Wer alle Stories aus dem Bat-Universum in der richtigen Reihenfolge lesen möchte wird hier vor eine gewisse Herausforderung gestellt. Der aktuelle vierte Band präsentiert nämlich zunächst ein paar ältere Geschichten, die vorher ausgelassen worden waren.
Die Katze lässt das Mausen nicht
Wir alle erinnern uns, Catwoman war drauf und dran, Batman zu ehelichen. Da sie ihm aber vor allem die Möglichkeit lassen wollte, den Dunklen Ritter zu geben, hatte sie einen Rückzieher gemacht und war in das selbstgewählte Exil nach Villa Hermosa gegangen. Der Start der dortigen Erlebnisse ist in Band 1 nachzulesen. Die erste Story liefert ein kleines Scharmützel mit einem speziellen Hehler und führt vor allem tiefer in die Beziehung von Selina mit der örtlichen Polizei ein. Ränke und Täuschungen waren schon immer das Vergnüglichste an den Erzählungen über die Meisterdiebin.
Eine weitere Episode erzählt von den Versuchen der lokalen Gangster*innen, den ungeliebten Neuzugang wieder loszuwerden. Was zunächst einfach nach einem guten Coup aussah ist tatsächlich nur die Tarnung für die Jagd auf Catwoman selbst. Ram V. zeigt hier, dass er die Figur verstanden hat und in der Lage ist, sie weiter zu entwickeln. Tatsächlich hat er dazu nun auch Gelegenheit bekommen.
Den Abschluss bilden nämlich aktuellere Teile: Catwoman erlebt ein phantastisches Abenteuer auf Isla Nevada mit einer etwas größeren Katze. Diese Geschichte fällt durchaus positiv aus dem Rahmen und der Superschurke hat zwar Superkräfte, allerdings mit Drogen erzeugte. Für die Fans der Mega-Events gibt es auch noch ein Tie-In mit Joker War und erstmals seit langer Zeit wieder eine Verbindung zu Bruce Wayne!
Die Zeichnungen
Nicht nur die Storylines sind nicht von der damaligen Stammautorin, auch der visuelle Teil ist von wechselnden Akteur*innen gezeichnet. Allen gemeinsam ist die Darstellung der Heldin als wandelbarer, selbstbewusster und starker Frau, auch wenn sie teilweise ein wenig bulimisch wirkt. Ansonsten dürfen sich hier Künstler*innen beweisen die alle bereits ihre Sporen verdient haben. Die Qualität ist daher durchaus im oberen amerikanischen Mainstream anzusiedeln. Besonders hervorheben muss man allerdings das Heft 25 und Fernando Blanco! Seine eingestreuten rötlichen Zeichnungen sind herausragend!
Die Wertung
Für Fans der DC-Antiheldin natürlich ein Muss! Moderne Stories fast ohne Supergegner*innen, basierend auf Witz und Täuschung. Und auch die Geschichten, die Teil einer übergreifenden Storyline sind erfordern kein Vorwissen, lassen sich also auch ohne alles andere genießen. Für die Komplettsammler*innen dieser übergreifenden Events aber sicherlich auch interessant. Wie immer begleitet Panini die Veröffentlichung der Hefte mit ein wenig begleitenden Artikeln über die handelnden Personen und die beteiligten Künstler*innen und druckt ein paar Variantcover mit ab.
Dazu passen relaxter Nothern Soul und ein wetterangemessener Aperol Spritz.
Dr. Alexander Braun ist einer der renommiertesten Autor*innen über Comics, Sammler und aktuell von der Stadt Dortmund engagiert um den dortigen schauraum comic + cartoon für drei Jahre mit Ausstellungen zu bestücken. Zu den Präsentationen, die kostenfrei (!) besichtigt werden können, gehört jeweils auch ein Katalog. Bisher wurden diese von den Kulturbetrieben der Stadt verlegt. Die aktuelle Ausstellung ist allerdings gleich für mehrere Orte konzipiert und wird nach Dortmund auch (hoffentlich so denn die Mutationen und Impfungen mitspielen) 2022 in Erlangen, im Cartoonmuseum Basel und in Schleswig zu sehen sein. Der Begleitband durfte also etwas schwergewichtiger ausfallen. Aktuell bleibt ein virtueller Besuch möglich.
Die Person Will Eisner
Der Band über den Graphic Novel Godfather beginnt gar nicht mit ihm selbst sondern mit einer Nebenfigur und der bis dahin unbekannten Art der Einbeziehung der Leser*innen in die präsentierte Geschichte. Will Eisner hatte schon früh begonnen, die Grenzen der (damals angesagten) maskierten Superhelden-Comics zu überschreiten und auszudehnen. Nicht nur, dass der Spirit, sein Held, keine echte Maske trug, er brach auch mit fast allen anderen Konventionen: kein Serienlogo, sondern anspruchsvolle Splashpanels als Opener mit in die Komposition integriertem Schriftzug; der „Held“ war öfters kaum in der Geschichte präsent, ja wird sogar zusammen mit seinem Zeichner in einer Metaebene karikiert und es standen die „kleinen Leute“ im Vordergrund.
Auffällig ist die Eigenart Eisners, die Leser*innen einzubeziehen, in dem Teile der Handlung sich direkt an sie richten, ihr Wissen dem der „Handelnden“ überlegen ist und doch die Katastrophe nicht abgewendet werden kann. Die dazu notwendigen Bildausschnitte und sonstigen Techniken werden von Braun mit vielen kleinen Beispielen dargestellt und erläutert. Dabei verlieren die Ausführungen nie die Leichtigkeit einer Plauderei obwohl sie mit genau geplanten Sätzen auch das kleinste Detail sezieren und präsentieren.
