Simsolo/Bézian – Doktor Radar 1

Mörder der Wissenschaftler

Story: Noël Simsolo
Zeichnungen: 
Bézian
Originaltitel: 
Docteur Radar: Tueur de Savants

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 22,00 €

ISBN: 978-3-94998-718-2

Cover Doktor Radar 1 Vorzugsausgabe
Cover der VZA

Von Zeit zu Zeit passieren außergewöhnliche Dinge in einem eher bekannten Setting. In den Anfangstagen des ZACK tauchte auf den ansonsten eher action-lastigen Seiten plötzlich der Kapitän ohne Schiff auf, der mit seinen ganz anderen Erzählmethoden das Lesepublikum völlig überforderte. Auch Johnny Focus ist dafür ein gutes Beispiel. Doktor Radar ist eine rasante Erzählung, die ebenfalls herausfordernd ist. Comix-online möchte dazu auffordern, diese Einladung anzunehmen!

Ein Krimi Noir …

Der klassische Krimi Noir ist etwas aus der Mode gekommen. Heute muss alles mit viel Piff und Puff daherkommen, mit technischen Spielereien vollgestopft sein und Held*innen haben, die eine Einzelkämpfer*innenausbildung mitbringen. Dadurch werden die Geschichten von ihrem Setting her aber mehr oder weniger austauschbar. Die dreibändige Geschichte Doktor Radar von Noël Simsolo orientiert sich eher an der Vergangenheit und nicht am Netflix-Format.

Sie spielt im Paris des Jahres 1920. Der Krieg ist vorbei, aber keinesfalls vergessen. Trotzdem gibt es bereits wieder wissenschaftliche Diskurse, die sich nicht um das reine Überleben und die Verbesserung der Lebensgrundlagen drehen. Eine dieser Strömungen ist die Frage der Eroberung des Weltraums. Jules Verne hatte diese bereits literarische vollzogen, die technischen Grundlagen waren aber noch nicht definiert. Dieses Thema scheint aber auch die einzige Verbindung zwischen ermordeten Wissenschaftler zu sein.

Cover Doktor Radar 1

Simsolo entwirft den klassischen Dualismus zwischen unfähiger Polizei und cleveren Privatermittler, der einerseits für Spannung sorgt, andererseits aber auch den humoristischen Anteil liefern kann. Felix Straub, ein reicher Privatier mit einer erfolgreichen Ermittlungsbilanz setzt sich auf die Spuren des Verbrechers, der der Morde verdächtigt wird: Doktor Radar! Natürlich ist dieser aber ein Meister der Verkleidung und Täuschung und kann seine Verfolger ein ums andere Mal narren.

… in knallbunten Farben

Während die Geschichte zwar etwas nostalgisch ist, sich aber im Rahmen des Erwartbaren abspielt, ist die grafische Umsetzung von Frédéric Bézian außergewöhnlich! Sein Strich ist nervös und wird von Schraffuren und Schwarz-Flächen bestimmt. Während wir aus dem ZACK eher runde Formen gewohnt sind, ist hier alles eckig und schroff. Manche mögen das als zu verstörend empfinden, aber es ermöglicht dadurch eine der Zeit und dem Stil angemessene Umsetzung. Nicht das Schöne steht im Vordergrund, die Gefahr und die Herausforderung ist es, die es zu meistern gilt.

Die markanten schwarz-weißen Zeichnungen werden mit knallbunten Hintergründen versehen, die ihrerseits eine gute Indikation der Handlung ergeben. Die meisten Panel bekommen nur eine einzige Farbe, teilweise spendiert der Künstler aber auch noch farbige Effekte für Details. Für mich ein grandioses Artwork, das in sich selbst bereits für sich spricht, im Zusammenhang mit der Story aber noch mehr wirken kann.

Ein Must-Have

Im Bereich des Comics ist es wie überall in der Kunst. Man mag Sachen oder aber eben nicht. Je weiter man von dem Mainstream weg geht, desto größer wird die Schere zwischen Anerkennung und Ablehnung. Simsolo, vor allem aber Bézian haben hier ein Werk geschaffen, das den Widerspruch hervorrufen wird. Hier geht es jedoch nicht um Kunst um der Kunst Willen, sondern darum, dass die gewählte Form perfekt zu der Story und ihrer Stimmung passt!

Druck Doktor Radar 1 Vorzugsausgabe

Das Magische, die Täuschung und auch die Gefahr finden ihren Widerhall in den nervösen Strichen, die erst in ihrer Gesamtheit ein Bild ergeben. Für mich ein Kandidat für die Jahresbestenliste, auch wenn es noch recht früh im Jahr ist. Neben der regulären Ausgabe ist auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und signiertem Druck erhältlich.

Dazu passen The Beat Movement („Keep On Keepin‘ On“) und ein Augustiner Dunkel.

© der Abbildungen Editions Glénat by Noël Simsolo & Frédéric Bézian 2014 / 2023 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 4

1975 – 1976

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 8, 11, 12

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 29,90 € | 
ISBN: 978-3-89908-795-6

Cover Die Blauen Boys Gesamtausgabe 4

Neben Lucky Luke, dem unbestrittenen Platzhirsch der Western-Funnies, gibt es noch viele andere Serien. Die meisten davon hatten allerdings ein eher kurzes Leben. Mit annähernd 70 Alben kommen Die Blauen Boys der Serie von Morris allerdings recht nahe. Und tatsächlich war sie als Reaktion auf den Weggang des Lonesome Cowboys als Nachfolgeserie im Spirou-Magazin konzipiert worden. Die Gesamtausgabe bringt die frühen Alben neu übersetzt und einheitlich zurück auf den deutschen Markt.

Der Krieg als Schauplatz

Von Anfang an waren die Helden der Serie Blauröcke, also Soldaten der Nordstaaten während des amerikanischen Bürgerkrieges. Anfangs hatte das aber eher folkloristische Auswirkungen. Im Laufe der Serie wird der Kriegsschauplatz immer mehr auch das Szenario für die Handlung und neben den Slapstick tritt eine Komik, die die Schrecken des Krieges und den unbedingten Gehorsam auf die Schippe nimmt.

