucke nur in unseren VZA enthalten sind. Bei Bruno Brazil sind es Cover der französischen Alben Neuausgaben und bei Hombre bzw. Wally Wood Alben- und Heftcover die nicht im Bonusteil auftauchen sondern die wir exklusiv nur für unsere Exlibris verwenden. Bei Alben von Künstlern die noch unter uns weilen, wie Lady S. oder Wayne Shelton lassen wir natürlich exklusiv neue Illustrationen anfertigen. Für mich ist dabei der direkte Kontakt mit dem Künstler eigentlich immer das interessanteste. Manchmal gibt es dabei aber auch Anforderungen die kaum zu erfüllen sind. So hatte sich der 79jährige Richard Corben ausbedungen die Exlibris Blätter von Schatten auf dem Grab nur zu signieren, wenn die Versand- und Zollformalitäten auch für die Rücksendung komplett von uns übernommen werden. Da das von Deutschland aus nicht möglich war, mussten wir einen in den USA lebenden Onkel meiner Frau, von dessen Existenz ich erst wenige Wochen vorher durch Zufall überhaupt erst erfahren hatte, bitten das für uns zu übernehmen. Das Ganze war eine ziemlich aufwändige Aktion die mehrere Monate gedauert hat und die ich mir so sicher nicht nochmal antun würde.
c-o: Wie sieht es
2020 mit Messen und Börsen aus? Kann man euch im nächsten Jahr irgendwo auch
persönlich treffen?
Natürlich werden wir auch 2020 wieder im Mai und November einen Stand auf unserer „Heimbörse“ in Köln haben. Wer die nächsten Luc Orient Ausgaben oder die Valentin Gesamtausgabe von Goscinny bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Verkaufsstart erwerben will, sollte dorthin kommen. Meist haben wir dort das Maiprogramm erstmals dabei. Die wichtigste Veranstaltung im nächsten Jahr wird für uns aber der Comic Salon in Erlangen sein. Da wir bis dahin auf fast 100 Veröffentlichungen zurückblicken können, ist es an der Zeit endlich auch in diesem Bereich etwas professioneller aufzutreten. Deshalb haben wir uns entschlossen eigens einen Messestand bauen zu lassen an dem wir dann mit Christian Denayer (Wayne Shelton/Alain Chevallier) und Philippe Aymond (Lady S./Bruno Brazil Neue Abenteuer) zwei unserer „Hauskünstler“ adäquat präsentieren können.
c-o: Dein Tipp für
das erste Halbjahr? Was sollte man sich als Comicfan auf gar keinen Fall
entgehen lassen?
Da müsste ich ja jetzt das komplette Programm aufzählen. Aber für mich persönlich sind natürlich die alten Zack-Serien Luc Orient, Bruno Brazil und aktuell Alain Chevallier (Rolf Thomsen) ein besonderes Highlight, weil ich damit aufgewachsen bin. Außerdem freue ich mich immer über einen neuen Band der Wally Wood Gesamtausgabe. Da erscheint der nächste Band aber erst wieder im 2. Halbjahr 2020. Übrigens eins der wenigen Bücher die ich nochmal lese, wenn sie von der Druckerei geliefert worden sind. Bei den meisten Büchern reicht es mir, wenn ich sie während des Produktionsprozesses x-mal gelesen habe.
Ex Libris der Hombre Vorzugsausgabe
c-o: Für die
Statistik zum Abschluss noch ein kurzer Rückblick auf 2019: Was waren deine
Topseller? Gab es positive oder negative Überraschungen mit denen Du so nicht
gerechnet hättest?
