Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 – 1965

Marvel Comics Library Avengers Vol. 1

Story: Stan Lee
Zeichnungen: 
Jack Kirby

Herausgeber: Kurt Busiek, Kevin Feige
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 630 Seiten | Farbe | 150,00 €

Nummerierte Erstauflage von 5000 Exemplaren

ISBN: 978-3-8365-8234-6

Cover Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965

Taschen lässt nicht locker! Wie angekündigt, ist vor kurzem ein weiterer XXL-Band aus der Marvel Comics Library erschienen. Präsentiert werden im Coffee-Table-Format die ersten zwei Jahre der Avengers, die in ihren frühen deutschen Ausgaben noch „Die Rächer“ hießen. Was damals auf holzigem Papier für den amerikanischen Massenmarkt publiziert wurde, ließ viele Details der Zeichnungen untergehen. Nun gibt es die Möglichkeit, die ersten 20 Ausgaben in einer wohlfeilen Ausgabe zu genießen.

Avengers, assemble!

Wie schon bei der Neuausgabe der ersten Spider-Man Stories gibt es auch hier zunächst eine Einführung eines Fachmannes: Kurt Busiek. Kurt ist seit 40 Jahren erfolgreicher Autor von Comics, unter anderem für Marvel. Marvel war 1963 bereits ein sehr erfolgreicher Verlag, der seine Anfänge als Timely weit hinter sich gelassen hatte und mit DC auf Augenhöhe war. Die Konkurrenz unter den Verlagen war allerdings mörderisch, erfolgreiche Titel wurden gnadenlos kopiert, erfolglose eingestellt. Die Superhelden waren nicht mehr so erfolgreich wie früher, schickten sich aber an, in das Silver-Age zu gehen. Marvel hatte mit seinem eigenen Stil, seiner Jugendlichkeit wie etwa bei Spider-Man schon einige Erfolge erzielt. DC konnte aber mit einem sehr erfolgreichen Titel mit einem Team von Helden punkten.

Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965 Limitierung
limitiert auf 5000 Exemplare

Auch Stan Lee hatte mit den Fantastic Four eine erfolgreiche Marke, es fehlte aber ein Comic, der existierende Einzelheld*innen vereinen würde und somit bestenfalls zu gegenseitigem Upsell führen würde. Lee war für die Ideen zuständig und Jack Kirby sollte trotz seiner hohen Auslastung die Zeichnungen übernehmen. Was also lag näher als Held*innen zu vereinen, die der Künstler sowieso schon zeichnete? Keine Einarbeitung nötig, Plots waren bereits vor der Umsetzung bekannt und die Kontinuität konnte somit störungsfrei gewährleistet werden.

Abgesehen von dieser hilfreichen Komponente entwickelten die Avengers aber sehr schnell ganz eigene Beiträge zu diesem Team-Genre. Zunächst einmal waren nicht alle Mitglieder „gut“. Insbesondere Hulk, der zur Startformation gehörte, war eher unkontrolliert und gewalttätig. Und der Ton der Recken untereinander war nicht immer freundlich. Eine weitere Überraschung kam schon mit der zweiten Ausgabe, denn das Team war variabel. Mitglieder konnten ausscheiden, sich gar gegen das alte Team stellen. Als dann auch noch der re-aktivierte Captain America ab der Nummer 4 mitmachen durfte, standen dem potenziellen Erfolg alle Türen offen.

Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965 Detail vol 1 page 1

Nuff said

Und noch ein weiterer Punkt war nicht unbedingt üblich: Die anderen Teams kannten ihre Geheimidentitäten und waren eine mehr oder minder glückliche Art von Familie. Die Avengers aber trafen sich im Gebäude von Tony Stark, ohne zu wissen, dass dieser in seiner Identität als Iron Man mit am Tisch saß. Aus heutiger Sicht gibt es allerdings auch eine Bemerkung zu machen: Wir kennen Thor, Ant Man, Hulk und Iron Man als die erste Besetzung, die ebenfalls dazugehörende Wasp wird gerne verschwiegen!

Die meisten Leser*innen dieser Rezension dürften den Auftritt damals allerdings verpasst haben. Es gab zwar 1974 eine deutsche Ausgabe im Williams Verlag, viele der Hintergründe fehlten hier aber und es wurden auch nicht alle Serien, zudem nicht in der richtigen zeitlichen Einordnung veröffentlicht. Nicht zuletzt waren die Übersetzungen nicht immer glücklich. Und so dürfen wir hier natürlich auch lesen, dass der sagenhafte Nuff gar kein Kerl war, sondern nur ein Slangausdruck!

Die XXL-Library bietet nun die Möglichkeit, die ersten beiden Jahre am Stück im Original zu verfolgen. Wer jetzt stutzt, der/dem sei gesagt, dass sowohl der einführende Text als auch die Comics weltweit in einer einzigen, auf 5000 Stück limitierten Ausgabe, und damit zwangsläufig auf Englisch erscheinen. Es werden aber tatsächlich die kompletten Hefte faksimiliert, also inklusive der Werbeanzeigen, die für sich selbst schon ein witziges Stück Zeitgeschichte sind.

Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965 Detail vol 1 page 2

Vengeance is ours!

Es bleibt jeder/m selbst überlassen, ob er/sie die Avengers für die mächtigsten (Super)-Held*innen der Welt hält. Sie waren auf jeden Fall ein einzigartiges Team, das schon früh seine eigenen Feind*innen hatte, die einzeln oder als Team teilweise auch einfach nur Lust auf eine ordentliche Prügelei hatten.  Während heute vieler der Stories, insbesondere die großen Events, mit sehr viel Pathos aufgeladen sind, war damals viel mehr Humor im Spiel.

Zudem sind – zumindest für mich – die von Jack Kirby gezeichneten Held*innen genau diejenigen, die ich immer noch suche, wenn ich ein Marvel-Heft öffne. Natürlich ist heute alles viel diverser, korrekter und multidimensionaler. Der Reiz des „Neuen“, Unbekannten, sehnsüchtig Erwarteten war damals aber größer!

Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965 Detail vol 19

Die letzte enthaltene Nummer hat dabei noch ein besonderes Schmankerl bereit, wird sie doch von keinem geringeren als dem „großartigen Wallace Wood“ geinkt!

Must Have für den Marvel Fan

Marvel, das House of Wonder, hat sich immer wieder neu erfunden. Das aktuelle MCU sorgt für einen Blockbuster nach dem nächsten und hat als Teil der Streaming Plattform Disney+ erneut ganz eigene, neue Maßstäbe gesetzt. Die Anfänge aber, ohne die alles nicht möglich gewesen wäre, liegen in der Neudefinition des in die Jahre gekommenen Konzeptes von Super-Held*innen zu Beginn der 60-er Jahre. Ansonsten hätte das Genre vielleicht das Schicksal so vieler Spielarten geteilt: Wer kennt heute denn noch amerikanische Westerncomics, Romance-Titel oder Kriegsgeschichten?