Die beiden ersten Karrieren
Abgesehen von dem Appetithäppchen gleich zu Beginn, dass natürlich dazu verleiten soll, am Ball zu bleiben, folgt der weitaus größte Teil des Buches der Lebenschronologie von Eisner. Angefangen mit der Auswanderung seines Vaters aus Österreich (als Alternative zur Selbstverstümmelung um dem Kriegsdienst zu entgehen) und der späteren Heirat über die ersten Anfänge des jungen Will wird zunächst die Basis gelegt. Die Eisners waren arm, aber doch bessergestellt als aus Osteuropa eingewanderte Juden und auch assimilierter. Eisner gründete zusammen mit Bob Iger ihr erstes Studio, um Zeitungen mit einem kompletten Comic-Supplement zu versorgen, von dem dann wiederum der Spirit die Hauptgeschichte war.
Anders als der Vater war Will durchaus bereit, gegen die Faschisten in den Krieg zu ziehen, auch wenn er tatsächlich den Kriegsdienst an der Heimatfront mit dem Zeichnen von „educational comics“ verbringen sollte. Während dieser Zeit war der Spirit ohne ihn fortgeführt, nach Kriegsende aber wieder von Eisner übernommen worden. 1952 war diese Phase zu Ende und der Künstler konzentrierte sich mit einer neuen Firma komplett erneut auf Sachcomics, hauptsächlich wieder für die US Army. Die Einheit von Text und Bild, die er immer angestrebt hatte, war hier wieder gefragt, denn es ging darum Nutzer*innen von technischem Gerät mit Informationen zu versorgen die im Gegensatz zu den existierenden langwierigen Erläuterungen auch gelesen (und befolgt) würden.
Restart und etwas ganz Neues
1969 musste die Familie Eisner einen schweren Schicksalsschlag, den krankheitsbedingten Tod der Tochter, verdauen. Während das Will und seiner Frau Ann noch halbwegs gelang wurde der Sohn nie wirklich damit fertig und selbst zum Problemfall. Alexander Braun beschreibt diese Zeit eindringlich und auch die damit zeitlich einhergehenden Veränderungen: Eisner beendete die Arbeit für die US Army, verkaufte seine entsprechende Firma und nahm erstmals an einer der neuen Comic Conventions teil. Schlussendlich führte das zu einer für den Rest seines Lebens andauernden Freundschaft und Geschäftsbeziehung zu Dennis Kitchen.
Diese führte nicht nur zu neuen Arbeiten von Eisner, sondern zu einer Neuausgabe des Spirit und zu neuentfachtem Feuer für neue Darstellungsformen. Das erste greifbare Ergebnis davon war die Graphic Novel „Vertrag mit Gott“ der dann weitere folgten. Erstmals hatte Eisner es geschafft und eine Erzählung mit Bildern in einem Literaturverlag platzieren können und nebenbei auch den richtigen Zeitpunkt für dieses neue Genre getroffen. Und wieder leitet Alexander Braun an vielen Beispielen her was dieses Neue eigentlich ist, wie es konstruiert ist und warum es wirkt. Dabei geht es auch um die Verarbeitung der eigenen Trauer über den Tod der Tochter.
Die Themen der folgenden Graphic Novels drehen sich um die eigene Familie (in schonungsloser Offenheit!), jüdische Lebensverhältnisse in den Staaten, die Geschichte einer Straße, sind aber immer auch basiert in der Eisnerschen Lebenswelt und damit auch auf dem erlebten Antisemitismus, Armut und Ausbeutung. Eines der bekanntesten Werke dürfte wahrscheinlich „Ich bin Fagin“ sein. Hier baut Eisner auf Charles Dickens auf und setzt dem dort vorhandenen antisemitischen Konstrukt des „Juden“ eine andere Sichtweise entgegen, um eine bessere Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen. In die gleiche Richtung zieht seine Schrift gegen die Hetzschrift der angeblichen Protokolle der Weisen von Zion.
Der Output war aber nicht nur Comics und Graphic Novels sondern auch Interviews, Analysen und vor allem zwei Sekundärwerke über die Kunst der grafischen Erzählens mit den Mitteln der „Sequential Art“.
Eine ganz persönliche Auseinandersetzung
Ich habe schon einiges, ausgezeichnetes von Alexander Braun gelesen. Ich bewundere seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen, aufzubröseln und dadurch nachvollziehbar zu machen. Hier gibt es kein Geschwafel über künstlerisches Ziel, sondern eine auf das handwerkliche heruntergebrochene Erklärung warum etwas wirkt und was es auslöst. Durch die schiere Menge der Illustrationen kann das auch nachvollzogen werden und das Überformat des Buches hilft dabei natürlich auch: Die Zeichnungen sind so groß, dass auch Details gut erkennbar sind.
Der Text ist aber gleichzeitig sehr persönlich geschrieben. Braun versucht sich in die Rolle Eisners zu versetzen, um ihn zu verstehen und ist dabei weder unkritisch, fanboy-haft noch bewertend. Er scheut sich auch nicht, eigene Theorien aufzustellen und diese im Interview mit Dennis Kitchen zu überprüfen. Dadurch wird das Werk spannend wie ein Krimi und lädt dazu ein, die (durch Corona eh häuslichen) Abende mit diesem Buch zu verbringen.
Das wiederum ist fast schon ein coffeetable-book, 25 x 32 cm groß und 4 cm dick! Da sich der Avant-Verlag entschieden hat, sehr stabiles, hochwertiges Papier zu verwenden, ist es auch nicht gerade leicht. Es lohnt sich aber uneingeschränkt (und ist nebenbei bemerkt für diesen Preis ein echtes Schnäppchen)! Für mich ein ernstzunehmender Kandidat für das Sachbuch des Jahres und eigentlich ein Must-Have für alle, die Comics nicht nur lesen wollen. Und wer kann sollte nach dem Genuss des Titels (erneut) die Ausstellung besuchen und die Werke im Original betrachten.
Dazu passen das Joe Alterman Trio (mit Jon Liebman und Nick Johnson) und ein Bier von He’Brew.