Unser Topseller ist immer noch Wunderwaffen. Davon gehen immer jeweils deutlich über 1000 Exemplare mit der ersten Auslieferung in den Handel. Einige Bände sind bereits in der 3. Auflage und es stehen schon wieder weitere Ausgaben zur Neuauflage an. Ein unerwarteter Verkaufserfolg war auch Hombre. Obwohl wir uns in unserem Internetform einige Kritik wegen der nicht chronologischen Veröffentlichung gefallen lassen mussten, ist der Titel seit einigen Wochen, bis auf ein paar Büchern in unseren Shop, komplett vergriffen. Voraussichtlich wird es eine Neuauflage zusammen mit Band 2 im Februar geben. Slowburn und Die neuen Abenteuer von Bruno Brazil werden wohl die nächsten Topseller werden. Genaueres kann man aber erst sagen, wenn die erste Abrechnung vom Vertrieb vorliegt.
c-o: Besten Dank und
wir freuen uns mit Dir auf das starke Programm!
Die Reihe Königliches
Blut versammelt ein- oder mehrteilige Geschichten über Herrscherinnen unter
einem einheitlichen Logo. In ihnen werden natürlich Fakten und Fiktion
verwoben, sind doch die Geschichtsschreibungen gerade über relevante Frauen oft
schon selbst teilweise eher Mythos als Wiedergabe der Wirklichkeit. Trotzdem
versuchen sie aber, die porträtierten Frauen in ihre Widersprüchlichkeit und
ihrer Macht darzustellen.
Der Inhalt
Nach Isabella von Spanien, Alienor von Aquitanien und
Kleopatra wagt sich der Splitter-Verlag
jetzt erstmals in den Fernen Osten und stellt unter dem Label „Double“ die Drachenkaiserin Cixi vor. Cixi ist ein sehr hübsches Mädchen aus
dem Stamm der Mandschu, der damaligen Herrscherkaste. Ihre Familie gehört aber
nicht zu dem traditionellen Hochadel so dass sie eigentlich nur auf eine gute
Heirat hoffen kann. Um ihren Ruf steht es aber nicht zum Besten und als sie bei
einem Stelldichein mit einem jungen Mann erwischt wird, bleibt nur der Ausweg,
sie als Kurtisane an den kaiserlichen Hof zu bringen.
Parallel dazu muss den Han-Chinese Li Lieng Ying erleben, was Armut heißt. Er fasst den verzweifelten Plan, sich zum Eunuchen machen zu lassen und am Hof aufgenommen zu werden. Dieser Plan erfordert aber das Eingehen einer großen Schuld bei den Kastraten.
Am Hof treffen sich die Beiden und Li Lieng Ying entwirft
einen Plan für ihre Zukunft. Cixi soll den bisher kinderlosen Kaiser von sich
abhängig machen und ihm einen Thronfolger schenken. Um diese Ziele einmal
erreichen zu können muss Cixi erst die Kunst der Verführung und des
Liebesspiels lernen. Tatsächlich ergibt sich die Chance, dass Cixi zum Kaiser
gerufen wird und aufgrund des langen, ausdauernden Trainings verfällt er ihr
tatsächlich. Als der Kaiser schließlich stirbt, wird seine Kurtisane als Mutter
seines Erben zur Kaiserinwitwe. Eigentlich gleichberechtigt zu seiner Hauptfrau,
die sich für solche Sachen aber nicht interessiert, übernimmt sie die
Regentschaft für ihren Sohn. Ihr Begleiter wird zum Haupteunuch und die beiden
regieren für insgesamt 24 Jahre das Reich der Mitte mit harter Hand.
Im Laufe der Geschichte kommt es immer wieder zu Konflikten,
sowohl mit Männern, die einer Frau das Recht zu regieren absprechen wollen,
aber auch mit den Langnasen, also den Europäern. Dabei spielen sowohl die
Christianisierung und Ausbeutung des Landes eine Rolle als auch persönliche
Eitelkeiten. Auch der sogenannte Boxeraufstand spielt dabei eine große Rolle.
Die Geschichte endet mit dem Tod der Drachenkaiserin.
Philippe Nihoul gelingt es dabei sehr geschickt, geschichtliche Fakten und Stimmungen mit den Lebensgeschichten der beiden Hauptpersonen zu verbinden. Alles Notwendige wird mitgeteilt ohne dass dabei auch nur ansatzweise der Gedanke an einen drögen Geschichtsunterricht aufkommt. Konflikte mit anderen Staaten aber auch interne Intrigen bekommen dabei genügend Raum, lassen aber Platz für die genaue Zeichnung der Charaktere und ihrer Entwicklung. Sex spielt eine große Rolle in dieser Geschichte, steht aber nie als solches im Vordergrund, sondern treibt die Entwicklung und ist somit Mittel zum Zweck ohne Selbstzweck zu sein.