Cauvin nimmt dabei immer historische Ereignisse als Aufhänger und integriert diese natürlich auch so genau wie möglich in die Handlung. Er nutzt sie aber auch immer wieder um den Konflikt zwischen dem treuen Sergeant Chesterfield und dem sich vor den Gefahren möglichst weit entfernt haltenden Corporal Blutch auf die Spitze zu treiben. Letzterer droht ständig damit zu desertieren und doch drehen sich die beiden wie jedes gute Komiker-Pärchen immer um das weder-mit-noch-ohne Verhältnis.

Die Blauen Boys GA 4 page 24

In Luftigen Höhen befördert die beiden Helden in einem Ballon hoch in die Luft, um den Gegner und seine Bewegungen besser sehen zu können. Kommunikation und Sicherheit scheinen allerdings etwas undurchdacht. Der Fotograf wird von höchster Stelle beauftragt, das Geschehen für den Rest der Welt festzuhalten und damit für die Unterstützung der gerechten Sache zu werben. Dumm nur wenn Realität und Plan nicht übereinstimmen. Schließlich werden Chesterfield und Blutch beauftragt, neue Rekruten für die Kavallerie heranzuschaffen, die bei jedem Angriff um die 90% ihrer Mitstreiter an den Tod verliert. Sie kommen zurück mit den Kosaken.

Stereotype als Humorträger

Was wäre eine Truppe von Soldaten ohne übereifrige Unteroffiziere, die ihre Männer in den Tod führen, Generäle, die weit entfernt vom Schlachtfeld in Sicherheit unmögliche Pläne aushecken und die einfachen Soldaten, die versuchen, dem Schrecken so gut wie möglich auszuweichen. Im Film gibt es dafür Beschränkungen, die im Comic wegfallen. Lambil schafft es ohne Zweifel, viele der Figuren schon beim ersten Auftritt Archetypen zuzuordnen. Die Mimik und Gestik ist bei ihm ein Mittel, um den Witz, der erst später kommt, vorzubereiten.

Die Blauen Boys GA 4 page 25

Ansonsten sind seine Zeichnungen noch stark im Marcinelle-Stil: Runde Nasen, ein dynamischer Strich und viel „drum-rum“. Die Münder sind bunte Löcher, Bewegungen und Action werden durch Lautmalerei unterstützt. Da alle Abenteuer in Spirou vorveröffentlicht wurden, haben die Geschichten ein striktes vier-streifiges Layout.

Die etwas andere Western-Serie

Die Blauen Boys kombinieren die nette Zeichnung, die zum Genuss einlädt, mit den Schrecken der Schlachtfelder. Die Soldaten fliegen durch die Luft, wenn Bomben explodieren, sind blutüberströmt, wenn sie im Lazarett liegen und haben Hass-verzerrte Gesichter, wenn sie angreifen. Dieser Realismus wirkt durch den Gegensatz zu den Blümchen besonders krass (und natürlich werden die Blümchen kurze Zeit später in ihrem niedergetrampelten Zustand gezeigt).

Gerade dieser Gegensatz macht die Serie aber auch so beliebt und erfolgreich. Da die Reihe keine durchgehende Geschichte erzählt, können Neulinge immer einsteigen. Dieser Band ist dafür natürlich ebenfalls gut geeignet. Die Gesamtausgabe enthält auch weitere Abbildungen, eine zusätzliche Kurzgeschichte und einen einführenden Artikel von Volker Hamann. Die Serie war 2022 in der Top 5 von comix-online und wird mittlerweile nach dem Tod von Cauvin von einem neuen Team weitergeführt. Der letzte gemeinsame Band hatte den Titel „Wo ist Arabeske?“.

Die Blauen Boys GA 4 page 7

Dazu passen Jona Lewie, mit “Stop the Cavalry” und ein schwarzer Kaffee!

© der Abbildungen Dupuis 1976, 1977, by Cauvin & Lambil / 2023 Eckart Schott Verlag

ZACK 296 (Februar 2024)

ZACK 296

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 92 Seiten | Farbe | 9,00 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 296

2024 scheint das Jahr werden zu wollen, das „die Straße“ in das Bewusstsein zurückholt. Die Bahn war das erste Opfer der zu erwartenden Streiks, die Bauern blockierten alles Mögliche mit ihren Treckern und schließlich ging eine täglich größer werdende Anzahl von Menschen mal nicht für Individualinteressen auf die Straße, sondern zur Verteidigung der Demokratie! Welch ein Lichtblick!

Der Neustart

Die Flintenweiber zieren nicht nur das Cover dieser Ausgabe, auch Band 3 der Serie, Das Geheimnis der Elfe, nimmt seinen Anfang. Pierre Pevel beginnt die neue Geschichte mit einem ruhigen Rückblick. 1911 löst die Anwesenheit von Bewohner*innen der Anderswelt kein Erstaunen mehr aus. Der Raub des Siegelringes ist allerdings immer noch ungeklärt, die verschiedenen Mächte sind weiter auf der Suche nach ihm und die Rachegelüste gegenüber den Diebinnen sind noch ungestillt. Étienne Willem darf daher gleich wieder zur Action übergehen und die Vorbereitung einer Hinrichtung zeichnen. Liebevolle Zeichnungen mit viel Spaß im und am Detail in einer spannenden Story!

ZACK 296 page 5

Die Fortsetzungen

Das Science-Fiction-Projekt MADI von Alex de Campi & Duncan Jones geht bereits in die sechste Runde. Die Flüchtenden müssen dringend zu Geld kommen und es besteht die Hoffnung, dass Dean seine besonderen Kräfte einsetzen könnte. Allerdings erlaubt das den Verfolgern auch, die Spur wiederaufzunehmen … Es war einmal in der Zukunft wird dieses Mal gezeichnet von James Stokoe, der eine extrem detailreiche Bebilderung in Bonbon-Farben anbietet. Spielhölle mal anders!