Jetzt auch noch ein Comic über eine Pandemie? Haben wir nicht genug Probleme vor der Haustür? Aber Moment, der Comic ist ja von kurz VOR COVID-19… Also: Vorurteile wieder zurück in die Schublade. Was bleibt, sind die hohen Erwartungen denn bereits mit Babylon 5 hat JMS die Messlatte extrem hoch gelegt und auch im Folgenden immer wieder sein Talent bewiesen. Nach vielen Betätigungen in fremden Universen erfolgt nun die Genesis eines komplett neuen. Es soll die Basis für viele weitere Geschichten einer unbekannten Vielzahl von Kreativen werden.
Ein neues Zeitalter nach der Pandemie
Die Geschichte spielt in der Jetzt-Zeit; alles geht seinen gewohnten Gang und die Menschen reisen Kreuz und Quer durch die Welt. Doch eines Tages passiert es, dass ein Erreger (und seine Herkunft wird hier nicht verraten) den ersten Wirt findet und von diesem Zeitpunkt an geht es ganz schnell. Wir alle kennen heute die animierten Grafiken aus hunderten von Sondersendungen und insofern vergisst man beim Lesen schnell, dass diese Fiktion nur kurz nach ihrer Veröffentlichung tatsächlich Realität geworden ist.
Glücklicherweise haben wir aber nicht den von Straczynski erdachten Virus abbekommen denn bereits in der ersten Welle sterben 400 Millionen Menschen auf der Erde und eine Impfung ist nicht in Sicht. Doch dann ist es vorbei und von einem Tag auf den anderen scheint die Seuche beendet. Einige Überlebende haben jedoch besondere Kräfte entwickelt, Superkräfte. Dabei wurden keine unterschiede gemacht und so sind jetzt Arbeitslose wie Milliardär*innen, Süchtige wie Spitzensportler*innen, gute und Böse mit diesen Kräften ausgestattet.
Es entwickelt sich eine neue Industrie, die versucht der Superwesen Herr zu werden und Held*innen wie Schurk*innen ausstattet und mit Verträgen knebelt. Daneben gibt es aber auch einige, die das nicht mit sich machen lassen wollen und so ist das Grundsetting gelegt. Ach ja, und es gibt natürlich Politik! Einige Staaten versuchen, ihre Territorien zu vergrößern, Diktaturen gehen unter und entstehen und die Großen fallen in den Kalten Krieg zurück.
Innovative Zeichnungen
Der Ruf, der Mike Deodato Jr. vorauseilt, ist fast noch größer, hat er doch fast alles bei Marvel schon gezeichnet und auch Serien wie Wonder Woman oder Xena zu Erfolgen geführt. Nun sind der bekannte Mainstream-Zeichner und JMS zu AWA (Artists, Writers & Artisans) gewechselt, um ihre eigenen Figuren zu erschaffen. Das Universum soll für viele Projekt offenstehen, die Figuren der Resistance allerdings gehören den beiden.
Das Layout folgt oft einem festen Raster, das über die Seitenbegrenzungen hinaus geht und die Zeichnungen in den unendlichen Raum ausfasern lässt. Um dabei nicht eintönig zu werden sind immer wieder auch ganzseitige Illustrationen, klassische Streifenfolgen oder verschränkte Layouts eingestreut und bieten in ihrer Mischung eine perfekte Fläche für die realistischen Zeichnungen Deodatos. Er wechselt das Erzähltempo häufig und variiert dann auch die Panelgröße entsprechend. Dazu kommen Rückblicke in opaken Farben und Medien wiederspiegelnde Facetten. Dabei zitiert er durchaus den einen oder anderen Klassiker wie etwa Watchmen. Und dankenswerte Weise legt er wenig Wert auf die Ergebnisse von Gewalt!
Erwartungen erfüllt?
Ich denke schon, dass The Resistance die Erwartungen der meisten Leser*innen erfüllt! Die Post- (oder vielleicht auch in-between-) Pandemie-Erfahrungen decken sich mit dem hier Beschriebenen und die beste Science-Fiction war schon immer die, die von der Wirklichkeit nicht so einfach unterscheidbar war. Die Zeichnungen sind auf hohem amerikanischem Niveau und die Geschichte ist keineswegs ein langweiliger erster Band, der die Umgebung und die Figuren zwar einführt, sonst aber wenig zu bieten hat.
Straczynski hat eine ganze Menge Elemente verknüpft und kann damit witzige Begebenheiten genauso gut erzählen wie dramatische, traumatische, politische oder zynische. Kurzum: Er beschreibt tatsächlich eine Welt und erzählt nicht nur eine Geschichte in einer existierenden. Natürlich ermöglicht die Nähe zur Realität aber den Leser*innen das unbewusste Füllen von Lücken durch das alltägliche. Insgesamt also ein gelungener Neustart und eine Empfehlung für alle, die mal neue Superheld*innen kennenlernen wollen und nicht mit Lemiere schon genug davon haben.
Neben den bereits üblichen Covern enthält der Band auch noch Auszüge aus dem Szenario inklusive der Vorentwürfe und eine längere Erklärung von JMS zur Vorgeschichte der Serie.
Dazu passen Los Fastidios mit ihrem Corona-Album „From Lockdown to the World“ und ein typisches Stay at Home-Getränk: selbst gebrautes Bier.
Der zweite Teil der kompletten Miniserie hat einen etwas anderen Fokus als der erste Teil. Die beiden Superstars Ellis und Hitch präsentieren eine Geschichte außerhalb der Kontinuität und dürfen sich daher alle Freiheiten nehmen. Sicherlich eine der größten ist, dass Alfred Pennyworth, Butler und Freund der Familie Wayne, am Leben ist!