Wer verstehen möchte, wie alles begann, wer das kongeniale Zusammenspiel von Stan Lee und Jack Kirby erleben möchte, der muss in die Vergangenheit eintauchen. Was gäbe es Besseres als eine Sammlung, die alle Details zugänglich macht, die eine historische Einordnung aus erster Hand bietet, und zudem noch einen sichtbaren Ehrenplatz im Regal genauso selbstverständlich ausfüllt wie die Ablage auf einem Tisch für alle Gäste. Eine Bibliothek der Superlative im XXL-Format.

Lee/Kirby – Avengers Vol. 1 1963 - 1965 Trenner
riesige Abbildungen

Dazu passen Mike Oldfield und „Tubular Bells“ sowie ein klassischer Coktail: Whiskey Sour.

© der Abbildungen 2022 Marvel / 2022 Taschen Verlag

Blees – Lee Falks Phantom

Texte zur Graphischen Literatur Band 5 – Der ultimative Wegweiser durch den Dschungel der deutschsprachigen Veröffentlichungen

Cover Klees - Phantom
Cover und Beilage der VZA

Autor: Christian Blees

Herausgeber: Volker Hamann und Matthias Hofmann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Broschur | 240 Seiten | Farbe | 29,95 €
ISBN: 978-3-946266-35-8

Die Texte zur Graphischen Literatur ergänzen das Programm der Edition Alfons seit einiger Zeit. Während das Alfonz seit 10 Jahren (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) die aktuelle Information in Form von Marktübersichten, News, Besprechungen und Leseproben abdeckt, liefert die Reddition themenspezifisch vertiefte Information aus vielen Blickwinkeln. Im Mittelpunkt können dabei Kategorien (wie etwa Musik), Stilrichtungen (z. B. Zeitungsstrips) oder Serien stehen. Die aktuelle Nummer behandelt etwa André-Paul Duchâteau (Besprechung folgt). Daneben gibt es deutlich längere Abhandlungen über einen klassischen deutschen Comic, Hugo Pratt und die Geschichte des deutschen Schwermetall. Nun also alles über den wandelnden Geist und seine deutschen Auftritte.

Das Phantom – ein etwas anderer amerikanischer Held

Am 17. Februar 1936 tauchte das Phantom erstmals auf den Seiten einer Tageszeitung auf, die Geschichte begann ihren Lauf zu nehmen. Das Phantom war ein maskierter Held, er hatte aber keine Superkräfte. Er lebte im Dschungel, war aber kein Tarzan-Klon. Er bekämpfte das Böse und war doch auf eine Familie angewiesen. Er galt als unsterblich und war doch „nur“ ein Familienunternehmen, in dem die Rolle vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Kurzum, das Phantom war ein durchaus eigenständiger Charakter.

Klees - Phantom page 6

Christian Blees beschreibt sehr ausführlich die Geschichte dieses Helden, die Entwicklung über die verschiedenen Tagesstreifen-Abenteuer und später auch Sonntagsseiten hinweg und erklärt, welche Faszination auf die von Lee Falk erfundene und weiterentwickelte Figur zurückzuführen ist, und was eher aufgrund der Zeichnungen der unterschiedlichen Künstler passiert. Er arbeitet dabei die Unterschiede zwischen Ray Moore, Wilson McCoy und Sy Barry genauso verständlich aus wie die späteren amerikanischen Linien.

Der Hauptteil der Arbeit liegt aber auf der deutschen Veröffentlichungsgeschichte. Es begann mit dem Phantom-Heft im Aller Verlag und setzte sich im Buntes Allerlei fort. Danach durften Semic und Moewig ran bevor die große Zeit von Bastei begann. Mit insgesamt zwei „Alben“-Serien und zwei Taschenbuchreihen beglückte der Verlag seine deutschen Leser*innen zwischen 1974 und 1984. Leider zerschnippelte man dort Originale und kürzte, ergänzte oder verfälschte munter drauf los. Wer wissen will, welche Stories (auch mehrfach unterschiedlich) welche Unterschiede zum Original aufweisen, kann sich ab jetzt in dem Werk von Blees informieren!

Klees - Phantom page 56

Das europäische Phantom

Es gab aber neben dem amerikanischen Material auch in Lizenz hergestellte europäische Stories. Zunächst kamen sie aus Italien, später aus Schweden und auch aus Deutschland (zumindest die Szenarien, die Zeichnungen kamen entweder aus Spanien oder aus Italien). Da es passieren konnte, dass eine Originalstory adaptiert worden war und diese Adaption erneut Basis für eine solche war, konnte es vorkommen, dass die gleiche Geschichte dreimal den Weg nach Deutschland fand. Auch dafür bieten die 20 akribisch zusammengestellten Tabellen von Blees Orientierungshilfe.

Dazu kommt eine große Menge an Illustrationen und immer wieder eingestreute Lesetipps mit Hinweisen, warum eine bestimmte Geschichte „besonders“ ist. Das kann auf eine besonders krude Bearbeitung hindeuten, kann aber auch auf eine für einen Zeichner typische Leistung hinweisen. Auch hierbei gab es durchaus Unterschiede. Dank der von Blees zusammengetragenen Ergebnisse sind aber nur noch wenige Fragen über die Herkunft der einzelnen Stories offen!

Klees - Phantom page 206

Für wen lohnt sich der Band?

Nun ja, auf alle Fälle für alle Fans des Dschungelhelden! Nirgendwo findet man eine auch nur annähernd vergleichbare Information, was wann wo veröffentlicht worden ist und worauf beruht. Zudem ist der Band auch eine sehr gute Übersicht über die verschiedenen Handlungsstränge und vor allem auch Unterschiede über die Jahre hinweg. Da das Phantom gerade von zwei deutschen Verlagen „wiederentdeckt“ worden ist und mit neuen Reihen an den Start geht, ist davon auszugehen, dass es immer noch genügend „Phans“ gibt.

Außerdem ist es ein gut lesbares, mit Herzblut zusammengestelltes Werk, das die deutsche Comicgeschichte wieder ein kleines bisschen mehr erhellt und wegen der vielen persönlichen Informationen von Künstlern aber auch Aktiven aus der Bastei-Zeit zu empfehlen ist.

Dazu passen David Bowie als Ziggy Stardust und ein kräftiges Bockbier.