ZACK 296 page 28

Eigentlich wollte Michel Vaillant nur ein nicht wirklich legales Rennen quer durch die USA gegen einen Blogger fahren. Cannonball, so der Name, entwickelt sich jedoch ganz anders als klar wird, dass Terroristen das Auto gehackt haben und das Unterschreiten einer bestimmten Geschwindigkeit eine Bombenexplosion auslösen wird. Ein Patch kann jedoch nicht online eingespielt werden. Wird es Steve Warson gelingen, mit einem USB-Stick in den dahinrasenden Wagen einzusteigen? Packende Action von Dennis Lapière mit sehr untypischen Rennszenen von Marc Bourgne & Olivier Marin.

ZACK 296 page 44

Felix Sauvage konnte entkommen und darf somit hoffen, die Informationen über einen bevorstehenden Angriff noch rechtzeitig übermitteln zu können. Bevor es so weit ist treffen wir aber an einem Lagerfeuer Frauen wieder, die den meisten Leser*innen klassischer frankobelgischer Western sehr bekannt vorkommen dürften. Félix Meynet gelingt damit in Black Calavera eine sehr nettes Pastiche. Die weiteren Bilder sind dann eher Schachtengetümmel und Explosionen.

ZACK 296 page 56

Der Abschied

Der erste Band von Libertalia, Triumph oder Tod, geht in diesem Heft zu Ende. Die Überlebenden landen an einem Strand des Indischen Ozeans, um dort ihre Kolonie zu gründen, müssen allerdings noch eine letzte tödliche Prüfung überstehen. Fabienne Pigière & Rudi Miel haben eine modernes Piratenabenteuer geschrieben, das etwas andere Akzente setzt, gleichfalls aber die Erwartungen an dieses Genre erfüllt. Die detailreichen Zeichnungen von Paolo Grella passen dazu, sogar besser als zu Bob Morane. Man darf auf den nächsten Band gespannt sein.

ZACK 296 page 75

Und sonst?

Die Gag-Seiten von Grott & Bott, Parker & Badger und Tizombi beschäftigen sich wie immer mit Alltagsproblemen und ihren ungewohnten Auswirkungen. Erstaunlicherweise beschweren sich viele Leser*innen, wenn die Serien aus irgendwelchen Gründen fehlen, vergeben aber eher abwertende Noten. Nun ja, für mich gehören sie als Pausenprogramm dazu, haben aber auch ihren eigenen Reiz!

Den Reigen beschließen ein Interview zum Mord im Orient-Express und eines mit Dino Attanasio zu seinem Schaffen, ein Bericht über das Gold der Belgier in der ZACK-Edition sowie der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren. Weiter so!

Dazu passen Duffy mit ihrer Version von „Tainted Love“ und ein Oberdorfer Helles.

© der Abbildungen 2024 bei den jeweiligen Autoren und Verlagen c/o Blattgold GmbH

Seeßlen – Lucky Luke

Fast alles über den (nicht gar so) einsamen Cowboy und seinen Wilden Westen

Autor: Georg Seeßlen
Bertz + Fischer Verlag
Taschenbuch | 272 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN: 978-3-86505-774-7

Vor einiger Zeit noch totgesagt, lebt das Western-Genre munter vor sich hin. Im Streaming entsteht gerade ein ganzes Universum von miteinander verknüpften Serien um das Spätwesternepos Yellowstone; im Comic haben etwa Die Blauen Boys und Lucky Luke den Schritt auf neue Kreativteams vollzogen, nachdem ihre Schöpfer verstorben sind. In Deutschland vergeht kaum ein Monat, in dem nicht mehrere neue Westerncomics veröffentlicht werden.

Cover Seeßlen - Lucky Luke

Der wohl berühmteste europäische Cowboy

Es gibt eine ganze weitere Reihe von bahnbrechenden, erfolgreichen und guten europäischen Westernserien: Jerry Spring, Blueberry, Buddy Longway, Yakari, Chinaman, Durango aber auch Manos Kelly, Tex oder die Western von Serpieri. In das Allgemeinwissen hat sich aber der Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten integriert: Lucky Luke! Erfunden wurde er als Figur von Morris (Maurice de Bevere), seine erste Hochform hat er allerdings erst mit den Szenarios von René Goscinny erlangt.

Seeßlen beschreibt in seinem Werk nicht nur die allgemeine Entwicklung des Westerns als Kunstform, ausgehend von (Heft-)Romanen und Filmen über Pulps und TV-Serien bis hin zum Comic, er arbeitet auch sehr verständlich die Hauptbestandteile dessen, was einen Western eigentlich ausmacht, heraus. Diesen Kanon überprüft er dann wiederum anhand der Lucky-Luke-Geschichte. Dabei geht er auf die Entwicklung der Serie ein, die sich über die Jahrzehnte den jeweiligen Anforderungen des Publikums zwar angenähert hat, niemals aber darauf eingelassen hat, zeitgebunden zu werden.

Für Fans des Genres ist es spannend nachzuvollziehen, wie der Aufbau einer Westerngeschichte fast schon formelhaft ablaufen kann. Man nehme ein paar Ingredienzien, mixe sie im richtigen Verhältnis, köchele ein wenig und fertig ist das Gericht, äh, der Comic. Nun ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht! Und Seeßlen beschreibt auch, warum manche Szenarios einiger Autoren einfach eben nicht funktionieren.

Die Serie im Besonderen

Neben den Erläuterungen über den Western als Solches geht Seeßlen detailliert auf jeden einzelnen Band der Serien Lucky Luke, Rantanplan, Lucky Kid und der Hommage-Bände ein. Er gibt jeweils den Inhalt wieder, reichert das mit sehr persönlichen Kommentaren an und lässt uns sogar wissen, welches sein Lieblingsbild in dem Band ist.

Fans der Serie erhalten so einen sehr konzentrierten Überblick, der ein Lexikon ergänzen kann. Die Bewertung bezieht sich dabei auf die aktuellen Veröffentlichungen bis zu Band 101 und der zweiten Hommage von Bonhomme.

Top-Tipp!