Der Krieg hat begonnen
Teil 1 zog einen großen Teil seines Charmes daraus, dass Batman sich in die Opfer eines Verbrechens hineinversetzen und so ein Verständnis für die Taten und ihre Verflechtungen entwickeln konnte. Mittlerweile ist klar, dass alle Taten Teil eines Plans sind, und dass sein Gelingen das Überleben der Stadt Gotham als solches gefährden würde. Dabei zieht Warren Ellis alle Register und kreiert einen Superschurken mit psychologischem Trauma als Hintergrund.
Allerdings beeinflusste möglicherweise eine mögliche Verfilmung das Story-Writing meines Erachtens etwas zu sehr. In bester Popkornkinomanier geben sich technische Gadgets die Hand, explodieren immer größere Mengen und hauen Menschen auf einander ein. Hier hätte ein wenig mehr Psychologie und etwas weniger Action gutgetan.
Die Story an sich gefällt aber trotzdem: Die Traumata stehen im Vordergrund und bestimmen die Emotionen. Der Verstand versucht das zu verstehen und trotzdem eine logische Entscheidung zu ermöglichen, wird aber immer wieder durch Reize in Frage gestellt. Dabei fungiert Alfred oft genug als Gewissen und Verstand gleichzeitig wenn er Bruce wenigstens bei der Wundversorgung am Weglaufen hindern kann.
Bombastische Zeichnungen
Von den lauten Tönen getrieben kann Bryan Hitch natürlich ebenfalls aus dem Vollen schöpfen. Übertriebene Kampfmaschinen, gallige Drohnen und Kampfanzüge in oft seitenfüllenden Panels und dazu ohrenbetäubende Explosionen, zerreißendes Metall und ineinander krachende Fahrzeuge sind so realistisch dargestellt, dass der Soundtrack fast schon zu hören ist.
Daneben kann er aber auch im zweiten Teil leise Szenen einfühlsam zu Papier bringen. Der Regen, die Tränen, der um das üble Ende wissende Blick von Alfred sind für mich die wahren Highlights der Zeichenkunst!
One for the record!
Seien wir mal ehrlich: Viele der Batman-Geschichten aus den letzten Jahrzehnten taugen nur zum einmaligen Lesen. Sie dienen der monatlichen Unterhaltung aber haben keinen nachhaltigen Wert in der Batman-Historie. Dieser wird entweder durch das Einführen von Charakteren geschaffen oder aber durch (oftmals psychologische) Herausforderungen, die Held*innen oder Schurk*innen weiterentwickeln. Daneben gibt es natürlich auch extrem gut konstruierte, spannende Geschichten.
Hier bringen Ellis und Hitch nicht nur Batman und Alfred weiter, sondern definieren auch einen ernstzunehmenden Gegenspieler ohne dabei übersinnliche, göttliche oder extraterrestrische Kräfte bemühen zu müssen. Lesenswert! Für Sammler*innen gibt es auch vom zweiten Teil eine limitierte Hardcoverausgabe mit Variantcover und selbstverständlich fehlt auch der Abdruck von Variantcovern nicht.
Cover des limitierten Hardcover
Dazu passen ein „Lemmy“-Cocktail und “You can`t bring me down” von Suicidal Tendencies!
Was hätte es in den letzten Monaten für schöne Ausstellungen gegeben, wenn man sie denn hätte besuchen können. Einige wurden gar nicht erst eröffnet, andere fanden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt oder werden in ein paar Monaten wiederholt. Und ein paar haben den Weg der digitalen Transformation beschritten und sind wenigstens virtuell zu besichtigen.
Der schauraum
Glücklicherweise gehört dazu auch die neue von Dr. Alexander Braun, dem Kurator des schauraums in Dortmund. Der Raum, gleich gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof zentral gelegen, lädt zu kostenlosen Besuchen ein und zeigt an ein paar Wänden und in Schaukästen seltenes Material zu ausgewählten Themen. Vertiefend bietet jeweils ein Katalog vertiefte Informationen. Der Autor schafft es dabei, die neunte Kunst ohne verschwurbelte Worte zu erklären, bisher Unbekanntes herauszuarbeiten und Beziehungen herzustellen. Zudem ist es unglaublich, welche Schätzchen Alexander Braun jeweils herbeizaubern kann.
Dortmund hat sich mit den bisherigen Ausstellungen zu Carl Barks, dem zweiten Weltkrieg im Comic und über Animes in Deutschland einen führenden Ruf in Deutschland erarbeitet und der wird durch die jetzt gerade gestartete Schau über den Godfather der Graphic Novel, Will Eisner, bestimmt nicht geschmälert werden. Alles könnte also so schön sein, wenn nicht das bereits anfangs erwähnte Virus dem einen Strich durch die Rechnung machen würde.
Der großartige Will Eisner
Als einzige Lösung bleibt daher die Ausstellung digital zugänglich zu machen: Mit dem virtuellen Rundgang kann jede*r ab sofort die Ausstellung coronagerecht von zuhause erkunden. Noch besser: Niemand steht zwischen den Betrachter*innen und dem Kunstwerk oder drängelt von hinten. Und man darf sogar mit einem Getränk oder einem Snack vor dem eigenen Rechner sitzen. Gezeigt werden dabei Originale, Druckplatten, Originalausgaben und Devotionalien.
Die Ausstellung ist in mehrere Bereiche gegliedert und orientiert sich an Graphic Novels von Will Eisner. Es gibt in dem Rundgang jeweils Punkte auf die sich virtuelle Betracher*innen stellen können. Texte, die mit einem i gekennzeichnet sind, können geöffnet werden und geben thematische Einordnungen, an die Bilder selbst kann man mit der Maus heranscrollen. Mehr geht nicht!
Zunächst war Eisner ein Comic-Zeichner wie viele andere auch. Schon sein Spirit setzte aber neue Maßstäbe und veränderte unter anderem die Beziehung zwischen Leser*in und betrachtetem Comic indem es Leser*innen in den Kontext einbezog, ihnen mehr Wissen erlaubte als den Handelnden Personen des Strips und dadurch Spannung aufbaute. Zudem waren die eröffnenden Splash-Panels Meisterleistungen. Später verlegte sich Eisner mehr und mehr auf graphische Erzählungen über das Leben, den Antisemitismus und Religiosität. Damit nicht genug war Eisner auch einer der Ersten, der eine Theorie entwickelt hatte, wie man Bilder aufbauen müsste, um damit zu lehren, wie Bildfolgen, um damit grafisch erzählen zu können.