© der Abbildungen 2022 by Christian Blees / Edition Alfons / Phantom © 2022 King Features Syndicate Division, Hearst Holdings, Inc/Distr. Bulls

Will Eisner  – Das Komplott

Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion

Story: Will Eisner mit einer Einführung von Umberto Eco

Zeichnungen: Will Eisner

Originaltitel: The Plot: The Secret Story of The Protocols of the Elders of Zion

Carlsen Comics
Softcover | 152 Seiten | s/w | 15,00 €
ISBN: 
978-3-551-72696-4

Cover Eisner - Das Komplott

Will Eisner gilt als der Vater der Graphic Novel. Seinen ersten Mega-Erfolg hatte er mit der wöchentlichen Beilage THE SPIRIT, einem kompletten Comic-Supplement, das von vielen Zeitungen lizenziert war. Schon hier hatte er Grenzen des Mediums neu gesetzt. Nach einer jahrelangen Pause hatte er dann erneut Neuland betreten: der amerikanische Markt war von Heftchen dominiert, Eisner dagegen wollte Geschichten erzählen. Die Graphic Novel war geboren. Mehr dazu in dem lesenswerten Band von Alexander Braun. Das Komplott ist das letzte abgeschlossene Werk des Meisters und war ihm eine Herzensangelegenheit.

Wie kämpft man gegen Verleumdung?

Antisemitismus ist zwar leider immer noch ein aktuelles Problem, hat aber eine lange Geschichte. Es gibt und gab viele Ursachen für diese Geisteshaltung: Neid, übersteigerter Nationalismus, Raffgier aber auch das Bedürfnis, einen Sündenbock nutzen zu können. Eines der perfidesten Mittel zur angeblichen Begründung dieses Hasses auf Menschen mit jüdischen Vorfahren sind die angeblichen Protokolle der Weisen von Zion. Man weiß seit mehr als 100 Jahren, dass dieses Machwerk eine plumpe Fälschung ist und genauso lange wird es immer wieder veröffentlicht, benutzt und – vor allem – geglaubt.

detail out of Eisner - Das Komplott 3

Will Eisner hatte die Hoffnung, dass wenn er mit seiner Reputation eine Graphic Novel über das Thema schreiben würde, mehr Menschen damit erreicht werden könnten, als mit noch einem wissenschaftlichen Artikel. Er hat alle seine Kunstfertigkeit aufgeboten, das Thema darzustellen. Er fängt dabei mit der Vorgeschichte an: Während der Herrschaft Napoleon III. war eine direkte Kritik an ihm nicht möglich. Maurice Joly verfasste daher 1864 „die Gespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu“ um verklausuliert die Diktatur an den Pranger zu stellen. Dieses Werk wurde später ziemlich dreist kopiert mit den sogenannten Weisen von Zion in der Rolle der Bösen.

Es sollte 1898 zunächst dazu dienen, den Zaren Nikolaus II. davon abzubringen, zu liberale Ideen zu unterstützen, diente nach der russischen Revolution dann den konterrevolutionären „weißen“ Truppen in der Propaganda gegen die sog. „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ und Hitler als Quelle bei der Verfassung von „Mein Kampf“. Unzählige politische Strömungen haben seitdem und immer noch die „Protokolle“ neu veröffentlicht.

Eisner, amerikanischer Jude mit österreichischen Wurzeln, beschreibt aber auch den Kampf um die Wahrheit. Spätestens 1920 war nach einem Artikel in der Times klar, dass die Protokolle eine Fälschung waren. Das Original war bekannt, der Name des Fälschers und seine Auftraggeber. Auch in der Graphic Novel werden die Originaltexte und die Kopien gegenübergestellt, um den Leserinnen zu erlauben, die Behauptungen nachzuvollziehen. Leider haben aber Hass und eigene Überhöhung eine sehr große Widerstandsfähigkeit gegenüber der Wahrheit.

detail out of Eisner - Das Komplott 2

Informationsvermittlung anhand von Zeichnungen

Das Komplott ist schon fast ein „Sachcomic“. Es geht darum, Wissen zu vermitteln, Quellen nachvollziehbar auszulegen und Lügen als solche kenntlich zu machen. Das ist intellektuell schon eine Herausforderung, wird hier aber noch verschärft durch die Notwendigkeit, alles grafisch darzustellen. Eisner gelingt es, seine Figuren „leben“ zu lassen. Ihre Emotionen sind deutlich und Theorie wird dadurch erlebbarer.

Natürlich muss auch viel Information dargestellt werden: viele Zeitschriftenartikel sind wiedergegeben und die Gegenüberstellungen der Originaltete mit den Kopien nehmen viele Seiten in Anspruch. Selbst hier schafft es der Künstler aber, die Information spannend und passend einzurahmen und Leser*innen bei der Stange zu halten. 2005 war dieses Buch erstmals auf Deutsch erschienen, jetzt liegt es endlich wieder vor, zudem als preiswertes Paperback!

detail out of Eisner - Das Komplott 1

Gegen Fake News hilft nur Bildung

Eine kurze Recherche führt zu Tage, dass auch heute die sog. Protokolle leicht bestellbar sind. Umso wichtiger ist es daher, der Hasspropaganda etwas entgegenzusetzen. Für mich gehört diese Graphic Novel von Will Eisner in den Pflichtkanon jede*s Comicleser*in: Nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch als Beispiel, wie man Informationsvermittlung und Kunst kombinieren kann.

Das Komplott eignet sich in dieser Ausgabe aber auch als Schullektüre: Der Preis ist angemessen, Taschengeldtauglich und die beigefügten Texte von Umberto Eco und anderen erlauben eine noch bessere Einordnung. Wer sich bei dem Band über Beate und Serge Klarsfeld gefragt hat, wie Nazis eine solch menschenverachtende Ideologie definieren konnten, findet hier einen Teil der Begründung. Must have!

Dazu passen ein starker Kaffee sowie Esther Bejarano & Coincidence mit „Mir lebn ejbig“!

© der Abbildungen 2005 by the Estate of Will Eisner / Carlsen Verlag GmbH Hamburg 2022

Browne – Hägar Gesammelte Chroniken 1973

Alle Tages- und Sonntagsstreifen

Text und Zeichnungen: Dik Browne

Originaltitel: Hagar the Horrible 1973

All Verlag

Hardcover Querformat | 208 Seiten | Schwarz-Weiß | 19,80 € |

ISBN: 978-3-96804-114-8

Cover Hägar Gesamtausgabe 1973

Als Hägar der Schreckliche im Februar 1973 erstmals veröffentlicht wurde, war es der erfolgreichste Start eines Zeitungsstrips überhaupt. Auch heute noch ist der Strip über den gutmütigsten Barbaren der Welt, der mittlerweile von dem dritten Browne verantwortet wird, der in Deutschland meistverbreitete. Der All Verlag von Ansgar Lüttgenau wagt nun den Schritt in das quasi Geschenkbuchsegment und bringt alle Bände der Gesammelten Chroniken, die jeweils ein Jahr umfassen. Mehr zu Zeitungscomics bei der Reddition 71.

Eine typische Familie

Hägar ist zwar einerseits ein typischer Wikinger, der mit seinen Mannen Burgen und fremde Länder wir England oder Italien überfällt. Aus diesem Zusammenhang entstehen immer wieder Strips, die neben dem auf Hand liegenden Urlaub an den Beginn eines Sales erinnern oder den unerwünschten Besuch entfernter Verwandter. Auch die Verpflegung auf See („Schon wieder Fisch?“) und die Standhaftigkeit angesichts einer feindlichen Übermacht bieten Anlass für viele Tageserzählungen.