Der Band ist eine gute Ergänzung sowohl zu den allgemeinen Werken über Western-Comics, etwa von Alexander Braun (Going West!, Staying West!), aber auch zu dem offiziellen Lucky-Luke-Lexikon. Seeßlen schafft es, viele Inhalte verständlich zu erklären, lässt seine eigenen Vorlieben deutlich erkennen, und pickt einen überschaubaren Ausschnitt aus dem Riesen-Thema. Der Band enthält 92 Fotos, die teilweise einen anderen Fokus haben als die bereits hinlänglich bekannten.

Wer sich nicht nur für das Lesen von Comics interessiert, sondern etwas darüber wissen möchte, sollte hier einen Blick riskieren! Von Seeßlen ist im Übrigen im gleichen Verlag auch schon ein Band über Herge und Tim und Struppi erschienen.

Dazu passen Elvis Presley mit seinem „Lonesome Cowboy“ und ein Whiskey.

© der Abbildungen2023 by Bertz + Fischer GbR, Berlin

Michel Vaillant Staffel 2 Band 10

Pikes Peak

Story:  Denis Lapière
Zeichnungen: 
Marc Benéteau, Vincent Dutreuil
Originaltitel: 
Michel Vaillant – Season 2 – 10

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 €

ISBN: 978-3-949987-32-6

Waren die vorausgegangenen Michel Vaillant-Alben noch bei Mosaik erschienen, hat der Blattgold Verlag neben dem ZACK und den anderen Alben der ZACK-Edition jetzt auch diesen letzten Übernahmeschritt vollzogen. Auch inhaltlich ist mit diesem Band eine neue Ära angebrochen, wird die Familien- und Rennsaga doch auch ein wenig politisch. Die Geschichte ist bereits in ZACK 281 bis 284 erschienen.

Cover Michel Vaillant Staffel 2 Band 10

Eine Premiere in den USA

Immer wieder hatte Vaillante und natürlich auch Michel als Fahrer Herausforderungen in Amerika erstmals zu bewältigen. In der Vergangenheit waren das Rennen, Hochgeschwindigkeitsrekorde oder andere Wettbewerbe. In all den Jahrzehnten war aber das Rennen am Pikes Peak niemals Thema gewesen. In wunderbarer Landschaft müssen sich die antretenden Teams zunächst qualifizieren, um dann schließlich zum Wettkampf antreten zu können.

Das Vaillante-Team sieht natürlich den Marketingeffekt, den eine gute Platzierung auslösen kann, muss aber zunächst mit eher einfachen Schwierigkeiten kämpfen. Niemand, der mit dem Rennen Geld verdient, möchte, dass die bisherigen in den US verbleibenden Gewinne ins Ausland abwandern könnten, und so ist es schon schwierig, auch nur Hotelzimmer zu bekommen.

Es erfordert ein wenig Hilfe von Steve Warson, der sich selbst dadurch aber auch angreifbar macht. Diese politischen Verwicklungen, die bis in das rechtsradikale Millieu gehen, sind neu und schaffen einen zusätzlichen Spannungsbogen. Und auch die Rückkehr von Bob Cramer und der Texas Drivers verspricht erstmal nichts Gutes.

Michel Vaillant Staffel 2 Band 10 Page 4

Modernisierter Stil

Es gibt immer wieder einige, die sich beschweren, dass sie „ihre“ Figuren nicht wiedererkennen würden. JA, der Stil hat sich modernisiert! Aber er musste sich auch erneuern, denn sonst hätte sich die Serie nicht erfolgreich repositionieren können. Wie auch immer: Die Rennszenen und vor allem die Bilder, die die umgebende Natur zeigen, sind extrem gut und enthalten Dynamik und Geschwindigkeit genauso wie die Ruhe vor dem Sturm! Wer so etwas mag, wird mit den Zeichnungen von Marc Benéteau und Vincent Dutreuil definitiv nichts anderes als glücklich!

Das Papier und die gewählten Farben sind leicht glänzend und bringen daher die Actionparts noch besser rüber. Und auch die Soundwords spielen weiterhin eine große Rolle und unterstützen auf innovative Weise die Geschichte.

Cover ZACK 281

Bitte einsteigen!

Für die Fans rasanten Motorsports ist Michel Vaillant seit Jahrzehnten (wieder) das Nonplusultra. Es gibt zwar Alternativen wie etwa den auch aus dem ZACK bekannten Rolf Thomsen aka Alain Chevallier, das Gesamtkonzept aus Family-Soap, Krimi und Sport ist aber im Original am besten gelungen. Mit der neuen, politischen Dimension und dem offenen Ende, dass den Langzeitcharakter bedient, hat Denis Lapière ein Szenario abgeliefert, dass auch Noch-Nicht-Fans ansprechen könnte.

Wer Lust an aktuellen Netflix-Serien hat, die nicht nur auf Ballerei setzen, sondern Action, ökonomische Themen und Soap verbinden, sollte hier definitiv einen Blick hinein werfen. Pikes Peak ist ein guter Moment, um einzusteigen. Gleichzeitig bietet die Collector’s Edition der Zweiten Staffel die Möglichkeit, „aufzuholen“.

Dazu passen The Inciters („Boot N Soul“) und ein Weihenstephan Weissbier alkoholfrei.

© der Abbildungen 2021 Graton Éditeur Lapière-Benéteau-Dutreuil / 2023 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Morvan/Evrard – Die Freunde von Spirou 1

Ein Freund von Spirou ist offen und ehrlich …

Story: Jean-David Morvan

Zeichnungen: David Evrard

Originaltitel: Les Amis de Spirou 1 – Un Ami de Spirou est franc et droit

Carlsen Comics
Hardcover| 72 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-551-02638-5

Cover Die Freunde von Spirou 1

Das Spirou-Magazin wurde 1938 als wöchentliches Comic-Magazin im Verlag Dupuis gegründet. Während der deutschen Besetzung Belgiens musste es eine Zeit lang sein Erscheinen einstellen. Viele der jugendlichen Leser*innen gingen als Die Freunde von Spirou in den Widerstand, während des Krieges diente ein Spirou-Puppentheater als Informationsüberbringer und Vernetzungsmöglichkeit. Während davon vieles in Artikeln und Büchern aufgearbeitet worden ist, ist die neue Serie ein Versuch, das Ganze als Comic darzubieten.