Der Katalog
Natürlich wird auch diese Ausstellung von einem Katalog begleitet, er wird in Kürze beim avant-Verlag erscheinen. Ich konnte bereits einen ersten Blick hineinwerfen und bin mir jetzt schon sicher, dass er den Weg in die comix-online-Jahresbestenliste 2021 schaffen wird! Eine Fülle von Illustrationen, eingebettet in einen Text von Dr. Alexander Braun der einordnet, erklärt und die Relevanz hervorhebt. Ich bin mir sicher, dass selbst eingefleischte Eisner-Fans hier Neues entdecken werden. Eine ausführliche Besprechung erfolgt hier in Kürze.
Vielen Dank also an das Team vom Dortmunder schauraum comic + cartoon für die Möglichkeit, die Ausstellung trotzdem besuchen zu können und in der Hoffnung, das virtuelle Vergnügen dann auch vor Ort vertiefen zu können!
Story: Steve Orlando, Gail Simone, Greg Rucka, Scott Snyder u. a. Zeichnungen: Bryan Hitch, Colleen Doran, Max Raynor, Jesus Merino, Nicola Scott u. a.
Wonder Woman ist eine der ältesten noch laufenden Superheld*innenserien und spätestens nach dem Blockbuster von vor ein paar Jahren auch wieder im Bewusstsein von Nicht-Nerds angekommen. Ursprünglich entwickelt wurde sie 1941 von dem Psychologen William Moulton Marston in Zusammenarbeit mit Max Gaines, dem späteren Gründer von EC-Comics. Ausschlaggebend war, dass es keine Superheldin gab, typisch weibliche Attribute also überhaupt keinen Platz in diesem Genre hatten.
Im Laufe ihrer 80-jährigen Geschichte wurde die Figur nebst ihrer Entstehungsgeschichte mehrfach überarbeitet. Geblieben ist ihr Status als Amazonenprinzessin und die Tatsache, dass Diana – so ihr richtiger Name – sowohl auf der Amazoneninsel Themyscira als auch auf der Erde unter Menschen leben darf. Die Unsterblichkeit der Amazonen hat sie allerdings verwirkt.
Der Kampf gegen Cheetah
Eine ihrer wiederkehrenden Hauptgegnerinnen ist Cheetah bzw. Dr. Barbara Minerva. Diese handelte jahrelang in unbedingtem Gehorsam gegenüber dem Gott Urzkartaga bis Wonder Woman sie davon hatte befreien können. Nun lebt sie in dem Wahn, diese Rettung vergelten zu müssen und Wonder Woman ebenfalls von dem Einfluss ihrer Göttin, Hera, zu befreien.
Nun wissen wir natürlich anhand einer ganzen Reihe von Beispielen (Conan, She, Buffy), dass es nicht ganz so einfach ist, Göttinnen zum Erscheinen zu bewegen. Cheetah versucht daher, Amazonen und auch Wonder Woman selbst in so ausweglose Situationen zu bringen, dass Hera schließlich auftauchen muss, um sie dann zu töten. Die wilde Jagd hat begonnen.
Kollateralschäden und neue Nazis
Aber auch in ihrem Alltag in Boston hat Diana mit Problemen zu kämpfen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Schurk*innen zu vermöbeln und dingfest zu machen. Aus ihrer Sicht sind die dabei entstehenden Bruchschäden schlimmstenfalls eine lästige Begleiterscheinung. Die Stadt Boston sieht das aber anders und vermutet, dass viele Kämpfe gar nicht stattfinden würden, wenn die Superheldin nicht da wäre. Sie stellt daher Detective Nunes ab, um Diana zu überwachen und gegebenenfalls festzusetzen.
Das wäre normalerweise schon nicht schön, wird aber zum Problem, wenn sich eine mittelalterliche Schwertkämpferin in die Jetztzeit verirrt und mit ihrem Schwert um sich schlägt. Und dann wäre da ja auch noch Warmaster. Die Tochter von Naziterrorist*innen hat den Tod ihrer Eltern nicht verdaut und will sich an Wonder Woman rächen.
nur eine der Doppelseiten
Die Jubiläumsnummer 750
Jahrzehntelang hat DC seine Serien immer wieder neu gestartet. Man glaubte, dass hohe Nummern für Neueinsteiger*innen eher abschreckend wären. Dadurch vergibt man sich aber natürlich auch ein paar Jubiläen und so hatten bereits Superman und der Mitternachtsdetektiv ihre zusammengezählte 1000. Ausgabe. Auch diese Heldin hat eine faszinierende Nummer geschafft und die Zählung sprang von 83 auf 750! Wie immer bei solchen Ereignissen erlebt nicht nur die Hauptstory einen besonderen Lauf (siehe oben), es erscheint auch eine extra-dicke Ausgabe mit vielen Gastbeiträgen und noch mehr Variant-covern!
Da Wonder Woman hierzulande nicht in einzelnen Heften, sondern in Sammelbänden erscheint, hat man sich bei Panini glücklicherweise entschieden, alles in das Paperback zu packen. Es enthält daher acht zusätzliche Stories aus verschiedenen Wonder Woman Inkarnationen sowie eine immense Anzahl an Pin-Ups und Titel-Varianten. Gut gemacht!
Die Zeichnungen
Nicht nur die zusätzlichen Stories bringen unterschiedliche Interpretationen der Amazone in unsere Sammlungen; Nein, auch die regulären Hefte sind jeweils von anderen Künstler*innen gestaltet. Die Heldin wird dabei wirklich unterschiedlich dargestellt und gleitet mal eher in die realistische, mal eher in die zeichentrickartige Welt. Mir persönlich gefallen die Seiten von Max Raynor am besten. Auf jeden Fall ist es wahrscheinlich einmalig in einem Sammelband einer laufenden Serie 12 unterschiedliche Künstler*innen bzw. Teams vereinigt zu finden!