Hägar 1973 page 42

Hauptsächlich aber ist Hägar Ehemann und Familienvater. Die Beute, die er seiner Helga von den Raubzügen mitbringt, trifft selten ihren Geschmack. Der Sohn Hamlet ist völlig missraten, wäscht er sich doch gerne und liest Bücher. Die Tochter Honi macht keine Anstalten, sich einen guten Schwiegersohn zuzulegen, sondern trifft sich mit dem Looser Lute, einem Musiker.

Dadurch wird Hägar zu einem Abbild der Wirklichkeit. Jede*r kennt die Archetypen, wenn auch nicht aus dem eigenen Kreis so doch zu mindestens vom Hörensagen. Gleichzeitig ist aber die Verfremdung mit der zeitlichen Verpflanzung zu den Wikingern ein Schutz, der „Lachen ohne Reue“ ermöglicht.

Hägar 1973 page 43

Die Reduktion auf das Wesentliche

Zeitungsstrips müssen sich aus zwei Gründen auf das Wesentliche konzentrieren: Unter der Woche steht nur ein Streifen zur Verfügung der aus ein bis drei, im Extremfall vier Panels besteht. Es bleibt daher wenig Zeit, die Pointe vorzubereiten. Zumal ist (war) der Zeitungsdruck nicht dazu gemacht, Feinheiten zu präsentieren: dickes, saugendes Papier macht filigrane Linien fast unmöglich. Es kommt daher darauf an, erkennbar zu sein! Gerade am Anfang dieser Kunstform waren die Leser*innen zudem oftmals nur rudimentär in der Lage, Text zu lesen, das Bildwerk musste also zur Not allein bestehen können.

Dik Browne arbeitet mit groben Schraffuren, einfachen Formen und klaren Linien. Nicht zuletzt die Knollennasen und die unterschiedliche Kleidung machen die Personen zu einfach wiedererkennbaren Unikaten. Die Emotionen stehen den Handelnden „ins Gesicht geschrieben“ und erfordern kein Textverständnis und die stetig wiederkehrenden Themen sind Allgemeingut. Unter den aktuellen Zeitungsstrips versteht es kaum ein anderer, diese Kombination so prägnant auf das Papier zu bekommen.

Hägar 1973 page 44

Ein liebevoll präsentierter Klassiker

Ursprünglich für den schnellen Einmalkonsum kreiert, erfreuen sich Zeitungsstrips mittlerweile einer großen Fangemeinde, die die Geschichten auch gerne wiederholt und gesammelt genießen möchte. Themen- und Jahresbände haben daher schon seit längerem Konjunktur. Zudem eignen sie sich als Mitbringsel: Niemand wird sich zumindest ein Lächeln verkneifen können, wenn er/sie nach dem Auspacken auch nur einen kurzen Blick in das Innere wirft.

Für die Sammler*innen gibt es – wie immer beim All Verlag – auch hier eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit beigefügtem ExLibris. Außerdem führt Stefan Schmatz mit zusätzlichen, teils farbigen Illustrationen ein in die Hintergründe der Serie und die deutsche Veröffentlichungsgeschichte.

Hägar 1973 VZA
Ex Libris der limitierten VZA

1973 begeisterten Suzi Quatro, The Sweet oder Albert Hammond. Außerdem wurde in diesem Jahr MezzoMix „erfunden“. Der Nostalgiefaktor kann also einfach bedient werden, auch wenn Häger eigentlich zeitlos ist.

© der Abbildungen 2022 King Features Syndicate, Inc./Distr. Bulls / 2022 All Verlag

Gratis Comic Tag 2022 – Comics für Kids

GCT 2022 zum Dritten – Comics für Kids – eine Übersicht

Endlich! Am Samstag, dem 14. Mai findet er wieder statt, der Gratis Comic Tag. Diese Händler machen mit und veranstalten zusätzlich teilweise noch Aktionen! Damit ihr euch bei der Vielzahl der angebotenen Comics ein wenig orientieren könnt, stellt comix-online einige der Titel etwas ausführlicher vor. Der zweite Teil beschäftigte sich mit Superheld*innen, Teil 1 stellte Fantasy-Titel vor. Haben wir nicht alle den Wunsch, dass unsere Kinder oder Enkel*innen auch Comics lesen sollten? Mit unseren Lieblingen können sie aber meistens nichts anfangen. Wie gut, dass es beim GCT gleich eine ganze Anzahl von neuen Comics gibt, die diese Zielgruppe speziell im Blick haben.

Blasco – Enola Holmes (toonfish)

Wir alle kennen Sherlock Holmes, einige vielleicht sogar noch seinen Bruder Mycroft. Das der Meisterdetektiv aber auch eine Schwester hatte, eben jene Enola, ist eher unbekannt. Zudem verhält sich die gute auch noch völlig rollenbildwidrig und verärgert damit ihre Brüder, die Angestellten, vor allem aber die Gute Gesellschaft. Starke Geschichte für kluge Mädchen, die sich nicht in eine rolle drängen lassen wollen. Ausführlicher Teaser aus Band 1.

Diverse – Star Wars – Die Hohe Republik (Panini Comics)

Star Wars ist ein Multispektakel. Der neueste Ableger sind die Geschichten aus der Zeit der Hohen Republik die zeitlich vor den ersten Kinofilmen spielen. Diese Zeit wird mit Comics und Romanen gleichermaßen erschlossen wobei es aus beiden Gattungen sowohl Bände für erwachsene als auch für jugendliche Leser*innen gibt. Sicherlich ein guter Einstieg für Kinder die in eine Star Wars Familie hineinwachsen!

Wellmann – Nika, Lotte, Mangold! (Rotopol)

Kinder lieben einen krakeligen Stil. Es muss nicht immer alles poliert und glatt sein! Thomas Wellmann zeichnet eher unordentlich und beschränkt sich auf das Wesentliche. Gut wiedererkennbare Figuren, überzeichnete Emotionen und viel Action. Wer die mittlerweile gut eingeführten Figuren noch nicht kennt erhält hier einen guten Einblick!

Härdtfeld – Goofy (Egmont Comic Collection)

Der liebevolle, tollpatschige Charakter hatte am 25. Mai 1932 seinen ersten Auftritt. Was liegt also näher, als den Geburtstag auch mit einem Heft zum GCT zu feiern! Goofy und Micky müssen ein langes Abenteuer in Form einer Queste überstehen. Erwachsene werden, die eine oder andere Anspielung entdecken, für Kinder ist es eine spannende und von Überraschungen geprägte Geschichte.

Goscinny/Attanasio – Spaghetti (All Verlag)

Goscinny hat nicht nur die nach Meinung vieler besten Asterix-geschichten getextet, sondern auch anderen Zeichnern perfekte Szenarien geliefert. Dazu gehört auch Signore Spaghetti der immer auf der Suche nach Arbeit ist und gut sein will, oft genug aber ausgebeutet oder getäuscht wird. Dazu passieren ihm immer wieder die seltsamsten Dinge. Hier wird er als Versuchskaninchen benutzt, um festzustellen, ob ein Stein wirklich Unglück bringt. Rasant!