Die Zeichnungen
Fabio Mantovani
hatte augenscheinlich Spaß an den zwei Bänden, die hier in einem Hardcover
zusammengefasst worden sind. Chinesische Dekors und Landschaften vermitteln den
Eindruck einer guten Recherche und auch die Figuren inklusiver der Gesichter
sind gelungen. Man kann aber nicht übersehen, dass der Zielmarkt Europa ist;
die Züge sind teilweise etwas überzeichnet.
Mantovani schreckt auch nicht davor zurück, abgeschlagenen Köpfe und Folterszenen ins Bild zu setzen, wenn ihm auch die lebenden Körper mehr zu bedeuten scheinen. Die Farben sind teilweise etwas zu aufdringlich, insbesondere rote Lippen wirken überbetont. Die Farbgewaltigkeit der Kleidung passt dagegen.
Beim Seitenlayout verlässt der Künstler die ausgetretenen
Raster und packt Panele auf Hintergrundzeichnungen, arrangiert diese völlig
frei und schafft daher ein sehr unruhiges aber anregendes und immer wieder
wechselndes Seitenbild. Mehr davon!
Fazit
Auch die vierte in dieser Reihe porträtierte Herrscherin hat
Geschichte geschrieben. In ihre Zeit fiel der Konflikt mit den Kolonisatoren,
die das Reich der Mitte als neue Gewinnquelle für sich entdeckt hatten,
begleitet von dem immer wieder aufkommenden Konflikt um die regionale
Vorherrschaft mit Japan und dem bevorstehenden Wandel des abgeschotteten
traditionsgebundenen Riesenreiches hin zur Moderne. Diese Thematiken werden
ansprechend eingebunden und erzeugen sicherlich mehr bleibendes Wissen als unzählige
Unterrichtsstunden.
Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass trotz allem die Unterhaltung im Vordergrund steht und auch dieser Aufgabe wird der Comic gerecht. Die Ränke und Intrigen würden einem Krimiplot auch gut zu Gesicht stehen. Auch wenn es hier um Herrscherinnen geht, ist die Zielgruppe wohl im Wesentlichen männlich. Es wäre daher spannend, die gleiche Story von einem weiblichen Team umgesetzt zu sehen.
Obwohl Cixi eine der bedeutendsten Herrscherinnen Chinas
war, die Geschichte erst 150 Jahre zurückliegt und sie schon immer von Legenden
umrankt war, ist wahrscheinlich eine gute Idee gewesen, die Original-Bände 11
und 12 in eine deutsche Ausgabe zu packen. Das Thema China ist noch nicht im (Comic-)Mainstream
jenseits des Mangas angekommen.
Ausstattungsmäßig erfüllt der Splitter-Verlag wie immer alle
Erwartungen! Und 112 Seiten für 22 Euro sind absolut fair!
Dazu passen grüner Tee und Sake und alles Instrumentale von
den Skatalites!
Mit dieser Ausgabe endet das Jubiläumsjahr mit dem das ZACK das 20-jährige Bestehen gefeiert hat. Zeit also für einen kleinen Rückblick: Alle bisherigen Chefredakteure und ihre jeweiligen Konzepte wurden mit einem Artikel bedacht, klassische ZACK-Helden erleben ihre Abenteuer immer noch oder wieder in ihren runderneuerten Varianten auf diesen Seiten, vieles Neues und auch Experimentelles ist aber dazugekommen. Das Publikum hat sich vom Nostalgiker zum an modernem Comic Interessierten gewandelt und das ZACK ist nicht länger ein Vorpublikationsorgan, sondern oft die einzige deutsche Veröffentlichung und somit auch ein Wert für sich. Dazu kommen fein ausgewogen Informationen von sehr kurz und knapp bis zu ziemlich ausführlich, Adressen und Titellistungen sowie zwei immer anregende Meinungskolumnen am Anfang und am Ende…
Die laufenden Serien
Den Opener macht Giant
von Mikaël und aus dieser Serie
stammt auch das Covermotiv. Zu Beginn der 1930-er Jahre war das Leben hart,
speziell für Iren in den USA und Irinnen in Irland. Nicht immer waren die
Männer in der Lage, ihre zurückgebliebenen Familien zu versorgen und nicht
immer wussten die Frauen, warum. Manchmal geht es aber auch nur um die Hoffnung!