Die Wertung
Wonder Woman wurde lange Zeit unterschätzt. Tatsächlich ist sie in ihrem Ursprung feministisch, lebt mittlerweile offiziell ihre Bisexualität aus und ironisiert ihr eigenes Kostüm. Damit ist sie zwar nicht die einzige moderne Heldin im amerikanischen Superhelden-Mainstream, aber doch weit vorne. Im Rahmen dieser Gattung sind die Themen erfreulich irdisch, auch wenn die Akteure göttlichen Ursprungs sein mögen und somit nicht nur für Hardcorefans. Gerade dieser Band ist auch für Neueinsteiger*innen gut geeignet, da er kaum Vorwissen erfordert und wegen der Jubiläumsstorys sogar noch einen breiten Überblick über die unterschiedlichen Facetten der Figur gibt.
Wer sich schon vorher für WW interessiert hat, muss allerdings zugreifen, denn diese Ansammlung an Illustrationen wird so schnell nicht wieder erscheinen (und wer möchte schon bis zur Nummer 1000 warten). Außerdem ist allein das Ausklappcover einen Blick wert!
Dazu passen The Yeah Yeah Yeahs und ein Weißwein mit geringem Säureanteil fast perfekt.
Meine erste Begegnung mit dem mächtigen Thor hatte ich, als er noch auf die Erde verbannt war und in dem Körper von Dr. Blake steckte, einem Arzt am Krückstock. Zu meiner Zeit hatte er schon entdeckt, dass der Stock eigentlich sein Hammer Mjölnir war und sich verwandeln konnte. Die Stories waren typisch für die damalige Periode von Stan Lee und Jack Kirby: irgendwie menschlich, witzig und nicht so überhöht.
Der kalte Tod!
Thor war als Mitglied der Avengers schon seit langem eingebunden in das Marvel Universe und verteidigte mit einen Mitstreiter*innen die Menschheit gegen alle möglichen Gefahren. Die Probleme wurden immer größer, die Gegner*innen immer mächtiger und die göttlichen Wesen immer zahlreicher. So verwundert es kaum, dass auch Thor sich in diesem Strudel der Ereignisse verändert hat. Nun ist er immerhin einer der Herolde des Weltenverschlingers Galactus.
Der Herr der Zerstörung erzählt die Geschichte von eben jenem Galactus, der nicht in der Lage ist, sich gegen den Schwarzen Winter zur Wehr zu setzen. Er braucht die Hilfe von Norrin, dem schwarzen Surfer, und Thor. Sie präsentieren ihm fünf Welten, die bisher vor ihm verborgen waren, und deren Genuss/Vernichtung Galactus genügend Kraft liefern sollte, um sich der Gefahr zu stellen.
Nicht ganz geklärt ist allerdings das Verhältnis zwischen „Chef“ und Herold: Darf Thor die Bewohner*innen einer der Welten noch retten bevor Galactus alles verschlingt? Darf der Untergebene Fragen stellen oder Befehle verweigern? Neben den Antworten auf diese Fragen gibt es auch noch Einsichten in die Geschichte des mächtigen Galactus und die Bestätigung der alten Vermutung, dass dahinter einfach noch eine Ebene kommt…
Die Zeichnungen
Nic Klein ist ein Phänomen: Seit Jahren inkt und zeichnet er für immer größere Serien in den USA und ist auch durchaus auf der einen oder anderen Ausstellung in Deutschland mit Werken vertreten. Der gebürtige Kasselaner ist und bleibt aber ein Geheimtipp.
Sein Stil ist detailreich und gibt den von ihm gezeichneten Figuren Runzeln, Alterslinien und Schatten. Oft genug sind da sonst nur Flächen. Er mag Splash-Panels und seitenfüllende Formate, die von kleineren Panels überdeckt werden und variiert den Seitenaufbau häufig. Da es sich um einen Action-orientierten Superheldentitel handelt, sind die Kampfszenen das Wichtigste. Sie müssen die heutigen Leser*innen überzeugen, dass sie gemalt besser (oder zumindest nicht schlechter) sind als Streamingangebote, die in den aktuellen Corona-Zeiten sogar das Kino ersetzen.
Für mich erfüllen die Zeichnungen von Nic Klein diesen Anspruch: Popcorn in die eine Hand, Cola daneben, krachige Musik von Social Distortion in den Hintergrund und schon kann es losgehen.
Die Ausgabe
Panini hat wie immer eine Menge an Coverabbildungen dazu gepackt und für diesen Titel auch ein auf 444 Exemplare limitiertes Hardcover-Variant veröffentlicht. Die aktuelle monatliche US-Serie kommt hierzulande gleich als Sammelband und erspart das sequentielle Warten. Dafür ist aber natürlich die Zeit zwischen erstem und zweitem Teil länger. Für Fans des modernen Donnergottes und für alle, die mehr über Galactus erfahren wollen.
Cover Thor: König von Asgard 1 Variant
Alle, die bisher aufmerksam waren, wissen, dass sich Musik und Getränketipps heute im Artikel befinden.
Es sind mal wieder unruhige Zeiten im DC-Kosmos. Im richtigen Leben mussten viele Offizielle DC verlassen, im Comic-Bereich läuft das Jahr der Schurken und Gotham wird zur Bane-City. Natürlich kann sich auch die nach der gescheiterten Hochzeit mit Batman in das Exil nach Villa Hermosa gezogene Selina Kyle diesen Dingen nicht ganz entziehen.