Weing – Die geheimnisvollen Akten von Margo Maloo (Reprodukt)

Kleine Kinder fürchten Monster. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie gar nicht genug Bescheid wissen über diese Wesen? Der kleine Charles, furchtsam, aber nicht mutlos, macht sich zusammen mit der Heldin Margo Maloo auf und begegnet Trollen, Ogern und Vampiren. Ein Höllenspaß der die Furcht nehmen kann!

Tan/Prickly – Die schreckliche Adele (Egmont Bäng Comics)

Auch hier darf man sich als erwachsener nicht von den Zeichnungen abschrecken lassen: zu große Köpfe, fratzenhafte Emotionen und nicht immer erwünschtes Benehmen zeichnen die Heldin der neuen Serie bei Bäng aus. In Frankreich ein Riesenerfolg, hier gerade gestartet. Viele kleine Episoden die von der Länge her eher Zeitungsstrips entsprechen.

Im Fantasy-Beitrag wurden bereits die anderen Comics für Kids besprochen: Die Fantasy-Reihe des Lustigen Taschenbuches und Die Abenteuer von Nilson Groundthumper und Hermy von Stan Sakay aus dem Dantes Verlag.

Dazu empfehle ich einen musikalischen Rutsch durch die Beiträge des diesjährigen ESC und einen Fruchtsaft Orangensaft/Ingwer!

© der Abbildungen 2022 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Gratis Comic Tag 2022 – Superheld*innen

GCT 2022 zum Zweiten – Comics über Superheld*innen – eine Übersicht

Endlich! Am Samstag, dem 14. Mai findet er wieder statt, der Gratis Comic Tag. Diese Händler machen mit und veranstalten zusätzlich teilweise noch Aktionen! Damit ihr euch bei der Vielzahl der angebotenen Comics ein wenig orientieren könnt, stellt comix-online einige der Titel etwas ausführlicher vor. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit Superheld*innen, Teil 1 stellte Fantasy-Titel vor.

Vehlmann/Yoann – Superpage (Carlsen)

Den Anfang macht ein Held, der vom Alter her mit Supermann vergleichbar ist: Seit 1938 ist Spirou in seiner roten Pagenuniform das Maskottchen des gleichnamigen Wochenmagazins und erlebt seine Abenteuer mittlerweile in mehreren Reihen: Einer fortlaufenden Serie, einer Sammlung von One-Shots von unterschiedlichen Künstler*innen und mehreren lokalen Ablegern. Dazu gibt es auch noch die Jugendabenteuer. Die Superheldenverkleidung als Werbemaßnahme zur Ankurbelung des Absatzes der Umsätze war eigentlich nur als kleine Kurzgeschichte geplant.

Cover GCT 2022 Superpage

Mittlerweile ist das zweite Album mit Stories über Superpage erschienen. Das Heft zum GCT präsentiert eine überraschend erschreckende Begegnung mit dem Batguy und zwei Versuche, die eigene Identität der Presse preiszugeben. Plötzlich sind gleich zwei Superpagen unterwegs. Europäische, zudem frankobelgische Versuche mit Superheld*innen sind nicht einfach und in der Vergangenheit bereits oft gescheitert. Dieser konnte beim Publikum durchaus punkten.

Russel/Benjamin – Batman: Entbehrlich (Panini Comics)

Natürlich darf die Fledermaus auch als Original nicht fehlen! Wie üblich präsentiert Panini gleich eine ansprechende Mischung: Neben einer kompletten Story aus Gotham Nights mit dem Titel Entbehrlich werden zwei Mega-Events angeteasert, die das DC-Universum mal wieder umkrempeln werden: In Fear State – Stadt der Angst geht es darum, ob Gotham sich zum Polizeistaat entwickelt. Infinite Frontier dreht sich um das neue Verhältnis der Realitäten im Multiversum.

Cover GCT 2022 Batman

In den drei Geschichten/Leseproben erlebt Batman zunächst das Ende von Killer Moth, um dann in eine Auseinandersetzung mit Scarecrow und Mr. Saint zu geraten. Schließlich landet noch ein fremder Batman auf Erde 23. Die Justice Incarnation ist aufgerufen, das Rätsel zu lösen. Für alle Fans der Multispektakel!

Diverse – Dr. Strange (Panini Comics)

Marvel lässt sich schon seit längerer Zeit nicht mehr allein auf Comics reduzieren, das MCU (Marvel Cinematic Universum) mit allen offiziellen und inoffiziellen Serien und Filmen spielt mittlerweile eine mindestens ebenbürtige Rolle. So ist es fast schon logisch, dass die Marvel-Portion am diesjährigen GCT den Helden des aktuellen Blockbusters, Dr. Strange, präsentiert.

Cover GCT 2022 Dr. Strange

Das erste Abenteuer von 2016, Der Zauberlehrling, führt uns zurück zu den Anfängen der Ausbildung zum Magier. Dr. Stephen Strange muss lernen, sein altes Leben loszulassen, um Fortschritte machen zu können. Der Kreis wird geschlossen durch das erste Kapitel der Miniserie, die der Tod des Dr. Strange betitelt ist. Dazu kommt dann noch eine Kurzgeschichte aus der Origins-Abteilung: Venom. Für Einsteiger*innen gut geeignet.

Hartnell/Noto – Danger Girl: Viva Las Danger (Dani Books)

Dieser Comic passt nicht lupenrein in die Kategorie Superheld*innen, hat aber neben dem toughe-Girls-erledigen-unmögliche-Aufträge-Szenario eine magische Komponente und passt dadurch wieder ein wenig. Bei einem Danger Girl-Einsatz gelingt es Abbey Chase einen uralten Diamanten in ihren Besitz zu bekommen. Dieser wurde angeblich Prinz Akoo gestohlen und soll nun in Las Vegas zurückübereignet werden. Es scheint aber eine Verbindung zu altägyptischer Magie zu geben und schon stecken alle in großen Schwierigkeiten. Ein kompletter One-Shot für Fans von 3 Engel für Charlie!

Cover GCT 2022 Danger Girl

Dazu empfehle ich Billie Eilish mit „Bad Guy“ und einen Energydrink alter Schule: Orangensaft gemischt mit Grapefruit!

© der Abbildungen 2022 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Gratis Comic Tag 2022 – Fantasy

GCT 2022 zum Ersten – Fantasy Comics – eine Übersicht

Endlich ist es wieder so weit! Nach einer Corona-bedingten Pause dürfen wir uns dieses Jahr wieder auf einen großen Schwung an Heften zum Gratis Comic Tag freuen. Am Samstag, dem 14. Mai machen diese Händler mit! Oftmals sind sogar noch weitere Aktionen geplant: Ausstellungen, Signierstunden, Workshops und vieles mehr. Schaut einfach auf der Webseite nach! Da nicht alle Aktionen gemeldet werden, lohnt sich wahrscheinlich auch lokal der Blick in die Zeitungen und Schaufenster.