Ein sozialkritisches Drama in einem sehr eigenen Stil!
Tanguy & Laverdue sorgen mit dem dritten Teil der Sanddiamanten eher für die Unterhaltung der technikbegeisterten Leser. Buendia und Zumbiehl haben eine Geschichte kreiert, die sich Nahe an den aktuellen Konflikten im Nahen Osten bewegt, die Freundschaft der beiden Piloten aber trotzdem in den Vordergrund stellen kann. Zudem geben sie Sébastien Philippe die Möglichkeit, Autos und Flugzeuge in Szene zu setzen. Diese Neuinterpretation hat den Sprung aus den 60-ern geschafft!
Die
Bank zeigt gleich mehrere Konflikte auf, die
im Übrigen auch heute noch nicht als gelöst betrachtet werden können: Sind
Frauen als Handelnde akzeptiert oder werden sie vielmehr als Staffage
betrachtet? Können sich Notleidende Moral leisten? Und zuletzt: In welchem
Verhältnis stehen geschäftliche Notwendigkeiten und liebesbezogene Wünsche? Guillaume & Boisserie entwerfen ein
spannendes Szenario, das von Maffre
perfekt umgesetzt wird. Für mich einer der besten Starts in diesem Jahr!
Dazu kommen die üblichen kürzeren Sachen: Parker & Badger, Der Vater der Sterne und Tizombi sowie der schon fünfte Teil des
Abrisses von Bernd Hinrichs über Verfilmungen
frankobelgischer Comics und eine Würdigung von Amazon’s The Boys von Christian
Endres.
Die Abschiede
Gleich zwei Serien verabschieden sich in diesem Heft für
immer! Den Anfang macht Cassio von Stephen Desberg, gezeichnet von Henri Reculé. Der Römer hatte sich über
neuen Alben mit den Attacken seines Halbbruders Tessio auseinandersetzen
müssen. Dabei waren die Geschichten immer wieder zwischen verschiedenen
Zeitebenen hin- und hergesprungen und hatten grafisch und inhaltlich
unterschiedliche Themen und Stile benutzt. Der Abschluss löst die offenen
Fragen tatsächlich auf, liefert grafisch mit einem schrägen Layout eine gute Unterstützung
des Kampfes und endet tatsächlich mit einem Happy End.
Auch die Vorkommnisse rund um Christopher Dantès sind nun Geschichte. Er hatte Gefängnis, Folter, Reichtum und tiefen Fall, Intrigen und persönliches Glück durchlebt bis ihm nun mit der Entführung seines kleinen Kindes die seelische Vernichtung drohte. Guillaume & Boisserie haben nichts ausgelassen, gleichzeitig aber auch Hintergrundwissen der aktuellen Finanzwelt, der Umweltzerstörung und der unseligen Verflechtung von Politik und Wirtschaft geliefert. Erik Juszcak hat dem Ganzen einen angemessenen, eher klassischen Rahmen gegeben. Beide Serien gibt es im Übrigen auf Deutsch in keiner anderen Form!
In der gespannten Erwartung auf die bald kommende 250.
Ausgabe empfehle ich zur aktuellen Lektüre Joy
Crookes, etwa „London Mine“ und eine Tasse warmen Kakao mit Berliner Luft!