Ein Ehrenkodex verpflichtet

Das Magazin Spirou war nicht nur ein Heft mit amerikanischen und immer mehr belgischen Comics, es hatte auch informative Beiträge. Die gesamte Linie (inklusive der Grenzen für die Aktiven in Richtung Sexualität und Gewalt) war geprägt vom belgischen Katholizismus und der Pfadfinderbewegung. Es dauerte daher auch nicht lange, bis der Wunsch der lesenden Kinder dazu führte, dass eine Art Leseclub gegründet wurde: Die Freunde von Spirou! Für die Mitglieder gab es nicht nur kleine Goodies, sondern vor allem eine Art Ehren- und Verhaltenskodex!

Die Geschichte von Jean-David Morvan beginnt 1943 während der deutschen Besetzung Belgiens. Die Repressalien waren graduell immer stärker geworden, allerdings auch die Spaltung der Gesellschaft in eine – meist flämische – Gruppe von Nazifreund*innen und die Anderen. Als dann auch noch die Einstellung der Zeitschrift Spirou durchgesetzt wurde, entwickelt eine Gruppe von Kindern daraus den Auftrag, nun aber wirklich etwas unternehmen zu wollen.

Die Freunde von Spirou 1 page 3

Sie machen sich daran, eigene Comics herzustellen und zu verbreiten, die die Besatzer lächerlich machen. Basierend auf tatsächlichen Ereignissen ist das natürlich eine fiktive Geschichte, die aber durchaus als Beispiel für den vielfältigen Widerstand auch der Kleinen gelten kann. Nebenbei bemerkt hat dieser Widerstand übrigens auch getötete Kinder zur Folge gehabt. Als Nebengeschichte gibt es ein Gespräch mit dem Chefredakteur Jean Doisy, das ebenfalls lesenswert ist!

Lustige Bilder für ein ernstes Thema

David Evrad setzt die Geschichte in dem typischen, modernisierten Spirou-Stil um. Große Köpfe, große Nasen, die Lebenslust steht den Kindern ins Gesicht geschrieben. Demgegenüber sind die „Bösen“, also sowohl die Kinder der rexistischen (faschistischen) Jugend als auch der ältere Kollaborateur erkennbar stinkstiefelig! Obwohl die Zeichnungen damit kindgerecht sind, sollte man sich nicht vertun. Der Inhalt braucht – gerade heute wo wieder von „reindeutschen“ gefaselt wird, möglicherweise deutliche Begleitung durch Erwachsene. Allerdings wird hier keine Politik gemacht, die pure Menschlichkeit steht im Vordergrund!

Die Freunde von Spirou 1 page 4

Das Layout ist modern und geht von einem vier-streifigen Grundraster aus, das durch Überlappungen, Overlays und Rundungen immer wieder verändert wird. Es passt damit zu dem sehr dynamischen Strich und der schnellen Geschichte. Die ruhigen Erzählpassagen haben dann auch deutlich mehr Hintergrund.

Notwendig!

Wer lernen möchte, wie es aussehen kann, wenn man nicht nur sagt, dass einer/m etwas nicht passt, sondern auch etwas unternimmt, kann sich hier eine Scheibe abschneiden. Mit jugendlichem Eifer legen die Freund*innen los und brauchen aufgrund ihres gemeinsamen Ehrenkodex auch nicht lange überlegen. Insofern passt die Geschichte gut in eine Reihe mit Die Kinder der Resistance, Ein Sack voll Murmeln oder Spirou oder: Die Hoffnung. Immer geht es darum, der Unmenschlichkeit zu trotzen!

Die Freunde von Spirou 1 page 7

Gerade heute ist das Thema natürlich aktuell wie schon lange nicht mehr. Wir dürfen aber nicht darauf vertrauen, dass der Hype bleibt! Zusätzlich enthält die Story Hinweise zum Verständnis der „Macher“ von Spirou, vor allem natürlich von Jean Doisy. Klare Empfehlung!             

Dazu passen The Busters mit “Chase Them“ und ein Ingwer-Shot für den klaren Kopf.

© der Abbildungen Dupuis 2023, by Morvan, Evrard, Den BK | 2023 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Reding – ZACK Spezial 10: Jari 2

Jari und die große Katastrophe

Story: Raymond Reding
Zeichnungen: 
Raymond Reding
Originaltitel: 
Jari dans la tourmente (Tintin 520 – 559/1958)

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe| 18,00 € | nur für ZACK-Abonnent*innen

Limitiert auf 555 + 55 Exemplare

ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 10 - Jari 2

Nur für ZACK-Abonnent*innen gibt es frankobelgische Klassiker in der Reihe ZACK-Spezial. Neben Einzelbänden erscheinen dort auch Serien, die in Deutschland bisher vernachlässigt worden sind. Jari ist eine Sportserie über ein Tennis-Wunderkind und seinen väterlichen Freud, den Paris-Open-Gewinner Jimmy Torrent von Raymond Reding, der in Deutschland hauptsächlich für seinen Fußball-Comic Kai Falke bekannt ist. Er hat aber auch Section R verfasst. Jari ist teilweise zwischen 1958 und 1960 im Pony aus dem Bastei-Verlag erschienen.

Mehr als Tennis und ein Crossover

In der Reihenfolge der fortlaufenden Geschichten ist Jari und die große Katastrophe der zweite Teil. Schon hier zeigt sich, dass Reding weit mehr erzählen möchte als eine Abfolge von sportlichen Herausforderungen und Siegen. Es beginnt damit, dass Jimmy Torrent ein Finale eines großen Turniers nur noch unter Schmerzen zu Ende spielen kann. Ein Tennisarm verlangt eine ReHa. Sportsmann der er ist, spielt er aber ohne Aufgabe zu Ende um den Erfolg des Gegners nicht zu schmälern.

Jari und Torrent beschließen, Jaris Freund zu besuchen, der gerade auf Erholungskur in einem Skiort weilt. Auf dem Weg dorthin entgehen sie nur knapp einer Katastrophe, da die Verletzung Torrent beim Fahren behindert und es fast zu einem Unfall kommt. Sie treffen dabei auf einen alten Freund, der mittlerweile als Arzt und Pilot einer kleinen Propellermaschine Verletzte vor Ort in den Bergen betreut. Er bringt sie in den kleinen Ort Priolans.