Comix-online wird in diesem Jahr wieder versuchen, ein paar thematisch gegliederte Überblicke über das Angebot zu geben. Vor zwei Jahren war der erste Beitrag den Western-Comics gewidmet, von denen es in diesem Jahr nicht einen einzigen gibt. Stattdessen habe ich mir den weitgefassten Fantasy-Bereich vorgenommen. Die einzelnen Hefte decken ein sehr großes Spektrum ab. Es sollte also für jede*n etwas dabei sein!

Layman/Bradshaw – Bermuda (Cross Cult)

Ein Schwerpunkt des Verlages Cross Cult sind amerikanische Independents, etwa von image, Boom! oder wie in diesem Fall von IDW. Im Gegensatz zu den Reihen, die bei Marvel oder DC erscheinen, sind die Werke „creator owned“, die Künstler*innen behalten also die Rechte an ihren Werken.

Cover GCT 2022 Bermuda

Bermuda ist eine neue Geschichte, die ein wenig Pulp-mäßig daherkommt. Ein Flugzeug gerät über dem Bermudadreieck in einen schweren Sturm und stürzt ab. Die Insassen, ein junger Mann, seine kleine Schwester und ihr Leibwächter überleben und können sich auf eine kleine Insel retten, die von seltsamen Lebewesen bewohnt wird. Eine schöne Variation des altbekannten Themas, von der hier das erste Kapitel präsentiert wird!

Ambrosio/Ferraris – Lustiges Taschenbuch Fantasy Entenhausen (Egmont Ehapa Medien)

Das Lustige Taschenbuch ist nicht nur der erfolgreichste Pressetitel im Comicsegment, er hat mittlerweile auch eine fast unüberschaubare Anzahl von Spinn-Offs hervorgebracht. Sie erscheinen zu Feiertagen, Events aber eben auch zu besonderen Themen. Fantasy Entenhausen sind insgesamt sechs Bände, die auch in einem Schuber erhältlich sein werden.

Cover GCT 2022 LTB

In der hier komplett abgedruckten Story Aufgerüstet darf sich Donald als Ritter vom Kessel darum kümmern, dass ein böser Fluch aufgehoben wird. Er wird dabei von Danilo (Düsentrieb) begleitet und soll seinem Onkel Geld und Ruhm einbringen. Nette Unterhaltung aus der italienischen Topolino-Produktion, die auch das Logo „Comics für Kids“ trägt.

Sakai – Die Abenteuer von Nilson Groundthumper und Hermy (Dantes Verlag)

Gleiches gilt auch für das Abenteuer von Stan Sakai, der bei uns hauptsächlich wegen seiner Geschichten über den Hasen-Ronin Usahi Yojimbo bekannt ist. Bereits vorher hat er aber zwölf Stories über den Hasen Nilson Groundthumper veröffentlicht. Der sympathische Hase möchte sich als Mietschwert verdingen und wird von den etwas einfältigen Hermy begleitet. Alle Abenteuer der beiden sind jetzt in Deutscher Erstveröffentlichung beim Dantes-Verlag erschienen, eine sehr kurze und eine längere Episode findet sich in diesem Heft!

Cover GCT 2022 Nilson Groundthumper

Sfar, Trondheim/Vince – Donjon Antipoden +10000 (Reprodukt)

Der Donjon hat sich längst zu einem Universum entwickelt, dass über alle Zeiten hinweg von unterschiedlichen Teams komplettiert wird. Der Donjon ist eine mit Gold gefüllte Festung, wird es zumindest einmal sein, oder aber ist es – wie in diesem Heft – einmal gewesen. Joann Sfar und Lewis Trondheim erweitern diesen Kosmos ständig, Antipoden + 10000 spielt in der Zukunft der eigentlichen Storyline. Vince setzt das Ganze genau so anarchistisch und abstrus um, wie es gemeint ist. Das komplette Abenteuer reizt hoffentlich den einen oder die andere, tiefer in die Welt um den Donjon einzutauchen.

Cover GCT 2022 Donjon + 10000

MacLean/Spicer – Hero Lopper (Cross Cult)

Eine weitere amerikanische Serie, in diesem Fall von image, ist Hero Lopper von Andrew MacLean. Der Held der Geschichte ist Norgal, genannt der Köpfer. Er ist ein Mietschwert, erledigt einen Auftrag auf der Insel Barra und legt sich sofort mit seinem Auftraggeber an. In seinem Gepäck hat er den Kopf einer Hexe. Klingt ziemlich drastisch und wird in leicht karikaturesken Bildern ausgeliefert. Das hier präsentierte Kapitel 1 macht aber durchaus neugierig.

Cover GCT 2022 Hero Lopper

Breitschuh – Luba Wolfsschwanz (Weissblech Comics)

Als einziger Titel in diesem Jahr trägt dieses Heft den Aufdruck „Empfohlen ab 16 Jahren“. Weissblech Comics hat sich schon immer auf die Genres Horror und Erotik konzentriert und verlegt sehr erfolgreich Reihen wie Horror Schocker oder Zombie Terror. Luba Wolfsschwanz ist der Ausflug in eine Fantasy-Welt. Die Heldin wird nach einem blutigen Überfall auf ihr Dorf als einzige Überlebende gefangengenommen und soll die Provinz der Eroberer in einem alljährlichen Gladiator*innenwettstreit vertreten. Die Protagonistin ist weder zimperlich noch zartbesaitet und sucht Rache. Wegen der doch häufigen nackten Brüste und Gewaltszenen wirklich nichts für jede*n!

Cover GCT 2022 Luba Wolfsschwanz

Dazu empfehle ich Hunnu Guren mit ungewöhnlichen Klängen, die aber gut zu diesem Thema passen, und einen Kräutertrunk (als Tee oder aufgesetzt, je nach Alter)!

© der Abbildungen 2022 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

George R. R. Martin – Königsfehde 3

Das Lied von Eis und Feuer

Story: Landry Q. Walker nach George R. R. Martin
Zeichnungen: 
Mel Ruby
Originaltitel: 
A Clash of Kings: The Graphic Novel: Volume 3

Panini Comics

Broschur | 192 Seiten | Farbe | 20 €
ISBN: 978-3-7416- 2532-9

Cover George R. R. Martin - Königsfehde 3

Game of Thrones oder richtigerweise Das Lied von Eis und Feuer ist ein multimediales Mega-Spektakel: Die Bücher machten den Anfang, die HBO-Serie folgte. Mittlerweile gibt es Orchester, die mit der Musik touren, Kochbücher, Bastelbögen und Actionfiguren und natürlich auch Comics. Diese erscheinen in den USA bei Bantam und auf Deutsch bei Panini. Sie sind so etwas wie eine Zeitmaschine, veröffentlichen sie doch aktuell den Inhalt des zweiten Buches.