Der Meister der Aquarelle ist wieder da! Nachdem zunächst
die jüngere französische Geschichte den Hintergrund für zwei Geschichten
geliefert hatte, dann die „Besiedlung der amerikanischen Ostküste“ im Kampf mit
den Indianern den Stoff für vier weitere grandiose Werke gelegt hatte, zieht es
Patrick Prugne jetzt noch weiter in
die Welt hinaus: Das aktuelle Werk spielt im Südpazifik, im Juni 1788.
Der Hintergrund
Drei Jahre zuvor hatten zwei Fregatten den Hafen von Brest verlassen um mit 200 Mann an Bord naturkundliche Forschungen zu betreiben und Pflanzen, Insekten, Gewürze und andere Schätze einzusammeln, Küstenlinien zu beschreiben und Architektur und Landschaft bildlich festzuhalten. Das Zeitalter der Aufklärung ermöglichte den Wissensgewinn als Begründung für solch ein Unterfangen und versprach ihren Teilnehmern Ruhm und Anerkennung im Falle eines glücklichen Ausgangs.
Dieser allerdings war nicht immer zu erwarten und auch diese
beiden Schiffe gerieten in einen schweren Sturm, wahrscheinlich in der Nähe der
Insel Vanikoro. Und hier setzt die
Geschichte des Erzählers Prugne ein,
der wie gewohnt gekonnt Fakten und Fiktion zu einer spannenden Story vermengt.
Vieles über die Expedition ist verbürgt, auch die beschriebenen Akteure haben
tatsächlich gelebt. Über ihr Schicksal in und nach dem Sturm gibt es aber nur anthropologische
Hinweise.
Bei schwerer See zerbricht zunächst eine der beiden Fregatten und nur sehr wenige Überlebende können sich auch eine nahe Insel retten. Nicht alle überleben dort allerdings, denn die Insel ist keineswegs unbewohnt. Das andere Schiff kann sich schwer beschädigt der Insel nähern und ermöglicht es fast der gesamten Besatzung überzusetzen und das Schiff auszuschlachten. Ziel dieser Gruppe ist der Bau eines seetüchtigen Fahrzeugs, das sie in die Nähe der Schifffahrtsrouten bringen soll.
Im weiteren Verlauf der Geschichte sehen wir Überfälle,
Piraten, die von einem Schiff am Horizont ausgelöste Hoffnung, die Unbillen der
Natur und erfahren auch etwas über den religiösen Hintergrund der Bewohner des Eilands.
Prugne lässt also kein Versatzstück
für eine Schiffbrüchigengeschichte aus und verwebt die bekannten Bestandteile
auf angenehme, spannende Weise.
Die Umsetzung
Wer schon einmal etwas von Prugne in Händen gehabt hat, wird seinen Stil immer wieder
erkennen. Seine Darstellung der wilden Natur ist perfekt; jedes Blatt hat
seinen genau richtigen Platz in der Komposition und die Tier- und Menschenwelt
findet sich entweder ein oder wirkt im Falle der Europäer wie ein
unverständlicher Fremdkörper. Ihnen gesteht Prugne
aber eine Entwicklung zu: Einige werden im Laufe der Zeit assimiliert, andere
bleiben fremd.
Auch seine Kunst in der Darstellung von Uniformen, sowohl geputzt als auch derangiert findet sich in dieser Geschichte vom anderen ende der Welt wieder und erlaubt herrliche Kontraste zwischen den „Offiziellen“ und den einfachen Matrosen.
Die Landschaften laden einerseits zum Träumen ein und
könnten das gemalte Abbild eines Reisekataloges mit Traumzielen sein,
andererseits sind sie aber auch voll mit gefährlichen Stellen, giftigen Tieren
und Pflanzen und dienen zudem als Versteck für feindliche Krieger. Diese Ambivalenz
in der Schönheit ist meines Erachtens schon für sich ein Grund, Prugne zu genießen!
Wer von den Bildern, die es in den Comic geschafft haben, noch nicht genug hat, sollte einen Blick in den Anhang werfen! Hier gibt es neben Skizzen und ganzseitigen Illustrationen auch noch ein wenig Wissen über die Theorien um das „wahre“ Schicksal der Schiffe und ihrer Besatzungen.