Dort kommt es tatsächlich zu einer großen Katastrophe, denn eine Felsnadel stürzt ein und verursacht eine Überschwemmung, die den halben Ort vernichtet. Torrent wird zunächst vermisst. Wurde die Katastrophe künstlich herbeigeführt? Können die Menschen und der Ort gerettet werden? Und können die sportlichen Pläne weiterverfolgt werden? Fragen über Fragen. In der Folge kommt es im Übrigen zu einem Crossover mit Michel Vaillant. Dessen und Jaris Abenteuer überschnitten sich in Tintin während beide „am gleichen Ort“ waren und so tauchten sie jeweils auf den Seiten des anderen auf. Mehr dazu in ZACK 295!

Tintin-Style!

Ende der 50-er Jahre hatte Hergé sein Tintin-Magazin noch fest im Griff und wachte darüber, dass die abgedruckten Serien seinen stilistischen Vorgaben folgten. Natürlich gehörte auch Raymond Reding zu den folgsamen Zeichnern. Ein Crossover zwischen Gratons Vaillant und Redings Jari wurde dadurch vereinfacht, waren sich beide Serien doch sehr ähnlich. Tatsächlich ist der Rennfahrer dem Original aber ferner als derjenige der Zweiten Staffel.

Zeitgemäß ist das vierstreifige Layout vorgegeben und wird strikt eingehalten. Die Zeichnungen sind sehr realistisch und geben etwa die Bergwelt und die kleinen Siedlungen in ihr sehr gut wieder. Obwohl sie ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, sind sie doch immer noch frisch und haben den Charme eines Klassikers, ohne verstaubt zu wirken.

ZACK Spezial - Ex Libris

Wertarbeit

Jari hat, wie auch die anderen ZACK-Spezial Alben, eine so hohe Qualität, dass die Bände auch heute noch nicht nur gelesen werden können, sondern auch noch eine so große Fangemeinde haben, dass sie auch verkauft werden können. In ein Magazin wie das ZACK würden sie aber nicht mehr passen, soll es doch einen aktuellen Überblick geben und auch jüngere Leser*innen erreichen. Es ist daher konsequent, die Klassiker auszugliedern.

Das Konzept der Sub-Reihen unter dem gemeinsamen Titel Spezial folgt der alten Koralle-Idee der ZACK-Boxen und passt daher ebenfalls. Trotz allem ist die Anzahl der Käufer*innen begrenzt. Eine entsprechend kleine Auflage erfordert aber fast zwangsläufig eine Beschränkung auf den Direktvertrieb. Und so sind sechs der bisherigen zehn Titel mittlerweile auch vergriffen. Wer will, kann übrigens auch dazu passende Drucke erwerben!

Dazu passen Lorde mit „Tennis Court“ und ein Jager Tee!

© der Abbildungen Le Fureteur SPRL & Raymond Reding – info@bdmust.be| 2023 Blattgold GmbH

Reddition 78 – Das Spirou-Magazin in den 80-er Jahren

Die „neue“ Marcinelle-Schule

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover und Beilage Reddition 78

Über die „alte“ Marcinelle-Schule und die Stars des Spirou-Magazins wie Franquin, Peyo oder Morris ist schon viel geschrieben worden, auch in der Reddition. Die Künstler prägten den frankobelgischen Comic über Jahrzehnte und hatten einen großen Anteil daran, die Kunstform zu etablieren. Spirou hatte jedoch einen weiteren Höhenflug Ende der 70-er bis Ende der 80-er Jahre, der wesentlich zu der heutigen Wahrnahme von Comics beigetragen hat, denn diese werden nicht mehr (nur noch) als Kinderkram betrachtet.

Die Voraussetzung

Jede lebendige Gemeinschaft von Künstler*innen benötigt ein Umfeld, das Kreativität ermöglicht und fördert und Neues ausprobieren möchte. Zwei Dinge sind dafür essenziell: ein Redaktionsleiter, der junge Talente erkennt, um sich versammelt und ihnen den Rücken stärkt, und ein Medium, das wahrgenommen wird. Das Spirou-Magazin hatte wie alle Comic-Journale an Auflage verloren. Die Kundschaft hatte zwar weiterhin ein großes Budget zur Verfügung, verteilte dieses aber auf eine größere Bandbreite. Trotzdem verkaufte das Magazin noch zwischen 125.000 und 200.000 Exemplaren pro Woche und war damit alles andere als ein Nischenprodukt.

Reddition 78 page 04

Als Herausgeber, der für die inhaltliche Ausrichtung verantwortlich war, fungierte zunächst Alain De Kuyssche, später ein Kollektiv, aus dem dann nur noch Phillipe Vandooren übrigblieb. De Kuyssche war derjenige gewesen, der das Heft für junge Talente geöffnet hatte und auch denen Publikationsfläche bot, die noch keine Stars waren. Diese Zeit wird von Volker Hamann und Roland Mietz ausführlich einführend beschrieben.

Die Stars

Dem folgen – wie langjährigen Leser*innen der Reddition bekannt – sehr ausführliche Artikel zu den einzelnen Künstlern, von denen heute die meisten zu den Stars der aktuellen Szene zählen. Tome & Janry gehören dazu, die nicht nur die namensgebende Serie „Spirou“ revolutioniert haben, sondern mit „Der kleine Spirou“ auch das Thema der leicht anstößigen Gags in die Zeitschrift für Kinder gebracht haben (Michael Hein). Falk Straubs Artikel über Frédéric Jannin würdigt einen hierzulande eher unbekannten Künstler bevor erneut Volker Hamann auf Frank Pé eingeht. Dieser hat nicht nur die Darstellung von Tieren im Comic auf ein neues Niveau gehoben und mit Jonas Valentin einen Bestseller kreiert, sondern auch mit Die Bestie dem Marsupilami eine erwachsene Version an die Seite gestellt.