Alle gegen Alle

Der dritte Teilband von Königsfehde setzt mit der ersten öffentlichen Demütigung von Sansa durch Geoffrey ein. Der enthemmte Psychopath hat nie Grenzen aufgezeigt bekommen und entsetzt Freund und Feind durch seine sadistischen Handlungen. Trotzdem wagt fast niemand gegen ihn aufzubegehren, da er durch die ihm treu ergebene Soldateska geschützt ist und jedes Anzeichen von Widerstand erbarmungslos vernichtet.

Auf der anderen Seite gibt es mehrere Anwärter auf den Thron. Alle von ihnen glauben, der einzige „wahre“ und „rechtmäßige“ Herrscher in spe zu sein. Dementsprechend ist es selbstverständlich viel wichtiger, gegeneinander zu kämpfen und Truppen zur gegenseitigen Vernichtung zu führen. Weder das Leid der angeblich im Vordergrund stehenden Bevölkerung, die man schließlich regieren möchte, noch das Überleben der eigenen Truppe führen zu irgendwelchen Überlegungen. Es gilt schließlich, die Macht zu erlangen.

Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, liegt wahrscheinlich richtig. In der Geschichte der Menschheit hat es schon oft genug Männer (!) gegeben, die aufgrund zu erlangender oder zu verteidigender Macht zu allem bereit waren. Und natürlich auch schon immer Tausende von Opfern! Und oft genug fanden sich genügend bereitwillige Unterstützer*innen. All das in epischer Breite (und mit wirklich gut erzähltem Spannungsbogen, verwoben mit Einzelschicksalen über verschiedene Ebenen und mit Fantasy-Elementen verknüpft) findet sich bei dieser Saga von George R. R. Martin in der Comic-Fassung von Landry Q. Walker wieder. Mehr bei Teil 1.

Variant George R. R. Martin - Königsfehde 3
Cover der limitierten Hardcoverausgabe

Emotionen, Kampf und Blut in Serie

Mel Ruby hat das Ganze auf das Papier gebracht. In einem ziemlich realistischen Stil zeigt er die Gewalt der Täter, aber auch das Leiden der Opfer und die Versuche, sich irgendwie durchzuwurschteln. Niemand wird bei dieser Serie erwarten, dass sie für 10-jährige umgesetzt worden wäre. Ruby hat sich aber auch nicht nach oben vergriffen und deutet oft eher an, als das er detailliert. Trotzdem ist der Comic nichts für schwache Nerven!

Obwohl im Original oft genug Erniedrigungen vorkommen und daher natürlich auch Teil dieser Umsetzung sind, gelingt es hier doch einigermaßen, sie nicht voyeuristisch darzustellen. Niemand kann sich an diesen Szenen weiden und US-typisch gibt es kaum Nackt-Szenen, definitiv weniger als in der gefilmten Variante. Wer das Original mag, wird hier auch seinen Spaß haben, wer eher auf märchenhafte Fantasy steht, wird durch diesen Band eher nicht vom Gegenteil überzeugt werden.

Werkgetreue Umsetzung

Alles in allem eine ziemlich werkgetreue Umsetzung! Natürlich leidet die Serie etwas darunter, dass die Storyline fast schon zum Allgemeinwissen gehört. Gerade deswegen kann man aber hier beim erneuten Starten kleine Details aus der Rückschau ganz anders bewerten.

Der deutsche Sammelband enthält acht Hefte und natürlich auch das eine oder andere Variant-Cover als ganzseitige Abbildung. Die Klappenbroschur ist gut gemacht und gibt beim Lesen genügend Stabilität und die Glanzapplikation auf dem Umschlag sieht ebenfalls genreangemessen aus! Für die vielen Fans gibt es hier sicherlich nicht viel zu überlegen. Der Band ist auch als Hardcover erhältlich.

Dazu passen ein Frühligsbock und die immer noch aktiven Buzzcocks!

© der Abbildungen 2021 George R. R. Martin / Panini Verlags GmbH

Garcia/Badower, Suayan – Joker/Harley 3

Psychogramm des Grauens Teil 3

Story: Kami Garcia
Zeichnungen: 
Jason Badower, Mico Suayan
Originaltitel: 
US-Joker/Harley: Criminal Sanity 6 – 8

Panini Comics DC-Black Label

Hardcover Überformat | 108 Seiten | Farbe | 20 €
ISBN: 978-3-7416- 2037-9

Cover Garcia/Badower, Suayan –  Joker/Harley 3

DC veröffentlicht unter dem Black Label Geschichten, die sich an ältere Leser*innen richten und sich nicht an die Kontinuität der Hauptserien halten müssen. Hier geht es nicht darum, jeden Monat ein neues Monster zu besiegen! Stories dürfen sich einem Motiv über eine längere Zeit widmen, die Tiefe ausloten und können somit neue Facetten in den altbekannten Held*innen, aber auch in den Gegner*innen ausloten. Harley Quinn startete ihre Karriere in der Animated-Series vor rund 25 Jahren, hat aber seitdem eine erstaunliche Entwicklung vom Side-Kick zum Star durchlebt. Das Psychogramm des Grauens ist laut Werbung ihre bisher düsterste Geschichte!

Jagd auf einen Mörder

In Gotham City geschehen ständig Morde. Auch hier ist es aber nicht üblich, dass Serienmörder ihre Taten inszenieren und Kunstwerke nachstellen. Harley Quinn arbeitet als Psychologin für das GCPD und hat ein eigenes Interesse an der Aufklärung dieser Morde, wurde doch ihre Mitbewohnerin zum Opfer. Auch Joker weiß, wer ihn verfolgt. Wie bisher auch springt die Story zwischen der Vergangenheit (auf farbigen Seiten) und der Jetztzeit (auf schwarz-weiß gehaltenen Seiten) hin und her.

Joker/Harley 3 page 3

Rund 7 Jahre liegen zwischen den ersten Ereignissen, die einen verwirrten jungen Mann aus Rache handeln lassen, und dem Heute, wo die Motivation der Obsession längst nicht mehr so klar ist. Kami Garcia schafft es im Gegensatz zu vielen anderen, Joker in gewisser Weise verständlich zu machen. Sein Kampf gegen missbrauchende Väter wird zwar mit den falschen Mittel geführt, hat aber einen akzeptierten Kern.

Auch seine Gegenspielerin verliert im Übrigen über die Jahre ihre Klarheit. War sie anfangs noch eindeutig auf der Seite von Recht und Gesetz nimmt auch bei ihr das Persönliche immer mehr Raum ein. Wie so oft definiert sich der Jäger über seine Jagdbeute. Wie weit muss man sich selbst dem Gejagten anpassen, um seine Spur nicht zu verlieren?