Wie immer eine runde Sache in der Präsentation und nebenbei
bemerkt eines der Highlights der diesjährigen Produktion! 5 Sterne!
Dazu passen ein oder zwei India Pale Ale mit ihrem frischem
zitronigem Geschmack nach Hopfen und eine Mischung aus traditioneller und
moderner Musik, etwa von The Brothers
Cazimero.
Ein neuer Comic über die Kreuzzüge? Mit Blut und Schwert gegen die Ungläubigen und Hau-Drauf?
Der Inhalt
Nein, Jelmer ist anders! Eigentlich möchte der Held der Abenteuer gar nicht in den Krieg ziehen, sondern in seinem Friesland für den Unterhalt seiner Familie sorgen. Doch es kommt anders und so sticht eine große Gruppe Friesen in See um für die Befreiung Jerusalems zu streiten.
In verschiedenen Rückblicken wird diese Fahrt geschildert
und auch gezeigt, wie willkommen die Pilger für alle Beutelschneider und
Taugenichtse waren. Schließlich hat der Tross 1218 Damiste, eine Stadt in
Ägypten, erreicht. Die Stadt blockiert durch eine zwischen ihren Stadtmauern
und einem auf einer kleinen Insel in der Mündung gebauten Turm gespannte Eisenkette
die einfahrt in den Fluss und damit den Zugriff auf das Hinterland.
Damiste scheint zunächst einmal uneinnehmbar doch Jelmer scheint vom Herrn ausgewählt und sein Freund und Begleiter ist ein innovativer Baumeister. Werden die beiden das Blatt wenden können? In einem parallelen Strang fragt sich Jelmer immer intensiver, ob seine Vorstellung von religiösen Pilgern, die die Heilige Stadt demütig befreien werden, und die Wirklichkeit zueinander passen.
Das Szenario stammt von Josse
Pietersma, der im Anhang auch näher vorgestellt wird. Eigentlich hatte Josse Geschichte studiert und war damit
weit weg von Comics. Es ergab sich aber ein Erkenntnisgewinn, dass über dieses
Medium Inhalte gut vermittelbar sind. Dem verdanken wir nun diese Serie, die
natürlich eine fiktive Geschichte erzählt, sich dabei aber immer en g an
bekannte Fakten hält.
Das Artwork
Roetof Wijtsma ist
schon etwas bekannter, läuft sein Fußball-Strip über Roel Dijkstra doch schon etwas länger. Hier darf er zeigen, dass er
auch die Vergangenheit darstellen kann: Farbpalette, Dekors, Gebäude, Kleidung
und Frisuren bedürfen einer großen Recherche, wenn sie glaubhaft sein wollen
und dürfen doch nicht steif und lehrbuchartig daherkommen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Mischung aus realistischem Hintergrund und leicht überzeichneten Gesichtern in der Nahaufnahme passt gut zueinander und nimmt uns als Leser*innen von Anfang an mit. Die Sorgen der zurückbleibenden Familien drücken sich genauso glaubhaft aus wie die Horden von Geschäftemachern vor den Sehenswürdigkeiten der Pilgerfahrt und der Luxus der Priester in ihren Zelten!
In Jelmer stehen
nicht die heldenhaften Ritter in ihren Schlachten im Vordergrund, sondern die Mitglieder
des einfachen, gutgläubigen Fußvolks, das zu Tausenden geopfert wurde.
Da der zweite Band schon für Oktober kommenden Jahres
angekündigt ist, würde sich auch eine Übersetzung in das Deutsche anbieten. Natürlich
gibt es einen Bezug zu den niederländischen Friesen, das sollte aber kein Hindernis
darstellen.
Dazu passen ein Abteibier (Karmeliet) eurer Wahl und The Templars aus NYC.
Im schauraum: comic + cartoon in Dortmund läuft bereits die
zweite Ausstellung unter der Leitung von Dr.