Reddition 78 page 40

Stefan Schmatz darf dann sowohl Yann & Conrad und ihre Helden ohne Skrupel vorstellen als auch den beiden eigene Artikel widmen, die ihre nicht mehr gemeinsame Zeit beschreiben. Yann ist einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Szenaristen, Conrad als der Asterix-Zeichner der kommerziell wohl erfolgreichste aktuelle Zeichner.

Auch Bernard Hislaire, am bekanntesten wohl durch Sambre, erhält einen Artikel von Jan Raidner. Den Abschluss macht erneut Volker Hamann mit einem ausführlichen Artikel über Frank Le Gall, den Schöpfer von Theodor Pussel. Von diesem Zeichner stammt auch die Beilage für Abonnent*innen der Reddition, die die Geschichte „Jahresende“ als Sonderdruck erhalten. Zum festen Repertoire der Zeitschrift gehören die ausführlichen Comicographien, die dieses Mal den Serien Jonas Valentin und Theodor Pussel gewidmet sind.

Ein kompetenter Überblick

Mittlerweile gibt es für Comic-Fans viel mehr Möglichkeiten, sich zu informieren. Das Netz ist immer nur einen Klick entfernt und selbst fremdsprachige Artikel lassen sich schnell zumindest so weit übersetzen, dass man den Sinn erahnen kann. Ein so umfassender Überblick wie in den Dossiers der Reddition erfordert dagegen schon sehr viel mehr Mühe, will man das Ganze selbst erledigen. Insofern ist ein Magazin (mit dieser Ausrichtung) unverzichtbar!

Reddition 78 page 70

Geballte Sachkompetenz, lesbar aufbereitet und ausführlich illustriert zu Themen, die für Comic-Fans immer interessant sind, ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal! Aus diesem Grund taucht die Reddition auch regelmäßig in der Jahresbestenliste von comix-online auf! 24 Euro im Jahr sind für diesen Quell der Information inklusive eines limitierten Goodies absolut angemessen. Ein Abo ist allen zu empfehlen!

Dazu passen Ian Dury and the Blockheads mit „Hit me with your Rhythm Stick” und ein Herrnbräu Tradition.

© der Abbildungen Cover © 1987 Le Gall, Spirou, Fantasio, Marsupilami 2023 Editions Dupuis, sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2023

Toussaint/Josse – Von der anderen Seite der Mauer

Ein Stück aus der deutschen Geschichte

Autor: Kid Toussaint

Zeichnungen: Tristan Josse

Originaltitel: De l´autre côté du mur

Blattgold Verlag

Hardcover | 64 Seiten | 20,00 €
ISBN: 978-3-949987-16-8

Cover Von der anderen Seite der Mauer

Mittlerweile ist es fast länger her, dass die DDR aufhörte zu existieren als ihre Existenz gedauert hat. Wesentlicher Stützpfeiler der Gesellschaft war die Mauer, die Bewohner*innen daran hinderte, den östlichen Teil Deutschlands Richtung Westen zu verlassen. Der sog. „Antifaschistische Schutzwall“ diente aber auch als Barriere gegen den Import vom „Westware“, die ideologisch verdächtig war.

Grenzgänger*innen vereinigt euch!

Obwohl die Mauer und der Rest der Grenzen der DDR gut bewacht waren, gab es immer wieder erfolgreiche, teils sehr spektakuläre Fluchten und natürlich auch den kleinen und größeren Schmuggel. Dieser wiederum war entweder sehr persönlich, organisiert von lokalen Strukturen, oder aber groß angelegt und höchst professionell.

Von der anderen Seite der Mauer, die Geschichte des Belgiers Kid Toussaint, beginnt damit, dass eine obskure, scheinbar staatliche westdeutsche Organisation vier Menschen zusammenbringt, die aus unterschiedlichen Gründen die Grenze regelmäßig illegal überqueren. Ihre Motive sind dabei sehr unterschiedlich. Einer versucht, sein Ego und seine Libido zu befriedigen im dem er junge Frauen in den Westen bringt, ein anderer macht Geld mit importierten LPs. Die drei Männer und eine Frau sollen zum Jahrestag des Mauerbaus eine größere Gruppe an Bürger*innen aus der DDR in den Westen schleusen und so den Staat lächerlich machen.

Cover VZA Von der anderen Seite der Mauer
Cover VZA

Während der Vorbereitungen, die Gruppe entschließt sich zu einem Tunnelbau, treten nicht nur Differenzen innerhalb der zusammengewürfelten Truppe auf, die teilweise an „Haus des Geldes“ erinnern, es wird den Held*innen auch klar, dass ihre Auftraggeber möglicherweise ganz andere Ziele verfolgen. Der sonst eher im Jugendsektor tätige Toussaint entwirft eine spannende Story im Umfeld von Abenteuer, Geheimdienst/Verschwörungen und History!

Dynamischer Stil

Tristan Josse setzt das Abenteuer in einem sehr dynamischen Stil um. Seine Bilder sind halbwegs realistisch, die Figuren haben einen karikativen Einschlag und erinnern etwa an „Das Mädchen von der Weltausstellung“. Die computerbasierten Layouts erlauben ein Überlappen der Panel, die ihr Grundraster meistens verlassen. Die Bilder sind sehr dynamisch, haben teilweise Lautwörter und Bewegungslinien, die die Dynamik noch verstärken.

Wer eine typische (und super gelungene) Actionszene begutachten möchte, sollte sich die Seiten 16 und 17 ansehen. Fast aus dem Stand heraus explodiert hier die Handlung förmlich nur um kurze Zeit später mit einem unerwarteten Moment zu enden.

Vorsatz Von der anderen Seite der Mauer

Die neue ZACK-Edition!

Seitdem Georg F. W. Tempel und sein Blattgold-Verlag das ZACK übernommen haben, überraschen sie stetig mit neuen Ideen. Das ZACK wurde dicker, in der Spezial-Reihe werden Klassiker dargeboten, Bob Morane, Michel Vaillant und Johnny Focus haben Gesamtausgaben bekommen und in der neuen Edition werden moderne frankobelgische und niederländische Serien veröffentlicht, die auch in das monatliche Heft gepasst hätten.