Joker/Harley 3 page 5

Berauschendes Artwork

Wie schon in den beiden ersten Bänden liefern Jason Badower und Mico Suayan ein beeindruckendes Artwork ab! Die sehr realistischen Bilder schaffen nur sehr wenig Distanz zwischen der Geschichte und den Betrachter*innen und das sehr abwechslungsreiche Layout verstärkt dieses noch. Da jede Seite anders aussieht als die vorangegangenen ist wenig Abstraktion durch ein Schema möglich.

Die in der Jetztzeit spielenden Szenen wirken durch das schwarz-weiße Grundmuster mit den wenigen farbigen Highlights noch eindringlicher. Oftmals „fehlt“ ja einfach nur die Kolorierung. Hier wurde dieser Schritt komplett durchgeführt, allerdings eben nur in Grautönen. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass die Geschichte nichts für Leser*innen ist, die im Dunkeln nicht in den Keller gehen. Die Masken des Joker wirken beängstigend und auch sonst sind Anklänge von Horror nicht zu verleugnen.

Joker/Harley 3 page 8

Ein Must-Have für die Gotham/Batman-Sammlung

Seien wir ehrlich: Nicht jede Geschichte aus dem Batman-Universum ist es Wert, mehrfach gelesen zu werden. Neben vielen guten Stories gibt es nur wenige, die in keiner Sammlung fehlen sollten, aber Joker/Harley gehört dazu! Spannend, innovativ, hervorragend gezeichnet und mit einem offenen Ende versehen erfüllt diese Geschichte alle Anforderungen an einen modernen Comic!

Zudem hat Panini gut daran getan, ausgewählte Werke aus dem Black Label in dem Überformat und sehr wertig zu präsentieren. Die Zeichnungen haben dadurch mehr Platz und auch die Covergalerie gewinnt natürlich. Im Übrigen ist das Psychogramm des Grauens natürlich auch für Nicht-Batman-Aficionados geeignet. Wer Spaß an Dexter, Blacklist oder ähnlichen Serien hat, kann hier sicherlich einen Blick riskieren! Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Variantausgabe.

Cover Garcia/Badower, Suayan –  Joker/Harley 3 VZA
Cover der limitierten Vorzugsausgabe

Dazu passen The Linda Lindas und ein gekühlter Pinot Noir Rosé.

© der Abbildungen 2020, 2021 DC c/o Panini Verlags-GmbH

Fraction/Dodson – Adventureman 1

Das Ende und alles Danach

Story: Matt Fraction
Zeichnungen: 
Terry Dodson
Originaltitel: US-
Adventureman Vol. 1

Splitter Verlag

Hardcover | 168 Seiten | Farbe | 25,00 € | 
ISBN: 978-3-96792-109-0

Cover Adventureman 1

Manche Serien kommen mit vollem Karacho, überrollen einen fast und hinterlassen atemloses Erstaunen. Es gibt so viele Elemente, die ineinandergreifen, ein wahnwitziges Tempo und immer auch einen kleinen Nachhall der letzten Szene der erst kommt, wenn die nächste schon da ist. Insofern ist jede*r selbst schuld, die/der den Band nicht mindestens zweimal liest! Auf in den Kampf von Adventureman gegen Baron Bizarr:

Pulp Reloaded

Opener Adventureman 1

Früher, als alles noch besser war, waren Geschichten noch voll mit echten Helden, bösen Bösewichten und klaren Verhältnissen. Leider war damals allerdings keinesfalls alles besser! Eine ganze Schar von -ismen tummelte sich in den Geschichten, die zudem teilweise so hanebüchen waren, dass die Leser*innen schon ein sehr übersteigertes Fluchtbedürfnis benötigten. Adventureman verknüpft die Unbekümmertheit der damaligen Zeit mit dem Wissen und dem Verständnis von heute.

Die Geschichte von Matt Fraction spielt auf zwei Zeitebenen: es gibt die literarische Vergangenheit von Adventureman und seiner Crew. In mehreren Abenteuern müssen sie sich mit ihren Feind*innen auseinandersetzen, um schließlich dann doch zu verlieren. Schon „damals“ ist die Truppe multiethnisch und divers. Daneben gibt es die heutige Re-Inkarnation in der Claire der oder besser die Adventureman ist. Die alleinerziehende Mutter, ihr Sohn und ihre sechs Adoptivschwestern treffen sich regelmäßig am Freitag zum gemeinsamen Essen bei ihrem Vater. Dieser führt die Tradition der Großmutter fort. Am Tisch reden alle durcheinander und stellen eine komplett chaotische, glückliche Patchworkfamilie dar.

Adventureman 1 page 7

Irgendwie schafft es die durch einen Unfall fast taube Claire als einzige in ihrer Umgebung Dinge zu sehen und gerät so in die Welt von Adventureman. Diese war keineswegs zerstört worden, hatte sich aber zwecks Rettung der Welt verstecken müssen. Erneut droht der Untergang der Welt und eine Mischung aus neuen und alten Recken stellt sich dem entgegen. Die Moral von der Geschicht: Vergesst bei aller Hektik das Lesen von Büchern nicht!

Eine volle Schüssel Popcorn

So geschwindigkeitsgetrieben wie die Story sind auch die Zeichnungen. Die Augen können sich gar nicht so schnell überall hinbewegen, wie sie sollten. Das Layout ist facettenreich, lebendig und trotzdem wirkt es manchmal verschnörkelt. Dadurch passen auch sowohl die aktuellen Straßenszenen auf dem flotten Roller als auch die Rückblicke in das gleiche Artwork! Die Figuren sind „pulp“-ig, die Klamotten auch schon mal zerrissen, die Körper aber modern und nicht dem Frauenbild von vor 100 Jahren entsprechend!

Adventureman 1 page 11

Terry Dodson kann hier alle seine Vorlieben ausleben und darf munter zwischen gekasteltem Layout und Splashpages hin und herschwingen und dabei überlappen, verschneiden, überspannen und ineinanderfließen lassen. Einige Puristen mögen jetzt verzweifeln und tatsächlich sieht man natürlich auch Einflüsse vom Animated Style. Hier passt aber alles zusammen.

Als Ergänzung gibt es nicht nur die Originalcover, sondern auch eine Art „Making-Of“ mit Hinweisen zur Geschichte dieses Werkes und Styleguides, Vorzeichnungen und Skizzen!

Top-Tipp

Mehr davon! Bitte!

Im Ernst, ein rasanter, humorvoller mit Vorurteilen spielender Comic, der Spaß macht. Er hat alle schönen Elemente des Pulps ohne den bösen Beigeschmack, ist super aufbereitet und dargeboten und verschafft an den Frühlingstagen, an denen das Wetter nicht mitspielt, trotzdem gute Laune!

Adventureman 1 page 17

Dazu passen Red Hot Chili Peppers mit „Black Summer“und ein großes Blubbergetränk.

© der Abbildungen 2020 Milkfed Criminal Masterminds, Inc. and Terry Dodson. / Splitter Verlag GmbH & Co. KG · Bielefeld 2022

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