Alexander Braun, dem aktuell wohl profiliertesten Kurator in diesem
Bereich. Unter dem Titel „Nimm das,
Adolf!“ wird in dem kleinen, rund 160 m² großen Raum gegenüber vom Dortmunder
Hauptbahnhof der Zweite Weltkrieg im Comic thematisiert. 80 Jahre nach Beginn
des Krieges werden fast 100 seltene, zumeist erstmals ausgestellte
Originalzeichnungen und Dokumente gezeigt.
Superhelden gegen Adolf
Die USA waren zunächst nicht bereit, in das (europäische) Kriegsgeschehen einzugreifen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und der daraufhin erfolgten Kriegserklärung Nazi-Deutschlands an die USA änderte sich die Situation grundlegend. Nun begannen auch die sich gerade in ihrer ersten Blüte befindenden Superhelden den Kampf gegen die faschistischen Staaten Deutschland und Italien sowie gegen Japan aufzunehmen. Auch der Zeitungsstrip konnte und wollte das Thema nicht länger ignorieren. – Im schauraum sind viele Beispiele zu sehen, der aktuelle Katalog gibt allerdings noch einen viel tieferen Einblick und ist unbedingt zu empfehlen!
Es wird aber nicht nur die amerikanische Seite gezeigt, denn
auch in Deutschland nahmen sich Zeichner und Journalisten des Themas an. Eine noch
heute nicht ganz überwundene Folge des Ganzen ist die Verfemung der Sprechblase
als dekadent, kulturlos und „entartet“.
Spirou und Tintin – zwei Strategien
Der Situation in dem von den Deutschen besetzten Belgien sind gleich zwei Themenblöcke gewidmet: Während sich die Zeitschrift Spirou in zivilem Ungehorsam übte und verboten wurde, wechselte Hergé mit Tintin zur deutsch kontrollierten Le Soir, verdoppelte deren Auflage und sorgte damit für eine bessere Verbreitung der deutschen Ideologie. Die Diskussion ist in dem beschränkten Raum der Ausstellung sicherlich nicht zu führen, auch hier sei aber der Hinweis auf die vertieften Inhalte im Katalog erlaubt.
Von den 70-ern bis heute
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich der Enthistorisierung des Themas: Nazi-Zombies, Pornos und Satire verwenden den Hintergrund nur noch als einen Bestandteil der Pop-Kultur. Andere Wege gehen graphic novels wie etwa Maus oder aber Wannsee, die sich bemühen, historisch korrekt Aufarbeitung in einer besonderen Kunstform, dem Comic, zu ermöglichen. Auch hier werden Originale und Werke aus Italien gezeigt wie auch zwei Originale von Fabrice Le Hénanff.
Gerade in heutigen Zeiten in denen Populisten weltweiten Zulauf
haben und die jüngere deutsche Geschichte massiv umgedeutet wird kann es nicht
schaden, sich diesem Thema zu widmen. Es muss ja nicht gleich ein 1000-Seiten
Wälzer sein.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März 2020 täglich außer Montags ab 11:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der bereits mehrfach erwähnte Katalog von Alexander Braun (ISBN: 978-3-9820732-1-7) ist nur im schauraum erhältlich und ist jeden Cent seiner 20 EURO wert! Er umfasst 224 Seiten und enthält rund 340 Abbildungen.
Zum Katalog passen eine Kanne fair gehandelter Biokaffee und Banda Bassotti aus Italien.
Wie beschreibt man das Unbegreifbare? Und wie macht man
deutlich, dass ein eigentlich fast schon banales Arbeitstreffen mit
anschließendem Frühstück das Todesurteil für Millionen von Menschen besiegelt
hat?
Der Bretone Fabrice Le Hénanff versucht mit seiner Graphic Novel Wannsee genau das! In einer bürgerlichen Villa in Berlin-Wannsee kommen am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige Vertreter des Nazi-Regimes unter Leitung von Adolf Eichmann zusammen um die Endlösung der Judenfrage zu diskutieren. Das Treffen ist auf maximal zwei Stunden ausgelegt und gut vorbereitet. Um der Nachwelt keine Informationen zu liefern wird das stenographische Protokoll sofort im Anschluss vernichtet und auch die später ausgegebenen Protokolle sollten nach der Besprechung mit den jeweiligen Vorgesetzten eigentlich vernichtet werden. Ein Protokoll aber überlebt und so wissen wir heute von dieser Konferenz.