Von der anderen Seite der Mauer ist ein solcher Titel: eine spannende Geschichte, grafisch modern und ansprechend umgesetzt, die ein düsteres Kapitel der deutschen Vergangenheit unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet und aufzeigt, dass offizielle und inoffizielle Geschichtsschreibung nicht immer identisch sein muss. Tipp! Es gibt auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und signiertem Druck.

ExLibris VZA Von der anderen Seite der Mauer
ExLibris der VZA

Dazu passen Propaganda mit „p:Machinery“, und ein Berliner Kindl.

© der Abbildung 2023 Bamboo Édition / 2023 Blattgold Verlag, Bad Dürkheim

ZACK 295 (Januar 2024)

ZACK 295

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 92 Seiten | Farbe | 9,00 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 295

Ein neues Jahr, ein neues Glück oder so ähnlich … Comix-online wünscht allen aus der Generation ZACK ein frohes Neues Jahr!

Auf jeden Fall solltet ihr an der Wahl der ZACK-Serie des Jahres 2023 teilnehmen. Das geht entweder über den im Heft abgedruckten Coupon oder online. Ich bin gespannt, wie das Voting ausfällt, habe ich doch meine klaren Favoriten!

Die Fortsetzungen

Felix Sauvage ist ein französischer Hauptmann, der seine Klappe nicht halten kann. Dementsprechend wird er auf ein Himmelfahrtskommando geschickt, zusammen mit seinem Rivalen Hugon. Dieser wird schnell als Spion enttarnt, es droht ihm somit die Exekution. Black Cavalera ist eine sehr spannende Geschichte aus einem eher unüblichen Teilbereich des Western-Comics von Yann, unverwechselbar in Szene gesetzt von Félix Meynet. Die Kolorierung ist allerdings Geschmackssache. Die Serie ziert das Januar-Cover.

ZACK 295 page 5

Die zweite Staffel von Michel Vaillant ist bereits bei Band 11 angekommen, Cannonball ist ein (illegales) Straßenrennen quer durch die USA zu dem Michel von einem bekannten Blogger herausgefordert worden war. Mittlerweile ist klar, was mit den Autos während des nächtlichen Überfalls kurz vor dem Start passiert ist: Der Wagen wurde gehackt und Michel wird gezwungen, sich an einem Anschlag zu beteiligen. Die (von Marc Bourgne & Olivier Marin tadellos umgesetzten) Rennszenen dienen Dennis Lapière erneut nur dazu, einer viel größeren Geschichte einen tollen Rahmen zu geben. Vielleicht mehr Netflix als Jean Graton, aber eine echte Bereicherung!

ZACK 295 page 23

Madi ist ein Science-Fiction-Projekt von Alex de Campi & Duncan Jones. Es war einmal in der Zukunft berichtet von Menschen, die ihren Körper optimieren und sich teilweise als Söldner verdingen. Das bedeutet jedoch ständige online-Verfolgbarkeit, die zumindest dann sehr hinderlich ist, wenn man nicht nach fremden Regeln spielen möchte. Durchaus spannende Geschichte, die durch den Stilmix herausfordert. Die aktuellen Teile stammen von Pia Guerra & Matt Wilson sowie Glen Fabry & Adam Brown. Möglicherweise ist das Ganze zu „englisch“ für die frankobelgisch geprägte ZACK-Leser*innenschaft. Ich bin gespannt auf die Jahreswertung!

ZACK 295 page 39

Libertalia erzählt die Geschichte von Freiheit und dem Mut zu Veränderungen angesichts von untragbaren Verhältnissen. Der gesuchte Olivier Mission ist der letzte überlebende Offizier auf seinem Schiff und übernimmt das Kommando, die Gefahren für Leib und Leben der Besatzung enden damit aber keinesfalls. Fabienne Pigière & Rudi Miel lassen sich in Triumph oder Tod Zeit, die Seefahrt und ihre Herausforderungen zu beschreiben und gleichzeitig auf die Verfehlungen des Adels einzugehen. Ihre klare Wertung wird von Paolo Grella sehr detailverliebt umgesetzt. Stilistisch liegt Libertalia irgendwo zwischen Sauvage und dem klassischen frankobelgischen Stil.

ZACK 295 page 55

Der Abschied

Der erste Teil von Movie Ghosts geht zu Ende. Wird Jerry Fifth es schaffen, seiner Geliebten, einem Geist, die Ruhe zu schenken, die sie braucht, um Hollywood endlich verlassen zu können? Dafür muss er zunächst aber selbst am Leben bleiben was durchaus nicht einfach ist! Stephen Desberg hat mit Sunset … und weiter ein weiteres Mal seine Vielseitigkeit bewiesen! Die Verknüpfung von Krimi und Thriller-Elementen mit dem Mystery-Touch, angesiedelt in Hollywoods Traumwelt ist ein sehr schöner Einfall, der von Attila Futaki sehr passend umgesetzt wurde. Wie gut, dass das ZACK nicht immer nur auf eingefahrenen Pfaden wandelt, sondern Neuentdeckungen wie diese einbringt!

ZACK 295 page 76

Und sonst?

Dazu kommen gleich mehrere Gag-Serien: Parker & Badger, Tizombi, Grott & Bott und StarFixion. Letzteres ist eine echte Bereicherung gegenüber den Vorläuferreihen! Die inhaltlichen Beiträge beleuchten das ZACK vor 50 Jahren, stellen Shunas Reise und die neue ZACK-Edition-Serie Rio vor und gehen auf das Jari-Michel-Vaillant-Crossover in ZACK-Spezial 10 (Rezensionen folgen) ein.

Glücklicherweise ändert sich im neuen Jahr nicht alles, das ZACK bleibt. Comix-online hat es gerade zur besten Magazin-Veröffentlichung des Jahres 2023 gekürt. Wenn es so weitermacht, wird es schwierig werden, es von diesem Platz zu verdrängen.

Dazu passen Chelsea (Be What You Want To Be) und ein Vielanker Winterbock.

© der Abbildungen 2024 bei den jeweiligen Autoren und Verlagen c/o Blattgold GmbH

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