Angriff der Zombies
Band 2 hatte damit geendet, dass die skrupellose Raina Creel sich selbst in der Lazarus-Grube gebadet und ihr Leben damit verlängert hatte. Nun zeigt sich, dass Catwoman den Angriff auf sie selbst in der Höhle der Grube überlebt hat. Sie sinnt auf Rache, kann aber zunächst in schönen Bildern auf ihr Leben zurückblicken und beginnt damit die Frage, ob ihr Exil in Villa Hermosa wirklich richtig gewesen ist. Natürlich will sie für ihre Schwester sorgen und die Herrschaft der Creels beenden, aber dann?
Catwoman macht sich in unterschiedlichen Verkleidungen auf, den Aufenthaltsort ihrer Gegnerin zu ermitteln und taucht schließlich bei einer großen Party dort auf, wo sie Raina vermutet. Genau hier ist der Ursprung für den Titel Die Masken der Katze.
Diese hat in der Zwischenzeit eine spezielle Flüssigkeit entwickelt, die Menschen innerhalb von Minuten zu steuerbaren, hirntoten Zombies macht und nutzt diese Fähigkeit aus, um ihre Position innerhalb der Gesellschaft zu stärken. Sie muss nicht mehr jung und schön sein, um Macht zu erlangen oder zu behalten. Natürlich kommt es zum großen Showdown zwischen der korrupten Politikerin und der Katze. Dabei zeigt sicht, dass es möglicherweise ein Fehler sein kann, wenn man mit Menschen nur spielt und sie nicht ernst nimmt.
Joëlle Jones gelingt es, den fast zwei Jahre laufenden Handlungsbogen stimmig abzuschließen, die losen Enden zu verknüpfen und offene Fragen abzuschließen. Das ist schon mal eine große Leistung! Sie hat sich im Laufe der Zeit so stark in die Figur der Catwoman eingefunden, dass ihr in diesen 6 Heften immer wieder ikonische Szenen gelingen und ihr Run als einer der Besten in der langen Geschichte der Meisterdiebin in Erinnerung bleiben wird!
Die Umsetzung
Wieder greift Jones teilweise selbst zum Zeichenstift, lässt aber auch die bereits bekannten Artist*innen zugreifen. Dabei ist eine harmonische Mischung entstanden denn die jeweiligen Passagen sind zwar als unterschiedlich zu erkennen, folgen aber einer gemeinsamen Linie. Dabei geht es wesentlicher rauer zu als sonst oft in Superheldencomics: Schwarze Linien umrahmen Farbflächen und deuten Konturen nicht nur an. Auch sonst sehen Figuren oft aus wie aus einem Modelkatalog. Hier geht es eher um Emotionen!
Seit einigen Jahren sind die besten Geschichten der Fledermausfamilie entweder mit Harley, dem Joker oder eben Catwoman. Dazu kommen ein paar außerhalb der Kontinuität stehende Stories unter dem Black Label oder wie kürzlich Batmans Grab. Der dritte Band der aktuellen Catwoman-Serie bestätigt diese Vermutung: Spannend, grafisch hervorragend erzählt, stimmig in Bezug auf Kontinuität und innerhalb der Storyline, mit viel trockenem Humor erzählt und trotz all der Untoten herrlich „menschlich“! Ein echter Tipp!
Natürlich gibt es wie immer bei Panini Abbildungen der regulären Cover sowie von einigen Variant-Ausgaben, einen Rückblick auf die ersten Teile um auch Einsteiger*innen mitzunehmen und Infos über die Künstler*innen in einem stabilen Softcover.
Dazu passen Gin Tonic mit Pinky Gin Head und Rhabarber-Saft und Amy Winehouse zusammen mit den Specials.
Was für ein Anfang: Gleich auf der ersten Seite sind nicht nur die Gräber von Thomas und Martha Wayne zu sehen, sondern gleich daneben auch das von Bruce! Und dann ist Alfred auch noch auf dem Weg zu seiner wöchentlichen Pflicht. Warren Ellis, hinlänglich bekannt von Serien wie etwa Transmetropolitan oder Planetary, hat sich von aktuellen Krimiserien inspirieren lassen. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass die ersten paar Minuten den Zuschauer packen und vom zappen abhalten müssen, es geht auch um den Trend, dass sich Profiler*innen und Psycholog*innen in die Umstände der Tat hineinversetzen, die Gedanken der Handelnden selber nachempfinden und so den Fall tatsächlich der Aufklärung zuführen.
Auch der Fledermausdetektiv hat in dieser abgeschlossenen Miniserie über 12 Teile, die auf Deutsch in zwei Teilen erscheint, eine solche Fähigkeit, denn er kann sich in das meistens tote Opfer hineinversetzen. Dabei verschmilzt er fast mit der Person, erleidet ihre Qualen und rekonstruiert so den Tathergang. Leider scheint es so, dass diese Prozeduren ihre Spuren hinterlassen und die psychische Gesundheit Batmans angreifen.
Der Detektiv hat es also nicht nur in jedem Heft mit einem neuen Verbrechen zu tun, sondern auch mit einer immer stärker werdenden psychischen Belastung. Ellis schafft es dabei, nicht nur spannende Plots zu erzählen, er variiert so, dass kein Gefühl des Wiedererkennens und damit der Langeweile aufkommt! Und da die Geschichte sich um keine Kontinuität kümmern muss, können auch alle anderen alten Bekannten frei von Zwängen auftreten!
Das Artwork
Nun ja, Bryan Hitch ist ein Meister seiner Kunst und die Erwartungen sind hoch! Er hat für DC und Marvel schon das eine oder andere klassische Werk gezeichnet, nicht zu reden von The Authority (zusammen mit Ellis). Da er auch des Öfteren als Konzept-Artist für Filmproduktionen gewirkt hat, weiß er, wie Räume im Standbild aussehen müssen, wie Film-Stimmung durch Licht geschaffen wird und wie stark man das Böse glaubhaft überzeichnen kann. Diese Erfahrungen kommen ihm hier definitiv zu Gute.
Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass Zeichnungen ohne Filmerfahrung nicht funktionieren. Hier passen aber die sequentielle, Serien-Folgen ähnliche Aneinanderreihung der Ereignisse und der Plot des Hineinversetzens einfach perfekt ineinander.
Hitch liebt actionreiche Kampfszenen und davon gibt es reichlich in diesen sechs Heften. Er beherrscht aber auch die ruhige Nahaufnahme und die Stimmung, in der sich Batman einem Tatort vorsichtig nähert, alle Eindrücke aufnimmt und sich nach und nach in das Opfer hineindenkt. Ich weiß nicht, ob ich die Lust hätte nach ein paar Seiten wieder 4 Wochen zu warten aber die Paperbacks von Panini erlauben ja quasi das Serien-bingen und damit ist die Welt wieder in Ordnung!
Fazit
Batman gehört für mich immer noch zu den glaubwürdigsten „Superhelden“, ist er doch ein Mensch ohne wirklich übernatürliche Kräfte. Die Empathie gehörte bisher nicht unbedingt zu seinem Standardrepertoire und umso spannender ist es, hier von seinem Umgang damit zu erfahren.
Insofern liefern Ellis und Hitch nicht nur ein handwerklich wirklich gut gemachtes Stück ab, sondern erweitern auch das Themenspektrum. Für alle Fans der Fledermaus sicherlich ein Must-Have! Für Polizeiserienfans eine Gelegenheit mal in die Welt der Comicdetektive einzutauchen und für alle anderen ein perfekter Moment um mal (wieder) etwas von Batman zu genießen! Wie immer gibt es dazu eine Covergalerie, ein paar Worte zu Hintergründen und Künstlern und für Sammler*innen eine limitierte Variantausgabe im Hardcover!
Cover der limitierten Hardcoverausgabe
Dazu passen ein „io sono Batman Westcoast IPA“ und die schon etwas älteren Klänge von Braindance!
Felicia Hardy ist die Marvelversion der schönen Diebin, die nicht wirklich „böse“ ist, aber auf der falschen Seite des Gesetzes steht. Sie arbeitet schon mal mit Held*innen zusammen, „heiratet“ sogar in bestimmtem Grad, kann aber auch eine Gruppe von Super-Bösewichten anführen. Ihr Kampfname ist Black Cat und sie gilt als Spider-Man Schurke. Auf Raubzug war der erste Teil ihres Restarts, jetzt ist sie auf Beutejagd!
Mit Krallen und Klauen
Sechs Einzelausgaben kommen in diesem Sammelband und die erste ist gleich ein besonderes Schmankerl, handelt es sich doch um das erste Annual, das zeitlich noch vor dem ersten Band spielt. Die Mafia-Familien in New York haben ein seltsames Ritual um interne Streitigkeiten beizulegen: Eine Tochter der einen und ein Sohn der anderen Familie heiraten um daraufhin statt einer gemeinsamen Nacht einen Kampf auf Leben und Tod auszufechten. Felicia Hardy und Peter Parker schlüpfen in die Rollen der eigentlich Auserwählten und tauchen damit gleichzeitig tief in ihre eigene Vergangenheit ein. Das Romeo-und-Julia-Drama ist gekonnt witzig!
Gleich danach geht die laufende Storyline weiter – Wie weit wird das Zerwürfnis zwischen Black Cat und Odessa Drake um die Führung der Diebesgilde gehen? Ich verrate nicht zu viel, wenn ich andeute, dass es ein längerer Krieg zu werden verspricht. Dabei kommen tatsächlich auch die Motive zum Vorschein, die die Töchter von zwei eng befreundeten Vätern zu unerbittlichen Gegnerinnen haben werden lassen.
Coole Sprüche haben einige Marvelhelden drauf, hier kommt es aber gleich zum Triple denn neben der schlagfertigen Schönheit versuchen auch Wolverine mit seinem trockenen Humor und Deadpool zu punkten. Entscheidet selbst. Alle Geschichten sind von Jed MacKay der sich im Spider-Verse gut auskennt.
Die Zeichnungen
Die Liste der Zeichner*innen (inklusive der Tusche) ist dagegen so lang, dass man einen langen Atem braucht, um sie alle zu nennen. Das hat generell vor- und Nachteile: Einerseits ist es spannend, sich die verschiedenen Interpretationen anzusehen: Die Maske ist mal mehr Maske, mal eher Make-Up, die Haare sehen nicht nur unterschiedlich frisiert aus und auch der Stil variiert. Andererseits wird das Ganze dadurch auch ein wenig unruhig! Gerade wenn man es ausnutzt, die Wartezeit zwischen den Heften überspringen zu können fallen die Wechsel natürlich sofort ins Auge.
In diesem Fall geht es aber tatsächlich nur um stilistische Unterschiede, die Qualität ist gleichbleibend hoch und stört den Lesefluss nicht! Im Gegenteil, alle unterstützen die Lockerheit der Geschichten, die irgendwo zwischen Sitcom und Actionkomödie schwankt. Und: Ja, die Beine sind evtl. etwas zu lang und der Ausschnitt für Martial Arts sicherlich ungeeignet.
Wer mehr über die Geschichte von ähnlichen Held*innen bei verschiedenen Comic-Verlagen gibt sollte einen Blick in die ausgezeichnete Darstellung History of EC Comics von Grant Geissman werfen!
Die Wertung
Die Mischung aus Action und Spaß kommt für mich gut rüber! Niemand in diesem Comic nimmt sich ernst, aber es handelt sich auch nicht um Trash! Für alle, die Spaß haben, gerne entsprechende Serien schauen und das Ganze nicht nur stationär oder auf kleinem Bildschirm genießen wollen. Ein Hinweis für die Älteren: Früher hätte das wahrscheinlich am ehesten den Avengers bzw. „Mit Schirm, Charme und Melone“ entsprochen!
Dazu passt ein trockener Prosecco und Natty Boh & the Topcats!