Es wurden noch weitere Vorkehrungen getroffen um das zu planende
Grauen handhabbar zu machen. In feinster Orwellscher Manier wird nur von
Evakuierungen und Sonderkommandos gesprochen, nicht aber von Exekutionen.
Trotzdem geht es um eine Plankapazität von bis zu 60.000 Juden pro Tag in den
Vernichtungskammern. Die Begründung ist denkbar einfach: Munition ist knapp,
Massenerschießungen belasten die Ausführenden zu stark emotional, und
schließlich lassen sich damit auch nicht genügend große Zahlen „evakuieren“.
Die Beteiligten an dieser Konferenz sind zum größten Teil Juristen; nicht verwunderlich also, dass es auch darum geht, wie man diese Planungen rechtlich umsetzen und vereinfachen kann, etwa wenn es um die Behandlung von „Mischlingen“ geht oder um Ehen zwischen Ariern und Nicht-Volljuden. Die Abstraktionsfähigkeit der Teilnehmer führte später dazu, dass sie teilweise als Mitläufer mit nur leichter Belastung eingestuft worden sind. Deutsche Justiz in den ersten Jahren nach ´45 war nicht immer ein Ruhmesblatt um es mal höflich auszudrücken.
Die Umsetzung
Le Hénanff hält
sich nicht sklavisch an die im Protokoll überlieferten Abläufe und Inhalte, er
ergänzt etwa eine Beschreibung des Massakers von Babi Yar um das Grauen
greifbarer zu machen. Er ergänzt die Beschreibung der Konferenz auch um
Biographien der Teilnehmer. Hier führt er nicht nur auf, was die Männer vor der
Konferenz getan haben, sondern auch danach und eben auch, wie die Zeit bis zu
ihrem Tod verlaufen ist. Ihm kommt dabei zugute, dass er sich schon in früheren
Werken intensiv mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt hat.
Die Grundfarbe der Bilder ist ein Sepiaton. Dadurch wirkt
alles alt und dokumentarisch, obwohl es natürlich eine Fiktion ist. Bilder
erstrecken sich dabei manchmal über mehrere Panele einer oder sogar mehrerer
Reihen und ermöglichen dadurch ein Innehalten in einer Situation, die mehr Text
bedarf oder mehr Bedeutung hat. Durch das teilweise eingesetzte leichte Rot auf
den Gesichtern wirken die Personen einerseits wie gut genährte Schweinchen
(während die Bevölkerung in einen Hungerwinter geht) andererseits manchmal wie
verpickelt und mit Eiterbeulen überseht. Dadurch wird quasi eine maximale
Distanz zwischen Künstler und dargestellten Personen geschaffen.
In einer Sub-Story treffen Mäuse in eben jenem Gebäude auf eine hungrige Katze. Es sei dahingestellt, ob es sich dabei um eine Hommage an Art Spiegelmann handelt oder eine um Allegorie. Sie entspricht auf jeden Fall der gnadenlosen Umsetzung des Plans der Vernichtung des europäischen (und später weltweiten) Judentums mit deutscher Gründlichkeit und effizienter, industrieller Planung.
Zu der Hardcover-Ausgabe im Knesebeck-Verlag gehören auch
ein Vor- und ein Nachwort, Literaturangaben und Quellenverweise, die eine
Einordnung des Tages in die zeitliche Historie und die Geschichte des Holocaust
ermöglichen, trotzdem aber die singuläre Bedeutung dieser Konferenz
herausstreichen. Ein wichtiger Titel, der einigen nicht gefallen wird und eine
Mahnung an alle, niemandem zu vertrauen, der von Vogelschiss redet.
Dazu passen ein schwarzer Tee und „Zog nit keyn mol az du geyst dem letsn veg“ von Hirsch
Glik.